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1962

Masse statt Klasse wäre natürlich unfair gegenüber dem Jahrgang, aber speziell für Bordeaux stimmt das im Vergleich zum berühmten Vorgängerjahrgang schon. Groß war die Ernte in Bordeaux und von guter, aber nicht überragender Qualität. Leider besaßen die Weine aus Bordeaux auch nicht das Standvermögen der 61er. Viele haben ihre beste Zeit schon lange hinter sich.

Ziemlich grausames Zeugs ist Calon Ségur. 1994 eine ganz üble Magnum. Im selben Jahr dann noch eine halbwegs trinkbare 1tel, ziemlich hell mit Brauntönen, wenig Frucht, ausgezehrt, baute nach 1 Stunde völlig ab – 82/10. Eine weitere Flasche nach dem ersten Probeschluck gleich entsorgt. 2009 noch mal eine Magnum, medizinale Nase, am Gaumen etwas dünn und dabei bitter, rustikal und durch das unreife Resttannin recht sperrig wirkend – 84/100. Eine enttäuschende Nase hatte 2006 Cos d´Estournel. Am Gaumen war er trotz heftiger Säure deutlich besser und blühte mit feiner Süße und viel Pilzen noch mal auf – 87/100. 2016 voll da, aber nichtssagend – WT85.

Batailley war 1996 auf einer Drawert-Probe aus der Magnum mit sehr kräftiger, dichter Farbe rustikal, aber auch etwas einfach gestrickt und säuerlich am Gaumen – 85/100. Grand Puy Lacoste war 2016 aus der DM perfekt gereifter Pauillac, Zedernholz, sehr mineralisch, Unterholz, ein Hauch Minze, feiner, cremiger Schmelz, legt sich wie Cashmere auf den Gaumen, wunderbare Länge - WT94. Lafite Rothschild hatte 1995 im Landhaus Bacher aus der Doppelmagnum eine reife Nase mit Zedernholztönen, war über den Höhepunkt hinaus, etwas säuerlich, aber noch gut trinkbar – 85/100. Drei Monate zuvor war ich auf einer Rodenstock-Probe wie viele andere froh, dass dieses furchtbare, säurelastige Gesöff abgeräumt wurde. Mein Tischnachbar, Michael Broadbent, behielt als einziger sein Glas, um zu sehen, wie er sich weiter entwickelt. Irgendwas habe ich da wohl nicht richtig mitbekommen. Zuletzt 2011 auf René Gabriels großer Lafite-Probe in der diffusen Nase billiges Industrie-Erdbeeryoghurt, am Gaumen gezehrt mit deutlicher Säure. Wie schön, dass jetzt der nächste Gang unseres Menüs kam. Damit ging er deutlich besser und brachte es auf 86/100. Solo ist dieser Wein eher schwierig. Auch Lafites Zweitwein der Carruades war 1989 nur ein leichtes, schlappes Weinchen, schon weit über Höhepunkt, falls es den jemals hatte – 82/100. Sicher einer der langlebigsten 62er ist Latour. Der hat lange gebraucht, bis er überhaupt trinkbar wurde. Ich erinnere mich an einige Flaschen aus dem Anfang der 90er, wo Latour noch gar nichts rausließ. Überraschenderweise war dann mein erster richtig großer, trinkreifer 62er Latour 1994 in Hamburg eine wunderbare Imperiale. Ein Jahr später auf Willi Krählings großer Latour-Probe aus der Magnum wieder groß, aber noch etwas unfertig – 94/100. 2000 auf einer Best Bottle dann sehr junge, dichte, kräftige Farbe, Klassiker mit schöner Minze, Riesenteil - 94/100. Ähnlich noch mal 2002. 2007 ein kerniger, wunderschöner, trüffeliger Latour mit viel Kraft und Biss – 95/100. Ein paar Monate danach allerdings aus der Magnum schon sehr weit entwickelt. Ein sehr feiner, reifer, aromatischer Latour mit ganz leicht metallischen Tönen – 92/100. 2010 aus der Magnum ein kerniger, kraftvoller Latour mit sehr dichter Farbe und perfekter Statur, immer noch gutes Tanningerüst, Trüffel, die für gute Latours typische Walnussnote, etwas Minze, lang am Gaumen, Pauillac pur mit in dieser Form noch reichlich Zukunft – 95/100. Leider kurz danach eine sehr reife 1tel mit viel Liebstöckl - 87/100. Und auch 2014 auf der Latour-Vertikale in der Balm enttäuschend – WT86. Lynch Bages war 2001 aus der Magnum schon etwas müde und nicht mehr sehr generös - 86/100. Aus der 1tel 2008 rustikal ohne jegliche Finesse mit deutlicher Altfassnote - 78/100. 2014 säuerlich, medizinal und absolut spaßfrei – WT78. Mouton Rothschild war 1998 in der 1/2 erstaunlich kräftig und jugendlich mit gut eingebundener, tragender Säure, die aber mit der Zeit Überhand gewinnt, wohl doch über Höhepunkt weg – 88/100. Kurz danach eine deutlich jünger wirkende, sehr schlanke 1tel. 1999 auf einer großen Mouton-Probe dann eine sehr schöne Flasche, wunderbare Minznase, Minze auch am Gaumen, lang, toller Stoff, hat auch noch Frucht, in dieser Form durchaus noch Zukunft – 93/100. Erstaunlich schön und kräftig war 2009 die Pichon Comtesse, malzig und mit süßem Schmelz, hielt sich sehr gut und dürfte immer noch eine Suche wert sein – 91/100. 2010 voll auf dem, weich, zugänglich, erstaunlich süß und füllig, sehr schokoladig, eine perfekte Weinpraline – 93/100.

