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1950

Winterminators Geburtsjahr! Klar, dass ich dieses Jahr intensiv durchleuchtet und überall auf der Welt nach gut trinkbaren Weinen gesucht habe.

In Bordeaux gab es 1950 eigentlich eine große Ernte meist früh reifender, nicht sonderlich langlebiger Weine. Doch erwiesen sich insbesondere die Weine des rechten Ufers als großartig mit teilweise enormem Standvermögen. Auch aus dem Medoc finde ich immer wieder überraschend gute Weine.

Aus St. Estephe habe ich 1996 einen Calon Ségur getrunken, Farbe und Gaumen zeigten kaum Alter, kräftige Säure, etwas eindimensional. Da war der 2005 auf Sylt getrunkene 1950 Calon Ségur in einer R&U Abfüllung deutlich besser. Leicht ins rostige gehendes Dunkelrot mit deutlichem Orangenrand, sehr reifer Bordeaux, sicher schon über den Punkt, aber immer noch mit viel Charme, feine Fruchtsüße - 87/100. Meine bisher beste Flasche 2010, ein strammer, dichter Wein, etwas rustikal, aber auch mit generöser Süße und wunderbarer Länge am Gaumen – 94/100. Cos d´Estournel hatte 1998 eine relativ hell Farbe, war reif, mit feinen Himbeer- und Johannisbeertöne, wunderschön weich, schön zu trinken. Auf der großen Cos-Probe 2006 startete er trotz etwas trüber, hellroter Farbe recht überzeugend mit immer noch jeder Menge Frucht, feiner Süße und deutlicher Säure, wirkte am Gaumen zunächst ausdrucksstark und ausgewogen, baute aber leider schnell ab – 89/100. Wirkte 2016 etwas over the hill – WT82. Montrose war 2010 noch gut trinkbar – 87/100. Tronquoy Lalande war 2015 zwar mit pikanter Restfrucht noch gut zu trinken, aber schon deutlich über den Punkt und eher auf der säuerlichen Seite – WT86.

Lafite Rothschild war 1993 aus der Magnum sehr fein, überraschend gut, 1995 im Landhaus Bacher aus der MarieJeanne schon sehr weit, aber ebenfalls wunderschön zu trinken. Zuletzt 2011 auf René Gabriels großer Lafite-Probe unerklärlich, wo der die süße Popcornnase her hatte. Waren wir denn hier im Kino? Am Gaumen viele Kräuter, mineralisch, elegant, sehr lafitig, im Abgang immer mehr Minze, baute enorm im Glas aus, höchst erstaunlich – 93/100. Suchenswert ist sicher immer noch Latour. Der hatte es mir schon 1990 mit schöner Frucht und beachtlicher Länge angetan. Danach mehrfach in 92, 93 und zuletzt wieder 2000 in guten Flaschen getrunken. 2005 hatte er aus einer nicht optimalen hs-Flsche ein helles Rot, wie Sauerkirschsaft, seltsamerweise zu Anfang auch Sauerkirschnase, am Gaumen kräftige, aber sehr reife Säure, baut im Glas nicht ab sondern aus – 92/100. 2010 aus einer perfekten Flasche reif und doch so voller Leben, brilliantes Granatrot mit leichtem Orangenrand, facettenreiche Nase mit Kaffee, Leder, gerösteten Walnüssen, teerigen Noten, Tabak und etwas Trüffel, dazu eine sehr pikante Frucht, erstaunlicherweise mit der Erdbeernote reifer Chateauneufs, gute Säure, am Gaumen kein Blockbuster, ein eher feiner, sehr eleganter, pikanter Latour – 94/100. Dann noch mal 2010 auf dem Unger-Weihnachtstasting auf diesem Niveau. Zuletzt auf Elke Dreschers Latourprobe in Bestform, intaktes, brilliantes Granatrot mit dezentem Braunrand, sehr feine, pikante Frucht, zu der sich in der betörenden Nase Trüffel, Leder und die klassische, leicht bittere Walnuss gesellten, am Gaumen mineralisch, kräftig, sehr elegant mit guter Länge, ein absolut stimmiger Wein, der deutlich jünger wirkte – 95/100. Lynch Bages hatte 2014 viel Säure, aber auch feinen Schmelz und noch viel Kraft. Nicht wirklich groß, aber sehr gut trinkbar – WT87. Bei einer weiteren Flasche 2014 stimmte eigentlich nur die Farbe – WT83. Mouton Rothschild wirkte 2010 aus einer perfekten ½ noch so erstaunlich jung mit intakter, brillianter, rubinroter Farbe, mit enormer Kraft und wunderschöner Frucht, sehr mineralisch mit der Mouton-typischen Bleistiftnase, feine Minze, alter Ledersattel, enorm druckvoll am Gaumen mit deutlicher, tragender Säure, absoluter Traumstoff – 96/100. 2015 sehr schöne, süße Frucht, aber auch etwas zu hohe Säure – WT92. Erstaunlich im Sommer 2009 im Kampener Gogärtchen ein Pichon Baron in einer deutschen Abfüllung von Lorenz Harms&Söehne aus Lübeck. Trotz nur „ms“-Füllstand hat sich dieser Wein aus dem im Medoc eher kleineren Jahrgang erstaunlich gut gehalten, immer noch mit recht dichter Farbe und mit etwas staubiger, rustikaler Eleganz, aber nicht ohne Charme – 86/100. Die Pichon Comtesse war 1993 mit etwas sehr rustikalem Charme noch gut trinkbar, dürfte aber inzwischen zumindest in Normalflaschen wohl das Zeitliche gesegnet haben. Sehr kernig kam 2007 ein Pontet Canet ins Glas, ein wunderbarer, klassischer Pauillac, immer noch mit guter Frucht und noch längst nicht am Ende – 90/100. 2010 in einer in einer Cruse-Abfüllung junge, dichte Farbe und eine zwar verhaltene, aber elegante Nase. Er war am Gaumen „straight“, unerhört kraftvoll, dabei etwas bitter und mit leichter Herbe – 92/100. Kernig, rustikal, gut gereift, aber nicht ganz auf diesem Niveau und mit der Zeit im Glas abbauend 2012 – 88/100.

Beychevelle hatte 2016 ein zwar helle, aber so klare, brilliante Farbe und dazu so eine feine, pikante Cassisfrucht, viel Frische, Eleganz und burgundischen Charme, dazu feinen Schmelz im Abgang, alles so stimmig, balanciert und altersfrei – WT96. Als so eine Art Cheval Blanc aus St. Julien präsentierte sich 2009 Ducru Beaucaillou mit seidiger Fülle und schöner Süße. Klar war da mehr Herbst drin als Frühling, aber einfach ein wunderbares Altweinerlebnis eines Weines, der keinesfalls müde war und lange am Gaumen blieb – 93/100. 2013 reif mit stalliger Nase und zu Anfang recht rustikal in der Anmutung. Aber er baute im Glas enorm aus, wurde süßer, eleganter und gefälliger – 90/100. 2014 in der Farnsburg war das ein seidiger, eleganter Charmebolzen, immer noch mit guter Frucht und feiner Süße im langen Abgang – WT93. Gruaud Larose gefiel mir 1998 und 2000 sehr gut. Tolle Farbe, sehr kräftige, tragende Säure, entwickelte sich sehr gut im Glas. Noch lange nicht am Ende. 2014 etwas eckig und rustikal mit deutlicher Säure in einer Lestapis-Abfüllung – WT89. 1999 auf ähnlichem Niveau, ein eleganter, schmeichlerischer Talbot. Deutlich besser als der 1999 etwas streng wirkende Leoville las Cases. Zuletzt 2007 hatte der Talbot eine etwas irritierende Waschpulvernase, ansonsten war dieser noch ziemlich tiefdunkle, sehr kräftige Wein gut trinkbar, wirkte aber etwas ungelenk und ließ die Finesse älterer, gereifter Talbots vermissen - 86/100. Überraschend war zuletzt 2008 ein Langoa Barton. Dichte Farbe, viel Zedernholz, stand wie eine Eins im Glas. Mit der Zeit kam dunkles Toffee, etwas Schokolade und eine feine Süße, alles gut verpackt in eine fast burgundisch samtige und elegante Textur. Dabei hielt sich der Langoa im Glas nicht nur, er baute enorm aus, wurde kräftiger und nachhaltiger – 91/100. Talbot war 2016 aus der Magnum ein reifer, eleganter, weicher, sehr schön zu trinkender Schmeichler – WT90.

Recougne Bordeaux Superieur hatte 2010 nicht nur eine dermaßen sensationell dichte und junge Farbe, sondern auch die dazugehörige Statur. Sehr lakritzig in der Aromatik, Teer, Tabak, geht locker als großer Pessac durch – 95/100.

