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1943

Gilt als das größte der Kriegsjahre in Bordeaux. Viele schöne Weine, aber natürlich auch Enttäuschungen. Da oft erst nach Kriegsende abgefüllt wurde - auf Mouton erst im Sommer 1946 - blieben etliche Weine länger im Faß als wünschenswert war. Zu letzteren gehörte wohl der Calon Ségur, der 1994 auf einer Rodenstock-Probe aus der Magnum eckig und grün wirkte. 2014 etwas zwiespältig, auf der einen Seite Altfassnoten, auf der anderen aber auch eine schöne Süße – WT90.

Beeindruckend 2017 der noch erstaunlich kräftige, dichte Lafite Rothschild in einer Händlerabfüllung mit feiner Frucht und intensiver Mineralität. Wirkte in seiner noblen, eleganten Art geradezu aristokratisch, einfach Lafite pur – WT96. Eine schlechte Flasche 2014 leider der Latour, trüb, oxidativ, metallisch wie aus der Blechdose – WT83. Lynch Bages hatte 2008 eine sehr reife Farbe, einfach deutlich zu alter Wein, ungenerös und bitter am Gaumen - 75/100. Mouton Rothschild war 2008 ein sehr ansprechender, feiner, hocheleganter Tropfen, etwas fragil vielleicht, aber mit Leder und viel Minze, sehr aromatisch am Gaumen, noch überhaupt nicht alt oder senil – 90/100. Etwas gezehrt und säurelastig war 2010 die Pichon Comtesse,wirkte sie aber durchaus noch spannend und durch die deutliche Säure pikant – 84/100.

Ein perfekt gereifter Charmeur, immer noch erstaunlich frisch, 2013 der Beychevelle Barrière aus der Halben, sehr elegant und fein mit erster Süße – WT94. Ducru Beaucaillou war auf der großen Ducru-Probe 2006 kein Genuss mehr, helle Farbe, Stinker in der Nase, am Gaumen säurelastig, bitter - 76/100. Auch ein Gruaud Larose, sonst eins meiner Lieblingchateaus, wirkte 1993 auf Rodenstocks 14. ausgetrocknet. Broadbent, der aus derselben Magnum wie ich trank, bewertet mit "at best ***", mehr als "*" war da bei mir nicht drin. Aber Geschmäcker sind ja bekanntlich verschieden, Das gilt auch und gerade für alte Weine. 2011 aus einer 1tel etwas weicher, aromatischer und generöser, und damit zumindest halbwegs trinkbar – 80/100. Zuletzt in Nase und Gaumen einfach nur flach und nichtssagend, dazu noch metallisch – WT79. Talbot hatte 2014 eine zwar helle, aber voll intakte Farbe, pikante, rotbeerige Frucht, Eleganz und Finersse pur, kein Alter - WT95

Erstaunlich dicht 2011 die Farbe des Giscours, grenzwertig und ziemlich ekelhaft auch hier die Nase mit viel Mottenpulver, am Gaumen morbide mit einem Hauch von Todessüße, oder war das die Mumifizierungscreme? – 70/100.

Ein einfacher Medoc des französischen Handelshauses Ochsner&Fils hatte 2007 in der Nase Massig Leder, Tabak und Zedernholz, am Gaumen kräftige, aber tragende Säure, ein in Ehren gut gereifter, alter Wein – 84/100.

Verlässlich wie (fast) immer La Mission. 2000 auf einer Probe reife Farbe, deutlicher Orangenrand, wunderbare Graves-Nase, leicht morbide Süße, kräftige, tragende Säure, immer noch sehr schön zu trinken, macht es sicher noch 5-10 Jahre - 91/100. Grandios zuletzt 2012 auf René Gabriels großer La Mission Probe, wunderbare Nase, Süße und Fülle am Gaumen und stand wie eine Eins im Glas – 96/100. Da kam 2006 in der großen Haut Brion Probe der Nachbar Haut Brion nicht mit. Der war einfach nur mager, ruppig und hart – 78/100.

