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1928

Ein grandioses Weinjahr, aus dem sich immer noch reichlich trinkbare Weine finden lassen, gute Lagerung wie immer vorausgesetzt.

In Bordeaux gab es eine große Ernte kräftiger, alkoholreicher, tanniniger Weine mit hoher Lebenserwartung. Besonders letzteres führte natürlich zu viel Frust bei den damaligen Ersterwerbern. Der hoch gelobte 28er verschloss sich schnell wieder und brauchte teilweise Jahrzehnte, um sich wieder richtig zu öffnen. Wohl dem, der einen solchermaßen frustrierten Großvater mit einem gut sortierten Keller hat.

Leider 30 Jahre zu spät geöffnet habe ich 1990 eine halbe Flasche Cos d´Estournel. Die war noch trinkbar, aber mehr auch nicht, ähnlich leider 2007 auf der großen St. Estephe-Probe. Unkaputtbar hingegen 2006 auf der großen Cos-Probe aus einer perfekten 1tel, ein großer alter Cos mit Fülle, Kraft und Länge. Rauchige Noten, gute, tragende Säure, immer noch spürbare Tannine, feine Süße, ein Wein, der noch lange nicht am Ende ist. Baute im Glas enorm aus und wurde immer besser. Da sind in guten Flaschen sicher noch 20+ Jahre Lagerfähigkeit drin – 96/100. 2013 zeitlos schön mit pikanter Frucht und viel süßem Schmelz am Gaumen – 94/100. 2016 aus der Magnum in der Nase karamellig, immer noch Fruchtreste, rosinige Süße, am Gaumen durch die gute Säure fast noch etwas Frische zeigend und kaum gezehrt, feiner Schmelz und erstaunlicher Druck im Abgang – WT94. 2016 zeigte er in der Nase eingelegte Rumtopf-Pflaumen, am Gaumen wunderbare Süße, am Gaumen wunderbare Süße, aber auch noch Struktur und intakte Tannine. Ein großer Wein für noch lange Jahre – WT97. Hoch bewertet wird in der Literatur Montrose, aber für diesen Wein fehlt mir wohl die notwendige, masochistische Ader. 1998 nicht mein Ding, ein echter rustikal-ruppiger Montrose mit zusätzlich der hohen Säure und Sperrigkeit eines 28ers.

Bei René Gabriels großer Lafite-Probe 2011 bekamen wir von diesem Lafite Rothschild pro Tisch jeweils ein kleines Glas aus einer nicht optimal gefüllten Flasche, was allerdings für diese säuerliche Liebstöckelmischung mehr als reichte. Trinkbar zwar, aber kurz, klein und auf dem Abstieg. Mit meinen großzügigen 78/100 liege ich noch sensationelle 10 Punkte über Parker. 2015 in der Nase Tapetenkleister und Essigsäure, auch am Gaumen trotz spürbarer Substanz eine herbe, säuerliche Enttäuschung – WT78. Latour war 1993 auf unserer Jahrhundertprobe Cabernet in Perfektion mit erster, dezenter Süße, immer noch massiven Tanninen und irrer Länge am Gaumen – 100/100. Gut 50(!) Jahre hat dieser Wein gebraucht, um überhaupt einigermaßen trinkreif zu werden. War 2013 aus der Halben(!) so jung, so dicht, so kräftig und so ungeheuer druckvoll mit perfektem Rückrat – WT100. Wirkte 2015 schier unsterblich, absolut perfekt, hatte natürlich diese Latour-typische Walnuss-Aromatik, war sehr mineralisch, komplex mit immer noch intaktem Tanningerüst und unglaublicher Länge, ein echter Jahrhundertwein halt – WT100. Als unzugänglicher, ruppiger, tanniniger Stoff hatte lange Lynch Bages gegolten. Da ging es uns 73 Jahre nach der Ernte 2001 auf einer Best Bottle besser. Inzwischen ein kompletter, großer Stoff mit gesunder Farbe, entwickelte feine Süße, das ist reifer Bordeaux in Reinkultur - 98/100. Ein Riese kann in guten, nicht zuviel gereisten Flaschen Mouton Rothschild sein. 1994 auf der Mouton-Probe von Willi Krähling aus der Magnum kräftige Farbe, etwas austrocknend am Gaumen - 93/20. 2001 auf einer Best Bottle aus der 1tel dicht, kräftig, tolle Farbe, riesengroß, wird im Glas immer besser mit schöner Süße, feine Minze, der braucht einfach noch Zeit und Luft, in guten Flaschen wie dieser ein fast unsterblicher Mouton mit 100/100. 2006 völlig anders und eigentlich eher jahrgangs-untypisch, etwas heller in der ansonsten altersfreien, brillianten Farbe, faszinierende, pfeffrige Ingwernase, frisch gemahlener, weißer Pfeffer, Zedernholz, hohe Mineralität, immer noch feine, rotbeerige Frucht, feine Minzfrische, Tabak und Ledernoten, unglaublich frisch, entwickelte Currynoten und kalten Rauch, für 1928 sehr, sehr fein - 98/100. War 2015 sehr kräftig, minzig und druckvoll, noch so jung wirkend und im besten Sinne kernig, hält in der Form noch Jahrzehnte – WT97. Sehr gut gefallen hat mir 1994 auch Pichon Baron, perfekter Wein mit kräftiger Farbe und viel Kraft, noch gut für 1-2 Jahrzehnte – 93/100. 2015 ein großer, kompletter Wein ohne Runzeln. Dafür mit Kaffee, Nougat, Rumtopf, mit guter Säure, jede Menge Kraft und guter Säure. Ein Riese, der den Gaumen noch mal richtig wach rüttelte – WT98. Sehr variabel hingegen die Pichon Comtesse. 1993 auf einer Drawert-Probe kräftig, massiv, wenig Charme, noch sehr präsente Tannine 88/100. 1995 dann eine ekelhafte Flasche mit einem seltsamen Petrol-/Essigstich, stammte aus einer Partie, in der alle Flaschen diesen Fehler hatten. 2001 auf einer großen Comtesse-Probe eine Traumflasche, weich, reich, unendlich lang – 96/100. Ende 2009 Absolut intakt und dicht die Farbe, sehr fein die Nase mit Kaffee, Schokolade und dunklem Karamell, elegant und fein am Gaumen, lediglich eine leicht spitze Säure irritierte etwas. In guten Flaschen wie dieser sicher ein Comtesse-Klassiker für noch viele Jahre – 92/100. Zuletzt 2010 auf der großen Comtesse-Probe am Attersee schroff, ungenerös und uncharmant mit deutlichen, harschen Tanninen, entwickelt sich im Glas nur zögerlich – 88/100. Wie gut alte Pontet Canet sein können, zeigte sich 1998 auf meiner Raritätenprobe. Eine aus einem italienischen Keller erworbene Flasche war noch erstaunlich kräftig und gut zu trinken, von Alterserscheinungen keine Spur – 90/100.

