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1961

Ein großes Weinjahr, insbesondere in Bordeaux. Von keinem der älteren Jahre habe ich soviel Notizen. Grandiose Weine wurden 1961 erzeugt, aber leider auch einiges an Mist. Was mich 1961 am meisten stört, sind die Flaschenvariationen. Das ist mehr als ärgerlich, muss man doch bei aller Sorgfalt beim Weinkauf auch noch Glück haben.

Ein Beau-Site aus der Magnum zeigte sich 2014 durchaus respektabel, sehr kräftig mit gutem Rückrat, nachhaltig und mit sehr süßer Frucht – WT87. Nie richtig anfreunden konnte ich mich mit Calon Ségur. 1994 am Arlberg war er einfach nur kurz und grün – 82/100. Kaum besser 1995 und 96, immer rustikal und säurelastig. 1997 dann plötzlich eine deutlich zugänglichere Flasche bei Drawert. Aber das war wohl eher ein positiver Ausreißer. Zuletzt 2005 war die Farbe das einzig attraktive, sonst ist der Wein ungenerös, dürr, wirkt eckig und hölzern, erste Liebstöckel-Töne in der Nase zeigen, dass es in der 1tel wohl nur noch abwärts geht - 84/100. 2007 ein feiner, ausgeglichener Wein ohne Höhepunkte – 88/100. Da hatte eine Magnum am Vorabend noch deutlich mehr gezeigt. Auch hier zwar helle Farbe, heller als 45, aber sehr elegant und fein mit leicht zitroniger Säurenote im Abgang, ein perfekt gereifter, großartiger 61er, in der Magnum voll auf dem Punkt – 94/100. Zuletzt 2011 aus der 1tel reif, wunderbar balanciert mit feiner Süße – 92/100. Cos d´Estournel habe ich zuerst 1994 in einer Calvet-Abfüllung getrunken. Damals riß er mich nicht vom Hocker, furztrocken wirkend, etwas ausgedörrt mit wenig Frucht – 88/100. Vielleicht war es aber auch noch zu früh für diesen augenscheinlichen Spätentwickler. Auch meine erste Ginestet-Flasche 1996 hatte wenig Frucht, viel Kraft, erdig, etwas eckig, wurde im Glas nicht schöner – 90/100. Deutlich reifer dann 2001 auf einer Probe, reife Farbe mit deutlichem Orangenrand, perfekt gereift, Zedernholz, malzige Süße - 92/100. 2002 dann meine bisher schönste Flasche, bei der der Wein über lange Zeit wunderbar im Glas ausbaute – 93/100. Das war aber wohl ein positiver Ausreißer. 2006 auf der großen Cos-Probe war er von eher etwas mäßiger Qualität, schöne Nase zwar, elegant mit pflaumiger Frucht und Zedernholz. Da kam der Gaumen nicht mit. Gefällig zwar, weich mit feiner Süße, aber für 1961 doch eher enttäuschend – 91/100. 2007 medizinal und nicht aufregend – 87/100. 2009 dann meine bisher schönste Flasche, ein traumhaft dichter, immer noch recht jugendlich wirkender, minziger Stoff mit sehr druckvoller Aromatik und endlosem Abgang – 96/100. Konnte auch 2013 wieder mit Kraft, Süße und Länge überzeugen – WT95. Gleich dreimal 2016 kurz hintereinander aus zwei 1teln und einer Halben fein, weich, reif mit wunderbarem Schmelz auf WT95 Niveau. Nicht klar kam ich 2011 zu Anfang mit dem ungenerösen, säurelastigen Meyney, doch als ich ihn gerade abschreiben wollte, gab der sich noch mal einen Ruck, baute aus, wurde süßer und deutlich schöner – 87/100. Ob bei Montrose noch mal ein Wunder passiert? 1990 hatte ich davon eine traumhaft schöne halbe Flasche in einem kleinen Restaurant in der Ortschaft Margaux getrunken, damals ein am Gaumen kaum endender Traum und mindestens ein Zwischenhoch, wenn nicht das einzige, das dieser Wein je erreicht, euphorisch gaben wir 95/100. Alle anderen Flaschen danach waren so, wie man sich klassische Montrose vorstellt, konzentriert ja, aber eckig, ungenerös, sperrig, harsche Tannine. Über 89/100 bin ich bei 5 weiteren Gelegenheiten nicht mehr hinausgekommen. Zuletzt präsentierte er sich 2006 auch aus der Magnum so, wie ich ihn leider nur kenne, einfach anstrengend. Ein sehr kraftvolles, rustikales, immer noch unfertig wirkendes Monstrum, das von massiver Säure dominiert wird. Da hilft auch die ganz dezente Süße kaum. Einfach noch mal 20 Jahre weglegen und auf ein Wunder hoffen – 89/100. Auch 2007 auf der großen St. Estephe-Probe hatte er in der medizinalen, von Jod dominierten Nase zwar auch eine feine Süße, war am Gaumen aber sehr kurz – 86/100. 2010 hatte er aus der Magnum eine irritierende Sauerkrautnase, am Gaumen war dieser sehr dichte Wein mit schöner Süße eine Klasse besser. Dichte Farbe und massig Depot zeigen, dass hier noch reichlich Zukunft angesagt ist – 92+/100. Aber aus der halben Barrière-Flasche, von denen der Uwe Bende 2013 zwei zusammen schüttete, war das ein genialer, reifer Montrose, sicher auf 95/100 Niveau. 2015, ebenfalls aus einer ½ Barrière, altersfrei die junge Farbe , noch sehr tanninbetont, fast etwas bissig, brauchte Luft ohne Ende und ist in der Form ein Wein für gut 2-3 weitere Jahrzehnte – WT93+. 2015 dann endlich eine erstaunlich zugängliche Magnum, geradezu weich und generös sowohl in der Nase als auch am Gaumen, die durchaus präsenten Tannine und die kräftige Säure wie in Watte gepackt – WT95. Die Zwillingsmagnum 2016 etwas offener, gefälliger, süßer WT97. Leicht pilzig 2011 die Nase des de Pez, viel Säure am Gaumen, aber trotzdem ein ausgewogener, gut trinkbarer Wein – 88/100. Phélan Ségur hatte 1988 eine schöne Nase, war aber durch die präsenten Tannine kurz und bitter im Abgang – 85/100. 2014 intakt die Farbe, auf hohem Niveau etwas freudlos und metallisch wirkend, machte sich deutlich besser zum Essen – WT88.

Sehr gut kann Batailley sein. Meine erste Flasche 1993 ging runter wie Butter, rund, lang und saftig – 95/100. 1995 dann eine Flasche mit sensationeller Nase, die aber am Gaumen nichts brachte – 88/100. 1997 bei Drawert schon sehr reif mit wunderschöner Süße – 93/100. 2012 im Marli so jung, so kräftig mit herrlicher Frucht und einer Traumfarbe, nur hatte er leider Kork. Sonst wäre das sicher ein noch sehr langlebiger Wein auf 94/100 Niveau.. Ein rustikaler, kleinerer, aber sehr schön zu trinkender Wein war 1993 und 1994 jeweils aus der Magnum Croizet Bages – 89/100. Enttäuscht war ich 1997 von Grand Puy Lacoste, der sich schon auf dem Abstieg befand und oxidativ wirkte, nicht die Klasse heutiger GPL´s – 86/100. Haut Batailley hatte 2011 eine etwas säuerliche Lakritznase, am Gaumen war er sehr schön mit feiner Süße – 90/100. Bei Lafite Rothschild muss man anscheinend Glück haben. Meine erste Flasche 1997 war eine Niete und entsprach eher den Parker-Notizen, erstaunlich schöne Farbe, nicht zu alt, das war´s aber auch, zu säurelastig, ungenerös - 81/100. Die zweite 2001 sehr elegant mit feiner Süße und tollem Abgang, einfach ein großer Wein – 96/100. 2009 dann eine Magnum, sehr süße Bonbonnase, in die sich aber auch grüne Töne mischten, wirkte auch am Gaumen etwas leicht, dünn und süßlich, gleichzeitig aber auch fein, elegant und tänzerisch – 90/100. 2011 auf René Gabriels großer Lafite-Probe in der generösen, süßen Nase viel Kräuter, Minze, Tabak und auch der Hauch Eukalyptus, den große, ältere Bordeaux mit Kaliforniern gemeinsam haben, am Gaumen elegant, sehr fein und stimmig – 95/100. 2014 meine bisher beste Flasche, sehr elegant, immer noch mit guter Frucht, wunderbare Süße am samtigen Gaumen, wo er mit der schmelzigen Schokolade auch als reifer Pomerol durchging – WT97. 2016 aus der Magnum sehr elegant mit feiner Mineralität – WT96. Einfach nur grausam war 1988 der Zweitwein von Lafite, der damals noch Moulin de Carruades hieß.

Zu den ganz großen Weinen des letzten Jahrhunderts gehört Latour. Doch gibt es auch hier leider unterschiedliche Abfüllungen. Die bessere – der überwiegende Teil der Flaschen – wurde im Mai gefüllt, die schlechtere im Oktober. Und ausgerechnet letztere hatten wir 1995 auf Willi Krählings großer Latour-Probe aus der Magnum. Schade, der Wein wirkte im Vergleich zu 59,62 und 64 etwas eindimensional und wurde seinem Ruf nicht gerecht – 93/100. Natürlich kommt bei solchen Weinen noch dazu, dass durch die Lektüre euphorischer Probennotizen Erwartungen geweckt werden, die kein Wein erfüllen kann. Meine zweite Flasche, im Sommer 1995 bei Jörg Müller, war schon ein ganz anderes Kaliber, mit unbändiger Kraft und noch viel zu jung. Die berühmten 100 Punkte suchte ich aber vergeblich im Glas – 97/100. Die dritte Flasche, 1997 in einer 61er Probe, stammte aus einem miserablen Keller und hatte einen schlechten Füllstand. Sensationelle Farbe, Nase und Gaumen perfekter, reifer Cabernet, aber auch etwas kräuterig, da schmeckt man die schlechte Füllhöhe, in dieser Form nicht mehr als 96/100, massig Tannine, aber die Frucht ist weg. Im Herbst 2000 habe ich dann eine vor langen Jahren erworbene halbe Flasche aufgemacht, und da ging dann plötzlich die Sonne auf. Was da aus der Flasche kam, machte uns sprachlos. Das waren Vater und Mutter aller Cabernets zusammen, ein irres Konzentrat mit superdichter Farbe, noch ganz am Anfang mit sehr präsenten Tanninen, ungemein vielschichtig, entwickelte sich traumhaft im viel zu leeren Glas(möchte ich in dieser Form mal aus der Badewanne trinken!) und hörte am Gaumen gar nicht mehr auf. Erwartet hatte ich bei dieser halben Flasche nicht allzu viel, und jetzt standen diese 100 Punkte mit drei Ausrufezeichnen vor uns. Und weil es so schön war, durfte ich dieses Erlebnis dann 2001 noch zweimal aus der 1tel haben. Schwierig wird es jetzt, wenn es an eine Empfehlung zu dieser Weinlegende geht. Natürlich möchte ich den 61er Latour gerne noch ein paar Mal trinken. Zeit dafür werde ich wohl weniger haben, als der Wein selbst bietet. Der 61er Latour hat sicher das Alterungspotential, um das 22. Jahrhundert noch zu erreichen. Und dann kommt neben dem astronomischen Preis nicht nur das Thema Flaschenvariation dazu. 61 Latour ist auch Fälschers Liebling. So entpuppte sich 2010 auf einer Edelprobe der 61er Latour als umdekorierter 69er. Und die Reserveflasche enthielt einen Korken ohne Brand und einen Inhalt, der mit Latour nichts zu tun hatte. Und dann 2011 auf der 61*61 mein persönlicher Proben-Gau, der dritte, fehlerhafte, nicht authentische Latour innerhalb weniger Monate. Aber da war dann ja auch noch 2011 Elke Dreschers feine Latour-Probe. Tief und undurchdringlich die Farbe, in der Nase und am Gaumen noch so jung, so dicht, so kraftvoll und lang, entwickelte sich im Schneckentempo und brauchte reichlich Zeit und Luft, die Essenz von Cabernet, gehörte tröpfchenweise mit der Pipette auf den Gaumen, wo dann jeder einzelne Tropfen explodierte. Wer diesen Wein zu schnell trank, bekam nur die Hälfte mit. Die 100/100 dieses unsterblichen Monumentes wurden nur in den Gläsern sichtbar, die die klügeren unter uns längere Zeit aufhoben. Unglaublich gut und schlichtweg perfekt 2013 aus einer Halben(!) – WT100.

