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1929

Unbeeindruckt von der Weltwirtschaftskrise bescherte die Natur den Winzern auch 1929 wieder ein Traumjahr, der perfekte Zwilling zu 1928. Lange wurde früher darüber debattiert, welches das bessere Jahr sei. Allgemein galt 28 als kräftiger, 29 als eleganter. Diese Diskussion ist heute nebensächlich. Wichtiger für die Haltbarkeit und den möglichen Trinkgenuss sind Flaschenzustand und Herkunft. Auch die 29er haben sich als erstaunlich langlebig erwiesen, und es tauchen immer wieder schöne Flaschen auf.

Sehr überzeugend 1994 Calon Ségur aus der Magnum mit schöner Nase und viel Druck am Gaumen – 96/100. Zuletzt 2009 dichte Farbe, portig, Espresso, Minzfrische, ein komplexer, altersfreier Bordeaux mit wunderbarer Länge, der wie eine Eins im Glas stand 96/100. Traumhaft gereift 1999 Cos d´Estournel – 95/100. 2006 war der Cos dann auf der großen Cos-Probe der beste Wein überhaupt, noch einen deutlichen Tick über 1928, mit grandioser Nase, immer noch Röstaromen und intaktes Tanningerüst, nur ersetzt er die schiere Kraft des 28ers durch eine wunderbare Eleganz, gepaart mit toller Länge am Gaumen. Auch dies ein Wein, der in guten Flaschen noch viel Zukunft hat – 97/100. 2013 aus einer Flasche mit tiefer Schulter war aber das nur tiefer Genuss, süß, oxidativ, immer noch trinkbar, aber auf dem weg ins Jenseits – 82/100. 1999 dann mein erster, schöner, reifer Montrose – 92/100. Grosse Überraschung 2006 ein Chateau La Tour du Haut-Vignobles. Irre Farbe, Wahnsinnsaromatik, Mineralik ohne Ende, immer noch Frucht, massig Kaffee, sowohl in der Nase als auch am Gaumen, tolle Struktur und Länge, kräftige, tragende Säure, ein absoluter, best erhaltener Ausnahmewein – 97/100. Zuletzt 2013 wieder auf diesem Niveau.

Batailley hatte 2017 nicht nur eine voll intakte Farbe, sondern auch enorme Kraft und langen Abgang. Sehr elegant und finessig mit feinem, süßem Schmelz, erdiger Mineralität, dunklem Tabak und altem Sattelleder – WT96. Fonbadet gehörte schon damals unter den Cru Bourgeois zu den Besten und war 2003 für das Alter absolut Klasse und deutlich jünger wirkend - 92/100. Auf Willi Krählings Latour-Probe 1995 war der Latour aus der Marie-Jeanne dem 28er nicht unähnlich, dichte Farbe, unglaublich jung, Power-Wein mit langem Abgang – 97/100. Unterschiedliche Flaschen 2007 bei einer Verkostung auf Chateau Latour. Die erste Flasche reduktive, eingekochte Nase, auch am Gaumen nur ein Schatten der besseren Flasche. Die Zweite mit sehr schöner, lakritziger Nase, auch am Gaumen wunderschön, immer noch mit viel Kraft, sicher auf 96/100 Niveau. 2015 eleganter, gefälliger, süßer als der 28er, vielleicht nicht ganz so dramatisch, aber auch der mit der klassischen Latour-Aromatik und enormem Druck am Gaumen, auch hier keine Spur von Alter – WT97. 2016 aus der Magnum ein eher femininer Latour, so fein und elegant, wie der größere Bruder des Gruaud mit Finesse, Eleganz und Mineralität satt, dazu am Gaumen mit feiner Süße, sicher auf dem Punkt, was bei Latour nicht viel heißt – WT97. Mouton Rothschild war 1994 auf Willi Krählings Moutonprobe aus der Magnum seidig, elegant, nachhaltig, schlank, gute Säure – 94/100. Zwei weiter Magnums auf Proben 1995 und 1999 hatten eine junge, superdichte Farbe, explosives, tolles Geschmackserlebnis, leicht portige Note + Minze, Perfektion, Süße, Marzipan(!). Zuletzt 2009 aus der 1tel. Absoluter Traumstoff mit sensationeller Struktur und Dichte, so irrsinnig vielschichtig und komplex, sehr minzig, verschwenderische Fülle, Süße und Länge am Gaumen. Dabei sehr fein, elegant und nobel, ein echter Aristokrat. Ehrfürchtiges Schweigen am Tisch, das war wirklich eine Weinlegende – 100/100. 2015 im Vergleich zu 1928 der offenere, hedonistischere mit pikanter, aber auch süßer, verschwenderischer Frucht, mit Eukalyptus und Minze, am Gaumen grandiose Struktur und gute, stützende Säure – WT98. Die Pichon Comtesse war 2010 ein erotischer, betörender Wein, in der generösen, faszinierenden, süßen Nase Weihnachtsgewürz, am Gaumen unendliche Eleganz mit feinem, süßem Schmelz, dabei sehr filigran und perfekt balanciert mit großartiger Länge am Gaumen – 96/100. Macht es in dieser Form noch etliche Jahre. Pontet Canet habe ich einmal 1994 sehr schön auf 92/100 Niveau erlebt und 1999 eine Flasche mit einem Fehlton, bei dem wir uns nicht einigen konnten, ob es Kork war, kurz danach noch mal eine belgische Händlerabfüllung, wirkte schon fast zu weit mit ersten Mahagonitönen, machte sich dann aber im Glas, gut gereifter Klassiker – 90/100. Zuletzt 2008 ein kompakter, kerniger Wein mit immer noch unglaublicher Kraft, der so manchen 1999er noch überleben würde – 93/100.

