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1976

In Bordeaux war 1976 ein gutes Weinjahr mit Wetterbedingungen, die denen von 2003 nicht ganz unähnlich sind. Sommerhitze wie überall in Europa und ein mit dem 15. September früher Lesebeginn. Sehr charmante, fruchtige, teilweise aber auch recht alkoholische Weine wurden in diesem Jahr in Bordeaux erzeugt, die viel Spaß machten. Die Betonung liegt leider auf „machten“. Die meisten roten Bordeaux sind inzwischen schlicht und einfach verblüht. Da hilft nur noch ganz gezielte Suche perfekt gelagerter Flaschen, möglichst in großen Formaten.

Cos d´Estournel war Ende der 80er ein sehr schöner Wein mit tiefdunkle Farbe, Kraft und Wucht, schwarze Früchte, Pflaume – 92/100. Da würde ich mich heute aber nur noch in großen Formaten rantrauen.

Eine für kleines Geld erworbene Clerc Milon Jeroboam hatte 1996 eine junge Farbe, schwarze Johannisbeere, machte bis auf den etwas kurzen Abgang viel Spaß, in diesem Format sicher noch länger haltbar – 88/100. Ein gutes Dutzend mal habe ich Lafite Rothschild getrunken. Immer ein unglaublich finessiger Wein mit toller Länge am Gaumen, den man erst beim dritten Schluck richtig begriff, und der deshalb in größeren Vergleichsproben oft gnadenlos und unverdient absoff. 1999 klassische, reife, dichte Pinot-ähnliche Nase, am Gaumen Bleistift, reifer Cabernet, ein toller, perfekt gereifter, großer Wein auf dem absoluten Höhepunkt – 95/100. 2009 auf Sylt Sehr reif die Farbe und auch deutliche Alterstöne in der Nase und am Gaumen, doch war da auch viel altes Sattelleder, Zedernholz und immer noch etwas Frucht, vor allem aber diese immer diese unglaubliche Finesse und seidige Eleganz, ein wunderbar gereifter Wein zum Träumen mit gewaltigem Faszinationsfaktor – 92/100. 2011 auf René Gabriels großer Lafite-Probe keinerlei Alter, sehr mineralisch, der Bleistift von Mouton, viel altes Sattelleder, Zedernholz, kräuterig, immer noch erstaunlich kräftig mit guter Länge, besser als alles, was ich in den letzten Jahren von diesem Wein im Glas hatte – 93/100. 2014 einer perfekten Magnum altersfrei, sehr mineralisch, Zedernholz, feine Frucht mit der Eleganz eines großen Pinots, feingliedrig, ein absolut stimmiger Wein zum in kleinen Schlucken genießen und dabei Träumen – WT96. 2016 aus einer gut gelagerten 1tel immer noch sehr vital – WT95. Latour präsentierte sich 1993 aus der Jeroboam am Gaumen ganz gefällig, auch etwas hohl und hatte einen kurzen Abgang – 85/100. 18 Jahre später, 2011, sehr dicht und ohne Alterstöne die Farbe, in der Nase Leder, Tabak, etwas Trüffel, pflaumige Frucht und die klassische Latour-Walnussnote, am Gaumen weich, reif, erdig, aber sehr nachhaltig, eine leicht metallische Note im Abgang verschwand rasch. Und nur der etwas kurze Abgang war es auch, in dem man das nicht ganz so überragende Jahr merkte. Die voll gerechtfertigte Punktzahl von 93/100 sagt eigentlich wenig über das große Erlebnis aus, einen reifen Latour trinken zu dürfen. Da sind in guten Flaschen wie dieser sicher noch 10 Jahre Leben drin. Lynch Bages war 2008 zwar trinkbar, aber ohne jedes Vergnügen. Irgendwo passten bei diesem Wein die Einzelteile nicht zusammen, wozu die zu Anfang fürchterlich stinkende Nase eine hervorragende Ergänzung war - 78/100. Mouton Rothschild hatte ich zuletzt 1991 getrunken. Damals präsentierte er sich erstaunlich schön. Ich hatte ihn inzwischen längst abgeschrieben, bis ich ihn 2011 wieder ins Glas bekam. Was für eine Farbe! Kein Alter, auch nicht in der wunderbaren Nase, da waren immer noch feine Röstaromatik, frischer Espresso, serviert im alten Lederbecher mit einem Hauch Minze, darüber etwas frisch gespitzter Bleistit geraspelt. Ein typischer, klassischer Mouton, der auch am Gaumen noch erstaunliche Frische zeigte - 93/100. 2015 erstaunliche Fülle und immer noch feine, Mouton-typische Röstaromatik – WT91.

Auf der großen Ducru-Probe 2006 war Ducru Beaucaillou ganz zu Anfang überraschend mit schöner Farbe und Fülle am Gaumen, baute aber rapide im Glas ab - 81/100. Deutlich besser, reif und elegant 2009 auf der großen Ducru-Probe in Krems – 87/100. Überraschend gut trinkbar 2013 und noch erstaunlich jung wirkend, lakritzig – 89/100. Zu Leoville las Cases notierte ich schon 1988: schlapper, kraftloser Wein, der wenigstens noch etwas Frucht zeigte. Höhepunkt, falls er jemals einen hatte, schon lange überschritten – 83/100. 1993 dann noch mal eine etwas gefälligere, harmlose Doppelmagnum. Kann man getrost von der Suchliste streichen.

Etwas plump, astringierend und austrocknend am Gaumen war 1993 La Lagune aus der Doppelmagnum – 84/100. Begeisternd hingegen 1994 auf einer Drawert-Probe Lanessan mit dichter Farbe, perfekt, komplex, erinnerte an die großen Lanessan-Erfolge aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts – 93/100.

Völlig zu vergessen in diesem Jahrgang auch Margaux. Da kam schon 1994 auf der großen Margaux-Probe in Mautern nur noch alter Wein mit muffiger Nase ins Glas. Palmer war 2017 reif, weich, schmelzig ohne Ecken und Kanten, aber auch ohne Höhepunkte und wurde mit der Zeit etwas gemüsig – WT88.

