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1934

1934 Geborene sollten kein Problem haben, einen guten Tropfen aus ihrem Geburtsjahr zu finden. Quer durch Europa wurden 1934 sehr gute Weine erzeugt. Für Bordeaux gilt 1934 als der beste Jahrgang der 30er Jahre. Da gibt es noch viel zu entdecken und auch der Wineterminator greift bei gut erhaltenen 34ern immer noch gerne zu. Die Betonung liegt natürlich auf „gut erhalten“. Bei einer 34er Probe von René Gabriel lernten wir auch das Grauen solcher Jahre kennen. Von dieser Probe habe ich hier nur die noch trinkbaren Weine eingepflegt.

Eine etwas blecherne Nase, aber auch ungewohnte Curry-Töne zeigte Cos d´Estournel 2006 in einer Händlerabfüllung von Schröder & de Constans(‚ms’). Gute Farbe, weich am Gaumen, feine Süße, sehr ausgewogen und schön zu trinken – 86/100. 2014 trotz low shoulder in der Nase ein dampfender Misthaufen, am Gaumen stabil und kräftig, doch schon nach ein paar Minuten ging´s rasant bergab – WT84. Rabenschwarz war er 2016 – und leider oxidiert. In guten Flaschen sicher immer noch eine Suche wert. Viel Knochen, wenig Fleisch zeigte 2010 ein Montrose – 88/100. Roch 2014 leider intensiv nach Pappkarton und war am sehnigen Gaumen recht anstrengend – WT83.

Lynch Bages hatte 2004 eine intakte, dichte Farbe, feine Süße und nicht unangenehme Rustikalität – 93/100. 2008 einfach ein perfekt gereifter Traum Bordeaux ohne Ecken und Kanten, absolut rund mit toller Süße und fantastischer Länge am Gaumen. Natürlich war dieser Wein schon etwas fragil, aber wer den nicht zu lange dekantiert und zügig trinkt, hat locker 95/100 im Glas. Kein großer Wein war 2008 ein Lafite Rothschild, aber ein sehr feiner, immer noch mit etwas rotbeeriger Frucht, sehr elegant, fast etwas verspielt wirkend mit feiner, filigraner Aromatik und dezenter, malziger Süße – 90/100. Von diesem Wein soll es großartige und grausame Flaschen geben. Auf René Gabriels großer Lafite-Probe 2011 bewegten wir uns eher am unteren Ende. Trüb die Farbe, oxidativ die ältliche Nase, am Gaumen viel Säure, deutlich auf dem Abstieg – 82/100. Wir lagen wohl genau in der Mitte. Latour war aus 34 nie ein großer Wein, kein Vergleich mit den Boliden, die dort heute erzeugt werden. Dazu baut dieser eher kleine Latour inzwischen ab, woran auch der gute Flaschenzustand nichts ändern konnte. Eine gewisse Faszination verströmte 2011 zu Anfang noch die edelreife Nase, mineralisch mit Liebstöckel, doch am Gaumen wurde schon heftig geschwächelt und mit der Zeit entwickelte sich dieser Latour zu einem recht harmlosen Säuerling – 85/100. 2014 hatte er aromatisch eher etwas von Salatdressing – WT81. War 2017 aus der Magnum auf niedrigem Niveau auch noch auf dem Abstieg – WT80. Mouton d´Armailhacq hatte 2007 in der Nase Thymian, süßes Malz, Jod, Gemüse und viel Sellerie. Eigentlich nicht gerade die Mischung, die ich in einem feinen Bordeaux suche. Am Gaumen recht fragil mit deutlicher Schärfe, das war vielleicht vor langer Zeit mal ein großer Wein – 79/100. Gut aber nicht groß 2014 der Mouton Rothschild, bei dem vor allem die immer typische, von Röstaromatik geprägte Nase (sehr erstaunlich für einen 80jährigen Wein) überzeugen konnte. Am Gaumen trotz feiner Süße dominiert von hoher Astringenz – WT89.

Einfach nur alt und ziemlich anstrengend mutete 2009 Pichon Comtesse in einer nicht näher identifizierbaren Händlerabfüllung an. Doch mitten in all diesem Muff fand sich doch tatsächlich noch ein überraschendes Stück Schokolade - 81/100. Beim Pibran konnte 2014 allenfalls die reife, mineralische Nase überzeugen, der Gaumen war eher dürftig – WT84. Pontet Canet in einer Cruse Abfüllung hatte 2014 eine voll intakte, erstaunlich junge Farbe, reife, von Tertiäraromen geprägte Nase, am Gaumen Struktur, Rasse und Klasse. Ein perfekt gereifter Pauillac, den ich jederzeit nachkaufen würde – WT94.

