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1971

In Bordeaux gab es eine kleine Ernte sehr charmanter eleganter Weine, die alle sehr früh trinkbar waren. Die schönsten Weine, vor allem aus St. Emilion und Pomerol, machen einen unglaublichen Trinkspaß und sind immer noch für relativ kleines Geld zu haben. Vor allem bei gut gelagerten Großflaschen von der Magnum an aufwärts würde ich hier bedenkenlos zuschlagen. Etwas anders sieht es auf dem linken Ufer aus. Viele Weine aus dem Medoc – seinerzeit übrigens hoffnungslos überteuert - haben inzwischen das Zeitliche gesegnet. So z.B. der sonst so langlebige Geheimtip La Lagune, in den 80ern voll da und Anfang der Neunziger schon weitgehend hin.

Cos d´Estournel habe ich Anfang der Neunziger mehrfach aus guten Flaschen getrunken, aber schon 1994 zeigte er aus der Imperiale deutliche Reife und war bei heller Farbe, reif, leicht und etwas dünn – 85/100. Auf der großen Cos-Probe 2006 ein feiner, eleganter Tropfen, der mit deutlich mehr Genuß zu trinken war als 1970 – 87/100. Zeigte 2016 eine feine, elegante, rotbeerige Nase, am Gaumen schlank, reif mit feiner Süße – WT88.

Wer in 1971 ganz sicher gehen möchte, setzt auf Latour. Ein toller, langlebiger Wein, in den letzten 10 Jahren über 15mal verkostet von der 1tel bis zur Imperiale und konstant mit 92-94/100 bewertet. 2010 war das mehrfach wieder ein kompletter, großer, perfekt gereifter Latour, der in guten Flaschen wie dieser noch 10+ Jahre vor sich hat – 94/100. 2011 auf Elke Dreschers Latourprobe eine meiner bisher besten Flaschen, Latour pur, immer noch kraftvoll, aber auch so verführerisch schön mit dichter, junger Farbe, mit reichlich schwarzer Johannisbeere, mit toller Statur und Struktur, gehört eigentlich zu zweit in großen Schlucken aus der Magnum getrunken, wunderschöne Süße am sehr langen Gaumen – 95/100. Kurz darauf 2011 auf Sylt meine bisher beste Flasche, ein geiler Sauf-Latour – 96/100. Wenn man bedenkt, dass so etwas auf Auktionen teilweise deutlich billiger zu bekommen ist, als aktuelle Latour-Jahrgänge in der Subskription! 2013 zu Anfang sehr reif, leicht gezehrt und austrocknend, baute dann aber im Glas enorm aus und wurde immer schöner - 93/100. Sehr gefällig, fein, elegant und stimmig 2014, einfach ein Musterbeispiel für einen perfekt gereiften, runzelfreien Latour – WT94. Und 2015 wieder erstaunlich kräftig mit intaktem Tanningerüst – WT95. Etwas heller in der Farbe 2011 der Les Forts de Latour, nicht ganz so dicht und konzentriert, etwas metallisch, aber nicht unangenehm die pikante Johannisbeere, die hier rot war, gute Säure und stabiles Rückrat, bleibt sehr schön am Gaumen haften und erinnert an jüngere Grand Puy Lacoste. In guten Flaschen wie dieser ein echter Geheimtipp und jede Suche wert – 92/100. Eine sehr feine und elegante Nase hatte Lynch Bages 2008 aus einer leider zerbrochenen Flasche, könnte durchaus noch interessant sein. Sehr enttäuschend hingegen Mouton Rothschild. Mehrfach ohne Freude verkostet, 2004 auf der großen Mouton-Probe, unsaubere Nase, baute schnell ab 82/100. 2015 sehr mineralisch, schlank und elegant stand perfekt im Glas – WT90.

Schon verdammt staubig 2015 die Eleganz des Beychevelle, aber da war auch eine schöne Süße und ein durchaus faszinierender, morbider Charme – WT87. Ducru Beaucaillou war 1999 in einer Best Bottle aus der Magnum als Absacker nicht schlecht, perfekt gereift, nur im Abgang etwaskurz - 89/100. Zuletzt 2006 auf der großen Ducru-Probe zimtige Nase, Weihnachtsgebäck pur, feine Zedernholztöne, am Gaumen kompakt aber gut und noch längst nicht am Ende – 88/100. Und was im September 2004 im Glas wie ein perfekt gereifter Ducru aus den 70ern wirkte, war aus Canon Fronsac ein d´Aighuilhe - 90/100. Absolut nichtssagend und enttäuschend 1993 Gruaud Larose. Hatte 2014 seine besten Zeiten lange hinter sich und wirkte harmlos – WT82. Leoville las Cases hatte 2010 eine seltsame Nase, die eher an Schuhcreme denn an Wein erinnerte, am Gaumen war er etwas kurz und metallisch – 84/100. 2012 auf dem Paris Tasting grenzwertige Nase, die mich an einen vollen Staubsaugerbeutel erinnerte. Am Gaumen war dieser Wein kräftig, aber auch eindimensional und monolithisch. Wird sich auf diesem Niveau noch länger halten, aber warum eigentlich? – 86/100. Talbot war 2008 eine absolut fruchtfreie, säurelastige Plörre – 71/100.

Cantemerle war 1994 auf einer Probe sehr gefällig mit kräftiger Säure, wirkte noch sehr jung und etwas eckig – 87/100. Ein perfekt gereifter, wunderschöner Wein mit viel Rückhalt war 1999 Dauzac in der Jeroboam, in diesem Format sicher noch etliche Jahre haltbar – 93/100. Süßlich, elegant, sehr schön mit heller Farbe 1994 ein Kirwan aus der Imperiale – 92/100. Margaux war 2007 selbst aus der Marie-Jeanne ein Wein aus der Abteilung Pfui Teufel. Jod ohne Ende, als Medizin noch so gerade schluckbar, als Wein mit dieser Säure völlig daneben. Palmer hatte 2009 eine erstaunlich feine, hocharomatische Nase mit guter Frucht. Auch am Gaumen sehr aromatisch, fruchtig, elegant und mit feinem Schmelz – 92/100. 2011 erstaunlich kräftig und immer noch jung wirkend, sehr elegant, finessig und mit guter Frucht – 94/100. 2013 immer noch mit guter Frucht, viel Zedernholz, feiner Süße, Finesse und genügend Rückrat für noch etliche Jahre – WT92.