Haut Brion hatte 2008 bei Jörg Müller aus einer perfekt gelagerten Flasche eine sehr dichte, fast altersfreie Farbe, ätherische Nase mit viel Cigarbox, am Gaumen mineralisch mit dezenter, reifer Süße und unendlicher Länge – 95/100. Sehr viel weiter und reifer 2009 in einer Best Bottle – 91/100 und dann Ende 2009 noch einmal in der Felsenburg in Olten, malzige Süße in der Nase, immer noch viel Tabak und Cigarbox, ein leichter, anfänglicher, medizinaler Ton verschwand rasch und machte auch am Gaumen einer verschwenderischen, burgundischen Süße Platz, enorm, wie dieser komplexe Wein ausbaute – 92/100. Unterschiedliche Erfahrungen habe ich mit La Mission Haut Brion gemacht. Recht schön und gefällig präsentierte er sich 1991 auf einer Probe. 1998 dann auf Krählings La Mission-Probe aus der Magnum deutliche Reifetöne, noch etwas grüne Tannine, war aber auch ungenerös mit etwas flüchtiger Säure – 84/100. Ein halbes Jahr später dann eine sehr schöne 1tel, die Nase überzeugt zwar nicht, etwas spritig, aber am Gaumen generös, lecker und unkompliziert – 90/100. 2009 aus perfekter Lagerung bei Grashoff in Bremen die klassische Cigarbox-Nase, am Gaumen tolle Struktur und Länge, reif ja, aber keinesfalls alt – 93/100. Geradezu jung noch die tiefrote Farbe 2012 aus der Magnum. Mit dem ersten Schluck konnte ich mich nicht anfreunden, der war bitter und medizinal. Guinness mag ich schon, aber nicht aus dem Weinglas. Doch dieser recht kompakte etwas rustikale La Mission glättete sich mit der Zeit und wurde gefälliger. Ein dichter, immer noch recht kräftiger Wein der neben der klassischen Cigarbox zunehmend Eukalyptus und Minze zeigte, dazu eine schöne kräuterige Süße – 91/100.

Cheval Blanc war 1994 fein, elegant, relativ leicht, am Gaumen schon etwas gezehrt – 87/100. Sieben Jahre später unverändert immer noch auf dem Niveau von 94, kein Top-Wein, aber immer noch schön trinkbar. 2008 half dann auch die Jeroboam nicht. Paprika aus dem Staubsaugerbeutel, grün, muffig und unreif – 78/100. Figeac hatte sowohl 1993 am Arlberg aus der DM als auch 2001 auf dem Weingipfel aus der Jeroboam eine dichte Farbe und war noch ein ganz erstaunlicher, großer Genuss – 90/100. Zuletzt 2011 auf der Figeac-Probe der Linzer Gang schlank, aber mit betörender, sehr gefälliger, feiner und auch generöser Nase, am Gaumen süß, schmeichlerisch und wiederum sehr elegant, keine Eile – 93/100.

Certan de May hatte 2011 immer noch eine sehr dichte, kräftige Farbe, in der Nase Pflaume in Bitterschokolade, sehr kraftvoll und alles andere als müde auch am Gaumen, baute enorm aus und hat noch etliche Jahre vor sich – 92/100. Erstaunlich gut trinkbar war 2012 der Lafleur, der nur im Abgang etwas dünn wirkte – 90/100. Eine dichte Farbe hatte Petrus noch 2008 auf der großen Probe der Ungers, auch Tanninreste. Nur Charme oder Finesse besaß er überhaupt nicht. Da war leider nie viel und es kommt auch nichts mehr – 86/100. Drastisch besser eine weitere Flasche 2016. Nobel, geradezu aristokratisch, perfekt balanciert und mit irrer Länge am Gaumen – WT96. Immer noch schön zu trinken 2013 mit schokoladigem Schmelz La Pointe aus der Magnum - 91/100. Mein erstes Glas Vieux Certan aus der Doppelmagnum machte mich 2011 nicht besonders an. Die stinkige Nase eines Figeac, am Gaumen schon leicht gezehrt, immer noch mit pflaumiger Frucht, etwas Karamell und Schokolade, aber wenig Rückrat – 87/100. Wie gut, das wir den Wein aus dem großen Format an diesem Abend noch zweimal bekamen, denn er legte enorm zu. Die Nase wurde besser und sauberer, die Alterstöne verschwanden, der Vieux Certan wurde runder, schöner zu trinken und brachte zum Schluss locker 90/100 ins Glas.

Ein Chateau Larriveau aus Canon-Fronsac war 2010 immer noch voll da, rustikal, kräftig, leicht lakritzig und trank sich sehr gut – 89/100.

Sehr gute trockene, weiße Bordeaux wurden in 1976 erzeugt, doch dürften selbst die besten inzwischen schwächeln.

Haut Brion Blanc hatte 1998 auf einer Krähling-Probe eine sehr reife, volle Farbe, Nase süß mit deutlichem Honigton, wie guter Y, völlig atypisch, aber riesengroß und toll – 97/100. Der sehr kräftige Laville Haut Brion war 1993 voll auf dem Punkt und zeigte schon deutliche Firne – 88/100.

Sehr gutes Sauternes-Jahr mit finessigen, fruchtigen Weinen. Da gibt es noch viel zu entdecken.

Ein de Fargues war 2006 süß, üppig, mehr Fülle als Finesse – 92/100. d´Yquem war 1987 noch fast jugendlich frisch, ein fantastischer Sauternes, nicht so fett wie 67 mit feiner Säure, wunderbarer Nase mit Honig und exotischen Früchten, große und lange Zukunft – 95/100. Knapp 20 Jahre später, 2006, zeigte er immer noch keinerlei Alter. Die Farbe wird langsam etwas dunkler. Sehr schöne Nase mit getrockneten Aprikosen und der bitteren, englischen Orangenmarmelade. Am Gaumen kraftvoll mit toller, leicht karamelliger Süße, Crême Brulée in Vollendung und feine Bitternoten. Ein großer Süßwein, der seine besten Zeiten noch vor sich hat – 95/100. Zuletzt 2010 ein gewaltiges Konzentrat mit verschwenderischer, süßer Nase, mit tropischen Früchten, Karamell, bitterer Orangenmarmelade, am Gaumen so lang, so dicht, baute enorm im Glas aus und wird das in der Flasche wohl noch ein halbes Jahrhundert lang machen – 96+/100. Jede Suche wert.

Eine sehr frühe Ernte von dickschaligen Trauben mit hohem Zuckergehalt ergab in Burgund sehr tanninreiche Weine, bei denen die Gefahr des Austrocknens bestand. Wurde bei seiner Ankunft als Jahrhundertjahrgang gefeiert, aber das hört man ja aus vielen Weingegenden sooft. Doch der Jahrgang, der heute kaum noch wahrgenommen wird, hat sich häufig prächtig entwickelt. Verdammt gut können Burgunder aus 76 sein. Aus guter Lagerung greife ich hier gerne noch zu.