Unterschiedliche Erfahrungen habe ich mit Lynch Bages gemacht. Die erste Flasche 1995 in einer Lynch Bages-Probe bei Willi Krähling, dichte Farbe, wenig Alter, verhaltene Minznase, volle, intensiv am Gaumen, aber auch erste Mahagoni-Töne, verblüht schnell im Glas – 90/100. Dann 1997 etwas staubige Nase mit dezenter Süße und deutlichem Himbeerton, austrocknend am Gaumen - 87/100. Und 2001 in einer Best Bottle mal ein großer 61er Lynch, mit feiner Süße und Länge – 96/100. Ein paar Monate später dann eine ziemlich schwache englische Händlerabfüllung von Berry Brothers. 2008 auf René Gabriels großer Lynch-Probe vier verschiedene Abfüllungen. Da konnte eigentlich nur die Chateauabfüllung richtig begeistern. Das war ein gut gereifter, großer Bordeaux mit sehr feinduftiger, eleganter Nase, auch am Gaumen sehr fein, elegant mit wunderbarem Schmelz und dezenter Süße – 94/100. Deutlich dahinter die solide, aber unspektakuläre Händlerabfüllung von De Luze – 86/100. Bei der Mövenpick-Abfüllung störte die staubige Pappkartonnase, am Gaumen viel Säure und wenig Schmelz, da war nur eine ganz entfernte Ähnlichkeit mit der Chateauabfüllung zu erkennen – 83/100. 2011 auf der 61*61 als Barrière-Abfüllung aus der Magnum, noch so jung, so dicht, so kräftig mit sehr junger Farbe und gewaltiger Power und Länge am Gaumen, enormes Potential – 94+/100. 2014 sehr kräftig, geradezu jung wirkend, nachhaltig mit viel Minze, gute Säure- und Tanninstruktur, enorme Länge am Gaumen – WT96. Bevor Sie sich einen 61er Mouton Rothschild kaufen, finden Sie heraus, der wievielte Besitzer Sie sein werden. Kann man Ihnen das nicht sagen oder wären Sie mehr als Nr. 3 – Finger weg! Mouton kann groß sein, aber nicht, wenn er schon auf diversen Kaminsimsen und in Vitrinen oder sogar Schaufenstern gestanden hat. Mein erster 61er Mouton 1994 in Willi Krählings großer Mouton-Probe muss so eine Flasche gewesen sein. Die Magnum war einfach platt. Besser dann 1999 auf einer anderen Mouton-Probe, Minze, Eukalyptus, sehr schöner Mouton, dem aber die große Dichte fehlt – 95/100. Richtig gut 2000 in einer Best Bottle, blind als großer Mouton erkannt, intensive Minze, etwas Eukalyptus aber auch Trüffel, vollreifer, klassischer, wunderbarer Mouton - 97/100. Und die schönste Flasche 2001 in einer Probe, Sattelleder, Minze, wunderbarer, klassischer Mouton, der aber weiter als der im Vergleich getrunkene Latour ist, traumhaft - 99/100. Und alptraumhaft 2003 in einer großen Mouton-Probe, eine amerikanische Flasche, deutliche Brauntöne, sehr weit und weit über einen möglichen Höhepunkt hinaus, kaputt. 2007 in der Coburg stimmte dann wieder einfach alles, Sattelleder, Minze, etwas Eukalyptus aber auch Trüffel, ein komplexer, großer Mouton mit endlosem Abgang – 99/100. 2009 dann eine Flasche mit wohl zuviel Vorbesitzern, deutliche Maggitöne, eine rosinige, malzige Süße, der Mouton baute ab und schien förmlich zu zerfallen. Doch mit zunehmender Luft bekam er dann noch mal die Kurve, bäumte sich auf, wurde generöser, minziger und ließ wenigstens erahnen, wie 61 Mouton aus bester Lagerung schmecken könnte – 93/100. 2011 auf der 61*61 aus einer Flasche, die nur knapp upper-shoulder hatte, noch viel Rasse, Kraft und Klasse mit dem typischen Mouton-Bouquet Minze, Leder, Bleistift und leichte Rösttöne, die gute Säure am Gaumen verlieh ihm Frische – 96/100. 2015 zweimal ein Traum-Mouton mit superber Frucht und intensiver Minze, Sattelleder und einem Hauch Eukalyptus, sehr kraftvoller, absolut stimmiger Auftritt am Gaumen, wiederum sehr minzig, und großartige Länge – WT99. 2016 zeigte er mit absoluter Frische alles, was man von einem perfekten Mouton erwartet. Superbe, süße Cassisfrucht, Minze, einen Hauch Eukalyptus, Bleistift, Sattelleder, wirkte immer noch leicht röstig, dabei so kraftvoll und lang – WT100. Die große Überraschung 2011 auf der 61*61 Mouton Baron Philippe aus der Magnum. Der war in dieser Probe hier besser als der Grand Vin. Absolut verrückte Nase mit Schokolade, Minze und dem Eukalyptus des 45er Mouton, am Gaumen immer noch Kraft, aber auch süße Fülle, sensationell – 97/100.

Erstaunlich gemacht hat sich Pichon Baron. Ich erinnere mich noch gut an meine erste Flasche, 1988 im Düsseldorfer Caveau. Ein belangloser Wein, helle Farbe, Nase und Gaumen etwas säuerlich – 85/100. Seidem ging es nur noch bergauf. 1996 in Hannover dichte Farbe mit wenig Braun, besser als die Comtesse, toller Stoff, kann noch ein paar Jahre liegen. 1997 bei Drawert, junge, aber nicht zu dichte Farbe, in der Nase feine Kirschsüße, am Gaumen fruchtig, aber auch etwas leicht, Nase schöner als Gaumen, jetzt im hedonistischen Optimum, sicher noch viel Reserven 92/100. Und dann 2002 während der Prowein eine fantastische Magnum, ein Riese, in guten Magnums wie dieser sicher noch 5-10 Jahre ein Hochgenuss – 95/100. 2009 ein etwas rustikaler, kraftvoller, reifer Cabernet pur mit schöner Süße, der leichte Muffton verschwand rasch – 93/100. Ebenfalls 2009 auf Elke Dreschers großer Baron/Comtesse Probe der Star des Abends. Irre Nase mit samtig-weicher Fülle, der wunderbaren Frucht und Süße, die an einen großen Chambertin erinnern. Am Gaumen setzt sich das mit unendlichem Schmelz fort und weckt dieser seidig-opulenten, süßen Fülle Erinnerungen an den legendären 61er Petrus – 98/100. Zuletzt 2011 auf René Gabriels 61*61 leider hin. Gut gefallen hat mir 1996 auch die Pichon Comtesse, dichte Farbe mit leichtem Braunton, Sandelholz, etwas Lakritze, viel Kraft und Länge. 2001 auf einer Comtesse-Probe reif, leicht portig, bald trinken – 92/100. Im selben Jahr eine sehr schöne englische Abfüllung von Grants of London mit malziger Süße – 93/100. 2013 aus der Magnum mit einer absolut geilen Nase, sehr generös und schmelzig, aber auch leicht animalisch mit Leder und Pferdestall pur, am Gaumen hoch elegant, eben ganz eine große Comtesse, im positiven Sinne schlank mit feiner Süße und toller Länge – WT96. Auch 2016 aus der Magnum ein göttlicher Charmeur – WT96. Pontet Canet war 1988 ein toller „Nasenwein“ mit Cassis und Pflaume, der Gaumen kam nicht ganz mit – 90/100. 1993 bei Drawert dann richtig aufgeblüht, intensiv, süß, fast aufdringlich am Gaumen – 94/100. Ein Jahr später eine deutlich reifere Flasche, Burgunder-Nase, helle Farbe, rund, weich, leichtgewichtig und kurz – 87/100. Eine Cruse Abfüllung war 2012 zwar reif, aber immer noch mit großartigen Struktur, mit generöser Süße und Fülle, macht es in diesem Top-Zustand sicher noch länger – 94/100. 2016 kernig, rustikal und burschikos mit vierl Kraft und Substanz – WT91.

Beychevelle habe ich 1988 und 91 getrunken, damals schon sehr reif mit schöner, malziger Süße – 88/100. Dann noch mal 1995 eine sehr verführerische, belgische Händlerabfüllung, absolut auf dem Punkt mit wunderschöner, reifer Süße – 95/100. 2011 auf der 61*61 aus der Magnum. Die zu Anfang etwas laktische, medizinale Nase legte immer mehr zu, wurde süßer, generöser, am Gaumen weich, elegant, sehr fein mit dezenter Süße, ein großer Beychevelle, was bei diesem Chateau leider nicht oft vorkommt – 94/100. 2015 jung und ohne Alterstöne, kräftig und elegant zugleich, sehr stimmig mit generöser Süße und guter Länge am Gaumen – WT94. Ducru Beaucaillou war 1993 in unserer Jahrhundertprobe war er schon sehr weit, wohl keine optimale Flasche. In den zwei Flaschen danach 1996 dann toller Stoff mit kräftiger Farbe, reifer, intensiver Cabernet-Nase, viel Druck und Länge – 96/100. Im Januar 2006 wieder sehr überzeugend auf 93/100 Niveau, aber voll auf dem Punkt. Auch auf der großen Ducru-Probe 2006 perfekt gereift, so seidig, elegant und lang, Ducru vom Allerfeinsten – 96/100. Sollte zumindest aus Normalflaschen bald getrunken werden. Aus einer allerdings nicht optimalen (‚hs’) Magnum war der Ducru Ende 2006 schon etwas über Höhepunkt weg mit leicht medizinalen Nebentönen, aber immer noch ein großer Wein mit der Ducru-typischen Eleganz - 93/100. Auch auf der großen Ducru-Probe 2009 in Krems nur noch ein Schatten seiner selbst – 92/100. Noch mal deutlich besser 2011 auf der 61*61 – 94/100. Auch eine weitere Flasche im Herbst 2011 war auf diesem Niveau. 2013 auf der Ducru-Probe von Elke Drescher immer noch fast taufrisch mit erstaunlicher Cassisnase, enormer Tiefgang, druckvolle, würzige Aromatik und gewaltige Länge, meine vielleicht bisher beste Flasche dieses sehr variablen Weines – 96/100. Auf gleichem Niveau 2014 noch mal bei Elke Drescher. Perfekt 2016 mit genialer Kaffeenase – WT97. Den sicher besten Wein in der Geschichte des Gutes hat man 1961 bei Gloria gemacht. 2003 in einer Best Bottle irres Konzentrat, Cassis, dicht, junge Farbe, Länge, jung, der Wein des Abends - 98/100. Doch 2011 war der trotz dichter Farbe reif, alt und ziemlich charmefrei – 86/100. Unterschiedliches hört man von Gruaud Larose. Ich hatte fast immer Glück. Gut, das ist kein Hammer à la 82 oder 86, aber ein unglaublich aromatischer, druckvoller Wein mit einer intensiven, fast etwas burgundisch anmutenden Nase. Wenn Sie wissen wollen, wie perfekt gereifter Cabernet schmeckt, dann finden Sie es hier. Nur an der relativ hellen Farbe darf man sich nicht stören. Gleich vier traumhafte Magnums habe ich davon 1992 und 96 getrunken. Eine weitere dann 1997 Weihnachten im Kleinwalsertal, reife, ziemlich helle Farbe mit Orangenrand, reifer, perfekter Cabernet auf dem absoluten Höhepunkt, wunderschön würzig, die Essenz von Bordeaux - 97/100. Letztere hatte den Vorteil, dass wir nur zu zweit waren, es kam also von diesem Superstoff richtig was ins Glas. 1998 bei Schorn dann eine noch unglaublich jung wirkende Flasche, traumhaft seidiger Stoff mit tollen Reserven – 96/100. 1999 in Mesum wieder eine süchtig machende Traumflasche, die Essenz von reifem Cabernet. Leider dann 2000 und 2002 zwei Flaschen, in denen der Gruaud deutlich über Höhepunkt hinaus war und schon etwas oxidiert wirkte. 2011 auf der 61*61 ein immer noch kraftvoller, aber auch sehr eleganter Wein, zum Kauen schön, die Essenz von Cabernet und Bordeaux – 97/100. Ein paar Monate später eine reifere Flasche, bei der die recht hohe Säure zeigte, dass dieser Wein nicht ewig lebt – 95/100. 2013 bei Elke Drescher ein absolut stimmiger Riese mit traumhafter Aromatik, unendlicher Eleganz und herrlicher Süße – 98/100. 2014 bei René Gabriels Vertikale auf Gruaud Larose eine eher enttäuschende, leicht schwächelnde Magnum – WT92. Schlichtweg ein Traum Ende 2014 aus einer perfekten Magnum, so jugendlich und frisch wirkend, mineralisch, ledrig mit perfekter Struktur, erstem, feinem Schmelz, ewiger Länge und einem voll intakten Tannin- und Säuregerüst für eine längere Zukunft – WT98. 2015 als „best ever“ Magnum schlichtweg Perfektion – WT100. Lagrange hatte 1989 eine junge Farbe mit leichtem Ziegelrot, kraftvoller Wein mit interessanter Würznase – 90/100. Zuletzt 2011 ein kleiner, aber recht charmanter Säuerling – 87/100. Hin war 1997 in einer Probe der Leoville Barton in der Chateau-Abfüllung.. Umso erstaunter war ich 2001 über eine englische Händlerabfüllung dieses Weines, ein kräftiger, sehr schöner Tropfen, der von Anwesenden in die 80er geschoben wurde – 93/100. Die zeigte sich auch 2017 kernig, kräftig und mit immer noch guter Zukunft - WT93. Probleme hatte ich stets mit dem Leoville-las-Cases. 1993 und 94, jeweils aus der Magnum, war er ein tanninreicher, fruchtloser Brocken, der irgendwo unreif wirkte und nicht in dieses große Jahr passte. Erinnern kann ich mich auch noch an die ein oder andere 1tel, die so belanglos war, dass ich dazu keine Notizen gemacht habe. 2010 auf René Gabriels las Cases Vertikale eine total oxidierte Flasche. Dann noch mal 2011 auf der 61*61 etwas eindimensional und flach wirkend – 86/100. Und ein paar Monate später erstaunlich fein mit pikanter, süßer Frucht und toller Struktur am Gaumen der, meine erste wirklich große Flasche dieses Weines mit reichlich Potential – 94/100. Mein erster Leoville Poyferré war 1990 im Caveau ein wässriger Wein auf dem Weg ins Jenseits. 5 Jahre später an gleicher Stelle dann eine bessere Flasche, reife Farbe, weich, auf den Punkt gereift, eher auf der leichten Seite, bald trinken – 87/100. In einer französischen Händlerabfüllung von E. Eyde war er 2006 reif mit feiner Süße und sublimen Eleganz. Baute sehr schön im Glas aus und war bis auf einen leichten, korkähnlichen Misston in der Nase sehr überzeugend – 92/100. 2016 pikante, rotbeerige Frucht, Minze, Zedernholz und Tabak, absolut stimmig und balanciert – WT95. Die sehr feine Nase des St. Pierre zeigte 2011, was man aus diesem Terroir rausholen könnte(und mittlerweile ja auch rausholt), am Gaumen etwas rustikal mit viel Säure – 88/100. Talbot habe ich zuerst 1989 getrunken, damals empfand ich ihn als leichtgewichtig und für den Jahrgang enttäuschend. Doch 2007 im Genfer Chat Botté aus perfekter Lagerung eine sensationelle Flasche, brilliante Farbe mit dezentem Orangenrand, fantastische, süchtig machende Nase mit Zedernholz, Leder und diesem unnachahmlichen Parfüm reifen Cabernets. Von dem für Cordier-Weine wie Talbot und Gruaud bekannten „Cordier-Stinker“ ist nur eine ganz leichte, nicht unangenehme, animalische Note geblieben. Am Gaumen pure Seide, aber darunter auch Kraft und die Fülle eines großen Burgunders. Ewig lang am Gaumen bleibt dieser außergewöhnlich schöne Talbot, der mein bisher mit Abstand bester ist – 96/100. Zuletzt 2011 erst eine sicher nicht optimale Flasche, weich, reif mit feiner Süße, aber auch hoher Säure – 90/100. Dann noch mal auf der 61*61 Traumnase, süß, hoch elegant, Zedernholz, Leder, am Gaumen deutliche Säure, aber auch Süße und feiner Schmelz, sehr elegant und lang – 94/100.