Lange ein guter Kauf war Haut Brion. Gerne erinnere ich mich auch noch an eine exzellente Doppelmagnum diesen Weines 1996 auf einer Krähling-Probe. Gut ein Dutzend mal verkostet, zuletzt 2000. Perfekt gereifter, wunderbarer Haut Brion mit schöner Cigarbox Nase – 91/100. Doch inzwischen nagt auch an diesem Wein der Zahn der Zeit. Aus der Doppelmagnum 2006 immer noch eine dichte Farbe, wirkte weich, gefällig und war recht schön zu trinken, die klassische Cigarbox-Nase wurde aber zunehmend von medizinalen, jodigen Tönen verdrängt – 89/100. Noch eine ganze Klasse besser La Mission Haut Brion. Häufig getrunken und gerade erst wieder auf einer Koppe-Auktion für kleines Geld nachgekauft. 2004 auf einer Best Bottle, dichte, kräftige Farbe mit wenig Alter, tolle Nase mit Tabak, Cigarbox und Maulbeeren, baut am Gaumen sehr gut aus, tolle Länge am Gaumen, perfekter Essensbegleiter - 95/100, bestätigt mehrfach im Dezember 2004. 2007 die rauchige Nase mit viel Tabak und etwas Teer zeigte auch einen Hauch frische Meeresbrise mit Austern, Algen und hoher Mineralität. Am Gaumen viel stützende Säure, wieder massig Tabak, komplex und lang– 94/100. 2009 rauchig, ätherisch, Teer, Cigarbox. Am Gaumen reif und fein, voll auf dem Punkt – 93/100. 2011 altersfrei in Farbe und Anmutung, seidig, elegant, rauchig, ätherisch mit immer noch guter Frucht und feinem Schmelz – 94/100. 2012 auf René Gabriels großer La Mission Probe rauchig, ätherisch die Nase mit Teer, Tabak, Cigarbox und immer noch guter Frucht, am Gaumen schlank, sehr fein mit seidiger Eleganz und wunderbarer Aromatik – 93/100. Hat noch genug Struktur und Substanz für lange Jahre. 2013 zeitlos schön, sehr elegant und fein, rauchig, ätherisch, jodig, Cigarbox, Teer, Leder, Tabak und großartige Länge – 95/100. Auch 2015 wieder auf diesem Niveau, einfach La Mission pur – WT95. Absolut grandios 2017 sowohl aus einer perfekt gelagerten Magnum als auch aus der 1tel – WT95.

Angelus war 2014 immer noch gut trinkbar, auch kräftig, aber durch die harschen Resttannine eben auch charmefrei – WT86. Sehr elegant und feinduftig war 1994 und 97 l´Arrosée, sicher auf 90/100 Niveau und zumindest in Großflaschen immer noch eine Suche wert. Zuletzt im November 2004 eine perfekt gelagerte 1tel, die noch keinerlei Alter zeigte, kräuterig mit feiner Süße und guter Länge am Gaumen. In 71 sicher besser als Cheval Blanc zu einem Bruchteil des Preises – 92/100. Wirkte 2016 aus der Magnum reif, weich, trüffelig mit Waldboden und Kaffeenoten - WT93. Selbst der mit 50 Punkten schlechteste Wein in Parkers Bordeaux-Bibel, Canon-la-Gaffelière, war 1992 zu Anfang etwas muffig, helle Farbe, entwickelte sich im Glas, fruchtig, leicht, sehr burgunderhaft und mit Genuss zu trinken – 85/100. Könnte ebenfalls in gut gelagerten Großflaschen noch interessant sein. Bei Cheval Blanc muss man Glück haben. Ich habe in den letzten 15 Jahren mehrere grauenhafte Flaschen getrunken, aber auch ein paar sehr schöne, 2001 auf einer Krähling-Probe: reif, kräuterig, schmeichlerisch - 91/100. Wirkte 2006 auf der großen Cheval Blanc Probe aus der Magnum noch sehr frisch mit einer kräuterigen Nase, die an Lafleur erinnerte. Baute sehr gut im Glas aus und entwickelte schöne Schokoladennoten - 92/100. 2008 ein sehr feiner, seidig-eleganter Vertreter seiner Art mit kräuterig-animalischer Aromatik. Am weichen Gaumen auch schokoladig – 89/100. 2009 sehr fein, seidig-elegant, mit süßem Schmelz, kräuteriger Aromatik in der Nase und Schokotönen – 91/100. 2015 sehr fein, elegant, aber auch leichtgewichtig – WT91. Und eine weitere Flasche 2015 meine bisher beste. Bei aller Eleganz sehr kräftig und nachhaltig, reifer Cabernet Franc vom Feinsten – WT94. Figeac hatte 2014 eine elegante, feinduftige Nase mit viel Lakritz und Kräutern. Auch am Gaumen überzeugte dieser für den Jahrgang erstaunlich würzige, dichte und immer noch kräftige Figeac – WT92.