La Romanée von Bouchard war 2014 Burgund vom Allerfeinsten. Sehr dichte, fast altersfreie Farbe, eine Traumnase mit feiner, aber intensiver Kirschfrucht, so elegant, absolut stimmig und harmonisch, seidig mit viel Spiel und unendlicher Länge – WT98. Kam 2016 als sehr feiner, eleganter, fast zarter Wein mit sehr feinen Himbeernoten ins Glas, aber ich das Gefühl, dass er sich mit zunehmender Luft etwas verschloss, denn er wurde mit der Zeit kompakter und etwas rustikaler – WT96. Ein Chambolle Musigny von Comte de Vogue überzeugte 2008 bei Jörg Müller mit reifer, dezenter Kirschfrucht, am Gaumen totale Harmonie und feinste Seide vom ersten Auftreffen bis zum langen Abgang, eine perfekt gereifte Dorflage auf 1er Cru Niveau – 93/100. Überaltert wirkte dagegen 2013 ein Musigny Vieilles Vignes von Comte de Vogüe mit deutlichen Brauntönen – WT83. Nur eine schlechte Flasche? Zweimal getrunken habe ich Romanée Conti. 1999 auf einer Best Bottle ein sehr gefälliger, schön zu trinkender Burgunder, bei dem man aber weder an den großen Namen noch an den Preis denken darf – 90/100. Zwei Jahre später feinduftig-elegant, fast zierlich, baute sehr schön im Glas aus, in der Nase etwas weißer Pfeffer – 90/100. Romanée St. Vivant von DRC hatte 1995 schon eine sehr reife Farbe mit deutlichen Brauntönen und wäßrigem Rand. Präsentierte sich zu Anfang kräftig, süß und sehr lang, so dass man fast an einen großen, alten Wein glauben konnte. Nach 2 Stunden aber war er völlig weg und ekelhaft - Hände weg! Leider kurz danach noch mal in einer Probe mit ähnlichem Resultat. Oder war das für all diese DRC Weine einfach nur zu früh? Auch 2014 erstaunlich hell die reife Farbe, ein fleischiger, ein sehr druckvoller Wein mit leicht zitronig wirkender Säure und leichter strenge im Abgang – WT92. Schlichtweg sensationell war 2012 im Schwarzen Adler in Oberbergen der Grands Echezeaux von DRC, natürlich aus perfekter Lagerung, nie gereist. Ein großartiger, sehr würziger, immer noch fruchtiger, am Gaumen fast explosiver Burgunder mit diesem fantastischen Spagat aus Kraft und seidiger Eleganz. Schon diese irre Nase machte süchtig, der Gaumen gab den „Rest“. Ein Wein zum Staunen, philosophieren und zum hemmungslos genießen. Ja, sogar die Mädels wollten plötzlich mitspielen. Reif war dieser DRC mit feiner Süße und unendlichem Abgang. Potential hat er sicher noch für zwei Jahrzehnte – 97/100. 2016 reifer Burgunder vom Feinsten, eher mit leisen Tönen, mit unendlicher Grazie, feinem, generösem Schmelz und erstaunlicher Länge – WT96. Der Richebourg von DRC in kam 2016 mit „gesunder Landluft“ ins Glas, wurde aber rasch feiner, finessiger und eleganter mit absolut betörender Frucht und ganz feinem, süßem Schmelz. Die enorme Kraft dieses Weines, der eine irre Länge zeigte, war in feinste Seide gehüllt, dazu kam immer mehr die Würze eines großen Richebourg – WT97. Schon etwas ältlich erschien 2016 zu Anfang der rustikale, kräftige Vosne Romanée Les Suchots von Camille Giroud, der sich aber im Glas prächtig entwickelte und immer mehr ausbaute – WT92. Ein Beaune 1er Cru Cuvée Guigone de Salins vom Hospice de Beaune war 2014 aus der Magnum trotz reifer Farbe erstaunlich frisch mit guter, stützender Säure, pflaumiger Frucht und viel Tiefgang, trank sich einfach saugut - WT95. Der Grands Echezeaux von Lamarche braucht 2014 viel Luft und schwächelte dann auf hohem Niveau etwas – WT90. Deutlich besser, fülliger und gefälliger 2015 – WT93. Sehr gefällig 2012 ein Clos des Lambrays von der Domaine de Lambrays mit schöner Himbeer- und Erdbeernase, am Gaumen pikant mit feiner, süßer Frucht – 90/100. Betörende, pikante Frucht, immer noch erstaunliche Frische, Eleganz und feinen Schmelz hatte 2014 der einfache Beaune von Louis Latour - WT89. Ein Pommard Rugiens von Michel Pont war 2012 typisch für das warme Jahr mit kirschiger Frucht, Fülle, Kraft, etwas Überreife, aber wenig Tiefgang. Blind schoben wir ihn eher an die Rhone – 88/100. Ein Gevrey Chambertin von Armand Rousseau war 2010 im Schwarzen Adler in Oberbergen ein wunderbar reifer, schmelziger Burgunder-Traum mit feiner Süße und immer noch schöner Frucht, Seide pur am Gaumen und sehr gute Länge – 94/100. Eine zweifelhafte Flasche Clos de la Roche von Armand Rousseau, bei Ebay erstanden, hatte 2012 eine bräunliche, ältliche, leicht trübe, traurige Farbe, weich am Gaumern, etwas Süße, aber auch deutliche Alterstöne, am Gaumen keinen Deut besser, baute immer mehr ab und wurde noch morbider – 80/100. Auch die Zwillingsflasche war 2012 auf diesem grenzwertigen Niveau. Deutlich zu alt 2012 ein Mazis Chambertin von Violland mit einer malzigen Liebstöckel-Mischung - 78/100.

Teilweise immensen Spaß haben mir die weißen Burgunder aus 1976 in den 80er Jahren gemacht, doch dieser Spaß währte nicht ewig. Meine Erfahrungen aus den 90ern sind weniger gut.