Sehr schön zu trinken war 2014 der Beychevelle. Helle, reife Farbe, immer noch betörende, feine Frucht, sehr elegant und finessig, fast etwas zerbrechlich wirkend – WT89. 2015 aus der Magnum etwas flüchtige Säure, aber immer noch schöne Frucht und feine Süße – WT90. Ducru Beaucaillou war 2009 ein kleiner, sauberer Wein war der etwas monolithisch und eindimensional wirkte – 81/100. Besser 2013, wirkte durch die deutliche Säure zwar fast altersfrei und immer noch stabil, aber auch etwas eindimensional – WT89. Sehr schön war 2009 bei Gruaud Larose nur noch die Farbe, aber das war es dann auch. Am Gaumen dominierte Säure ohne Ende - 78/100. Zuletzt 2013 helle, bräunliche Farbe, deutliche Farbausfällung. Wirkte einfach kaputt mit reichlich Maggi. Doch trinken konnte man ihn trotzdem, denn am Gaumen entschädigte eine erstaunlich generöse Süße, als ob sich der Gruaud dagegen wehrte, weggeschüttet zu werden – WT86. Gruaud Larose Faure war 2014 mit sehr guter Farbe etwas eindimensional und monolithisch, kein Alter, baute im Glas gut aus – WT88. Voll auf dem Punkt 2012 der Lagrange Vandermeulen, ein kompletter, großer Wein mit Fülle, Kraft, Dichte, Süße und Länge, bei dem von der Nase über den Gaumen bis zum Abgang einfach alles stimmt – 96/100. Erstaunlich jung und kräftig mit dichter Farbe 2010 ein sehr attraktiver Leoville Barton, der sich einfach wunderbar trank – 94/100. Hatte 2012 eine Traumnase, an der ich stundenlang riechen könnte, Eleganz pur, seidig und weich am Gaumen, ewige Länge – 97/100. 2014 aus einer Händlerabfüllung war trotz eines leichten Fehltons sehr elegant, reif, weich mit generöser Süße – WT90. Eine superdichte Farbe Leoville las Cases. Nur die Liebstöckel-Nase deutete 2007 das Alter dieses Weines an, der ansonsten mit Brombeere im Schoko-Teermantel und reichlich Kraft am Gaumen brillierte – 93/100. 2007 in einer belgischen Händlerabfüllung frischer, süßer, zugänglicher mit Schokolade, Toffee und Mokka in der Nase, am Gaumen hatte dieser, durch eine gut eingebundene, kräftige Säure gestützte Wein immer noch spürbare Tannine – 92/100. 2010 junge Farbe, intaktes Tanningerüst, gute Frucht und etwas Süße in der Nase – 91/100. Meine bisher beste Flasche 2013, wirkte mit viel Minze in Bitterschokolade wie After Eight – 95/100. Mit deutlichem Potential 2014 der noch so jung wirkende, leicht sehnige Leoville las Cases – WT92+. Leoville Poyferré hatte 2014 eine voll intakte Farbe und war ein sehr stimmiger, leicht kerniger Wein, reifer Cabernet pur – WT92. Fein und elegant 2014 der Talbot, der in der Nase noch erstaunlich gute, rotbeerige Frucht zeigte und sich am eher schlanken Gaumen sehr stimmig präsentierte – WT89.

Geradezu jung und sehr kräftig wirkend 2014 der La Lagune, der es mit seiner Substanz und seiner großartigen Struktur noch länger machen dürfte – WT93. Auch in 1934 ein sicherer Wert ist Lanessan. Machte 1994 auf meiner Raritätenprobe viel Spaß und wirkte deutlich jünger – 92/100. Auch im September 2004 wieder ein ganz großer, kompletter Wein mit toller Frucht – 95/100. Alte Lanessans sind eine sichere Bank.

Branaire Ducru hatte 1998 auf einer Drawert-Probe bereits eine sehr reife Farbe, feine Süße, aber auch etwas gezehrt, Nase deutlich schöner als Gaumen, lebt gefährlich – 87/100. Piton Righebon aus Moulis wirkte 2014 erstaunlich vital mit guter Frucht und viel Zedernholz und war sehr schön zu trinken – WT88.