Chasse Spleen hatte 1996 zweimal aus der Magnum eine dichte, noch ziemlich junge Farbe, wenig Frucht, aber Kraft und Ausgewogenheit, ein rustikaler Kraftbolzen - 91/100. Zuvor hatte ich 1994 schon einmal eine halbe Flasche einer englischen Händlerabfüllung getrunken, die einen ähnlichen Eindruck machte. Die Cuvéede la Commanderie du Bontemps de Medoc war 1993 aus der Magnum ein eher enttäuschendes, kleines Gewächs – 82/100. Ein Dillon aus der Magnum roch 2011 wie überlagerte Mayonnaise, kein wirklicher Trinkspaß, da half auch das größere Format nicht – 72/100. Sehr unterschiedliche Flaschen habe ich 1996 und 97 von La Lagune getrunken. Zweimal war das ein traumhaft gereifter Bordeaux mit feiner Johannisbeere und noch viel Potential, erinnerte an große Burgunder - 95/100. Einmal zeigte der Wein deutliches Alter mit Wasserrand, eigenwillige Nase, etwas ätherisch, Jod, leichter Essigstich verschwindet schnell, wird weicher und gefälliger - 89/100. Im Herbst 2005 aus dem unerschöpflichen Tantris-Keller, wieder reifer Bordeaux vom Allerfeinsten mit toller Süße und Länge auf sicher wieder 95/10 Niveau. 2011 auf der 61*61 reifer Bordeaux vom Allerfeinsten. Süß, würzig und beerig die wunderbare Nase, seidig die Tannine am ebenfalls süßen, langen Gaumen – 95/100. Ein paar Monate danach noch einen Tick besser – 96/100. 2014 hell und reif wirkend die Farbe, einfach sexy diese generöse Nase mit viel Kaffee und Süße, was sich am Gaumen fortsetzt. Hat was von einem großen, reifen Burgunder, dieser Riesenwein – WT97. Maucaillou war 2011 ein in Ehren gereifter, völlig nichtssagender, kleiner Wein, ohne Fehler, aber auch völlig ohne Höhepunkte, graue Maus im grauen Anzug – 78/100.Erstaunlich jung 2013 noch die Farbe eines Mouton aus Lugon, erstaunlich dicht der Wein mit Zedernholz, etwas Tabak und Leder und auch einem Hauch Minze. Immer noch gut zu trinken (WT89), sicher besser als so manch schlecht gefüllter Mouton-Rothschild-Wanderpokal. Poujeaux hatte 2001 eine dichte Farbe, eine fast üppige Nase mit viel Lakritz und war am Gaumen einfach lecker – 90/100. Recougne war 2010 hochklassig, süßer, offener, weicher mit etwas weniger Struktur – 94/100. Ziemlich dürftig 2011 aus der Magnum ein Bel-Orme-Tronquoy-Lalande – 78/100.

Klein, süß, reif, ganz ok 2011 der Boyd Cantenac – 85/100. Brane-Cantenac war 1988 ein feinduftiger, schöner Margaux-Schmeichler, der sich am Gaumen aber schnell verabschiedete, deutlich über Höhepunkt hinaus – 88/100. Mit großer Begeisterung habe ich Ende der 80er im Düsseldorfer Caveau mehrfach Cantemerle getrunken, einen perfekt gereiften Klasse-Bordeaux auf 95/100-Niveau. 1996 erwischte ich noch mal so ein hocharomatisches Exemplar. Leider kamen danach nur noch Enttäuschungen, alle in Magnums. So 1997 in einer großen 61er Probe, als der Wein zwar eine gesunde aber nicht allzu dichte Farbe hatte, deutlich Liebstöckel in der Nase, am Gaumen relativ leicht - 88/100. 2001 in einer großen Probe über Höhepunkt weg, Säure gewinnt Überhand - 85/100. Da habe ich natürlich geschwitzt, als ich 2004 während der Prowein meine letzte eigene Magnum aufmachte, mit lauter Weinprofis am Tisch. Doch Cantemerle ließ mich nicht im Stich, das war wieder Cantemerle in Bestform, erinnerte mich an die Caveau-1tel aus 1988, keinerlei Alter, finessig und der wunderbaren Aromatik reifen Cabernets - 95/100. Giscours war 2010 aus der Halben so wie man sich einen gereiften Margaux vorstellt, feinduftig, elegant, eher etwas schlank zwar, aber mit feiner Süße, in gut gelagerten, größeren Flaschen sicher noch eine Ecke besser - 90/100. Meine erste Flasche d`Issan hatte 1997 eine reife Farbe, etwas säuerlich, nicht mein Ding - 84/100. 2007 dann in Genf eine perfekte Flasche, war das ein prachtvoller Wein. Superfarbe mit nur ganz dezenten Orangenrändern, eine Nase zum „in-Riechfläschchen-abfüllen“ delikate, pikante, pfeffrige Würze, faszinierende Aromatik, unendliche Länge und Eleganz am Gaumen, erinnerte mich spontan an die besseren Flaschen, die ich vom 61er Palmer getrunken habe. Ein ganz große Weinerlebnis mit konservativen 96/100. Ein üppiger, hedonistischer Genuss war 1991 und 95 Lascombes, sehr süß mit toller Länge am Gaumen – 95/100. 2008 aus der Magnum ziemlich reife Farbe mit leicht rostigem Braunrand, viel malzige Süße und faszinierende Länge, aber in der Nase auch eine leicht bittere Chicorée Note, die sich mit mehr Luft verstärkte. Ein Wein, der bei aller Klasse bereits gefährlich lebt – 92/100. 2011 auf der 61*61 ziemlich hin und mit deutlichem Essigtouch auf dem Weg zur Salatsoße – 76/100. Eigentlich gilt Malescot St. Exupery aus diesem großen Jahrgang als Erfolg. Aber aus dieser Magnum 2014 war er einfach nur anstrengend und roch und schmeckte trotz dichter, junger Farbe nur nach Hühnerkacke – WT80. Mein erster großer Bordeaux war im Sommer 1986 Margaux. Ich befand mich damals gerade in der selbstverordneten „Umschulung“ vom Bier- zum Weintrinker. Der Margaux stand für sündhaft teures Geld auf der Karte eines Sylter Restaurants. Ich hätte damals selbst im Traum nicht daran gedacht, so was zu bestellen und zu trinken. Doch ein bekannter Sammler und Menschenfreund wollte mir mit dieser Flasche unbedingt die Augen öffnen. Es ist ihm nachhaltig gelungen. Seitdem verbinden sich mit diesem 61er Margaux, der mir damals eine völlig neue Dimension des Genusses erschloss, sentimentale Erinnerungen. 1993 dann aus der Magnum, unglaublich kräftige, dichte Farbe, feinwürzig, leicht exotische Nase, brauchte Zeit, um sich zu entwickeln – 95/100. 1994 auf der großen Margaux-Probe in der Wachau meine aus der Magnum mein bisher schönster Margaux. Sehr kräftige Farbe, süßlich, opulent, pflaumig und dabei trotzdem fein, schöner, sehr langer Abgang, auf dieser Probe die deutlich beste von vier Magnums – 98/100. Kurz danach in der Krone Assmannshausen eine weitere Magnum, sehr feinduftig und aromatisch, aber der Gaumen kam nicht mit – 93/100. 1997 schien er auf einer 61er Probe aus der 1tel schon deutlich auf dem Abstieg, die Frucht war weg – 90/100. 2001 reife Farbe, in der Nase leichter Stinker, sehr schön und elegant, aber auch schon etwas gezehrt, nicht sehr lang am Gaumen, nur noch in Großflaschen interessant - 91/100. Eigentlich hatte ich den 61er Margaux inzwischen schon abgeschrieben, doch 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe kam dann eine sensationelle Flasche, aus der dieser hocharomatische, feinduftige, elegante Riese wie eine Eins im Glas stand – 97/100. 2011 auf der 61*61 eine unsauber wirkende Flasche mit deutlichem Fehlton. 2015 zweimal aus der Magnum war das immer noch ein sehr schöner, eleganter Wein, aber am Gaumen wirkte er etwas metallisch und zeigte deutlich, dass er den Zenit inzwischen überschritten hat – WT94. Zuletzt 2016 schlicht und einfach perfekt, die beste Flasche, die ich von diesem wein je hatte. So unendlich elegant und perfekt balanciert, die Eisenfaust diesmal gleich mit drei Samthandschuhen überzogen – WT100. Weitgehend Pech hatte ich früher mit Palmer. Vielleicht waren auch hier meine Erwartungen zu hoch. 1994 aus der Magnum, sehr kräftige Farbe, lang und voll am Gaumen, noch lange nicht am Ende, das große Aha-Erlebnis blieb aber aus – 94/100. 1996 kaum Alterstöne, gesunde, nicht zu dichte Farbe, mehr Eleganz als Kraft, feine Süße, unerklärlich, wo der Mythos herkommt, denn mehr als 95/100 sind da beim besten Willen nicht drin. Im gleichen Jahr zwei enttäuschende englische Abfüllungen von Berry Brothers und von Cuddeforth Brothers. In beiden ziemlich helle Farbe, weich, reif, weit vom Palmer-Mythos entfernt – 89/100. 2000 auf der Probe eines bekannten Sammlers eine RC-Flasche ex-Chateau, ungewöhnliche, kräuterige Nase, Currywurst, etwas Liebstöckel (mein Nachbar: ein bürgerliches Mittagessen, das zu einem rüberweht), auch am Gaumen etwas kräuterig und enttäuschend, dazu etwas Minze. Zumindest in dieser Flasche über Höhepunkt hinaus. Das deutlich frischere Depot zeigte aber, was 61 Palmer in Top-Flaschen noch bringen kann. 2001 reife dichte Farbe, in der Nase leichte nicht störende Schärfe, süß, fast üppig - 95/100. Und dann 2004 das große Aha-Erlebnis, noch nie so schön getrunken, ungemein aromatisch und druckvoll, voll in der Liga des parallel dazu getrunkenen 61 Petrus - 100/100. Und weil´s so schön war, dann 2005 auf Sylt aus Jörg Müllers perfektem Keller noch mal. Palmer aus solch perfekter Lagerung ist ein dekadent leckerer Traum mit unendlicher, burgundischer Eleganz. Ein Wein der mit spielerischer Leichtigkeit auf der Zunge tänzelt, und dabei eine unglaubliche, aromatische Dichte und Länge zeigt. Sicher in dieser Form der beste, je erzeugte Palmer und eine der Weinlegenden unserer Zeit – 100/100. 2006 die englische Cuddeforth Abfüllung, ein Riesenwein mit toller Länge am Gaumen, zwar nicht auf dem Niveau der Chateau-Abfüllung, aber aus dieser Flasche nicht weit davon entfernt – 96/100. 2009 dann in René Gabriels Palmer Vertikale eine gute, aber von der Legende weit entfernte Flasche – 95/100. 2011 auf der 61*61 Eleganz pur, burgundisch im besten Sinne. Ein ganz großer Palmer mit einem gelungenen Spagat aus Kraft und Eleganz – 97/100. Noch so präsent und lebendig war dieser Palmer 2013 bei Elke Drescher gleich aus zwei Flaschen hintereinander, mit einer Traumnase, die an die geniale 61 Pichon Comtesse Magnum vom Vortag erinnerte. Burgundische Eleganz am Gaumen, aber auch enorme Kraft und Dramatik, vor allem in der zweiten Flasche, die noch enorme Tannine zeigte. Aus guten Flaschen wie diesen hat dieser druckvolle Palmer seine Zukunft noch vor sich – WT97+ und WT96+. Brillierte auch 2015 mit betörender Nase, burgundischer Pracht und Fülle, feiner Süße und seidiger Eleganz am Gaumen – WT97. War 2016 mit seiner betörenden Nase, dieser seidigen Eleganz, dieser generösen Süße und dieser burgundischen Pracht und Fülle Cashmere für Gaumen und Seele – WT97. Rausan-Gassies hatte 1997 eine irrsinnig junge Farbe, war aber unausgewogen mit bissigen Tanninen, die die Frucht kaputt machten, schade - 87/100. Rauzan Gassies und Rausan Ségla waren 2011 auf der 61*61 solide, gut trinkbare Weine auf 83/100 Niveau, rustikal, etwas eckig, tun nicht weh, aber auch nicht besonders gut.