Immer noch trinkbar, aber ein ganz schön harter Knochen war 1993 ein Meursault Perrières von Roger Ampeau – 85/100. Ein Blanc de Blancs von Aubry wirkte 1998 auf einer Drawert-Probe sehr reif, deutlich älter, aber auch rustikal und einfach – 85/100. Ein Le Montrachet von Baron Thénard hatte 1993 ein gammeliges, muffiges Bouquet, am Gaumen besser – 86/100. Ähnlich eine dritte Flasche 1998 auf einer Drawert-Probe. Hält sich wohl noch länger auf uninteressantem Niveau. Zwei Jahre später Burgunder-Stinker, kräftig, wenig Finesse – 86/100. Montrachets von Thenard aus den letzten 60 Jahren tauchen immer wieder auf Auktionen auf. Ich habe schon viele probiert, aber noch an keinem so richtig Spaß gehabt. Nicht viel besser 1994 ein Le Montrachet von Fleurot, kräftige Farbe, keine Frucht, leicht oxidativ, viel Holz, alt, sehr viel Länge, aber keine Finesse - 85/100.

An der Rhone wurden speziell im Norden trotz teilweise verregneter Ernte recht gute Weine erzeugt. Dabei müssen es nicht unbedingt die ganz großen Namen sein, die den meisten Genuss bieten.

Bei Côte Rotie Brune et Blonde von Guigal hatte ich 1998 auf etwas weiches, schlabberiges im Stil älterer Beaucastels gewartet, aber dann was für ein Geschoß, sehr kräftig, leicht portig, Rumtopf, saftig – 93/100. Danach erfolgreich gesucht, gefunden und mehrfach mit ähnlichem Resultat verkostet. Zuletzt Ende 2003 reif, reich, seidig mit der Finesse und Länge eines großen Burgunders, baute im Glas schön aus – 93/100. Weich, säurearm, nachhaltig, voll auf dem Punkt war 1995 ein Hermitage la Chapelle - 90/100. 2009 präsentierte er sich in dermaßen bestechender Form, ein großer, immer noch kraftvoller Wein in totaler Harmonie, Hermitage la Chapelle geht nicht viel besser – 96/100. Zuletzt 2013 ein eher etwas schlanker, aber auch das ein sehr feiner, eleganter Wein, der sich gut trank – 90/100. Langlebiger dürfte von Jaboulet Ainé sein Côte Rotie Les Jumelles sein. Mehrfach getrunken, z.B. 2001, wunderbarer, reifer Rhone mit noch reichlich Reserven, knipste im direkten Vergleich dem 76 Romanée Conti das Licht aus – 93/100. 2006 fantastisch entwickelt und jetzt voll auf dem Punkt. Reif, weich, rund mit terroirbetonter, leicht animalischer Nase, irre lang am Gaumen mit komplexer, druckvoller Aromatik. Ein faszinierender Wein, bei dem jedes Glas zu klein bzw. zu leer ist – 95/100. Ähnlich wieder 2008 – 94/100.

Ein Hermitage Blanc von Chapoutier hatte 1997 ein kräftiges, reifes Gelb, in der Nase erst Formel 1 Gummireifen und am Gaumen Blausäure, wurde im Glas etwas gefälliger, gut zu kräftigem Essen, trotzdem nicht unbedingt mein Fall - 84/100.

Grosses Weinjahr auch im Elsass.

Clos St. Hune von Trimbach hatte 1993 ein tiefes Gelb, kräftige Firne verschwand mit der Zeit, entwickelte sich, sehr langer Abgang, großer Wein – 95/100. Zwei Jahre später in der Wachau im Landhaus Bacher: seit 2 Tagen offen - einfach sensationell, wirkte absolut frisch und kraftvoll ohne jede Firne, ganz großer Stoff – 95/100. Und dann noch mal, fast 30 Jahre alt, im Oktober 2004. Kräftiges Goldgelb, ganz dezenter, nicht störender Petrolton, immer noch schöne Frucht, satte, reife Honigmelone, erstaunlich frisch und immer noch athletisch jung wirkend, am Gaumen dezenter Bitterton. Erstaunlich, wie viel Extrakt, Kraft, Fülle und Langelebigkeit da mit nur 12.5% Alkohol erzielt wurden - 96/100. Zuletzt 2006 ein traumhaft reifer, aber keineswegs alter Riesling, sehr balanciert, mit feiner Petrolnote und viel Substanz – 94/100.

2009 habe ich vier Flaschen als Händlerabfüllungen von der Domaine Bott-Geyl geöffnet. Den Anfang machte ein schon fast güldener Tokay d´Alsace. Der wirkte im ersten Moment sehr reif und ernst, bitter im Abgang – zu alt? Nein, nur zuwenig Luft. Unglaublich, wie dieser Wein im Glas Gas gab und zulegte. Ein perfekter erdig-mineralischer Essensbegleiter mit sehr guter Struktur, für uns der beste Wein dieses Quartetts – 90/100. Heller in der Farbe der Gewürztraminer Sonnenglanz, der einzige Wein mit Lagenbezeichnung in dieser Runde aus einer heutigen Grand Cru Lage. Sehr würzige Honignase, am Gaumen trocken, fein und mit dezentem Schmelz – 87/100. Sehr erstaunlich und spannend der Muscat d´Alsace. Eigentlich sollte dieser Wein aus der Muskateller-Traube jung getrunken werden und gilt z.B. als guter Begleiter von Spargelgerichten. Unser Wein war aber nun mal 33 Jahre alt, hatte eine recht helle Farbe und eine für diese Rebsorte erstaunlich prägnante Säure. Wirkte im ersten Moment etwas anstrengend, doch auch das gab sich. Mit zunehmender Luft wurde er immer fruchtiger und pikanter, keine Spur von Alter. Stattdessen reichlich delikate Frucht, mit Stachelbeere und Holunder wurde die Nase einem Sauvignon Blanc ähnlicher, am Gaumen hatte der furztrockene Wein etwas von einem guten Vinho Verde und erweckte einen erstaunlichen Eindruck von Frische – 88/100. Nur der vierte im Bunde, ein Riesling ohne Lagenbezeichnung, fiel deutlich ab. Da half auch Luftzufuhr nicht mehr. Sehr reife Farbe, reife, petrolige Nase, am Gaumen etwas gezehrt und austrocknend mit genug Petrol für eine ganze Tankfüllung – 82/100.

