Startseite

1937

Schön war das Wetter 1937 in Bordeaux, aber auch deutlich zu kühl. So entstanden tanninreiche Weine mit viel Säure und wenig Schmelz, insbesondere auf dem linken Ufer.

Deutlich besser sah es in Burgund aus. Perfekte klimatische Bedingungen und eine Ernte, die nur halb so groß ausfiel wie 34, ermöglichten große Weine.

Deutlich größer hätte Cos d´Estournel 2006 auf der großen Cos-Probe sein müssen, aber aus einer ‚ls’-Flasche gab er nicht allzu viel her. Dichte Farbe zwar, aber geprägt von viel zu viel Säure, die am Gaumen immer mehr Überhand gewinnt. Macht so keinen Spaß – 75/100.

Eine recht helle, aber immer noch klare und brilliante Farbe hatte 2011 der Lafite Rothschild. Fein und fruchtig die Nase mit erdigen Noten, Torf und Tabak, am Gaumen ein filigraner, schlanker, eleganter Lafite, die gute Säure vermittelt immer noch den Eindruck gewisser Frische – 85/100. Latour war 1995 auf Willi Krählings Latour-Probe aus der Magnum kompakt mit viel Säure, Kraft und dichter Farbe – 92/100. Lynch Bages hatte 2008 aus einer 'ls'-Flasche hatte eine durchaus nicht uninteressante Magginase mit einem Schuss malziger Süße eines alten Riojas, war aber am Gaumen gezehrt mit massiver Säure und eigentlich nur mit Widerwillen zu trinken – 70/100. Deutliches Alter zeigte 1994 auf Rodenstocks Arlbergprobe ein Mouton d´Armailhac aus der Jeroboam, und konnte mit seiner Sauerkrautnase nicht überzeugen – 82/100. Pichon Comtesse de Lalande hatte mir 1993 auf einer Drawert-Probe zuviel Säure und wirkte eckig – 82/100. 2001 auf einer großen Comtesse-Probe war der Wein reif, weit, aber immer noch interessant – 87/100. Zuletzt 2010 aus der Magnum reife Farbe mit deutlichen Brauntönen, auch die Nase zeigte deutliche Reife an mit ersten Nebentönen wie Schuhcreme und Möbelpolitur, am Gaumen deutlich besser, jünger und kräftiger, aber auch etwas eindimensional und monolithisch, mit feiner Süße aber auch noch gut trinkbar – 86/100.

Wenig Vergnügen bereitete 2009 Ducru Beaucaillou in einer französischen Händlerabfüllung von Ochsner&Fils mit einem deutlichen Essig-Stich. Leider korkig war 2002 Gruaud Larose, ein ansonsten sehr kräftiger, beeindruckender Wein. Zuletzt 2014 Ziemlich mager und säurelastig mit etwas Klebstoff – WT82.

Desmirail hatte 2007 noch eine schöne Farbe, dazu eine komplexe Nase mit Tabak, Leder, Rosmarin. Etwas Liebstöckel, Kirschfrucht, würzig, am Gaumen schlank, aber immer noch mit Tannin, viel Struktur und Kraft, ein verdammt stramm wirkender Wein, aber alles andere als eindimensional, machte einfach Spaß – 93/100. d´Issan hatte 2011 eine für das Alter sehr dichte Farbe, aber das war´s dann auch. Fürchterlich die üble Kloakennase, an der nur Fäkalerotiker ihre helle Freude hätten, am Gaumen gezehrt, pilzig, Waldboden, sehr müde – 70/100. Sehr enttäuschend 2007 auch Margaux. Die Nase war noch ganz ok, wobei die Aromatik gegrillten Fleisches gut zur rustikalen Küche der Probe passte. Der Gaumen dieses sicher nicht gerade billigen Weines wurde jedoch von einer massiven, unangenehmen Säure dominiert. Da war an echten Genuss eigentlich nicht mehr zu denken – 75/100.

Smith Haut Lafitte hatte 2007 eine einfach traumhafte Nase mit viel Schmelz, die auf einen Weinriesen in der 98/100 Kategorie hindeutete. Doch am Gaumen brachte der Smith Haut Lafitte nicht viel. Er wirkte etwas eckig, rustikal und schon deutlich gezehrt. Da kamen als Trinkgenuss noch höchstens 83/100 rüber. Auch 2009 konnte vor allem die Nase überzeugen, die nur ganz zu Anfang etwas stichig und oxidativ war. Das gab sich jedoch rasch, und sie wurde süßer und malziger. Am Gaumen störte die hohe Säure – 85/100.