Bahans Haut Brion begann 2002 mit einer Medizinalnase, kam dann aber wunderschön im Glas – 90/100. Fehlerhaft war wohl 2011 auf der 61*61 der Les Carmes Haut Brion, bei dem nur die Farbe stimmte. Schuhcremenase, auch am Gaumen chemisch und daneben – 76/100. Eigentlich sind alte Haut Baillys recht zuverlässig, doch in allen drei Flaschen, die ich 1993, 95 und 96 in den Mövenpick Caveaus getrunken habe, war der Wein bereits deutlich über den Zenit. Immer noch mit gewissem Charme, aber leider 10 Jahre zu spät. Ein ganz großes Weinerlebnis kann Haut Brion sein. Meine erste Flasche 1997 in einer 61er Probe war fast noch zu jung, Farbe noch dichter als La Mission, in Nase und am Gaumen wuchtig, kräftiger als La Mission, aber mit weniger Finesse, viel Kraft, sehr Vandermeulen-like, Bitterschokolade mit 80 % Kakao, tapeziert den Gaumen - 97/100. So auch meine zweite Flasche 1998, sensationell mit toller Süße, voll auf dem Punkt, ganz großer Stoff, hintendran massive Tannine - Zukunft ! 98/100. 2000 in einer Probe dann Haut Brion in Perfektion, muskulös, dicht, lang - 100/100. Was machen Sie, wenn in einer Best Bottle 2 Leute die gleiche Flasche mithaben? Wir haben anschließend gestrahlt, denn zwei von uns hatten 61 Haut Brion mit, die wir blind gegeneinander tranken. Die erste von dichte Farbe, massiv Trüffel, feine, füllige Süße am Gaumen, Traumstoff, - die 2. dichter Powerstoff, noch jünger wirkend, kräftiger Stinker verschwand schnell, noch einen Tick besser, beide nahe an oder bei 100/100. Im Frühjahr 2001 kam Haut Brion mit La Mission als perfektes, traumhaftes Zwillingspaar auf den Tisch, zu Anfang beide schwer zu unterscheiden, mit der Zeit gewann dann für mich der etwas körperreichere La Mission auf der Zielgeraden, trotzdem 100/100. Ein paar Monate später auf einer eigenen Probe noch mal ein wunderbarer, voller, fleischiger Haut Brion als 100/100 Erlebnis. 2002 auf unserer Prowein-Probe wieder mit La Mission als 100/100 Traumpaar, toller Stoff mit viel Power und irrer Länge. 2004 eine tolle Magnum mit junger, dichter Farbe, etwas Minze, rauchig, Tabak, noch ganz am Anfang, irres Potential - 99/100. 2006 in der großen Haut Brion Probe Auf gleichem Niveau wie 59, aber völlig anders. Tiefgründiger, immer noch mit massiven Tanninen, ein fordernder, großer Wein mit unglaublicher Power und sicher noch 20+ Jahren Zukunft. Fleischig, dicht, in der Nase Rauch, Tabak, Trüffel, etwas Minze, lässt am Gaumen seine Muskeln spielen. Wein geht auch anders, aber nicht besser – 100/100. 2009 dann aus einer perfekten Magnum noch unglaublich jung mit gewaltigem Potential – 96+/100. Wirkte zuletzt 2011 auf der 61*61 anfangs etwas verstockt mit sehr verhaltener Nase. Das gab sich mit der Zeit, dann wurde die Nase teeriger und tabakiger, der Gaumen deutlich kraftvoller und der Abgang länger – 96/100. 2015 aus einer perfekten Magnum absolute Perfektion – WT100. Und auch 2016 noch mal eine absolut perfekte Magnum – WT100. Auch aus der 1tel 2016 einfach perfekt – WT100. Noch sehr langlebig dürfte Malartic Lagravière sein. 1997 hatte er noch eine junge Farbe, viel Tannin, wirkte insgesamt fast jugendlich, aber auch nicht besonders zugänglich – 89/100. Ob La Mission oder Haut Brion in 1961 der größere Wein ist, dürfte eine Frage des persönlichen Geschmacks sein. Als beide 2001 auf unbestreitbarem 100 Punkte Niveau auf den Tisch kamen, gab aus identischer Flasche von 24 Teilnehmern der Probe exakt die rechte Hälfte des Tisches mit 12 Leuten Haut Brion ihre Stimme, die linke Hälfte La Mission. Das habe ich in dieser Form noch nie erlebt. Von meiner ersten Flasche an 1993 habe ich La Mission bei gut einem Dutzend Gelegenheiten meist mit 100/100 bewertet und im direkten Vergleich immer den Vorzug vor Haut Brion gegeben. Allerdings gab es auch ein paar schwächere Flaschen. So ausgerechnet in Willi Krählings großer La Mission-Probe 1998, wo die Magnum wohl Probleme hatte. In seiner „Normalform“ ist der 61er La Mission ein absoluter Traumwein mit, wie zuletzt 2004, Tabak, Cigarbox, feiner Süße und irrer Länge am Gaumen, eben ein ganz klassischer 100 Punkte –Wein. Wollte leider zuletzt 2012 auf René Gabriels großer La Mission Probe auf unbestritten sehr hohem Niveau einfach nicht singen, wirkte etwas verschlossen in der Nase und spröde am Gaumen mit immerhin sehr langem Abgang – 95/100. Absolute Perfektion 2013 bei Jörg Müller, ein kompletter, riesengroßer La Mission in Bestform – WT100. Auch 2014 perfekt und schlichtweg ein Traum – WT100. 2016 aus der Magnum La Mission, Pessac und Cigarbox in Perfektion, ein Wein, der in seiner überragenden Qualität und seiner Jugend einfach nur sprachlos machte – WT100. Auch Ende 2016 aus einer perfekten 1tel noch mal auf diesem Niveau – WT100. 2017 aus der Magnum noch so jung in der Anmutung, da stimmt von der traumhaften Pessac-Nase über den druckvollen Gaumen bis zur irren Länge einfach alles – WT100. Pape Clement war 2007 trotz perfekter Lagerung schon etwas über den Höhepunkt hinaus. Ein feiner, gefälliger Wein, sehr reif mit der Erdbeernote, wie sie eigentlich nur ganz alte Bordeaux bringen, aber auch mit Tabak, Mineralität und etwas Lakritz, den Pessac konnte er nicht verleugnen - 93/100. Hatte 2016 zwar die leicht teerige Mineralität von Pessac, den Tabak und auch etwas Lakritz, aber alles sehr vorsichtig und fein dosiert, ein sehr eleganter, gefälliger Schmeichler – WT95. In perfektem Zustand 2012 im D´Vine ein Smith Haut Lafitte, sehr dichte, junge Farbe, Kraft, tolle Frucht, Teer, Cigabox, Tabak, am Gaumen feiner Schmelz ung gewaltige Länge – 96/100. Auf Augenhöhe mit den großen Pessacs.