Mit kräftigem Goldgelb, aber auch mit irritierenden Alterstönen und leicht diffus wirkender Restsüße kam 2009 der Riesling Hugel Vendage Tardive Reserve Personelle ins Glas. Doch das gab sich rasch. Der vermeintliche Greis baute enorm im Glas aus und wurde zunehmend vitaler. Zeigte an frisch gepressten Orangensaft erinnernde, pikante Frucht, dazu eine markante, aber angenehme Bitternote, auch im Abgang, gewaltige Statur und gute Länge – 87/100. Ein Hugel Tokay SGN war 2012 nach 10 Tagen in der offenen, nicht mal mehr halb gefüllten Flasche immer noch so taufrisch mit brillianter, güldener Farbe, generöser, karamelliger Süsse, bitterer, englischer Orangenmarmelade und guter, balancierender Säure. Wie eine gelungene Kreuzung aus einer TBA und einem Sauternes, mit erstaunlicher Leichtigkeit und Finesse - 97/100.

Grosses deutsches Weinjahr mit etwas säurearmen, fülligen Weinen, die von Anfang an viel Spaß machten. Viele Weine bis hin zur Auslese sind inzwischen allerdings etwas gezehrt.

2008 bei Jörg Müller eine Käfersberger Andreasberg Scheurebe TBA vom Weingut der Stadt Offenburg. Sehr reif, füllig, üppig und süß, vielleicht auch etwas banal, aber auf sehr hohem Niveau – 91/100. Um an die guten Tropfen zu kommen, mussten wir uns auf Rodenstocks Raritätenprobe 1993 erst durch größere Mengen badischer Süßweine durchkämpfen. Der passabelste davon war eine Obergrombacher Burgwingert Ruländer BA vom Winzerkeller Wiesloch. Ich habe aber starke Zweifel, dass solche Weine vernünftig altern.

Süß, füllig, druckvoll mit schöner Bitternote die noch erstaunlich frische Homburger Kallmuth Rieslaner BA von Fürst Löwenstein – WT93.

Sehr schön und erstaunlich frisch immer noch 1999 eine Brauneberger Juffer Sonnenuhr Auslese von Fritz Haag – 88/100. Zuletzt 2009 eher ölig mit güldener Farbe, viel Honig, am Gaumen dick mit wenig Säure, ein 76er, der schon bessere Zeiten gesehen hat – 89/100. Füllig mit mehr dezenter Süße, noch recht frisch 2007 eine Brauneberger Mandelgarten Kerner BA von Conrad-Schreiber – 90/100. Sehr schöne Weine von JJ Prüm. Die Wehlener Sonnenuhr BA war 1998 ein toller Stoff, dem jedes fette 76erhafte abging, sehr elegant und finessig – 95/100. Zuletzt 2011 Orangenzesten, Bienenwachs, Petrol, Karamell, viel Honig und durch die immer noch knackige Säure – für den Jahrgang höchst erstaunlich – ein faszinierendes Süße-/Säurespiel. Wird sich noch Jahrzehnte auf sehr hohem Niveau halten – 96/100. Eine sehr vielschichtige Honignase hatte 2006 auf der Prüm-Probe die Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese. Die Farbe ging schon ins Güldene, sehr reife, angenehme Boytritis, am Gaumen deutlich weniger Süße als in der Nase, Bronchialtee mit einem Löffel Honig, nur noch wenig Säure, schöne Länge – 92/100. Vom gleichen Winzer dagegen getrunken war die Bernkasteler Lay Riesling Auslese Goldkapsel ein dickes Geschoß, Tiefe, güldene Farbe, kräftige Säure, ging schon in Richtung Beerenauslese, florale Nase, druckvoll am Gaumen, Kräuterhonig, Riccola, sehr cremig, kleidete den Gaumen voll aus. Ein Riesenteil, Wein-Hedonismus pur – 95/100. Auch die Graacher Himmelreich Riesling Auslese Goldkapsel war ein Klassestoff mit feiner, vielschichtiger Honignase, erstaunlich kräftiger,fast etwas spitze Säure - war da ein Schuß 75er mit drin? - am Gaumen lebendig, spannend, druckvoll, etwas rustikal - 94/100. Eine Wehlener Sonnenuhr Riesling Beerenauslese von Hauth-Kerpen war 2006 auf der Prüm-Probe von der Farbe her viel kräftiger, wirkte sehr herb mit deutlichen Bittertönen, dunkle Karamellen, etwas Aprikose, leicht eindimensional, für den Jahrgang und das Prädikat erstaunlich kräftige Säure, die am Gaumen etwas astringierend wirkt – 90/100. Perfekt gereift 2013 eine Scharzhofberger Auslese GK von der Hohen Domkirche. Güldene Farbe, immer noch gute Säure, eher halbtrocken, Bienenwachs, cremige Textur – 90/100. Eine Piesporter Goldtröpfechen TBA von Kesselstatt hatte 1995 hohe Süße, aber auch viel Biss – 94/100. Eine Wehlener Sonnenuhr Auslese von Lauerburg war 1999 gülden,schöner Aprikosenton, aber auch Karamelle, Süßreserve bereits weitgehend aufgezehrt, wirkt im Abgang trocken und hatte Höhepunkt sicher 5-10 Jahre hinter sich – 83/100. Eine Kanzemer Altenberg BA Fuder 10 von Othegraven war 2010 ein sehr feiner, eleganter, tänzerischer Wein, schlank mit viel Honig und schönem Süße-/Säurespiel, reif zwar, aber ohne Alterstöne – 91/100. 1998 eine Bernkasteler Graben Auslese von der Pfarrkirche mit kräftigem Goldgelb, perfekt gereifte Auslese mit schönem Honigton, auch am Gaumen schöne Süße und erstaunliche, harmonische Säure – 90/100. Sehr stimmig 2012 die elegante Graacher Himmelreich TBA von S.A. Prüm, Bienenwachs, Honig, feine Frucht, reife, gute Säure und eine wunderbare Leichtigkeit – 95/100. Eine Riesling Goldlack TBA war 2001 auf der 700 Jahr Feier von Schloß Johannisberg der perfekte Wein für Petz den Bär - etwas plump, aber dafür der volle Griff ins Honigfaß - ein üppiger 76er dem nur etwas Säure fehlt – 94/100. Ganz erstaunlich 1998 mit schöner Säure eine Schloß Sommerhausen Scheurebe BA – 90/100. Etwas dick und ungelenk wirkte 2012 eine Longuicher Maximiner Herrenberg Riesling Auslese von Schmidt Wagner, Bienenwachs in der Nase, am Gaumen Süße und wenig Säure – 88/100. Eine Erdener Treppchen BA von Schwab-Kiebel hatte 2003 eine etwas pappige Süße – 86/100. Alt und firnig 1997 auf dem Weinforum in Arosa eine Wehlener Sonnenuhr Auslese von Selbach-Oster – 83/100. Die beste Zeit hinter sich hatte auch 2001 eine Bernkasteler Doctor Auslese von Thanisch, gülden, etwas bitter, aber immer noch gut trinkbar – 87/100. Etwas muffig 2011 die Nase der Eitelsbacher Sang Auslese ** Fuder 40 von Tyrell, am Gaumen gute Süße und Säure, feines Spiel – 90/100. Reif, aber sehr stimmig, füllig, gülden 2012 eine Leiwener Klostergarten Auslese vom Weingut Sankt-Urbanshof – 91/100. Eine Scharzhofberger Auslese von Van Volxem war 2012 ein sehr feiner, filigraner, eleganter Wein voller Leben, ging schon Richtung halbtrocken und wäre sicher auch ein hervorragender Essensbegleiter – 92/100. Eher wie eine leichtere BA wirkte 1993 zweimal eine Graacher Himmelreich TBA von Zacharias-Bergweiler – 90/100.

