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1973

In Bordeaux eine sehr große Ernte früh trinkreifer Weine, von denen sich die meisten schon verabschiedet haben. Das waren noch die Zeiten, in denen man hemmungslos Dünger auf die Weinberge schmiss und von Grüner Ernte, dem Herausschneiden von Trauben bei zuviel Behang nichts hielt. So entstand halt Masse statt Klasse und traf auf wenig Abnehmer. Und trotzdem gibt es auch hier noch ein paar trinkbare Weine.

Muffig 2016 die Nase des Cos d´Estournel, der auch am Gaumen ungenerös mit grünen Noten war – WT83.

Nicht groß, aber schmeichlerisch schön und schon fast burgundisch war 1994 ein Lafite Rothschild aus der Magnum – 83/100. Zuletzt auf René Gabriels großer Lafite-Probe 2011 ein erstaunlich fruchtiger und sehr gut trinkbarer Lafite, ein kleiner, aber sehr feiner, eleganter Wein, sogar mit schöner Länge, der im Glas nicht abbaute – 89/100. Auch Latour machte 1994 schon einen sehr reifen Eindruck, deutliche Brauntöne, noch sehr lang am Gaumen –89/100. Sehr balanciert aber auch ohne Höhepunkte 2015 der erstaunlich altersfreie, gut trinkbare Mouton Rothschild – WT84.

Ich erinnere mich noch gerne an einen gefälligen, aromatischen Ducru Beaucaillou aus der Jeroboam auf Rodenstocks Arlbergprobe 1993, bei dem lediglich der Abgang etwas kurz war – 90/100. 2006 auf der großen Ducru-Probe kaputt und nicht mehr mit Genuß trinkbar. Zuletzt 2009 auf der großen Ducru-Probe in Krems noch so eine feine, pikante Johannisbeernase. Am Gaumen war er etwas kurz und wurde geprägt von hoher Säure, trank sich aber immer noch gut – 85/100.

Höchst erstaunlich 2012 im Schloss Hugenpoet Margaux aus der Doppelmagnum, fragil, leicht metallisch, aber immer noch mit pikanter Frucht, kein spürbarer Alterston, feine Süße am Gaumen – 89/100.

Haut Brion hatte 2006 auf der großen Haut Brion-Probe immer noch eine intakte Farbe, die klassische Haut Brion-Nase, dazu eine pflaumige Frucht und feine Süße, spannende Aromatik am Gaumen, baute zwar mit der Zeit im Glas ab, doch für Schnelltrinker sind da noch locker 88/100 drin. Erstaunlich intakt 2012 noch die ziegelrote Farbe des La Mission aus der Magnum. Gut, das war jetzt nicht das größte Konzentrat dieser Erde, was schon am deutlichen Wasserrand zu erkennen war. Aber da war eine höchst erstaunliche Frische, immer noch delikate Frucht, Kräuternoten, eine feine Süße, Eleganz pur, was sich am schmelzigen Gaumen fortsetzte – 90/100.

Ausone war 2013fein und elegant, sehr minzig, kaum Alter – 90/100. Cheval Blanc war 2008 erstaunlich fein und elegant, immer noch mit filigraner, delikater Frucht und feiner Süße, wird sich in guten Flaschen auf diesem Niveau noch eine Weile halten – 87/100.

Unterschiedliche Flaschen scheint es bei Petrus zu geben. 1993 und 1994 habe ich den Petrus aus zwei sehr enttäuschenden Magnums erlebt, klein, mit grünen Noten und schnell abbauend. 1998 dann auf einer Best Bottle eine sensationell Magnum mit sehr dichter Farbe, eher Pauillac als Pomerol, verhaltener Schmelz, wunderschön am Gaumen, sehr lecker, Alter nicht spürbar, baut am Gaumen aus - 94/100. 2000 noch mal aus Schorns Beständen eine 1tel auf ähnlichem Niveau. 2003 begann mit der leicht grünen Note unreifer Trauben, rauchige Töne, entwickelte sich mit der Zeit zunehmend besser im Glas, elegant aber nicht groß, für das Jahr toll – 90/100. 2008 bei den Ungers ein kleiner, feiner, eleganter Gaumenschmeichler – 89/100. Und dann 2009 in Olten in der Felsenburg noch ein perfekt gelagertes Super-Exemplar, perfekt gereifter, wunderschöner Pomerol mit generöser, schokoladiger Süße, legte sich wie feinstes Cashmere auf den Gaumen und blieb lange haften, reichlich Glückshormone wurden da ausgeschüttet – 94/100.

