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1953

Sehr schönes Bordeaux-Jahr mit frühreifen, charmanten, finessigen Weinen, die schon in den 50ern viel Spaß machten. Nach einem warmen, sonnigen Sommer gab es zwar Mitte September reichlich Regen, doch konnte dann im Oktober eine große Ernte reifer Trauben eingebracht werden. Wer als Bordeaux-Liebhaber an den 53ern Spaß haben möchte, der muss sich beeilen. Viele Weine sind inzwischen leider deutlich auf dem Abstieg.

Grausam war 1994 Calon Ségur aus der Magnum. Ganz anders 2008, ein schöner, spannender Wein mit leicht medizinaler Nase, bei dem keinerlei Eile geboten ist – 91/100. Cos d´Estournel war 2006 auf der großen Cos-Probe dicht und kräftig, zeigte aber auch die tänzerische Eleganz des Jahrgangs und wirkte dadurch kraftvoll und filigran zugleich. Schöne Süße und sehr nachhaltig am Gaumen – 95/100. 2007 auf der großen St. Estephe-Probe trinkbar mit dezenter Süße, aber der deutlich älteste des Flights mit sehr reifer, trüber Farbe – 87/100. Ein wunderbarer, eleganter, altersfreier Schmeichler 1996 mit fruchtiger Nase, noch so frisch am Gaumen, voll intakt mit erster Süße, aber sicher auch noch längerer Zukunft – WT96. Montrose hatte 2007 eine bräunlich-trübe Farbe, eine malzig-süße Nase, war am Gaumen absolut reif, aber mit schöner Fülle und Süße, sehr gut trinkbar – 90/100.

Der elegante Batailley war 2013 in einer deutschen Erdmann & Köhler Abfüllung ein sehr stimmiger, immer noch frisch wirkender Wein mit erstaunlicher Frucht – 92/100. Immer noch sehr lecker 2003 , wenn auch etwas fragil, abernoch längst nicht am Ende Grand Puy Lacoste – 90/100. Deutlich besser und kräftiger mit immer noch sehr guter Frucht 2008 – 94/100. Ende 2008 dann noch einmal in einer Händlerabfüllung, seidige Textur, weich, elegant, sehr finessig mit einer trüffeligen Aromatik, mit Lakritz und Schwarztee. Hielt sich perfekt im Glas – 92/100. Lafite Rothschild war 2006 Lafite in Perfektion, lediglich die Nase war etwas verhalten. Am Gaumen dekadente, üppige Reife, der Wein war geradezu mollig mit etwas malziger Süße, aber dabei immer noch elegant und sehr lang, voll auf dem Höhepunkt, so seidig und finessig - 100/100. 2011 auf René Gabriels großer Lafite-Probe aus der Magnum ein sehr komplexer, dichter, großer Wein, immer noch so jung, minzig, viel Zedernholz, rote Früchte, druckvoll am Gaumen mit leicht malziger, generöser Süße, reif, aber trotzdem altersfrei, sehr elegant und im besten Sinne burgundisch, sehr nahe an der Perfektion – 98/100. 2016 bis auf die schwierige Nase sehr stimmig und elegant – WT97. Große Flaschen-Variationenen bei Latour, deshalb mit großer Vorsicht zu genießen. 1990 eine sehr überzeugende halbe Flasche bei Jörg Müller, druckvoll, aromatisch und lang – 96/100. 1995 bei Drawert dichte Farbe ohne Alter, trotz schlechter Füllmenge Kraft, Länge, Finesse. Noch lange nicht am Ende - 93/100. 1995 bei Krählings-Latour-Probe aus der Magnum: nicht mein Fall, Säure noch da, Rückrat nicht mehr – 85/100. 1998 schön mit stahliger Frucht, aber beileibe nicht groß – 87/100. 1999 auf einer Best Bottle dann meine bisher beste Flasche, sehr reife Farbe, etwas über Höhepunkt hinaus aber wunderschön - 94/100. Ein sensationeller Stoff mit kräftiger Farbe ohne Alter war 1997 Lynch Bages in einer belgischen Tienpoint-Abfüllung, schöne Nase, am Gaumen voll mit beachtlicher Länge, perfekt gereifter Top-Bordeaux, der es in diesem Zustand noch länger macht – 95/100. 2008 als Chateau-Abfüllung aus der Magnum, in der Nase waren erste Anklänge von Liebstöckel, aber was für ein faszinierender, in der Nase sehr feiner, pikanter Wein mit etwas Minze, der am Gaumen üppigen Schmelz brachte und so etwas wie burgundische Pracht und Fülle, sehr langer, lakritziger Abgang – 96/100. 2014 reif, aber auch kräftig und rustikal in der Anmutung, Trockenfrüchte und etwas Bitterschokolade in der Nase, am Gaumen feine Süße und erstaunliche Eleganz – WT92. Mouton d´Armailhacq war 2010 immer noch recht jung und dicht die Farbe, die Nase zu Anfang mit leichten Alterstönen, aber das gab sich mit der Zeit. Der Wein entwickelte sich sehr schön im Glas, feine Minze, altes Sattelleder, auch etwas Mouton-Bleistift, ein typischer, gut gereifter, eleganter 53er – 90/100. Mouton Rothschild war 1999 auf einer großen Mouton-Probe schon deutlichüber den Zenit, feine Süße, Minze, Tabak, schöne Säure, Kraft, leider gewinnt die Säure mit der Zeit Überhand und der Wein wird insgesamt breiter – 91/100. Deutlich besser dann auf der Mouton-Probe 2004, reif mit sehr reifer bräunlicher Farbe, wunderbare karamellige Süße, toller Stoff, der sich anscheinend in seiner letzte Lebensphase nochmal richtig aufbäumt, ging als ganz großer Rioja durch - 97/100. Ich würde mich da nur noch in Großflaschen rantrauen. 1994 hatte ich auf einer Rodenstock-Probe aus der Imperiale das Gefühl, dass Pichon Comtesse de Lalande trotz feinem Minzton, Finesse und Eleganz den Höhepunkt schon hinter sich hatte – 93/100. Doch weit gefehlt. 1995 eine wunderschöne 1tel ohne Alter – 94/100. 2001 auf einer großen Comtesse Probe traumhaft-eleganter, seidiger Stoff, wie ein großer Cheval Blanc – 96/100. 2008 einfach ein perfekt gereifter, großer Bordeaux. Habe ich noch nie so gut und überzeugend im Glas gehabt. Kein Alter in der dichten, völlig intakten Farbe, Eleganz und Finesse pur, dazu mit irrer Fülle und Länge, pure Seide kleidete den Gaumen aus, währende die 82er Comtesse langsam abbaut, zeigt dieser großartige Wein keinerlei Müdigkeit, ein echtes Monument, das am Tisch ungeteilten Beifall fand – 98/100. Zuletzt 2009 auf der großen Comtesse/Baron-Probe wunderbare Nase mit feiner, schokoladiger Süße und burgundischer Fülle, einfach Comtesse pur, auch am weichen, schmusig-eleganten Gaumen ist und bleibt das wohl noch eine Weile eine perfekt gereifte Traum-Comtesse – 95/100. 2010 dann sehr fein, elegant und finessig mit schöner Süße die Pichon Comtesse de Lalande in einer Nicolas-Händlerabfüllung, die aber nicht an das Niveau der grandiosen Chateauabfüllung heranreicht – 92/100. Zuletzt 2010 aus der Magnum eine Orgie in Seide für Nase und Gaumen, so fein so elegant mit betörendem Schmelz, leichtfüßig, tänzerisch und filigran, und dabei trotzdem mit druckvoller Aromatik, baute enorm im Glas aus und entwickelte eine schöne Süße – 95/100. Völlig hin war dagegen leider 2009 Pichon Baron in einer französischen Händlerabfüllung, Magginase, viel Klebstoff, pilzig, muffig – 72/100. 1988 hatte mich auf Sylt ein kraftvoller Pontet Canet begeistert, doch 10 Jahre später war der Wein schon deutlich auf dem Abstieg.