Überraschend gut 2008 in einer Best Bottle Ausone, sehr fein, weich, elegant und aromatisch mit schöner Süße, ein harmonischer, gut gereifter großer Wein ohne Schwächen – 94/100. Zuletzt 2012 in der Nase einen angenehm duftender Misthaufen in der aufgehenden Morgensonne. Am Gaumen war er erstaunlich weich und burgundisch elegant mit dezenter Süße. Ein absolut stimmiger und harmonischer Wein, der sich auf diesem hohen Niveau sicher noch eine Weile halten dürfte – WT95. Nicht immer müssen es die großen Granaten sein. Für kleines Geld konnte ich Ende 2003 einen Bellile Mondotte erwerben. Der war zwar etwas rustikal, aber immer noch gut trinkbar und entwickelte sich sehr schön im Glas – 86/100. Auf meiner Raritätenprobe 1998 überzeugte der "28er" Figeac, der laut Korken ein 37er war, als perfekt gereifter, eleganter Wein – 83/100. Überragend war 2002 auf einer Probe Troplong Mondot. Traumstoff mit feiner Süße, der sich im Glas wunderbar entwickelte, geht auch als großer Burgunder durch, wurde für deutlich jünger gehalten – 97/100.

Sehr überzeugend 2014 der Certan de May mit reifer, aber kräftiger Farbe und generösem Nasenbild. Feine Alpenmilchschokolade, viel Leder, der Hauch von Liebstöckel verschwand rasch. Am Gaumen weich, generös und sehr lang – WT94. Deutlich kräftiger, nicht nur in der Farbe 2014 der La Fleur Petrus mit Bitterschokolade, aber auch kräuteriger Herbe und deutlicher Säure, von Süße keine Spur – WT91. Ausgerechnet in Las Vegas fand ich 1997 auf einer Weinkarte einen Nenin. Perfekte Flasche, Chateauabfüllung, bn, für das Jahr in sensationellem Zustand, immer noch sehr gesunde Farbe, kräftige Säure hält diesen perfekt gereiften, wunderschönen zu trinkenden Wein am Leben – 93/100. Sicher besser als Petrus, der sich 1993 aus der Magnum sehr schön trank, aber heutige Größe vermissen ließ.

Für Sauternes gilt 1937 als ganz großes Jahr. Da die 37er Sauternes als recht langlebig gelten, lohnt hier bestimmt noch die Suche.

Caillou Crême de Tête war 2004 eine recht gewöhnungsbedürftige Mischung aus Crême Brulée und Lebertran – 86/100. Deutlich besser, wenn auch nicht groß, war er ein Jahr später als süßer Abschluß des ersten Teils von René Gabriels großer Petrus Probe, ein in Ehren gereifter Sauternes mit güldener Farbe, in der Aromatik etwas Crème Brulée mit Zwergorangenconfit, dezente Restsüße und nicht unangenehme Bitternote – 90/100. Ein brilliantes Dunkelbraun zeigte Climens 2010, in der Nase karamellisierte Tarte Tatin. Dichter, voluminöser, süßer als der Doisy Daene, ein gewaltiges, nach Luft schreiendes Sauternes-Kaliber mit enormem, aromatischem Druck am Gaumen und fantastischer Länge. Ein Süßwein-Monument das als Begleiter der Gänseleber immer weiter zur Hochform auflief und sicher noch Potential für etliche Jahrzehnte hat – 98/100. Auch 2016 wieder ein perfekt balancierter Süßweintraum – WT99. Sehr fein und elegant mit guter Säure 2016 der Lafaurie-Peraguey – WT94. Colafarben kam 2009 ein du Mayne ins Glas. Klar war der alles andere als jung, aber auch lange noch nicht zu alt und durchaus spannend. Karamellig, malzig und mit einer gehörigen Portion Kaffee die Nase, am Gaumen gute Säure, die diesen Wein deutlich frischer wirken ließ als in der Nase, nicht übertrieben süß, wirkte wie flüssige, dunkle Storck-Riesen – 89/100. Yquem. war 2008 ein schlichtweg außerirdisches Konzentrat mit brillianter Bernsteinfarbe, ein Elixier, dem man mit Worten kaum gerecht werden kann(ich versuche es gar nicht erst). Wirkte durch die irre Säure noch unglaublich jung und hat sicher noch 100+ Jahre vor sich. Einen solchen 100 Punkte Wein kann man eigentlich nur in stiller Demut tröpfchenweise genießen und dabei träumen.