Beychevelle hatte 2009 noch so eine dichte, kräftige Farbe, wirkte mit seiner teerigen, tabakigen Aromatik in der Nase wie ein großer Pessac. Am Gaumen unglaublich dicht mit immer noch spürbaren Tanninen, ein unkaputtbarer, großer Beychevelle, wie es ihn heute leider nicht mehr gibt – 97/100. Enttäuschend und erheblich schwächer 2010 aus einer ‚ms’ Vandermeulen-Flasche – 84/100. Aber 2015 wieder ein großer Beychevelle mit Statur und Länge, der auch deutlich längeres Dekantieren vertragen hätte – WT95. War 2017 aus der Magnum noch geprägt von massiven Resttanninen und öffnete sich nur zögerlich im Glas, zeigte dabei immer noch eine erstaunliche Frische – WT88. Ducru Beaucaillou wirkte 2009 muffig und war deutlich auf dem Abstieg – 75/100. Einen deutlichen Stinker in der Nase hatte 2012 der Gruaud Larose, frischer Dung, wurde immer käsiger, auch am Gaumen nicht sauber. Dramatisch besser 2014 aus einer perfekten Magnum. Immer noch enorm kräftig, aber die harten 28er Tannine, die diesen Wein über Jahrzehnte quasi untrinkbar machten, sind weitgehend abgeschmolzen. Das ist kein Schmuse-Gruaud, aber ein charakterstarker Weinriese, enorm druckvoll mit gewaltigem Tiefgang und enormer Länge, ein Erlebnis, das lange haften bleibt – WT97. Lebte 2015 gefährlich, baute aber noch gut im Glas aus – WT93. 2016 aus der Magnum wieder ein schier unsterblicher, großer Gruaud, den es in sehr gut gelagerten Flaschen immer noch zu suchen lohnt – WT95. Ein einfacher St. Julien in einer Bremer Bachmann-Abfüllung hatte 2007 eine Superfarbe, die ihn eher in die 70er schob. Faszinierend die hochklassige, aber ungewöhnliche Nase. In Honig gebratene Banane vom Chinesen mit etwas Schokosoße. Am Gaumen dagegen erst so etwas wie ein vinologisches Dominastudio, absolut Eleganz-frei, ruppig, ungenerös. Wurde mit zunehmender Luft besser, glättete sich und ließ sich zumindest ohne Schmerzen trinken - 88/100. Ein gewaltiger Wein 2013 der Lagrange, dicht, kräftig, füllig, mit generöser Süße und toller Länge, auch der noch ohne Alter – 95/100. Leoville las Cases war 1994 perfekt ohne Alter – 95/100. Auch die Zwillingsflasche war 1998 ein Hochgenuss und zeigte eine wunderbare Würze – 94/100. Zuletzt 2010 ein typischer Vertreter dieses Jahrgangs, kräftig, maskulin, immer noch mit deutlichem Resttannin und sehr guter Struktur, aber auch mit Süße und feinem Schmelz, kann in gut gelagerten Flaschen sicher die 100 Jahre voll machen – 94/100. Eher auf der leichteren Seite, aber immer noch sehr schön war 1998 Leoville Poyferré aus einer rekonditionierten Flasche– 88/100. Deutlich besser 2008 aus einer Flasche mit Originalkork, toller Wein aus einem Guss mit immer noch intaktem Tanningerüst – 96/100.

d´Arsac war 2007 ein eher leichtgewichtiger, kleiner, schöner Wein, schon sehr weit, weich am Gaumen und auch etwas gezehrt – 83/100. Ein sicherer Wert in 28 ist Lanessan. Die erste Flasche, 1994 auf einer Drawert-Probe, hatte eine dichte Farbe und wirkte insgesamt deutlich jünger – 96/100. Die zweite, 1997 in Hannover, hatte ebenfalls eine dichte Farbe, dezenter Orangenrand, sehr kräftige Säure, reife, leicht staubige Cabernet-Nase, für das Alter sensationell - 92/100. Die dritte Flasche, 1998 in einer eigenen Raritätenprobe, war Sieger eines hochklassigen 28er Flights – 94/100. Die vierte Flasche habe ich gerade gekauft und Nummer 5 und 6 würde ich gerne auch noch irgendwo erwerben. Eine sehr dichte Farbe hatte 2015 der Poujeaux, der von harschen Resttanninen dominiert wurde und zu Anfang etwas säuerlich und laktisch wirkte. Wurde mit der Zeit im Glas offener, zugänglicher und zeigte immer mehr Ansätze von Frucht und Süße – WT87.