Voll da, sehr elegant und mit feiner, schmeichlerischer Süße 2013 aus einer halben Flasche Beychevelle in Barrière-Abfüllung - 95/100. Auch 2015 zweimal so elegant, so fein, burgundisch mit feiner, schmeichlerischer Süße – WT95. Ducru Beaucaillou erinnerte 2009 am Ende seines Lebenszyklus in der Aromatik eher an die herbstliche Witterung draußen, an Herbstlaub, Trüffel und Waldpilze. Immer noch feine Süße und schöne Länge am Gaumen, aber auch ein störender, leichter Penicillin-Ton, lebt gefährlich – 90/100. Deutlich besser 2011 in einer R&U Abfüllung, sehr elegant, fein, wunderbar zu trinken und ohne Schwächen, ein perfekt gereifter Ducru – 94/100. Auch 2012 wieder ein sehr feiner, eleganter, pikanter, klassischer Ducru, reif aber ohne Schwächen und Alterstöne – 93/100. Zuletzt 2013 bei Elke Drescher in zwei Varianten. Aus einer Händlerabfüllung wirkte der einerseits etwas überreif, zeigte andererseits eine etwas staubige Eleganz und war recht flach am Gaumen – 88/100. Da legte die zwar ebenfalls reife, aber noch etwas druckvollere Chateauabfüllung deutlich eins drauf – 90/100. Dicht, jung, kräftig mit pfeffriger Cabernet-Aromatik war 2003 Gruaud Larose, ein Riese den es in guten Flaschen und Magnums zu suchen lohnt – 94/100. Aus der Magnum war das 2006 ein faszinierender Wein mit einer traumhaften, süßen Nase, am Gaumen sehr aromatisch und druckvoll mit guter Säure – 95/100. Zuletzt noch eine Traummagnum 2013 bei Elke Drescher, einfach ein Über-Gruaud nahe der Perfektion mit herrlicher Frucht, mit wunderbarem Schmelz, mit toller Struktur und irrer Länge am Gaumen. Das war Premier Cru Niveau und ein einmaliges Erlebnis – 97/100. Gut gelagerte Flaschen wie diese werden noch eine ganze Weile Freude machen. Und noch 2mal so eine Traum-Magnum 2014, absolut stimmig sehr elegant, burgundisch mit tänzerischer Eleganz und unendlicher Länge – WT97. Und gleich 2015 noch einmal so ein noch fast jugendliches Exemplar – WT97. Leoville las Cases hatte 1995 in einer holländischen Robbers & van den Hoogen eine sehr strenge Nase, was den sonst guten Gesamteindruck doch stark trübte – 87/100. Als Chateauabfüllung hingegen war das 2010 Traumstoff, der mich mit seiner schmeichlerischen Eleganz an die großartige Comtesse dieses Jahrgangs erinnerte. So fein, so elegant, fast filigran mit zarter, ins Himbeerige gehender Frucht, einfach betörend und erotisch mit burgundischer Pracht und Fülle – 96/100. Sehr fein, elegant und burgundisch wirkte 1994 ein Leoville Poyferré – 88/100. Wirkte 2008 wie ein älterer Rioja mit malziger Süße und immer mehrKaffee, ist auf dem Abstieg – 89/100. Zuletzt 2009 eine eher etwas welke Eleganz in einer französischen Mähler Besse Abfüllung, erinnerte mit seiner leicht malzigen Süße wider an einen älteren Rioja und befindet sich auf dem unaufhaltsamen Abstieg – 87/100. Talbot dürfte nur noch aus Großflaschen trinkbar sein. 1995 aus der Doppelmagnum, weich, viel Säure, reif – 90/100. Ein Jahr später aus der Imperiale, wunderschön, reif, dezente Süße, voll auf dem Punkt – 93/100. Als 1tel war es in der R&U Abfüllung für die Schaffermahlzeit schon 1993 vorbei, sehr fest sitzender Bröselkorken, matte Farbe, auch sonst schon mit oxidativem Ton, einfach alt , 2.+3.Flasche 1994 etwas besser mit gesünderer Farbe und weniger Alterston, insgesamt aber auf der leichteren Seite – 83/100. Eine Nicolas-Flasche war allerdings 1999 noch voll da, seidig, elegant, blieb lang am Gaumen – 92/100.