Total überrascht war ich 2007 von einer Riesling Beerenauslese Abtei Rupertsberg des Weingutes Schlösschen am Mäuseturm von der Nahe. Faszinierende Nase, in der sich der gesamte Katalog eines großen Honigversandes in Form von Probepackungen fand, am Gaumen knackige Säure, die die Süße gut abpufferte. Dadurch wirkte dieser Wein sehr frisch und auswogen. Das war wirklich großes Süßweinkino, im Stile eher 75 als 76 – 95/100.

Eine Johannisberger Hölle Auslese vom Johannishof hatte 1997 vorne Fülle und Boytritis ohne Ende, hinten erstaunlich schlank - 88/100. Ein Eltviller Sonnenberg Kabinett von Langwerth-Simmern war ein kleiner, noch gerade trinkbarer, aber schon deutlich gezehrter Tropfen mit dem Charme und der Aromatik von Bohnerwachs – 77/100. Ein gutes Dutzend mal habe ich bis Mitte der Neunziger die Hallgartener Schönhell Riesling BA von Fürst Löwenstein genossen, ein perfekt balancierter, eleganter Wein mit guter Säure. Diesem leicht unterlegen, aber ebenfalls gut die Homberger Kallmuth BA vom selben Erzeuger. Sehr kräftig und lang 1992 eine Schloß Vollrads BA – 95/100.

Gülden, sehr kräftig mit guter Säure 1996 und 97 eine

Niersteiner Brudersberg Riesling BA von Heyl zu Hernsheim – 90/100. Zuletzt 2006 eine sehr kräftige, güldene und mit 12 % ungewöhnlich alkoholreiche BA mit guter Säure und fein dosierter, karamelliger Süße, für den Jahrgang, in dem in Deutschland überwiegend üppige Süßweine erzeugt wurde, außergewöhnlich gut strukturiert und sicher noch recht langlebig – 90/100.

Ein feiner, balancierter Wein war 2015 die Ruppertsberger Linsenbusch Riesling Auslese von Reichsrat von Buhl mit karamelliger Süße, aber auch noch guter Säure – WT90. Die sehr würzige, kräftige Forster Pechstein Auslese von Bürklin-Wolf konnte mit schöner Fülle überzeugen – WT92. Eine Forster Ungeheuer Auslese von Wegeler Deinhard hatte 1993 kaum noch Säure, angenehm und harmonisch, aber zuwenig Frucht – 83/100.

Sassicaia war 1993 bei Willi Krählings Sassicaia-Probe aus der Magnum: etwas kurz und grün – 85/100. Drei Jahre später auf Ungers Sassicaia-Probe kräftige Farbe, aber bereits leichte Oxidationstöne - 84/100.

Der Tinto Pesquera hatte 2009 in Lissabon immer noch eine tolle Farbe und Depot ohne Ende, reif weich, sehr aromatisch mit pflaumiger Frucht und toller Länge am Gaumen – 94/100. Eine sehr verhaltene, pilzige Penicillin-Nase hatte 2007 der Gran Coranas von Torres, am Gaumen Sauerbraten mit Zwiebeltouch – 72/100. Vega Sicilia Unico bot 2001 in der Nase großen Kräutergarten und auch etwas Karamelle, dichte Farbe, am Gaumen erst schön, dann kommen in der Nase Pilze, der Wein baut ab, nur noch 90/100, für Schnelltrinker und Nicht-Dekantierer gibt´s bis zu drei mehr!

Schwierig, schwierig, aber wohl ewig lebend YGAY Blanco Reserva von Marques de Murrietta. 1989 sehr kräftig, Nase etwas süßlich, Farbe einer BA, deutlicher Holzton, schwer, fast ölig - 83/100. 1992 zu Anfang ungenießbar mit Sherryton und einer Art Todessäure, nach 2 Stunden wie verwandelt(!) und ohne jeden störenden Fehlton sehr schön zu trinken – 86/100. Diese sehr oxidativ ausgebauten Weine haben die Alterung quasi schon hinter sich und können sich sehr lange halten. Unbedingt ein paar Stunden vorher dekantieren!

Erstaunlich gut gereift und immer noch gut haltbar sind viele kalifornische Weine aus 1976. Und da meist auch der Preis stimmt, kann man hier getrost auf Risiko gehen.