Beim l´Angelus à Pomerol wurde es 2014 langsam Zeit – WT86. l'Eglise Clinet in perfekter Barrière-Abfüllung hatte 2013 eine jung wirkende, brilliante, rubinrote Farbe, deutlich älter zu Anfang die Nase, aber das gab sich bald. Der L'Eglise Clinet baute enorm im Glas aus, und als er anfing, in unseren Gläsern richtig gut zu werden, war er leider leer - WT89. L´Evangile hatte 1997 einen leichten Stinker in der Nase, wirkte erst kurz, ungenerös, wurde mit der Zeit gefälliger, aber nicht groß - 87/100. Lafleur kam 2007 sehr schlank, kompakt und jung wirkend ins Glas. Ein sehr eleganter Wein mit der typischen, kräuterigen Aromatik und mit hoher Säure, öffnete sich zunehmend, wurde fülliger und süßer, ein großer Wein mit immensem Potential, der seine Zukunft noch vor sich hat - 94+/100. 2009 in der Lafleur Best Bottle schon sehr reife Farbe, die klassisch-kräuterige Lafleurnase, am Gaumen sehr süß und einfach hedonistisch schön. Ein feiner, eleganter Wein zum reinsetzen – 95/100. Wirkte 2011 aus einer perfekten Flasche wie ein Martha´s Vineyard aus Bordeaux. Eukalyptus, Leder, Minze, die große Kräutermischung, hedonistische Süße am Gaumen, aber auch noch gute Säure- und Tanninstruktur, noch so jung und kräftig, der legt über die nächsten 20 Jahre noch zu – 97+(!)/100. Zeigte sich bei der Lafleur Probe 2012 am Attersee als betörender Schmuse-Lafleur, klassisch-kräuterig die Nase, süß und hedonistisch der Gaumen, reif, aber durch die gute Säure nicht alt wirkend – 96/100. 2014 in der Wiin Kööv kernig, animalisch, sehr kräuterig, lakritzig mit enormer Kraft und Länge – WT97. Mehrere schöne Trinkerlebnisse mit Latour-à-Pomerol, 2000 eine hedonistische Superflasche, dichter, großer, weicher Stoff, schlägt heute den 70er in die Büsche, toller Abgang, opulente, hedonistische Offenbarung, sicher noch 10 Jahre, suchen - 97/100. Und dann ein paar Monate später ein nicht so überzeugendes, exotisch wirkendes Gegenstück, dem ich in einer Krähling-Probe nur 88/100 geben konnte. 2004 Bonbonhaft-kräuterig, „Ricola“, Schwarztee, gute Süße, baut wunderschön im Glas aus, immer noch mit Zukunft – 93/100. Hedonismus pur 2017, so süß mit feinster Bitterschokolade und enormer Fülle, einfach dekadent lecker zu trinen – WT95. Der (Rot)wein des Jahrgangs dürfte wohl Petrus sein. Leider habe ich den bisher nur 9mal trinken dürfen. 1996 eine süchtig machende Magnum bei Willi Krähling und 2000 eine perfekte 1tel. So lang, so seidig, so delikat und aromatisch, Riesenstoff mit feiner Süße, ohne jedes Alter mit immer noch gutem Tanningerüst. Petrus mag ja hoffnungslos überteuert und in vielen Jahren sein Geld nicht wert sein. Für diesen hier lohnt es aber, ein Sparbuch zu plündern – 98/100. Auf René Gabriels großer Petrus Probe 2005 dichte Farbe, reifer als 1970, aber sensationelle Aromatik, irre am Gaumen und unendlich lang, dabei seidig elegant mit feiner Süße – 100/100. 2007 in der Braui wieder der Inbegriff von Eleganz, Pomerol wie es nicht besser geht, voll trinkbar, aber noch lange nicht am Ende, ein Wein, bei dem von der Nase über den Gaumen bis zum Abgang einfach alles stimmte -100/100. 2008 bei den Ungers erstaunlich dicht, kräftig und jung mit sehr langem Abgang, aber ohne die unendliche Eleganz fehlte, die diesen Wein sonst auszeichnet – 97/100. 2011 enorm druckvoll, groß und noch jung – 99/100. Und 2012 eine süchtig machende, sinnliche 1tel - 100/100. Erstaunlich dabei ist, dass dieser Wein aus guter Lagerung immer noch keinerlei Schwäche zeigt. 2014 aus der Magnum einfach perfekt mit süchtig machender Traumnase – WT100. Und 2015 aus der Magnum ein süchtig machender, sinnlicher Riese – WT100. Eine weitere, perfekte Traummagnum 2016 bei Elke – WT100. Ein großer Erfolg in 71 auch Trotanoy. 2002 druckvoller, reifer Merlot vom Allerfeinsten – 94/100. 2009 ein rustikaler, kerniger Brocken und ein Terroirwein im besten Sinne, so ein druckvoller, am Gaumen fast brachialer Wein alter Schule, ein echter Charakterdarsteller. Sehr mineralische Nase, Zigarrenkiste, Leder, immer neue Facetten aufzeigend. Unglaublich, wie dieses konzentrierte Teil mit seiner immer noch undurchdringlichen, dichten Farbe aufdrehte. Wir hatten ihn à point dekantiert, 2-3 Stunden hätten ihm aber sicher noch deutlich besser getan. Ein schier unsterblicher Wein für die nächsten 20-30 Jahre – 97/100. Ein echter Geheimtip Vieux Chateau Certan, mehrfach verkostet. 1996 sehr dichte Farbe, intensive Kaffee- und Mokkatöne, würzig, malzig – 95/100. 2001 inzwischen voll auf dem Punkt, aber noch nicht alt, weich, reif - 91/100. Der dürfte nicht viel kosten, denn Parker, der ihn zuletzt 1979 verkostet hat, führt ihn in seinem Buch und auf der Website mit lausigen 74 Punkten. Wurde auch 2005 auf der Vieux-Probe seiner Rolle als Geheimtip gerecht, voll auf dem Punkt, reif und dabei so schmelzig und würzig mit feiner, malziger Süße. Der Cabernet Franc gibt ihm wieder eine starke Lakritznote, dazu kommen Kaffee- und Mokkatöne – 95/100. 2009 ein sehr feiner, wunderbar gereifter Wein, der mit seiner delikaten, himbeerigen Frucht an einen gereiften Richebourg erinnerte. Mit der Zeit verschwand auch der störende Ton in der Nase, die ebenfalls wunderschön mit viel süßer Himbeere wurde – 93/100. 2011 erstaunlich kräftig und geradezu kernig, immer noch gute Frucht, Kaffee- und Mokkanoten, Tabak, leicht animalisch, noch lange nicht am Ende – 92/100. 2011 ein sehr feiner Wein mit viel Säure am Gaumen, der nicht (mehr) die Klasse hatte, mit der ich ihn kenne – 91/100. 2012 sehr kräftig und lang am Gaumen – WT92. 2017 noch erstaunlich jung wirkend, sehr fein und elegant – WT95.

Sehr gutes Sauternes-Jahr.

Ein großartiges Dessert für sich war 2017 der Coutet Cuvée Madame aus der Magnum mit feinsten Confiserie Pralinen, mit Crème Brulée, mit unglaublicher Fülle und verschwenderischer Süße – WT97. Begeistert war ich 1988 von einem de Fargues, weil er eine oft Sauternes-untypische, schöne Säure besaß. De Malle aus der Magnum war 2006 ein frischer, kleiner, aromatischer Sauternes, reife gelbe Früchte, aber auch etwas Möbelpolitur, wenig Süße, schon fast halbtrocken, insgesamt etwas eindimensional und hohl – 85/100. Perfekt balanciert durch schöne Säure 1998 ein d´Yquem, kräftige Farbe, feine, schöne, malzige Süße – 93/100. Zuletzt 2006 relativ helle, altgoldene Farbe, wirkte in dieser Flasche immer noch verdammt jung. Feine Honigtöne, cremige, exotische Frucht, wenig Säure, gute Länge am Gaumen - 93/100.

1971 gehört zu den ganz großen Burgunderjahren. Hier wurden kräftige, aromatische Weine mit gutem Alterungspotential erzeugt. Die besseren 71er Burgunder konnten und können nicht nur weiter gut altern, sie mussten es auch. So habe ich einige dieser Weine in den 80ern und auch noch danach unterschätzt. Burgunder aus 1971 sind immer noch ein guter Kauf.