Leider schon auf dem Weg ins Jenseits war 2005 ein Brane Cantenac. Immer noch dichte Farbe, sehr reif, Kaffeetöne, sehr viel Säure, die schnell Oberhand gewinnt – 83/100. Cantemerle war 2010 schon über den Höhepunkt weg. Trüb die Farbe, leicht fischig, aber auch nussig die Nase, am Gaumen filigran, elegant und mit feiner Süße – 88/100. Ein Labégorce-Zédé in einer Calvet-Abfüllung hatte 2008 nicht nur immer noch eine sensationelle, fast altersfreie Farbe, sondern war dermaßen süß, weich, füllig und burgundisch-elegant mit sehr ausdrucksstarker Aromatik, ein kleiner Wein diesmal ganz groß - 94/100. Margaux war 2000 ein voll reifer, seidiger, weicher, langer Charmeur auf hohem Niveau. Auch 2007 immer noch sehr delikat und fruchtig. Auch ohne den verklärten Blick auf mein eigenes Geburtsjahr waren da noch locker 89/100 im Glas. Palmer zeigte 1993 beim Dekantieren ein geradezu explosives, Margaux-typisches Bouquet, kam da aber im Glas nicht mit. Eine belgische Händlerabfüllung war da 2 Jahre später deutlich besser, fantastische, dichte Farbe, erheblich mehr Power als vor die Chateau-Abfüllung, in diesem Zustand noch gut 20 Jahre haltbar. Zuletzt 2012 eine deutsche Abfüllung von Erdmann&Kähler, seidige Würze, Kraft, süße Frucht, Eleganz, Länge - 93/100. Rausan-Gassies wäre 2001 ohne Kork ein wunderbarer Wein gewesen. Auch Rauzan-Ségla war 2000 aus der Magnum immer noch gut trinkbar mit wunderbarer Nase.

Domaine de Chevalier war 2016 aus der Magnum so fein, so elegant, geradezu tänzerisch am Gaumen mit feinem Schmelz und schöner Mineralität, immer noch so vital und voll da – WT96. 2000 im direkten Vergleich jeweils aus der Magnum war auch Haut Brion sehr schön, aber gegen den überragenden La Mission mit einigem Abstand nur 2. Sieger. Zuletzt aber auf Elke Dreschers großer Probe in bestechender, noch nie so erlebter Form. Dunkle, voll intakte Farbe, rauchige Nase, Cigarbox, Teer, Tabak, Tee mit Zucker, und am Gaumen diese einfach geile, generöse Süße, einer der schönsten Weine dieses Abends – 98/100. Zeigte sich 2016 aus der Magnum oxidativ in der Nase, am Gaumen sehr reif, gefällig mit wenig Spannung, großzügige WT91. Ende 2016 aus der 1tel dagegen so ein feiner, stimmiger Wein, Pessac pur mit der klassischen Cigarbox-Aromatik – WT97. Vielleicht der beständigste Wein in 1950 ist La Mission, in den letzten 30 Jahren sicherlich über 40mal getrunken und immer sehr hoch bewertet. 1996 als fantastischer Dreierflight mit Chateau-, Thienpoint- und deutscher R&U Schaffermahlzeit Abfüllung. Alle drei klassische, druckvolle La Missions auf hohem Niveau. 2000 in Paris bei und mit Pierre Gagnaire im Vergleich zu 89 durchaus ebenbürtig. Den La Mission dann erst 2005 wieder getrunken. Da stand er mit einer dermaßen kräftigen, dichten Farbe im Glas, dass man automatisch an einen deutlich jüngeren Wein denken musste. Das war La Mission in Perfektion mit der intensiven, klassischen Nase. Zigarrenkiste, frisch aufgebrühter Kaffee mit Rösttönen, man mochte gar nicht aufhören, zu riechen. Am Gaumen kräftig, aber reif mit wunderbarer Aromatik und toller Länge am Gaumen. Ich habe diesen Wein aus meinem Geburtsjahr zum ersten Mal 1987 getrunken und war damals erstaunt, wie schön er „noch“ trinkbar war. Das ist jetzt 18 Jahre her, und dieser große La Mission zeigt immer noch keine Zeichen von Schwäche, da sind sicher noch mal weitere 18 Jahre drin – 96/100. 2009 und 2010 noch mal die absolut perfekte R&U Schaffermahlzeit Abfüllung. Die war noch so jung, so dicht und kraftvoll, so vibrierend, viel besser geht La Mission nicht – 99/100. 2010 noch mal als großer La Mission Dreierflight aus perfekten Flaschen. In etwa auf einem Niveau waren dabei die Chateauabfüllung aus dem Nicolas Keller und die belgische Abfüllung von Thienpoint, beide 97/100. Noch mal deutlich drüber der deutliche jünger, fruchtiger und sehr druckvoll wirkende La Mission in einer deutschen R&U Abfüllung, ging als eine Art Zwilling des 82ers durch – 99/100. Auch 2014 als meine persönliche Geburtstags-Bouteille bei Jörg Müller und Ende 2014 auf Elkes Jubiläumsfeuerwerk auf diesem Niveau. 2016 war das aus der Magnum La Mission in Perfektion, nicht nur in der sehr dichten Farbe. Der hatte einfach alles, in der Nase Cigarbox, Kräuter, Minze und einen deutlichen Hauch Eukalyptus, am Gaumen unglaubliche Kraft und eine gewaltige Länge – WT99. 2016 aus einer weiteren Magnum stimmte einfach alles. In der Nase tabakig-teerige Mineralität, Cigarbox, altes Sattelleder, Kräuter, Minze, ein Hauch Eukalyptus, am Gaumen immer noch kraftvoll, aber auch mit feinstem Schmelz und Süße – WT100. Ende 2016 aus der 1tel schlank, präzise, mineralisch und würzig mit guter Säure, aber nicht auf dem gewohnten Niveau – WT96. Das größte Weinerlebnis aus Pessac war aber 2001 auf einer Best Bottle La Louvière, alter Originalkorken, aber das war auch das einzig alt wirkende an dieser sonst perfekten Flasche, irre dichte, junge Farbe, jung ohne Ende, Power ohne Ende, klassischer Power-Graves, schlägt La Mission und Haut Brion locker in die Büsche, ein derartiges Powerteil aus diesen Jahren habe ich aus Pessac noch nicht getrunken 100/100! Und 2005 folgte mit einem Pape Clement aus der Magnum die nächste Überraschung. Rabenschwarze, dichte Farbe, schwarze Johannisbeere im Teermantel, baut traumhaft schön im Glas aus, da kommt klassischer, großer Pessac mit Tabak und Teer ohne Ende, entwickelt mit der Zeit intensive balsamische Noten, tolle Länge am Gaumen und noch 10+ Jahre Potential - 96/100. Auch 2016 aus der Magnum immer noch so jung mit enormem Potential – WT96. Ein La Tour Martillac hatte 2011 eine erstaunlich dichte, junge Farbe, ging in der gesamten Anmutung als Wein aus den 80ern durch, wunderbare Pessac-Nase mit Teer, Tabak und Cigarbox, am Gaumen sehr kraftvoll und lang, aber auch mit feinem süßem Schmelz – 95/100.

Großartige und zum Teil lange haltbare Weine gab es in St. Emilion. Dabei können auch kleine Namen durchaus noch überzeugen. Ein namenloser St. Emilion in einer deutschen Tesdorp-Abfüllung, für kleines Geld vor etlichen Jahren auf einer Auktion erworben, war 2007 in einer Probe der Star des Abends. Eine schier unglaubliche Farbe hatte der Angelus in einer belgischen Händlerabfüllung 2008. Immer noch ein deutliches Tanningerüst , dazu eine kühle Frucht und viel Nussschokolade. Im Glas entwickelte er sich mächtig und wurde immer feiner und länger am Gaumen. Erinnerte mich immer stärker an den Cheval Blanc. Ein Riesenwein, der ab sofort auf meiner Fahndungsliste steht – 97/100. Sehr dichte und deutlich jünger wirkende Farbe. In der feinen Nase Kaffee ohne Ende und jede Menge Röstaromen. Am Gaumen Kraft und Länge, so fleischig und doch sehr elegant und finessig. Der tänzelte wirklich auf der Zunge wie ein großer Cheval Blanc – 98/100. Zuletzt 2011 mit spürbarem Potential, aber leider korkig. Eine Mörderfarbe hatte 2012 Ausone, der auch in der Nase ein Tier von Wein war, deutlich mehr Tiger als Schmusekatze. Enorme Kraft und Dichte, großartige Länge, nur mit dem Charme haperte es auf sehr hohem Niveau etwas. Wirkte sehr maskulin, mehr Pauillac als St. Emilion, und dürfte noch etliche Jahre vor sich haben. 2015 war das die schiere Perfektion. So ein unglaublich dichter, komplexer Weinaristokrat mit feiner Kräuternote und irrer Länge, intensive Mineralität, gewaltige Struktur, feine Süße, ein Wein der Marke „Sprachlos“ – WT100. Auch 2016 aus der Magnum schlichtweg perfekt mit der typischen, lakritzig-kräuterigen Aromatik, so dicht, so komplex, geradezu Tiefgründig, sehr mineralisch, dabei eher maskulin Richtung Pauillac, aber auch mit betörender Süße und gewaltiger Länge am Gaumen – WT100. Canon war 1996 auf einer Drawert-Probe mit junger, dichter Farbe und kräftiger Säure fast unnahbar. "Ideal zum 60.", schrieb ich damals. Im Januar 2010 habe ich ihn nachverkostet. Inzwischen ist er deutlich gefälliger, die Säure nicht mehr so prägnant. Aus einer weiteren Flasche zur Prowein 2010 war er immer noch kraftvoll, aber deutlich gefälliger und nicht weit vom Cheval Blanc weg – 96/100. Dann noch mal im Sommer 2010 auf Sylt robust, kräftig und dicht, Potential für 10 weitere Jahre – 94/100. 2016 aus der Magnum noch so unglaublich jung und so präsent mit traumhafter, rotbeeriger Frucht. Zeigte bei aller Kraft und dem noch immer voll intakten Tanningerüst eine betörende, Richtung Cheval Blanc gehende Eleganz – WT97.