Y, der trockene Wein von Yquem, konnte 1996 überhaupt nicht überzeugen, alkoholisch, etwas brandig, keine Frucht mehr – 76/100.

Auch in Burgund wurde erheblich zuviel zu schlechter Wein geerntet, den dann auch kaum jemand haben wollte.

Ich erinnere mich an einen Romanée St. Vivant von DRC, 1991 in einer Probe, ein harmloses, aber immerhin noch gut trinkbares Leichtgewicht – 81/100. Verdammt alt und gebrechlich 2009 ein Grands Echezeaux von DRC. Würde sich perfekt als Maggi-Hauswein machen, denn danach roch und schmeckte er, dazu ziemlich dünn, muss man nicht trinken. Durchaus trinkbar war 2012 bei Elke Drescher ein Pommard von Lupe-Cholet, immer noch mit Fruchtresten, etwas Struktur, baute sogar aus im Glas und wurde gefälliger - 87/100.

Deutlich besser gerieten in Burgund die Weißweine. Ein Corton Charlemagne des Chateau de Beaune aus der Magnum war 2003 irre mineralisch, Feuerstein, leichte Stinkernase, Bittermandeln, furztrocken, klassischer, immer noch sehr gut trinkbarer Corton Charlemagne, für das Jahr eine Sensation – 92/100. Schier unglaublich 2010 der praktisch altersfreie Puligny MontrachetLes Combettes der Domaine Leflaive, ein aromatischer Zwilling des 92ers, nur war hier alles noch dichter, deutlicher, dramatischer und intensiver, Burgund at ist very Best mit klarer, puristisch schöner Frucht und auf höchstem Niveau einfach dekadent lecker – 98/100. Eine Suche wert könnte noch der Chablis Les Clos von Louis Latour sein. 2016 auf Sylt zeigte er noch eine brilliante Farbe und soviel Frische, aber leider auch Kork.

Fruchtige, leichte Weine an der Rhone.

Überraschend gut 2014 der Hermitage La Chapelle von Jaboulet Ainé. Gute, voll intakte Farbe, dekadent süße, lakritzig-kräuterige Nase, enorme Kraft und Fülle am Gaumen, auch hier gestützt durch gute Säure – WT93.

Beaucastel hatte 2012 zwar eine reife Farbe, war aber noch so vital und lebendig. Kräuter pur, Riccola, teerig, lakritzig, immer noch enorm kräftig und lang, aber auch mit burgundischem Charme und malziger (Guiness)Süße, hielt sich über lange Zeit im Glas und baute sogar etwas aus – 93/100. Der 73 abgefüllte Chateauneuf-du-Pape du Barbe Rac von Chapoutier war 2003 ein klassischer, rustikaler Chateauneuf alter Machart mit wenig Schmelz – 85/100. 2016 war er aus einer der Zwillingsflaschen ein ein spannender, vielschichtiger Wein, der mit Eukalyptus in der Nase etwas an Kalifornier aus den 70ern erinnerte - WT94.

Auch in Deutschland gab es eine riesige Ernte, Masse statt Klasse. Ein paar positive Ausnahmen gab es im edelsüßen Bereich, speziell bei den Eisweinen. Da dürften noch einige, gut trinkbare Weine zu finden sein. Interessant 1996 bei Drawert eine Lorcher Kapellenberg Eiswein BA von Dr. Breuer, dunkle, kräftige Farbe, noch viel Säure, wie Mischung aus altem Sherry und Sauternes – 89/100. Beeindruckend 1994 eine Steinberger Riesling Eiswein BA von den Staatsweingütern, kräftige, sehr dunkle Farbe, intensive Säure -94/100. Eine Scharzhofberger Eiswein BA von der Hohen Domkirche hatte 2010 immer noch eine helle, junge Farbe, in der Nase und am Gaumen so frisch mit knackiger Säure und perfekter Süße, die sich gegenseitig hochschaukelten und ein perfektes, feinstes Spiel miteinander eingingen, dazu noch diese gewaltige Mineralität der Lage Scharzhofberg – 99/100.