Bei einem Charmes Chambertin in einer englischen Abfüllung von Berry Brothers & Rudd störte 2015 zu Anfang die laktische Nase. Völlig anders der Gaumen, ein sehr kraftvoller, nachhaltiger Auftritt und auch vier noch viel Substanz für eine längere Entwicklung – WT94. Einer meiner ersten großen Burgunder überhaupt war 1987 ein Corton Cuvée Docteur Peste vom Hospice de Beaune. Der ist sicher auch jetzt noch groß. Sehr fein, elegant mit feiner Süße, aber auch noch mit erstaunlicher Kraft und Fülle 2012 ein Clos Vougeot von Chanson, seidig am Gaumen mit schönem Abgang – 94/100. Ein Echezeaux der Domaine du Clos Frantin zeigte 2015 burgundische Pracht und Fülle, war finessig und hoch elegant mit genügend Kraft und Substanz für lange Jahre – WT95. Der Corton von Doudet-Naudin war 2012 bei Jörg Müller noch so vital mit Mokka, Kaffee, Schokolade und enormem Druck – WT95. Wenig konnte ich 1994 mit einem wohl noch zu jungen La Tâche von DRC anfangen. Der wirkte sowohl recht leicht, als auch zugeknöpft. Den muss ichsicher noch mal trinken, denn aus dem gleichen Stall war 2002 Richebourg ein ganz anderes Kaliber, klares, schönes Rot mit nur dezentem Braunton, wunderbare Süße und Finesse, ganz großer Wein - 97/100. Solche Weine muss man eben auf ihrem Höhepunkt erwischen. So notierte ich 1997, als mich ein generöser Weinfreund bei Jörg Müller zu Romanée Conti einlud: sehr druckvoller, kräftiger und enorm langer Burgunder, sicher noch nicht auf dem Höhepunkt, aber die "geschenkten" 2800 Müller Mark nicht wert – 95/100. Das sah dann 5 Jahre später auf einer großen Romanée Conti Probe schon ganz anders aus: finessig, lang, schöne Fruchtsüße, ein am Gaumen kaum endender Traum, Perfektion - 100/100. Soviel Kraft und soviel Dichte hatte der Grands Echezeaux von DRC 2011 noch, auch feine Süße, aber dieses gewaltige Teil mit seiner perfekten Struktur steht im zarten Alter von 40 Jahren erst ganz am Anfang und könnte die Chance haben, sein Alter noch zu verdoppeln – 95+/100. Der Gevrey-Chambertin Clos Saint-Jacques von Henri Esmonin war 2016 ein Klassewein mit wunderbarem Spiel roter und blauer Beeren, mit wunderschöner Süße und gewaltiger Länge – WT96. Ein Chambolle Musigny 1er Cru von Faiveley war 2014 noch so vital mit guter Frucht und Säure, baute im Glas aus – WT90. Füllig, samtig, kräftig 1994 ein Corton Clos des Cortons von Faiveley – 95/100. Süß, kräftig, lang, eine Art von Bordeaux unter den Burgundern 1995 ein Chambertin von Camille Giroud - 95/100. Noch viel zu jung mit kräftiger Säure 1992 ein Clos de la Roche von Leroy. Auf einer Drawert-Probe 1998 ein Chambertin Cuvée Heritiers Latour von Louis Latour mit feiner Süße, der beste des 71er Louis Latour Flights und der einzige, der mir einigermaßen gefiel – 88/100. Der vorher schon dreimal deutlich besser verkostete Corton Grancey wirkte im Vergleich einfach, gefällig, mager, nicht mein Ding, für den großen Namen und das Jahr enttäuschend – 84/100. Etwas schöner auf derselben Probe der Romanée St. Vivant Les Quattres Journaux mit viel Kraft am Gaumen und langem Abgang – 87/100. Ob diese Weine damals einfach noch zu jung waren? Ein Clos Vougeot von Louis Latour war 2009 ein sehr schmeichlerischer, hoch aromatischer, feiner Burgunder zum Niederknien. Alleine an der süchtig machenden Nase könnte ich stundenlang riechen – 94/100. Und der Chambertin von Louis Latour 2011 im Chat Botté in Genf aus perfekter Lagerung auch noch so jung, so fruchtig, so würzig mit viel Frische, einfach zeitlos schön, sehr elegant und nachhaltig mit feiner Süße und beeindruckender Länge, ein majestätischer Chambertin, der der berühmten Lage alle Ehre machte – 96/100. Ein Romanée St. Vivant von Jean Lefort hatte 2011 eine alte, reife Farbe, auch in der Nase zunächst etwas verhalten, doch am Gaumen explodierte dieser Wein förmlich - 94/100. Fein zwar, aber auch reif mit spürbarem Alter 2011 ein Pommard von Leroy, da hätte ich mehr von erwartet– 89/100. Sehr reif, auch in der Farbe, 2011 ein Vosne Romanée von Moillard, weich, süß, aromatisch, brach aber rasch im Glas ab und aus anfänglichen 92/100 wurden 88/100. Viel Zeit und Luft brauchte 2012 der Clos Vougeot Chateau de La Tour von Morin. Der war erst etwas laktisch in der Nase mit einem Hauch Lakritz, am Gaumen weich, süß und zunächst ziemlich harmlos, entwickelte sich aber deutlich – 91/100. Große Klasse 2002 eine perfekte, immer noch recht jung wirkende Magnum Richebourg von Noellat bei Jörg Müller – 96/100. Ein Romanée St. Vivant von Noellat hatte 1997 eine sehr alte Farbe, war seidig, elegant, sehr lecker - 88/100. 2015 war das aus einer wohl deutlich besser gelagerten Flasche war ein großer, perfekt gereifter, sehr eleganter, seidiger Wein mit betörendem, süßem Schmelz – WT95. Großer Stoff 1994 ein Clos de la Roche von Jacques Selot, herrliche Süße, Länge und Komplexität -95/100. Ein Nuits St. Georges von Morin besaß 2008 zwar eine ziemlich helle, aber voll intakte Farbe ohne Brauntöne. Die Nase war süß und verführerisch mit reifer Himbeere. Auch am Gaumen ein faszinierendes Zusammenspiel von Süße, tragender Säure und viel Kraft. Dabei dominierte die reife Süße zusammen mit viel Eleganz und Finesse und ließ diese Dorflage wie eine Eins im Glas stehen, toller Stoff – 93/100. Der Richebourg von Remoissenet hatte 2015 eine kräftige Farbe mit ersten Reifetönen, in der Nase dunkle Früchte und ein Hauch Veilchen, rustikal, kräftig mit leichtem Rhone-Touch – WT94. Eine tiefe, brilliante Farbe hatte 2012 der noch sehr lebendige, jünger wirkende Chambolle-Musigny von Thevenin, tolle Frucht, Zwetschge, etwas Schokolade, so frisch und animierend am Gaumen, viel Spiel, gute Säure – 94/100. Noch so vital und kraftvoll war 2015 der Beaune Les Toussaints von Vasseur mit wunderbarer Frucht, hat noch längere Zukunft – WT93. Ein perfekt gereifter Burgunder aus einem Guss 2017 der sehr elegante Clos Vougeot von Georges Vasseur mit feinem, süßem Schmelz – WT94. Reif mit feinem Schmelz war 2015 der Vosne Romanée von Vasseur, baute im Glas nicht mehr aus – WT90.

Bei weißen Burgundern kann man, was die Fähigkeit zu altern angeht, immer wieder Überraschungen erleben. 1971 hat insgesamt sehr gute Weißweine hervorgebracht, von denen einige ziemlich langlebig sind. 1989 hatte ich eine größere Menge Meursault Cuvée Philippe Le Bon vom Hospice de Beaune gekauft. Der machte für relativ wenig Geld erstaunlich viel Spaß. Yquem-ähnliche, tiefe Farbe. Leichte, aber durchaus angenehme Edelfirne. Entwickelte sich zusehens besser. War voll und reich am Gaumen und bot einen sehr langen Abgang – 91/100. Nur war es nach 2 Jahren mit dem Spass vorbei, der Wein wirkte deutlich überaltert. 1997 dann eine vergessene Flasche: und es gibt ein Leben nach dem Tod! Cognacfarben mit schönem Karamell und Crème Brulée Ton, schöne Länge, anfänglicher Alterston verschwand schnell – 90/100. Ähnlich erging es mir mit einem Corton Charlemagne der Domaine de la Juviniere, 1989 beim selben Händler erworben. Ein Wein mit enormer Kraft und Länge, konstant mit 91-93/100 bewertet. Lediglich die vorletzte Flasche des Dutzend schwächelte 2001 leicht. Die allerletzte 2015 dagegen war in Top-Form. Brilliantes, tiefes Goldgelb, gute Mineralität, feiner Schmelz, reichlich Kraft und Länge, Alterstöne Fehlanzeige – WT93. Überragend 2005 bei Jörg Müller auf Sylt ein Le Montrachet von DRC. Kräftige Farbe, in der Nase erst große Meeresfrüchteplatte, dann intensiv frische Kräuter, wird mit der Zeit leicht minzig, am Gaumen immer noch Kraft und schöne Länge, eine Art weißer Lafleur – 97/100.