Auf dem Höhepunkt schien 2008, wenn nicht sogar ganz leicht drüber, Beaulieu Cabernet Sauvignon Private Reserve George de Latour. Reife Farbe mit den deutlichen Brauntönen war, Nase und Gaumen brachten einen topgereiften, einfach runden und ewig am Gaumen bleibenden Wein, der zwar schon irgendwo alt war, dabei aber so unglaublich harmonisch und balanciert mit viel süßer Minze – 94/100. Zeigte 2012 auf dem Haefliger-Tasting Burgundische Konturen, generöse Süße, feiner Schmelz, Minze, kandierte Kräuter, ein Hauch Lakritz, füllt den Gaumen komplett aus und ist dabei zwar dicht und ewig lang, aber auch so samtig mit wiederum dekadent schöner Süße – 98/100. Zuletzt 2013 ein reifer, sehr feiner, eleganter, minziger Schmeichler mit heller Farbe, filigran, fast etwas zerbrechlich wirkend mit pikanter Frucht, feiner Minzsüße, aber intakter Säurestruktur – 93/100. Lebt inzwischen gefährlich. Sehr überzeugend, immer noch mit erstaunlicher Frische und viel Komplexität 2007 ein Caymus Special Selection aus der Magnum – 94/100. Schier unglaublich 2014 der normale Caymus. So jung, soviel Kraft, soviel Druck, immer noch frische Frucht und feine Minze – WT96. Mit der Aromatik einer leicht zu alten Zwiebelpizza startete 2011 der Caymus Zinfandel, doch mit zunehmender Luft und Zeit ging da die Post ab. Der Caymus wurde süßer, vollbusiger, üppiger, exotischer – 93/100. Ein altersfreier Cuvaison Zinfandel war 2013 spannend, druckvoll mit sympathischer Herbe – 94/100. Beim Cuvaison Cabernet war 2013 kraftvoll der Auftritt mit dunkler, leicht portiger Frucht und Minze, auch am Gaumen kräftig, leicht austrocknend mit guter Länge - WT90. Die zweite Flasche 2014 generös mit portig-schokoladiger Fülle – WT91. Minzig, sehr mineralisch, kernig und kräftig mit guter Säure 2016 der Diamond Creek Gravelly Meadow Cabernet Sauvignon, über den mit puristischer, aber auch etwas stahliger Frucht, Schwarze Johannisbeere, ein Hauch von Dunn wehte – WT93. Ein Freemark Abbey Cabernet Sauvignon stand 2001 wunderbar im Glas, Bitterstoffe, so gut sind 76er Bordeaux nicht mehr - 91/100. Ein einfacher Heitz Cabernet Sauvignon war 1998 dicht, sehr kräuterig, Eukalyptus, immer noch schön zu trinken, wirkte erst ältlich, entwickelte sich dann erstaunlich im Glas und wurde deutlich jünger, Klasse – 92/100. Noch mal deutlich drüber Martha´s Vineyard, 1998 sehr dichte Farbe mit ersten Reifetönen, Kräuter, Eukalyptus, irre Länge, ganz am Anfang, toller Stoff, wurde im Glas immer besser – 96/100. 2004 unglaublich dicht und jung, Eukalyptus, von allen "alten" Heitz der jüngste, sicher noch 15-20 Jahre - 95/100. Auch 2008 wieder Traumstoff mit unglaublichem Potential. 2011 immer noch eine sehr schöne Frucht, viel Minze, Leder, die klassische Eukalyptusnote und war am Gaumen mit viel Finesse sehr balanciert und lang, kein Zeichen von Alter – 94/100. 2012 in Bestzustand, altersfrei mit seiner immer noch sehr dichten Farbe, süchtig machende, leicht exotische Nase mit viel Minze, Eukalyptus, Coca Cola, Kraft und tolle Struktur am Gaumen mit großartiger Länge und wiederum dieser herrlichen Minzfrische – 97/100. 2013 eine sehr verhaltene, reif wirkende Flasche - 92/100. Ein Kenwood Artist Series war 2010 zwar reif, aber sehr aromatisch mit schöner Süße – 92/100. Beeindruckend und ohne jedes Zeichen von Schwäche 2007 in der Coburg ein Mayacamas Late Harvest Zinfandel. Ging als wunderbarer, sehr schokoladiger Port mit massig Dörrobst, Feigen und getrockneten Pflaumen durch – 92/100. Auch der Mayacamas Cabernet Sauvignon konnte 2010 noch voll überzeugen, dichte, voll intakte Farbe, sehr schön die Nase mit feiner Frucht, am Gaumen richtiggehend saftig mit viel Minze, leicht exotisch, tolle Struktur, ein reifer Pauillac aus Kalifornien, wurde immer feiner und eleganter und entwickelte dabei eine schöne Süße – 93/100. Ein irres Geschoss 2013 aus der Magnum mit tiefdunkler Farbe, mit Kraft, Druck und Länge der Chateau Montelena North Coast Cabernet Sauvignon – 95/100.

Voll auf dem Punkt war 2013 ein Rutherford Hill Pinot Noir, erste Reifetöne in der dichten Farbe, Minze, Schoko, Kaffee, dunkles Toffee, sehr würzig, gute Säure - WT93.

Helle Farbe, spritig und sehr süß 2011 der Heitz Angelica – 86/100.

Ein gutes Jahr muss 1976 in Südafrika gewesen sein.

Kaum zu glauben dieser 1976 Roodeberg von KWV, der sehr weich, elegant und schmelzig wirkte, aber ohne Alterstöne – WT92. Überraschend schön 2010 ein Nederburg Paarl Cabernet Sauvignon, rauchig, Tabak, Leder, sehr fein und gut gereift im Stile eines Medoc - 86/100. Der Oude Libertas von den Stellenbosch Farmers Wineries hatte 2015 eine noch junge, dichte Farbe, in der Nase Minze und Eukalyptus, am Gaumen Fülle, Kraft und feine Süße. Ein kompletter, großer Cabernet war das mit noch reichlich Zukunft – WT96.

Groß muss 1976 auch in Australien gewesen sein. Ich habe aus diesem Jahr noch keinen schlechten Australier getrunken. Darüber hinaus waren die Weine damals noch nicht so fett und alkoholreich wie heute.

