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1978

Ein sehr zwiespältiges Jahr, 1978, aus dem ich jede Menge Mist getrunken habe, aber auch ein paar grandiose Weine. Zu Beginn meiner „Weintrinkerzeit“ Mitte der 80er Jahre war 1978 das nächst erreichbare Jahr mit reifen Weinen. Zu hauf fanden sich diese Weine damals auch auf Weinkarten. Aus dieser Zeit habe ich noch eine Unmenge von Notizen, die ich hier aber nur dort wiedergebe, wo sie noch einigermaßen repräsentativ sind

In Bordeaux sah es erst nach einem weiteren, schlimmen Jahr aus. Kaltes Frühjahr mit verspäteter Blüte. Ein viel zu nasser Sommer und dann das Wunder. Ein perfekter, sehr warmer September, der die Ernte rettete, allerdings nicht für alle Winzer. Bordeaux hat ein Standardproblem, nämlich die häufig in der zweiten Septemberhälfte einsetzenden Regenfälle. Bleiben sie aus bzw. kann vorher reifes Lesegut eingebracht werden, gibt es einen guten Wein, sonst eben nicht. Viele Bordeaux-Winzer lesen deshalb aus lauter Angst vor dem Septemberregen zu früh. Das Ergebnis sind dann magere Weine mit grünen Tanninen und grasigem Ton. Davon gab es auch 1978 reichlich.

Geradezu eklig wirkte 1989 ein Cos d´Estournel. Von der Nase her war dann plötzlich 2006 in der großen Cos-Probe ein toller Wein mit Kaffee und Mokka ohne Ende. Da kam der etwas magere Gaumen nicht mit, zuviel Säure, grüne Töne, Peperoni, Paprika. Also besser nur riechen, nicht trinken – 86/100. Mit kräftiger Frucht, noch deutliche Tannine, Süße und leichte Karamel-Nase, noch längst nicht auf dem Höhepunkt im selben Jahr Montrose – 88/100.

