Startseite

1922

Galt als größte Ernte in Bordeaux mit Weinen, die meist auf der leichteren Seite waren. In einem solchen Jahr, das deutlich mehr Masse als Klasse produzierte, konnte auch der damals sonst so überragende Gruaud Larose keine Wunder vollbringen. In 2005 aus einer französischen Tardieu-Abfüllung bräunliche, sehr reife Farbe, auch in der Nase und am Gaumen reif mit Liebstöckel, immer noch trinkbar, aber nicht mehr mit viel Genuss - 76/100. Nicht sehr viel besser war 1993 eine Petrus Magnum auf der Petrus II Probe in der Wachau. Der war noch gut trinkbar, lebte aber schon verdammt gefährlich.Haut Brion hatte 2012 eine trübe Farbe, in der Nase verblichene, staubige Eleganz und ein paar getrocknete Kräuter. Am Gaumen war da aber noch viel Leben. Geradezu burgundisch wirkte der sehr generöse, erstaunlich süße und wunderbar zu trinkende Haut Brion – 88/100.

1922 galt, wenn man den Weinbüchern glauben darf, als absolut unterirdisches Jahr im Rhonetal. Der Winzer unseres Weines schien da völlig anderer Meinung gewesen zu sein, denn er hatte die Jahreszahl des Weines mit „Grand Année“ geschmückt. Was da 2007 aus der Flasche dieses Chateauneuf-du-Pape Clos de la Roquette von Noel Isnard kam, war schier unglaublich und machte sprachlos. Was für ein irres Teil! Burgundisch im besten Sinne, immer noch etwas Frucht, Brombeere, viel Lakritz, sehr würzig mit deutlich erkennbarer Nelke, hörte am Gaumen gar nicht mehr auf. Baute perfekt im Glas aus und entwickelte eine faszinierende, druckvolle Aromatik, die den Gaumen voll auskleidete. Das war ohne wenn und aber ein einmaliges 100/100 Weinerlebnis.

Kein besonderes Weinjahr in Deutschland. Masse statt Klasse gab es. Nach einem Achterbahnsommer mit Schneefall im Schwarzwald im Juli bescherte ein sehr schöner Herbst noch eine große Ernte bescheidener Weine. Da dürfte kaum noch etwas zu finden sein.

Schon der schrumpelige Korken der Berncasteler Doctor Crescenz Lauerburg roch 2012 eher wie eine Moorleiche. Nase und Gaumen dieses Weines waren hin, nicht mehr trinkbar. Nur das Etikett der alten Schlegelflasche, das war einmalig.

Durch die Bank sehr gute Weine wurden jenseits der Pyrenäen erzeugt. Der Jahrgang galt in Rioja als hervorragend. Der Marques de Riscal Reserva aus diesem Jahr ist ein absoluter Überflieger. Rioja vom Allerfeinsten mit noch unglaublicher Kraft und feiner, reifer Süße. Baut im Glas unendlich lang aus – 100/100. Bisher 9mal mit ähnlichen Resultaten getrunken. 2013 zeigte er mit seiner sehr dichten Farbe zu Anfang zwar eine generöse, süße, süchtig machende Nase, wirkte aber am Gaumen etwas verbrannt und metallisch. Doch das gab sich rasch. Unglaublich, wie dieser dichte, immer noch recht jung wirkende Wein zulegte und immer mehr ausbaute. Der dürfte nicht nur in gut gelagerten Flaschen wie dieser in 10 Jahren seinen 100sten erleben, sondern durchaus noch deutlich mehr – 98/100. Und das zeigte dieser unsterbliche Gigant 2016 wieder, so komplex, soviel Power – WT100. Dass das kein Einzelfall ist, zeigte 2005 ein Martinez Lacuesta Reserva Especial. Der hatte eine dichte Farbe mit deutlichen Brauntönen, Kaffee ohne Ende, portige Töne, Lakritz, sehr lang am Gaumen – 96/100. Eine weiter Flasche 2006, Sehr schöne Farbe, zwar mit Brauntönen, aber immer noch klar. Kaffee ohne Ende, feine Süße, gute stützende Säure, ein traumhaft gereifter, klassischer Rioja – 95/100. Zuletzt 2013 immer noch mit gewaltigem Potential, wurde im Glas immer besser und steigerte sich bis auf 97/100.

Einen Bogen macht man dagegen besser um Vega Sicilia Unico, 2001 2mal getrunken, ein schlimmes Säuremonster.

Unsterblich 2007 ein Barolo eines Erzeugers namens Luigi Rizzo. Fast schwerelos war dieser Wein am Gaumen mit unglaublicher Eleganz und Finesse. Ein Wein zum Meditieren, riesengroß mit feiner Süße und Grazie ohne Ende. Ganz dezent zeigte er mit der Zeit etwas Liebstöckel, hielt sich aber im Glas auf unglaublichem Niveau – 97/100.

Als Portwein habe ich 1993 einen Warre getrunken, kräftig und lang, aber ohne Finesse.