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1940

Trotz Krieg und damit verbundenem Arbeitskräftemangel gab es in Bordeaux eine akzeptable Weinernte mit einigen nicht unattraktiven Weinen.

Pichon Comtesse 2001 auf einer großen Comtesse-Probe etwas kurz, ziemlich alt, die Säure gewann Überhand.

Margaux hatte 2014 in der Nase altes, überlagertes Gemüse und kalten Rauch, wurde mit Luft nur marginal besser und wirkte auch am Gaumen leicht oxidiert – WT86. Noch voll intakt war 2011 ein Rausan-Gassies, erstaunlich dicht in noch recht jung wirkenden Farbe, verhalten in der Nase, am Gaumen kräftig mit dominierender Säure, die diesen Wein am Leben erhält – 85/100.

Reif und doch nicht alt war 2013 der schier unglaubliche La Mission Haut Brion, wunderbare Nase mit Teer, Tabak und schwarztee, am Gaumen absolut stimmig, aber auch mit enormem Druck, ein großer Wein ohne Alter – 94/100. Zeigte sich 2013 aus einer weiteren Flasche als Ausnahmewein, mit erdiger Mineralität, Tabak, Cigarbox, Teer, Lakritz und getrockneten Kräutern, sehr gute Säurestruktur, wurde im Glas immer süßer und schmelziger – 96/100. Ähnlich 2015 aus einer altersfreien ½ - WT95.

Cheval Blanc war 2008 ein zwar kleiner, aber recht feiner, in Ehren gereifter und gut trinkbarer Wein – 80/100. Ähnlich zuletzt 2010 trotz erstaunlich kräftiger Farbe, sehr säurelastig, ein grenzwertiger, nur mit Schmerzen trinkbarer Wein – 78/100. Ein eher mäßiges Sauternes-Jahr.

Eine tiefe, güldene Farbe hatte 2008 ein Lafaurie Peraguey aus einer mid shoulder Flasche. In der Nase deutliche Süße und Wachstöne. Am Gaumen durch die gute Säure erstaunlich frisch und einfach schön zu trinken mit Nusstönen, Grapefruit und der klassischen Bitternote, aber wenig Boytritis – 89/100.

Auch in Burgund wurden auf insgesamt eher durchschnittlichem Niveau ein paar gute Weine erzeugt, wobei es gerade in Burgund immer Ausnahmen von der Regel gibt.

Der Clos de Tart aus der Collection du Docteur Barolet explodierte 2015 nach leicht verhaltenem Start förmlich im Glas und entwickelte sich zu einem großen, absolut stimmigen Burgunder, der auch aus einem Top-Jahr wie 1937 kommen könnte – WT97. Eine Traumnase hatte 2015 aus der Magnum der La Tâche von DRC aus diesem schwierigen Kriegsjahr, mit kandierten Kräutern, Kaffee, Leder, Tabak und feiner Süße. Klar war die Farbe reif, aber der La Tâche präsentierte sich am Gaumen noch so unglaublich vital mit guter Säure und generöser Süße, dazu mit erstaunlicher Länge – WT95. Was da 2011 beim Volnay von Louis Grivot an Frucht, Süße und Schmelz ins Glas kam, mit einer guten Säure, die für Struktur und Frische sorgt, das war schon beeindruckend – 95/100. Eine sehr dichte, junge Farbe hatte 2014 der Romanée St. Vivant Les Quattres Journaux von Louis Latour, enorm kraftvoller, geradezu jugendlicher Auftritt, aber auch die Kaffeenote reifer Burgunder, gewaltige Länge am Gaumen, legte im Glas immer mehr zu – WT94.

Kleiner, vernachlässigbarer Jahrgang an der Rhone. Und doch gibt es auch hier Ausnahmen. Dunkles Braun, sehr portig mit hoher Süße, aber auch mit viel Süßholz, Lakritz und einem gehörigen Schuss Madeira zeigte 2010 ein Chateauneuf-du-Pape von Rayas, aber der ultrarare mit der Goldenen Kapsel, der süße Weißwein, quasi die TBA von Rayas und ganz großes Kino – 96/100.

Als gut gilt der Jahrgang im Elsass mit kleiner Ernte, aber sehr guten Weinen.

Ein Winkeler Hurenpfad Spätburgunder Rotwein eines Weingutes Josef Schwarz aus Winkel war 2009 ein Coca Cola-farbenes Sherry-Madeira-Mix, aber immer noch mit viel Charme, wobei der Gaumen mit einer feinen, teerigen Bitternote spannender war, als die Nase – 84/100.

Trinkbare Weine lassen sich sicher noch in Spanien finden, obwohl 1940 auch dort kein großes Jahr war.

Der Vina Real von CVNE brillierte 2014 mit Superfarbe und sehr aromatischer Nase. Die massive Säure am Gaumen verlieh im Frische und garantiert noch eine längere Zukunft – WT96. Marques de Riscal Reserva war 2007 üble Brühe mit Penicillin-Nase und auch am Gaumen sehr bitterer Medizin. Auch Vega Sicilia Unico riß mich 2001 auf der großen Vega.Probe nicht vom Hocker, ungenerös und schon ziemlich nahe an der Grenze zum Jenseits.

In der Champagne gab es die kleinste Ernte seit 1916 und keinen einzigen Jahrgangschampagner.

Toll waren in 1940 Weine aus der Massandra Collection. Ein Ayu Dag Cahors zeigte 1995 auf einer Drawert.Probe eine helle Farbe mit deutlichen Brauntönen, war karamellig, lang, mit einer kompakten, überhaupt nicht pappig wirkenden Süße. Ein Jahr später war bei Drawert ein Massandra White Muskat unglaublich lecker, cremig, würzig, mit leichter Säure. Bei Massandra-Weinen, die noch nicht durch allzuviel Hände gegangen sind, kann man eigentlich nicht viel falsch machen.