Ein gutes Rhone-Jahr. Ein ganz großes Weinerlebnis 2002 im Bostoner Troquette ein

La Mouline von Guigal, ein perfekt gereifter, würzig-seidiger Traum-La-Mouline, der am Gaumen gar nicht mehr aufhörte - 100/100. Suchenswert ist auch Hermitage La Chapelle. Mehrfach getrunken, 1996 auf einer Drawert-Probe: kräftige, junge Farbe, am Gaumen Süße, Lakritze, zeitlos schön – 95/100. Dicht jung, kräftig, rustikal, animalisch 2011, viel Lakritz, Blut, rostiges Eisengeländer, Pferdestall und alter Ledersattel, ein wildes, eigenständiges Teil, sehr lang am Gaumen – 94/100. Sehr gefällig 2013 der Croze-Hermitage-Rochefine von Jaboulet-Vercherre mit feinem, dunklem Toffee, Kafffe, süßem Schmelz und ohne Alterstöne – 91/100. Sehr vital, animalisch und kräftig 2014 ein faszinierender Côte Rotie Les Jumelles von Jaboulet Ainé – WT96.

Auch an der südlichen Rhone entstanden interessante Weine, von denen die besten noch viel Spaß machen können. 2004 habe ich einen Chateau de la Nerthe Cuvée les Cadettes getrunken. Die sehr helle, reife Farbe hatte mich erst mißtrauisch gemacht, doch der Wein entpuppte sich als groß. Ein Chateauneuf-Klassiker im alten perfekten Stil. Traubig, tolle zimtige Süße am Gaumen mit einem Abgang, der gar nicht mehr aufhört, reife Gerbsäure, baut sehr schön im Glas aus und hat sicher noch 20+ Jahre vor sich – 95/100. Gut gereift und ohne Schwächen, aber mit der leicht staubigen Rustikalität der 70er 2009 ein Chateauneuf-du-Pape Selection von Barrières, medizinal-kräuterige Nase, feine Süße am Gaumen – 89/100. Der Chateauneuf-du-Pape Mont Redon wirkte 2010 sehr reif und oxidativ – 84/100.

Auch im Elsass war 1971 durch die Bank ein herausragendes Jahr. Das gilt für das gesamte Gebiet und alle Rebsorten. Da müsste es noch reichlich Entdeckungen geben. Aus 2 perfekten halben Flaschen konnte der Clos St. Hune von Trimbach überzeugen. 1994 kräftiges Gelbgold, brauchte Zeit im Glas, kräftig, lang, ohne Alter und in der halben sensationell – 93/100. 1996 mit eigenwilliger Nase von süßen Früchten und Mineralien, ein Riesenwein – 94/100. Schon etwas auf dem Abstieg schien er dann 2001 in einer 1tel zu sein. sein, intensiver Petrolton, kenne ich größer – 88/100. Eine Schlumberger Gewürztraminer CuvéeChristine erwies sich 2005 als perfekter Aperitif, der Lust auf mehr macht. Reife, güldene Farbe, in der Nase feine Würze, am Gaumen dezente Süße, feiner, würziger Bitterton, langer Abgang, sicher in der Liga einer hochwertigen BA und in dieser Form noch gut 10+15 Jahre haltbar - 94/100.

Recht hell 2010 aber ohne Alterstöne die Farbe bei Chateau Vannières aus Bandol, faszinierende, fruchtbetonte Nase mit viel Sauerkirsche, am Gaumen erstaunlich frisch mit guter Säure und samtiger Textur, reif aber nicht alt und längst nicht so eindimensional und langweilig wie die hoch gezüchteten, modernen Boliden – 89/100.

Ein ganz großes, herausragendes Jahr für deutsche Weine. Gut gelagert machen eigentlich fast alle Weine ab Auslese-Qualität noch Spaß. Und das Schönste: sie sind oft noch für kleines Geld zu haben. Das mag vor allem daran liegen, dass viele von uns in den ersten Weintrinkerjahren von Eltern und Großeltern mit dem gequält wurden, was wir als süße Pampe empfunden. Daraus hat sich bei vielen Weintrinkern eine Aversion gegen alle nicht komplett trockenen Weine entwickelt. Viele Weintrinker ziehen immer noch den übelsten Pinot Grigio einer schönen Auslese vor. Sollen Sie doch. Nach den Gesetzen von Angebot und Nachfrage gibt es hier so ein weites Feld voller Schnäppchen. Ich habe vor langen Jahren den Keller eines solchen, von den Eltern vermeintlich gequälten Süßweinhassers aufkaufen können. Von den vielen Notizen hier nur ein paar wenige.

Am Gaumen zeigte die Marienthaler Klostergarten Spätburgunder Beerenauslese vom Staatsweingut Kloster Marienthal von der Ahr noch ein erstaunliches Tanningerüst und bewies Zukunftspotential. Ein zwar fülliger, aber gut strukturierter, nur dezent süßer, großer Wein, der in seiner Jugend sicher pappig süß und untrinkbar war. Ein großes Weinerlebnis – 94/100.

