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1908

Kein großes Bordeaux-Jahr, doch durch die harschen Tannine der Weine gibt es da durchaus immer noch Überlebende.

So im Herbst 2006 ein La Mission Haut Brion. Den hatte die massive, immer noch deutlich spürbare Säure am Leben erhalten und die Tannine, die diesen Wein sicher in der Jugend ebenso unattraktiv gemacht hatten, wie die meisten anderen 08er Bordeaux auch. Jetzt präsentierte er sich zwar etwas ruppig und rustikal, wie eine etwas kleinere, ältere Version des 75ers, aber durchaus mit viel Trinkgenuss und mit einer für einen fast hundertjährigen Wein erstaunlichen Vitalität – 91/100. Sensationell 2012 eine Pichon Comtesse in sehr gutem Zustand mit Original-Korken. Unfassbar, wie diese alte Dame brillierte. Schlichtweg sensationelle, sehr dichte Farbe, balsamische Noten, eingelegte Rumtopffrüchte, nicht der feine Schmelz jüngerer Jahrgänge, dafür aber eine immense Kraft. Stand wie eine „1“ im Glas und war irrsinnig lang am Gaumen. Ein in dieser Form praktisch unsterblicher wein, der durch das harsche Tannin des Jahrgangs wahrscheinlich etliche Jahrzehnte untrinkbar war. Wir konnten jetzt davon profitieren und hatten vom reinen Genusswert her sicher 94/100 im Glas.

Grausam war der Jahrgang in Burgund.

Gutes erzählt man sich von der Rhone, insbesondere aus Chateauneuf.

Vino viejo rosado de mesa stand auf dem Etikett eines Vina Yago der Bodegas Rioja Santiago, der sich äußerlich in respektablem Zustand mit gutem Füllstand befand. Der 100jährige Yago präsentierte sich 2008 als eine Art großer, gereifter Chardonnay mit schon leicht ins Güldene gehender Farbe, hohem Faszinationsfaktor und erstaunlicher Frische und Länge – 91/100. Eine weitere Flasche 2014 war eher bittere Kost mit tiefer, aber klarer Farbe. Am Gaumen zeigte dieser Wein Bittermandel-Aromen und immer noch Kraft und Länge – WT85.

In 1908 sollte man zu Portwein greifen, ein ausgezeichnetes Vintage-Jahr. Habe schon zweimal, 1994 und 1996, mit großem Vergnügen aus der halben(!) Flasche Cockburn getrunken.