1999 auf einer Best Bottle war Beychevelle mit junger Farbe und toller Süße ein Riesenstoff – 97/100. 2009 in einer französischen Händlerabfüllung von Henin-Busquet deutlich weiter. Sehr fein, elegant und filigran mit pikanter Frucht, wurde in der Nase immer besser und entwickelte eine feine Süße. Am Gaumen baute der Beychevelle erst ab, bäumte sich dann aber noch mal auf und wurde auch hier generöser und süßer. Faszinierend ja, aber es hatte auch etwas von einer Abschiedsvorstellung – 87/100. War 2017 aus der Magnum zwar reif mit leicht trüber Farbe, aber auch elegant und fein. Entwickelte eine Süße im Glas und war sehr balanciert mit guter Säure – WT93. An Branaire-Ducru nagte 2009 bereits kräftig der Zahn der Zeit, trotzdem nicht ohne Charme – 83/100. Ducru Beaucaillou hatte auf der großen Ducru-Probe 2006 eine helle Farbe, viel Säure, weißer Pfeffer, delikat, aber relativ flach, entwickelte sich im Glas und zeigte am Gaumen schöne Länge - 86/100. Wäre auch 2009 auf der Ducru-Probe in Krems ohne Krk wider sehr schön gewesen. Gruaud Larose (Faure) hatte 2014 in der in der Nase abgestandene Bratensoße, am Gaumen deutlich gefälliger mit einem Hauch generöser Süße – WT85. 2015 sehr viel feiner, eleganter und mit wunderbarer Süße im Abgang, ein großer, burgundischer Gruaud – WT97. 2016 auf der Farnsburg aus der Magnum war einfach so ein unglaublich stimmiger Wein, so elegant, so fein, so finessig. Ein richtig schönes St. Julien-Gemälde – WT96. Leoville Barton war 2012 nicht nur mein wahrscheinlich bisher bester Wein dieses Gutes, es war auch ein perfektes und noch dazu perfekt erhaltenes Beispiel für diesen extrem hochklassigen Jahrgang, der im Gegensatz zu 1928 weniger durch Kraft als durch Eleganz überzeugte. Während viele 29er aber inzwischen schon schwächeln, hatte dieser Leoville Barton aber immer noch eine erstaunlich dichte Farbe, eine süchtig machende Nase und war am Gaumen einfach ein kompletter, großer Wein, St.Julien in seiner schönsten Art mit Eleganz, Süße, Kraft und Länge, ein Erlebnis, das lange haften bleibt – 98/100. Ähnlich groß wie in 28 Leoville las Cases, 1994 auf einer Drawert-Probe fantastisch, kein Alter, schöne Schoko/Kakao Note, sein Geld mehr als wert – 94/100. Die Zwillingsflasche 1999 auf meiner Raritätenprobe tolles Teil, feine Süße, Länge, nur knapp hinter Haut Brion und Domaine de Chevalier - 96/100. Stand 2009 wie eine Eins im Glas, gewaltige Länge am Gaumen mit der dekadenten Süße eines gereiften Weines – 97/100. Zuletzt 2010 Sehr fein, elegant, mit süßer, generöser Nase, dunkle Schokolade, Kräuter, auch am Gaumen süß, allerdings auch mit hoher Säure, die von der Endlichkeit des Lebens kündet – 96/100.

Chasse Spleen hatte 2008 eine intakte Farbe, immer noch herrliche Frucht, dazu eine feine Süße, so elegant und finessig, der Jahrgang 29 in Vollendung, burgundische Fülle, ein großer, kompletter Wein – 97/100. Ein echter Knaller war 2015 der Poujeaux mit einer einfach geilen, schokoladigen, opulenten Nase und dazu herrlichem Schmelz am Gaumen, zeigte keinerlei Alter – WT94.

Eine erstaunlich üppig-füllige Nase mit reichlich Ovomaltine hatte 2015 der überraschend gute Abel-Laurent in einer Ginestet-Abfüllung, nur die deutlich Säure am Gaumen störte etwas – WT92. Giscours war 1999 ein Riesenstoff, die alten Giscours kann man wirklich suchen – 95/100. Margaux auf der großen Margaux-Probe in der Wachau aus der Magnum nicht in der 28er Klasse, etwas leichter, finessiger – 94/100. 1999 dann eine sehr schöne 1tel – 95/100, im Vergleich dazu eine Vandermeulen-Abfüllung, kurioserweise in einer Burgunderflasche, etwas schwächer – 93/100. 2007 als Vandermeulen eher etwas over the hill, sehr dichte Farbe zwar mit wenig Alterstönen, aber Malaga und Madeira neben reichlich Liebstöckel in der Nase, wirkte überreif mit flüchtiger Säure, war aber auch wuchtig und sehr lang am Gaumen – 89/100. 2009 noch eine perfekte Vandermeulen-Flasche, mit burgundischer Pracht und Fülle, mit verschwenderischer Süße, dabei hoch elegant und mit viel Finesse, blieb ewig lang am Gaumen, aus dieser perfekten Flasche eine unsterbliche Weinlegende – 100/100. 2012 nochmal als Vandermeulen ein kompletter, großer Wein mit perfekter Säurestruktur – 99/100. Zuletzt 2015 als Vandermeulen-Abfüllung geradezu burgundische Eleganz, schmeichlerisch, fein, finessig mit seinem süßem Schmelz, dessen spannender Gesamteindruck nur durch eine leichte Pilznote etwas getrübt wurde – WT95. Sehr überzeugend 1999 wieder Rausan-Ségla – 95/100. 2013 in einer Cruse-Abfüllung noch voll da, hoch elegant mit wunderbarer Frucht und perfekter Struktur – 96/100. Die alten Rausans aus guter Lagerung kann man fast blind kaufen.