Faszination pur Cheval Blanc in einer Eschenauer Abfüllung 2012, die Flasche in perfektem Zustand mit sehr gutem Füllniveau. Helle, immer noch intakte und nur durch das Aufschütteln des Depots leicht trübe Farbe, traumhafte, klassische Cheval Blanc Nase, am Gaumen filigran, hoch elegant, sehr fein und sehr aromatisch, nur leicht austrocknend im Abgang und dezent metallische Noten, wunderschöne, generöse, aber fein dosierte Süße – 96/100. 2014 aus der Magnum leichtgewichtig und nicht sehr dicht, Pflaumenmus in der Nase, am Gaumen sehr fein und elegant mit schöner Süße – WT90. Ein 2006 getrunkener Tour du Guetteur aus muss so etwas wie ein Vorläufer der heutigen Garagenweine gewesen sein. Aus einer kleinen, in Terrassen angeordneten und nur von Hand bewirtschafteten Parzelle direkt unterhalb des gleichnamigen Turms aus den mittelalterlichen Befestigungsanlagen des Städtchens St. Emilion wurde in kleinen Mengen diese Cuvée erzeugt. Superdichte Farbe, immer noch gute Frucht, Brombeere in Bitterschokolade, da war Kraft und Komplexität und eine tolle Länge am Gaumen – 94/100. Trottevieille hatte 2008 immer noch eine intakte, deutlich jünger wirkende Farbe, am Gaumen trüffelig, aber auch noch mit viel Biß und keinesfalls müde, dazu die samtig-elegante Struktur eines gut gereiften, klassischen St. Emilion. Sicher ein Wein mit noch 10-20 Jahren Zukunft – 91/100. Als Clos Trottevieille hatte er 2014 wieder diese sehr dichte, junge Farbe, war aber mehr alter, trockener Balsamico als Wein – WT81.

Wunderbare Pomerols. Clinet war 2008 aus einer nicht optimalen upper shoulder Flasche ein Wein wie von einem anderen Stern. Sehr dichte, um Jahrzehnte jüngere Superfarbe, Traumnase mit reichlich getrüffelter Bitterschokolade, pflaumige, satte Frucht, am Gaumen ein Wein, auf dem man förmlich kauen konnte. So druckvoll und aromatisch mit feiner Süße, mit Fülle und unglaublicher Länge. Baute im Glas aus und wurde von Schluck zu Schluck immer besser. Sicher mein bisher bester, getrunkener Clinet und ein Wein mit in dieser Form immer noch großartiger Zukunft, hätte auch in einer großen 82er Probe sicher ganz mit vorne gelegen – 98/100. Aus einer Händlerabfüllung 2012 rabenschwarz, alter Balsamico, Bitterschokolade mit 80% Kakao, die Säure eines alten Barolo, die Süße kaum noch spürbar – 93/100. Sehr dicht, aber alt und ins rostige ging die Farbe aus einer weiteren Flasche nur ein paar Wochen später, deren bessere Zeiten wohl schon lange her waren. Mehr Bratensoße als Rotwein, verdammt alt und gezehrt – 78/100. Ein Clos des Litanies  zeigte sich 2013 aus der Halben in bestechender Form, erstaunlich kräftig und dicht – WT95. Einer meiner Favoriten Conseillante in einer hervorragenden R&U Abfüllung. 1999 auf einer Best Bottle unglaublich, nicht weit vom 45er weg, feine Süße, sehr lang – 95/100. Die Zwillingsflasche 2003 etwas reifer wirkend, aber sehr fein mit schöner Süße – 93/100. 2017 meine letzte Flasche großer Pomerol, geradezu opulent mit dekadenter Süße, aber auch enorm kraftvoll und lang – WT97. Lafleur war 2009 zwar deutlich über den Höhepunkt, aber immer noch dicht und kräftig mit eingelegten Malaga-Rosinen, getrockneten Kräutern, viel Lakritz und einer trockenen Süße, im Abgang bitter, aber nicht unangenehm – 86/100. 2012 sehr feiner, reifer ätherischer, kräuteriger Lafleur mit schöner Süße - 95/100. Absolut faszinierend 2011 ein Latour-à-Pomerol mit voll intakter, leicht ins rotbraune gehender Farbe, sehr generöse, schmelzige Nase, malzige Süße, aber auch immer noch feine, rotbeerige Frucht, am Gaumen erstaunliche Kraft, wirkt Jahrzehnte jünger, rund, reif, kraftvoll, trüffelig, schokoladig, fantastischer Abgang, ein unwiederbringbares Weinerlebnis aus dem besten der Kriegsjahrgänge – 97/100. Die süchtig machende Nase von Nenin erinnerte 2012 an eine große Confiserie-Auslage, Schokolade und Nougat ohne Ende, dazu ein Hauch Kaffee, der Gaumen kam da nicht ganz mit, zeigte aber durch die hohe Säure eine bemerkenswerte Frische – 92/100. Petrus war 1993 in der Wachau aus der Magnum ein perfekt gereifter, alter Wein, nicht so kräftig und üppig wie die Petrus ab 45, aber doch sehr elegant – 92/100. Tiefdunkel, fast schwarz 2011 die Farbe des Vieux Certan, in der Nase alter Balsamico, aber auch noch Kirschfrucht, am Gaumen Kraft und ungeheure Substanz, wozu sicher die Fasslagerung bis nach Kriegsende beigetragen hat, dabei etwas rustikal – 92/100. 2015 Pomerol in Reinkultur mit dekadenter, molliger, süßer Fülle, Nougat, Schokolade, elegant, sehr weich, reif und absolut stimmig – WT95. Zeigte 2016 mit sehr dichter Farbe erste, oxidative Noten, aber auch Schoko-Banane, Kräuter und Minze, und war gut trinkbar – WT91.