Cantemerle hatte 1996 auf einer Drawert-Probe eine sehr dicht, alte Farbe, bäumte sich noch mal im Glas mit etwas Todessüße auf , aber das war´s wohl – 85/100. Cantenac Brown hatte 2006 eine faszinierende, traumhafte Nase mit malziger Süße, am Gaumen trotz dichter Farbe kompakt und schon leichtgezehrt, aber auch trotz kräftiger Säure sehr fein und elegant – 90/100. Nichts los bei einer weiteren Flasche 2014, weder in der Nase noch am Gaumen – WT78. Ein feiner, kleiner Wein ohne Höhepunkte 2014 der immerhin gut trinkbare Ferrière – WT84. Viel Säure, aber no Charme 2014 der Labégorce – WT76. Sehr feinduftig und elegant im September 2004 Margaux, ein sehr delikater, charmanter Wein, dem aber etwas mehr Kraft sicher nicht geschadet hätte – 92/100. Gleich aus drei unterschiedlichen Füllungen durfte ich den Margaux 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe trinken. In einer belgischen Händlerabfüllung von W. Toumeur hatte er zwar die dichteste Farbe der drei Weine, wirkte aber insgesamt recht seltsam. Ungewöhnliche Nordseenase mit Fisch und Algen, am Gaumen medizinal, wobei es sich um verdammt bittere Medizin handelte – 86/100. Der Margaux mit der seltsamen Aufschrift Dirck´s Côtes de Bordeaux als Händlerabfüllung von Merian & Studer in Bern hatte eine eher helle Farbe, eine sehr feine, fruchtige und süße Nase und war sehr süß am Gaumen und wirkte bei aller Klasse eher wie ein modernerer Burgunder als ein klassischer Margaux – 92/100. Der mit Abstand beste der drei Weine war eine perfekte Margaux Chateau-Abfüllung. Sehr dicht, kräftig mit perfekter Struktur wirkte dieser Wein wie eine Junior-Version des 28ers, deutete gewaltiges, noch längst nicht erschlossenes Potential an und gehört wohl noch 20 Jahre weggelegt – 93+/100. Zuletzt 2011 auf einer Best Bottle im Schloss Loersfeld war das ein immer noch recht dichter, kräftiger, eher etwas maskuliner Wein, der noch etliche Jahre vor sich hat. Wer die Eleganz, die Finesse und das Feinduftige eines typischen Margaux sucht, muss hier vor allem riechen, denn die wunderbare, süße, feinduftige, leicht karamellige Nase ist Margaux pur – 94/100. Gut gefiel mir 2014 wieder die Nase, doch mit der (zu) hohen Säure am Gaumen hatte ich so meine Probleme – WT88.Wie unterschiedlich alter Wein von Flasche zu Flasche sein kann, zeigten 1994 auch zwei zusammen in perfektem Zustand erworbene Rausan Séglas. Eine war sicherlich schon 20 Jahre über Höhepunkt weg, aber immer noch mit kräftige Farbe und spürbare Tannine – 83/100, die zweite bedeutend jünger und voller, sicher auf 92/100 Niveau.