Ob Domaine de Chevalier noch mal an das Niveau von 28/29 rankommt? Nur Nuancen hinter dem Haut Brion 1999 auf einer Probe, feine Süße, tolle Länge – 97/100. 2017 aus der Magnum aromatisch eine geradezu irre Kombination aus reifem Pessac mit viel Cigarbox, einem jungen Kalifornier mit wilder Brombeere und reifem Burgunder mit generöser, feiner Süße, dabei extrem stimmig und einfach nur perfekt – WT100. Vielleicht der Wein des Jahrgangs in 29 und deutlich größer als 28 der Haut Brion. 1997 bei Willi Krähling ein absoluter Wahnsinnsstoff mit irrsinniger Konzentration, Farbe schwarz ohne Alter, etwas Rhone-like, von der Farbe her erst für 89(!) gehalten, wird im Glas etwas älter, Malaga-Süße riesengroß - 100/100. Ähnlich 1999 auf meiner Raritätenprobe und dann noch mal 2001 in einer Best Bottle 90er Farbe, dichte, perfekte Aromatik, Malagasüße - 99/100. 2005 in einer Probe insgesamt jünger und deutlich kräftiger als der 55er. An seiner typischen, intensiven Malaga-Süße habe ich ihn sofort erkannt. Unglaublich dichte Farbe, in der Nase leichte Schärfe, frisch gemahlener weißer Pfeffer, Teer, Tabak. Am Gaumen war dieser Weinriese so lang, so füllig, da konnte man richtig drauf kauen - 97/100. 2006 in der großen Haut Brion Probe wieder diese Wahnsinnsfarbe. Ein unsterblicher Weinriese, der in der Konzentration an gewisse, deutlich jüngere 100-Punkte-Parker-Lieblinge von der Rhone erinnerte. Gewaltiger Stoff mit Süße, Opulenz und Malaga in Perfektion – 100/100. 2016 auf der Farnsburg aus der Magnum eine richtige, tiefschwarze Wuchtbrumme, eine Nasenorgie aus Guiness, Tabak und teeriger Mineralität mit intensiver, malziger Süße, alles andere als dezent. Volles Rohr lautete hier das Motto, auch am Gaumen, wo dieser geile Pessac-Likör (O-Ton des mit gegenüber sitzenden René Gabriel) eine Attacke nach der anderen mit irrem Abgang ritt – WT100. La Mission Haut Brion hatte 2007 eine kräftige Farbe mit wenig Alter, unglaubliche Frische, Natreen-Früchte, reitet eine Attacke nach der nächsten am Gaumen, etwas süßer Tabak, immer noch reichlich trockenes Tannin, die massive Säure beschert ihm in guten Flaschen wie dieser sicher noch 20+ Jahre. Baut unglaublich im Glas aus und wird immer aromatischer und komplexer. Was für ein irrer Wein! Steckt selbst etwas kräftigere Hartkäse locker weg und brennt sich als großes Weinerlebnis fest in die Weinseele. Auch hier mit 98/100 eigentlich für ein solches Monument eine konservative Bewertung. Ein halbes Jahr später die Zwillingsflasche, wieder so fein und elegant, mit derart delikater Frucht und immer noch erstaunlicher Frische. Natürlich ist da die klassische Cigarbox-Aromatik, aber nicht in Form eines Blindproben-Hammers, wie beim 28er La Mission, hier ist alles 29-like sehr fein, distinguiert und edel, ein Wein der förmlich auf der Zunge tanzt, grazil daher kommt, sein Alter zwar nicht verleugnet, aber eben perfekt gereift ist - 98/100.