Mehrfach habe ich mit viel Genuss eine Ried Klaus Riesling Spätlese von Jamek getrunken. Zum ersten Mal 1994 auf dem Weingut mit Jamek selbst. Ich weiß nicht mehr, ob ich mehr von Jamek selbst oder von diesem noch taufrisch wirkenden Wein beeindruckt war. Jedenfalls bin ich auf die Suche gegangen und fündig geworden. 1998 kräftiges Goldgelb, erster Eindruck am Korken intensive Fruchtsüße, Nase erst verschlossen, entwickelt sich nach einer Stunde, kräftiger Riesling mit dezentem Holzton, am Gaumen lang und komplex, toller Stoff, der es sicher noch eine Weile macht – 90/100. 1999 tolle Nase mit reifen, weißen Früchten und einer schönen Fruchtsüße, am Gaumen trocken – 91/100. Auch die letzte Flasche Ende 2003 auf einer Best Bottle war immer noch iein toller Genuß auf 91/100 Niveau.

Ein Vaduzer Beerli aus dem Fürstlichen Hofkeller Lichtensteins war natürlich reif, aber immer noch lebendig mit delikater, pikanter Frucht und deutlicher Säure, die diesen Wein am Leben hielt, ein kleiner, noch voll trinkbarer Wein – 83/100.

In Spanien war 1973 ein passables Jahr, in dem sich sicher noch trinkbare Weine finden lassen. Eine Reihe davon konnte ich 2007 auf René Gabriels großer Spanien-Probe verkosten. Ein einfacher, etwas zu alter und inzwischen säuerlicher Rioja der Campillo Cosecha Especial – 80/100. Grandios hingegen Gran Reserva 890 Rioja Alta. Ein klassischer, großer Rioja mit wunderbarer Süße und burgundischer Fülle – 92/100. Deutlich älter und etwas medizinal wirkend vom gleichen Erzeuger die Reserva 904. Entwickelte sich kurzzeitig im Glas und fiel dann wieder in sich zusammen – 85/100. Die Gran Coronas Reserva fiel in einem Torres-Flight deutlich ab. Ein anstrengender, schwächerer Wein mit einer gemüsigen Art – 86/100.

Der Vega Sicilia Unico hatte 2001 auf der großen Unico-Probe eine wunderschöne Nase, aber am Gaumen viel Säure, Farbe zeigt schon deutliche Reife, mit der Zeit kam am Gaumen feine Süße dazu - 92/100.

Chateau Musar aus dem Libanon, 1995 auf einer Drawert-Probe, war nicht nur in Burgunder-Flaschen abgefüllt, sondern zeigte auch eine gewisse Pinot-Affinität, allerdings nicht auf hohem Niveau – 82/100. Zuletzt 2013 sehr fein, sehr finessig, aber auch mit hoher Säure und wieder sehr Pinot-ähnlich – WT93.

1973 war ein völlig unterschätzter, guter Kalifornien-Jahrgang, der immer im Schatten von 1974 stand. Der Heitz Martha´s Vineyard wirkte 2011 auf der großen Heitzprobe der Ungers anfangs schon verdammt gebrechlich mit viel Champignons. Doch auch hier geschah mit der Zeit noch ein Wunder, der Wein blühte noch mal auf, wurde sehr viel schöner, feiner und süßer – 91/100. Der Heitz Cabernet Sauvignon startete in dieser Probe sehr vielversprechend mit dichter Farbe des Flights und einer überzeugenden Statur. Doch dann machte sich ein zunächst leichter Kork immer deutlich bemerkbar und verdarb den so sicher geglaubten Spaß. Der Wein wurde zunehmend strenger und auch etwas pilzig. Aus besseren Flaschen müssten da locker 91/100 oder mehr drin sein. Der Phelps Cabernet Sauvignon war 1998 noch burgundischer von der Nase her als 74, auch größer, süßer, expressiver, Milchkaffee mit 5 Löffel Zucker, toller Stoff, Minze, Eukalyptus, einfach ein kompletter Wein mit Dampf ohne Ende – 96/100. Ziemlich dunkel 2012 beim Paris Tasting Reloaded die schon leicht ins bräunliche gehende Farbe des Stag´s Leap Cabernet Sauvignon. Der war sicher nicht mehr in der Form von 1976, als er Sieger bei den Roten wurde. Ich fand ihn aber immer noch interessant und sehr schön zu trinken. In der kramelligen Nase auch frischer Dung und Sattelleder, Anis und Lakritze, am Gaumen fragil, schlank, etwas staubig und schon leicht gezehrt, aber die intakte, gut eingebundene Säure verleiht dem Wein sogar noch eine gewisse Frische – 90/100.