Canon-la-Gaffelière war 2008 ein Musterbeispiel nicht nur für Terroir und Qualität des Weingutes, sondern auch für die Qualität und das Standvermögen des Jahrgangs 1950 auf dem rechten Ufer. Ein sehr eleganter, hocharomatischer Wein mit feiner Frucht – 95/100. Schlichtweg spektakulär 2007 ein Cap de Mourlin. So dicht, so süß, so Gaumen auskleidend, so animierend üppig und dabei doch so unglaublich elegant und irre lang am Gaumen mit viel Kaffee. Eine Beschreibung, die perfekt auf die besten Flaschen von 1950 Cheval Blanc passt, und genau an den erinnerte mich dieser riesengroße Wein – 97/100. Auch Cheval Blanc selbst war Ende 97 in einer französischen Händlerabfüllung ein Klassestoff mit sehr kräftiger Farbe und fantastischer Nase und 2000 in einer englischen Abfüllung der Sieger des St. Emilion Flights, wunderschön, dichte junge Farbe, Süße, noch lange Zukunft. Als Chateauabfüllung 2005 der Wein des Abends, klassische Cheval Blanc Nase mit irrer Aromatik, immer noch ziemlich junge, dichte Farbe, am Gaumen füllig, dicht, komplex, ein ganz großer Cheval Blanc in Reinkultur - 100/100. 2006 konnte ich diesen Wein dann in einer Probe noch einmal aus zwei unterschiedlichen Händlerabfüllungen trinken, bei denen der Abfüller nicht ersichtlich war. Grandios die erste Flasche. Brauchte wie alle Cheval Blancs aus dieser Periode viel Zeit und Luft. Wer diese Weine nicht oder nur ganz vorher dekantiert, dem entgeht das große Cheval Blanc Vergnügen. Druckvoll, aromatisch, deutlich jünger wirkend, die anfängliche Rustikalität machte immer mehr seidiger Eleganz Platz, ein ganz langer, großer Stoff, von dem ich gerne erheblich mehr im Glas gehabt hätte – 97/100. Da fiel die zweite Flasche mit ähnlichem Etikett, aber ohne Hinweis auf den Chateau-Besitzer mit hoher Säure und wenig Charme deutlich ab – 88/100. Der Kauf solcher Händlerabfüllungen bleibt immer eine risikoreiche, aber spannende und durch den niedrigeren Preis oft auch lohnende Angelegenheit. Braucht zuletzt 2007 in einer perfekten Chateau-Abfüllung viel Zeit und Luft. Rustikal und verschlossen waren da zu Anfang vielleicht mal gerade 90/100 im Glas, doch im 5-Minuten Rhythmus legte der Wein jeweils um einen Punkt zu. Wurde druckvoller, aromatischer und entwickelte im Schneckentempo die süchtig machende Cheval Blanc Nase. Beim letzten Schluck war ich dann sicher bei 98/100. Sehr dicht und kräftig 2008 auf René Gabriels großer Cheval Probe, wo wir ihm aber nicht genug Zeit zur Entfaltung gaben. 2009 in einer belgischen Händlerabfüllung wieder eine Mörderfarbe und eine unglaubliche Aromatik. Wer ihn zu früh trank, hatte 97/100 im Glas, wer ihm ein paar Stunden Luft gab, näherte sich der Perfektion. Ebenfalls 2009 noch sehr jung wirkend mit dem unbeschreiblichen Cheval-Parfüm in der traumhaften Nase in einer belgischen Thienpoint-Abfüllung. Auch die noch unglaublich jung, auch in der sehr dichten Farbe – 98/100. 2010 wieder eine traumhafte, perfekte Chateauabfüllung – 100/100. Eine weitere Flasche 2010 rabenschwarz, extrem dicht und konzentriert, ein großer trockener Port, Jodtöne, alter Balsamico, aber auch eine gewisse Exotik, brauchte viel Zeit, um sich zu öffnen und wurde dabei immer komplexer, immer voller und üppiger und entwickelte eine schöne, dekadente Süße und war sehr lang am Gaumen – 99/100. Sehr kraftvoll 2012 auf der ProSchorn Kick Off Best Bottle mit Dichte und Länge, für mich eher Latour als Cheval in einer französischen Händlerabfüllung von Jean Terrioux – 95/100. Auf Elke Dreschers Cheval Probe 2012 fast rabenschwarz in der Farbe, extrem dicht und konzentriert, ein absolutes Mörderteil, keinerlei spürbares Alter, faszinierende Nase, unglaublich druckvolle Aromatik, lebt in dieser Form noch ewig – 100/100. Auch bei Uwe Bende 2012 deutlich über 47, ein perfekter Cheval, der einfach alles hatte. Dichte, Süße, Fülle, Struktur, Kraft, eine traumhafte Nase und einen unendlichen Abgang – 100/100. Und noch eine Thienpoint-Abfüllung 2012, Kraft ohne Ende, tiefdunkel, nur mit der Eleganz haperte es etwas – 96/100. Zuletzt 2013 auf Danis großer Probe in der Braui eine Chateauabfüllung in schierer Perfektion – WT100. Eine weitere 2013 bei Uwe Bende schien noch fast zu jung, dieser hochkonzentrierte Power-Cheval öffnete sich nur im Schneckentempo – WT97. Sensationell auch wieder 2014, mit sehr dichter, junger Farbe, fantastischer Frucht und unglaublicher Süße, eine meiner bisher besten Flaschen dieser Legende und für mich der beste Wein dieser Probe – WT100. Noch so jung mit betörender Frucht und dem unnachahmlichen Cheval Blanc Parfüm 2014 eine weitere Flasche in der belgischen Thienpoint-Abfüllung, sehr elegant mit feinem Schmelz am Gaumen, da ist noch Musik für lange Jahre drin – WT98. Eine meiner bisher besten Flaschen 2014 auf Elkes Jubiläumsfeuerwerk, Cheval in Perfektion, noch so vital und voll da, Traumfrucht, perfekte, einfach irre Nase, überhaupt nichts oxidatives, einfach nur Finesse und superbe Eleganz, ein perfekter, stimmiger Wein – WT100. Ebenfalls in 2014 und 2015 noch so jung mit betörender Frucht und dem unnachahmlichen Cheval Blanc Parfüm in einer belgischen Thienpoint-Abfüllung, sehr elegant mit feinem Schmelz am Gaumen, da ist noch Musik für lange Jahre drin – WT98. Rabenschwarz 2016 aus der Hanapier Magnum. So habe ich den 50er Cheval schon oft erlebt, ein sehr dichtes, explosives, kräuteriges Konzentrat an der berühmten Grenze zwischen Genie und Wahnsinn. Auch hier deuteten die Farbe und erste, oxidative Noten erst eher Richtung Wahnsinn, aber dann kam immer mehr diese hedonistische, portige Süße und die Waage neigte sich mit zunehmender Luft immer mehr Richtung Genie. Ein enorm kraftvoller, dichter, konzentrierter Cheval Blanc, ein Monster, dass immer mehr Charme entwickelte. So stieg auch meine Bewertung immer höher und endete bei WT98. Völlig anders 2016 in der Chateauabfüllung aus einer 1995 auf dem Chateau neuverkorkten Magnum, die kurz darauf in meinem Keller landete. Nicht so dicht die Farbe, süßer, eleganter, fruchtiger mit unendlichem Schmelz, einfach dekadent lecker, als ob diesen 50er jemand mit 47er gefälscht hätte – WT100. Und eine atemberaubende Händlerabfüllung 2016 an meinem Geburtstag, die glatt als 90er durchging – WT100.