Immer noch ein sehr charmanter Schmeichlerischer Wein kann Cantemerle sein. 1996 auf einer Drawert-Probe hatte er eine etwas unsaubere Nase, entwickelte aber am Gaumen eine feine Süße und beachtliche Länge – 90/100. Im Juli 2004 in der Schweiz ein wunderbar gereifter Charmeur, in dieser nicht ganz optimalen Flasche schon leicht über den Höhepunkt hinaus, aber immer noch mit feiner Süße am Gaumen und langem, schönem Abgang – 89/100. Zuletzt 2007brauchte er einfach nur viel Luft und drehte mit der Zeit richtig auf. Reife, süße Johannisbeere, so elegant und nachhaltig, da hätte ich blind auf einen Grand Puy Lacoste getippt. Wurde im Glas immer schöner und länger, da hätte ich gerne noch eine Kiste von – 93/100.

Eine Risikoflasche war 2009 ein Lascombes mit einem Füllstand, der irgendwo zwischen ms und lms lag. Doch dem Wein war das egal. Der präsentierte sich tadellos als weicher, reifer, eleganter Traumstoff, sehr süß, kräuterig, würzig und lang am Gaumen – 93/100. Margaux wirkte 1994 schon sehr reif, generös, süß aber trotzdem fein und elegant, baute im Glas ab – 95/100. Im gleichen Jahr auf der großen Margaux-Probe in Mautern aus der Magnum: helle Farbe, auf dem Punkt, schöne Nase, Gaumenschmeichler, elegant + lang - 94/100. 1998 dann noch eine perfekte 1tel, kaum Alterstöne in der noch relativ dichten Farbe, sehr elegant und finessig, aber auch mit viel Kraft, Eisenfaust im doppelten Samthandschuh, Margaux in Perfektion und in dieser Form sicher noch 10+ Jahre haltbar – 98/100. Totalausfall 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe aus der Magnum mit Farbausfällung. 2009 sehr fein, elegant, mit viel Schmelz und schöner Süße, hell und reif schon die Farbe, die bei diesem Wein früher sprichwörtliche Eisenfaust im Samthandschuh zeigte nicht mehr ganz die gewohnte Kraft, doch blieb der Margaux sehr nachhaltig und lang am Gaumen – 97/100. 2016 aus der Magnum immer noch ein feiner, eleganter Wein, aber die Eisenfaust im Samthandschuh hat schon leichten Rost angesetzt – WT95. Eleganz pur 2016 der Palmer, so seidig mit feiner Süße, endlos lang am Gaumen, burgundisch im besten Sinne – WT97.

Höchst erstaunlich fand ich 1998 auf 2 Proben Poujeaux, geiler Stoff mit toller Süße, Typ schöner Vandermeulen, portig, dicker schokoladenton, steht wunderbar im Glas, hält sicher aber nicht mehr ewig – 95/100.