Angelus war 2001 selbst in einer miesen ms-Flasche mit heller Farbe ein toller, perfekt gereifter Wein mit feiner Süße, suchen und kaufen! - 98/100. Zuletzt 2009 so präsent, so voll da mit gewaltiger Struktur, mit süßer, beeriger Frucht und sehr feiner Süße am Gaumen, Kraft und Eleganz in einer Form gepaart, wie es sonst nur Cheval Blanc schafft – 98/100. Der 2016 auf dem Chateau aus der 1tel eher enttäuschende Ausone (WT85) war kurz darauf aus der Magnum ein reifer, aber sehr stimmiger, ausgewogener Wein, der am Gaumen immer noch eine enorme Kraft und einen langen Abgang zeigte. Sehr kräuterig und typisch Ausone die Aromatik, gepaart mit generöser, immer stärker werdenden Süße. Baute enorm im Glas aus und meine Bewertung kletterte mit bis auf WT96. Canon hatte 1998 auf einer Drawert.Probe eine wunderbare Nase mit feiner Süße, auch am Gaumen, ganz toller, geiler Stoff, füllig, ruht in sich, wunderbar – 97/100. Auch die Zwillingsflasche konnte 2005 durchaus noch überzeugen, nur sollte man an diesem sonst so schönen Wein nicht mehr riechen, denn an der inzwischen Liebstöckel-geprägten Nase merkt man das Alter - 93/100. Cheval Blanc habe ich dreimal getrunken. 1995 aus der Magnum, auf extrem hohem Niveau der schwächste von drei Riesen, dichte Farbe, die sich am Gaumen nicht voll auflöst – 96/100. Nicht sehr überzeugend dann 1999 eine Magnum auf Willi Krählings Cheval Blanc Probe – 88/100. Ein paar Monate später dann eine wunderbare Nicolas 1tel – 97/100. Zuletzt 2008 in René Gabriels großer Cheval Blanc Probe sehr helle, aber voll intakte Farbe, generöse, süße Nase, auch am Gaumen süß, rosinig mit viel Feigen, füllig, aber nicht überladen mit burgundischer Pracht und dazu Seide, Seide und nochmals Seide. Ein hocheleganter, traumhafter Tropfen, perfekt gereift und voll auf dem Punkt – 97/100. Warum Magnums bei älteren Weinen häufig schwächer sind als 1tel Flaschen? Ganz einfach, Magnums werden weiterverkauft und reisen dabei viel. 1tel bleiben meist im Keller liegen. Das macht den Vorteil, den die Magnum für die Reifung des Weines bietet, locker wieder weg. Erstmals 1995 auf einer Drawert-Probe habe ich Corbin-Michotte getrunken, dichte, kräftige, junge Farbe, junges, stahliges, kräftiges Bouquet. Am Gaumen würzig mit kräftiger, nicht unangenehmer Säure, wirkte immer noch nicht ganz reif und etwas „roh“ – 89/100. Deutlich besser im Januar 2004, sensationelle Farbe, auch am Gaumen viel Kraft, wurde deutlich jünger geschätzt, viel schöner zu trinken als 95 bei Drawert, suchen lohnt! - 94/100. Immer noch gut trinkbar 1999 auch La Dominique – 88/100. Mit staubiger Eleganz kam 2014der fragile Figeac ins Glas. Alt aber trinkbar war meine erste Notiz. Doch der fragile Figeac baute im Glas nicht ab sondern aus und entwickelte eine feine Süße. Aus trinkbar wurde gut trinkbar und mit etwas Demut vor dem Alter hätte ich auch mehr als meine WT89 geben können. Der Wein des Abends meiner 1999er Raritätenprobe war Pavie in einer in Frankreich ersteigerten Magnum, irre Farbe, wirkte deutlich jünger, ein Wein, der sprachlos machte. Leider sprach sich das wie ein Lauffeuer rum. 12 Weinfreunde und deren Freunde grasten alles ab und ich hatte auf diversen nachfolgenden Auktionen plötzlich zu inflationären Preisen das Nachsehen. 2015 im Vergleich zu 28 der feinere, elegantere und stimmigere mit gerösteten Piemonteser Haselnüssen – WT97. Troplong Mondot war 2009 trotz miserablem Füllstand einfach großartig. Traumhaft und mit kaum Alter immer noch die dichte Farbe mit einem brillianten, dunklen Rot, süß die generöse, zimtige, karamellige Nase, am Gaumen zupackend, kraftvoll mit deutlicher Säure, aber auch sehr minzig, etwas Eukalyptus und wiederum die verschwenderische 29er Süße. Ging übrigens am Tisch als gut gereifter, großer 80er Bordeaux durch – 96/100. Etwas reifer und weiter zuletzt 2013 – 94/100.

Ein Traumwein ist sicher Le Gay. Nur leicht wurde 2009 die seit längerem aufrecht stehende Flasche mit dem Fuß berührt, fiel um und zerbrach. Ein unbeschreiblicher Duft erfüllte den gesamten Keller, als da der Le Gay mit einer immer noch fantastischen Farbe aus der zerbrochenen Flasche lief. Da gab es leider nichts mehr zu retten, aber ich war nahe dran, den Kellerboden abzulecken. Dieser traumhafte Duft, diese immer noch sehr dichte Farbe mit kaum Alter, das war wohl ein sicherer 97+/100 Kandidat. Seine besten Zeiten hatte 2014 leider der Gazin schon länger hinter sich. Das war sicher mal ein sehr schöner, eleganter Schmeichler, der heute mit sehr heller Farbe bereits Anklänge von Möbelpolitur zeigte und sich deutlich auf dem Abstieg befand – WT82. Wohl eine schlimme Eierdieb-Fälschung 2012 der Lafleur mit seiner sehr jungen Farbe und der etwas mostigen Süße, die eher an einen Neue Welt Pinot erinnerte. Äußerlich in saumäßigem Zustand war 2008 ein Nenin, unleserliches Etikett, nur noch low shoulder, aber was für ein Hammerteil. Auf dem Bröselkorken war der Jahrgang ebenso wenig identifizierbar wie auf dem Etikett, da blieb mir nur die Aussage des Vorbesitzers. Und zu der passte der Inhalt dieser Flasche. Alte, aber unglaublich dichte Farbe, Schokolade ohne Ende, Kaffee, Mokka, intensive Süße, aber auch eine recht massive, tragende Säure, einfach saftig und groß – 95/100. Petrus war wie schon 28 eher ein rustikaler, fleischiger Kraftbolzen mit dichter, kräftiger Farbe, aber wenig Schmelz, mehrfach zwischen 1993 und 1995 aus der Magnum verkostet und konstant mit 93/100 bewertet. Und wenn Ihnen dann (wie mir) mal ein 29er Petrus, selbstverständlich mindestens als Magnum, mit dem Schmelz der modernen Petrusse vorgesetzt wird, dann seien Sie sicher, es ist ein moderner Wein, aber kein Petrus und schon gar kein 29er. Eine ähnliche „Mischung“ dann 2012 wieder, so ein dichtes, süßes, fülliges, deutlich jünger wirkendes Monster, sehr konzentriert mit Massen an süßer Frucht, durchaus faszinierend, aber auch etwas offensichtlich wirkend.