Clos Fourtet war 2011 alles andere als alt und einfach zeitlos schön wirkte mit satter, voll intakter Farbe und wunderbarer Frucht. Stand wie eine Eins im Glas – 95/100. Ein Daugay in einer R&U Abfüllung für die Bremer Eiswette war 2014 Auch aus der Magnum 2016 noch so jung in der Farbe und der gesamten Anmutung, mit feiner, rotbeeriger Frucht, dezentem Minzton und immer noch intaktem Tanningerüst für eine längere Zukunft – WT94. Eleganz, Finesse und Frucht pur in der Nase und am Gaumen. Noch geradezu jugendlich mit feinem Minzton und reichlich rotbeerigen Früchten, einfach ein kompletter, großer Bordeaux vom rechten Ufer – WT96. Figeac war 1994 aus der Magnum einer der Proben-Favoriten und die große Überraschung, dichte, kräftige Farbe, die an Spitzen 47er erinnerte, Lakritz, Bitterschokolade, viel Kraft und kein Alter. 2000 aus der 1tel nachverkostet, kein schlechter Stoff, dichte Farbe, aber wie so oft bei Figeac in der Nase dieser zumindest korkähnliche, unangenehme Ton. Großartig dann Ende 2006 – 95/100. 2008 sehr kräftig, perfekte Struktur, immer noch intaktes Tanningerüst, Teer, Lakritz, Bitterstoffe und noch ein paar Jahrzehnte Zukunft – 96/100. 2010 meine bisher besten Flaschen dieses Weines überhaupt mit Superfarbe, immer noch Frucht, Kaffeenoten, Kraft, Fülle, sehr vielschichtig und mit endlosem Abgang – 97 und 98/100. 2011 auf der Figeac-Probe der Linzer Gang in einer belgischen Händlerabfüllung in überragender Form. Ein konzentrierter Powerstoff mit fast unbändiger Kraft und immer noch erstaunlicher Frucht, dicht, Kaffeenoten, Lakritz, Teer, Bitterstoffe, immer noch intaktes Tanningerüst und langer Abgang, einfach einer dieser unsterblichen, großen 50er aus einer noch dazu perfekten Flasche – 97/100. Und ein paar Wochen später noch mal auf diesem Niveau auf Elke Dreschers großer Weihnachtsprobe, ebenso 2014 bei Elke Drescher – WT97. 2016 zweimal aus der Magnum. Aus der Hanapier Magnum deuteten die Farbe und erste, oxidative Noten erst eher Richtung Wahnsinn, aber dann kam immer mehr diese hedonistische, portige Süße und die Waage neigte sich mit zunehmender Luft immer mehr Richtung Genie. Ein enorm kraftvoller, dichter, konzentrierter Cheval Blanc, ein Monster, dass immer mehr Charme entwickelte. So stieg auch meine Bewertung immer höher und endete bei WT98. Völlig anders in der Chateauabfüllung aus einer 1995 auf dem Chateau neuverkorkten Magnum, die kurz darauf in meinem Keller landete. Nicht so dicht die Farbe, süßer, eleganter, fruchtiger mit unendlichem Schmelz, einfach dekadent lecker, als ob diesen 50er jemand mit 47er gefälscht hätte – WT100. Wahnsinn! Interessant auch die diversen Gaffelières. 1992 ein Domaine La Gaffelière trotz starkem Braunton noch voll da mit beachtlicher Länge, sehr schöner Kirschton. 2000 ein Gaffielières-Naudes aus der Magnum seidig-eleganter Stoff mit viel Druck, der auch als großer Cheval Blanc durchgeht. 2010 schlichtweg perfekt, kann man mit seiner druckvollen Aromatik, seiner Eleganz, seiner Länge und seiner herrlichen Süße blind mit einem großen Cheval Blanc verwechseln – 99/100. Zeigte kurz darauf 2010 Cheval Blanc im direkten Vergleich die Rücklichter – 100/100. Überzeugte 2012 mit seidiger Eleganz, mit verschwenderischer Süße, druckvoller Aromatik am Gaumen und großartiger Länge, baute enorm aus im Glas und legte immer mehr zu – 98/100. 2016 dicht, kräftig, süß und ätherisch, baute enorm aus und zeigte am Gaumen dekadente Süße, Schmelz und Länge – WT97. 2017 schlichtweg perfekt und altersfrei, wurde mit seiner betörenden, seidigen Eleganz der Rolle als Cheval Blanc für Schlaue voll gerecht – WT99. Überragend 2004 ein La Gaffelière in einer deutschen Schulz&Wagner Abfüllung, ein kompletter, großer Wein, der einen voll anspringt – 99/100. 2015 hatte zwar auch Finesse und feinen Schmelz, aber auch schon oxidative Noten und wirkte sehr reif – WT92. La Gomerie hatte 2008 eine dichte Farbe mit kaum Alter, wunderbare Nase, Süße, Eleganz, Länge, ein komplexer, großer, sehr vielschichtiger und noch ungemein lebendiger Wein - 96/100. Zuletzt 2011 in einer Eschenauer-Abfüllung ein feiner, gut zu trinkender St. Emilion mit pikanter Frucht und hoher Säure, ebenfalls jünger wirkend – 92/100. Ein Grand Barreil Lamarzelle Figeac hatte 2012 eine voll intakte Farbe, erstaunliche, trüffelige Kraft und Fülle, sehr lang am Gaumen mit feinem, trüffeligem Schmelz – 93/100. Ein Grand Mayne besaß 2006 eine dichte Farbe mit leichtem Braunrand, in der Nase war er verdammt reif mit zunächst deutlichem Liebstöckel. Im Glas wurde er dann immer besser, nicht ohne Charme , aromatisch, weich und trank sich recht schön auf 85/100 Niveau. Zumindest für eine gute Stunde, dann baute er ab - 85/100. Sehr gut gefiel mir 2000 Pavie, dichte Farbe, dichter Stoff, braucht Zeit und Luft, noch viel zu jung! Klasse - 94/100. Hatte 2010 in einer belgischen Händlerabfüllung immer noch eine unbändige Kraft mit Frische, Kühle und sehr guter Struktur verband – 97/100. Eine weitere Flasche dieses Lots 2010 weicher, feiner, schmeichlerischer, aber auf gleichem Niveau – 97/100. Ripeau erinnerte 2015 auf Sylt an kalten Früchtetee – WT87. Richtung vidange, also noch unter low shoulder, ging der Füllstand der Hochrisikoflasche Rol de Fombrauge. Doch sensationell immer noch die superdichte, altersfrei wirkende Farbe, die Nase kommt da nicht mit und erinnert eher an ein großes Wurstbrot. Am Gaumen dafür weich, generös mit feiner Süße und guter, stützender Säure – 86/100. Erstaunlich 2012 die noch so junge Farbe eines Trianon. In der Nase immer noch pikante, feine Frucht, sehr mineralisch mit dem Bleistift von Mouton, sehr balanciert und harmonisch am Gaumen, gute Struktur, schlank im positiven Sinne, einfach zeitlos schön, so elegant, wie ein feiner, roter Riesling – 94/100. 20014 auf gleichem Niveau. Troplong Mondot hatte 2008 eine deutliche Altersnote, aber immer noch sehr dichte Farbe, balsamische Noten, noch voller Leben - 88/100. 2010 hatte er in der leicht oxidativen, von flüchtiger Säure dominierten Nase einen deutlichen Fehler. Am Gaumen war er süß, zugänglich mit Schokolade und Toffee – 84/100. Ohne die grenzwertige Nase sicher deutlich mehr.