Haut Bailly war 2009 aus der Magnum überaltert und völlig daneben. Haut Brion war 2000 heller als 55, aber sehr aromatisch, gefällig, süffig – 95/100. 2003 dann kräuteriger, männlicher als La Mission, aber in dieser perfekten Magnum unglaublich groß 99/100. Auf ähnlichem Niveau dann noch mal im Herbst 2004 aus einer perfekten 1tel. Dann 2005 auf Sylt kein Hammerteil, eher etwas schlank, dabei sehr elegant mit viel Finesse und der klassischen Haut Brion Aromatik – 96/100. 2006 auf der Haut Brion Probe sehr reif wirkend, teerig, leicht kräuterig, sehr lang am Gaumen mit feiner, immer stärker werdender, rosiniger Süße, Schmelz und Fülle ohne Ende, wie sie nur große, reife Weine bieten – 96/100. 2009, 2011 und 2013 in einer belgischen Händlerabfüllung in der Nase mit Tabak, Teer und Cigarbox ohne Ende, sehr ätherisch und mit immer mehr Minze und Eukalyptus. Auch am Gaumen baute der Haut Brion enorm aus, kraftvoll mit toller Struktur und ewiger Länge – 98/100. Schlichtweg perfekt 2016 als Chateauabfüllung, eine Orgie aus Tabak, Cigarbox und teeriger Mineralität, ein so unglaublich druckvoller, kompletter Wein, bei dem von der Nase über den Gaumen bis zum langen Abgang einfach alles stimmt – WT100. Macht es in dieser Form sicher noch ein Jahrzehnt und länger. Auch Ende 2016 aus der Magnum perfekt mit reichlich Cigarbox, Teer, ätherischen Noten und Tabak, enorm kräftig und unendlich lang, dabei aber auch elegant und finessig – WT100. Ein paar Tage später 2016 als kleine Version davon, aber ebenfalls wunderschön aus der 1tel – WT97. Und Anfang 2017 die Zwillingsmagnum, wieder klare WT100. Eine der großen Überraschungen war 2007 ein Larrivet Haut Brion in einer französischen Händlerabfüllung. Der hatte eine süchtig machende, leicht animalische Nase mit massig Maulbeeren und Schokolade, dazu viel Tabak, Teer und Zigarrenkiste, Superfarbe ohne Orangentöne, am Gaumen zunächst deutlich kompakter als die geile Nase, kräuterige Würze, baut im Glas zunehmend aus und wird am Gaumen immer länger, entwickelt dabei eine unglaubliche Kraft, noch so verdammt jung, ein Wahnsinnswein – 96/100. Ein klarer 100 Punkte-Wein war La Mission Haut Brion 1998 auf der Krähling-Probe aus der Magnum: kräftige, ziemlich junge Farbe, perfekte Cigarbox-Nase, am Gaumen absolut irre mit viel Gewicht, Komplexität und toller Länge. 2000 dann eine sehr reife 1tel, erstaunlich helle Farbe, sehr aromatisch, toller Wein mit eher femininem Stil, aber in der 1/1 kein langes Leben mehr - 95/100. 2003 eine perfekte Magnum, schmeichlerischer, süßer, hedonistischer als Haut Brion, auf absolutem Top-Niveau noch einen Tick besser - 100/100. 2006 eine schöne 1tel, klassische La Mission Nase mit massig Teer, Cigarbox und Leder, war auch am Gaumen wunderschön und ebenfalls voll auf dem Höhepunkt großer Wein – 98/100. 2009 noch sehr jung in einer belgischen Händlerabfüllung, auch in der Farbe. Aber es war nicht der übliche La Mission-Hammer, eher ein femininer Stil, sehr filigran, fein und elegant, fast luftig mit feiner Süße, das Teerige, die ätherischen Noten und die klassische Cigarbox-Aromatik ließen aber klar den großen Pessac erkennen – 98/100. 2011 Hochrisiko aus einer suboptimalen Flasche mit nur noch low shoulder. Da war kein Wunder zu erwarten, sehr reif, viel Liebstöckel in der Nase, säuerlich und gezehrt der Gaumen, erinnerte nur entfernt an die Klasse, die dieser Wein aus guten Flaschen zeigt. Mit etwas Luft bäumte er sich noch einmal auf, entwickelte eine teerig-lakritzige Aromatik und war zumindest anständig trinkbar – 85/100. 2012 auf René Gabriels großer La Mission Probe dicht und voll intakt mit ersten Reifetönen die Farbe, wunderbar die klassische La Mission Nase, rauchig, Minze, Eukalyptus, Tabak, Teer, Cigarbox, Leder. Betörende Aromatik auch am Gaumen, sehr elegant mit feiner Süße und unendlicher Länge - 98/100. 2014 schwierig die Nase, die deutlich oxidativ wirkte, doch prächtig der Gaumen mit enormer Kraft und betörender Eukalyptussüße, der Gaumen alleine locker WT96. 2017 trüb die Farbe, trüb die Nase, doch das täuschte. Am Gaumen ging bei diesem wein mit süßer, würziger Fülle und großartiger Länge so richtig die Post ab. Baute enorm aus und auch die Nase fing an mitzuspielen – WT96. Pape Clement hatte 2014 eine dichte Farbe, war kräftig, aber auch leicht oxidiert – WT85. 2015 in hervorragendem Zustand, minzig, erstaunlich kräftig mit guter Statur – WT94. Pessac pur 2016 aus einer belgischen Lafite-Abfüllung – WT97. Kaffee pur 2011 der La Tour Haut Brion in einer deutschen R&U Abfüllung, ein Cappucino mit etwas Tabak und drei Stücken Zucker, jung in Farbe und Anmutung, so enorm druckvoll am Gaumen mit guter Tannin- und Säurestruktur, sicher auf La Mission-Niveau – 97/100.

