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1936

Unbedeutender Jahrgang in Bordeaux. Trinkbare Weine lassen sich sicher mit etwas Glück noch finden, genießbare eher weniger.

Wenigstens trinkbar war 2014 der Gruaud Larose, der mit einer recht gefälligen, weichen Nase mit viel Lebkuchengewürz punkten konnte, am säurebetonten Gaumen war er weniger schön – WT84.

Und doch hatten wir 2008 Glück mit einem Gaffelière-Naudes. Stark bräunlich die erstaunlich dichte Farbe, in der Nase portig, malzig, Milchkaffee mit 7 Stücken Zucker, am Gaumen sogar noch reichlich Schokolade und erstaunliche Länge – 85/100.

Sehr reif 2013 die Farbe von Petrus in einer belgischen Händlerabfüllung, auch in der Nase ziemlich alt und mit deutlichen Oxidationstönen, dazu kam ein leichter Kork. Und trotzdem konnte der letzte Schluck sogar mit feiner Süße überzeugen – 83/100.

Spektakulär war 2006 in der großen Haut Brion Probe ein Haut Brion Blanc. Der hatte eine Farbe wie ein alter Cognac und war auch in der Aromatik nicht so weit davon entfernt. In der Nase kam mit der Zeit immer stärker Karamell, am Gaumen täuschte die immer noch knackige Säure Frische vor, Alterstöne Fehlanzeige. Ein absolutes Phänomen dieser Wein, der nur ganz zögerlich am Gaumen abbaute. Wahrscheinlich war das in den ersten 40 Jahren seines Lebens ein völlig untrinkbares Monstrum mit abartig hoher Säure. Wir konnten jetzt davon profitieren – 95/100.

Auch Burgund hat sich 1936 nicht mit Ruhm bekleckert. Trotzdem sind mir einige immer noch recht gut trinkbare Weine begegnet.

Ein Le Montrachet in einer Händlerabfüllung von Roxelabaume hatte 2009 eine tiefe, ins güldene gehende, aber vollkommen klare Farbe, wirkte seltsamerweise leicht restsüß und moussierte zu Anfang leicht am Gaumen – Malo in der Flasche? Baute unglaublich im Glas aus, wurde fülliger, länger, komplexer ohne oxidative Noten und hatte im Abgang einen angenehmen, leichten Bitterton – 91/100.

Ein Beaune 1er Cru von Doudet-Naudin besaß 1996 eine grausame Nase, war aber am Gaumen würzig und schön. Ein Corton Clos du Roy vom gleichen Erzeuger wirkte seinerzeit mit seiner dichten Farbe, komplexem Bouquet, am Gaumen mit Dichte, Lakritz und Teer eher wie großer, junger Bordeaux. Zuletzt 2006 deutete nur die reifere Farbe mit Brauntönen auf einen älteren Wein hin. Himbeernase, am Gaumen sehr konzentriert, ginge auch als sehr guter, jüngerer deutscher Spätburgunder durch – 91/100. Schier unglaublich 2007 ein einfacher Bourgogne von Charles Vienot. Klares Rubinrot ohne Alterstöne, sehr fruchtige, minzige Nase, am Gaumen sehr elegant, aber auch mit Fülle, gestützt durch eine prägnante Säure, die ihn frisch hielt- 94/100.

Eigentlich ein grausames Rhone-Jahr. Doch ein Clos du Calvaire Chateauneuf-du-Pape von Alphonse Mayard entpuppte sich 2010 als ein hoch spannender Wein, reife, helle Farbe, Sherrytöne, alter, trockener Port, sehr lang am Gaumen mit intensiver, tragender Säure – 92/100

Fehlanzeige in allen anderen, französischen Anbaugebieten.

Die Lage war 2012 auf dem leicht zerfledderten Etikett des Siefersheimer nicht mehr zu erkennen. Vielleicht war es Höllberg oder Heerkretz, eine der beiden heutigen Parade-Lagen des Gutes Wagner-Stempel. Auch die Rebsorte ließ sich nicht identifizieren. Die Farbe ähnelte altem Cognac, medizinal die Nase, auch am Gaumen eher bittere Medizin, mehr „interessant“ als Genuss – 80/100. Zwar mit erkennbarem Etikett dann noch mal 2014, aber eher ein Alptraum der Siefersheimer Heiligenberg Riesling von den Weinkellereien Schmutzler, der an abgelaufene Putzmittel erinnerte. 

Spanien kann in 1936 auch kaum weiterhelfen. Vom Vega Sicilia Unico auf der großen Vega-Probe 2001 war die erste Flasche grausam und untrinkbar, die 2. war von der Nase her ok, der Rest aber gezehrt. Nicht viel besser war im Herbst 2005 ein Clarete Fino der Bodegas Bilbainas, Kakao und massive Säure, wie eine Bitterschokolade mit Essigfüllung.

Fündig werden 36er aber in der Massandra-Collection. Ein Livadia Red Port hatte 1995 eine sehr helle, reife Farbe, komplexe, intensive Nase, mild, weich, sehr lang, einem parallel getrunkenen 47er Sandeman deutlich überlegen.