Der Trittenheimer Apotheke Spätlese Eiswein vom Weingut Oswald Ahl war 2015 in der Nase leicht maderisiert, in der Farbe sehr reif, am Gaumen durchaus spannend mit malziger Süße und etwas Überreife – WT89. Auf hohem Niveau 2011 schon etwas reif und müde die Bernkasteler Doctor Auslese von Deinhard mit etwas rustikalem Charme, baute aber im Glas mit der Zeit aus und entwickelte feine Honignoten – 89/100. Eine Ürziger Würzgarten Auslese*** von Joh.Jos Christoffel war 1999 ein Riesenteil, kräftiges Goldgelb, reife, Boytritis-geprägte Nase, am Gaumen Fülle, schöne Süße, fast Opulenz mit immer noch guter Säure – 96/100. Probleme hatte ich 1988 mit einer Scharzhofberger TBA von Egon Müller. Farbe wie ein alter Yquem. Leider war dieser Superwein für mich zu voll, fett und pappig süß. Floß ins Glas wie Öl. Damals nicht mein Ding. Perfekt gereift ohne Firne 1998 eine Eitelsbacher Kronenberg Auslese von Rautenstrauch – 87/100. Zuletzt 2011 auf Sylt noch so frisch, goldgelbe, Fülle, Süße, Länge, kleidete den Gaumen voll aus – 90/100. Gülden, über Höhepunkt schon länger weg, Alterstöne, aber immer noch gut trinkbar mit etwas Restsüße 1997 eine Dhronhofberger Auslese des Friedrich Wilhelm Gymnasiums. Auf dem Punkt 1995 eine Graacher Himmelreich Auslese Goldkapsel von Paul Gomboli Erben – 89/100. Begeistert war ich 1996 in der Traube Grevenbroich von einer Brauneberger Juffer Sonnenuhr Auslese Goldkapsel von Fritz Haag. Unglaublich, mit welcher Leichtigkeit und Jugend dieser nachhaltige Wein daherkam - 95/100. Gefiel mir persönlich besser als 2 Jahre vorher aus gleichem Hause die TBA, die mir zuwenig Gewicht und Struktur und auch nicht das intensive Süße- Säurespiel jüngerer Haag-Weine zeigte -93/100. Einfach zeitlos schön 2007 eine Brauneberger Juffer Sonnenuhr Auslese von Willi Haag. Kräftiges Goldgelb, nur ganz dezenter Petrolton, traubig, viel Honig, füllig, rund und einfach lecker. An diesem Wein stimmte einfach alles, auch die reife Säure, die die Süße gut abpufferte – 93/100. Eine Farbe wie ein junger Spätburgunder hatte 2011 die Dom Scharzhofberger BA von der Hohen Domkirche, viel Süße, unglaubliche Säure, mineralisch, noch so jung wirkend, einfach ein faszinierender Wein, aber nichts für Leute, die schon bei einem QbA Renni einwerfen, entwickelte sich enorm im Glas mit schönem Süße-/Säurespiel, Potential für lange Jahre – 94+/100. Schon etwas gefährlich lebte 2010 die Oberemmeler Abteihof Auslese von Kesselstatt, sehr reif mit viel Petrol in der Nase, kaum noch Süße am Gaumen und auch erste Anflüge von Möbelpolitur – 87/100. Von der Farbe her schon sehr alt 2007 eine Brauneberger Juffer Beerenauslese von Licht-Bergweiler. Tiefgülden mit malzig-rosiniger Süße. Wirkte erst etwas müde. Das legte sich, als Franz Josef Schorn ein würziges Käsegericht auftischte. Der Wein schien das förmlich als Herausforderung zu begreifen und legte massiv zu, wirkte plötzlich erstaunlich frisch, karamellig und schien nach einigem Luftkontakt auch noch Alterungspotential zu haben – 91/100. 2012 tief und ins Güldene gehend die Farbe, rosinige Süße, das Obere der Crême Brulée, feine Bitternote – 91/100. Eine Erdener Prälat Auslese Goldkapsel von Dr. Loosen hatte 2011 tiefes, schon leicht ins Güldene gehendes, brilliantes Gold, in der Nase Bienenwachs, Honigtöne und Trockenfrüchte, am Gaumen schon fast halbtrocken mit immer noch guter Säure und Frisch, so perfekt balanciert und nachhaltig, einfach eine große, sehr gut gereifte Auslese, die jetzt ihre ganze Klasse zeigte – 94/100. In der Nase der fast güldenen Wolfer Goldgrube Auslese eines Weingutes Marchlewski-Emmerich 2009 feine Apfeltart, frisch aus dem Ofen. Am Gaumen erst etwas gezehrt mit ersten Lacktönen und nassem Hund, die aber rasch verschwanden. Immer noch gute Säure und einfach wunderschön zu trinken – 87/100. Eine sehr reife, güldene Farbe hatte 2014 die Maximin Grünhaus Abtsberg Auslese, am Gaumen aber noch frisch mit feinem Schmelz und guter Säure – WT91. Eine Trittenheimer Apotheke BA von Milz-Laurentiushof wirkte 2010 erstaunlich alt, colafarben, sehr reif, für eine BA dieses großen Jahres zuwenig Säure und Süße – 88/100. Ein Bernkasteler Badstube Eiswein Auslese des Weingutes der Pfarrkirche hatte 2009 eine dunkel-güldene, aber brilliante und klare Farbe. Immer noch rassige Säure als ideales Pendant zur deutlichen Süße, klare, reintönige Frucht, Frische, apfelig, Orangen, Karamell, Crême Brulée und angenehme Bitternote im Abgang. Entwickelte sich enorm im Glas, legt immer mehr zu und zeigte keinerlei Schwächen – 94/100.

Wirkte die Wehlener Sonnenuhr Auslese von JJ Prüm Anfang der Neunziger noch geradezu jugendlich, so war sie 1998 deutlich gereifter: kräftiges Goldgelb und erste Firne, immer noch gute Säure, gelbe Früchte und dezente Honigtöne – 90/100. 2009 eine perfekte Flasche, eine sehr komplexe, harmonische Auslese mit viel gelben Früchten, die eigentlich dekantiert gehört hätte. Baute enorm im Glas aus und zeigte erst nach 2 Stunden im Glas mit wunderbaren Honignoten, was sie wirklich alles drauf hatte – 94/100. Zuletzt 2011 auf Sylt brilliantes Goldgelb, in der Nase Zitrusfrüchte, Honig, am fruchtigen Gaumen taufrisch mit knackiger Säure, noch so jung, so aromatisch, knallte förmlich am Gaumen, ein Wein mit Potential für mindestens 30 weitere Jahre – 96/100. 1999 konnte ich dann davon die Goldkapsel trinken, ein Riesenteil mit toller Frische und schönem Schmelz, das auf die paralell getrunkene 59er Feinste Auslese noch mal einen draufsetzte – 95/100. 2006 auf der Prüm-Probe kräftiges Goldgelb, erstaunliche Kaffee- und Mokkatöne in der Nase, Crême Brulée, dabei so jung, so frisch und eine derartige, finessige Leichtigkeit, perfekte, aber nicht aufdringliche Säure, druckvoll am Gaumen - 97/100. Die BA war 2002 erstaunlich weit und reif, güldene Farbe – 94/100. Purer Nektar 1997 die TBA mit unglaublicher Finesse und Eleganz – 100/100. Auch auf der Prüm-Probe 2006 Trotz einer merkwürdigen Cognac-Farbe(ich kenne diesen Wein aus früheren Begegnungen deutlich heller) wirkte diese TBA immer noch sehr frisch und jung, tapezierte den Gaumen mit einem Pfauenrad an Aromen, purer Nektar, in positivem Sinne bissig, Aprikosenkonzentrat, Crême Brulée, wo man bei anderen Weinen ein Maul voll braucht, reicht hier schon ein Tropfen – 99/100. Von der Prüm´schen Verwandschaft habe ich 1994 die Wehlener Sonnenuhr von Peter Prüm getrunken, deutlich weiter und reifer als JoJo´s mit weniger Kraft – 87/100. Erstaunlich frisch und füllig 1999 die damals mit 110° geerntete Wehlener Sonnenuhr Auslese Goldkapsel von S.A. Prüm, eher auf BA-Niveau, sehr schöne Frucht und Länge, keinerlei Eile – 93/100. Zuletzt 2011 brilliantes Goldgelb, immer noch knackige Säure, in der Nase frische Babyananas, immer mehr reife Zitrusfrüchte, am Gaumen sehr vielschichtig, immer noch so jung – 94/100. Von der Art her eher eine reife, bessere Auslese 1996 eine Scharzhofberger BA von Kesselstatt, da hatte ich mehr erwartet – 88/100. Eine Scharzhofberger Auslese des Weingutes von Hövel zeigte 2010 kräftiges Goldgelb, in der Nase reifer Apfel und Zitrusfrüchte, am Gaumen eher halbtrocken wirkend und durch die gute, apfelige Säure immer noch recht frisch – 90/100. Sehr schön 2007 eine Wiltinger Braune Kupp Auslese Goldkapsel von Egon Müllers Zweitgut Le Gallais. Traumhaft balanciert und immer noch erstaunlich frisch mit sehr viel Spiel, eine zeitlose, große Auslese – 95/100. Groß 2010 eine Waldracher Jesuitengarten BA von Schenck-Oster, Süße, Schmelz, Fülle, Mineralität und eine tolle Säure ergaben ein faszinierendes Spiel in der Nase und am Gaumen – 94/100. Reif, aber immer noch mit bezaubernder Frische 2001 eine hellgüldene Bernkasteler Doctor Auslese von Freiherr von Schorlemer, noch viel Potential – 93/100. . Wunderschön ausgewogen und ohne Alter 1996 eine Serriger Schloß Saarfeilser Auslese von den Vereinigten Hospitien – 90/100.