Ein Brane Cantenac konnte 1998 selbst als „low shoulder“ Flasche überzeugen. Eine brilliante Farbe mit nur dezenten Alterstönen hatte 2007 ein Desmirail, durchaus noch Frucht, pikant mit feiner Süße, ein wunderbar gereifter Wein, der noch lange nicht am Ende ist, ein echter 28er eben - 93/100. Zuletzt 2013 so filigran, so elegant, so präsent mit feiner, rotbeeriger Frucht, tänzelte förmlich auf der Zunge, sehr mineralisch und immer noch recht jung wirkend – 95/100. Verdammt alt und reichlich gezehrt 2006 eine Flasche Lahner Margaux von Schröder&Schyler. Die Flasche trug ein Foto von Chateau Margaux, der Inhalt wird aber eher irgendein kleinerer Wein aus der Appelation Margaux gewesen sein. Helle, sehr reife Farbe, Möbelpolitur, Säure, trinkbar zwar, aber wenig Genuß, deutlich über Höhepunkt hinaus – 80/100. Deutliche Flaschenvarationen gibt es wohl bei Margaux. 1994 auf der Margaux-Probe in Mautern hatte er aus der Magnum eine gesunde und kräftige Farbe, leider beeinträchtigte ein deutlicher Muffton den guten Eindruck – 88/100. 1998 war Margaux dann selbst in einer miesen ms-Flasche einer der Stars meiner Raritätenprobe, die berühmte Eisenfaust im Samthandschuh. Trotz immer noch massiver Tannine unglaublich finessig mit feiner Süße – 98/100. Auch 2005 eine sensationelle Nase mit großem Aromenstrauß, Leder und Kaffeetönen. Einfach Margaux in Reinkultur. Am Gaumen eine kräftige, tragende Säure. In manchen Flaschen, so wie dieser, wirkt der Margaux immer noch tanninig und etwas unfertig, deshalb für diese „nur“ 96/100. Meine bisher beste Flasche 2007 in René Gabriels großer Margaux-Probe. Ein immer noch jung wirkender, unkaputtbarer Wein mit unglaublich druckvoller Aromatik, ein einfach kompletter Wein, ein Riese aus einem Guss, wo von der sensationellen Nase, in der immer noch Röstaromen sind, aber auch viel Kaffee und Leder, über den Gaumen bis zum unendlich langen Abgang alles stimmt, ein perfekter Wein mit schier unglaublicher Strahlkraft – 100/100. Zuletzt 2013 aus der Halben(!)Margaux sogar noch etwas kräftiger als Latour mit mehr Tannin und Säure, auf extrem hohem Niveau vielleicht nicht ganz so stimmig – WT98.Groß und sensationell jung und kräftig wirkend 1992 Palmer. Der ist sicher eine Suche wert. 2006 erkannte man nur an der Farbe mit deutlichem Orangenrand das mögliche Alter dieses Giganten. Der wirkte immer noch so jung mit spürbaren Tanninen. Ähnlich 28 Latour hat dieser Wein fast ein halbes Jahrhundert für die Trinkreife gebraucht, der Alptraum eines jeden Subskriptionskäufers. Jetzt zeigte er die unglaubliche Eleganz großer Palmers, dem 61er vielleicht nicht ganz ebenbürtig, aber nicht unähnlich. Feine Zedernholznote, Trüffel, schöne Süße, sehr, sehr lang am Gaumen – 98/100. Erwies sich 2013 als sehr stabiler Kraftprotz, der enorm im Glas ausbaute. Reife, generöse Nase, auch am Gaumen malzige Süße, dazu kräftige Säure und eine enorme Länge – 95/100. Schon mehrfach hat Rausan-Ségla in 28er Proben überrascht. Auch bei mir machte es 1998 dieser Klassestoff dem Margaux nicht leicht – 95/100. 2007 dann in einer französischen Händlerabfüllung von Ochsner&Fils trotz nur „ls“ unglaubliche Farbe, eine an Vitamalz erinnernde Nase mit dichtgewobener malziger Süße, dazu reichlich Kaffee. Am Gaumen immer noch dicht, kräftig, gestützt durch gute Säure, auch hier schöne Süße, wirkte insgesamt sehr harmonisch und balanciert mit sehr guter Länge am Gaumen. Das war großer Stoff – 96/100. Überzeugend 2008 auch das Nachbargut Rauzan-Gassies, Sehr intakte, nicht besonders dichte Farbe, klassische, Zedernholz-dominierte, sehr feine und elegante Nase, am Gaumen viel Kraft, erste dezente Süße und immer noch astringierende Tannine – 95/100.

Überraschend gut im November 2004 ein Carbonnieux, irre dichte, immer noch jung wirkende Farbe, etwas reduktiv wirkend, dicht und kräftig am Gaumen, toller Wein, der als großer 70er durchgeht – 94/100. Und weil´s so schön war gleich noch mal eine Flasche auf ähnlichem Niveau 2005. Zeigte 2015 Kraft und Substanz, aber leider auch Kork. Wäre sonst groß gewesen. Der wohl größte, jemals auf dem gut erzeugte Wein ist 1928 Domaine de Chevalier. Ich hatte das große Glück zweier perfekter Flaschen. Die erste war 1994 auf meiner Raritätenprobe für mich der vielleicht größte Wein des Abends, kräftige Farbe, lang, kräftig, viel Schmelz – 98/100. Bei der zweiten Flasche 1998 auf meiner Raritätenprobe tippten viele bei seiner Kraft und würzigen Exotik auf einen Heitz aus den 70ern – 97/100. Klar, dass ich weiter nach diesem Wein suche! Begeistert war ich 1995 auf der Rodenstock-Probe von einem Haut Bailly Tirage du Chateau in einer Nicolas-Abfüllung, kein Alter, feine Süße, sehr lang, wunderbar – 96/100. Da habe ich mich sofort auf die Suche gemacht, wurde fündig, und konnte das Ergebnis 1998 auf meiner Raritätenprobe voll reproduzieren. Zuletzt 2008 allerdings eine kaputte Flasche, unglaublich dichte Farbe zwar, aber völlig madeirisiert und untrinkbar. Einen eher etwas zweifelhaften Ruf genießt Haut Brion. Bei der ersten Begegnung, 1998 bei Drawert, habe ich ihn als großen Wein erlebt mit toller Farbe, Jugend und viel Kraft. Doch schon ein paar Monate später dann eine ziemlich grausame Flasche. Zuletzt 2000 auf einer Probe unverbrauchte, dichte, junge Farbe, feines, sehr elegantes Bouquet, wird mit der Zeit malzig mit Mokka und sehr schön, massive Säure am Gaumen verhindert aber den Trinkgenuß. Für den größten Teil der Flaschen gilt: riechen und nicht trinken- doch dafür ist er deutlich zu teuer! Bei der großen Haut Brion Probe 2006 hatten wir wieder eines der sehr guten Exemplare erwischt. Irre Farbe, tolle Nase mit Teer, Rauch, Ruß und Trüffeln, am Gaumen sehr dicht und lang, aber auch mit viel Säure und Tannin ohne Ende. Der schien immer noch nicht richtig fertig zu sein und nach weiterer Lagerung zu schreien, unfassbar – 97/100. Und dann leider 2012 sehr vielversprechend die sehr dichte, dunkelrote Farbe, aber das war es dann auch. Nase und Gaumen enttäuschten, Malaga, alter Balsamico, Säure ohne Ende – 86/100. La Mission Haut Brion habe ich 1998 zweimal aus äußerlich perfekten Nicolas-Flaschen getrunken. Die erste auf Willi Krähling La Mission-Probe war hoffentlich nur ein Ausreißer, reife Farbe, Stinker in der Nase, am Gaumen säuerlich, nicht mein Ding, schade 80/100. Deutlich besser dann die Zweite bei mir deutlich besser mit viel Power – 93/100, aber auch diese Flasche kein Vergleich zu einer 1994 getrunkenen, grandiosen Vandermeulen-Abfüllung. In letzterer habe ich La Mission 2005 noch einmal aus eigenen Beständen in der Sansibar getrunken. Dichte, undurchdringliche Farbe mit kaum Brauntönen und nur leichtem Wasserrand, tolles Bouquet mit reifer Brombeere, Cigarbox, Teer, am Gaumen komplex und lang mit Kaffeetönen und feiner, malziger Starkbiersüße, ein Ausnahmewein - 100/100. Leider davon 2012 auf René Gabriels großer La Mission Probe eine schlechtere Flasche, Superfarbe zwar, aber etwas ältliche Nase und auch am Gaumen trotz Fülle deutlich auf dem Abstieg – 84/100. In der Vandermeulen-Version zuletzt 2014 Sehr zugänglich, offen mit feiner Süße die generöse Nase, am Gaumen fehlen Kraft und Mineralität der besseren Flaschen dieses Weines – WT93. Sensationell gut und immer noch so vital und mineralisch 2014 ein Olivier in einer dänischen Abfüllung – WT95. Smith Haut Lafitte hatte 2009 eine recht helle Farbe und eine etwas pilzige Nase mit Penicillin und auch Paraffin-Tönen. Am Gaumen einfach ein Gedicht, sehr elegant, feine Süße und schöne Länge – 92/100. 2015 Trotz heller Farbe noch voll da, fein, mineralisch mit viel Tabak, guter Säure und schöner Süße im Abgang – WT93.