Großartiges Burgunderjahr.

2011 auf der Braui meets Schorn II drei große Burgunder aus der Barolet-Collection. Kein Alter zeigte der noch so jung und kräftig wirkende Gevrey Chambertin. Ein klassischer, großer Burgunder mit prachtvoller Fülle, hohem aromatischen Druck, generöser Süße und sehr langem Abgang – 97/100. Nicht gerechnet hatte ich mit der unglaublichen Performance des Morey-St-Denis. Erinnerte mich spontan an 47 Chambertin Vandermeulen. Ein reifer, geiler Lust-Burgunder mit der dichtesten Farbe des Flights, mit reichlich Pracht und Fülle, so unglaublich dicht, so lang, so groß, kraftvoll und fast altersfrei, soviel Mokka und Milchkaffee, da gibt es nur eine Bewertung – 100/100. Deutlich mehr hatte ich mir vom Vosne Romanée versprochen, aber das war wohl nicht die beste Flasche. Die mit Abstand hellste, reifste Farbe des Flights, in der Nase Schuhcreme, der Gaumen zwar feiner, süßer, aber auch nicht in der Klasse der beiden anderen Weine – 91/100. Aber die Barolet-Flaschen wurden oft auch als Jahrgangsgeschenk in fein ausgestatteter Holzschatulle genutzt und von den Beschenkten nicht unbedingt gut gelagert. Gleich drei solcher dann unterirdischer Flaschen aus 37 hatten wir 2013 in der Schweiz auf einer Best Bottle(Grands Echezeaux und 2mal Morey-Daint-Denis). Deshalb beim Erwerb von Barolet-Flaschen unbedingt Herkunft und bisherige Lagerung erfragen.