Die Nackenheimer Rothenberg Riesling und Silvaner BA vom Gunderloch-Lange´schen Gut roch 2011 nach alten, überlagerten Karamellen, wenig Säure am Gaumen, Süße-/Bitterspiel, gut trinkbar, aber nicht spannend – 84/100.

Eine Spitzen BA war mit schöner, harmonischer Säure und großer Fülle 1993 ein Hattenheimer Mannberg BA von Langwerth-Simmern.. Ähnlich schön vom gleichen Erzeuger ein Jahr vorher die Nussbrunnen BA.. Reife, güldene Farbe, am Gaumen reich aber etwas gezehrt, noch gute Säure 1995 eine Rauenthaler Gehrn Auslese von Schloß Eltz- 92/100. Die Schloss Johannisberg Rosalack Auslese wirkte 2012 etwas rustikal, reife Farbe, dunkles Goldgelb, etwas Petrol in der Nase, viel Kraft, schöne Süße – 91/100. Eine Rauenthaler Gehrn BA der Staatsweingüter Eltville hatte 2001 eine sehr schöne, güldene Farbe, erstaunlich kräftige Säure, damals wunderbar, schien aber anzufangen Süße abzubauen und dürfte nicht mehr sehr alt werden – 93/100. Für Jahrgang und Erzeuger sehr enttäuschend 1998 eine Hattenheimer Wisselbrunn Auslese von Schloß Reinhartshausen. Schon ins Güldene ging 2010 die Farbe der Hochheimer Domdechaney Riesling Spätlese von den Staatsweingütern. Reif auch die Nase mit ersten Anklängen von Möbelpolitur, unter die sich aber zunehmend auch etwas Honig mischte, am Gaumen erst flach und gezehrt, bäumte sich mit zunehmender Luft aber noch mal auf und wurde erstaunlich gut trinkbar – 87/100. Eine Rauenthaler Gehrn Versteigerungsauslese von den Staatsweingütern hatte 2011 wenig Süße, kaum mehr Säure, baute im Glas etwas aus, aber da hatte ich mehr erwartet. Bei einem 21er in der Form hätte ich wohl die Augen verdreht, als 71er müsste er aber frischer sein – 85/100.

Die Assmannshäuser Höllenberg Spätburgunder Auslese von den Staatsweingütern war 2012 in der Wiin Kööv schwierig zu genießen. Überreife, balsamische Noten, wirkte zumindest aus dieser Flasche deutlich über den Höhepunkt – WT83.

Eine süchtig machende Traumnase hatte 2011 die Wachenheimer Rechbächel Auslese von Bürklin–Wolf, auch am Gaumen faszinierte dieser große, absolut stimmige Wein, soviel Spiel, generöse Süße, Harmonie pur, wunderbare Länge, baute enorm aus – 96/100.TBA par Excellence und ein fantastischer Rosinen-Turbo 1993 eine Forster Ungeheuer TBA von Bürklin Wolf – 96/100. War das, was da mit sehr dunkler Farbe ins Glas kam, ein Rot- oder ein Weißwein? Massig Kaffee, Oregano, die volle Apotheken-Kräutermischung, dezente Süße. Letztlich verriet die klassische Burgundernase den Rotwein. Vom selben Erzeuger 2009 eine sehr feine, elegante, perfekt gereifte Wachenheimer Böhlig Auslese – 71/100. Eine Forster Kirchenstück Auslese des gleichen Erzeugers war 2010 eine schon eher halbtrocken wirkende, sehr harmonische, elegante Auslese mit feiner Restsüße – 90/100. Eine tiefe Farbe wie Coca Cola hatte 2011 die Gimmeldinger Meespinne Eiswein BA von Christmann, dickflüssig, Viskosität wie Motoröl, flüssige Karamelle, sehr süß, aber auch mit immenser, balancierender Säure, am Gaumen sehr cremig mit viel Kaffee, komplexer Faszinations- und Meditationsstoff pur – 97/100. Erstaunlich gut trinkbar war 2011 noch ein güldener Wachenheimer Fuchsmantel Kabinett vom Weingut Karl Schäfer, weitgehend trocken wirkend, feine Karamell- und Bitternote am Gaumen und im Abgang – 86/100.

Ziemlich reif 2010 ein Brüssele Clevner von Graf Adelmann , mit malziger Süße, Schokolade und Pinot-Affinität, wobei der Gaumen dieses Weines, der sich immer noch gut trank, deutlich besser war als die Nase – 82/100.

Gilt als hervorragender Jahrgang in Italien, ins besondere für Piemont.