Ein sehr gutes Weinjahr war 1943 auch in Burgund mit einer kleinen Ernte langlebiger Weine.

Gespannt war ich deshalb im Herbst 2006 auf den Hospice de Beaune Cuvée Brunet von Patriarche Pére & Fils aus dem besten der Kriegsjahrgänge. In diesem Jahrgang hatte die Natur mit späten Frösten im Mai für eine natürliche Begrenzung der Erntemengen gesorgt. Spritzmittel standen nicht zur Verfügung, den elendigen Kalidünger, mit dem bis in die 80er hinein die Weinberge überdüngt und versaut wurden, gab es noch nicht. Die Beerenhäute waren dick, der Wein wurde nach klassischer, heute verpönter Art nicht entrappt sondern mit Stängel vergoren. Und aus eben diesen Stängeln bezog ein solcher Wein die eigenen, in der Jugend häufig etwas bitteren Tannine. Gerade die verliehen ihm aber das Standvermögen, die Frische, machten zusammen mit der natürlich begrenzten Erntemenge einen großen Wein ohne Ferkeleien im Keller möglich. Er brauchte halt zur Entwicklung etwas Zeit, langsamer Wein eben. Wir profitierten jetzt davon. So ein traumhafter, rassiger, immer noch jung wirkender Burgunder mit pikanter Frucht und einer unglaublich tiefen, vielschichtigen Nase. Wurde im Glas immer besser und entwickelte eine feine Süße – 96/100. Eine weitere Flasche 2010 war auch voll intakt mit pikanter Frucht, sehr vielschichtiger Nase, tollem Säuregerüst und enormer Länge am Gaumen – 94/100. Der Vosne Romanée von Grivelet Père & Fils war 2017 ein sehr feiner, eleganter Wein, dabei edelrustikal mit enormer Kraft – WT95. Daneben lagen wir 2007 mit einem einfachen Côte de Beaune vom Bordelaiser Handelshaus Mähler Besse. Der besaß zwar noch eine recht gefällige Nase, war aber am Gaumen ein erbarmungsloser Säuerling.

Erstaunlich immer wieder alte Lagen-Beaujolais. Ohne den leider störenden Korkton wäre 2008 ein immer noch fruchtiger, kompletter, langer Fleurie von Octave Crémieux sicher ein Wein auf 95/100 Niveau gewesen. Auch ein Fleurie von Sassey, ein gewaltiges Konzentrat mit superdichter Farbe hatte 2013 leider Kork. Wäre sonst sicher ein Wein in der 95+ Liga gewesen. Ein Fleurie von Reine Pedauque hatte 2012 eine leicht trübe Farbe mit deutlichen Reifetönen, viel Säure, die die feine Süße überlagert, schon ziemlich reif, geht auch als alter Barolo durch 80/100. Ein Morgon von Ets. Henry de Boursault zeigte nebst feiner, rotbeeriger Frucht immer noch Frische, dazu am Gaumen immer mehr feine Kaffee- und Schokonoten – WT95. Ein Moulin-à-Vent von Eugène Loran & Fils hatte 2009 immer noch eine erstaunlich frische,erdbeerige Frucht und feine Süße, am Gaumen burgundische Pracht und Fülle mit guter Struktur – 92/100.

Sowohl an der nördlichen als auch an der südlichen Rhone wurden sehr gute Weine erzeugt.

Etwas trüb zwar die Farbe Chateauneuf-du-Pape von Fine Roches 2010, aber burgundische Pracht und Fülle in der süßen Nase ebenso wie am Gaumen, der ebenfalls eine generöse Süße zeigte. Der wirkte einfach wie großer Burgunder pur, sehr fein, elegant und durch die gute Säure balanciert – 96/100. Klar und dicht 2011 die Farbe des Chateauneuf-du-Pape Les Grappes des Papes von Jaboulet Ainé, in der süßen Nase erst etwas verbranntes Gummi, das aber mit viel Luft verschwindet, am Gaumen ein kerniger, kräftiger Wein, der wie eine Eins im Glas steht, dabei enorm zulegt und auch etwas süßer und generöser wird – 96/100. Kräftig und rustikal mit bissiger Säure 2014 der Chateauneuf-du-Pape von Jaboulet-Ainé – WT92. Ein Chateauneuf-du-Pape von Patriarche wirkte 2011 straff, animalisch, rauchig, Eisen, die Blutnote der Weine von der nördlichen Rhone, sehr ledrig, Trüffel, speckig. Ein faszinierender Wein, von der Farbe bis zum langen Finish noch so jung mit großer Zukunft, geht als immer noch junger Syrah von der nördlichen Rhone durch – 98/100.