Erstaunlich kräftig und jugendlich wirkte 2015 der Savigny-les-Beaune von Pierre André aus einer rekonditionierten, als aufgefüllten und neu geschwefelten Flasche – WT90. Etwas schwierig 2015 zu Anfang die Nase des Gevrey Chambertin aus der Collection du Docteur Barolet, aber das gab sich mit Zeit und Luft. Baute immer mehr im Glas aus, sehr generös am Gaumen mit schöner Süße und viel Tiefgang, sehr lang, auch die Nase wurde immer schöner – WT95. Genial 2015 wieder Morey-Saint-Denis Collection du Docteur Barolet. Rosmarin, Lavendel, Kräuter, immer noch gute Frucht, noch so jung, so dicht, einfach ein kompletter, riesengroßer Burgunder mit irrer Länge – WT97. Reif, weich, schmelzig, aber auch immer noch mit enormer Kraft 2013 der Grands Echezeaux von Berthod – 96/100. Sehr schön gereift 1999 ein Charmes Chambertin Tête de Cuvée Grande Reserve von Bouchard – 90/100. Allein die Nase des Beaune Cuvée Etienne vom Hospice de Beaune, abgefüllt von Bouchard, machte 2012 schon süchtig. Einfach ein riesengroßer, kompletter, noch enorm vitaler und lebendiger Wein, bei dem einfach alles stimmte, Süße, Kraft, Struktur, Säure und unglaubliche Länge – 98/100. Mit der Perfektion flirtete 2014 der Charmes Chambertin von Jacques Bouchard. So seidig, so stimmig mit betörender, tänzerischer Leichtigkeit, dabei gleichzeitig so unglaublich druckvoll und lang. Ein immer noch so vitaler, zeitloser Weinriese aus einem Guss – WT99. Immer noch schön zu trinken trotz heller Farbe und etwas spitze Säure 1999 ein Bourgogne Réserve du Cardinal von Calvet – 86/100. Klasse 1995 ein Charmes Chambertin von Chandesais – 92/100. Traumstoff 2013 der Grands Echezeaux von Chandesais, dichte Farbe, erst sehr reif in der Nase, aber das gab sich rasch. Am Gaumen weich, geradezu mollig mit unendlichem Schmelz, wurde mit Luft immer jünger, da war einfach jedes Glas zu klein – 99/100. Ebenfalls sehr gut in 1995 der Clos des Lambrays, auch wenn er nicht die Dichte des sensationellen 45ers besaß – 93/100. Schwierig 2016 zu Anfang die nach Pilzsuppe riechende, die aber mit der Zeit besser wurde. Am Gaumen noch so frisch, so intakt mit traumhafter Frucht – WT94. Hervorragend 2008 ein Clos des Mouches von Chanson ungemein komplex und vielschichtig mit pikanter Frucht, viel Eleganz und immer noch erstaunlicher Frische, deutliche Kaffeetöne, immer noch viel Kraft und eine irre Länge, reifer Burgunder klassischer Machart in seiner schönsten Form – 97/100. Machte 2012 nicht nur in der dunklen Farbe, sondern auch am Gaumen und in der Nase einen sehr reifen Eindruck machte, legte im Glas etwas zu mit Kaffee- und Schokonoten und war durchaus noch sehr gut trinkbar – 92/100. So jung 2016 und 2017 mehrfach noch die Farbe dieses kräftigen, stoffigen Bourgogne Reserve Privée von Colcombet Frères, sehr dicht, aber perfekt balanciert mit toller Struktur und feiner Süße. Macht in dieser Form sicher noch seinen eigenen 100sten voll – WT97. Beim Corton Renardes von Chevillot. war 2017 noch ordentlich Dampf hinter. Baute der einfach irre im Glas aus, wurde immer süßer, komplexer mit unglaublichem Tiefgang und Länge – WT98. Enttäuschend 2012 ein Bonnes Mares von Alexis Collas & Freres. Man spürt zwar die vergangene Größe dieses trüben und leicht säuerlichen Weines, doch er baut rasch ab und verabschiedet sich im Glas – 86/100. Ein Charmes Chambertin der Confrérie des Chevaliers de Tastevin war 2008 immer noch sehr dicht in der Farbe, in der Aromatik war der Wein sehr weit entwickelt mit rosiniger Süße, aber auch noch komplex und mit guter Länge – 91/100. Eine weitere Flasche in gleicher Form 2010. Ein einfacher Beaune von Masson Dubois war selbst in einer schlechten Flasche 1997 ein Klasseburgunder mit wunderschönem Mokka und viel Länge, kein spürbares Alter – 93/100. Die Zwillingsflasche hatte 2005 eine erstaunlich junge Farbe, nicht sehr dicht, aber klar, brilliant ohne Brauntöne. Wirkte auch am Gaumen eher wie ein 15 Jahre alter Pinot. Ein zeitlos schönes, unkaputtbares Weindokument aus einem der größten Jahre, die das Burgund je gesehen hat – 93/100. Vosne Romanée von Grivelet war 2008 ein großer, kompletter Burgunder, der allerdings noch genügend Kraft für ein paar weitere Jahrzehnte hat – 96/100. Wie dicht Höhen und Tiefen selbst in so einem Riesenjahr nebeneinander liegen, zeigte 2009 ein Charmes Chambertin von Grivelet aus einer Flasche mit allerdings auch miesem Füllstand. Der hatte die helle Farbe, die Süße, aber eben auch die Schärfe eines alten Port und war nur noch ein eher grenzwertiges Vergnügen – 78/100. Auch eine weitere Flasche 2013 war nicht viel besser. Clos des Ursules von Jadot hatte 2013 reifes, helles Braun, wirkte in der Nase und auch am Gaumen schon sehr reif, zwar mit generösem, süßem Schmelz, aber der Druck fehlte. Es wird bei diesem wein halt Zeit – 92/100. Sehr kraftvollen, dicht und jünger wirkend 2009 ein Clos de la Roche Marchand von Etienne Jodelle, der den Ausnahmestatus dieses herausragenden Jahrgangs für das Burgund voll unterstrich – 96/100. Sehr fein, elegant und schmelzig 2015 der Chambolle Musigny von Labouré Roi – WT93. Richebourg von Lalignant Chameroi war 2009 einer dieser Weine von der Sorte „macht sprachlos“, so eine sensationelle, dichte Farbe, so eine verrückte Nase, soviel Kraft, aber auch burgundische Pracht und Fülle am Gaumen. Einfach ein riesengroßer, kompletter Burgunder aus längst vergangenen Zeiten, gut 40 Jahre jünger wirkend und mit einer gewaltigen tragenden Säurestruktur, die diesen Wein noch 50 Jahre weiter altern lässt – 99/100. Eine weitere Flasche 2013 sehr gut, aber nicht auf diesem Niveau. Ein Vosne Romanée Les Malconsorts von Grivelet war 2012 sehr ausgewogen, weich, reif mit seltsamerweise nussiger Fülle und feiner Süße, aber von dem Jahr hätte ich mir mehr versprochen – 90/100. Auf dem Punkt 2008 ein perfekt gereifter Echezeaux von Labouré-Roi mit toller Süße – 97/100. Sehr reif die Nase mit oxidativen Noten 2011 beim Ile de Vergelesses von Louis Latour., am Gaumen etwas besser, aber es blieb der Eindruck eines kleinen, reifen, aber immerhin noch gut zu trinkenden Weines – 85/100.Ein Vosne Romanée von Leroy war 2007 trotz guter Farbe aus mäßig gefüllter Flasche(9cm) deutlich over the hill, trotz wenigstens noch feiner Nase. Aber am sehr säurebetonten, ungenerösen Gaumen machte dieser Leroy keinerlei Freude – 78/100. 2009 war ein Vosne Romanée von Prosper Manoux die Kraft und die Herrlichkeit mit immer noch superdichter, jung wirkender Farbe, ein sehr komplexer, druckvoller und komplexer Parade-Burgunder mit wunderbarer Süße und toller Länge – 96/100. Ein Richebourg von Mommesin zeigte sich 2015 so dicht, so kräftig, immer noch so jugendlich und mit irrer Länge am Gaumen – WT97. Ein Corton von Morin hatte 1997 beim Rheingau-Gourmetfestival aus der Magnum einen nicht unangenehmen Burgunder-Stinker, eine wunderschöne Süße, war geradezu frisch, "high Class", wurde im Abgang etwas sperrig – 93/100Völlig anders der im Vergleich getrunkene Richebourg von Noellat. Ähnlich schlechter Füllstand, noch dichtere Farbe. Das war reifer Pinot vom Allerfeinsten, betörende, feinduftige Nase, am Gaumen sehr finessig und delikat, mehr Eleganz als Kraft, aber doch sehr komplex und unglaublich lang, ein großes Violinenkonzert – 99/100. Nicht nur die Farbe war 2011 beim Savigny-les Beaunes von Albert Ponnelle dicht und jung. Traumhaft schön die Nase, am Gaumen wenig Süße, aber viel Kraft und Länge, ein rassiger Wein mit großartiger Struktur, der um Jahrzehnte jünger wirkte, groß in jeder Beziehung – 96/100. Der Hospice de Beaune von Abel Porte war 2008 gut gereift, aber durch die kräftige Säure noch lange nicht am Ende – 95/100. Ein Prachtburgunder war 2008 der Musigny Reserve de la Grande Restauration von Antonin Rodet, unglaublich dicht, kraftvoll, komplex mit feiner Süße und deutlicher, kräuteriger Note, Burgund vom Allerfeinsten und in dieser Form sicher noch mit Reserven für einige Jahrzehnte – 98/100.