Pomerol galt 1950 als die Appellation mit den besten Weinen. Dabei müssen es nicht unbedingt die ganz großen Namen sein. Grandios 2012 der immer noch so junge, dichte, kräftige, edel-rustikale l´Angelus Pomerol, der immer noch ein deutliches Tanningerüst zu haben schien – 94/100. Hat übrigens mit Angelus aus St. Emilion nichts zu tun und scheint heute als Domaine nicht mehr zu existieren. Ein Beauchêne hatte jetzt nicht die aromatische Dichte eines 1er Cru, aber was für ein fantastischer Tropfen, immer noch mit jugendlicher Fruchtigkeit, leicht animalischer, ledriger Note, ein im besten Sinne fröhlicher Wein, der eindrücklich die Qualität des Jahrgangs 1950 am rechten Ufer illustrierte – 92/100. Eine große Überraschung 2015 war der Belair aus Pomerol in einer deutschen Bachmann Abfüllung. Der hatte noch eine so junge, dichte Farbe, war noch so vital und kräftig mit dekadentem, süßem Schmelz. Unglaublich, wie der mit der Zeit im Glas ausbaute. Wer den zu schnell austrank, sah vom Film nur die Hälfte. Meine eigenen Bewertungen starteten bei WT92 und gingen viermal hoch. Beim letzten Schluck war ich bei WT96. Certan de May besaß 2010 statt Charme unbändige Kraft und die für dieses Gut typische Rustikalität, so eine Art Pauillac aus Pomerol, immer noch recht jung wirkend – 96/100. Dicht, kräftig, schokoladig mit irrer Kraft und Länge war Clinet 2016 bei Elke ein riesengroßer, kompletter Wein – WT99. Clos l´Eglise war 2010 ein schlichtweg perfekter, großer, kompletter, sehr kräftiger Pomerol, jede Suche wert – 100/100. Begeistert hat mich 1994 und 2000 ein opulenter Clos René in einer R&U Abfüllung zum 125. Firmenjubiläum. Auch 2007 und 2010 dreimal wieder ein mustergültiges Beispiel für den grandiosen Jahrgang 1950 in Pomerol. Sehr dichte Farbe, portig, pflaumige Frucht, speckig, karamellige Süße, wurde am Gaumen immer komplexer und länger. Ein Parade-Pomerol, der in dieser Form noch etliche Jahre vor sich hat – 96/100 und 98/100. Auch 2016 auf Sylt wieder ein schmelziger Traum-Pomerol – WT97. Als noch erstaunlich jung erwies sich 2010 ein Domaine de l´Eglise in einer Hanapier-Abfüllung, sehr kompakt, sehr eisenhaltig, darunter deutlich Bitterschokolade, immer noch kraftvoll, spürbare Tannine, baute im Schritttempo aus und wurde immer besser – 94/100. 1996 und 2000 hatte L´Evangile eine unglaublich kräftige, dichte Farbe, fast ohne Alter, nur in der Nase leichter Alterston, am Gaumen eingekochte Früchte. 2010 zweimal in einer R&U Abfüllung (mal wieder) ein Bilderbuch-Pomerol, Kraft, Fülle, Schmelz, etwas Rumtopf und dazu Minze, sehr druckvoll und fast zeitlos schön – 97/100, die zweite noch eine Klasse besser 100/100. 2014 bei Elke Drescher gleich 2mal. Superdicht und an 50 Cheval erinnernd die Farbe der Chateauabfüllung, enorme Kraft, Fülle und Schmelz, sehr druckvoll am Gaumen, mineralisch, etwas Rumtopf und ein Hauch Minze, endloser Abgang – WT98. Noch einen Tick drüber mit ähnlicher Aromatik l´Evangile in einer deutschen R&U Abfüllung, auch der ohne jedes Alter – WT99. 2015 nicht ganz auf diesem Niveau – WT97. Und 2016 bei Elke noch so eine grandiose R&U Abfüllun – WT98. Fantastisch auch Ende 2006 ein in der Burgunderflasche abgefüllter Feytit Clinet, immer noch dichte Farbe, Kraft und Schmelz ohne Ende, wurde im Glas immer besser – 95/100. Auch zuletzt 2010 noch so kraftvoll und dicht, getragen von hoher, gut integrierter Säure – 95/100. La Fleur Petrus in einer perfekten, direkt vom Chateau kommenden Flasche war 2000 der Sieger eines großen Pomerol-Flights – 98/100. 2010 sehr mit einer unwiderstehlichen, süßen Kaffeenase, bei der der Gaumen nicht ganz mit kam – 97/100. Eher enttäuschend 2000 ein Le Gay – 87/100. Deutlich besser 2014 in einer englischen Avery-Abfüllung. Immer noch so jung, auch in der Farbe. Kräuterig und lakritzig die Nase, die wiederum stark an (echten) Lafleur erinnert. Ein absolut stimmiger, enorm druckvoller Wein mit feiner Süße im langen Abgang, besitzt immer noch ein stabiles Tanningerüst für eine lange Zukunft – WT97. Gazin hingegen war 2001 in einer Best Bottle füllig, sexy, ein sehr leckerer, wunderbarer Wein. 2008 wieder einfach ein großartiger, schokoladig-schmelziger Pomerol mit burgundischer Fülle, ein echter Prachtwein – 95/100. Zuletzt 2009 feine, rotbeerige Frucht, so eine intensive, druckvolle Aromatik, Seide ohne Ende am Gaumen und ein sehr langer Abgang, burgundisch im besten Sinne – 95/100. Manchmal rennt man bei den hoch gelobten Ikonen der Weinwelt auch einem Mythos hinterher, den es inzwischen nicht mehr gibt. So erging es mir 2008 mit Lafleur. Der hatte nicht nur einen Korkfehler, unter dem sich ein feiner, typisch-kräuteriger Lafleur mit schöner Süße auf 95/100 Niveau verbarg. Es war auch nicht der erwartete Hammer. 2009 in der Lafleur Best Bottle dann dichte Farbe mit deutlichen Braunreflexen, in der Nase schon deutlich gezehrt, auch im Abgang fehlte es etwas. Nur am Gaumen war da ein zwar sehr reifes, aber gewaltiges Konzentrat, mit malziger, korinthiger Süße und wieder dieser wunderbaren Kräutermischung – 95/100. Und dann, endlich, 2010 Lafleur in Reinkultur, Ein immer noch jung wirkender, sehr dichter, kraftvoller Wein, mit generöser Süße zwar, aber auch mit der Lafleur-typischen Kräutermischung, so druckvoll am Gaumen, so irre lang, da standen alle Geschmackspapillen auf der Zunge in Hab Acht Stellung – 100/100. Auch 2015 wieder in dieser Traumform – WT100. Totaler Kontrast zum männlichen Lafleur war 2010 der sehr weiche, elegante, schmelzige, schokoladige Latour-à-Pomerol, eine flüssige Praline allererster Güte – 97/100. Zuletzt 2014 trotz miesem Füllstand (‚ms’) schlichtweg traumhaft. So ein feiner, eleganter, absolut stimmiger Wein, immer noch mit guter Frucht und schokoladigem Schmelz, sehr balanciert und Finesse pur – WT97. Burgundische Anklänge und enorme Fülle zeigte 2010 zweimal Nenin, reife Sauerkirsche mit Mousse von der Bitterschokolade, generöse Süße, voll da – 96/100. Einen eher gezehrten Eindruck machte 1996 Petit Village. Auch zuletzt 2010 eher enttäuschend, der war reif, hatte eine etwas hohe Säure, auch Süße, konnte aber mit dem extrem hohen Niveau der anderen Weine nicht mithalten – 90/100. Petrus hatte ich früher schon mehrfach getrunken, zuerst 1993 auf der Petrus II Probe in der Wachau. Ich fand ihn immer sehr schön, vor allem in der Chateau-Abfüllung(leider existieren da einige ziemlich schrottige Händler-Abfüllungen!). 2000 ein großer Wein, aber nur zweiter Sieger gegen La Fleur Petrus – 96/100. Meine bisher beste Flasche dann 2010. Was da beim Dekantieren an Bukett aus der Flasche schoss, erinnerte in der raumfüllenden Intensität an eine legendäre Flasche 1900 Margaux. Schlichtweg ein perfekter Traumwein, bei dem von der Nase über den Gaumen bis zum endlosen Abgang einfach alles stimmte. Das waren ohne Wenn und Aber 100/100. Auch die Zwillingsflasche 2015 war ein absolut stimmiger Traumwein – WT100. 2016 bei Elke Petrus in einer belgischen Händlerabfüllung mit lausigem Etikett, aber perfektem Inhalt. Einfach Traumstoff, bei dem von der Nase über den Gaumen bis zum langen Abgang alles stimmte. Hoch elegant mit verschwenderischer Süße, reif, aber auch mit guter Struktur und immer noch genug Kraft für lange Jahre. Alle Elemente griffen hier wie in einem großen, klassischen Musikstück perfekt ineinander. Da blieben nur andächtiges Staunen und natürlich klare WT100.  Ein simpler Pomerol Philippe Rothschild, 1996 bei Paulson erstanden, war 2000 überraschend kräftig und lang. Sehr weich, sehr reif, aber nicht alt, ohne Ecken und Kanten, samtig, feine Süße und mit schöner Länge am Gaumen 2011 ein de Sales aus – 88/100. Klasse mit noch viel Potential 2000 der Vieux Chateau Certan. 2012 bei Elke Dreschers Vieux Chateau Certan Probe ein Wein, bei dem einfach alles stimmte und der von allem etwas mehr hatte. Altersfreie, dichte Farbe, eine Traumnase zum stundenlang dran rum riechen, ein einfach hedonistisch, dekadenter Gaumen und dazu eine perfekte Struktur. Ein kompletter, perfekter, immer noch so junger Wein mit Schmelz ohne Ende, der es in guten Flaschen wie dieser sicher noch 20 Jahre macht. Selten waren 100/100 so eindeutig. Das galt auch 2015 wieder. Auch 2016 ein kompletter, stimmiger Wein mit schokoladigem Schmelz, sehr fein, elegant und finessig mit sehr guter Struktur, die noch auf viele, spannende Erlebnisse mit diesem Wein hoffen lässt – WT98. Wie viel Musik in den 50er Pomerols ist und dass es nicht immer unbedingt Petrus sein muss, zeigte 2005 ein Clos Vieux Maillet. Reife Farbe mit deutlichem Braunton, wirkte erst etwas fragil, baute dann aber fantastisch im Glas aus. Entwickelte mit der Zeit eine traumhafte, reife Merlot-Nase mit etwas Lakritz und Süßholz. Am Gaumen schmeichlerisch-elegant mit feiner Süße, baut immer mehr aromatischen Druck auf, seidige Fülle ohne Ende. Auf dem Punkt, ein perfekt gereifter Merlot, ganz konservative 94/100.

Überrascht hat mich im Frühjahr 2003 ein simpler Clos Signat aus Côtes de Fronsac. Die vermeintliche Weinleiche war ganz erstaunlich und immer noch lecker, ging locker für 86/100 durch.