Traumhaft schön und fast altersfrei Ende 2003 Angelus – 92/100. Noch eine Ecke besser, fleischiger 2008 – 94/100. Ich bin immer wieder positiv angetan von der Qualität der alten Angelus. Da lohnt die Suche nach gut erhaltenen Flaschen wirklich. Aus einer weniger guten ms-Fasche war der Angelus 2009 auf hohem Niveau doch leicht gezehrt – 90/100. Einfach sexy war dieser fleischige, dichte, würzige Wein zuletzt 2011, lakritzig, malzig, süß, gefällig, enorm lang am Gaumen mit Kaffeenoten und viel Bitterschokolade – 95/100. Sogar 2012 aus einer ms-Flasche zwar ein deutlicher Alterston in der Nase, aber eine voll intakte, sogar noch brilliante Farbe, weich, seidig, elegant der schöne Gaumen – 90/100. 2014 sehr fein, sehr elegant, Richtung Cheval Blanc gehend, mit feiner Süße am Gaumen – WT96. 2012 ein erstaunlich eleganter, feiner Ausone, eigentlich mehr Cheval als Ausone, nur der aromatische Druck eines großen Cheval fehlte – 92/100. 2016 nach einer etwas eindimensionalen 1tel auf der großen Ausone-Probe (WT90) eine fantastische Magnum auf der Farnsburg. Noch so dicht und so kräftig mit der klassischen Ausone-Aromatik aus Lakritz und Kräutern, dazu etwas Minze, am Gaumen gewaltiger, aromatischer Druck und eine fantastische Länge – WT97. Sehr überzeugend 2008 Canon-la-Gaffelière in einer deutschen Bachmann-Abfüllung. Fein, rund, elegant und auch gereift wirkend – 94/100. Riesengroß auch Cheval Blanc. Schon häufig aus diversen Flaschenformaten und von den unterschiedlichsten Abfüllern mit großer Begeisterung getrunken. 2000 setzte eine halbe Flasche(!) auf den 55er noch mal leicht wieder einen drauf und wirkte insgesamt noch jünger, Cheval Blanc in Perfektion, Wahnsinn – 99/100. 2003 habe ich in einer Probe 3 verschiedene Cheval-Blanc Abfüllungen gegeneinander gestellt. Zu Anfang war Dalamier der größte, doch mit der Zeit kam die Chateaux-Abfüllung immer besser, Vandermeulen die ewige #2 auf sehr hohem Niveau, leicht exotisch wirkend, alle 3 ganz große Weine. 2006 aus der 1/2 Flasche mit nicht perfekter „us“ Füllhöhe, die ich mich nicht traute, zu dekantieren. Also aufgemacht und rein ins Glas. Das brachte uns fast um das große Cheval Blanc Vergnügen. Da kam ein kräftiger, unbändiger Wein mit dichter, junger Farbe ins Glas, außer einem deutlichen Muffton in der Nase verschlossen. Auch am Gaumen sang er nicht. Das änderte sich erst nach einiger Zeit. Der Wein baute unglaublich im Glas aus, entwickelte die klassische, süchtig machende Cheval Blanc Nase, eine feine Süße und eine tolle, druckvolle Aromatik. Aus 88/100 wurden 92/100, dann 95/100, dann 96/100 und dann war das Glas leer. Es wären wohl noch mehr geworden. Der 53er Cheval Blanc ist ein Wahnsinnswein, immer noch mit unglaublichem Potential. Leider 2008 in René Gabriels großer Cheval Probe eine weniger gute Flasche. Sehr oxidativ, ältlich, förmlich nach einem Stock schreiend. Doch am Gaumen spürte man noch die unglaubliche Kraft dieses ehemaligen Riesen, der sich mit einem Wahnsinns-Abgang verabschiedete – 92/100. 2012 bei Elke Drescher aus einer Händlerabfüllung, sehr feinduftig, sehr elegant, geradezu spielerisch mit feiner, rotbeeriger Frucht, Himbeere, rote Johannisbeere, auch am Gaumen Eleganz pur mit guter Säure – 96/100. Noch darüber 2012 aus einer halben Flasche, so dicht, so jung, so kräftig und doch so unglaublich elegant, pure Seide für den Gaumen, Cheval Blanc par Excellence – 97+(!)/100. Und 2012 aus einer Vandermeulen-Abfüllung sehr fein, elegant und finessig mit wunderbarer, Cheval-typischer Nase und feinem seidigen Schmelz am Gaumen – 97/100. Voll da 2013 und auf dem Punkt in einer belgischen Händlerabfüllung, Traumnase und seidige Eleganz gepaart mit feiner Süße am Gaumen – WT98. 2014 an Eleganz und Stimmigkeit nicht zu überbieten, einfach wieder großer, reifer Cheval Blanc, Cashmere für Gaumen und Seele – WT100. 2017 leider eine oxidierte Magnum. Immer noch sehr jung und kräftig, nicht nur in der Farbe, wirkte 2011 der Chapelle de la Trinité aus St. Emilion, viel Säure, aber auch feine Süße – 92/100. Cormey-Figeac hatte 2004 in einer deutschen Bachmann-Abfüllung eine üppige, dichte Nase mit Karamell, Mokka, leichtem Stinker, am Gaumen reif, rund, gefällig, etwas Schokolade - konservative(!) 96/100. Wie eine Eins stand 2016 der Figeac in einer deutschen R&U Abfüllung im Glas. Er präsentierte sich als großer, kompletter Bordeaux mit Kraft, Fülle, Spannung und irrer Länge – WT96. Nicht so prickelnd waren 2004 die Aromen des Gaffelière-Naudes. Sauerkraut, Kartoffeln, Petroleum, etwas over the hill, aber trotzdem zu Anfang irre aromatische Dichte mit leicht malziger Süße. Wurde zu Anfang am Tisch kontrovers beurteilt. Das erübrigte sich aber bald, denn er brach rasch zusammen und wurde säuerlich – 81/100. Wohl nur eine schlechte Flasche, denn 2008 trotz nur ‚ms’ hatte der nicht nur das klassische Cheval Blanc Parfüm in der Nase. Auch am Gaumen präsentierte er sich wieder mit wunderbarer Süße, Finesse und Eleganz als schlaue Alternative zum teuren Cheval – 95/100. Zeigte sich auch 2016 ausgesprochen fein und elegant in der Stilistik eines Cheval Blanc mit feinem, süßem Schmelz – WT95. Grand Barrail-Lamarzelle-Figeac hatte 2007 für das Alter hatte der immer noch eine Superfarbe, viel Kraft und Länge am Gaumen. Stilistisch eher Medoc als St. Emilion mit wenig Schmelz – 89/100. Pavie Macquin aus einer deutschen Bachmann Abfüllung kam 2014 als dunkelfarbiger, fast etwas verschlossener Brocken ins Glas und wurde im Glas immer feiner, eleganter und auch fruchtiger, intensive Mineralität und eine kräftige Säure, die dem Wein Frische verlieh – WT95. Soutard hatte 1995 eine helle Farbe, wirkte dünn und längst über Höhepunkt weg – 83/100. Troplong Mondot. hatte 2007 keinen Alterston. In der Nase ein riesengroßer Früchtekorb und auch am Gaumen pralle, süße Frucht. Da sind viele 80er alt gegen. Am Gaumen noch so jung und frisch und mit betörender Finesse, baute wunderbar aus und hat sicher noch eine lange Zukunft – 95/100. Trottevielle hatte 1998 eine sensationelle Nase mit Kaffee- und Mokkatönen, sehr frisch, viel Säure, toller Stoff – 93/100. Auch die Zwillingsflasche war 2004 ein toller Wein mit schöner Frucht und guter Struktur, kräftige Säure - 89/100. Unglaublich gut zuletzt 2008, einfach ein kompletter, schöner Wein in totaler Harmonie, reif, gute Struktur, immer noch fruchtig, sehr feingliedrig und schöne Länge, bot perfekten Trinkfluss – 95/100.