Erstaunlich, wie jung sich 2010 ein Black Opal Southern Vales Shiraz noch präsentierte, mit dieser betörenden, pfeffrig-würzigen Frucht, dabei so harmonisch am im positiven Sinne schlanken Gaumen. Ja, das gab es wirklich mal, Australier mit 12,8%, von denen man auch mal eine Flasche trinken konnte – 91/100. Leicht schweißig 2012 die an Merlot erinnernde Nase eines Idyll Vineyard Geelong, sehr dichte, junge Farbe, am Gaumen erstaunlich frisch mit guter Säure. Der mit 60% in dieser Cuvée enthaltene Shiraz brachte die süße Würze, der Cabernet(40%) die reife Paprika. Der Gesamteindruck war der eines immer noch frisch wirkenden, sehr aromatischen, balancierten Weines mit einer für Australien geradezu faszinierenden Leichtigkeit und einem Alkohol von 13%, den ich mir bei den heutigen Granaten wünschen würde – 93/100. Sehr gut gelungen ist Penfolds Cabernet Bin 707. Mehrfach mit großem Vergnügen verkostet, 2003 reif, weich, weit und wunderbar lecker - 93/100. Zuletzt 2006 ein feiner, leckerer, reifer Wein mit schöner Süße, bei dem ein leichter Kork den Gesamteindruck schmälerte – 91/100. Ganz erstaunlich 1998 ein Penfolds Cabernet Shiraz Bin 389, rabenschwarz, irres Konzentrat, am Gaumen Kirsche, in der Nase Balsamico (leichter Essigstich muss Flaschenfehler sein) und Port, für Liebhaber jüngerer 47er – 93/100. Zuletzt 2006 leichte, nicht unangenehme animalische Note auf. Irre dichte, dunkle Farbe, reif, aber keinesfalls alt, portig mit wunderbarer Süße in der Nase, am Gaumen trocken und ebenfalls sehr lang. Das ist noch klassischer, großer Wein aus der Zeit, als in Australien ehrliche Weine ohne Holzchips und ähnlichen Klimbim erzeugt wurden – 93/100. Auf der Grange Probe 1999 in Lehrbach war die erste Flasche des Penfolds Grange oxidiert (trotz perfektem Füllstand), in der zweiten dichtes, süßes Konzentrat mit viel Lakritz und Bitterschokolade, Riesenteil mit langem Abgang – 99/100. 2006 Dunkle Früchte, irrer, aromatischer Druck, süßer Extrakt, Lakritz, noch sehr jung mit Power ohne Ende, Wahnsinnslänge am Gaumen, ein Riesenwein, der noch mal 10 Jahre weggelegt gehört. Da sind heute 97/100 im Glas, doch das Potential für die magischen 100/100 hat er. Leider gibt es keine Rose ohne Dornen. Wir hatten mit dieser Flasche Glück. Es gibt auch deutlich schlechtere und in dieser Periode bei Grange zudem ein Problem mit den Korken. Natürlich würde ich den 76er Grange jederzeit nachkaufen, aber nicht zu jedem Preis, denn möglicherweise braucht man für dieses einmalige Weinerlebnis mehrere Flaschen. So hatte er auf der Grange Vertikale 2013 schlicht und einfach Kork. Da half dann nur Eines: rausblasen und unten durch trinken. Da spürte man zumindest ansatzweise einen riesemgroßen, packenden, dichten Grange, der in sehr guten Flaschen sicher das Potential für WT98-100 hat. Sensationell auf einer Probe 1993 ein Wyndham Estate Bin 444, blind für Leo 82 gehalten und mit 97/100 bewertet. Sehr jung in der dichten Farbe und auch sonst in der Anmutung 2013 ein Wyndham Estate Cabernet Shiraz. Immer noch mit röstigen Aromen die speckige Nase, der Gaumen kam zu Anfang nicht ganz mit, doch legte der Wyndham enorm im Glas zu und wurde immer fruchtiger und präsenter – 91/100.

Trotz überreifen Lesegutes konnten in 1976 erstaunlich gut strukturierte Champagner entstehen. Die Besten können immer noch sehr gut sein.

Ein Abel Lepitre Blanc de Blancs war 2012 in der Traube Grevenbroich altgolden, reif, aber nicht alt mit schöner Edelfirne - 92/100. Billecart Salmon Cuvée Nicolas Billecart war 2013 ohne jedes Mousseux ein traumhafter Stillwein mit schöner Edelfirne, sehr balanciert – WT91. Dom Perignon war 1999 ein reifer, wunderbarer Champagner, den es immer noch zu suchen lohnt – 96/100. Das zeigte sich 2006 auf einer großen Probe, war reifer, zeigte aber noch keinerlei Schwächen, dafür deutlich mehr Tiefgang. Sehr kräftig, lang und komplex. Zeigte immer neue Facetten und hielt auch steigenden Temperaturen spielend stand, ein ganz großer Champagner, der sicherlich bei entsprechend kühler Lagerung noch lange auf diesem sehr hohen Niveau bleiben dürfte - 97/100. An gleicher Stelle drei Jahre später sehr reif in Optik und Sensorik, nur noch dezent auf der Zunge spürbares Mousseux, aber am Gaumen immer noch viel Kraft – 94/100. Deutlich jünger 2009 bei Jörg Müller mit verschwenderische Fülle und immer noch ein gutes Mousseux, ein Prachtstück von reifem Champagner – 95/100. 2011 auf dem Unger Weihnachtstasting ein großer, reifer Champagnertraum, reif, weich, schmelzig, generös mit verschwenderischer Fülle und immer noch gutem Mousseux – 96/100. 2013 zwar auch noch gut trinkbar, wirkte aber insgesamt etwas modrig, vielleicht nicht die beste Flasche – WT88. Ein Champagnertraum war schon 1987 und 88 Krug. Zuletzt 2011 ein kraftvoller, dramatischer, typischer, großer Krug ohne Alter mit großartiger Struktur, aber auch mit cremiger Textur und viel Brioche – 96/100. Viele weitere, stets begeisterte Notizen von Bruno Paillard bis Pol Roger von Ende der 80er/Anfang der Neunziger Jahre. An einem 1991 degorgiertem Moet & Chandon zeigte nur die goldgelbe Farbe Reife. Das Mousseux war noch recht kräftig und feinperlig. In der Nase frisches Brioche, geröstete Haselnüsse und ganz dezente Süße, am Gaumen und im langen Abgang eine angenehme Bitternote. Ein großer Champagner in perfekter Ausgewogenheit – 95/100. Sehr elegant, fein, weich und reif war 2011 auf dem Unger Weihnachttasting Roederer Cristal – 94/100. Salon Le Mesnil war 2014 aus der Magnum ein geiles, atemberaubendes Teil! Da stimmte von der Nase bis zum langen Abgang einfach alles. Kann ein Champagner sexy sein? Der hier in jedem Fall, mit unglaublicher Fülle, mit immer noch wunderbarer Frucht, betörender Eleganz und Grazie, mit gutem Mousseux, generösem Schmelz, druckvoller Aromatik und grandiose Länge – WT98. Taittinger Comtes de Champagne war 2011 ein sehr feiner, hoch eleganter, sublimer Champagner, tänzerisch am Gaumen mit wunderbarer Länge, immer noch jugendlich wirkend – 95.

Sehr reif wirkte 2015 auf Sylt der Quinta do Noval Colheita aus der putzigen 0,2 l Flasche, aber mit faszinierender Aromatik ohne spritige Noten, Karamell, Rosinenmarzipan, lakritzig und mit der würzigen Kräutermischung eines guten Hustensyrups, cremig und lang am Gaumen - WT93.