Faszinierend 2009 ein Graves in einer französischen Händlerabfüllung von de Luze. Das muss mal ein leicht restsüßer oder halbtrockener Wein im Stile de Y von Yquem gewesen sein. Inzwischen war dieser brilliant güldene Wein am Gaumen trocken mit kräftiger Säure, sehr reiche Nase inklusive reifer Banane, baute im Glas enorm aus und entwickelte dezente Honigtöne, sehr druckvolle Aromatik, ein großer Speisebegleiter, der Jahrzehnte jünger wirkte – 94/100. Der sehr rare La Mission Haut Brion Blanc hatte 2012 die tiefe, schon ins bräunliche gehende, aber immer noch brilliante Farbe eines älteren Sauternes, die Nase leicht medizinal, aber immer noch mit Fruchtresten und Bienenwachs, am Gaumen halbtrocken wirkend mit cremiger Textur und feiner Süße – 90/100.

In Sauternes gilt der Jahrgang als bester seit den legendären 21ern.Die besten davon könnten sicher noch ihren 100sten erleben. Caillou Crème de Tête war 2009 einfach ein kompletter, riesengroßer Süßwein, bei dem von der faszinierende Honignase über den verschwenderischen Gaumen bis zum ultralangen Abgang alles stimmte, tiefgüldene, aber immer noch brilliante Farbe, gute Säure, ging in dieser stimmigen Harmonie der einzelnen Komponenten locker auch als ganz große TBA durch – 99/100. Zweimal getrunken, zuletzt 1999 ein Doisy Daene in einer Vandermeulen Abfüllung, kräftiges Gold, wunderschöne, karamellige Süße gepaart mit schöner Säure und erstaunlicher Frische, toller Sauternes mit noch großer Lebenserwartung – 96/100. Süß, pappig mit wenig Säure war auf Rodenstock´s 16. 1996 ein Filhot – 83/100. Rabaud Promis hatte 2015 eine sehr tiefe, dunkle Farbe, Melasse, Cola, minzige Süße, Fülle, aber auch gute Säure, ein sehr guter Sauternes auf dem Höhepunkt – WT95. de Ricaud hatte 2009 eine verschwenderischer Süße und viel karamellisierte Kräuter, dabei wirkte er eher etwas filigran mit immer noch vorhandener Säure – 93/100. Zum ersten Mal 1988 auf einer Caveau-Probe getrunken Yquem, klassischer Super-Yquem, leicht malziges Aroma, etwas bitterer Abgang, tiefe güldene Farbe – 97/100. Und dann wieder 2010. Flüssiges Bernstein kam da ins Glas, eine sehr reichhaltige, süße, komplexe, dekadente Nase, wiederum mit viel dunklem Karamell, Waldhonig, Bitterorange, Crême Brulée, Marzipan – ein ganzes Aromenbuch könnte man darüber schreiben. Auch am Gaumen enorm komplex und vielschichtig, delikat und druckvoll zugleich, sehr finessig, kraftvoll und praktisch altersfrei mit ewigem Abgang, ein einmaliges, herausragendes Weinerlebnis, ein Wein gemacht für 100 weitere Jahre – 100/100. Leider zuletzt 2014 als eindeutig gefälschte Händlerabfüllung.

Eine große Burgunderernte bescherte großartige, reife, elegante Weine, die schon früh Spaß machten, sich aber trotzdem als sehr langlebig erwiesen.