Weiße Bordeaux aus 1950? Aber ja! Domaine de Chevalier Blanc überraschte 2000 mit kräftigem Gelb, brilliant und klar, sehr jung, entwickelte sich wunderschön im Glas, filigran, tänzelte auf der Zunge und wurde immer schöner, sensationell. Die Zwillingsflasche 2010 noch recht jung wirkend die helle, brilliante goldgelbe Farbe, in der Nase erst Töne von frisch gebohnertem Boden, doch die verloren sich rasch. Der Domaine de Chevalier drehte unglaublich auf und war noch so kraftvoll, wurde dabei weicher, feiner und schmelziger mit schöner Süße – 93/100. Laville Haut Brion war 2000 goldgelb, deutlich Anis- und Lakritztöne, als ob Pastice drin wäre, am Gaumen aber auch bitter, kam mit der Zeit noch etwas, aber insgesamt eher enttäuschend – 82/100. Ähnlich schon mal 1995 aus einer halben Flasche. Deutlich besser 2016, sehr edel, balanciert und fein mit kräuterigen und jodigen Noten und erstaunlicher Frische -WT93. Zwei Tage zu spät kam ich leider 2008 ins Pariser Taillevent für die letzte Flasche Haut Brion Blanc, die laut Aussage des Sommeliers hervorragend war. Ich werde auf die Suche gehen. Höchst erstaunlich 2014 auf der Farnsburg ein Larrivet Haut Brion Blanc. Die güldene Farbe und in der Nase die Crême Brulée eines großen Sauternes, am Gaumen trocken wie ein ‚Y’ mit erstaunlicher Kraft und Fülle, immer noch frisch mit guter Säure – WT95.Ein weißer La Pomarède aus Graves hatte 1999 eine kräftige Farbe, dezente Firne, wirkte sehr trocken, passte aber sehr gut zu Ziegenkäse mit Honig. Zuletzt 2010 Sehr brilliant und klar die goldgelbe Farbe, frisch die von Zitrusfrüchten geprägte Nase, auch am Gaumen reife Zitrusfrüchte und eine feine Bitternote, dabei immer noch jugendlich wirkend und mit sehr druckvoller Aromatik, baute im Glas nicht ab sondern deutlich aus – 93/100.

In Sauternes galt 1950 eigentlich nicht als großer Jahrgang. Doch ließ die hohe Säure des Jahrgangs die Weine sehr gut altern und verleiht vielen von ihnen noch eine Frische und Finesse, die vielen Sauternes sonst abgeht. Meine Erfahrungen mit dem Jahrgang sind durchweg positiv. Clos Haut Peraguey hatte 2016 eine brilliante, güldene Farbe, die dicke Kruste einer Crême Brulée, bretonische Salzkaramellen, englische Orangen-Bittermarmelade, so eine druckvolle Aromatik. Mehr geht aus Sauternes nicht - WT99. Coutet war zwar 2016 aus der Magnum etwas schwierig in der Nase, am Butterscotch-Gaumen zog er aber das volle, dekadente Süßwarenprogramm ab, blieb dabei erstaunlich elegant und überhaut nicht klebrig wirkend – WT94. Gilette Crème de Tête war 2008 ein sehr feiner, eleganter, harmonischer Sauternes, immer noch recht jung und frisch wirkend, trotz Bernsteinfarbe, mit schöner, schmelziger Süße und relativ wenig Säure – 94/100. Lafaurie Peraguey hatte 2000 helles Gold, die tolle Aprikosennase des 1880 Tokay, Süße, Säure, kein Alter, schöner geht Sauternes kaum, knapper Zielsieg in einem Superflight über Yquem. 2014 auf der Farnsburg so fein, so elegant, so balanciert und stimmig, nicht nur in der süchtig machenden Nase mit Toffee, bitterer Organgenmarmelade und Crême Brulée, sondern auch am Gaumen, wo er bei aller Eleganz einen irren Druck entfaltete – WT97. End 2014 noch mal in gleicher Form aus der Magnum. 2015 der eleganteste des Flights, wunderbare Nase mit Toffee, bitterer Orangenmarmelade und der oberen Schicht einer Crème Brulée, am Gaumen fehlte im bei aller Eleganz vielleicht etwas die Wucht der beiden anderen Weine – WT96. Bereits 1995 war Rayne Vignaud eine echte Überraschung. Kräftiges Goldgelb, wirkte noch frisch und war sehr ausgewogen. Ricaud Vin de Tête aus Loupiac war schon 1996 ein Bilderbuchwein mit Frucht, schöner Säure und viel Länge. 2000 dann junge Farbe, eher goldgelb, leichter als die Sauternes, schöne Frucht, wunderbar. Ein Suduiraud mit geiler Fülle und konzentrierter Süße wäre 2014 sicher auf WT97 Niveau gelangt, wenn sich da nicht immer stärker ein Kork eingeschlichen hätte. 2015 die tiefste Farbe des Flights und die intensivste Süße, dazu eine unglaubliche Kräutermischung, die entfernt etwas an Hustensaft erinnerte. Die prächtige Fülle dieses Weines, der mit der Perfektion flirtete, wurde durch eine gute Säure balanciert, ewig lang der Abgang – WT99. Auch La Tour Blanche überzeugte 2000 mit kräftigem Gold, in der Nase leichter Medizinalton, am Gaumen dicht, komplett, reich. 2013 bei Elke Drescher aus der Magnum tiefe, ins Güldene gehende Farbe, eine Traumnase, am Gaumen sehr balanciert, nicht übermäßig süß und immer noch erstaunlich frisch – 95/100. 2015 eine wunderbare Butterscotch Nase, am Gaumen die klassische, englische, bittere Orangenmarmelade und wunderbaren, süßen Schmelz, perfekt balanciert durch eine immer noch gute Säure, sicher der eleganteste Wein des Trios – WT97. Und dann wären wir bei Yquem und dem typischen Problem alter Yquems, nämlich der Herkunft und der Zahl der Besitzer. 1998 in Brüssel in der Villa Lorraine so ein Teil, das sicher nicht seit Jahrzehnten dort lagerte. Nun gut es ist mein Geburtsjahr, aber die ganz große Freude kam nicht auf, schöne reife Farbe, reifer Sauternes, der aber irgendwann demnächst "kippt". Ganz anders 2000 die erste von 2 Flaschen, die ich vor langer Zeit aus einem alten belgischen Privatkeller erworben hatte. Hier war ich erst der zweite Besitzer. Erstaunlich helle Farbe, aber am Gaumen geht´s los, irre Länge und in dieser Form noch Zukunft. Die zweite Flasche 2010 ein großer, kompletter, perfekt gereifter Sauternes aus einem Guss mit wunderschöner, generöser Süße, samtig am Gaumen, sehr elegant mit ewiger Länge – 96/100.

Kein Sauternes, aber aus dem benachbarten Graves in der gleichen Liga 2015 ein Graves Monopole Blanc von Vandermeulen. In der Nase gebranntes Karamell, Orange, Mandarine, am Gaumen eher halbtrocken wirkend wohl definierter Fülle, sowie guter Säure und Länge, insgesamt sehr stimmig – WT96. Auch 2016 sehr kräftig, karamellig, Orangen-Bittermarmelade, eher halbtrocken wirkend und sehr nachhaltig im Abgang – WT94. Ein Graves Superieur in einer deutschen R&U Abfüllung war 2016 ein sehr feiner, eleganter Wein mit toller Süße und guter Säure, der geradezu spielerisch am Gaumen tänzelte – WT95.

In Burgund führten Hagel und ein nasser Sommer zu dem, was man ein kleines Jahr nennt. Ich habe trotzdem einige sehr schöne Entdeckungen machen können. Mein erster großer Burgunder aus 1950 war 1993 bei Jörg Müller ein beeindruckender, noch recht jung wirkender Nuits St. Georges aus der Barolet Collection.