Beychevelle zeigte 2015 immer noch eine erstaunliche Kraft, aber auch hohe Säure, Zedernholz, wenig Frucht und wirkte etwas eckig, trank sich aber trotzdem verdammt gut – WT90. Ducru Beaucaillou hatte 1995 auf einer Drawert-Probe aus der Magnum noch eine kräftige Farbe, Milchkaffee-Töne, war sehr lang und ausgewogen – 93/100. 2006 auf der großen Ducru-Probe nur noch ein kleiner, feiner Wein - 86/100. 2009 aus der Magnum eine erstaunlich fruchtige, generöse Nase, mit der der eher schlanke, leicht säuerliche Gaumen nicht mitkam. Trotzdem immer noch ein feiner, gut trinkbarer Wein, ohne Kraft zwar, aber mit viel Eleganz und immer noch erstaunlicher Länge – 87/100. Schwächelte auf der großen Ducru-Probe 2009 zu Anfang etwas, legte dann aber unglaublich im Glas zu, reif zwar, aber so aromatisch mit deutlichen Kaffeenoten, sehr fein, elegant und mit generöser Süße – 91/100. Nach einer unglaublich guten Doppelmagnum 1993 am Arlberg habe ich Gruaud Larose 1995 noch einmal aus der 1tel getrunken. Da war er deutlich reifer, aber immer noch sehr druckvoll und aromatisch – 91/100. Wirkte 2012 im Rössli in Bad Ragaz insgesamt noch so jung, nicht nur in der praktisch altersfreien Farbe. Aber da war eben neben der immer noch gute Frucht und der Dichte diese massive Säure, die eher an gewisse 75er erinnerte. Muss ich mich noch mal mit beschäftigen – 88(+?)/100. Das habe ich dann 2013 getan. stellte sich bei diesem Wein die Frage, seit wann Sauerkraut in Weinflaschen angeboten wird. 2014 trank er 2mal sich auf niedrigem Niveau ganz gut mit schöner Nase, wirkte am Gaumen jedoch arg metallisch – WT86. Besser 2014 auf dem Chateau in René Gabriels großer Vertikale, konnte zwar seine Reife nicht verbergen, war aber immer noch sehr kräftig mit guter Statur, in der Nase ein deutlicher Cordier-Stinker mit etwas Minze und Eukalyptus – WT93. Für Leoville las Cases konnte ich mich 1989 und 1994 nicht sonderlich erwärmen. Der wirkte schon sehr reif mit ersten Brauntönen, verhaltene Nase mit Teer, Lakritze, kräftig am Gaumen, alkoholisch, etwas kurz im Abgang – 85/100. Ein säuerliches, leichtes Weinchen, das man getrost vergessen kann, war sowohl 1994 als auch zuletzt 2000 Leoville Poyferré. Ein sicherer Tipp aus 1962 könnte Talbot sein. Davon ging mir 2007 im Keller eine Doppelmagnum kaputt. Mit klarer, dichter Farbe, kaum Brauntöne, ergossen sich da 3 Liter feinsten, topgereiften St. Juliens in meinen Kellern und verströmten einen wunderbaren Duft. Was für eine geile Nase! Da musste ich den Rüssel nicht tief ins Glas stecken. Ich brauchte nur kräftig durch die Nase zu atmen. Vor Schreck erst starr, rettete ich den Flaschenfuß mit noch genug Wein, um bei aller Vorsicht trotz Scherbengefahr wenigstens noch ein Dezi dieses köstlichen Elixiers zu erhaschen. Das war reifer Medoc in Reinkultur und hätte in einer Degustation sicher mit mindestens 94/10 abgeschnitten. Zuletzt 2008 dann aus der Magnum eine herrliche, reichhaltige, üppige Nase, mit der der Gaumen allerdings nicht mitkam –89/100.