Bei Ausone war 2015 sehr dicht die unglaublich junge Farbe, in der Nase alter Balsamico, Kaffee, Leder, aber auch rote Rumtopffrüchte und nur ein Hauch von Oxidation, am Gaumen enorme Kraft und hohe Säure – WT96. Sehr schön und noch lange nicht am Ende 1998 ein Balestard La Tonnelle. Begann 2008 ebenfalls sehr fein und elegant mit malziger Süße, baute dann aber enorm im Glas aus und entwickelte eine burgundische Fülle – 93/100. Bellevue in einer deutschen Abfüllung hatte 2012 eine voll intakte Farbe, spannende Nase mit viel Tabak und dunklem Toffee, wurde medizinal, geht weg, wird lakritzig, sogar noch Fruchtreste, am Gaumen erstaunlich stabil mit guter Säure und 28er Tanninen, steht gut im Glas und baut nicht ab – 92/100. Canon-la-Gaffelière war 2008 sehr fein ohne das Ruppige vieler 28er vom linken Ufer, einfach rund und perfekt gereift, ohne auch nur ansatzweise müde zu sein, was er einigen Probenteilnehmern voraus hatte. Sehr druckvoll am Gaumen mit wunderbarem Schmelz. In guten Flaschen wie dieser sicher noch Potential für 1-2 Jahrzehnte mehr – 96/100. Eine ganz große Überraschung war 2004 ein Chapelle la Trinité, dichte Farbe mit wenig Alter, in der Nase frisch aufgebrühter Kaffee, finessig, elegant, am Gaumen ungemein druckvoll und aromatisch mit feiner Süße, voll auf dem Punkt, den hätte man auch mit 28 Cheval Blanc verwechseln können, großer Wein - 98/100.