Wie perfekt auch Weiße Kalifornier altern können, zeigte 2010 auf dem Unger Weihnachtstasting der legendäre Chateau Montelena Chardonnay, der war dicht, kräftig, lang, immer noch erstaunlich frisch mit pikanter Frucht – 94/100.

Kein großes Weinjahr in Australien, aber sehr gute und sicher noch trinkbare Weine von Penfolds. Der Cabernet Shiraz Bin 389, oft als „Grange des Kleinen Mannes bezeichnet“, war 2003 reif, üppig und unglaublich lecker – 92/100. Auch der Grange konnte 1999 auf der Grange-Probe in Lehrbach überzeugen, süße, füllige Frucht, Teer, Leder, kleidete den Gaumen voll aus – 94/100. Zuletzt 2013 war das ein kleiner Grange mit wenig Charme, zeigte sich aber altersfrei mit erstaunlicher Frische - WT90.

Aus Süafrika 2008 ein Uitkyk Carlonet Cabernet Sauvignon mit Teer, Jod und viel Lakritz. Intakte Farbe mit leichtem Orangenrand, am Gaumen eher schlank mit etwas Schoko und Kaffee, kurzer Abgang mit immer noch trockenen Tanninen. In der Stilistik näher an Bordeaux als an den heutigen Südafrikanern – 89/100. Einfach genial 2014 dieser KWV Roodeberg Red Table aus Paarl von einer Winzergenossenschaft, brilliantes, altersfreies Rubinrot. Ein stimmiger Wein mit bester Bordeaux Stilistik, geht locker als perfekt gereifter St. Julien durch - WT93.

Ein eher mittelmäßiges Champagnerjahr mit der zweitgrößten Ernte des letzten Jahrhunderts. Sehr gut gelungen war Dom Perignon. Den habe ich zuerst 1993 im Düsseldorfer Hummerstübchen als frische RD erlebt, reifer als 70, wie ein großer, reifer, weißer Burgunder, sehr Chardonnay geprägt, Brioche, Butter, Kartoffeln, Tarte Tartin, voll, kräftig, aber wenig Abgang – 92/100. Besser gefiel mir dann noch 1997 in Österreich die normale Abfüllung, die deutlich mehr Kraft und Länge zeigte – 93/100. Ähnlich 1999 auf einer Best Bottle, kräftige Farbe, schönes, noch sehr intensives Mousseux, Brotton, angenehme Edelfirne, knackige Apfelsäure – 93/100. Zuletzt 2014 immer noch recht frisch mit gutem Mousseux – WT93. Noch eine Ecke größer war 1998, ebenfalls auf einer Drawert-Probe, Krug, erstaunlich jung und sehr fruchtig, intensives Mousseux, erst ganz am Anfang – 95+/100. Der taucht übrigens immer mal wieder in der Collection Krug auf und ist sicher noch guter Kauf für alle, die etwas aus 1973 zu feiern haben. 2015 bei Jörg Müller war das ein perfekt gereifter Champagnertraum, brilliantes Goldgelb, intensives Mousseux, Kumquats, Bitterorange, Brotkruste, sehr mineralisch - WT96. Perriet Jouet Belle Epoque prickelte 2012 nicht mehr und war auch sonst nicht mehr prickelnd, eher wie ein cremiger Sherry mit viel Toffee, Karamel und feiner Süße, als solcher ok, als Champagner eher platt. Reif aber nicht alt 2014 bei Jörg Müller der Ruinart Blanc de Blancs mit schöner Edelfirne, immer noch gut spürbarem Mousseux und feinen Brottönen sowie etwas Bratapfel – WT94. In den Neunzigern habe ich bei Jörg Müller häufiger Taittinger Comtes de Champagne getrunken. Das war feiner, eleganter, noch unglaublich frisch wirkender Champagner auf sehr hohem Niveau – 95/100.