Clinet war 1996 ein weicher, eher burgundischer Schmeichler, noch längst nicht am Ende – 88/100. Einfach Klasse sind aus Pomerol die diversen „Kirchen“. Clos l´Eglise hatte Weihnachten 1997 in einer belgischen Hanapier-Abfüllung eine sensationelle Farbe, tolle Nase und war unglaublich voll und lang am Gaumen mit weichen Tanninen, nicht zu kräftiger, aber tragender Säure. Gemacht für 10-15 weitere Jahre, nahe an 100 Punkten. Domaine de l´Eglise in einer Segnitz-Abfüllung. war 1997 perfekt gereift, elegant, seidig, zeitlos schön – 94/100. Zweimal, 1997 und 2002, überzeugte auch L´Eglise Clinet(hieß damals noch Clos de l´Eglise Clinet), ebenfalls in einer Segnitz-Abfüllung. Junge, dichte Farbe, brauchte viel Luft und kam dann wunderschön, immer noch deutliche Tannine, noch viel Potential – 95/100. 2003 habe ich dann in einer Raritätenprobe noch mal alle „Kirchen“ zusammen mit Lafleur in einen Flight gepackt. Ein Super-Pomerolflight, in dem keiner der Kandidaten Schwächen zeigte, und die Favoritenrolle mit der Entwicklung im Glas hin und her ging. Unter 95/100 und immer noch beachtlicheLebenserwartung war da keiner. L´Evangile war Ende 2004 in einer Schaffermahlzeit-Abfüllung von R&U sehr kräftig mit dichter Farbe, deutlich jünger wirkend, nur die Finesse und Opulenz anderer großer Evangiles geht im etwas ab - 92/100. Deutlich besser 2008 die Zwillingsflasche, sehr dichte Farbe ohne erkennbares Alter, explosive Nase, sehr würzig, mit frisch gebackenem, warmem Brot, Schokolade und einer guten Portion Lakritz, irre Kraft am Gaumen und sehr lang, gute Säurestruktur, wird im Glas immer süßer – 97/100. Zuletzt 2012 zeitlose Eleganz, so fein und finessig, so elegant mit süßem Schmelz, burgundische Pravcht und Fülle – 97/100. Zeitlos schön 1998 ein La Fleur Petrus – 90/100. Ein sehr feiner, schmelziger, schokoladiger Wein war 2008 Gazin in einer deutschen Abfüllung des Hauses von Kapf - 93/100. Lafleur habe ich mehrfach zwischen 1996 und 2003 getrunken, toller Stoff mit viel Kraft und Superfarbe, dazu die typische etwas kräuterige Art von Lafleur, noch viel Zukunft – 95/100. Ohne den fürchterlichen Korkfehler wäre auch die zuletzt auf der Lafleur Best Bottle 2009 getrunkene Flasche mit ihrer dichten Farbe auf diesem Niveau gewesen. Eigentlich wäre Latour-à-Pomerol mit seiner dichten Farbe, seiner Kraft, Dichte, Süße, opulenten Fülle und gewaltigen Länge 2013 einer der Weine der Probe gewesen. Aber leider verdarb ein leichter Kork bei diesem, aus perfekten Flaschen wohl unsterblichen Riesen das Gesamtbild. Dafür die Zwillingsflasche ein paar Wochen später, so extrem süß, wie frisch aus dem Candystore, weich, aber ohne Alter, massig kandierte Kräuter und süße Lakritzstangen, ein dekadent leckeres, vollreifes Mörderteil, dem nur die leicht oxidative Note die Maximalwertung verdirbt – 98/100. Nenin war 2004 ein reifer Klasse-Merlot, tolle Nase, Pferdestall, großer Wein, ein bekannter Winzer hat 2(!) Tage später noch mit Genuß das Depot verzehrt - 95/100. In einer deutschen R&U Abfüllung hatte er 2016 eine leicht balsamische Nase, war am Gaumen reif, aber durchaus noch kraftvoll mit Kaffeenoten und immer noch guter Säurestruktur. Baute trotzdem mit der Zeit im Glas ab, statt Schoko gab es dann immer mehr Maggi – WT92 für die ersten Schlucke. Pomerol vom Allerfeinsten war dann 2005 auf René Gabriels großer Probe Petrus. Noch so jung mit irrem aromatischem Druck am Gaumen. In der Nase feine, leicht exotische Süße mit Kokos, erinnerte mich an die besten, bisher vom 61er getrunkenen Flaschen – 100/100. Bedenken hatte ich erst 2010 bei einer halben Petrus in einer englischen Abfüllung von John Avery. Verdammt reif war schon die Farbe mit deutlichen Brauntönen, reif auch die rosinige Nase mit deutlich Liebstöckel, und auch am Gaumen war dieser Wein nicht mehr der Jüngste. Doch machten wir diesmal nicht denselben Fehler, wie bei der Zwillingsflasche vor 3 Jahren. Diesmal ließen wir ihn einfach eine Weile stehen. Enorm, wie der Wein sich mit Zeit und Luft entwickelte, und in Glas und Karaffe den Turbo einschaltete. Aus dem vermeintlichen Greis wurde zwar kein jugendlicher Liebhaber, aber ein großer, reifer Pomerol, samtig, weich, sehr gefällig mit malziger Süße, schokoladiger Opulenz und sehr hohem Spaßfaktor – 95/100. La Pointe in einer Bremer Bachmann-Abfüllung 2007 mit kräftiger Farbe und deutlich jünger wirkend. Ein üppiger Bilderbuch-Pomerol mit hohem Spaßfaktor. Da waren reichlich Süße, Opulenz, Kaffee- und Mokka im Überfluss, sehr intensiv und voll am Gaumen – 93/100. Ein Riese 2005 auf der Vieux-Probe Vieux Certan. Reif, aber immer noch mit sehr dichter Farbe, traumhafte Aromatik, entwickelte feine Minze, die an Lynch Bages und alte Kalifornier erinnerte – 97/100. 2011 auf Uwe Bendes Vieux Probe der Wein des Abends, der selbst auf den 55er noch eins drauf setzte. Was für eine geile Lindt-Schokonase mit einem Hauch Minze, am Gaumen Fülle, Schmelz, Seide, aromatischer Druck und ewige Länge, ein großer, kompletter Pomerol – 98/100. 2012 bei Elke Drescher nicht ganz auf diesem Niveau – 95/100. 2014 etwas über den Höhepunkt, aber bei aller Reife sehr weich, schmelzig und einfach „lecker“ – WT94. Aus einer weiteren Flasche 2014 Sehr kräftig mit gewaltigem Druck am Gaumen und feiner Süße – WT95. 2016 zweimal sehr fein, elegant und stimmig, die wunderbare Mischung aus Bitterschokolade und Minze machte in zu einer Art After Eight für Erwachsene – WT96.