Sehr seltsam präsentierte sich 2009 ein Domaine de Chevalier. Sehr süße, pikante Frucht, kein schlechter Wein, sogar ein sehr feiner, fruchtiger, nur mit Pessac hatte er halt gar nichts zu tun, so süß und dazu mit deutlicher Säure am Gaumen war das eher eine Art rote Mosel-Auslese. Leicht über den Zenit dürfte 2011 ein Haut Bailly gewesen sein, der zu Anfang mit einer wunderbaren Pessac-Nase mit viel Tabak und Cigarbox punktete, am Gaumen etwas fragil mit feiner Kaffeenote, gehört sicher getrunken – 90/100. 2016 aus der Magnum wunderbare, karamellige, rosinige Süße in der Nase, die sich verschwenderisch am Gaumen fortsetzte. Haarscharf an der Grenze zwischen Genie und Wahnsinn bewegt sich Haut Brion. 1997 unglaublich konzentriert und dicht mit viel Kraft am Gaumen, ein unfaßbares Erlebnis, hat was von der Malaga-Süße - 97/100. 1999 kam erst gar keine Begeisterung auf, dichte, sehr viel jünger wirkende Farbe, portige Note, staubig, zieht am Gaumen durch seine extreme Herbe alles zusammen, hat aber auch tolle Länge, entwickelt sich im Glas, dann kommt auch Cigarbox, zum Schluß eine volle Tüte Lakritz, toller Stoff mit Zukunft, den es zu suchen lohnt - 97/100. 2000 auf einer Probe schnell entwickelndes Bouquet, erst Malagasüße, Teer, dann zunehmend portig, üppig, sehr mächtig, dann kommt Schokolade, Trüffel - leider hält der Gaumen nicht mit, da gewinnt die Säure Überhand, das Trink- (im Gegensatz zum Riech-) Vergnügen findet nicht statt – 83/100. Im September 2004 dann wieder eine Superflasche mit sensationell dichter Farbe, deutliche Ledernoten, entwickelte mit der Zeit die klassische Graves-Nase mit Tabak und Cigarbox, groß und lang am Gaumen – 96/100. 2006 in René Gabriels Haut Brion Probe der große Finessenmeister. Bei diesem reifen, seidig-weichen Wein überwogen die leiseren Töne, aber auf eine extrem überzeugende Art. Minzig, rotbeerig, mit etwas Tabak und Cigarbox, am Gaumen schmeichlerisch, fast mollig mit Wahnsinnslänge. Da ist jedes Glas zu klein – 99/100. Zuletzt noch mal im Herbst 2006 dichte Farbe, ebenfalls jünger wirkend. Doch hier zeigte die reife Nase mit leichten, oxidativen Tönen das richtige Alter deutlich an. Ein feiner Wein mit schöner Süße, mit Teer und etwas Cigarbox und mit der Finesse und Eleganz, die Haut Brion in diesem Jahrgang zeigt, in dieser Flasche wirkte er schon leicht auf dem Abstieg – 93/100. 2008 eine Ausnahmeflasche, tiefdunkle Farbe, ein Mörderbouquet mit Tabak, Teer, altem Balsamico, Malaga, auch etwas Minze und Schokolade. Am Gaumen saftig, portig, fast mollig mit der Süße von Birnendicksaft, baute nicht ab sondern aus mit sehr langem Abgang, einfach perfekt - 100/100. 2009 dann leider aus der Magnum ein untrinkbares Säuremonster. 2010 bewegte sich der Haut Brion trotz der superdichten, absolut altersfreien Farbe mit viel flüchtiger Säure eher Richtung Wahnsinn. In der Nase Kaffee, frisch aufgebrühter Espresso, dunkles Toffee, am Gaumen zunächst ebenfalls massig flüchtige Säure, glättet sich mit der Zeit etwas, wird zugänglicher, immer mehr kommen Malagarosinen, aber die massive Säure bleibt irritierend – 93/100. Zuletzt 2012 wunderbare Aromatik in der Nase und am Gaumen mit Malagarosinen, Port, Minze, Bitterschokolade, Kaffee, dunklem Toffee und Tabak, aber eben auch mit massiver, vor allem flüchtiger Säure – 93/100. La Mission Haut Brion habe ich 1998 auf Willi Krählings großer La Mission Probe aus der Doppelmagnum getrunken. Kräftige, dichte Farbe, die aber auch das mit Abstand schönste an diesem Wein war, in der Nase Liebstöckel ohne Ende, auch am Gaumen kräuterig – 85/100. Großartig 2012 auf René Gabriels großer La Mission-Probe mit einer laktischen, an Actimel Fruchtyoghurt erinnernden Nase, sehr dichte Farbe, baute enorm aus mit wunderbarer, rotbeeriger Frucht, am Gaumen generöse Süße und gute Länge, die etwas kleinere, schlankere Version des 34 Haut Brion – 96/100. 2014 gereifte Farbe, immer noch deutliche Frucht, hohe Mineralität, Tabak und ein Hauch Minze, am Gaumen wiederum mineralisch mit feinem Schmelz, getragen von gut stützender Säure – WT92. Die Renaissance von Smith Haut Lafite in den letzten Jahren überrascht mich nicht. Das hervorragende Terroir musste nur wieder entsprechend beackert werden. Mit älteren Smith Haut Lafites habe ich bisher nur gute Erfahrungen gemacht, so auch mit dem 34er. 2000 war er ein wunderbarer Wein mit reifer Farbe, schöner Süße und kräftiger, aber tragender Säure – 93/100. Reife Farbe zwar 2014, aber so mineralisch, so druckvoll, getragen von deutlicher Säure, baute enorm im Glas aus und entwickelte eine lakritzige Süße – WT93.