Ein Chambolle Musigny Les Charmes von Pierre André war 2013 sehr dicht, komplett, auch in der Farbe, mit hoher Extraktsüße, wenn da nur nicht diese etwas irritierende Champignonnase gewesen wäre – 95/100. Bei einem Musigny von Henri de Bahèzre überzeugte 2012 nur die sehr dichte Farbe. Die Nase war dumpf, der Gaumen kurz und austrocknend, von Süße, Schmelz oder Eleganz keine Spur – 85/100. Schlichtweg atemberaubend 2012 ein Romanée St. Vivant von Henri de Bahézre, der alles hatte und von allem auch noch mehr, scheinbare Jugend(!), Frucht, Dichte, Struktur, Spiel, Süße, Schmelz und eine sensationelle Struktur und Länge – 99/100. Mit tiefdunkler Farbe kam 2012 der Gevrey Chambertin aus der Collection du Docteur Barolet ins Glas. Wirkte erst etwas verhalten und rustikal, legte aber enorm im Glas zu und wurde immer besser – 95/100. Ein süßer, generöser Burgundertraum war 2009 ein Vosne Romanée aus der Barolet-Collection, Mokka ohne Ende, etwas Schokolade und Kakao, so seidig, so harmonisch und durch die perfekt integrierte, kräftige Säure am Gaumen noch so frisch und animierend wirkend – 98/100. Ein Gevrey Chambertin Clos de la Justice von Pierre Bourée war 2012 bei zwei Proben enorm kräftig und noch so jung wirkend, tolle Struktur und Länge – 95/100. Die Zwillingsflasche 2012 bei Elke Drescher der große Finessenmeister, ein klassischer 29er ohne Alter, sehr fein, sehr elegant, sehr schmelzig, herrliche Süße und schöne Länge – 96/100. Die Clos Vougeot Magnum der Domaine Camille Cerf & René Fribourg hatte 2014 eine helle, aber klare Farbe, immer noch eine schöne Frucht, Quitte pur, florale Noten, sehr pikant, feingliedrig, einfach stimmig und wunderschön zu trinken – WT94. Ein Volnay Santenots Hospice Cuvée Jehan de Massol, abgefüllt von Chauvot Labaume hatte 2017 eine leicht trübe Farbe, dazu eine etwas schwierige Nase. Dafür entschädigte der Gaumen mit traumhafter, generöser, malziger Süße – WT93. Ein Tâche Romanée von Chevillot war 2013 Burgund und La Tâche in Perfektion. Hoch elegant, sehr komplex, unendlicher, seidiger Schmelz und Länge, ohne Frage 100/100. Bei einem Clos Vougeot von Coron Père & Fils wirkte nur die Nase leicht morbide, am Gaumen verströmte er eine traumhaft süße, rosinige, karamellige Fülle, die an 1947 erinnerte, dazu eine fast zeitlose Eleganz mit toller Struktur und guter Säure, blieb ewig am Gaumen – 97/100. Ein Chambertin von Doudet-Naudin zeigte 1996 auf einer Drawert-Probe deutliche Reifetöne mit Orangenrand, brachte am Gaumen nicht mehr viel, spitz, gezehrt, leicht pilzig – 86/100. Auch ein Clos Vougeot von Doudet-Naudin hatte ein Jahr später auf einer Drawert-Probe deutliche Reifetöne und wirkte erst etwas pilzig, entwickelte sich dann aber im Glas und wurde sehr schön - 94/100. Eine immer noch recht jung wirkende Farbe hatte 2015 der Corton von Doudet-Naudin. Auch in der Nase und am Gaumen präsentierte er sich noch fast wie ein Jungspunt mit wunderbarer Frucht, mit süßem Schmelz, enormer Kraft und Länge. Baute enorm im Glas aus – WT97. Als ich 2002 bei Hardy auf Sylt auf der Raritätenkarte für relativ kleines Geld einen Corton Clos des Cortons von Faiveley entdeckte, habe ich nicht lange gezögert. Was für ein Traum-Burgunder! Für das Alter geradezu unglaublicher, sehr junger Stoff, sehr delikat, noch geradezu frisch, ganz feine Süße im Abgang, lange Zukunft, suchen! – 99/100. Auch ein Richebourg von Faiveley war 2003 eine Offenbarung, dicht, süß, riesengroß, lebt noch 50 Jahre - 98/100. 2007 noch mal bei Jörg Müller, ein noch sehr fruchtiger, unglaublich präzise strukturierter Traumburgunder. Noch kein bisschen müde, fast jugendlich mit sehr guter Säure. Ein Monument gemacht für die Ewigkeit – 97/100. Zuletzt 2013 so würzig, so kraftvoll, so dicht und lang, dabei sehr elegant und absolut stimmig und harmonisch, immer noch gute Frucht – 97/100. Als deutlich jünger ging 2006 ein Chambolle-Musigny von Faiveley durch. Das war großer Pinot Noir, wie er früher erzeugt wurde. Immer noch dichte, deutlich jünger wirkende Farbe, in der Nase und am Gaumen leicht portig wirkend, recht süß, dabei so dicht und kräftig. Und das alles aus einer sicher nicht optimalen Flasche mit gut 7cm Schwund – 94/100. Gemüsig wie ein alter Rioja und etwas dumpf war 2009 ein Musigny von Faiveley in der Nase, eine Klasse besser am Gaumen, dort fein und gefällig mit toller Dichte – 94/100. Etwas verhalten zuerst 2014 der Pommard Rugiens von Faiveley, der aber irre im Glas ausbaute. Wirkte sehr fein und elegant, auch erstaunlich frisch, aber auch sehr nachhaltig und lang am Gaumen – WT98. Corton Grancey von Louis Latour hatte 2007 in Paris ein helles, reifes Himbeerrot mit Organgenrand. Die Nase zu Anfang etwas muffig-medizinal und gewöhnungsbedürftig, als ob sich dieser Weinsenior erst daran gewöhnen müsste, aus der Flasche zu dürfen. Das gab sich schnell, nicht nur die Nase wurde schöner, vor allem am Gaumen ging die Post ab. Immer noch deutliche Fruchtreste, eine wunderbare unaufdringliche Süße, seidige Eleganz und eine irre Länge am Gaumen, großer, reifer Burgunder in seiner schönsten Form - 97/100. Deutlich jünger wirkte 2016 der Pommard Superieur von Lebrecht, Scheuer & Cie aus Mayence, eine Händlerabfüllung, in der sicher was richtig Gutes steckte. Legte enorm im Glas zu. Immer noch gute Frucht in der sich immer mehr öffnenden Nase, am Gaumen gute Struktur, kein Alter und eine generöse Süße – WT96. Sehr schön 1995 ein Gevrey Chambertin von Moreau & Fils – 90/100. Größer von Moreau ein Nuits St. Georges, 1995 sensationelle Nase, großer Wein mit Zukunft – 95/100, 2000 wunderbarerer, reifer Burgunder mit klarer Farbe, feiner Süße, schöner Tabaknase, nur am Gaumen etwas kurz – 93/100. Zuletzt 2007 perfekt, hatte noch so eine perfekte Struktur und eine wunderbar brilliante Farbe. Kleidete den Gaumen voll aus und entwickelte mit der Zeit eine feine, karamellige Süße, nicht nur am Gaumen, sondern auch in der Nase – 97/100. Ein Clos Vougeot Clos de la Tour von Morin hielt sich 1993 auf einer Drawert-Probe noch ein Weilchen auf akzeptablem Altweinniveau und tauchte dann ganz schnell ab – 83/100. Ein Pommard St. Jean von Morin aus der halben(!) Flasche war 2009 schier unglaublich. Von der Farbe her war der Inhalt sehr reif, aber was für ein faszinierender, unkaputtbarer Wein mit verschwenderischer, burgundischer Aromatik und Fülle, sehr elegant mit feiner Süße und mit einer ordentlichen Portion Kaffee – 94/100. Erstaunlich 2016 ein Beaune Marconnets in einer Nicolas Abfüllung mit beginnender Farbausfällung und gut 6 cm Schwund. Der Klebstoff in der ersten Nase wandelte sich immer mehr in Marzipan und auch am Gaumen entwickelte sich eine feine, immer generöse Süße. Das war um Längen mehr als nur trinkbar – WT92. Ein Clos Vougeot von Pascal Frères erwies sich 2008 als ein fülliger, eleganter Burgunder mit schöner Süße – 92/100. Die Zwillingsflasche war 2010 noch eine Klasse besser – 96/100. Und die Dritte 2013 war die schönste, ein betörender, hoch erotischer Charmeur mit feiner Süße schon in der Nase, was sich nahtlos am Gaumen fortsetzte – 99/100. Ein Ausnahmeburgunder war 2011 ein Nuits St. Georges von Rodet aus einer sehr guten(4 cm) Flasche. Einfach Wahnsinn, wie lebendig dieser Senior noch war, welchen aromatischen Druck er am Gaumen erzeugte, reif ja, alt nein – 97/100. Ein Wein, der sprachlos und glücklich zugleich machte. Säure, kurz, nicht mein Wein 1994 auf einer Drawert-Probe ein Bonnes Mares von Seguin Manuel – 75/100. Ein Clos Vougeot von Ropiteau Frères schien 2012 die ewige Jugend gepachtet zu haben und wirkte gut 50 Jahre jünger, nur, dass es heute solche Weine nicht mehr gibt, das war einfach Perfektion, ein Wein zum Niederknien, Faszination pur mit allen Zutaten eines Jahrhundert-Burgunders – 100/100. Ein nicht optimaler Richebourg mit 7 cm Schwund in einer Händlerabfüllung war 2008 eher ein kleinerer, aber feiner Wein mit heller Farbe, feiner Süße, leichter Schärfe und auch etwas medizinalen Tönen – 89/100. 2008 zeigte ein Gevrey Chambertin in einer nicht näher identifizierbaren Händlerabfüllung schon Anzeichen von Senilität. Malzige Süße und feiner Schmelz, aber auch die gemüsige Note alter Riojas, hat sicher schon bessere Tage gesehen, trotzdem noch gut trinkbar – 89/100. Einfach etwas zuviel des Guten 2009 ein zwar für das Alter noch erstaunlich kraftvoller, dichter Chambolle Musigny von Alix Vigneau, der aber deutlich überextrahiert und nicht gerade sehr harmonisch wirkte – 87/100.