In der Nase eines Corton von Pierre André dominierte 2007 bereits etwas Liebstöckel. Schöner der Gaumen, schlank zwar und kompakt, aber sehr pikant mit durchaus druckvoller Aromatik, entwickelte sich gut im Glas, ein Weingreis mit viel Charme – 89/100. Ein Pommard von Bichot war 2015 kräftig, etwas rustikal, aber gut trinkbar – WT89. Noch sehr jung wirkte 2010 der Beaune Grèves Vigne de l´Enfant Jesus von Bouchard, sehr pikant mit herrlich würziger Frucht, ging locker als 40 Jahre jüngerer, großer Burgunder durch – 96/100. Überzeugte auch 2016 mit guter Frucht und feinem Schmelz – WT95. Der Charmes Chambertin von Bouchard wies 2017 immer noch eine erstaunlich schöne Frucht, eine schöne Süße und punktete mit burgundischer Pracht und Fülle – WT95. Der Clos de Vougeot von Boudry war 2015 sehr vielschichtig, kein Alter, druckvoll, baute enorm im Glas aus - WT95. Ein Moulin-à-Vent von Boudry demonstrierte 2013 eindrucksvoll die Klasse früherer Beaujolais. Ein körperreicher, reifer Wein mit generöser Süße, aber immer noch kraftvollem Auftritt – 92/100. Ein Chambolle Musigny Les Amoureuses von Calvet war 1995 auf meiner Raritätenprobe die Sensation des Abends, ungewöhnlich kräftig und dicht, auch in der Farbe, sehr lang mit toller Süße, das burgundische Gegenstück zum 50er Figeac, in dieser Form noch 10-15 Jahre haltbar. Clos de la Roche von Chanson, war 2008 ein faszinierender, hocharomatischer und noch erstaunlich frischer Burgunder – 95/100. Ein sehr weicher, reifer, kräuteriger Echezeaux von Robert Chasseing war 2010 mit feiner Süße immer noch sehr schön zu trinken – 89/100. Clos des Lambrays war 2000 zu meinem 50. ein perfekter, gut gereifter Burgunder, aber immer noch mit kräftigen Tanninen. Die Zwillingsflasche 2010 war nicht auf diesem Niveau – 89/100. Ein Beaune Grêves des Comte de Moucheron wirkte 2010 durch die gute Säure noch um Jahrzehnte frischer und jünger, feine Süße, sehr elegant – 90/100. Eine weitere Flasche 2011 etwas ältlich – 82/100. Schon recht alt 2000 ein Musigny von Comte de Vogue – 83/100. Ein Echezeaux von Doudet-Naudin hatte 1997 immer noch eine dichte Farbe, eine Expressonase, war am Gaumen dicht, unglaublich lecker, Kaffee ohne Ende, tolle Süße, ganz großer Stoff, habe ich damals mit 96/100 bewertet. Die Zwillingsflasche war 14 Jahre später, 2010, praktisch nicht gealtert, Geradez explosiv und ungemein kraftvoll, sehr dichte Farbe, sehr würzig und hoch aromatisch in der Nase und am Gaumen, noch so jung wirkend, aber auch mit feiner Süße, sehr lang mit riesengroßem Spannungsbogen – 97/100. Bräunlich und reif die Farbe 2015 beim La Tâche von DRC, oxidative Noten in der Nase, aber auch kräuterig-lakritzige Noten, Geraniol, leicht pilzig am Gaumen wirkend. Man spürte die Substanz dieses Weines, aber er sang einfach nicht – WT90. Gut gereift 1999 ein Chambolle Musigny von Veuve Genin. Besaß die verschwenderische Nase eines gut gereiften Burgunders, auch am Gaumen Süße, Kraft und Fülle, immer noch gute Frucht und eine nicht unangenehme Rustikalität – 93/100. Ein feinwürzig süßer Burgundertraum 1997 ein Vosne Romanée Les Malconsorts von Ligeret. Einfach eine Traumnase mit feiner Süße hatte 2010 der Romanée St. Vivant Les Quattres Journaux von Louis Latour, ein perfekt gereifter Burgunder, der auch am Gaumen samtig weich und sehr elegant mit feinem Schmelz war. Einfach ein betörender Wein mit sehr erotischer Ausstrahlung – 96/100. Pilzig und ziemlich untrinkbar im Herbst 2005 ein Le Corton von Robert Madesclaire. Einen leichten Fehler hatte 2011 wohl der Beaune Cent Vignes Les Fils de Henri Matthieu. Der äußerte sich in einer grenzwertigen Nase, die an einen alten Fahrradschlauch erinnerte. Blies man diese Nase aus dem Glas, so verbarg sich darunter ein feiner, fruchtiger Wein mit viel Himbeere und schöner Süße – 89/100. Etwas kompakt in der Nase war 2015 der Clos de Tart von Mommessin, der dafür um so expansiver am traumhaften, sehr druckvollen Gaumen war. Einfach irre, was da mit herrlicher Süße und ewiger Länge abging – WT99. Nur kurz blühte 2008 ein Chambolle-Musigny von Nony in der Nase mit herrlich reifer Himbeere auf, um dann rasch wieder abzutauchen. Trübe Farbe, hielt sich am Gaumen mit fast cremiger Textur und war ausgesprochen schön zu trinken- 90/100. Ein Vosne Romanée von Peyrère hatte 2012 Eleganz und Finesse, dazu eine generöse Süße, einfach ein kompletter, großer, sehr sinnlicher Burgunder – 95/100. Ein Corton Cuvée Charlotte Dumay vom Hospice de Beaune in einer Abfüllung von Pierre Ponelle schien 2010 die ewige Jugend für sich gepachtet zu haben, tiefe Farbe, so kraftvoll und mit so hohem aromatischem Druck, baute, nachdem ein anfänglicher Fehlton in der Nase verflogen war, enorm aus – 96/100. Sehr hell zwar 2012 die ansonsten intakte Farbeeines Vosne Romanée von den Caves Porrot-Papigny, aber keinerlei Alterstöne in der Nase oder am Gaumen. Ein filigraner, sehr feiner und auch feinduftiger Wein mit ebenfalls feiner Süße, sehr elegant und harmonisch – 95/100. Nur noch so eben trinkbar leider 1997 ein Corton Clos du Roi von Ropiteau. Ein Chambertin von Armand Rousseau hatte 2007 zwar eine helle, reife Farbe, aber so eine intensive, druckvolle Aromatik, die in der betörenden Nase begann und sich am Gaumen fortsetzte. Ein perfekt gereifter, großer Burgunder mit viel Kaffee, Süße, feinem Schmelz, wunderbarer Textur und Struktur, sehr lang am Gaumen – 96/100. 2015 so ein absolut stimmiger, großer Burgunder, geradezu erotisch die betörende Nase mit reifer Erdbeere, am druckvollen Gaumen Seide pur und unendlicher, süßer Schmelz – WT99. Ein Chambertin von Vedrennes-Orluc präsentierte sich 2012 wie der gar nicht mal so kleine Bruder des legendären 47 Chambertin Vandermeulen. Burgundische Pracht und Fülle, Kaffee, Mokka, herrliche Süße, aber auch eine tolle Säurestruktur – 97/100. So auch die Zwillingsflasche Ende 2012.

Und selbst bei Weißen Burgundern lassen sich noch Entdeckungen machen.

Ein Puligny Montrachet eines unbekannten Händlers war 2015 noch so erstaunlich lebendig, feine Kräuternase, Tabak, sehr würzig, blieb lang am Gaumen – WT93.

Guter Rhone-Jahrgang, bei dem insbesondere gut gelagerten Chateauneufs das Augenmerk gelten sollte.

Sehr oxidativ war 2013 der Hermitage von Robert Chassaing mit zwar dichter, aber alter, trüber Farbe. Einfach nur ein (zu) alter, so gerade noch ohne Schmerzen trinkbarer Wein – 76/100.

Ein Chateauneuf-du-Pape von Berard war 2010 ein komplexer, würziger, lakritziger Riese, der am Gaumen förmlich explodierte und die salzige Mineralik eines großen Wachauer Smaragdes zeigte. Ein Wein ohne Alter, der es locker noch 1-2 Jahrzehnte macht – 96/100. Schlichtweg sensationell 2017 der perfekt gereifte Chateauneuf-du-Pape Les Cailloux von Lucien Brunel. Da war kein Alter, einfach nur geniale Aromatik und Süße, die vollreife Erdbeere eines großen Chateauneuf, viel Kaffee, Nüsse, eine halbe Patisserie, alles sehr kraft- und druckvoll dargeboten, aber auch mit burgundischem Schmelz und Eleganz – WT98. Ein Chateauneuf-du-Pape von Pouget hatte 1994 eine tiefe Farbe, Veilchen, ein runder, harmonischer Wein mit typischem Aroma gereifter Chateauneufs, baute erst nach über 1 Stunde ab, dann gewannen Säure und Bohnerwachstöne die Oberhand.

Für eine Überraschung könnten durchaus auch noch weiße Chateauneufs gut sein, die meist hervorragend altern. Ein Chateauneuf-du-Pape Blanc von Antione Verda empfing uns 2007 mit einer ungewöhnlichen Nase, in der sich frischer Apfelsaft mit Cigarbox paarte. Am Gaumen dann leider übler Kork, der immer stärker wurde. Schade, das hätte ein spannender Wein sein können, zu alt war er in keinem Fall. Spannend 2010 der sehr kraftvolle, etwas rustikal wirkende, mineralische Clos Pignan Blanc Reserve, der am Gaumen eine schöne, nussige Fülle zeigte – 90/100.

Noch seltener dürften edelsüße Chateauneufs sein. Viel Vanille und reifes Backwerk hatte 2010 ein Chateau Rayas Liquoreux in der Nase, am Gaumen schöne Süße, dabei weich, balanciert und an frisch gebackene Madeleines erinnernd – 93/100.

Chateau Chalon, ein Vin Jaune aus dem Jura mit deutlichem Sherryton in der Nase, am Gaumen nussig, leicht oxidativ mit gut integrierter Säure, trank sich 2010 perfekt als Apero zu Käse – 90/100.

Ein Vouvray Clos le Mont 1er Tête von Ackermann-Laurence war 2016 absolut trocken und dabei noch so frisch, sehr feinfruchtig und elegant. Einfach großer, trockener Vouvray mit noch reichlich Zukunft – WT95.