Angelus aus einer Händlerabfüllung mit dänischer Banderole zeigte sich 2011 gleich zwei Abende hintereinander von seiner besten Seite. Sehr dichte Farbe, reifer, schokoladig und mit schöner Fülle die Nase, am Gaumen Kraft, gut eingebundene Säure und eorme Länge, entwickelt sich und wird dabei immer süßer – 95/100. Die Zweite vielleicht nicht ganz so kräftig wie am Vorabend (wer bitte hatte schon mal das einmalige Vergnügen, an zwei Abenden hintereinander 34 Angelus zu trinken?), dafür aber etwas reifer, offener und fülliger, am Gaumen weicher und länger, ebenfalls mit großartigem Rückrat – 94/100. Auch zuletzt 2014 rustikal, aber sehr kräftig mit erstaunlich dichter Farbe – WT92. Canon war 2014 sehr kräftig mit toller Struktur und immer noch so jung, jede Suche wert – WT93. Cheval Blanc hatte 1999 auf einer Best Bottle eine sehr gereifte Farbe, Bittertöne, aber auch leichte Süße, war weit entwickelt, weich, reif, sehr lecker, besitzt die unnachahmliche Eleganz eines reifen Cheval Blancs, ein Wein für Schnelltrinker, denn er ließ leider mit der Zeit im Glas nach – 91/100. 2008 dezente Schokonase, auch am Gaumen schokoladig und fein, gut trinkbar, sicher auf 87/100 Niveau, doch kamen schnell immer massivere, oxidative Töne. Der Wein ging förmlich im Glas kaputt. Zuletzt 2010 ein sehr erotischer, verführerischer, weicher, süßer, hoch eleganter Wein, der enormen Spaß machte – 96/100. Eine dichte Farbe hatte 2014 der de Ferrand, wirkte aber insgesamt etwas mager und gezehrt. Deutlich besser zum Essen – WT85. Belanglos wirkte 2017 aus der Magnum der Haut Simard mit trotz dezenter Süße laktischem Gaumen – WT87. Troplong Mondot hatte 2011 eine Wahnsinnsfarbe, Wahnsinnsnase, portig, füllig, üppig, kraftvoll, dazu Finesse ohne Ende – 97/100. Eher nach etwas abgestandenem Schwarztee als nach Wein schmeckte und roch 2004 ein Trottevieille, sicher noch trinkbar, aber nicht mehr mit viel Genuss - 78/100.

Star einer Best Bottle 2011 im Schloss Loersfeld war ein grandioser Certan de May. Unglaublich, wie jung und kraftvoll dieser Wein war, und wie er im Glas ausbaute. Superb schon die druckvolle Nase, die mit der Zeit immer fruchtiger wurde. Zu Anfang waren da Teer, Tabak, dann kamen immer mehr Bitterschokolade und eine pflaumige Frucht. Enorme Power auch am durch eine gut eingebundene Säure gestützten Gaumen, wo sich mit der Zeit eine gewaltige, schokoladige Fülle entwickelte, Nougat, Schmelz, minutenlang der Abgang. Da werde ich nach einer Zwillingsflasche suchen, denn die irre Farbe zeigte, dass hier noch Musik für lange Jahre drin ist – 99/100. Ein gewaltiges, einmaliges Weinerlebnis, das sehr eindrücklich nicht nur die Klasse älterer Certans zeigt, sondern auch deutlich illustriert, wie hervorragend große Pomerols altern können. Petrus wirkte 1993 auf der Petrus-Probe im Landhaus Bacher aus der Magnum mit dichter Farbe sehr kräftig, aber auch etwas einfach gestrickt und rustikal – 90/100. Absolut irre hingegen ein Jahr später eine belgische Händlerabfüllung mit explosivem Bouquet, schöner Süße und endlosem Abgang – 97/100. Die Zwillingsflasche hatte 2004 deutliche Reifetöne in der Farbe und am Gaumen. Mit der Zeit entwickelte sich dann am Gaumen eine feine Süße, der Wein wurde burgundischer, schmeichlerischer – 91/100.

Hervorragende trockene, weiße Bordeaux.

Ein einfacher Graves Blanc von De Vial & Fils wirkte 1998 auf einer Drawert-Probe mit seiner parfümierten Nase wie ein sensationell gereifter, deutlich jüngerer Fieuzal, für das Alter eine absolut firnefreie Sensation – 93/100. Ein Jahr später die Zwillingsflasche wunderschöne Nase mit Aprikose und Mandeln (wie Amarettini) und einer Spur Süße, wirkt bei aller Reife sehr frisch und hat sicher noch 10+ Jahre Zukunft - 94/100. Die Zwillingsflasche hatte 2004 ein altes Goldgelb, zunächst deutliche Reife zeigend, angenehme Bitternote, baute mit Luft wunderbar im Glas aus. Entwickelte Boytritis-Ton, dann kamen intensive Aromen von gebrannten Mandeln und frischem Brioche. Für einen 70 Jahre alten Wein höchst erstaunlich – 93/100.