2011 auf der Braui meets Schorn II drei große Burgunder aus der Barolet-Collection. Kein Alter zeigte der noch so jung und kräftig wirkende Gevrey Chambertin. Ein klassischer, großer Burgunder mit prachtvoller Fülle, hohem aromatischen Druck, generöser Süße und sehr langem Abgang – 97/100. Nicht gerechnet hatte ich mit der unglaublichen Performance des Morey-St-Denis. Erinnerte mich spontan an 47 Chambertin Vandermeulen. Ein reifer, geiler Lust-Burgunder mit der dichtesten Farbe des Flights, mit reichlich Pracht und Fülle, so unglaublich dicht, so lang, so groß, kraftvoll und fast altersfrei, soviel Mokka und Milchkaffee, da gibt es nur eine Bewertung – 100/100. Deutlich mehr hatte ich mir vom 1937 Vosne Romanée versprochen, aber das war wohl nicht die beste Flasche. Die mit Abstand hellste, reifste Farbe des Flights, in der Nase Schuhcreme, der Gaumen zwar feiner, süßer, aber auch nicht in der Klasse der beiden anderen Weine – 91/100.

Und nochmal drei 37er auf der ProSchorn 2013. Traumstoff der Grands Echezeaux von Chandesais, dichte Farbe, erst sehr reif in der Nase, aber das gab sich rasch. Am Gaumen weich, geradezu mollig mit unendlichem Schmelz, wurde mit Luft immer jünger, da war einfach jedes Glas zu klein – 99/100. Reif, weich, schmelzig, aber auch immer noch mit enormer Kraft der Grands Echezeaux von Berthod – 96/100. Da konnte der Clos des Ursules von Jadot nicht ganz mit, reifes, helles Braun, wirkte in der Nase und auch am Gaumen schon sehr reif, zwar mit generösem, süßem Schmelz, aber der Druck fehlte. Es wird bei diesem Wein halt Zeit – 92/100.