Ein Banyuls der Domaine Pietri Gerard, süß, üppig portig-schokoladig und einfach unkompliziert lecker – 92/100. Banyuls und Rivesaltes sind heute immer noch bezahlbare, leichter findbare Alternativen, wenn ein 50er gesucht wird. Dekadent, portig 2014 auf Sylt der Rvesaltes Domaine Rombeau – WT95.

Von den deutschen 50ern, ursprünglich als großer Jahrgang gefeiert, haben nur die besten überlebt. eine Rüdesheimer Berg Rottland Auslese Cabinett von Brogsitter-Finck hatte 2010 eine güldene Farbe, feine Karamell- und Malznoten in der Nase, gute Säure am Gaumen und sogar Frische zeigend, dazu eine feine Süße, ein zeitloses Dokument auf dem Niveau einer BA – 93/100. Eine Geisenheimer Kosakenberg Riesling BA vom Weingut Jacob Horz, war 1995 ohne Süße, ausgezehrt. Nicht besser im Herbst 2005 eine Bad Kreuznacher Rosengärtchen Spätlese von Anheuser & Fehrs. Tief-güldene Farbe, kaum noch Säure, die Süße komplett aufgezehrt, aber immer noch gut trinkbar – 81/100. Voll da und auf dem Punkt 2010 ein Rauenthaler Baiken Riesling Beerenauslese Cabinet von den Staatsweingütern. Schöne Süße, knackige Säure, kein Hammerwein, eher auf der filigranen Seite und sehr harmonisch und balanciert – 94/100.

Schlecht kann der Jahrgang auch in Italien nicht gewesen sein. 2010 bei Uwe Bende ein Chianti in der Bastflasche(!) von I.L. Rufino. Sehr hell die klare Farbe, herrliche Nase, auch am Gaumen so fein, so süß, so verschwenderisch, ging als großer, reifer Burgunder durch 94/100.

Ein Bordlido Tinto Velho Vinho de Mesa aus Portugal war 2012 ein sehr harmonischer, ausgewogener Wein mit voll intakter Farbe, pikanter Frucht, viel Minze und guter Säure, baute im Glas aus und wirkte deutlich jünger – 92/100.

Gut war der Jahrgang für spanische Riojas.

Berberana Gran Reserva war 2013 ein großer, deutlich jünger wirkender Rioja ohne die so oft anzutreffende „Gemüsenase“ mit schöner, reintöniger Frucht und guter Säure. Wirkte sehr harmonisch mit burgundischen Anklängen und war lang am Gaumen – 93/100. 2014 in der Wiin Kööv elegant, finessig, sehr fein, burgundisch – WT95. Mein erster spanischer 50er war 1995 in Barcelona zum Spottpreis ein wunderschön gereifter Bodegas Bilbainas Rioja Clarete Fino Vieja Reserva. Nur die letzte Flasche 2016 war daneben. CVNE Vina Real Reserva Especial war 2007 ein schöner Wein mit prächtiger Fülle und dichter Farbe, mit viel Mokka und malzig-korinthiger Süße, warm-würzig und lang am Gaumen, wäre ohne die etwas ins gemüsige gehende Nase groß gewesen – 93/100. Um Klassen besser eine weitere Flasche 2010, wäre auch als 90er durchgegangen, so dicht, so kraftvoll und mit einer derart druckvollen Aromatik, sehr dichte Farbe, Kaffee statt Gemüse – 96/100. Auch 2015 und 2016 wieder in Bestform, noch so jung – WT95. Ein Royal Reserva Tête de Cuvée der Bodegas Franco-Espanoles hatte 2010 die klassische Gemüsenase älterer Riojas, am Gaumen zeigte er eine feine, reife, malzige Süße und schönen Schmelz, baute aber mit der Zeit etwas ab – 87/100.Marques de MurrietaReserva hatte 2007 zwar in der Nase die gemüsigen Noten und war sehr reif. Durch die recht kräftige, tragende Säure dürfte ihm aber noch ein längeres Leben beschieden sein, und die feine, karamellige Süße machte ihn zum durchaus attraktiven Gaumenschmeichler – 90/100. Noch kräftig und sehr schön zu trinken 2000 ein Marques de Riscal Reserva. Den durfte ich 2007 auf René Gabriels großer Spanien-Probe noch mal trinken. Da hatte er wieder eine sehr schöne Nase, war aber am Gaumen völlig nichtssagend und belanglos war, mit Keller- und Altfasstönen – 80/100. Der normale Marques de Riscal hatte 2008 eine dunkelbraune, etwas trübe Farbe, alter Sherry, ein Hauch von malziger Süße, sehr oxidativ und zu allem Überfluss kam der Gemüseton älterer Riojas hier von Gemüse, das 14 Tage vor der Tür gelegen hatte, schade – 72/100. Ein Vina Albina Vieja Reserva von den Bodegas Riojanas war 2012 ein wunderbarer, immer noch voll intakter, fast zeitloser, eleganter Rioja mit viel Schoko, Kaffee und Leder, irre Länge - 93/100.

Durch ihren oxidativen Ausbau gewöhnungsbedürftig aber sehr lagerfähig und höchst interessant die weißen YGAY´s von Marques de Murrietta. Ich habe den YGAY Blanco Reserva Especial das erste Mal 1995 bei Drawert getrunken, kräftige Bernsteinfarbe, wirkte (obwohl 2 Std. vorher dekantiert) in der Nase kräftig und oxidiert, auch am Gaumen eigenwillig, zeigte erst nach 3-4 Stunden(!) im Glas Süße, Crême Brulée und war dann gut für 90+/100. 1997 dann bei Stefan Molls fast gülden, stark oxidative Nase, brauchte irrsinnig lange ,nachdem er zu Anfang wie ein umgekippter Burgunder schmeckte und roch, entwickelte er sehr komplexe Geschmacksnuancen, bekam gebrannt-nussige, karamellige Töne wie die Oberschicht von Crême Brulée. Zuletzt 2000 auf meiner Raritätenprobe kräftiges Goldgelb, wirkte zu Anfang furztrocken und leicht gezehrt, entwickelte sich, wurde reicher, zum Schluss der absolute Star des Weißwein-Flights. Ich gebe dem Wein noch locker 20 Jahre Lebenserwartung. 2007 kräftige, schon etwas ins güldene gehende Farbe, sehr facettenreiche, sich ständig wandelnde Nase, wird süßer, immer cremiger mit Orangenschalen und viel Karamell, am Gaumen firztrocken mit kräftiger Säure. Ein großer, eigenständiger Wein, dessen Entwicklung man ohne Probleme einen ganzen Abend im Glas nachverfolgen kann – 95/100. Kam zuletzt 2010 erst reif und oxidativ ins Glas und entwickelte sich immer besser. Ein Wein mit noch viel Potential, der 2-3 Stunden vorher dekantiert gehört.

Vor über 10 Jahren konnte ich preiswert 2 Flaschen Ungarischer Tokayer Superior naturrein von der Grenzkellerei Brüder Buchner erwerben, ein absoluter Volltreffer. Sowohl 1995 als auch 2000 zu meinem 50. gab dieser Wein einen hervorragenden Aperitif ab, halbtrocken mit dezenter, feiner Süße, langem Abgang, einfach zeitlos schön. Dunkel 2010 die Farbe einer Tokaji Aszu Eszencia, aber das täuschte. Immer noch so unglaublich jung war dieses gewaltige, für die Ewigkeit gemachte Konzentrat, süße, pflaumige Frucht, auch am Gaumen süße, sehr druckvolle Fülle, würde einer Wiener K&K Zuckerbäckerei als perfektes Aushängeschild gereichen – 96+/100.

Ein Cap Coronel Gran Vino aus Chile war 2010 speckig, rauchig, Kraft und Fülle, gute Säure, gewaltige Struktur, aber auch Eleganz und Harmonie, immer noch so jung mit reichlich Reserven, geht blind als großer Rhone-Wein durch – 95/100.

Faszinierend 2007 Malaga Moscatel Extra Solera von Larios. Der roch exakt wie die Soße meines Lieblings Dessert Crêpes Suzette und war auch am Gaumen süß und einfach lecker – 92/100. Zuletzt 2009 intensive, aber nicht aufdringliche Süße, gut abgepuffert durch die kräftige Säure, sehr fein wirkend, Orangenschalen, getrocknete Kräuter, Weihnachtsgewürz, eigentlich für sich bereits ein vollwertiges Dessert - 92/100.

Große Champagnerernte zwar, aber kleine Weine. Da dürfte sich heute kaum noch etwas Trinkbares finden lassen.

Für große Ports war 1950 nicht gerade berühmt. Trotzdem habe ich 1997 einen schönen Croft getrunken, großer, reifer Port ohne etwas spritiges, himbeerfarben, sehr lecker und in guten Flaschen sicher noch eine Weile haltbar. Auch den 1995 getrunkenen Warre´s mit wunderschönem Altrosa, intensiv, dezenter Süße, noch viel Leben, würde ich jederzeit nachkaufen.