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1933

Durchschnittliches Bordeaux-Jahr mit kleiner Ernte. Charmante, fruchtige Weine, eher etwas auf der leichteren Seite. Seinerzeit recht begehrt, heute gehört viel Glück dazu.

Ein Pichon Baron de Longueville in einer französischen Händlerabfüllung hatte 2007 schon eine ziemlich müde Farbe mit deutlichen Altersspuren, sehr viel flüchtige Säure am Gaumen, eigentlich nur noch mit Schmerzen zu genießen. Ähnlich 2008 ein oxidierter Cheval Blanc, Nagellack, Möbelpolitur und dazu eine spitze Todessäure.

Haut Brion war 2012 noch erstaunlich gut trinkbar. Sehr dichte, aber deutlich ältere und etwas trübe Farbe. Die Nase erinnerte erst an einen vollen Staubsaugerbeutel, wurde aber mit der Zeit immer besser mit Tabak, Mokka und Kaffee, auch der Gaumen wurde gefälliger – 85/100.

Eher klein der Jahrgang auch für Sauternes. So hatte Lafaurie-Peraguey 2010 eine recht helle Farbe, wirkte gewöhnlich, langweilig mit wenig Süße - 85/100.

Auch in Burgund eine sehr kleine Ernte allerdings hochklassiger Weine. Gut gelagerte Burgunder aus 1933 würde ich immer noch kaufen.

Faszination pur 2008 ein Chames Chambertin in einer auch äußerlich perfekten Schweizer Baur-au-Lac Abfüllung. Erstaunlich dichte Farbe, in der generösen, weichen Nase reife Tomate, rosinig-malzige Süße, am Gaumen erst etwas kompakt mit kräftiger, tragender Säure, entfaltet sich dann aber zügig im Glas und baut unwahrscheinlich aus, wird runder, weicher, gefälliger mit malziger Süße, fast schwereloser Eleganz und traumhafter Länge am Gaumen – 97/100. Ein Corton von Henri de Boursault zeigte 2013 zu Anfang erste oxidative Alterstöne und schien im Glas deutlich abzubauen. Wer ihn jetzt zügig austrank, war mit 87/100 dabei, was ja für einen 80jährigen Wein auch nicht schlecht ist. Wer etwas wartete, bekam mit wie dieser Corton plötzlich deutlich zulegte, dichter und kräftiger wurde mit einer richtiggehend wilden Aromatik – 93/100. Eine Clos Vougeot Magnum von Camille Cerf & René Fribourg mit trüber Farbe, viel Klebstoff, aber auch Orangenzesten, war 2014 trotzdem noch erstaunlich gut trinkbar – WT84. Sehr fein, sehr schmelzig und hoch aromatisch war 2011 ein Pommard Grands Epenots von Louis Grivot, den eine gute Säure frisch hielt – 94/100. Ein Corton von Pascal Frères hatte 2013 immer noch eine brilliante, junge Farbe, wunderschöne Frucht, feine Süße, gute Säure und tolle Länge. Ein absolut stimmiger, harmonischer und sehr präsenter Wein, der locker als 30-40 Jahre jünger durchging – 97/100. Ein im Sommer 2001 auf Sylt mit André und Suzanne Speisser getrunkener einfacher Pommard von Violland aus dem Geburtsjahr von Hardy´s Weinstuben bot immer noch viel Trinkgenuss. Auch die Zwillingsflasche, 2007 an gleicher Stelle, konnte voll überzeugen. Erstaunlich intaktes Himbeerrot, feine Nase, immer noch mit Frucht, auch am Gaumen feinfruchtig und sehr aromatisch, fragil aber nicht senil und mit der unnachahmlichen Eleganz großer, alter Burgunder – 94/100.

Als gut und langlebig galt der Jahrgang auch an der Rhone. Burgundisch im besten Sinne, reif, aber keinesfalls zu alt ein faszinierender Chateauneuf-du-Pape von Brotte. Ein göttliches Elixier, das sich wie feinstes Cashmere auf den Gaumen legte, der große Finessenmeister, reif, weich und süß zwar, aber dabei so komplex mit irrer Länge – 96/100.

Nicht mehr trinkbar war 2005 ein Colares aus Portugal. Sehr helle Farbe, extreme Schärfe in der Nase und auch am Gaumen eher die Aromatik von „Rohr frei“ als von großem Wein.