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1916

Die Bordeaux dieses besten der Kriegsjahrgänge während des 1. Weltkrieges müssen ihre ersten Besitzer ganz schön genervt haben. Sehr unzugängliche Weine mit strammem Tanningerüst.

Klassisches Beispiel großer 16er ist der Calon Ségur, den ich seit 1993 8mal getrunken und konstant mit 95/100 bewertet habe. Bei meiner leider letzten Flasche 2000 notierte ich: "irrer Stoff, hat immer noch Tannin, aber auch kräftige, nicht störende Säure, geht als 50 Jahre jünger durch, suchen alter Calon Segurs lohnt!"

Einfach hin war 2006 Latour. Sehr gut der äußere Zustand mit very top shoulder. Eine Bombe hätte dieser Latour sein müssen, stattdessen war es ein Rohrkrepierer. Flüchtige Säure ohne Ende, Klebstoff, Schuhcreme, einfach untrinkbar. Besser 2008 eine weitere Flasche. Sehr dichte, bräunliche Farbe, in der Nase leicht oxidativ und deutliche Anflüge von Liebstöckel, aber auch noch Reste pikanter Frucht, am Gaumen sehr schöne, malzige Süße, verbunden mit guter Struktur und auch noch Kraft. Reif aber noch lange nicht am Ende und durchaus schön zu trinken – 91/100. Die dritte Flasche 2012 war einfach nur Schrott, mit heller, bräunlicher Farbe, oxidativer Magginase und am Gaumen diese schlimme Mischung aus Klebstoff und flüchtiger Säure. "wird seinem Alter gerecht", notierte ich erst 2015 bei Elke Drescher. Doch erstaunlich, wie dieser Latour mit seiner hellen, sehr reifen Farbe doch noch kam. Entwickelte noch eine erstaunliche Kraft und war mit seiner feiner Marzipansüße immer noch sehr gut trinkbar. Und statt abzubauen baute er sogar im Glas aus -WT91. Pontet Canet hatte 2006 eine reife Farbe, feine Nase mit Teer und Leder, aber auch etwas Aceton, sehr weit, käsige Töne – 86/100.

Ein einfacher St. Julien, eine Händlerabfüllung von Alex Labourdette aus Bordeaux, hatte 2007 eine helle, aber intakte, brilliante Farbe mit wenig Alter. Ein feinduftiger, eleganter Wein, der durch die präsente Säure nicht nur am Leben gehalten wurde, sondern auch eine erstaunliche Frische erhielt, baute auch über längere Zeit im Glas nicht ab – 91/100.

Sehr überzeugend auch mehrfach Lanessan, der mich schon 1994 auf einer Drawert-Probe sehr positiv überraschte(94/100). 2006 hatte ganz zu Anfang etwas Liebstöckel in der Nase. Das ging aber weg und es entwickelte sich eine einfach geile, leicht exotisch anmutende, süße Nase. Am Gaumen viel Kraft und Länge, erst etwas astringierend, und dann stellte sich auch hier immer mehr diese geile Süße ein – 95/100. Selbst die Flasche 2008 auf meiner Worst Bottle mit einem Füllstand von nur lms hatte eine dichte und kräftige Farbe, ein sehr kerniger, nachhaltiger Wein mit immer noch deutlichem Tanningerüst und einer durchaus charmanten, rustikalen Art - 93/100. Ich hätte keine Hemmungen, nicht nur die genannten Weine, sondern auch andere Medocs aus guter Lagerung zu kaufen. Wirkte 2016 immer noch geradezu frisch mit traumhafter Frucht, enormer Kraft und gewaltiger Länge – WT97.

Ein tiefes Dunkelrotbraun 2012 die Farbe eines Giscours aus einer nicht optimalen(ms) Magnum, in der Nase, die nicht wirklich Spaß machte, Kaffee, alter Balsamico und Holzkohle, am gezehrten Gaumen eine markante Bitternote und deutlich oxidative Noten – 84/100.Margaux hatte 2006 noch eine erstaunlich dichte Farbe, eine tolle Aromatik, Eleganz und Finesse gepaart mit feiner Süße. Am Gaumen war aber auch eine sehr prägnante Säure, die den Wein etwas schlank erscheinen ließ – 92/100. 2016 war das immer noch ein immer noch so feiner Wein mit rotbeeriger Frucht, der sprichwörtlichen Margaux-Eleganz und guter Länge, getragen von guter Säure – WT94.


Malartic Lagravière in einer Nicolas Abfüllung zeigte 2006 leichte Eukalyptustöne und viel Minze. Beides ist bei klassischen, großen Bordeaux nichts ungewöhnliches, siehe 45 Mouton. Faszinierend für einen Wein dieses Alters die immer noch intakte, ziemlich dichte Farbe. Feinfruchtige Nase mit feiner Süße, auch am Gaumen die feine Süße eines ganz großen Weines und viel Nachhaltigkeit. Ein ganz großer Wein, der deutlich jünger wirkte – 97/100. 2016 wunderbare Frucht in der Nase mit feiner Süße, aber auch mit viel Minze und Eukalyptus. Das hätte auch ein großer Kalifornier aus den 70ern sein können. Sehr kraftvoll der Auftritt am Gaumen mit sehr guter Länge. Baute enorm im Glas aus – WT98. Enttäuschend leider La Mission 2012 auf René Gabriels großer La Mission Probe aus einer nicht optimalen mid shoulder Flasche. Da überzeugte nur die für die sehr langlebigen 16er charakteristische, dichte Farbe. In der Nase eine seltsame Maggi-Balsamico Mischung, am Gaumen etwas säuerlich und over-the-top wirkend, schade, der geht sicher aus guten Flaschen noch deutlich besser – 83/100.


Schlichtweg überragend dann 2010 auf unserer Top of the Pops Best Bottle La Conseillante, wirkte in Textur und Stilistik eindeutig wie ein Wein aus der Vor-Phyloxera-Zeit. So fein, so elegant mit unendlicher Länge, mit sehr reintöniger, schmelziger Frucht, Himbeere und Erdbeere, einfach ein zeitloser, perfekter Traumwein – 100/100.

Ein absolut stimmiger, großer Sauternes mit irrer Länge am Gaumen 2014 der fast 100 Jahre alte Lafaurie Peraguey – WT94.

In Burgund wurden reichlich simple, kurzlebige Weine erzeugt. Da dürfte sich heute nichts Trinkbares mehr finden lassen.

Gut sollen die 16er von der Rhone gewesen sein.

Schlecht der Jahrgang auch im Elsass.

In Deutschland gab es zwar mit der Scheurebe eine Neuzüchtung, aber ansonsten reichlich Niederschlag und kaum guten Wein.

Nur einen einzigen Jahrgangschampagner gab es in diesem Kriegsjahrgang, von Piper-Heidsieck.

Auch bei Portweinen gab es 1916 keinen Vintage-Port. Da der Jahrgang aber insgesamt nicht so schlecht war, dürfte sich sicher noch ein Colheita finden lassen.