Mit einer Superfarbe kam 2009 der zu Anfang enorm dichte, kräftige Morgon von Colomb-Maréchal ins Glas. Mit Luft verlor er etwas und baute ein stückweit ab, blieb aber für einen 80jährigen Beaujolais sensationell – 91/100.

Die 29er weißen Burgunder galten allgemein als reifer, milder als die 28er. Ich habe trotzdem einige sehr langlebige darunter gefunden(und suche weiter!).

Ein unglaublicher Stoff war 1999 ein Le Montrachet von Corcol, sensationelle Nase, erdig, kräftig, sehr lang, wirkte 50 Jahre jünger und hat sicher noch 20+ Jahre vor sich, einer der Weine des Abends – 100/100. Wenn ich da sehe, wie müde die überbezahlten Burgunderstars heute teilweise schon nach 10 Jahren sind. Vielleicht sollten die noch mal bei ihren Großvätern nachfragen, wie man große Weißweine macht. Klasse und langlebig auch Meursault Charmes Cuvée Genevrières Vandermeulen, 1996 kräftiges Gelb, keine Firne, massive, tragende Säure, entwickelte sich sensationell im Glas – 95/100, 1999 kräftige Säure, brauchte viel Zeit und Luft, entwickelte sich, wurde dann groß – 95/100. Nicht in derselben Liga aber noch gut trinkbar ein Batard-Montrachet von Seguin-Manuel. 1994 auf Rodenstocks 15. Firne, güldene Farbe, am Gaumen erstaunliche Süße, Nase leider Schrott – 86/100, 1995 auf einer Drawert-Probe kräftiges Gelb, kaum Nase, etwas gezehrt, aber wenig Firne, erstaunlich schöner Abgang, für das Alter toll – 87/100. Für das Alter ebenfalls erstaunlich ein Corton Charlemagne von Seguin-Manuel. 1994 auf meiner Raritätenprobe güldene Farbe, spürbares Alter, aber noch gute Säure und langer Abgang, hielt sich im Glas lange auf diesem Niveau – 88/100. Ein paar Wochen später auf Rodenstocks 15. leichter, aber nicht unangenehmer Sherryton, beachtliche Länge – 87/100. Ein Chablis Valmur von Charenton in einer Nicolas-Abfüllung hatte 2005 eine kräftige, schon leicht ins Güldene gehende Farbe. Begann ziemlich morbide, erholte sich aber erstaunlich im Glas. Kräftige Säure, in der Nase reifer Chardonnay, rauchig, speckig, nasses Leder, etwas modrig, aber auch leichte Karamelltöne und Dörrfrüchte. Perfekt zu lauwarmen Austern in Vinaigrette, entwickelte dabei schöne Bitternote am Gaumen. Solo schwierig, aber in der Essenskombi sicher 88/100 wert.