Wie schön, wenn man einen großen alten Wein in Top-Zustand erwerben kann. 1995 kam eine Anzahl Cheval Blancs auf den Markt, die aus einem erheblich zu feuchten, aber sonst perfekten Keller stammten. Auf dem Chateau wurden Zustand und Echtheit der Flaschen überprüft. Angesichts des sensationellen Zustandes der Flaschen wurde auf ein Neu-Verkorken verzichtet – die waren alle noch bottom neck!!! – und die Flaschen nur neu etikettiert. Ende 95 habe ich die erste Flasche mit einem französischen Freund getrunken, perfekt gereift, weich, seidig, mit schöner Süße, kein Alter, auch nicht in der mitteldichten Farbe, Originalkork in Superzustand, Cheval Blanc wie er besser nicht sein kann – 100/100. Da nicht nur ich sondern auch einige Freunde sich aus dem damaligen Lot bedient hatten, bin ich noch mehrfach in diesen Genuss gekommen. Bis auf eine kaputte Flasche 1999 ausgerechnet auf Willi Krählings Cheval Blanc Probe immer ein herausragendes Erlebnis. Zuletzt 2001 auf einer Best Bottle unglaubliche Aromatik mit feiner Süße und irrer Nase - 100/100. Auf dem gleichen Level übrigens 1998 und 2000 Cheval Blanc in der Vandermeulen-Abfüllung, unglaublich dichte, junge Farbe und viel Power, ein Wahnsinnswein. Zuletzt 2006 auf der großen Cheval Blanc Probe wieder eine perfekte Chateau-Abfüllung, die trotz relativ heller Farbe keinerlei Schwächen zeigte und dem 47er nicht nur gewachsen war, sie könnte ihn durchaus auch überleben. Sehr süß, fast etwas bonbonhaft, aber nicht aufdringlich, auch hier Kaffetöne und die unendliche, seidige Eleganz, ein Wein wie von einem anderen Stern - 100/100. Und dann noch mal 2006 auf einem kleinen Vorweihnachtstasting eine außerirdische Vandermeulen-Flasche, ein Wein für die Ewigkeit. Absolut sensationelle, superdichte, junge Farbe. Leicht jodige Nase, am Gaumen irre Fülle, ein Maul voll Wein mit portiger Süße, Guiness-Bier kam spontan auf, etwas Lebkuchengewürz, alter Balsamico. Ein fettes, geiles Teil, das bei aller Kraft auch eine unglaubliche Finesse zeigte. Ein riesengroßer Cheval Blanc mit Turbolader – 100/100. 2008 kam ich dann gleich zweimal nacheinander in den Genuss des Cheval Blanc. Die erste Flasche Schlichtweg überwältigend, diese unendliche, seidige Eleganz, die feine Süße, gepaart mit viel Kaffee, diese traumhafte Länge, Cheval Blanc geht nicht besser – 100/100. Auf ähnlichem Niveau kurz darauf in René Gabriels großer Cheval Blanc Probe. 2012 als Vandermeulen noch enorm kräftig mit sehr dichter Farbe, ein schier unsterblicher Cheval Blanc, portig, trüffelig mit viel Kaffee und Mokka, enorm vielschichtig und lang am Gaumen, die ideale Verbindung zwischen der urwüchsigen Kraft des Jahrgangs und der seidigen Eleganz eines Cheval, dürfte in dieser Form noch lange Leben – 99/100. Selbst aus einer eher grenzwertigen „mls“-Flasche 2012 bei Elke Drescher reife, sehr dichte Farbe, ein erster Alterston verflog rasch. Der Cheval schien das Gabriel Glas der misshandelten Vandermeulen Flasche deutlich vorzuziehen und baute enorm aus. Wurde immer dichter und länger, Kraft ohne Ende, malzige Süße, reichlich Kaffee, sehr langer Abgang – 96/100. Ein Traum und immer noch so vital wirkend 2012 bei Uwe Bende aus einer Chateauabfüllung mit dichter Farbe, betörender, immer noch fruchtiger Nase, feiner Süße am Gaumen und Schmelz ohne Ende, nur einem Hauch flüchtiger Säure und toller Länge - 97/100. Und dann noch 2mal 2012 und 2014 als Vandermeulen-Flasche Perfektion – 100/100. 2015 aus einer Chateauabfüllung mit relativ schlechtem Füllstand wieder dieser gelungene Spagat zwischen der unbändigen 28er Kraft und der sprichwörtlichen Eleganz eines Cheval. Deutliche Kaffeenoten, feine Süße, großartige Länge am Gaumen – WT97. 2016 aus einer Cruse-Abfüllung erstaunlich hell die Farbe, immer noch pikante Frucht, sehr elegant und schmeichlerisch mit Süßholz in der Nase, wurde auch am Gaumen immer süßer – WT95. Schier unglaublicher 2008 ein Figeac. Der kam mit seiner Mörderfarbe, der kraftvollen Dichte und der intensiven Aromatik ganz nahe an den 28er Pavie heran und ließ ein ähnliches Strickmuster erkenne. Ein Ausnahme-Figeac mit immer noch intaktem, massivem Tanningerüst und genug Potential für eine lange Zukunft – 97/100. Natürlich gibt es auch bei den langlebigen 28ern keine Garantie für Genuss. Ein 2004 bei Ebay erworbener Fombrauge mit `ms` war trotz sehr dichter Farbe einfach nur alt und kein Genuss mehr. Fonplégade war 2012 natürlich reif, auch in der Farbe, aber immer noch mit pikanter Restfrucht, einer deutlichen Säure, die einen Hauch frische verlieh, und einer generösen Süße, hielt sich sehr gut im Glas und baute nicht ab – 90/100. Wie immer bei den älteren Jahrgängen dem Cheval Blanc dicht auf den Fersen Gaffelière-Naudes. 1998 in einer Raritätenprobe mit 95/100 Sieger eines hochkarätigen Flights. Dieses heute völlig unterbelichtete Chateau hat früher sensationelle Weine gemacht. Es wird Zeit, dass bei denen mal jemand aufwacht und an alte Zeiten anknüpft. 2012 aus einer rekorkten Flasche fast auf Augenhöhe mit Cheval Blanc. Ähnlich in der aromatischen Anmutung, vielleicht einen Hauch rustikaler, jede Suche wert – 98/100. Und natürlich kann man dann auch mal, wie 2016, eine Händlerabfüllung erwischen, aus der dieser Wein schlichtweg zu alt ist – WT84. Eine schier unglaubliche Süße und Fülle zeigte 2012 der deutlich jünger wirkende Clos Grand Murailles, recht jung auch noch die Farbe, pikant die Frucht mit Himbeere und Walderdbeere – 96/100. Wer wissen möchte, warum Gerard Perse Chateau Pavie gekauft hat, braucht nur mal eine der alten Pavie-Granaten zu trinken. Da sieht bzw. schmeckt man das Potential, das in diesem Terroir steckt. 1998 dachten auf meiner Raritätenprobe bei der rabenschwarzen, dichten Farbe und der exotischen Würze an einen älteren Grange – 96/100. 1999 in einer Best Bottle ging Pavie dann als ganz großer Bordeaux nicht älter als 1970 durch, soviel Leben und unbändige Kraft steckt da noch drin – 97/100. Anfang 2008 ein Wein von der Sorte, die einfach sprachlos machen, so komplex, so hocharomatisch, so dicht und zupackend mit einem Tanningerüst für 50 weitere Jahre. Da blieb keine andere Wahl, ich musste die 100/100 zücken. Im Herbst 2008 gegen Cheval nur 2. Sieger und fast noch etwas unfertig wirkend – 97+/100. 2015 nahe der Perfektion, mit Power ohne Ende, immer noch deutlichen Tanninen, dunklem Nougat und den Walnüssen mit dieser typischen Latour-Bitternote – WT98. Nur einmal getrunken, aber 1998 ebenfalls sehr schön Pavie Macquin. Troplong Mondot war 2008 sehr weit und reif, trank sich aber sehr schön, ein feiner. Eleganter Wein – 92/100.

Jung 2012 noch die Farbe des Clos du Commandeur ohne Brauntöne, ein großer Wein aus einem Guß, sehr harmonisch mit toller Struktur und feiner Süße, kein Alter, bleibt lang am Gaumen – 94/100. Conseillante Vandermeulen war 2000 deutlich heller als der im Vergleich getrunkene Cheval Blanc und hatte weniger Power, war aber schön gereift, immer noch mit viel Druck am Gaumen ohne Alterston, dafür Schokolade, groß – 95/100. 2012 ohne erkennbares Alter. In der Nase zu Anfang der verschwitze Lederschuh, den man häufig bei Merlots findet, immer mehr kam dann Schokolade und auch Minze, After Eight pur, auch am Gaumen sehr schokoladig mit süßem Schmelz, selbst der letzte Tropfen dieses unsterblichen Elixiers explodierte noch auf der Zunge – 99/100. Zuletzt 2014 ein sehr charmanter, eleganter, schokoladiger Schmeichler mit viel Druck am Gaumen – WT97. Mit deutlichem Braunton 1998 ein Croix de Gay, schöne, reife, malzige Nase, sehr reif, aber immer noch sehr gut zu trinken – 89/100. Ein L´Eglise Clinet hatte 1995 in Hamburg eine reife, helle Farbe, war schon etwas müde, aber immer noch sehr gut zu trinken – 87/100. Dreimal durfte ich bisher l´Evangile aus französischen Händlerabfüllungen probieren, und das les innerhalb eines Jahres(1998). Die erste Flasche erstaunlich dichte Farbe, da war auch noch Frucht drin, kräftiger, leckerer Stoff, getragen durch massive, aber nicht störende Säure – 95/100. Die zweite und beste hielt auf meiner Raritätenprobe gut mit Cheval Blanc mit. Die dritte hatte wieder eine Mörderfarbe und leider einen noch mörderischen Kork. Diese Missgeschick, vor dem kein Weinliebhaber gefeit ist, hatten wir dann noch mal 2000 auf einer Best Bottle mit einer belgischen Händlerabfüllung. Schade, denn auch die wäre ohne Kork riesig gewesen. Gazin war 2002 auf unserer Prowein Best Bottle der Star des Abends, irre Farbe, kleidet Gaumen voll aus und ging im Vergleich zu 45 Petrus als ganz großer 61er Pomerol durch, absoluter Ausnahmestoff - 100/100. 2015 erstaunlich frisch mit feinem. schokoladigem Schmelz. Doch dieser famose Auftritt war nur von kurzer Dauer, der Gazin baute sehr schnell ab – WT88. Sehr tanninlastig mit verschlossen wirkender Nase, viel Kraft 1993 ein Petrus aus der Magnum, baute mit der Zeit sehr schön im Glas aus. 2010 dann noch mal aus der 1tel, exotisch, süß, schokoladig, aber auch mit einer etwas irritierenden, sehr intensiven Minze – 96/100. Absolut hochklassig 2012 Petrus Vandermeulen, ein sehr schöner, kräftiger Wein mit feinem Schmelz, aber auch toller Struktur und deutlichen Tanninen, die noch ein längeres Leben versprechen – 97/100.