Cantemerle war es 1997 selbst in der Magnum nicht mehr, helle Farbe, säuerlich, kein Genuss - 79/100. Überraschend 2009 aus der Magnum La Lagune, süße, sehr generöse Nase, nur setzt die sich nahtlos mit feinem, süßem Schmelz am Gaumen fort. Einfach burgundisch schön ist dieser Wein, der nicht nur die reife Erdbeere und Himbeere eines großen Burgunders zeigt, sondern auch eine faszinierende, filigrane, fruchtige Eleganz – 96/100. 2014 aus der 1tel eher etwas rustikal und ruppig mit viel Brett – WT87.

Ganz angetan war ich 1995 und 96 von Chasse Spleen in einer belgischen Händlerabfüllung, schöne Farbe und Nase, wirkte jünger, etwas schlank und staubig am Gaumen, baute nach 2 Stunden ab – 86/100. Lanessan war 2003 aus der Magnum bis auf ganz leichten Korkton wunderbarer Wein mit viel Kraft und Länge, macht´s noch lange - 92/100.

Nur noch in perfekten Großflaschen würde ich mich an Margaux rantrauen. Das war Ende der 80er/Anfang der Neunziger ein sehr schöner, fruchtiger Wein mit feiner Nase, aber schon weit entwickelt. Am besten gefiel er mir 1994 auf der großen Margaux-Probe in der Wachau aus der Magnum, herrliche Kaffeenase, auf der leichteren Seite, harmonisch, nicht besonders lang – 89/100. Nach staubigem, verdrecktem Pferdestall roch er zuletzt 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe. Auch am Gaumen eine säuerliche Plörre, die man getrost vergessen kann- 78/100. Sicher noch eine Suche wert ist Palmer, der 2013 aus einer Magnum zwar leider Kork hatte, aber trotzdem die gewaltige Substanz dieses eher maskulinen Palmers zeigte.

Domaine de Chevalier hatte 2000 aus der Magnum eine sensationelle Farbe und tolle Graves-Nase, am Gaumen weniger überzeugend, kam dann aber mit der Zeit und entwickelte später feine Süße – 90/100. Sehr oft getrunken habe ich Haut Brion, einen Wein, der sich Ende der 80er und Anfang der 90er ähnlich darstellte wie heute der unverwüstliche 79er. Nach ein paar schwächeren 1teln dann 2003 noch mal eine traumhaft schöne Magnum – 93/100. Wahrsccheinlich eine fehlerhafte Flasche zuletzt 2006 auf der Haut Brion-Probe. Sehr kompakt, etwas gezehrt wirkend, viel Lakritz, animalische Töne, aber auch laktisch wirkend, einfach nicht stimmig, der müsste zumindest aus der Magnum noch deutlich mehr bringen – 78/100. Da kann der in 1962 nicht besonders gelungene La Mission nicht mithalten. 1995 wirkte er völlig La Mission-untypisch, wie ein gereifter Burgunder – 86/100. 1997 dann wieder sehr reif, weich, burgundisch, nur dezente Cigarbox-Nase, keine Zukunft – 85/100. Eine überraschend schöne Magnum 2009, traumhaft die Nase mit der klassischen La Mission-Aromatik, Tabak, Teer, Cigarbox und alter Ledersattel. Am Gaumen zwar eher etwas leichtgewichtig, aber hocharomatisch und burgundisch wirkend. Eine wunderbare Paarung aus Nachhaltigkeit und Eleganz mit rauchigen und kräuterigen Noten und einer tollen Länge – 93/100. War wohl 2012 auf René Gabriel großer La Mission Probe fehlerhaft und wirkte aus dieser Magnum einfach nur eindimensional und langweilig – 86/100.

