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1918

Ein durchaus interessanter Bordeaux-Jahrgang. Anfang Oktober konnte gesundes Lesegut eingebracht werden. Die 18er Bordeaux brauchten einige Zeit für die Reife, waren sehr kräftig, fast etwas stahlig und wenn ihnen etwas fehlte, dann Charme und Schmelz. Dafür entpuppten sie sich als recht langlebig. Da lassen sich heute sicher noch Entdeckungen machen. Wichtiger als ein großer Name ist dabei perfekte Lagerung.

Auf Willi Krählings großer Latour-Probe 1995 eine schöne Magnum, dichte Farbe, schön am Gaumen, etwas austrocknend im Abgang – 90/100. Deutlich besser 2011 auf Elke Dreschers feiner Latourprobe, ein großer, reifer Latour mit sensationeller Nase, sehr kräuterig, Lakritz, ein wunderbarer Hustensaft, der ihn zum perfekten Apothekenwein machte. Schade dass man sich so etwas nicht verschreiben lassen kann. Immer noch erstaunlich dichte, intakte Farbe, am Gaumen kraftvoll auftretend mit deutlicher Säure, aber auch mit generöser Süße – 92/100. Zeigte auch 2015 trotz ebenfalls sehr heller, reifer Farbe immer noch pikante Fruchtreste und feine Süße - WT92. Meine bisher beste Flasche 2016 auf der Farnsburg eine Magnum, kernig, erstaunlich frisch, schlank, mineralisch, einfach Latour pur – WT95. Mouton Rothschild, war 1999 auf einer Mouton-Probe ein nicht übler, in Ehren gereifter alter Wein – 85/100. Überragenden hingegen 2013 in einer Vandermeulen-Abfüllung, in der er sich vor dem legendären 45er des Gutes nicht zu verstecken brauchte. Absolut perfekte Traumnase, an der ich stundenlang riechen könnte, einfach verschwenderisch schön mit Minze, Leder, Mineralität, Bleisift und feiner Süße, der Gaumen deutlich eleganter, filigraner, seidig mit unendlicher Länge, einfach Perfektion im Glas und ein ganz großes Weinerlebnis – 100/100.

Lagrange, importiert und wahrscheinlich auch abgefüllt durch ein deutsches Weinhaus, hatte 2008 eine zwar helle, aber absolut intakte und gesunde Farbe. Ein sehr feiner, perfekt gereifter Wein mit Süße, aber auch tragender Säure, schöner Schmelz am Gaumen ließ ihn wunderbar trinken – 92/100.

Sehr überzeugend 1994 ein Lanessan, sicher auf 92+/100 Niveau und mit noch viel Zukunft. Eine zweite Flasche 2008 mit nur ‚ms’ hatte immer noch eine dichte und kräftige die Farbe, ein sehr kerniger, nachhaltiger Wein mit immer noch deutlichem Tanningerüst und einer durchaus charmanten, rustikalen Art – 93/100.

Feinduftig und elegant mit schöner Süße 2016 aus der Magnum die vielversprechende Nase des Margaux, der deutlich uncharmantere Gaumen konnte dieses Versprechen nicht einlösen. Blieb trotzdem ein feiner Wein mit dezentem Schmelz und viel Trinkspaß – WT92. Erstaunlich jung und frisch wirkte im Sommer 2005 ein Siran, immer noch intakte Farbe, feine Frucht, Himbeere, Kirsche, am Gaumen nur leicht gezehrt, geht locker auch als 60er durch – 88/100.

2007 hatte ich als große Überraschung einen Chateau Brown aus Leognan im Glas. Superfarbe, Minze wie ein großer Lynch Bages aus den 60ern, kräuterige Aromen, am Gaumen vielschichtig mit großer Fülle, reif, rund und lang – 95/100. Haut Bailly zeigte 2014 immer noch eine betörende Frucht. Ein sehr weicher, eleganter, sehr balancierter Wein, der von einer guten Säure gestützt wurde – WT92. Haut Brion wirkte 2014 durch die deutliche Säure noch erstaunlich vital und vibrierend. Leicht grüne Cabernetnase, am Gaumen immer noch deutliche Tanninreste – WT91.

Großartig war 2008 La Mission. Immer noch sehr dichte, deutlich jünger wirkende Farbe, natürlich die klassischen La Mission Aromen mit viel Teer, Tabak und Cigarbox. Aber dieser Wein war gleichzeitig so süß, so verführerisch, so unglaublich lecker, ein 90jähriger Weingreis, der im Glas den jugendlichen Liebhaber spielte, ein bestens gereifter La Mission von seiner schönsten Seite – 96/100.

Überraschend gut aus einem mittelmäßigen Sauternes-Jahrgang 2002 ein d´Yquem in Vandermeulen-Abfüllung, klare, güldene Farbe, entwickelt sich wunderbar im Glas, feine Süße, überhaupt nicht gezehrt. Noch eine ganze Ecke besser eine weitere Flasche davon 2007. Wunderbare Nase mit Bienenwachs und Honigtönen, am Gaumen die klassische Orangen-Bitternote, Crême Brulée, dabei unglaublich balanciert, überhaupt nicht alt oder gar überaltert wirkend, sondern immer noch sehr lebendig, harmonisch und schlank im positiven Sinne, ein zeitloses Monument – 97/100. Zuletzt 2012 erstaunlich hell in der Farbe mit gelben und grünen Reflexen, immer noch so frisch wirkend, sehr harmonisch, cremig, mit viel Honignoten, Bienenwachs, sehr guter balancierender Säure und enormer Länge am Gaumen – 92/100. Ein klassischer, gut gereifter Sauternes 2012 in Vandermeulen-Abfüllung Climens, sehr prägnant, gute Säure, malzige Süße und viel englische Orangen-Bittermarmelade, stand wunderbar im Glas und blieb lang am Gaumen – 94/100. Eine weitere Flasche 2013 etwas medizinal, Optipect Hustensirup, aber auch schöne Süße, voll intakt, von hinten schleicht sich deutliche Säure an – WT92.

In Burgund ein eher mittelmäßiger Jahrgang.

Sein Alter konnte 2008 ein Nuits von Flouche&Fils trotz sehr dichter Farbe nicht verbergen. Sehr reif wirkte dieser Wein mit deutlicher Säure und leichten Lacktönen. Trotzdem war er nicht nur voll trinkbar, die Lacktöne verschwanden mit Luft, der Wein gewann an Aromatik und zeigte sogar noch Frucht und wurde immer besser. Entwickelte sich zu einem zwar in Ehren gereiften, aber doch erstaunlich balancierten, schönen Burgunder – 91/100.

Als sehr gut gilt 1918 an der Rhone.

Sehr hell 2013 die Farbe des sehr eleganten, feinen, filigranen Chateauneuf-du-Pape von La Nerthe. Der wirkte zu Anfang etwas schüchtern, entwickelte sich aber zunehmend im Glas, wirkte frisch, sogar noch mit etwas rotbeeriger Frucht, wurde immer burgundischer und brachte immer mehr feine Süße – 96/100.