Große Sauternes wurden 1934 erzeugt, der beste Jahrgang seit 1929.

Begeistert war ich 1999 im Brüsseler Comme Chez Soi von Climens, schöne Säure und fast Sauternes-atypischer Leichtigkeit, wunderbare Honigtöne ohne jeden Hauch von Klebrigkeit, hat noch langes Leben vor sich und ist unbedingt einen Kauf wert - 95/100. Nur die tiefgüldene Farbe zeigte 2017 beim Doisy Daene aus der Magnum das Alter. Ansonsten wirkte er deutlich jünger und dabei so fein, so elegant mit wohl dosiertem, süßem Schmelz, einfach genial – WT96. Der erstaunlich helle Filhot wirkte 2014 trotz dezenter Süße leicht verwesend – WT84. Sehr viel schöner 2016 mit generöser Süße, gehört aber getrunken – WT92. Mit sehr tiefer Farbe zeigte sich 2014 der Suduiraud süß, kräuterig mit einem Schuss Hustensaft und recht gefällig – WT89. Yquem ging 1996 mit kräftiger Farbe Richtung Hustensaft, mit schönem Malzton, reif, trotzdem Zukunft, Länge, toll, Kaffee, perfekter Bitterton – 96/100. Sehr 2014 fein mit deutlichem Melisse-Touch die, aber am Gaumen mit hoher Süße etwas diffus, kenne ich deutlich besser – WT89.

Nur die Gier verhinderte 1934 in Burgund ein Traumjahr. Perfekte Wachstumsbedingungen hatten zu einer Rekordernte geführt. Und da Weinbauern und Händler nach den Jahren der Weltwirtschaftskrise um jeden Cent verlegen waren, wurde auch die kleinste Traube noch ausgequetscht bis nichts mehr ging. Von Mengenbegrenzung und Ausdünnung im Weinberg hielt man nichts. So wurde 1934 in Burgund nicht groß, aber immer noch sehr gut.