Grandios war der Jahrgang auch für trockene, weiße Bordeaux, denen eine kräftige Säure ein langes Leben bescherte. Sehr schön die Nase eines Pavillon Blanc 2007, mit deutlichen Sherrytönen zwar, aber auch mit viel Honig, brauner Butter und Heu, am Gaumen erstaunliche Frische, dieser Cognacfarbene Wein blühte noch mal richtig auf und zeigte dabei eine gewisse Affinität zu großen, alten, weißen YGAYs – 93/100. 2015 brilliante, goldgelbe Farbe, sehr mineralisch, nussig, brettonische Salzkaramellen, feine Bitternote, cremige Textur und eine sehr gute Säure, die diesem Wein eine erstaunliche Frische verlieh – WT96.

Sehr gutes Jahr auch für Sauternes. Die waren nicht so üppig und süß wie 1929, aber dafür mit einer kräftigen Säure ausgestattet, die langes Leben garantierte.

Eine reife Farbe mit tiefem Braun hatte 2012 der Climens Vandermeulen, in der Nase Kamille- und Kräutertinktur, am Gaumen kräftig mit guter Säure und karamelliger Süße – 92/100.Erstaunlich schön 1994 eine Haut Sauternes Händlerabfüllung von Leon Giraud. Ganz groß im selben Jahr La Tour Blanche, ganz großer Sauternes mit viel Säure und Frische, der einem 28er Yquem sicher das Leben schwergemacht hätte – 97/100. Yquem hat natürlich einen gewissen Nimbus. So kam der im Herbst 2005 als ganz großer, kompletter Yquem aus einem großen Sauternes-Jahr ins Glas. Ein überwältigender Stoff mit tiefgüldener Farbe, korinthiger Süße und einer Fülle, die den ganzen Gaumen tapezierte. Hatte eine irre Länge und blieb ewig lang am Gaumen – 98/100.

Ich würde trotzdem in Jahrgängen vor 1950 meist den La Tour Blanche vorziehen. Nicht nur, weil er trotz vergleichbarer Qualität deutlich preiswerter ist. Bei alten Yquems ist man selten der erste oder zweite Besitzer, eher Nummer 15 oder so ähnlich. Da muss man dann schon intensiv auf´s Etikett schauen, um so viel Trinkvergnügen zu haben, wie mit einem vergessenen La Tour Blanche aus gleichem Jahr. Das zeigte sich auch 2008 wieder. Raymond Lafon war ein traumhaft balancierter, feiner Sauternes mit schöner Lebkuchenwürze, unendlichem Schmelz und guter Länge – 96/100. Die Kraft und die Herrlichkeit daneben La Tour Blanche, ein sehr dichter, komplexer Wein mit dunkler Farbe und toller Süße, aber auch mit der faszinierenden, an englische Orangenmarmelade erinnernden Bitternote großer Sauternes – 97/100.

Sehr langlebige, kräftig strukturierte Weine wurden in Burgund erzeugt.

Reifer, alter Pinot ohne jede Schwäche 1995 ein Charmes Chambertin in einer belgischen Händlerabfüllung. Romanée Contis habe ich noch nie besessen. Dafür kenne ich – dem Himmel sei´s gedankt – Weinfreunde , die so was im Keller kamen. So kam ich dann auch 2002 auf einer Best Bottle anlässlich der Prowein zum Genuss eines Romanée Conti, fast noch jugendlich frisch mit feiner Süße, wunderbarer Wein – 96/100. Chancenlos war der Romanée Conti allerdings im Vergleich zu einem außerweltlichen Chambertin Cuvée Magnien Fleurot in einer Nicolas-Flasche. Das war irrer Stoff, Chambertin vom Allerfeinsten mit viel Druck, zog dem Romanée die Hosen aus - 100/100! Ein Hospice de Beaune ohne weitere Lagenbezeichnung des belgischen Handelshauses Lafite aus Brüssel hatte Kaffee, Mokka und eine Wahnsinnsfarbe. Dieser Wein war eindeutig „rhonisiert“, sicher nicht typisch(außer für manche, damals nicht unübliche Machenschaften), machte aber trotzdem viel Spaß – 91/100. Ein Hospice de Beaune Cuvée Brunet in einer Barrière-Abfüllung war 2009 ein kerniger, kräftiger, rustikaler Wein mit malziger Süße – 92/100. Der gleiche Wein aus der der Collection du Docteur Barolet hatte 2015 eine sehr helle, reife Farbe, dazu pikante Frucht, feinen , süßen Schmelz. Ein seidig eleganter Wein – WT95. Die dritte Flasche 2017 hatte eine Traumnase, unglaubliche Frucht, herrliche, generöse Süße, bei diesem Riesen, der sehr lang am Gaumen blieb, stimmte einfach alles, der war schlichtweg perfekt – WT100. Trotz mieser Füllmenge (8cm Schwund) stand 2002 ein Vosne Romanée von Moreau wie eine Eins im Glas und überzeugte mit einer tollen Frucht und einer Dichte, die es heute im Burgund leider kaum noch gibt - 96/100. Leider von diesem Wein 2005 auch eine miserabele Flasche. Traumhaft gereift mit feiner Süße 1996 ein Pomard Rugiens Collection du Docteur Barolet – 95/100. Eine weitere Flasche 2008 so fein, süß und verführerisch, kein Hammer, aber feinste Seide und Cashmere am Gaumen mit ewiger Länge, Pinot vom Allerfeinsten, für den es in dieser unnachahmlichen Form nur die Maximalnote geben kann – 100/100. Die Dritte 2014 beim Boxenstop in Bad Ragaz ein unglaublich kräftiger Wein, eben ein typischer 28er, mit viel Kaffee, generöser Süße und auch seidiger Eleganz – WT97. Deutlich kräftiger und auch jünger wirkend daneben ein komplexer Musigny Chevillot, der ohne die immense Strahlkraft des Pommards sicher besser abgeschnitten hätte – 96/100. Der Dritte im Bunde war 2008 ein gewaltiger, faszinierender Clos Vougeot von Dargent. Der lag irgendwo zwischen den beiden ersten Weinen. Einige am Tisch hielten dieses hochelegante Powerhouse für einen Bordeaux, doch es war Burgund pur und extrem fein – 98/100. Ein Chambertin von Joliot-Paulin wirkte 2014 leicht oxidativ mit etwas flüchtiger Säure, dazu etwas leichtgewichtig und nicht sonderlich komplex – WT92. Schier unglaublich 2013 ein Savigny les Beaunes von Morin aus der halben Flasche, reife Farbe mit schönem, rotem Kern, deutliche Süße, Kaffeenoten, feiner Schmelz, bleibt mit guter Säure lang am Gaumen – WT94. Ein Richebourg 1er Cru in einer Händlerabfüllung wirkte 2014 noch geradezu blutjung, wozu natürlich die kräftige, Frische verleihende 28er Säure beitrug. Zeigte immer noch unglaublich schöne Frucht und eine feine, karamellige Süße – WT96.

