Startseite

1965

Unterirdisches Weinjahr in Bordeaux und eins der schlimmsten des letzten Jahrhunderts. Die Trauben wurden einfach nicht richtig reif.

Pavie Decesse war in 1992 grausam, eignete sich nur ungeöffnet als Tischdekoration für Geburtstage.

Auch Sauternes und Barsac gaben nicht viel Brauchbares her.

Ein Roumieu-Lacoste aus Haut Barsac erinnerte 2005 nicht nur von der Farbe her stark an die bitter englische Orangenmarmelade, nur dezente Süße, angenehmer Bitterton, immer noch gute Säure, passt sowohl als Aperitif als auch zum Abschluss eines Essens - 92/100.

Wer den „Y“ von Yquem, den ich 2015 im Glas hatte. nur riecht, glaubt nie, dass es sich um einen trockenen Wein handeln könnte. Die verschwenderische, süß und üppig wirkende Honignase könnte auch von einem Yquem stammen. Der Gaumen ist im Gegensatz dazu absolut trocken mit guter Säure, aber ebenfalls mit von hohem Extrakt geprägter Fülle und gewaltiger Länge – WT95. Jede Suche wert.

Genauso schlecht auch in Burgund. Dort wurden zu allem Überfluss noch am 8. September von einem Jahrhundertunwetter nicht nur die letzten Hoffnungen der Winzer weggeschwemmt, sondern auch etliche Weinberge.

Und doch war der Echezeaux der Domaine Clos Frantin 2017 traumhaft schön, ein großer, perfekt (an)gereifter, kompletter Burgunder mit Frucht, Kraft, Süße und Länge - WT96.

Eigentlich auch ein schlechtes Rhone-Jahr. Und trotzdem war 2010 wie auch später noch mal in 2013 der Chateauneuf-du-Pape Clos des Papes schlichtweg outstanding, so süß, so füllig, so aromatisch, eine Sensation für den Jahrgang – 94/100. 2011 noch mal aus zwei unterschiedlichen Abfüllungen getrunken. Gut, der hatte am Gaumen viel Säure und war vielleicht etwas einfacher gestrickt, besaß aber eine betörende, reife süße Nase – 92/100. Ähnlich noch mal 2015. Etwas generöser damals 2011 dieser Wein im anderen Glas aus einer Schweizer(!) Abfüllung, die in der Nase und am Gaumen noch mal einen deutlichen Tick besser war – 93/100. Sicher ein Wein, den in 1965 Geborene für ihren 50. suchen sollten. Ein Chateauneuf-du-Pape Mont Redon startete 2015 furios mit portig-üppiger Nase, am Gaumen furztrocken mit puristisch schöner, einfach genialer Frucht und wirkte in der ersten Anmutung noch so jung. Doch die viele Luft im Gabriel-Glas bekam ihm nicht, er wurde rasch etwas reifer und breiter – WT93.

Für Deutschland gilt 1965 ebenfalls als eins der schlimmsten Jahre überhaupt. Ich habe trotzdem 2001 eine angenehme Überraschung erlebt mit einem Hattenheimer Nußbrunnen Eiswein Auslese Cabinet von Langwerth von Simmern. Der Korken war irgendwann in den letzten Monaten davor in die Flasche gerutscht, aber die Kapsel hielt einigermaßen dicht, der Wein präsentierte sich mit einer leicht oxidativen Nase, am Gaumen reif mit leichter, nicht unangenehmer Bitternote und feiner Süße - 88/100. Eine Johannisberger Vogelsang Eiswein Auslese von Mumm ging 2015 mit tiefer, güldener Farbe, karamellig-malziger, aber eher verhaltener Süße guter Bitternote und erstaunlicher Kraft auch als reifer Sauternes durch – WT94.

Trotz ebenfalls nicht gerade optimaler Witterungsbedingungen in Spanien erzeugte Vega Sicilia einen sehr schönen Unico. 2013 erstaunlich würzig, weich mit viel Kaffee, Kräutern und stützender Säure - 93/100. 2015 einfach ein geiles Teil mit flüssiger Minze in Bitterschokolade, mit guter Frucht, Süße und Länge – WT94.

Eigentlich gilt 1965 nicht unbedingt als großer Kalifornien-Jahrgang.

Leicht anstrengend 2015 zu Anfang die oxidative Nase des Beaulieu Private Reserve Georges de Latour, am Gaumen gute Frucht, aber auch massive Säure, sehr gute Länge. Erstaunlich, wie sich dieser Wein entwickelte. Wurde immer minziger, weicher und trinkiger – WT90. 2011 auf der großen Heitz-Probe der Ungers grenzte dieser außerirdische Heitz Cabernet Sauvignon für den Jahrgang schon fast an eine Unverschämtheit, wie jung, wie vibrierend, wie fruchtig, exotisch und frisch der daher kam – 95/100. Der Charles Krug Cabernet Sauvignon dürfte der letzte Wein sein, der noch Robert Mondavis Handschrift trug, denn 1966 startete der sein eigenes Weingut. Die voll intakte, rubinrote Farbe sehr erstaunlich. Ein kleiner, feiner Wein mit rotbeeriger Frucht und hoher Säure – 88/100.

Tolle Weine gab´s 1965 in Australien. Ein Lindemans Shiraz Bin 3110, ein Lindemans Classic Museum Release, war für mich 1995 auf einer Drawert-Probe mit sehr junger, dichter Farbe, am Gaumen Kraft, Süße, Mandeln, Marzipan der Topwein der Probe. 2005 immer noch sehr kräftige Farbe, eingelegte Früchte, Rumtopf, ein Schuß Port, trotz kräftiger Statur auch am Gaumen erstaunlich viel Finesse, sicher noch etliche Jahre gut haltbar - 95/100. Und die 10 Jahre bis zu meiner letzten Flasche 2015 gingen an diesem Wein spurlos vorüber – WT95. Von Penfolds ist nicht nur der Grange gut gelungen, er war einer der Stars der Grange-Probe 1999, ein kraftvoller, dichter Wein mit viel Potential - 96/100. 1994 überzeugte auch ein Penfolds Cabernet Bin 707, helle Farbe, enormer aromatischer Druck, viel Süße - 93/100. 2002 und 2005 war ein Penfolds Shiraz Bin 28 Kalimna Vineyard reif, weich, weit und portig-lecker 91/100.