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1925

Ein schwieriges Weinjahr und nur schwer in genießbarem Zustand zu finden.

Ein Sommer ohne Sonne führte in Bordeaux zu einer großen Ernte ziemlich dünner Weine. Da dürfte heute eigentlich nichts Trinkbares mehr bei sein.Um so erstaunlicher 2010 auf der großen Comtesse-Probe am Attersee die Pichon Comtesse. Aus diesem Unjahr sollte diese süße, feine, schmusige Traumcomtesse stammen, die Nase und Gaumen mit ihrer seidigen schmelzigen, eleganten Aromatik verwöhnte, und die durch die gute Säure auch noch erstaunlich frisch und pikant wirkte? Klar, die helle, aber noch intakte und brilliante Farbe zeigte schon ein deutliches Alter an. Aber des Rätsels Lösung dürfte für mich eher im Jahrgang 1924 liegen, in dem auf dem Gut ein außergewöhnlich gelungener Wein erzeugt wurde. Davon ist dann sicherlich ein Teil im 25er gelandet, der es so auf ungewöhnliche 93/100 bringt.

2017 erwiesen sich gleich zwei Haut Brion Magnums als untrinkbar.

In Burgund war die Ernte deutlich kleiner aber auch nicht viel besser. Da die Weine sehr tanninig und säurelastig waren, könnte sich aber mit etwas Glück noch der ein oder andere Überlebende finden lassen.

Einen solchen Wein hatten wir 2005 vor uns. Der Gevrey Chambertin von Pierre Feger hatte eine tolle, dichte Farbe, eine kräftige Säure, wirkte etwas spitz, wäre aber für den Jahrgang einfach eine Sensation – 90/100. Nicht dass das eine gefakete Flasche gewesen wäre. Nur haben es Winzer in Bordeaux und Burgund früher nicht immer ganz so genau mit den Jahrgängen genommen und einen Wein aus einem schwächeren Jahr schon mal mit einer besseren Vorjahresqualität aufgebessert.

Vergessen kann man in 1925 auch die Rhone.

Noch schlimmer sah es im Elsaß aus, wo zu Mistwetter und Rebkrankheiten im Juli auch noch kräftiger Hagel kam.

Auch die üblichen Ersatzkandidaten Port und Madeira fallen für 1925 weitestgehend aus.

Bleibt also nur einer der größten Weine, die ich je getrunken habe: Castillo YGAY von Marques de Murrieta. 12mal durfte ich diesen Ausnahmewein bisher verkosten. Mit einer dichten Farbe, jede Menge Kaffee und Mokka, einer leicht karamelligen Süße und etwas exotischer Würze überzeugte der deutlich jünger wirkende YGAY jedesmal. Auch die letzte Flasche wieder ein ein gewaltiger, großartiger Weltklassewein, sehr dichte, dunkle Farbe, karamellige Süße, Kaffee, Fülle, Kraft und unglaubliche Länge, gute Säure, Potential für sicher noch zwei Jahrzehnte – 98/100. Und noch mal 2013, ein gewaltiges Aromenbündel mit dekadenter Süße, mit reichlich Kaffee, hoher Mineralität, enormer Kraft und immer noch dichter Farbe, wurde diesmal seinem legendären Ruf wieder voll gerecht – 100/100. Leider erlebte ich 2014 auch eine trotz äußerlich perfektem Zustand oxidierte Flasche diesen Weines. Nur knapp dahinter 2007 Marques de Riscal Reserva. Wirkte wie ein großer, alter Haut Brion mit der klassischen Pessac-Aromatik, etwas jodig am Gaumen. Könnte der Zwilling des 1934 Haut Brion sein – 97/100. 2012 in der Nase die große Mokka und Milchkaffeeoper, weich mit generöser Süße, setzt sich am Gaumen mit unendlichem Schmelz und gewaltiger Länge fort, perfekt gereift, aber ohne Alterstöne, ein Riese, bei dem jedes Glas zu klein ist – 97/100. 2017 noch erstaunlich vital und druckvoll, sehr lang am Gaumen mit feinem schmelz – WT97.