Angelus war 2001 ein perfekt gereifter, sensationeller Stoff in absoluter Cheval Blanc Qualität mit toller Süße – 96/100. 2005 etwas schwächer, hellere Farbe mit deutlichem Wasserrand, wenig Nase und offenbarte sich erst am Gaumen. Da ging es dann allerdings los, sehr vielschichtig und schmeichlerisch, viel Tiefgang und Länge, aber auch deutliche Säure – 93/100. 2011 auf Elke Dreschers Weihnachtsprobe ein kräftiger Wein mit zu Anfang etwas staubiger Eleganz, der enorm ausbaute und wunderbare Frucht entwickelte, reife Pflaumen, sehr mineralisch, lakritzig, sogar Veilchen, gewaltige Länge am Gaumen mit schöner Süße, explodierte förmlich – 97/100. Das Depot, von dem ich mir dann noch mal einen Schluck genehmigte, locker 100/100 wert. Hatte 2013 aus der Magnum eine etwas trübe, leicht bräunliche Farbe und wirkte insgesamt reif in der Anmutung. Doch zeigte die etwas rustikale Nase auch noch pflaumige Frucht, Leder und einen Hauch Lakritz. Besser der Gaumen mit Süße, Kraft und Fülle – WT94. Startete 2014 furios, um dann rapide im Glas abzubauen – WT86. Ende 2014 ein stimmiger Wein mit gutem Rückgrat und feiner, schmelziger Süße am eleganten Gaumen – WT94. Rauf und runter gehen meine Bewertungen bei l´Arrosée, wovon ich in der Chateau- und in der Barrière-Version in den letzten Jahren sicher ein gutes Dutzend getrunken habe. In guten Flaschen ist das ein zeitlos eleganter Schmeichler mit feiner, roter Johannisbeere auf 93/100-Niveau, so z.B. 1999, wo er im direkten Vergleich 61/64/66 klarer Sieger war. In schlechten Flaschen stört ein deutlicher Säureton. Da scheint es wohl bei der Abfüllung mindestens eine Charge mit zu hoher flüchtiger Säure gegeben zu haben. 2005 in einer perfekten Barrière-Abfüllung der Wein des Abends, in der Nase satter Wiesenchampignon, etwas Waldboden, junge Farbe, immer noch tolle Frucht 95/100. Eine ebenfalls perfekte Chateau-Abfüllung 2007 bei Jörg Müller, immer noch so kraftvoll, dicht und lang und wirkte gut 2 Jahrzehnte jünger, ein unglaublicher Stoff – 95/100. 2011 als Magnum in der Barrière-Abfüllung immer noch so jung mit altersfreier, dichter Farbe, viel Schokolade, Süße, Fülle, Kraft, feine Kräuter, perfekt balanciert und sehr lang am Gaumen – 96/100. 2013 eine Barrière-1tel auf ähnlichem Niveau - 95/100. 2016 als Chateaubabfüllung eun zeitloser, wunderbarer Schmeichler – WT95. Ausone hatte 1997 eine dichte Farbe mit deutlichem Orangenrand, sehr viel Kraft, Anis, Lakritze, sehr austrocknend am Gaumen und dadurch sperrig wirkend - 89/100. Deutlich besser 2011, ein klassischer, rustikaler, kräftiger Ausone der älteren Sorte, sehr kräuterig, Anis, viel Lakritz, kraftvoll und lang am Gaumen – 93/100. In der wiederum sehr kräuterigen Aromatik war das 2012 wieder Ausone pur – 95/100. Grandios 2016 auf der 50*Ausone auf Chateau Ausone – WT97. Herausragend Ende 2016 aus einer 1994 neu verkorkten Flasche, so jung mit gewaltigem Druck – WT99. Kaum glauben konnten wir 2005, was da vor uns im Glas stand. Canon-la-Gaffelière in einer deutschen Bachmann-Abfüllung hatte eine superjunge, dichte Farbe, fantastische Nase mit Röstaromen, Kaffee und schöner, malziger Süße. Am Gaumen viel Kraft und Länge, einfach ein kompletter, ganz großer Bordeaux, der selbst für das Traumjahr 1961 Maßstäbe setzt – 97/100. 2011 aus der Magnum Süße, Länge, Dichte, sehr kräuterig, komplex, auch der immer noch so jung – 95/100. 2014 minzig die Nase mit Kaffee, Kräutern und schöner Süße, am Gaumen enormer Druck und feinem Schmelz, immer noch so jung und vital wirkend – WT95. Eine süße, karamellige Nase hatte 2011 der La Carte, auch am Gaumen süß, malzig mit viel Schokolade – 92/100. Dieses Chateau gibt es übrigens heute nicht mehr. Es wurde in Beauséjour-Bécot integriert. Ein ganz großes Weinerlebnis kann Cheval Blanc sein. 1997 in einer 61er Probe stand er mit toller Farbe hinter 61 Latour nicht zurück, sehr präsente Tannine, großer Stoff am Anfang seiner Entwicklung, dicht, leicht portig, reichhaltig, in Richtung des außerweltlichen 47ers - 99/100. Auf ähnlichem Niveau auch 1999 auf Willi Krählings großer Cheval Blanc Probe. Hier aus der Magnum sogar noch jünger wirkend. Ohne Frage also ein Wein mit großer Zukunft – wenn die Flasche ok ist. 2001 auf einer großen Probe gab es nämlich auch Cheval Blanc, aber in dieser Flasche stimmte nur die Farbe, der Wein war bitter im Abgang und machte wenig Spass – 88/100. Schwierig auch zuletzt 2006 auf der großen Cheval Blanc Probe, hat seinen Zenit wohl bereits überschritten. Sehr dichte Farbe, Überreife, malzige Süße, etwas Liebstöckel, leicht medizinal in der Nase, erinnert stark an Hustensaft – 92/100. 2007 in der Coburg völlig daneben – 86/100. Ein Riese 2008 aus einer perfekten Flasche. Deutlich kräftiger als 59 und im direkten Vergleich eher Medoc als Libournais, mit viel Süße, rosinig-malzig, feinstes Karamell, aber auch reichlich frische Kräuter – 97/100. Perfekt 2011 auf der 61*61, dieses einmalige Cheval-Parfüm in der Nase, diese ewige Eleganz am Gaumen, diese sehr feine, verschwenderische Süße – 100/100. Groß, kräftig und maskulin und noch sehr jung 2012 bei Elke Drescher, mit feiner Kräuternote - 95+/100, wird sich in der Form über lange Zeit weiterentwickeln und noch zulegen. Ähnlich kurz danach bei Uwe Bende. Sehr schön und immer noch sehr jung und kräftig wirkend 2014, kräuterig, füllig mit generöser Süße und guter Länge – WT96. 2016 aus einer Händlerabfüllung dieses unvergleichliche Cheval Blanc Parfüm in der Nase, am Gaumen samtige Eleganz, aber nicht ganz die Dichte der Chateauabfüllung – WT95. Und aus einer Chateauabfüllung 2016 nur jünger, sondern auch kräftiger, dichter und länger mit Potential ohne Ende, in dieser Form kommt da das beste erst noch – WT97+. Sehr gut gefallen hat mir an Weihnachten 2004 Clos St. Martin, feine Kirschfrucht, Zedernholz, reifer Wein, der auf diesem Niveau sicher noch 8-10 Jahre hält - 91/100. 2009 weich, reif, sehr sexy, pure Seide am Gaumen und eine feine, generöse Süße - 93/100. Zwei Wochen danach dann eine weniger überzeugende Magnum – 87/100. Noch einen Tick schlechter eine weitere Magnum 2011 auf der 61*61 – 85/100. Curé Bon la Magdelaine hatte 1994 und 95 zwar noch eine dichte Farbe, wirkte aber schon sehr gezehrt – 87/100. La Dominique hatte 1997 auf einer Drawert-Probe eine sehr junge Farbe, am Gaumen Alterston, aber auch sehr schöne Süße, kräftige Säure - 91/100. Damit war er deutlich besser und längst nicht so alt wie in 2 Hanapier-Flaschen, die ich 1994 und 95 getrunken hatte. 2014 Scöne Nase, Süße, Länge, aber spitz im Abgang – WT88. Noch sehr jugendlich wirkte Figeac 1997 auf einer Drawert-Probe, druckvoll, Veilchen, dunkle Früchte, großer Wein, dem aber etwas Schmelz fehlte – 92/100. Ein Jahr später auf einer Probe deutlich reifer, schöne Kirschfrucht, aber auch etwas kompakt, die große Freude kommt nicht auch, entwickelt mit der Zeit auch Möbelpolitur-Töne – 88/100. 2001 eine sehr gute 1tel in einer Raritätenprobe – 94/100. 2011 ein eleganter, großer, komplexer Figeac zum Träumen mit noch längerer Zukunft – 95/100. Kurz danach 2011 auf Elke Dreschers Weihnachtsprobe meine bisher beste Flasche. Dicht und jung die Farbe, einfach sensationell die Cappuccino Nase mit viel rotbeeriger, dekadent leckerer und süßer Frucht, die sich auch am Gaumen wiederfand und an die besten Silver Oak erinnerte, offen, süß und einfach hedonistisch schön – 96/100. Anfang 2014 ein großer Wein mit ätzender Nase – WT92. 2014 Traumnase, kräftig, kernig, ledrig und vor allem ohne den kork-ähnlichen Muffton so vieler Figeacs. Auch am Gaumen perfekt und stimmig, hält was die Nase verspricht und hat noch Potential für lange Jahre – WT95. Und dann noch 2014 auf einer Best Bottle im Wine Live eine Topflasche – WT96. 2015 sehr dicht aber mit deutlichen Brauntönen die Farbe, lakritzig, kernig, kräuterig und kräftig mit schöner Länge – WT92. 2016 sehr dichte, immer noch recht junge Farbe, rotbeerige und dunkle Früchte, Leder, etwas Lakritz, ein kerniger, etwas strenger Wein, sehr kräftig mit großartiger Länge und in dieser Form noch viel Zukunft – WT95. Gaffelière-Naudes wirkte 1998 in Hannover um Klassen jünger als 59 mit Cordier-Stinker in der Nase und viel Opulenz am Gaumen, ganz erstaunlich und wunderschön – 95/100. Ähnlich 2001 in meiner Raritätenprobe, sehr schöner St. Emilion mit Langstreckenpotential. 2009 sehr kraftvoll und elegant mit immer noch intaktem Tanningerüst, ein großer Schokoladenkuchen, der Hauch von flüchtiger Säure beeinträchtigte den Gesamteindruck nur minimal, rauchige Nase mit Zedernholz, Tabak und etwas Lakritz – 96/100. 2011 portig und süß, aber gleichzeitig auch sehr elegant und mit burgundischer Fülle am Gaumen, sehr lang und immer noch topfit mit guter Säure- und Tanninstruktur - 97/100. 2015 mehrfach so süß, so schmelzig, so schokoladig, und der ebenfalls dekadent leckere, schokoladige Gaumen hielt, was die Nase versprochen hatte. Gutes Rückgrat und gute Säure sorgen bei diesem Wein dafür, dass aus ähnlich guten Flaschen das Vergnügen noch lange Jahre weitergeht – WT96. Auch aus einer Vedrennes-Abfüllung war der Wein 2014 auf diesem Niveau. 2016 in dieser Bordelaiser Händlerabfüllung von René Vedrenne war reif und auf dem Punkt, so süß, schmelzig und schokoladig, einfach dekadent lecker, sowohl in der Nase als auch am Gaumen, und das alles mit wunderbarer Eleganz – WT97. Eine Mörderfarbe hatte 2013 der La Marzelle in einer Barrièreabfüllung, rauchig-tabakige Nase, Kraft, Dichte, Länge und sogar noch Jugend – 93/100. Monbousquet war 2011 im D´Vine ein überraschend eleganter, immer noch sehr gut trinkbarer Wein ohne erkennbare Runzeln – 90/100. Einfach sexy war 2008 ein Clos de l´Oratoire. Traumhafte Nase mit Süße, Kaffee und satter Röstaromatik, die sich am Gaumen fortsetzt, eigentlich mehr reifer Pomerol als St. Emilion – 95/100. Ebenso zuletzt auf der 61*61 – 95/100. Reif und erstaunlich süß mit feinem Schmelz war 2010 Pavie, hatte stilistisch mit den heutigen Boliden nichts zu tun und war eher eine elegante, feine Stilrichtung – 92/100. 2011 einfach betörend die süße, ausladende Nase, am Gaumen würzig, süß und sehr lang – 95/100. 2016 ein sehr feiner Wein, balanciert und stimmig – WT93. Bei Roc St. Michel half 2014 auch die Magnum nicht, der war dünn, metallisch und belanglos – WT80. Etwas rustikal, aber immer noch mit intakter Farbe, im Glas schön ausbauend mit Sattelleder-Tönen und Tabak war 2005 ein Tertre-Daugay – 88/100. Noch besser eine weitere Flasche davon 2007, feine, rotbeerige Frucht, gute Säure, kompakt, schlank und dabei noch so jung. Ein Wein mit reichlich Zukunft, der sich sehr schön im Glas entwickelte – 90/100. Etwas fruchtlos und gezehrt, vielleicht mit schleichendem Kork, zuletzt 2011 auf der 61*61 – 86/100. Kräftig, etwas rustikal und noch recht jung 2011 der Troplong Mondot, der im Abgang mit feiner Süße verwöhnte – 92/100. War wahrscheinlich nie richtig groß und wird sich auf diesem Niveau noch länger halten. Trottevieille war 2011 aus der Magnum ein süßer, sehr aromatischer, kräftiger, am Gaumen nicht enden wollendender Traum – 97/100. Aus einer weiteren Magnum 2014 ein sehr feiner, eleganter Schmeichler mit süßem Schmelz – WT93.

Reif war die Farbe eines Clos du Moulin aus Puisseguin St. Emilion, einer der vier Satelitten-Appelationen von St. Emilion. mit deutlichem , dunklem Braun, die Nase verhalten mit etwas Kaffee und Waldboden, reif auch der Gaumen, etwas rustikal mit nur ganz dezenter Süße, war eben immer schon ein kleinerer Wein, aber immer noch sehr gut trinkbar, dürfte sich auf diesem Niveau noch ein paar Jahre halten - 88/100.