l´Arrosée war 2014 ein zwar kleiner, aber sehr feiner, eleganter und absolut stimmiger Wein mit leichter Karamellnote – WT89. Dünn und wässrig war 1994 ein Canon-la-Gaffelière in einer Hanapier-Abfüllung. Ich habe die Hälfte der Flasche weggeschüttet. Cheval Blanc war 2000 kräuterig, ganz ok, aber über Höhepunkt lange weg - 89/100. 2008 auf René Gabriels großer Cheval-Probe dunkele Farbe, dazu dunkle Beeren, dunkle Schokolade und der Bleistift von Mouton. Leider ging diesem etwas eckig und rustikal wirkenden Wein aber der Charme von Cheval Blanc völlig ab – 84/100. Figeac in einer deutschen R&U Abfüllung hatte 2011 eine helle, schon recht reife Farbe, sehr erdig mit Minze und Leder in der nicht sonderlich generösen Nase und etwas staubigem, hartem Testtannin am Gaumen. Wirkte wie ein älterer Kalifornier aus kleinem Jahrgang – 86/100. Leider ging diesem etwas eckig und rustikal wirkenden Wein aber der Charme von Cheval Blanc völlig ab – 84/100. Troplong Mondot hatte 2008 eine wunderbare Nase, die an diedicke, dunkle Kruste eines Bauernbrotes erinnerte und die auch von der Rhone kommen könnte. Am Gaumen war er eher schlank mit deutlicher Säure, wird sicher nicht mehr besser und gehört getrunken – 89/100.

Noch gut trinkbar auf niedrigem Niveau war 1996 Clos René aus der Magnum – 85/100. La Conseillante war 2010 sehr reif, auch in der Farbe. Wunderbar die Nase mit Schokolade, Trüffeln, Waldboden, Champignons und leichten, balsamischen Noten, am Gaumen weich mit deutlicher Säure, sollte in den nächsten Jahren getrunken werden – 92/100.Zu Croix de Gay in einer Hanapier Abfüllung notierte ich 1995 nur: typischer Hanapier-Einheitsbrei, muffig, angesengt, erdig - neue Fässer waren denen wohl zu teuer - 77/100. l´Evangile hatte 2009 aus der Magnum eine süße Nase mit reifer Pflaume in Bitterschokolade, auch am Gaumen wirkte er recht süß, aber leider auch etwas kurz und hohl, dabei leicht metallisch und gezehrt- 87/100. Gazin überraschte 2003 aus der Magnum mit einer geilen Pomerol-Nase und noch viel Kraft am Gaumen – 93/100. Zuletzt 2011 zu Anfang sehr gewöhnungsbedürftige Nase mit reifem Alpkäse und passend zu Jahreszeit viel Kohl, wurde mit der Zeit besser und generöser mit dezenten Schokotönen. Am Gaumen wirkte der Gazin bei aller Kraft ziemlich eindimensional und kurz im Abgang – 85/100. Eher Medoc als Pomerol war 1993 in Mautern auf der Petrus-Probe ein Petrus aus der Marie-Jeanne, tiefdunkle Farbe, kräftige Tannine, entwickelte sich sehr schön im Glas und wandelte sich mehrmals mit Schokolade, aber auch Teenoten, dezente Süße – 95/100. 2005 auf René Gabriels großer Petrus-Probe reif, aber immer noch mit dichter Farbe, ein interessanter, leckerer Hustensaft, Riccola, malzig kräuterige Süße, ein Schuss Portwein, sehr süß am Gaumen, dabei sehr nachhaltig mit langem Abgang, sicher einer der besten Weine dieses Jahrgangs – 95/100. Vieux Chateau Certan war 1998 sehr klar, reintönig, sehr schön, aber auch etwas schlank – 90/100. 2005 ein perfekt gereifter, toller Wein, geprägt von reifem Merlot mit faszinierender Nase und beeindruckender Aromatik.#

Aus Sauternes habe ich nur d´Yquem getrunken, der mich aber 1995 in Hamburg nicht vom Hocker riss.