Ein Chambolle Musigny Charmes Collection du Docteur Barolet hatte 1996 auf einer Drawert-Probe schon helleres, reiferes Granat, deutlichen Reifeton in der Nase, am Gaumen süß und bitter zugleich, "scharf", pfeffrig im Abgang – 93/100. Schon etwas über den Zenit war 2000 bei Jörg Müller ein Volnay Collection du Docteur Barolet. Reife, weite Farbe, erst etwas staubig wirkend, kurz, blühte dann mit der Zeit im Glas auf – 88/100. Der Grands Echezeaux von Barrière Frères war 2015 ein großer, kompletter Burgunder mit feiner, kräuteriger Note, mit Fülle, generöser Süße und sehr guter Länge am Gaumen war das – WT97. Ein Chambolle Musigny von Bouchard Ainé aus einer perfekten Flasche war 2007so ein feiner, schmelziger Wein mit unendlicher Süße und Länge, mit viel Kaffee, aber auch Leder und etwas Moschus. Eleganz, Finesse, sehr viel Spiel in perfekter Harmonie und Schönheit, ein top-gereifter Ausnahmewein – 97/100. Beim Musigny von Lionel J. Bruck irritierte 2014 zu Anfang eine sehr gewöhnungsbedürftige Fahrradschlauch Nase. Am Gaumen war der Musigny deutlich besser. Auch die Nase entwickelte sich stückweit, während am Gaumen richtig die Post abging. Der Musigny wurde immer süßer, druckvoller und fülliger – WT95. Recht angetan war ich 1995 von einem Grands Echezeaux von Chandesais – 88/100. Ein Corton von Chanson war 2013 ein sehr kerniger, kräftiger Burgunder mit Kraft ohne Ende, der eher nach Bordeaux passte – 95/100. Der Grand Vin von Colcombet war 2017 mehrfach Burgund pur mit toller Struktur und ging locker als 40-50 Jahre jünger durch – WT96. Ein Aloxe Corton von Chateau Corton André hatte 2008 eine sehr dichte Farbe, dunkle Karamellen, viel Schokolade, Rumtopf, irre Fruchtsüße, insgesamt sehr süß mit viel Schmelz und sehr guter Länge, aber auch mit guter Struktur, hielt sich perfekt über längere Zeit im Glas – 96/100. Ein Clos des Lambrays von Cosson besaß 2005 in der Nase einen schönen Minzeton, hatte am Gaumen aber viel Säure und wirkte ungenerös – 89/100. Immer noch eine schöne Frucht und gute Struktur hatte 1994 ein Clos Vougeot von Doudet-Naudin – 92/100. Ein Richebourg von Doudet-Naudin hatte 1995 bei Drawert ebenfalls eine kräftige Farbe ohne Alter, ein festes, kräftiges und ausgewogenes Bouquet, intensive, kompakte und stahlige Frucht, ging für 30 Jahre weniger durch - 92/100. Deutlich reifer, aber auch aromatischer 2012, hatte eine bräunlich-reife Farbe, in der Nase Milchkaffee mit viel Zucker, am Gaumen Kraft, Fülle und Süße, aber auch erste, oxidative Töne – 95/100. 2015 die Nase reif mit viel Champignons, am Gaumen immer noch enorme Kraft, entwickelte sich im Glas – WT94. Trotz ebenfalls kräftiger, junger Farbe 1996 weniger überzeugend ein Vosne Romanée 1er Cru les Malconsorts von Doudet-Naudin, bei dem Pilze in Nase und Gaumen ebenso störten wie Penecillin – 82/100. Ein Vosne Romanée Tête de Cuvée von DRC in einer belgischen Abfüllung von Georges Thienpoint, bei dem es sich um einen Romanée Conti handeln soll, hatte 2016 so eine irre Dichte und Komplexität, kleidete den Gaumen komplett aus. Da war immer noch Frucht, aber auch viel Kaffee, gute Säure, eine beeindruckende Struktur und ein ewiger Abgang. Ein geradezu zeitloses Monument, für das es nur eine Note geben kann, WT100. Enttäuschend 2012 ein Vosne Romanée von DRC, der wirkte gezehrt mit leicht trüber Farbe und hoher Säure – 84/100. In Ehren gereift, aber immer noch sehr schön zu trinken 1995 ein Charmes Chambertin von Duthu Pére & Fils – 87/100. Traumhaft luftig-elegant 2002 ein Pommard Les Epenots von Savarin les Cointés. Pure Sünde 2007 ein Aloxe Corton Les Caillots von Louis Latour, pikante Frucht und wunderbare Eleganz, ein perfekt gereifter Burgundertraum, mehr Finesse als Kraft, unendliche Länge und schwerelose Eleganz am Gaumen, Reife ja, aber kaum spürbares Alter – 97/100. Ein Chambolle Musigny von Albert Ponnelle stand 2011 noch wie eine Eins im Glas. Farbe, Nase, Gaumen und Länge dieses großartig strukturierten Burgunders ließen ihn Jahrzehnte jünger erscheinen – 95/100. Auch ein Corton von Albert Ponnelle war 2012 noch so vital und vielschichtig mit präsenter Säure, wunderbarer Frucht und feiner Süße, baute enorm im Glas aus – 96/100. Immer noch jung 2012 die Farbe des irgendwann vor 10-20 Jahren neu verkorkten Savigny-les-Beaunes Dominodes von Albert Ponelle, der noch so jung und dicht wirkte, mit enormer Kraft, aber auch Süße und feinem Spiel – 96/100. Ein filigraner Pernand de Vergelesses Clos des Belles Filles von Pierre Ponelle wirkte 2009 mit frischer, pikanter Frucht und guter Säure deutlich jünger – 93/100. Aus dem Himmel weinseligen Glücks holte uns 2011 ein alter, völlig oxidierter Pommard von Prevot zurück, der in der Nase wie alte, abgestandene Fleischbrühe roch, und bei dem einzig die dichte Farbe stimmte – 70/100. Reif, zugänglich, aber auch komplex, so stimmig, so balanciert mit feinem, süßem Schmelz, der den Gaumen mit Seide überzog – WT97.

Sehr guter Jahrgang an der Rhone.

Ein Côte Rotie von Peyret Frères war 2012 in der Nase noch ganz ok, am Gaumen aber ziemlich grausam mit überviel Säure.

Aus einer perfekten Flasche (3cm) zeigte 2011 ein Chateauneuf-du-Pape von Laporte eine herrlich generöse, süße Nase mit viel Schokolade und erstaunlicher Frische, am Gaumen sehr würzig, füllig mit feiner Süße und guter Länge, die Nase wandelte sich mit der Zeit und brachte immer mehr Assoziationen an frisch gepressten Orangensaft, ein großer, unsterblicher Chateauneuf mit noch langer Zukunft, perfekter Pirat für jede Burgunderprobe – 97/100.