Die trockenen, weißen Bordeaux haben sich inzwischen längst weitgehend verabschiedet, mit Ausnahme des Langstreckenläufers Haut Brion Blanc. Der hatte 2006 auf René Gabriels Haut Brion Probe aus der Magnum eine reife, güldene Farbe, in der Nase eine faszinierende Mischung aus Madeira und Crême Brulée, am Gaumen kräftige Säure, aber auch eine feine Süße und immer stärker werdende Rosinentöne, dabei insgesamt sehr geschmeidig wirkend mit toller Länge am Gaumen – 92/100. Große Überraschung dann 2007 ein Olivier Blanc. Dunkle, gereifte Farbe, aber am Gaumen sehr elegant, druckvoll, ein großer, balancierter Stoff, der in seiner leicht bitteren, nussigen Aromatik auch als ein hypothetischer, weißer Latour durchgehen könnte – 94/100. In einer ganz anderen Abteilung landeten wir 2007 mit Pavillon Blanc. Dieser auch schon sehr reife Wein mit seiner, ins Güldene gehende Farbe roch verdammt nach Haushaltsreinigern und ging auch am Gaumen in diese Richtung, sehr gewöhnungsbedürftig – 81/100.

Gut gelungen sind in 1953 auch die Sauternes. Leider bisher nicht verkostet.

Auch in Burgund wurden sehr charmante, schnell reifende Weine produziert. Aber für Burgund gelten solche Aussagen nur bedingt. Irgendwo findet sich immer noch etwas Trinkbares. Meine persönlichen Erfahrungen mit 1953 sind durchweg positiv. Bei gut gelagerten Weinen greife ich immer noch zu.

Ein Nuits St. Georges in einer deutschen Bachmann Abfüllung überraschte gleich zweimal, 2014 mit Coravin abgezapft und dann ein Jahr später aus dieser Flasche mit gezogenem Korken. Null Oxidation, sensationeller Zustand. Ein riesengroßer, komplexer Burgunder mit generöser Süße, locker WT96. Sehr erstaunlich 2014 ein Gevrey Chambertin von Thomas Bassot aus einer Risikoflasche mit 8,5cm Schwund. Der war noch so kräftig und dicht mit wunderbarem Schmelz und Länge – WT94. Gevrey Chambertin von Bouchard war 2013 ein noch sehr vitaler, kräftiger Burgunder mit feinem, süßem Schmelz am Gaumen, Trinkspaß pur – 93/100. Anstrengend 2012 die Nase des Musigny von Calvet, anstrengend auch der Gaumen, nein, der war es nicht – 80/100. Grandios im Herbst 2005 ein Corton von Champy Père & Fils. Passte wunderbar in die vorweihnachtliche Zeit, das große Lebkuchenhaus, das man da in der Nase hatte. Ein perfekt gereifter Burgunder, bei dem sicher auch jeder Bordeauxtrinker schwach würde, mit feinem Schmelz und toller Länge am Gaumen – 94/100. Sensationell gut 2009 ein Monthélie von Chevillot, perfekte Statur, dicht, immer noch mit guter Frucht und praktisch altersfrei, nahm den gesamten Gaumen in Beschlag und ging als locker 30 Jahre jüngerer Wein durch – 97/100. Ein Volnay in einer Cruse Abfüllung war 2014 sehr fein und elegant mit süßem Schmelz, burgundische Fülle und schöne Länge – WT93. Sehr gut kann Corton von Doudet-Naudin sein. 1995 auf einer Drawert-Probe sehr helle, bräunliche Farbe, Magginase, viel Säure, Kraft, Mokka, Röstaromen, süffig – 93/100. 1998 ebenda sehr dichte, junge Farbe ohne Alter, noch wunderschöne Frucht, richtig beerig, in dieser Form ein absoluter Riese mit noch 20+ Jahren – 95/100. 2017 meine bisher mit Abstand beste Flasche. Noch so jung wirkend die Farbe, schöne Frucht, generöse Süße, Kraft und Länge, reif, aber in dieser Form sicher noch mit etlichen Jahren Zukunft – WT97. Der Volnay von Doudet-Naudin hatte 1996 eine wuchtige Powerfarbe, mit der die unsaubere, muffige Nase nicht mithielt, etwas flach und unsauber im Abgang – 87/100. Sehr fein und reif mit schöner Süße 2013 der Corton Cuvée Charlotte Dumay vom Hospice de Beaune in einer Abfüllung von Thorin – WT94. Sehr vitel und kräftig 2015 der Corton Pougets von Louis Latour – WT96. Ein schon vom Bouquet her betörender Traumburgunder war 2011 ein einfacher Pommard von Mommessin, schmelzig, süß und generös am Gaumen, weich und reif, aber immer noch mit gutem Rückrat – 94/100. Der Chambertin von Morin hatte 2014 eine dunkle Farbe, in der Nase und am Gaumen schon verdammt gezehrt – WT91. Der Étoile d´Or von Morin hatte 2013 eine voll intakte Farbe, erstaunlich kräftig und nachhaltig, baute enorm im Glas aus, viel Kaffee und Mokka, generöse Süße im Abgang, ein faszinierender Charakterwein – 92/100. Nichts zu meckern gab es beim rotbeerigen, kräuterwürzigen, leicht wilden Nuits Thorey von Morin mit reichlich Kraft und Fülle, aber auch animalischen Noten, hätte durchaus ein großer Wein von der Rhone sein können, oder war er das auch? – WT95. Ein Gevrey Chambertin von Reine Pedauque brachte 2010 der Nase die große Toffee-Mischung mit Karamell, Schokolade und Milchkaffee, auch am Gaumen schöne Süße, dabei immer noch recht kraftvoll mit guter Länge – 93/100. Von der Farbe her war 2011 der Chambolle Musigny in einer deutschen R&U-Abfüllung schon mausetot, dafür aber am Gaumen noch quicklebendig und gut trinkbar – 88/100. Als Halbe(!) 2012 einen süßer, schmelziger, dichter Traumburgunder mit toller Länge – 94/100. Ein Volnay von R&U, abgefüllt für die Bremer Eiswette, hatte aus einer ebenfalls nicht optimalen Flasche(5cm) in der Nase einen deutlichen Alterston. Der kräftige Gaumen dagegen passte mit viel Kaffee, eingelegten Pflaumen und etwas Balsamico deutlich besser zur dichten, voll intakten Farbe. Baute im Glas aus und entwickelte mit mehr Temperatur eine feine Süße – 90/100. Sehr fein, weich und elegant 2012 der Pommard von Vedrenne-Orluc mit feiner Süße – 93/100.