Sehr gutes Jahr in Burgund, hier deutlich besser als 1961.

Zum spektakulären Sonnenuntergang auf Sylt 2015 ein fantastischer, sehr druckvoller und komplexer, aber auch schmelziger Richebourg von DRC. Erst, als die Sonne verschwunden war, fing ein später stärker werdender Korkton an, dieses einmalige Weinerlebnis etwas zu trüben. Da war es vorbei mit den vorherigen WT97. Corton Clos des Cortons von Faiveley war 1988 bei Jörg Müller ein absoluter Burgundertraum, voll trinkbar, genau auf dem Punkt – 95/100. Ein Chambolle-Musigny desselben Erzeugers war 1997 sehr schöne, reife und süßliche Burgundernase, am Gaumen kompakt und kurz – 85/100. Bei einem Chambertin von Jaboulet Vercherre merkte man 2007 deutlich die Zäsur in der Stilistik der Burgunder, die sich nach 1960 entwickelte. Richtiggehend pummelig wirkte dieser süße, füllige Wein in der Nase, dem es bei aller Qualität einfach an Komplexität fehlte. Dafür war er wenigstens noch recht frisch und jung am Gaumen – 90/100. Ein Volnay Caillerets von Jaboulet-Vercherre war 2015 sehr aromatisch, kräftig und lang am Gaumen – WT92. Fein, reif, aber doch schon ziemlich alt war 2008 ein Clos Vougeot von Julien Bouchard – 87/100. Beim Charmes Chambertin von Patriarche spürte man 2015 die Klasse und die Substanz dieses Weines, der aber durch die hohe, etwas aggressive Säure auch bissig wirkte – WT91. Der Vosne-Romanée in einer deutschen Reidemeister & Ulrichs Abfüllung überzeugte 2015 mit Kraft, Finesse, guter Frucht und toller Struktur – WT92. Ein Chambertin von Remy war 2004 bei Jörg Müller erstaunlich schön und kräftig, sehr lang am Gaumen - 91/100.

Eine Suche wert sind auch immer noch gut gelagerte, Weiße Burgunder.

Sehr gutes Rhone-Jahr, das völlig zu Unrecht unter die Räder des 61ers geriet.

Hermitage la Chapelle von Jaboulet-Ainé war 2007 massig schwarzes Lakritz pur, so, wie man es nur beim Apotheker kaufen kann, Kraft ohne Ende, leicht animalisch, ein breitschultriger, sehr dichter Wein mit noch langer Zukunft – 96/100. Ein Hermitage von Chave war 2010 in der Traube Grevenbroich Faszination pur, reif und doch noch so kraftvoll, Lakritz, leicht animalisch, aber auch mit burgundischer Pracht und Fülle, feine Süße und ein nicht enden wollender Abgang, ein großer Wein mit noch etlichen Jahren, wenn nicht Jahrzehnten vor sich – 95/100.

Viel Kraft und Substanz hatte 2013 der Vieux Telegraphe Selection Jarousse, aber leider auch Kork.

Schwieriges Weinjahr in Deutschland. Und nicht häufig anzutreffen.

Absolut bestechend 2012 ein Kronberg Eiswein feinste Auslese vom Weingut Karthäuserhof. Klar war der süß, aber da war auch soviel balancierende Säure, soviel Biß, soviel Strahlkraft und eine tolle Struktur. Solo getrunken kamen da locker 96/100 ins Glas. Überhaupt nicht alt und zeitlos schön wirkte 1994 eine Wehlener Sonnenuhr Auslese von JJ Prüm – 90/100.

Eigentlich gibt´s den Bucaco Tinto Reserva nur im Palace Hotel von Bucaco im dortigen Restaurant. Doch Willi Krähling war irgendwie an eine Flasche gekommen, die sich dann als einer der Stars seiner 2000er Probe entpuppte. Dichte, junge Farbe ohne Alter, auch am Gaumen dicht, kräftig und wie ein klassischer Chateauneuf wirkend, ganz erstaunlich - 96/100.

In Spanien war 1962 ein sehr gutes Rioja-Jahr.