Groß der Jahrgang auch an der Loire, insbesondere für Süßweine.

Trocken kann der Clos de la Coulée de Serrant nicht gewesen sein, den ich 1999 auf einer Best Bottle bei Schorn angestellt habe. Dunkle Farbe, wie eine ältere TBA (wurde auch erst für solche gehalten), karamelisierte Süße in der Nase, am Gaumen eher halbtrocken im Stil des 28er Anjou-Prunier, der erste vollreife Coulée, ein Erlebnis – 97/100. Furztrocken und alterslos 2014 der Vouvray Chateau Chevrier von Jules Gremy, „schmeckt wie alkoholisiertes Wasser“, so mein Gegenüber, „perfekt mumifiziert“ kam aus einer anderen Ecke. Reife, trockene alte Weißweine tun sich in der Tat immer schwer, da sie ja eigentlich von der Frucht leben und die Tertiäraromen dieser Weine selten spannend sind, immerhin war dieser Wein, der mit viel Luft dann wenigstens in der Nase noch florale Noten und einen Hauch Minze entwickelte, immer noch trinkbar – WT80.

Großer Jahrgang auch im Elsass. Steht auf meiner Suchliste.

Entdeckungen müssten sich aus 1934 noch reichlich in Deutschland machen lassen.

Als großer gereifter Burgunder ging 2012 eine Sang feine Auslese vom Karthäuserhof durch, sehr trocken, nussig, schmelzig, feine Bitternote – 92/100.

Eine Niersteiner Pettenthal Goldbeerenauslese von Dr. Deinhard war 1995 ein Powerstoff mit kräftiger Farbe – 94/100.

Eine mit 100° als „kleine“ Auslese geernteter Riesling Violettlack Schloss Johannisberg war 2001 auf dem Weingipfel in Arosa ein traumhaft balancierter Stoff mit brilliantem Goldgelb, Honignase, sehr lebendig, fein, elegant, dezente Süße am Gaumen, ohne jedes Alter – 94/100.

Nimmt man den Marques de Murrietta Castillo YGAY als Maßstab, dann muss 1934 in Spanien und insbesondere in Rioja ein Spitzenjahr gewesen sein. Achtmal habe ich diesen großen Spanier, der nur in den allerbesten Jahren erzeugt wird, bisher getrunken. Für das Alter sensationelle Farbe, in der Nase reifer Port, aber auch Fruchtanklänge von Rhabarber und Quitten, am Gaumen Leder, Tabak, entwickelte im Glas feine Süße, sicher noch 10+ Jahre mit viel Genuss trinkbar - 93/100. Meine mit Abstand beste Flasche dieses Weines 2007 auf René Gabriels großer Spanien-Probe, so fein, so finessig und immer noch so irre jung wirkend, immer noch mit Fruchtanklängen, aber auch mit Leder und Tabak, hat sicher noch Potential für 20+ Jahre – 98/100. Zuletzt 2010 traumhaft balancierter, karamelliger Stoff, der ewig am Gaumen bleibt - 97/100. Sehr jung 2014 die Farbe des Gomez Rioja Reserva Especial, die Nase immer noch mit guter Frucht und etwas Kaffee, der Gaumen monolithisch und etwas ausgelaugt wirkend – WT81. Überragend im September 2004 noch ein weiterer Spanier, Sehr aromatisch, dicht und lang war Vina Bosconia von Lopez de Heredia. Ein ganz großer Wein mit kräftiger, tragender Säure, lebt sicher noch ewig – 95/100. Vina Tondonia von Lopez de Heredia hatte 2014 tiefes Rot mit wenig Orangenrand, sehr würzig und kräuterig die Nase, sehr druckvoll und mit enormem Tiefgang der Gaumen mit enormer Länge, da ist noch Musik für lange Jahre drin – WT94.

Sehr gutes Champagner-Jahr, das aber ein paar der großen Namen ausließen.

Ein Erlebnis war 1995 bei Drawert ein sehr gut erhaltener Pol Roger, altrosa, Brotnase, spürbare Kohlensäure, Brot, reife Firne, muss natürlich mögen, mir hat er sehr gut gefallen – 93/100.

Exzellentes Portweinjahr.

Gilbert war 1994 ein ganz großer Port ohne Alter – 97/100.