Dreimal habe ich den weißen Savigny les Beaunes Redrescul von Doudet-Naudin getrunken. Zuletzt 1998, cognacfarben, furztrocken, geile Karamellnase, als ob da jemand Storck´s Riesen ausgepreßt hätte, wirkte deutlich jünger – 85/100. Immerhin trinkbar, wenn auch ohne große Freude, war 2010 ein besser Chassagne Montrachet von Bouchard mit viel Säure und wenig Charme – 81/100.

An der Rhone gilt der Jahrgang im Norden als sehr gut, etwas schlechter im Süden.

Voll da hingegen mit intakter Farbe und sicher noch Potential für 15 weitere Jahre 2010 ein Chateauneuf-du-Pape von Barrière, malzig, süß, würzig mit burgundischer Fülle – 93/100. Mehr hätte ich mir im Vergleich 2010 vom Chateauneuf-du-Pape Clos des Papes versprochen. Der war reif, schon sehr weit entwickelt, weich, aber auch ziemlich harmlos – 89/100. Unglaublich gut 2011 ein namenloser Chateauneuf-du-Pape als nicht näher identifizierbare Händlerabfüllung. Wirkte Jahrzehnte jünger, nicht nur in der Farbe, soviel Süße, Fülle und ein unglaublich langer Abgang, ganz große Klasse – 97/100. Tiefdunkel 2014 die dichte Farbe des enorm kräftigen, rustikal auftretenden Chateauneuf du Pape Tourville in einer deutschen Abfüllung von Erdmann&Köhler mit teeriger Mineralität, aber auch feiner Süße – WT93. 

Kraftvoll, jung und nachhaltig 2013 der Imperial Gran Reserva von CVNE – WT96. Ohne Glück läuft beim Vega Sicilia Unico nichts. Bei Rodenstocks Arlbergprobe 1994 war der Wein oxidativ, Medizinalnase, kein Genuss. 2000 und 2001 dann zwei grandiose Flaschen, bei denen allerdings die massive Säure nachdenklich machte. Auf der großen Vega-Probe 2001 war dann die erste Flasche sauer, die 2. trinkbar auf sehr niedrigem Niveau, beide wurden mit der Zeit im Glas etwas besser, aber Freude kam keine auf. Auch zuletzt 2008 auf einer Best Bottle war das eher ein Wein für Essig-Fans.

Erfolgreiches Weinjahr auch in Deutschland. Von der Beerenauslese an aufwärts lassen sich dort noch reichlich Entdeckungen machen.

Eine Aßmannshäuser Höllenberg Rot/Weiß Spätburgunder Edelbeerenauslese von der Staatsdomäne Assmannshausen hatte 1995 eine „trockene“ Nase, wirkte ausgezehrt, bitter und streng im Abgang – 83/100. Bei einer ergrauten Rauenthaler Baiken Spätlese stimmte nur noch die feine, süße, karamellige Nase, am Gaumen war der Wein ziemlich gezehrt und platt – 82/100.Ganz groß war 1988 eine Schloß Vollrads TBA. Sehr schön gereift und ausgewogen war 1995 eine Steinberger Riesling EBA von den Staatsweingütern – 93/100. Ein spontan vergorener Gräfenberg Cabinet von Weil war zwar damals mit 13g Restzucker stehen geblieben und damit „off dry“, wirkte aber 2016 absolut trocken. Tiefes, brilliantes Goldgelb, traumhafte Balance aus Frucht, immer noch guter Säure und Mineralität, so lang und immer noch frisch am Gaumen, geizige WT96.

Die Deidesheimer Hohenmorgen Riesling Auslese von Bassermann Jordan hatte 2011 Kaffee in der Nase, Toffee und Wrigley´s Spearmint, am Gaumen zunächst eher halbtrocken mit guter Säure, aber keinesfalls alt, wurde mit der Zeit in der Anmutung immer süßer und karamelliger mit feiner Bitternote im Abgang – 90/100.

Aus dem großen Champagnerjahr 1953 habe ich bisher erst einen Wein verkosten dürfen.

Perriet Jouet hatte 2003 eine Farbe wie Hustensaft, wirkte, obwohl alle anderen Flaschen deutlich älter waren, als der "älteste" des Flights, erste Sherry Töne – 82/100.