Auch in Deutschland das beste Kriegsjahr.

Auf Schloß Johannisberg erfolgte die Ernte unter ständiger Angst vor feindlichen Tieffliegern. Umso schöner das Ergebnis. Die Rosalack Auslese hatte 1998 und zuletzt 2008 die güldene Farbe einer alten BA, erst leicht oxidative Nase, Süße inzwischen fast völlig aufgezehrt, blühte im Glas dann wieder auf mit Karamelltönen und Crême Brulée - 92/100. Dann noch mal 2001 auf der 700-Jahrfeier von Schloß Johannisberg als BA mit 128° geerntet, großer Wein mit toller Nase, lebendig, kandierte Früchte, lang am Gaumen, den er toll auskleidet, sicher 98/100 wert und ein großes Weinerlebnis.

Mit 13g Restzucker und 10,5% Alkohol war ein 2010 verkosteter, einfacher Trabener Geispfad Riesling naturrein der Drei-Giebel-Haus Kellerei auf die Flasche gekommen. Hell die Farbe, in der Nase Spearmint und zarte Himbeerfrucht, leichte Schärfe, am Gaumen feine, gut eingebundene Restsüße, insgesamt sehr harmonisch und ausgeglichen wirkend – 90/100.

Eine Barolo Monfortino Riserva von Giacomo Conterno plagte eine alte Monfortino-Krankheit: Farbausfällung. Es blieben eine etwas spritige, portige Nase und am Gaumen sehr trockener Sherry Fino.

In Rioja galt 1943 nicht nur als gutes Jahr.

Hier blieb man auch weitgehend von den Kriegswirren verschont. Ein Imperial Gran Reserva von CVNE aus der halben(!) Flasche entpuppte sich als weitaus besser als nur „noch trinkbar“. Immer noch mit erstaunlich gesunder Farbe, zwar leichter Orangenrand, aber dichter Kern. Sehr weich und elegant mit feiner Süße, dabei kein Zeichen von Alter oder Müdigkeit, einfach schön – 90/100. 2009 wieder auf diesem Niveau. 2013 eine perfekte Ausnahmeflasche, weich, reif, sehr elegant mit Schmelz ohne Ende und dunklem Toffee, eormer Druck am Gaumen und tolle Länge – WT97.

1943 war auch ein sehr gutes Champagner-Jahr.

Ein Black Neck Brut von Devaux war 2013 aus der Halben ein trotz aller Reife immer noch sehr gut zu trinkender, erstaunlich komplexer, sogar schokoladig(!) wirkender Wein – WT91. Ein Dom Perignon war 2003 auf meiner Raritätenprobe immer noch schön und frisch mit dezentem Mousseux und faszinierende Aromatik. Groß auch 1996 auf einer Drawert-Probe ein Moet & Chandeon Cuvée Bicentennaire, kräftige Farbe, wie alter Rosé-Champagner, in der Nase Storck´s Riesen, am Gaumen erst Sherry Fino, wird weicher, cremig, lang, sicher ein 95+/100 Erlebnis. Zuletzt 2007 noch immer Mousseux. Reife Farbe, in der Nase Champignongs, dazu kamen immer mehr Brottöne. Was erst spontan wie ein vielleicht zu alter Champagner wirkte, entwickelte sich unglaublich im Glas. Etwas Luft tat dieser, damals zum 200jährigen Bestehen der Mutterfirma von Dom Perignon abgefüllten Cuvée sehr gut. Da kam richtig Freude auf, ein sehr komplexer, kräftiger Champagner, der lang am Gaumen blieb – nur nicht im Glas, dazu war er einfach zu gut – 96/100.

Die großen Portweinhäuser haben 1943 keinen Vintage Port gemacht. Das war vielleicht ein Fehler. Kräftig und süß, aber nicht sonderlich elegant war 2014 der Almeida Vintage Port – WT92. Ein Quinta da Eira Velha Port zeigte 1993 auf einer Drawert-Probe eine helle Farbe, schöne, nussige Nase, am Gaumen pures Marzipan und einen langen Abgang. So etwas ist mit Sicherheit noch für relativ kleines Geld zu finden.

Weich, balanciert, aromatisch und mit schöner Süße 2014 der Massandra White Port, der Alkohol gut verpackt und kaum spürbar – WT93.