Ein Barolo Monfortino von Giacomo Conterno hatte 1992 eine derartige Stinkernase, dass er nur mit Überwindung zu trinken war. 2010 hatte der Barolo Monfortino Riserva von Giacomo Conterno immer noch jugendlich wirkende Frucht, viel Tannin und noch mehr Säure – 90(+?)/100. Trinkspaß bereitete er in jedem Fall nicht. Deutlich besser 2011 auf dem Unger Weihnachtstasting, Kräftige Farbe, in der medizinalen Nase Jod, Heftpflaster, Teer und Kräutertinktur, kräftig am Gaumen mit guter Säure und sehr langem Abgang, dabei schöne, lakritzig-kräuterige Süße – 95/100. Die beste Flasche 2013, ein verrückter, erstaunlich offener Barolo heller, leicht bräunlicher, aber voll intakter Farbe (alte Monfortinos neigen zu Farbausfällung, und dann sind sie hin), mit süßer Frucht, mit Rosenblätter, Teer, Leder, Trüffeln, Unterholz und einer frischen Mentholnote, auch am Gaumen sehr spannend und komplex mit ewiger Länge – WT98. Der Barbaresco Sori Tildin von Gaja startete zwar mit einer fürchterlichen Nase, doch die glättete sich mit Luft und der Muff machte schöner Frucht Platz. Am Gaumen Minze, kandierte Kräuter, feine Süße und eine gute Länge – WT95. Der Barolo Falletto die Serralunga von Bruno Giacosa hatte 2010 eine sensationell junge Farbe und eine enorm hohe Säure, war aber auch enorm vielschichtig, lakritzig und komplex, sehr würzig und mineralisch, gemacht für die Ewigkeit – 96+/100. Ein Barolo Riserva Centenario von Guiseppe Contratto hatte 2010 eine relativ helle, aber intakte Farbe, erste Alterstöne, aber nicht ohne Charme, viel Lakritz, Teer und Unterholz - 87/100. Gemischt meine Erfahrungen mit Sassicaia. 1993 auf Willi Krählings Sassicaia-Probe kräftiger, dunkler Wein, der allerdings eine zu sehr animalische Nase hatte – 90/100. 1996 auf der Sassicaia-Probe der Ungers erstaunlich dichte, junge Farbe, entwickelt am Gaumen eine wunderschöne Süße, toller Stoff (Zwillingsflasche deutlich schlechter) - 92/100.

Portugal? Portugal! Ein echter Probenkiller mit kräftiger Farbe ohne Alter war 1996 auf einer Best Bottle ein Perequita von Fonseca. Nase, Gaumen und Abgang ließen eher auf großen Bordeaux schließen, noch gut 10-20 Jahre Zukunft 95/100!

Aus Spanien habe ich bisher nur, 2007 einen Wein getrunken, den Gran Coronas Black Label von Torres. Der hätte perfekt in einen großen 71er Bordeaux-Flight gepasst, und wäre dort blind wohl als sehr guter St. Emilion durchgegangen, weich lecker, gefällig mit feiner Süße und gutem Abgang – 93/100.

Ein gutes Jahr auch in Kalifornien mit einer Reihe von interessanten Überlebenden. Mayacamas Cabernet Sauvignon war 2002 und 2003 in Boston ein überzeugender, reifer Cabernet mit gesunder Farbe und schöner Frucht, feinem Eukalyptus-Duft, Waldboden und Trüffeln - 92/100. 2012 beim Paris Tasting aus der Magnum sehr jung die Farbe, in der sehr fruchtigen, rotbeerigen Nase, die mit der Zeit immer minziger wurde, erinnerte er an einen großen Pauillac. Auch am Gaumen war das ein großer Wein aus einem Guß mit Fülle, Kraft, Körper und perfekter Struktur, immer noch so jung und dicht – 96/100. Sehr fein auch Ridge Monte Bello. 1998 auf einer Gabriel-Probe in Zürich kräftiges dunkelrotbraun, am Gaumen Pflaume und Minze, immer noch sehr schön, ging als gut gereifter Bordeaux durch – 92/100. 2001 in Boston eine perfekt gelagerte Flasche, da waren sowohl Farbe als auch Gaumen jünger, wieder mit wunderbarem Minzton, wie die besten Flaschen des 66 Lynch Bages – 94/100. 2012 beim Paris Tasting kräftig und noch recht jung die Farbe, ausdrucksstarke, mineralische Nase mit Minze, Eukalyptus und Leder, am Gaumen reichlich Fülle, Kraft und tolle Länge, ging auch als großer Bordeaux durch und ist noch lange nicht am Ende. Ein kompletter Wein, der nach wie vor jede Suche wert ist – 93/100. Ein Sterling Vineyards Cabernet Sauvignon Reserve zeigte 2010 auf der Fransburg durchaus eine burgundische Pracht und Fülle, war im positiven Sinne üppig, süß, dicht und komplex, sehr würzig und einfach dekadent lecker – 96/100.

Portig, reif, weit, aber wunderschön und noch lange nicht am Ende 2001 ein

Bin 389 von Penfolds – 91/100. Als legendär gilt der Penfolds Grange. Auf der Grange-Probe 1999 war er ein Riesenstoff mit irrer Dichte und Länge, gleichzeitig aber auch ein gewaltiges Tanninmonster. Da ahnt man mehr als man verkostet – 96+/100. 2010 immer noch mit extrem junger, dichter Farbe, mit sehr süßer, einfach geiler Frucht, bei aller Süße aber nicht überladen, sondern sehr harmonisch und absolut stimmig, ein perfekt gereifter, riesengroßer Grange, der in dieser Form noch locker 20 weiter Jahre Spaß macht – 99/100. 2013 in absolut perfekter Form, der erschlug mit seiner irren Aromatik, seiner perfekten, traumhaften Struktur und seiner Süße einfach alles, was um ihn drum herum stand - WT100. Auch 2015 auf Sylt wieder absolut perfekt und immer noch so jung wirkend – WT100.

Ein fantastisches Champagnerjahr, kleine Ernte mit hervorragenden Weinen.

Dom Perignon war 2014 auf dem Punkt, weich, generös mit schöner Fülle, Trockenfrüchte, Mandeln, gebuttertes Brioche, einfach wunderschön zu trinken – WT94. 2016 aus einer perfekten Flasche mit sehr gutem Mousseux noch deutlich besser und frischer – WT96. Krug war 2001 aus der 1tel ein traumhaft reifer Top-Champagner mit angenehmen Reifetönen und schönem Mousseux, da werde auch ich wieder zum Champagner-Fan – 97/100. 2014 aus der wohl nicht allerbesten Flasche nur noch ein faszinierender Stillwein – WT93. Ein 2001 im direkten Vergleich dazu getrunkener Krug Collection war dem 71er Vintage unterlegen, da noch viel zu jung, 10 Jahre warten! 2007 aus der Magnum war das ein unglaublich faszinierendes Elixier, immer noch mit fantastischem Mousseux, goldgelbe Farbe, reif und frisch zugleich, Frucht, frischer Toast, nussige Töne, so irre lang und komplex, so druckvoll, Champagner geht anders, aber nicht besser. Da konnte man bei jedem Schluck nur vor Freude glucksen – 98+/100. Hat noch Potential für Jahrzehnte. Fantastischer Abschluss eines großartigen Lunches 2012 in der Traube Grevenbroich der immer noch rassige, perfekt gereifte Pol Roger Reserve Special. Auch das eine perfekt gelagerte, nie bewegte Flasche. Das verhaltene Mousseux nur noch leicht am Gaumen spürbar, klar, dass war mehr Wein als junge Krawallbrause, aber was für ein Wein! So komplex, so faszinierend und lang am Gaumen, da sind meine konservativen 95/100 schon fast eine Beleidigung. Sehr reif war 1996 ein Salon le Mesnil, nicht mehr viel Mousseux, schon mehr Wein als Champagner, etwas Firne, aber immer noch gut zu trinken – 87/100. Seine besten Zeiten hatte ein normaler Taittinger 2011 sicher schon länger hinter sich. Tief die Farbe, das im Mousseux im Glas nicht mehr sichtbar, aber am Gaumen noch spürbar, der Trinkspaß doch begrenzt – 82/100.