Ein faszinierendes Zeitdokument 2008 ein Fleurie von Sichel&Fils Frères abgefüllt für die Weinkellerei Geisenheim, wurde getragen von einer kräftigen Säure, hatte aber noch soviel Frucht. Überraschend schön alleine schon die extrem fruchtige Nase, bei der man meinte, in eine große Tüte Fruchtbonbons hineinzuriechen – 92/100. Traumstoff 2015 der Fleurie in einer deutschen R&U Abfüllung. Sehr dichte, altersfreie Farbe, intensive kirschige Frucht, enorme Kraft und Länge am Gaumen – WT95. Clos de Tart Vandermeulen legte 2014 einen enorm kraftvollen Auftritt hin, überspielte immer mehr die zu Anfang deutlich oxidativen Noten und entwickelte sich sehr schön, wurde dabei immer süßer und generöser – WT95. Ein Gevrey Chambertin Vandermeulen hatte 2012 immer noch eine dichte, intakte Farbe, erstaunliche Frucht, enorme Kraft und gute, für Frische sorgende Säure, enorme Länge, zum Niederknien – 97/100. Präsentierte sich 2014 wie ein Grand Cru allererster Güte. Unglaublich kräftig und druckvoll, dabei aber auch sehr fein und elegant, einfach stimmig, immer noch mit guter Frucht und schon fast hedonistischem Schmelz im ewigen Abgang – WT99. Völlig daneben 2009 ein Richebourg in einer Vandermeulen-Abfüllung, sehr helle, reife, uralte Farbe, wirkte aufgespritet, nussig, deutliche Sherrytöne und als Burgunder gleich welcher Art nicht zu identifizieren. Wahrscheinlich war wirklich Sherry drin. Zuletzt 2013 ein Riese, enorm dicht, kräftig, sehr druckvoll, der nur knapp an der Maximalnote vorbeischrammte – WT99. Ein Pommard von Leon Violland war 2005 ein reifer Pinot mit feiner Säure, sehr finessig, elegant, entwickelt leichte Kaffeetöne. Ein feiner Wein, der lange am Gaumen bleibt – 92/100.

Selbst bei weißen Burgundern kann man immer noch Entdeckungen machen. Ein faszinierendes Weißwein-Chamäleon war sowohl 1997 auf der Paulson-Probe als auch 1998 bei mir ein Meursault Cuvée Reserve au Restaurant des Févriers. Gülden, zu Anfang in der Nase brauner Kandis in Perfektion und selbstgemachte Butterkaramellen aus der Pfanne, am Gaumen erst etwas gezehrt, veränderte sich dann fortlaufend im Glas, nach 2.5 Stunden (!) immer noch voll da mit schönem Zitruston, da kam die Frucht wieder hervor!, perfekt gereifter Weißer Burgunder – 93/100. Selbst ein einfacher Pouilly von der Societé des Entrepots Réunis war 2000 noch trinkbar, gülden, Richtung trockener Sherry, für das Alter erstaunlich – 83/100. Kaffeefarben kam 2008 ein Chablis von Duvergey-Taboureau aus einer nicht optimalen Flasche mit 7 cm Schwund ins Glas. Die geile Nase mit viel dunklem Toffee und wiederum reichlich Kaffee hätte auch einem älteren Rotwein gut gestanden. Am Gaumen eher schlank, aber durch die kräftige Säure noch fast frisch wirkend mit gutem Trinkfluss. Wer ihn zügig trank, hatte mindestens 86/100 im Glas, doch baute der Chablis im Glas ab und die Nase wurde schärfer. Die Zwillingsflasche wenige Monate später war trotz deutlich besseren Zustandes deutlich älter und anstrengender zu trinken – 78/100.

Aus einem guten, aber nicht großen Rhone Jahrgang habe ich 2008 Hermitage Blanc von Habrard getrunken. Wahrscheinlich hatte dieser, immer noch sehr kräftig und alkoholisch wirkende Brocken in den ersten Jahrzehnten Trinkern die kalte Schulter gezeigt. Jetzt war er reif, aber trotz güldener Farbe noch nicht wirklich alt. Die zu Anfang leicht korinthige Nase wurde mit der Zeit immer offener, und es kam sogar der Duft von Rosenblättern hinzu. Den Stil weißer Hermitage muss man natürlich mögen, um die 93/100, die bei diesem fast zeitlosen Wein ins Glas kamen, auch nachempfinden zu können.

Grosse Weine wurden 1928 an der Loire erzeugt. Legendär immer noch der Anjou von Rabay aus den Kellern des Hauses Prunier. 1995 auf einer Drawert-Probe habe ich diesen Wein kennen gelernt, komplex mit sehr guter, tragender Säure und perfekt eingebundener Süße, deutlich süßer als halbtrocken, und kräftig der Wein - und ein perplex der Trinker(ich)! Spontan habe ich davon ein paar Flaschen gekauft. 1998 war der Anjou Prunier ein perfekter Begleiter zu Jörg Müllers legendärem Gänseleber-Gugelhupf auf sicher 97+/100 Niveau. Nochmals konnte ich den Anjou 2005 auf einer Drawert-Probe verkosten, güldene Farbe, eher halbtrocken mit feiner, unaufdringlicher Honigsüße, wirkt durch die kräftige Säure noch erstaunlich frisch und hat einen sehr langen Abgang. Ein faszinierender Wein, der danach schreit, ein herzhaftes Essen oder eine gute Gänseleber begleiten zu dürfen – 95/100.Wenig Genuß brachte der parallel dazu eingeschenkte Moulin-Touchais, ebenfalls von der Loire. In der Nase und am Gaumen Klebstoff ohne Ende und damit schwer zu trinken.