Begeistert hat mich 2015 der Angelus à Pomerol, so eine reife, geile Merlot-Nase, am Gaumen noch jung, frisch und mit guter Statur – WT96. Sehr variabel 1995 und 97 Bourgneuf Vayeron. In einigen Flaschen sehr jung, dicht, ganz am Anfang, wenig Schmelz, uncharmant, 10 Jahre liegenlassen und auf ein Wunder warten 86/100. In anderen sehr reif, etwas staubig – 87/100 und dann auch mal eine tolle Flasche, die sicher 92/100 wert war. Certan de May war 1999 ein dichter Powerstoff, bei aller Kraft generös, füllig, erst ganz am Anfang – 96/100. 1995 hatte ich ihn schon mal als belgische Händlerabfüllung getrunken. Da machte er eher einen abweisenden, rustikalen Eindruck – 88/100. Zeigte sich 2016 zweimal kernig, kräftig, rustikal mit feiner Süße und tollem Abgang - WT95+96. Certan Guiraud roch und schmeckte 2004 süßlich-diffus, war etwas speckig und deutlich auf dem Wege ins Jenseits - 87/100. Mit Vorsicht ist der schon verdammt reife Clinet zu genießen. 1995 hatte ich zweimal das Vergnügen. Zuerst im Pariser Tour d´Argent, reife Farbe mit deutlichem Mahagoni, dezente Süße, schon etwas über den Höhepunkt hinaus, aber trotzdem noch sehr schön, entwickelte sich im Glas und hielt bis zum letzten Schluck – 92/100. Ein par Monate später in einer Probe deutlich fragiler, baute rasch im Glas ab. 2002 dann noch mal eine sehr gute Flasche, wunderschöner, reifer Pomerol ohne jedes Zeichen von Schwäche - 92/100. 2011 Schuhcreme in der Nase, nach einer halben Stunde kam dann tatsächlich noch mal Schokolade, und wenn man da reinbeißen wollte, hatte man nur die leere Verpackung im Mund – 84/100. 2016 ein sehr gut gereifter, sehr gefälliger 61er, jetzt auf dem Punkt oder schon etwas drüber mit feinem Schmelz – WT95. Bei einem Clos l´Eglise hatte ich 1997 erst etwas Probleme mit der Säure, der Wein wurde aber im Glas immer schöner und war zum Schluss der beste des Flights - 91/100. Conseillante war 2011 zwar kräftig, aber doch etwas eindimensional – 89/100. In einer Cruse-Abfüllung 2014 sehr jung wirkend mit dichter Farbe, roter Früchtekorb, blutiges Steak, etwas flüchtige Säure – WT93. Ein perfekt gereifter Klasse-Pomerol war 2002 La Croix mit dichter Farbe und betörender, druckvoller Aromatik – 93/100. Und das es längst nicht immer die großen Namen sein müssen, zeigte 2001 ein Croix du Casse, das war Pomerol vom Allerfeinsten, kräftig, lang mit viel Schmelz und trotz des schlechten Füllstandes noch lange nicht am Ende – 94/100. Noch ein Beispiel dafür 2007 auf Sylt ein Croix de Gay, perfekt gereifter, weicher, unglaublich leckerer Pomerol mit feinstem schokoladigem Schmelz – 93/100. Domaine de l´Eglise hatte 1997 in einer französischen Händlerabfüllung eine sehr reife Farbe, die Nase war ganz ok, aber am Gaumen war er kurz und säuerlich - 82/100. 2011 sehr schön dagegen die generöse Nase in einer Cruse-Abfüllung mit viel Schmelz und feiner Süße, da kam der säurebetonte, kurze Gaumen nicht mit – 87/100. Von L´Eglise Clinet habe ich 1994 zwei sehr schöne Magnums auf 94/100-Niveau getrunken. 2001 dann in einer Probe eine eher etwas enttäuschende Flasche – 90/100. Die bisher beste 2002, dichter, langer Stoff mit feiner Süße, großer Pomerol – 95/100. Ganz schön sauer war ich im ersten Moment, als sich im Sommer 1995 im Le Bricour in Cancale mein erstes Glas l´Evangile über mich ergoss, im Redeschwall umgestoßen von meiner Tischnachbarin. Dabei ging´s mir weniger um meine Klamotten - so was kann man reinigen – als vielmehr um das feine Tröpfchen, das da im Glas war. Noch geradezu jung wirkte der Wein, nicht nur in der Farbe, dabei sehr kräftig und ohne die überbordende Süße großer, reifer Pomerols – 95/100. Im selben Jahr durfte ich diesen Wein dann auch noch aus der Magnum probieren, auch hier wieder dichte Farbe, jung, sehr würzig, erstaunlich viel Säure – 95/100. Deutlich reifer und weiter dann 2000 eine in Brüssel erstandene, belgische Händlerabfüllung, auf einer Best Bottle der Wein des Abends – 97/100. 2001 in einer großen Probe eine faszinierende Magnum, mittleres Granat mit deutlichem Orangenrand, süß, mundfüllend, wunderbarer Wein - 98/100. Ein paar Monate später dann eine spektakuläre 1tel, Pomerol in Perfektion, reife Frucht, feine Süße, Kaffee, Trüffel – am Gaumen so verschwenderisch wie in der Nase – 99/100. 2011 noch ganz am Anfang einer langen, weiteren Entwicklung, dicht, kräftig, komplex, aber auch mit wunderschöner Süße und ewigem Abgang – 97/100. 2014 noch massig Zukunft, eher etwas maskulin wirkendend, enorme Kraft und Dichte, üppiges Nasenbild, am Gaumen enormer Druck und gewaltige Länge – WT96+. 2016 reif und in absolut bestechender Form zeigte mit herrlichem Schmelz ohne Ende. Das war Pomerol zum Verlieben und Träumen – WT100. Mitte der 90er habe ich ein paar schöne Flaschen Le Gay getrunken. 1995 bei Drawert helle Farbe mit deutlichen Braunrändern, im Kern gesund, Fruchtsüße, pflaumig, Kaffee- und Mokkaaromen - 93/100. 1996 relativ hell, schöne Cigarboxnase mit Milchkaffee, setzt sich am Gaumen fort, feine Süße, sehr harmonisch, etwas kurzer Abgang – 94/100. 1997 bei Drawert dann wieder der beste aller verkosteten 61er und deutlich jünger wirkend – 94/100. Ein halbes Jahr später bei Willi Krähling deutlich frischer als meine bisherigen mit junger Farbe und noch spürbaren Tanninen, aber am Gaumen auch etwas kurz und schon etwas gezehrt - 88/100. 1998 in einer Probe dann fruchtig, lecker, weich - aber auch säurelastig - 90/100. Zuletzt dann 2009 sehr jung wirkend, eine Art großer, kräuteriger Pauillac mit perfekter Struktur und grandioser Zukunft, in dieser Form wieder ein perfekter Lafleur für Schlaue – 96+/100. Da gibt es also entweder wie bei so vielen 61ern unterschiedliche Abfüllungen, oder der Wein hatte nur ein kurzes Zwischenhoch. Begeistert war ich 1994 von einer Magnum Gazin, die sich in einem hochkarätigen Flight mit Palmer und Margaux als bester Wein durchsetzte, ein kompletter, großer Wein mit verschwenderischen Aromen. 1996 dann eine belgische Händlerabfüllung, wunderschöne, klare, dichte Farbe ohne Alter. Gekochte Früchte, viel Kraft, sehr schöner Abgang - 93/100. 2001 noch einmal eine wunderbare schokoladig-fruchtige Chateauabfüllung – 93/100. Zuletzt 2011 Überreife zeigend – 91/100. Nur einmal hatte ich damals den legendären Lafleur aus einer echten Flasche getrunken, 1995 nachts um 2 Uhr nach einer Probe, aus der Magnum! Das war schon ein gewaltiger Wein, dichte, undurchdringliche Farbe, erstaunlich weich und zugänglich wirkend, aber mit kräftiger, tragender Säure und viel Alkohol, verschwenderische Frucht und kräuterige Töne, ein langlebiger Brocken, der schon unglaublich viel Spaß machte. Und zuletzt 2012 auf der Lafleurprobe am Attersee leider ein Tiefschlag. Sehr seltsam die Zahnpastanase, am Gaumen wieder diese billige, aufgesetzte Kirmessüße, nein mit Lafleur hatte das nichts zu tun. Wie heißt es so treffend? The proof is in the bottle. Und in der war für mich leider kein Lafleur. Leider von der Sorte in 2013 und 2014 weitere Flaschen. Nur einmal, 2013 hatten wir richtig Glück aus einer belgischen Händlerabfüllung. Als ich die erste Nase und den ersten Schluck nahm wusste ich, das war Lafleur wie es größer nicht geht, ein immer noch so jung wirkendes Tier von Wein mit Kraft ohne Ende, mit der klassischen, lakritzigen Kräuternase, mit unglaublich druckvoller Aromatik und gewaltiger Länge, baute enorm im Glas aus und entwickelte eine feine, nicht aufgesetzte Süße. Ja, das war Lafleur pur, ein Monument, dem man mit Worten kaum gerecht werden kann - klare WT100. Auch 2016 wieder auf diesem Niveau – WT100. Gefällig und reif 2001 ein Lagrange à Pomerol – 88/100. Dichter und kräftiger zuletzt 2008, aber mit enttäuschender Nase. Noch sehr jung wirkte 1997 ein La Grave Trignant de Boisset, mit dichter, junger Farbe, Tannin, pelzig am Gaumen, viel Kraft, Potential - 93/100. Zuletzt 2011 dichte, junge Farbe, sehr kräftig war am Gaumen, aber auch rustikal und monolithisch mit wenig Charme, die Schokolade aus dem Sonderangebot – 87/100. Extrem hoch bewertet und entsprechend extrem hoch bezahlt und megarar ist Latour-à-Pomerol. Ich durfte diesen Wein erst einmal genießen, 2004 in einer großen Probe. Sehr verhaltene Nase, Farbe nicht sehr dicht mit deutlichen Reifetönen, sehr schön, aber in diesen beiden 1teln deutlich über Höhepunkt hinaus - 94/100. 2012 in einer belgischen Abfüllung von Lafite. Einer der rarsten, besten und leider meistgefälschten Weine dieser Erde. Echt habe ich ihn bisher nur einmal aus zwei Flaschen getrunken, die auf hohem Niveau schon etwas müde waren. Gefälschte 61 Latour-à-Pomerol hatte ich schon genug im Glas. Es war einfach Zeit, für eine echte Flasche in Bestform. Die hatten wir hier. Once in a lifetime. Was für ein unglaubliches, explosives Geschmackserlebnis, immer noch tiefe, fast altersfreie Farbe, leicht ins likörige gehende, reife Frucht, Trüffel satt, portige Noten, ja, da war ein leichter Hauch von Überreife, ein Wein der auf die Grenze zwischen Genie und Wahnsinn zusteuerte und ewig lang am Gaumen blieb, die Fülle und der aromatische Druck eines 61 Petrus, dabei gleichzeitig Harmonie und erstaunliche Eleganz, machte sprachlos und glücklich zugleich – 100/100. Und dann gab es dieses einmalige Erlebnis 2016 noch mal aus einer belgischen Lafite-Abfüllung, genießen, staunen, träumen – WT100. Mit feinem, süßem, schokoladigem Schmelz verwöhnte 2010 ein Nenin aus Pomerol – 92/100. Konnte 2011 selbst aus einer suboptimalen Flasche(hs-ms) in der 61*61 überzeugen – 91/100. 2016 aus einer belgischen Händlerabfüllung rund und stimmig mit schmelziger Fülle, ein sehr feiner, ausgewogener 61er – WT95. Petit Village hatte 1997 eine dichte, junge Farbe, wirkte erst sehr jung und frisch, zeigte dann mit Temperatur auch Reife 90/100. 2001 wunderbar gereifter, großer Pomerol – 93/100. Zuletzt 2011 trinkreif mit feinem, süßem Schmelz – 92/100.

Wer den megararen und ultrateuren 61er Petrus genießen möchte, braucht tiefe Taschen, generöse Freunde oder beides. Und selbst dann ist noch längst nicht gewährleistet, dass sich in der Flasche tatsächlich 61 Petrus befindet. Von wenigen Weinen dürften in der Relation so viele Fälschungen existieren, wie von Petrus, vor allem in Großflaschen. Mein erster 61er Petrus 1993 auf Walter Eigensatz großer Petrus-Probe war absolut authentisch und noch sehr jung – 97/100. Über mehrere Flaschen danach, allesamt Magnums in bezahlten Proben, breite ich lieber das Mäntelchen des Schweigens. Umso mehr freute ich mich dann 2001 auf den Höhepunkt der 61er Probe eines Weinfreundes, leider aber nur eine billige Eierdieb-Fälschung mit extrem junger Farbe und Rhone oder Syrah-Nase. Und da dieser arme Mensch davon gleich zwei Magnums erworben hatte, stellte er 2004 die zweite ebenfalls an und präsentierte dagegen eine authentische Magnum, die mehrere Jahrzehnte in einem Sammlerkeller gelegen hatte. Die Zwillingsflasche des Kuckuckseis wieder der junge Syrah, diesmal schon etwas angereift, sensationell dagegen das Original, Petrus in Perfektion mit riesigem Aromenstrauß, trotz aller Reife unglaublich druckvoll am Gaumen, ein klares, rares 100 Punkte Erlebnis. Und die Moral von der Geschicht´: Petrus 61 wie 47 Lafleur und andere nur aus absolut seriösen Quellen mit 30 Jahre alter Originalrechnung kaufen. Und selbst dann ist natürlich nicht gewährleistet, dass der Wein der Papierform entspricht. Auf René Gabriels großer Petrus Probe 2005 war der 61er beileibe kein schlechter Wein und in dieser Magnum sicher auch authentisch. Aber er war deutlich reifer als ich ihn kenne. Die Nase war immer noch typisch und recht schön, aber am Gaumen spielte sich nicht viel ab. Wo sich sonst beim 61er ein irrer aromatischer Druck aufbaut, war hier nur ein feiner, eleganter Wein, der schon etwas müde und kraftlos wirkte. Ich kenne die Herkunft der Flasche nicht, bin aber sicher, dass sie schon einige Besitzer hatte. Diesen Effekt gibt es bei weit- und vielgereisten Trophäenweinen öfter. Die macht man besser gar nicht auf, sondern erhält sich die Illusion – 92/100. Das positive Gegenteil davon 2011 auf René Gabriels 61*61 Probe. Alleine schon diese süchtig machende Nase, ätherisch, großes Kräutermix, Trockenblumen, Schoko, Minze, süße Frucht. Der Gaumen macht da mit irrem, aromatischem Druck weiter. Kraft, Eleganz, Schmelz, Länge - warum muss ich mir dieses geradezu explosive Geschoss mit anderthalb Dutzend Mittrinkern teilen? Warum ist mein Glas nicht randvoll? So nippe ich vorsichtig und lasse jeden Tropfen einzeln auf der Zunge zergehen. Ja, dieser Schluck der ohne Frage 100/100 Ikone Petrus war schon die Reise nach Egerkingen wert. Und dann 2013 aus der Halben(!).So süß, so vielschichtig, so intensiv, der Candystore für Auserwählte, einfach in dieser gewaltigen Aromatik der helle Wahnsinn – WT100. 2014 leider wieder eine dieser unsäglichen Fälschungen.