Durchaus noch trinkbar war 2009 ein Clos de Gamot aus Cahors von Jouffreau. Das war sicher nie ein aufregender Wein, aber immerhin hatte er sich 80 Jahre gehalten. Rustikal, etwas säurelastig, eher gewöhnlich – 83/100.

Auch an der Rhone war 29 ein großartiges Jahr, das man nur noch selten antrifft. Es könnte sich lohnen, wie die nachfolgenden Weine zeigen.

Eine sehr schöne, lakritzige Nase hatte 2009 der Hermitage-Rochefine von Jaboulet-Vercherre, am minzigen Gaumen war er leider sehr ruppig mit zuviel Säure – 92/100.

Ein Chateauneuf-du-Pape Clos des Papes war eine der Überraschungen meiner Raritätenprobe 1999, helle Farbe, wunderschön, tolle Süße, Kraft und unglaubliche Länge am Gaumen – 98/100. Ein Chateauneuf-du-Pape von Paul Etienne hatte 2013 eine reife Farbe, sehr malzig, weich, generös, aber auch im Abgang etwas metallisch – 87/100. Ein Chateauneuf-du-Pape Clos Papal von Auguste Mame hatte 2005 eine helle Farbe, wirkte erst leicht „spanisch“ wie ein großer, älterer Rioja, betörende Aromatik, schöne Süße – 94/100. Eine Wahnsinnsfarbe und gewaltige Dichte hatte 2009 ein Chateauneuf-du-Pape von Albert Jambon. Ohne den leider recht deutlichen Korkton wäre das ein weiteres, unsterbliches Chateauneuf-Denkmal gewesen und ein würdiger Sparringspartner für den Wein im zweiten Glas. Doch als wir ihn schon abschreiben wollte, kämpfte sich dieses Monument durch den Kork durch, und das in so beeindruckender Form, dass hier trotz Fehlton gut und gerne 95/100 fällig waren. Sensationell 2012 die dichte, noch fast rabenschwarze Farbe des Chateauneuf-du-Pape von Morin, die nur zu Anfang krautige, etwas nach Kartoffelkeller riechende Nase gewöhnungsbedürftig, aber das gab sich rasch. Immer mehr spürte man in der Nase Hitze, Sonne und den großen Jahrgang. Am Gaumen balsamisch mit feiner Süße, unglaubliche Kraft und Länge, ein großer Wein, der in dieser Form sicher noch die 100 Jahre voll bekäme – 95/100.

Sehr gutes Jahr im Elsass.

Auch in Deutschland gab es ein gutes Weinjahr, das erste nach 1921.

Eine Rüdesheimer Berg Rottland Auslese von Groenesteyn war 2013 reif, auch in der Farbe. In der Nase Pumpernickel mit Honig, sehr reif, leicht bittere Strenge, die Süße weitgehend aufgezehrt, aber immer noch gut trinkbar und nicht ohne Faszination - 93/100

Wahre Wunderdinge habe ich schon von alten Barolos gehört.

Ein Barolo von Lanzavecchia hatte 2006 eine perfekte Füllmenge mit nur 3 cm Schwund, eine schwere, alte Flasche aus gutem Keller und einem sehr guten Barolo-Jahr. Die Nase war ein Traum für Madeira-Fans. Eine aggressive Säure machte ihn völlig untrinkbar.

Besser als in 28 hat mir 1999 auf einer Best Bottle der Livadia White Mouskat aus der Massandra-Collection gefallen, kräftiges Braungold, malzig, karamellig, immer noch mit schöner Säure, unendlich im Abgang (dekantiert 2 1/2 St. vorher und dann zurück in Flasche), angenehmer Bitterton – WT97. Zuletzt noch mal 2009, sehr kräuterig und minzig, immer noch mit Potential – WT95. Auf ähnlichem Niveau 1998 auf einer Drawert-Probe der Livadia Rose Mouskat, Traumstoff, sehr süß, aber auch mit guter Säure, unglaublich lecker – WT96.

Sehr gutes Champagner-Jahr.

Guter Portweinjahrgang mit kleiner Ernte. Ein Oporto Duero von Vandermeulen hatte 2009 zwar eine recht helle, reife Farbe, zeigte aber keinerlei Schwäche. Ein perfekt gereifter Port ohne spritige oder brandige Noten. Einfach nur eine verschwenderische Süße, die an feinstes Marzipan erinnerte – WT96.