Als überragend gilt der Jahrgang auch im Elsass.

In Deutschland galt 1928 nicht als großes Jahr. Kein Wunder, gab es doch im Mai noch Schnee und im Herbst schon frühe Fröste. Ich habe 1994 auf einer Drawert-Probe einen einfachen Niersteiner Warte getrunken, der für einen simplen Wein ohne Prädikat aus diesem Jahr einfach sensationell war. Da sollte man sicher doch noch mal in diversen Weißweinkellern graben. Höchst erstaunlich 2008 auch ein Rüdesheimer Rotland Rot von einem Weingut Hermani. Um Spätburgunder wird es sich wohl bei diesem Wein gehandelt haben. Das Weingut gibt es heute nicht mehr. Eine ziemlich helle, aber immer noch rote, klare Farbe hatte dieser sehr feine, etwas leichtgewichtige Wein. Keinerlei Zeichen von Gebrechlichkeit zeigte er, dafür aber eine erstaunliche Frische. Intensiv die bonbonhafte Süße, die an Liebesperlen erinnerte - 88/100.

Klasseweine wurden 1928 in Rioja erzeugt. Mein erster Kontakt mit alten Riojas war 1997 auf einer Paulson-Probe während des Rheingau-Gourmetfestivals ein Marques de Lacuesta. Der hatte eine bräunliche, längst nicht so dichte Farbe wie die 28er Bordeaux, roch nach „altem Spanier“ und war wunderschön zu trinken – 89/100. Zuletzt 2012 immer noch enorm kraftvoll mit dichter, bräunlicher Farbe und teeriger Nase mit viel Kaffee, aber auch mit flüchtiger Säure am reifen, weichen Gaumen – 92/100. Wagemutig hatte ich dann kurz danach in Frankreich 2 Flaschen Paternina Gran Reserva ersteigert und im Keller vergessen. 2002 geriet mir dann eine der Flaschen in die Finger. Wow, kam der aus dem 25er YGAY-Faß? Dunkles, kräftiges Teil in bester YGAY-Art. Da musste ich natürlich sofort nach suchen und wurde 2003 fündig. Auch diese Flaschen einmalig, zweimal 2004 getrunken, wie 25 YAGAY deutlich jünger wirkend, dicht, kräftig mit feiner Karamellligen Süße, ein ganz großer Wein auf 100/100 Niveau. Zuletzt 2006 noch so frisch mit dichter Farbe und irrer Länge, massig Kaffee. Rüttelte selbst ermattete Gaumen wieder wach – 98/100. Doch leider kurz danach noch eine weitere Flasche in einer Probe, völlig daneben. Trübe, hellere Farbe mit deutlichen Brauntönen, oxidative Nase, aber auch etwas malzige Süße, karamellig, aber nur ein Schatten seiner selbst. Aus Spanien stammte die Flasche. Wahrscheinlich hatte sie dort in irgendeiner Bodega bei „Raumtemperatur“, die ja in den Sommermonaten schon mal bei 30 Grad und mehr liegen kann, etliche Jahre in einem Regal verbracht. Solche Flaschen habe ich schon häufig bei Ebay angeboten gesehen. Da macht man besser einen Bogen drum. Und noch mal 2007 mit diesem Wein ein unterirdisches Erlebnis, trotz gesunder Farbe einfach ein schlappes, ziemlich dünn wirkendes Teil, für das 89/100 großzügig sind. 2011 aber wieder ein Wein zum Staunen und Träumen, sehr würzig, kraftvoll, Fülle, ungeheurer, aromatischer Druck am Gaumen, geradezu orgastisch für Kaffee.Freaks und mit gewaltiger Länge – 99/100. Und gleich ein paar Wochen danach wieder so eine überalterte Bodeaga-Flasche, bei der noch so gerade 91/100 ins Glas kamen. Zuletzt 2013 kraftvoll, würzig, kräuterig mit Kaffee ohne Ende und gutem Säuregerüst – 97/100. Sehr schön und deutlich jünger wirkend 2005 ein Rioja Age von den Bodegas Unidas, schlank am Gaumen mit feiner Süße, aber auch Kaffee, Lakritz und im Abgang nicht unangenehmen Bittertönen – 94/100. Legte 2016 noch deutlich eins drauf mit einfach genialer Nase und immer noch so junger Farbe, am Gaumen komplex mit enormem Tiefgang, einfach ein zeitloser, großer Wein – WT97.

Sehr langlebige und große Weine auch in der Champagne.

Erstaunlich 1994 ein Champagner von Pol Roger. Flasche öffnete mit deutlichem Plopp, Mousseux war noch vorhanden, verschwand aber schnell, deutliche, nicht unangenehme Firne, fantastischer Champagner-Klassiker mit beachtlicher Länge – 93/10. Ähnlich groß Veuve Clicquot, hatte 1996 viel Kraft, wenig Firne, öffnete sich ohne Plopp, besaß aber sogar noch gutes Mousseux – 94/100. Zwei Jahre später reifer, kein Mousseux mehr, aber ebenfalls viel Kraft, feine, dezente Süße – 93/100. Zuletzt 2008 hatte er seinen Zenit deutlich überschritten – 89/100.

Bei Portweinen gilt 1928 nicht als großes Jahr und es wurden sehr wenige Vintage-Ports erzeugt. Der Gilbert, den ich 1994 und 1995 getrunken habe, war in beiden Fällen voll auf dem Punkt und ein Port, den ich jederzeit wieder kaufen würde. Zuletzt 2012 war das ein mächtiger, sehr aromatischer, marzipansüßer Port, der es bei aller Reife noch deutlich länger machen dürfte - 93/100.

Blieben last not least noch die Weine aus der Massandra Collection. Dreimal durfte ich den Livadia White Mouskat probieren. 1992 und 1994 auf Drawert Proben war das weicher, perfekter Flan Caramel, üppig ohne breit zu sein, immer noch schöne Säure – 94/100. 1995 dann auf unserer „Doctor-Probe“ bräunlich, leicht trüb, wenig Säure, intensiver Malzton, sehr sättigend und mundfüllend, langer Abgang, dürfte auf diesem Niveau noch 20-30 Jahre bleiben – 92/100.