Faszinierend 1998 und 2000 ein einfacher Pomerol von Eschenauer, da dürfte kein kleiner Wein dringesteckt haben, denn es gibt nicht allzuviel große Namen, die da mithalten können – 93/100. Eine dichte, junge Farbe hatte 2011 der Trignant de Boisset. Sehr kräftig war er am Gaumen, aber auch rustikal und monolithisch mit wenig Charme, die Schokolade aus dem Sonderangebot – 87/100. Sehr selten ist auch Trotanoy. Seit den beiden Flaschen, die ich 2000 und 2001 genießen durfte, weiß ich, warum. Ein perfekt gereifter Traum-Pomerol mit einer sensationellen Aromatik, nicht weit von Petrus – 98/100. 2014 immer noch irres Potential zeigend, kräuterig, lakritzig und enorme Power, kein Schokoschmuser, sondern eher ein Brutalo-Pomerol vom Stile eines Lafleur, dürfte noch zulegen und hat Potential für Jahrzehnte – WT96+. Maskulin, muskulös, fordernd, dabei so unglaublich druckvoll und lang, einfach riesengroß und perfekt – WT100. Nicht weit dahinter Vieux Certan, ein schmeichlerischer, burgundisch angehauchter Wein mit sehr viel Schmelz und feiner Süße, auf den das bei so vielen Weinexperten verpönte Wort „lecker“ einfach perfekt passt. Sechsmal hatte ich zwischen 1993 und 2002 das große Vergnügen mit diesem konstant auf 95/100 Niveau bewerteten Wein. 2011 auf der 61*61 eine grenzwertige Flasche, penetrante Uhu-Nase, wirkt am Gaumen künstlich aromatisiert und ging nach 30 Minuten in überreife Banane über. Da verbietet sich eine Bewertung. 2014 meine bisher mit Abstand beste Flasche dieses Weines. Immer noch recht junge Farbe ohne Reifetöne, wunderbare Nase mit schöner Fruchtund feinen Kräuternoten, am Gaumen feine Süße, schokoladige Fülle und ein langer Abgang – WT97. 2016 eine wunderbar schmelzige Traumnase, am Gaumen reif, weich, so herrlich aromatisch mit schokoladiger Fülle und schon fast burgundischen Konturen, tolle Länge – WT98.

Eher normales Sauternes-Jahr mit durchschnittlichen Weinen.

Eine sehr schöne Nase mit Mandelaromen hatte 2007 zweimal ein Belair in einer französischen Barrière-Abfüllung, am Gaumen feine Süße, immer noch frisch wirkend mit guter Säure, bittere Orangenmarmelade. Baute im Glas sehr schön aus und wurde kräftiger und voller – 91/100. Hat sicher noch Potential für 20 Jahre. Sehr fein und elegant mit schönen Honigtönen, aber auch guter Säure war 1993 am Arlberg

Climens - 91/100. Doisy Vedrines war 2011 süß, dicht und groß, Orangen-Bittermarmelade satt, passt perfekt aufs Früchstücksbrötchen – 92/100. Eine reife Farbe hatte 2011 de Fargues aus der Magnum, ein süßer, fülliger Wein, der aber auch schon erste Anflüge von Möbelpolitur zeigte. War sicher vor 10 Jahren besser und befindet sich auf dem Abstieg – 90/100. Rieussec, zeigte 2011 Süße, Druck, Dichte und Länge – 94/100. Suduiraud war 2006 ein klassischer perfekt gereifter Sauternes, güldene Farbe, Orangenschale, Crême Brulée, intensive, sehr angenehme Bitternote, sehr lang am Gaumen - 95/100. Etwas aufdringlich 2011 Violet mit süßer Haribo-Lakritze – 85/100. Wenig Freude hatte ich bisher mit Yquem gehabt. 1988 auf Sylt trotz traumhafter Farbe wenig Bouquet, roch etwas "verbrannt", wirkte bereits ausgezehrt und schien auf dem Weg ins Wein-Jenseits zu sein – 83/100. 1995 in München eine freudlose, sehr gezehrte Magnum. 2001 etwas grüne Nase, unharmonisch, kein großer Yquem - 85/100. Vielleicht hat er jetzt ja doch noch die Kurve zum Besseren bekommen. 2005 hatte er zur reifen güldenen Farbe in der Nase gebrannte Mandeln und Orangenschalen, am Gaumen feine Süße, Bitterstoffe und immer noch eine gute Säure – 94/100. Zeigte 2011 zwar enorme Kraft, wirkte aber auch recht bitter und bereitete wenig Freude – 92/100.

Kein Vergleich zu Bordeaux waren die deutlich schwächeren 61er Roten Burgunder.

Ein Beaune Vigne de l´Enfant Jesus von Bouchard kam 1961 erst als Maggi-Version von Mon Cherie ins Glas, durchaus mit viel Kraft, Länge und malziger Süße, aber eben trotz dichter, relativ junger Farbe oxidativen Noten, baute im Glas aus, wurde speckiger, immer mehr Kaffee - WT90. Ein Savigny les Beaunes 1er Cru Les Guettes von Doudet-Naudin wirkte 1997 auf einer Drawert-Probe mit kräftiger Farbe und hoher Säure irgendwie unreif – 83/100. Ein Beaune Teurons von Doudet-Naudin hatte 2011 eine wunderbare Nase mit viel Leder und Trockenfrüchten, schöne Süße, dicht die Farbe, am Gaumen keinerlei Alter, dafür die Pracht und Fülle, die man sich von einem großen Burgunder wünscht – 93/100. Ende der 80er stand bei Jörg Müller auf Sylt Corton Clos des Cortons von Faiveley in der ½ Flasche auf der Karte, den ich damals mit Begeisterung mehrfach getrunken habe. Immer wieder habe ich nach diesem Wein vergeblich gesucht, bis mir 2003 eine schöne 1tel über den Weg lief. In der war er immer noch dicht, jung und groß, ein Spitzenburgunder, der von seiner damaligen Faszination überhaupt nicht eingebüßt hatte - 96/100. Wie ein (zu) altes Wurstbrot roch 2011 der ziemlich kaputte Corton Tête de Cuvée von Albert Gauffroy, oxidiert, auch am Gaumen nur noch Maggi – 77/100. Oxidativ und kaputt aus einer Flasche mit 6,5 cm Schwund 2011 ein Pommard von J.P. Leconte. Ein Pommard von S.A. Leroy war 2012 ein großer Wein mit fantastischer, sehr ausdrucksstarker Nase, generöser Süße, absolut stimmig und balanciert am Gaumen, mit guter Struktur und Länge – 95/100. An einen älteren, gut gereiften deutschen Spätburgunder erinnerte mich 2011 der Nuits St. Georges Les Boudots von Noellat, beileibe kein schlechter Wein, kräftig, etwas rustikal, unsaubere Noten und Pilze, gut trinkbar, aber das typisch burgundische, die Eleganz und der feine, süße Schmelz gingen ihm ab – 88/100. Gut trinkbar 2011 der kompakte, aber auch etwas eindimensional und wenig inspirierend wirkende Gevrey Chambertin von Patriarche Père et Fils, dürfte sich mit intakter Farbe auf diesem Niveau noch länger halten – 86/100.

Sehr gut gelungen waren in 1961 die Weißen Burgunder. Die Besten davon machen aus guter Lagerung heute immer noch viel Spaß.

Risikofreudig kaufte ich 1994 mehrere halbe Flaschen einfachen Meursault von Leroy. Dieser vermeintlich kleine Wein, von dem ich nicht mehr viel erwartete, entpuppte sich als ausgesprochen langlebig. Eine kräftige Säure hatte ihn wohl perfekt konserviert. Eine 1995 mit Karl-Heinz Johner getrunkene Flasche hatte Zitrusfrüchte, kräftige Säure, entwickelte sich über 5 Stunden(!) im Glas, ohne abzubauen – 94/100. Dieses Erlebnis hatte ich dann noch mehrfach. Aus den letzten beiden Flaschen 2001 in meiner Raritätenprobe stand der Wein wie eine „Eins“ im Glas und war ein ganz, ganz großer Meursault mit erstaunlicher Frische – 96/100. Immer noch recht hell in der Farbe war 2009 ein Meursault von Ligeret, leicht oxidativ die Nase, am Gaumen immer noch viel Kraft und eine feine Würze. Trotz eines, insbesondere zu Anfang eher gezehrten Gesamtbildes war dieser Wein vor allem zum Essen recht schön zu trinken und baute nicht ab, sondern aus – 88/100. Zuletzt 2011 goldgelb, deutliche Säure, aber auch viel Würze, dezent nussige Noten, viel Kamille – 87/100. Pilzig hingegen 2011 die Nase des Meursault von Bouchard Pére & Fils, Sherrynoten, aggressive Säure, eigentlich nur mit Schmerzen zu trinken. Ich ließ ihn eine Weile stehen. Manchmal geschieht ja noch ein Wunder. Doch hier verwandelte sich nur die Pilznote in Mottenpulver, scheußlich – 65/100.

Ein Traumjahr, insbesondere für die nördliche Rhone und hier Hermitage.

Eine der großen Weinlegenden unserer Zeit ist Hermitage La Chapelle von Jaboulet Ainé. Zu meiner ersten Flasche dieses Jahrhundertweins kam ich als später nicht bereute Folge alkoholisch-euphorischen Leichtsinns. Während einer sehr schönen Probe Anfang der 90er in Hannover diskutierten wir über den La Chapelle, von dem eine Flasche auf der Karte eines Hannoveraner Restaurants stand. Ich rief zu fortgeschrittener Stunde den Wirt an, ob er nicht zu fairem Mittrinkerpreis samt Flasche bei uns erscheinen könne. Er kam!!! – und wir alle zu einem tollen Weinerlebnis. Was da mit fast purpur-schwarzer Farbe aus der Flasche kam war schon gewaltig und stellte alles in den Schatten, was wir vorher getrunken hatten. Etwas analytischer konnte ich dann 1995 auf einer großen Hermitage La Chapelle Probe an den Wein herangehen. Sensationelle Farbe, jugendlich ohne jedes Alter, am Gaumen konzentriert, kräftig, wunderschöne Länge, Nase erst größer als Gaumen, braucht viel Zeit und baut im Glas aus - 98/100. 2001 dann im Comme Chez Soi in Brüssel traumhafte Trüffelnase, am Gaumen feine Süße und massig Lakritz, minutenlanger Abgang, sensationeller Jahrhundertstoff, der den nachfolgenden 59 La Mission ganz alt aussehen ließ - 100/100. 2016 endlich noch mal, ein Wein, der alles hat und von allem noch mehr, trank sich wie ein 90er mit doppeltem Turbolader – WT100.

Aus einem französischen Keller konnte ich vor langen Jahren einmal mehrere Flaschen eines ansonsten namenlosen Nicolas Hermitage erwerben. Der erwies sich als absoluter Glücksgriff. 1999 die erste Flasche, wunderbarer Stoff, der im Glas erst richtig ausbaute, intensive Zigarrenkiste und Tabak, ginge locker als perfekt gereifter La Mission durch – 95/100. Die Zweite präsentierte sich Anfang 2001 als perfekt gereifter Traumburgunder. Die Dritte schob ich 2001 als Pirat in einen Flight mit La Mission und Haut Brion. Dabei schnitt er blind als zweitbester ab!!!!

Zuletzt 2011 auf der 61*61 staubig mit viel Mottenpulver die Nase des gruftigen 1961 Côte Rotie Brune & Blonde von Chapoutier, verabschiedete sich im Glas in Rekordtempo.

Aber auch an der südlichen Rhone wurden sehr gute Weine erzeugt. Aber natürlich ist nicht alles, wo 1961 und Chateauneuf draufsteht, automatisch gut. So hatten wir 2011 auf René Gabriels 61*61 Probe eine Hitparade der Grausamkeiten.