So war dann auch Vina Real 2003 ein Rioja in Perfektion, ganz großer, wunderbarer Wein, füllig, dicht und lecker - 96/100. Imperial Gran Reserva war 2009 vor allem in der Nase sehr portig und süß, am Gaumen etwas schlanker, aber ohne Alterstöne – 92/100. Ein Torres Gran Coronas Black Label war 1998 reif, weit in Farbe und am Gaumen, kam aber mit der Zeit noch und könnte aus guter Lagerung durchaus noch interessant sein – 85/100. Vega Sicilia Unico hatte 2001 eine sensationelle Farbe, eine rauchige, kräuterige Nase, war am Gaumen erstaunlich frisch, mineralisch, mit schönem Abgang, durchaus mit Zukunft – 92/100. 2007 kühle Frucht, laktische Noten, Himbeeryoghurt, aber auch Kraft und Länge, entwickelte sich im Glas, wurde gefälliger und runder mit Nuss- und Schokonoten – 93/100. 2008 sehr weich, reif, zugänglich und aromatisch, sicher nicht die beste Flasche – 87/100. 2016 noch so jung, so dicht und druckvoll mit einfach geiler, süßer Frucht Cassis ohne Ende, und das auch noch kandiert. Einfach tolles, dekadent leckeres Zeugs – WT97.

Eigentlich ein unbedeutendes, kleines Kalifornien-Jahr. Doch der Inglenook 2008 in der Ungerschen Kalifornien-Probe war ein minziger, kräftiger, immer noch erstaunlich kompletter und sehr langer Wein – 96/100. Alte Inglenooks sind unsterbliche Monumente vergangener, kalifornischer Weinbaukunst. Sie faszinieren mit ihrer Komplexität und aromatischen Dichte, die auf das „Glutamat“ der modernen Winzer, den hohen Alkoholgehalt als Geschmacksverstärker, nicht angewiesen sind.

Ein großes Erlebnis war 2002 ein Penfolds Bin 621 Vintage Port, traumhaft reifer, süßer, nicht übermäßig alkoholischer Port aus Shiraz-Trauben, der mit seiner Reife und der hellen Farbe auch aus Portugal und dem 19.JH stammen könnte - 98/100. Zwar immer noch schön trinkbar, aber sicher nicht besonders groß war 1999 auf der Grange-Probe der Penfolds Grange, ein eher leichtgewichtiger, reifer Schmeichler mit dem für heutige Granges ungewöhnlich niedrigen Alkohol von nur 12% - 90/100. Australiens bester Wein? Als solchen hat Weinguru James Halliday den legendären, ultrararen und ultrateuren Penfolds Bin 60A Cabernet Shiraz bezeichnet. Und Englands Decanter reihte diesen Wein unter die „100 Wines to drink before you die“ ein, auf dem siebten Platz von Hundert, allerdings auch mit dem Zusatz „for Millionaires only“. Wie schön, dass ich diese Legende 2012 bei einem Lunch mit Penfolds Winemaker Peter Gago trinken durfte. Reif die Farbe, faszinierend die komplexe Nase mit pfeffriger Frucht, Minze, Trüffel, Zedernholz, Tabak und Sattelleder. Noch so lebendig, so vital, explodierte förmlich am Gaumen, ein balancierter, perfekt gereifter Traum mit gewaltiger Länge, unendliche Eleganz – 98/100.

Schon häufiger durfte ich Dom Perignon trinken, der dem legendären 61er des Hauses kaum nachsteht. 1995 auf einer Drawert-Probe meine erste Flasche, helle, junge Farbe. Frische, fruchtige, junge Nase, feinperliges Mousseux, keinerlei Alter, sensationell gut – 97/100. 2002 in Aschau zum Geburtstag eines guten Weinfreundes, kräftige Farbe, erstaunlich frisch, immer noch schönes Mousseux, kräftig und komplex am Gaumen, keinerlei Alterstöne, Ausnahmestoff - 97/100. Zuletzt 2007 fast ein Stillwein, da perlte nicht mehr viel. Dafür zeigte dieser große Stoff eine unglaubliche Komplexität und Länge. Dazu eine perfekte Struktur, viel besser geht reifer Champagner nicht - 97/100.

Quinta do Noval Nacional war 2002 ein sehr schöner, intensiver, langer Port, gegen den überragenden Penfolds aber nur 2. Sieger - 97/100. Niepoort Colheita Port war 2006 ein toller Stoff, Tabak ohne Ende gepaart mit feiner Süße, reif und voll da – 93/100.