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1898

In Bordeaux eigentlich kein guter Jahrgang. Die außergewöhnliche Qualität des Margaux zeigte aber 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe, auf welch hohem Standard dieses Chateau damals in seinen Goldenen Jahren war. Eine erstaunlich intakte Farbe besaß dieser Weingreis aus einer low shoulder Flasche immer noch. Das Bouquet mit Waldboden, Pilzen, Unterholz und Jod verströmte eine morbide Faszination, der man sich nur schwerlich entziehen konnte. Am Gaumen waren immer noch Fruchtreste, aber wenig Alterstöne, einfach ein sehr feiner, eleganter, perfekt gereifter Bordeaux, der immer noch mit sehr viel Genuss zu trinken war – 96/100.

Ein Chateau du Mont aus dem Medoc war 2010 eigentlich nur in der Nase noch spannend. Die war laktisch, kräuterig, portig, dunkles Schoko-Toffee, eingelegte Pflaumen. Am Gaumen hatte leider eine recht gruselige Säure die Oberhand gewonnen.

Ein Coutet aus Sauternes wirkte 2010 mit sehr dunkler Farbe etwas stumpf, muffig, staubig, die Süße sehr verhalten und gut versteckt, dafür mehr alte Spinnweben, kurz der Abgang, am Tisch sprach man von Kork, ich meine, der ist einfach nicht besser – 80/100.

Als sehr gut gilt der Jahrgang in Burgund.

1998 war ein Corton Clos des Cortons von Faiveley ein wunderschöner Top-Burgunder, reif, sicher schon über den Höhepunkt hinweg, verlor aber im Glas rasch alle Nebentöne und wurde samtig-weich mit wunderschöner Süße – 93/100. Trüb war im Herbst 2005 eine Händlerabfüllung Beaune und hatte dazu ein wahnsinniges Depot. Auch hier am Gaumen eine massive Kraft, dazu Kaffeearomen und deutliche Lakritztöne. Im Burgund hat man früher nicht nur die Weine anders ausgebaut. Man hat, insbesondere bei Händlerabfüllungen, auch teilweise reichlich Gebrauch von so genannten Deckweinen aus südlicheren Gefilden gemacht. Bei diesem 1898er war sicher eine Menge Rhone mit drin. Wobei dann auch letzterer von sehr hohem Niveau gewesen sein muss, denn dieser Wein-Methusalem war einfach faszinierend – 98/100. Erstaunlich lebenig war 2012 auf Uwe Bendes großer Burgunderprobe trotz bräunlich-reifer Farbe ein Musigny von Leon Rigault, sehr malzig die süße Nase, am Gaumen viel Kaffee und schmelzige Fülle - 96/100.