Schwierig nach so langer Zeit natürlich Weiße Burgunder.

Tiefgülden war 2011 ein Chassagne Montrachet von Drouhin, aber oxidiert, bissige Säure, nur noch mit Schmerzen zu trinken.

Gutes Rhone-Jahr mit aber nicht sehr langlebigen Weinen. Trotzdem wirkte 2009 ein Hermitage von den Caves Hermitage noch so unglaublich jung und ging als 70er durch. Auch hier war es die perfekte Säurestruktur, die diesen Wein noch lange am Leben halten wird. Sehr geradlinig, kraftvoll, etwas monolithisch– 94/100.

Sehr hell 2014 die eher orangenrote Farbe des Clos des Papes. In der sehr ausdrucksstarken, spontan anmachenden Nase viel Ovomaltine und frisch gemahlener Kaffee, am Gaumen leicht jodig, sehr würzig mit generöser, schmeichelnder Süße und dem edlen Kräuterton einer alten Chartreuse, wirkte insgesamt burgundisch im besten Sinne – WT97. Unterm Kork spürte man 2013 bei einem Chateauneuf-du-Pape von Corcol einen lakritzigen, süßen, kräftigen und immer noch so jungen Wein mit Mörderpotential, ohne Kork sicher in der 95+/100 Liga.

Für Deutschland gilt 1937 als ganz großes Jahr, insbesondere im Bereich der edelsüßen Weine. Perfekt balanciert durch eine kräftige Säure wurden sehr langlebige Weine erzeugt. Überragend 2010 eine Wehlener Sonnenuhr feinste Auslese von JJ Prüm. Unendliche Eleganz und Finesse, so unglaublich frisch und zeitlos schön, die Farbe brilliant mit tiefem Altgold, in der sublimen, absolut faszinierenden Nase immer noch Frucht, Frische und Mineralität, am Gaumen Harmonie pur, nur dezente, perfekt integrierte Süße, ein Wein bei dem einfach alles stimmte und der auch unsere Runde sprachlos machte, einfach puristisch schön, legte sich wie Seide auf den Gaumen und blieb ewig haften, hat sicherlich Potential für 50 weitere Jahre – 100/100.

Eine Enkirchner Herrenberg-Zeppwingert Spätlese von Peter Kappel hatte 2011 tiefe, brilliante, goldgelbe Farbe, immer noch Süße, Fülle und Kraft, 50 Jahre jünger wirkend. Absolut authentisch soll die Flasche nach Aussage des edlen Spenders gewesen sein, fast schwierig zu glauben – 92/100.

Ob die 37er Champagner in ihrer Jugend trotz der überragenden Qualität viel Spaß machten, wage ich zu bezweifeln. Dafür machte die hohe Säure sie sehr langlebig. Perfekt gelagert, können 37er Champagner immer noch ein Erlebnis sein.

Als Champagner war das, was da 1998 aus einer miserabel gefüllten Flasche Pol Roger kam, nicht mehr zu erkenn. Mit schon stark ins Braune gehender Farbe, Nase leicht oxidativ im Stile der weißen YGAYs, furztrockener Stillwein ohne Mousseux, als Essensbegleiter, z.B. zu Austern, aber durchaus noch attraktiv – 83/100. Wie gut 37er Champagner noch sein können, zeigte ein Pommery & Greno. 1996 auf einer Drawert-Probe erstaunlich frisch und fruchtig, deutliche Kohlensäure – 94/100. Ein Jahr später ein Highlight meiner Raritätenprobe mit schier unglaublicher Vitalität und Frische, noch deutlich spürbares Mousseux – WT97.

Als eher mäßig gilt 1937 für Portwein.

Sehr weich und weit entwickelt war 1996 bei Drawert ein Nieport Colheita – WT85. Ganz groß, kraftvoll und mit viel Schmelz 1997 ein sensationeller Oporto Douro Imperial Reserve Vandermeulen – WT98. Der schiere Wahnsinnzuletzt wieder 2012. Da war nichts brandiges, nichts spritiges, einfach nur Kakao, Kaffee, verschwenderische Süße, Marzipan, Schmelz und unendliche Länge, Dekadenz in flüssiger Form, herrlich – WT98.