Der Chateauneuf-du-Pape von Saint Benoit kam 2015 rustikal mit viel Säure ins Glas, dazu mit leichter Säure und Kellermuff, wurde immer schöner, eleganter mit generöser Süße - WT91

Schlichtweg grausam leider 2011 der Chateauneuf-du-Pape La Bernardine von Chapoutier. Leicht morbid wirkte 2016 zumindest zu Anfang auch der normale Chateauneuf-du-Pape von Chapoutier. Sehr hell und reif die Farbe, in der Nase mehr Soya als Frucht, am Gaumen der Spagat zwischen Oxidation und fruchtiger Süße. Nur starb dieser Wein nicht, sondern entwickelte sich im Glas, auch die Nase wurde süßer - WT87. Der Chateauneuf-du-Pape Clos de l´Oratoire war 2011 nicht nur groß, das war ein Gigant. Traumnase, süß, kräuterig, vielschichtig, Kraft und immer noch Jugend zeigend. Sehr komplex mit ungeheurem, aromatischem Druck am Gaumen, wiederum mit generöser Süße und unglaublicher Länge – 97/100. Aus einer weniger guten Flasche 2013 ähnelte er eher einer überlagerten Tüte Haribo-Lakritz. Wurde im Glas etwas besser, blieb aber auf der rustikalen Seite – WT89. Ein Chateauneuf-du-Pape Les Cabanes vom Chateau Descarrages war 2006 ein kräftiger Wein mit toller Farbe. Immer noch so jung, so dicht, so üppig, aber gleichzeitig einer der wenigen, die im Super-Sonnenjahr 1961 einen Wein erzeugte, der nicht nur füllig war, sondern auch Frische bewahrte. Hat sicher noch Potential für 10+ weitere Jahre – 95/100. Sehr grenzwertig 2011 in der 61*61 der Chateauneuf-du-Pape von Rémy Gauthier, Möbelpolitur, Nagellackentferner, sicher nicht das, was man unter einem großen Chateauneuf versteht. Der Chateauneuf-du-Pape Mas Saint-Louis von Geniest hatte 2014 eine helle, reife Farbe, wirkte in Ehren gereift, sanft, weich, elegant mit süßem Schmelz, das waren beim ersten Schluck locker WT90, doch dann ging es im Glas immer mehr abwärts und der Chateauneuf wurde säurelastiger. Reifer Chateauneuf vom Feinsten war 2015 der Chateauneuf-du-Pape Les Grappes des Papes von Jaboulet Ainé, betörende Erdbeernase, so fein, so elegant, so schmelzig mit verschwenderischer Süße auch am Gaumen in bester Burgunderart – WT97. Ohne Kork wäre der Chateauneuf-du-Pape von Mont Olivet sicher 2010 ein kräftiger, großer Chateauneuf gewesen, dessen Potential deutlich spürbar war. Der Chateauneuf-du-Pape Vieux Moulin allerdings war 2010 schon verdammt reif mit heller Farbe, auch am Gaumen neben Süße deutliche Alterstöne, droht langsam zu zerfallen, trotzdem noch 90/100.

Der Vouvray Moelleux 1er Trie Le Mont von Huet hatte 2015 eine tiefe orangene Farbe, eine Traumnase mit Orangenzesten und Crême Brulée, am Gaumen kaum spürbare Restsüße und angenehme Bitternote, die eigentlich erwartete, oxidative Note nicht spürbar – WT95.

Nicht uninteressant 1997 bei Willi Krähling zur Schokoladenvariation ein Banyuls Dr. Parcé, mit heller Farbe sehr portig, ohne die Finesse eines großen Port, schokoladig, alkoholisch. Zum Dessert ganz passend, solo weniger mein Ding.

Ein sehr mäßiger Sommer verdarb das deutsche Weinjahr. Trotzdem wurden insbesondere an der Mosel ein paar ganz anständige Weine gemacht. Durch die knackige Säure könnten davon einige Auslesen immer noch gut trinkbar sein.

Eine Trittenheimer Apotheke Auslese von Clüsserath hatte 2001 eine helle Farbe, viel Säure, wirkte fast trocken und dürfte sich auf diesem bescheidenen Niveau sicher noch länger halten - 84/100. Noch erstaunlich frisch war 1994 auch eine Wiltinger Gottesfuß feine Auslese von Apolinar Josef Koch – 90/100. Gut gereift mit Schiefer/Petrolnase, makanter Säure und guter Süße 2013 eine Ürziger Würzgarten feinste Auslese von Dr. Loosen - 91/100. Zeitlos elegant ohne Firne mit noch guter Säure und feiner Süße war 1994 eine Wehlener Sonnenuhr Auslese von JJ Prüm – 92/100. Die Zukunft schon lange hinter sich hatte 2011 der einfache Wehlener Sonnenuhr Riesling von JJ Prüm. Reife Farbe, grenzwertige Nase mit Möbelpolitur und Nagellackentferner, was sich am Gaumen leider fortsetzte – 79/100. Furztrocken wirkte 2012 die Van Volxem Wiltinger Dorr Auslese Fuder 17. Die hohe Säure hielt ihn frisch, ein komplexer, beeindruckender Terroirwein – 93/100. Noch einen Tick drüber 2012 die Van Volxem Wiltinger Braunfels feinste Auslese, sehr würzig, total frisch, komplex, lang, harmonisch trocken wirkend – 94/100.

Von der hellen, leicht trüben Farbe her hätte der Barolo Riserva von Borgogno 2012 eigentlich over the hill sein müssen, aber das ist halt alter, klassischer Barolo. Die sehen einfach so aus. Dieser hier war noch so unglaublich vital und geradezu jugendlich und frisch in der Aromatik, natürlich gestützt von der Barolo-typischen Säure. Rosenblätter, Teer, Kräuter, Bittermandeln, da kamen immer neue Facetten in der faszinierenden Aromatik – 95/100. Ein Gaja Barbaresco war 2013 noch voll da mit erstaunlich präsenter Kirschfrucht, mit erdiger Mineralität, mit altem Sattelleder, mit guter Säure und feiner Süße. Ein Wein mit Rasse und Klasse – 95/100.

Solide, aber nicht sonderlich aufregende Weine wurden in Spanien erzeugt.

VinaTondonia von Lopez de Heredia war 2007 auf René Gabriels großer Spanien-Probe erst ein sehr feiner, balancierter Wein, der sich auch in einer Bordeaux-Probe gut machen würde. Im Glas wurde er aber auf hohem Niveau zunehmend hohler und langweiliger – 88/100. 2009 dann weitgehend fruchtlos. Einfach hohl und langweilig, starb relativ schnell im Glas – 82/100. Ein solider, langweiliger Wein ohne Höhepunkte in derselben Probe Marques de Riscal Reserva – 84/100. Ein Sonvida aus Mallorca kam 2007 mit heller Farbe und sehr zart und fragil ins Glas. In der Nase Schuhcreme, am Gaumen säuerlich-nichtssagend – 72/100. Torres Gan Coranas Reserva war 2006 ein sehr delikater, reifer Wein mit feiner, spanischer Aromatik, reife, helle Farbe, sehr elegant und lang, wirkte zu Anfang etwas alt, aber das gab sich im Glas schnell, rund, wurde immer besser - 92/100. 2007 zwei unterschiedliche Flaschen, in der besseren war das ein riesengroßer, perfekt gereifter, sehr delikater, schmeichlerischer Wein mit sehr langem, leicht lakritzigem Nachhall – 97/100. Trotz der ziemlich hellen Farbe war da kein Zeichen von Alter oder Schwäche. Die zweite Flasche kam da nicht mit. Zuletzt 2011 auf der 61*61 ein sehr feiner, delikater, reifer Wein mit generöser Süße, bei dem eigentlich nur die helle Farbe auf Alter hindeutet, zeigte sonst noch eine erstaunliche Frische und war recht lang am Gaumen – 94/100. Vega Sicilia Unico hatte 2001 eine dichte, stumpfe, reife Farbe, war portig, Liebstöckel, kräftige Säure, wurde bissig, dumpfer Faßton, rustikal – 87/100.

Schier unglaublich 2010 aus dem heutigen Kosovo ein Amselfelder Spätburgunder König Lasar, dieser fast 50 Jahre alte Supermarktwein hatte zwar eine helle, leicht trübe Farbe, war aber mit einer unglaublich dekadenten, malzigen Süße einfach traumhaft gut zu trinken . 93/100.

Ich habe große Zweifel, dass der Feteasa aus der Sowjetunion jemals Freude bereitet hat. Immerhin hat dieser Wein aus einer Traminer-Rebsorte seinerzeit wohl stolze 7 Mark 50 gekostet. 2011 bei Uwe Bende hatte er eine sehr reife Farbe und erinnerte an einen sehr gezehrten, alten Burgunder, der deutlich über den Punkt ist, trinkbar ja – Freude nein.

Was immer 2014 in der Flasche Ungarischer Badasconyer Grand Reserve von den Grenzkellereien Brüder Buchner war, es hätte drin bleiben sollen. In meinem Glas hatte das nichts zu suchen.

Einer der größten und zuverlässigsten Weine des Jahrgangs stammt aus dem Libanon. 1994 auf einer Drawert-Probe habe ich den Musar blind für einen ganz großen Pomerol gehalten, traumhafte würzige Nase, perfekte Süße, lang, komplex – 98/100. 2001 dann als Pirat der Star eines großen 61er Pomerol-Flights, wieder mit toller Nase, verschwenderischer Süße am Gaumen, üppig, Wein-Hedonismus in seiner schönsten Form, tolle Länge am Gaumen – 99/100. 2009 einfach betörend mit faszinierender Aromatik, burgundisch im besten Sinne, aber auch mit einem deutlichen Schuss Exotik, sehr süß, dabei fast etwas üppig, aber mit toller Struktur, sehr intensiv und nachhaltig am Gaumen, keinerlei Zeichen von Müdigkeit – 98/100. Ende 2013 dekadent süß, verschwenderisch, mit süßer, sehr (Weihnachtsge)würziger Nase, mit endlosem Schokogaumen, und das alles sehr stimmig, würde perfekt in eine Probe großer 61er Pomerols passen – WT97.

Gilt eher kleinerer Kalifornien-Jahrgang.

Joe Heitz Erstlingswerk, der Heitz Cabernet Sauvignon, zeigte 2011 keinerlei Spur von Alter oder gar Gebrechen. Ein perfekt gereifter Pauillac aus einem Guss, großer Bordeaux in Reinkultur, bei dem nichts auf Kalifornien hindeutete – 94/100. Der Inglenook Cabernet Sauvignon Classic Claret war 2010 auf dem Unger Weihnachtstastingein eher kleinerer, aber nicht uninteressanter Wein, viel Säure, pikante Frucht und durch die hohe Säure immer noch eine bemerkenswerte Frische zeigend – 87/100. Der Charles Krug Cabernet Sauvignon war 2016 sehr minzig, kräuterig und mit einem Hauch Eukalyptus, ein großer Old School Kalifornier, dem es nur am Gaumen etwas an Dichte fehlte – WT96.

Als Piraten hatte ich ihn 2005 in eine Probe gestellt, aber der Zonnebloem Cabernet Sauvignon von der Stellenbosch Farmer´s Winery hatte nicht das Zeug zum Favoritenschreck. Sehr dichte, junge Farbe, die überhaupt nicht zum sonstigen Erscheinungsbild passte. In der alten Nase intensiv Liebstöckel, am Gaumen eher Bordeaux-Stilistik, alter Wein, aber nicht ohne Charme und durchaus noch gut trinkbar - 84/100.

Der Penfolds Grange war 1999 auf der Grange-Probe in Lehrbach einer der schwächsten Weine der Probe, schon sehr weit mit pilzigen Aromen – 88/100. Etwas besser 2011 auf der 61*61, ein durchaus spannender, reifer Wein, der aber nicht die Klasse moderner Granges besitzt und inzwischen deutlich über den Zenit ist – 90/100.

Ein gutes Champagnerjahr.

Dom Perignon gehört zu den besten Champagnern aus diesem Jahrgang. Nichts verkehrt machen können Sie natürlich mit einer frisch degorgierten Flasche direkt von der Domaine, wobei allerdings vom Charme älterer Champagner einiges verloren geht. Ich bevorzuge deshalb originale, alte Flaschen und greife, wenn es das prickende, frische Champagner.Erlebnis sein soll, lieber gleich zu einem jungen Jahrgang. Schon häufiger erlebt habe ich auch das aufgießen eines älteren Champagners mit jüngerem, um diesen „aufzufrischen“. Ich halte das für ziemlichen Schwachsinn. Stellen Sie sich mal 62 Mouton vor, aufgefrischt mit einem Schuss 2000er. 1994 hatte mein erster Dom Perignon zwar kein kräftiges Mousseux mehr, aber eine tolle Nase und war im Abgang überzeugend und lang – 94/100. 2001 hatte er eine reife, kräftige Farbe, schöne Brottöne, ein feinperliges, schönes Mousseux, großer Champagner – 95/100. 2011 sehr reif und weinig war der, Mousseux nur noch als ganz dezentes Prickeln am Gaumen spürbar. Reif auch die Farbe, in der Nase Brottöne, Brioche, am Gaumen sehr elegant, nachhaltig und nussig mit feiner Bitternote im Abgang – 93/100. Zwei großartige, reife Flaschen 2016, eine perfekter Stillwein ohne Mousseux, aber mit faszinierender, karamelliger Aromatik – WT96, die zweite etwas frischer, Mousseux noch spürbar – WT97. Eine Krug Private Cuvée Extra Sec zeigte 2001 erste Reifetöne, war aber immer noch schön zu trinken. Ruinart Brut Rosé hatte 2004 deutliche Alterstöne, war aber immer noch schön zu trinken, kurzer Abgang - 87/100. Veuve Clicquot Brut Carte d´Or war 2001 aus der Magnum sehr frisch mit noch schönem Mousseux, gefiel mir besser als Krug.