Auch kleinere Weine können durchaus deutlich besser in Großflaschen sein. Diese Erfahrung machte ich mit 2 preiswert aus einer Kellerauflösung erworbenen Duhart Milon Imperials, ein Wein, den ich sonst mit der Zange nicht anpacken würde. In der ersten war ein gut gereifter, sehr schöner Pauillac auf 88/100 Niveau. Die zweite machte 1998 auf einer Soirée mit links 2 85er Lafite Magnums platt, absolut perfekt gereifter, eleganter Stoff – 91/100. Nicht mehr lange gebe ich Grand Puy Lacoste, 1998 aufhellendes Granat, reif, wenig Frucht, weich, am Gaumen etwas austrocknend - 88/100. Sehr gute Erfahrung habe ich bisher mit Lafite Rothschild gemacht. Kein Hammerteil wie die Lafites der jüngeren Jahre(damals hatten sie ja auch noch keinen Konzentrator!!!), aber ein eleganter, würziger Wein mit schöner Süße, gut 10mal getrunken bis 1999, immer auf 92/100 Niveau. 2007 wieder bei Jörg Müller auf Sylt. Wirkte erst etwas dünn wirkte mit einer sehr kräuterigen Nase, auch am Gaumen massig Kräuter und schwarze Oliven. Doch der Lafite brauchte einfach Luft, und nach gut einer Stunde ging richtig die Post ab, großer Stoff mit noch reichlich Zukunft! – 94/100. An gleicher Stelle 2009, mit nachhaltiger Eleganz und guter Länge am Gaumen, jetzt auf dem Höhepunkt, wo er noch eine Weile bleiben wird – 93/100. 2011 bei Jörg Müller meine bisher mit Abstand beste Flasche, ein traumhaft gereifter, hoch eleganter Lafite, zeitlos schön ohne Alter - 95/100. Nicht ganz auf diesem Niveau kurz danach auf René Gabriels großer Lafite-Probe, sehr fein, filigran, elegant und in der Nase zu Anfang deutlich schöner als am Gaumen, entwickelte sich gut im Glas und zeigte eine feine Süße – 92/100. Zuletzt 2012 Eleganz pur, ein klassischer Lafite aus der Zeit, als die auf diesem Gut noch nicht versuchten, den besseren Latour zu machen – 94/100. Ein richtig reifer Latour, das hat schon was! Der 78er hat mir seit 1988 immer wieder ein unglaubliches Trinkvergnügen bereitet. Leider ist meine Kiste jetzt bis auf eine Flasche leer. Mindestens zwei weitere Dutzend habe ich bei Freunden und in diversen Restaurants getrunken. Exemplarisch meine erste Notiz, 1998 im Kampener Waltershof, ein Bordeaux-Traum, tiefe Farbe, wunderbares Cassis-Aroma, Kraft, rund und schon sehr zugänglich, langer Abgang – 95/100, und meine letzte aus 2003, grandioser, perfekt gereifter Latour - 95/100. 2006 dann noch mal in einer Probe in bestechender Form, leicht kräuterige Aromatik, Zedernholz, immer noch feine Frucht, nicht der typische-Latour-Hammer, eher auf der etwas leichteren, eleganteren Seite, aber wunderschön zu trinken - 92/100. Auch 2007 bei Jörg Müller recht schön – 91/100. 2008 voll auf dem Punkt. Ein trüffelig-reifer Bordeaux mit Pilzen, Unterholz, viel Schmelz und feiner Süße, lang am Gaumen. Sicher nicht der größte Latour, aber jetzt im Stadium der Reife ein großartiger – 93/100. 2014 auf der Latour-Vertikale in der Balm eine kaum-zu-glauben Flasche. Traumhaft gefällige Nase mit Trüffelschokolade, Kaffee und dunklem Toffee, am Gaumen immer noch enorm kräftig mit guter Struktur, immer minziger werdend, sehr lang im Abgang – WT97. Mit nicht weniger viel Freude habe ich in derselben Zeit durch 2 Kisten Les Forts de Latour durchgetrunken, konstant mit 90-92/100 bewertet. Zuletzt(letzte Flasche) im Sommer 2002, traumhaft schön mit perfekter, reifer Latour-Aromatik, baute jedoch rasch im Glas ab. Danach noch Ende 2003 meine letzte Magnum, ebenso schön aber jünger. 2007 noch mal eine perfekte 1tel, erinnerte er in seiner trüffeligen Art mit der leicht bitteren Walnussnote an 78 Latour in seinen besten Zeiten – 92/100. 1988 hatte Lynch Bages, erst scharfe Säure, dann penetranter Gummi-Geschmack, Schlimm! - 73/100. 2008 in der Nase Brett ohne Ende, am Gaumen grün, etwas diffus süßlich und recht säuerlich zu gleich, ein sehr herbes, zweifelhaftes Vergnügen - 76/100. Erstaunlich hat sich Mouton Rothschild entwickelt. Ende der 80er hatte ich ihn mehrfach mit Genuss getrunken. 2004 in der großen Mouton-Probe auf der Stromburg war er ungenerös und enttäuschend – 85/100. Kam 2015 etwas rustikal ins Glas und wurde dann immer zugänglicher und minziger. Sogar ein Hauch Eukalyptus stellte sich ein – WT92. Einer meiner persönlichen Lieblingsweine ist Pichon Comtesse de Lalande. Von meiner ersten Flasche der 78er Comtesse 1990 in einem Pariser Restaurant bis zum Herbst letzten Jahres, wo ich ihn mit einem guten Weinfreund als „das finessige, Merlot-betonte Gegengewicht zum 66er Latour“ getrunken habe, säckeweise zum Teil fast euphorische Notizen und Bewertungen(2000, tiefe Farbe ohne Reifetöne, dicht, komplex, lang, Traumnase - kann Rotwein schöner sein?), die immer zwischen 94 und 97/100 lagen. Zuletzt im Prowein-Tasting 2004 bei Schorn aus der Magnum wieder ein Comtesse-Erlebnis der Sonderklasse - 95/100. 2006 noch mal eine 1tel aus eigenen, perfekten Beständen, reif, komplex, irre lang, groß 95/100. Aber die Comtesse lebt nicht mehr ewig. 2007 kam die Comtesse in einer Best Bottle mit 94/100 ins Glas, baute dann aber immer mehr ab, nach einer halben Stunde waren es noch gut 90/100. Je nach Lagerung ist da inzwischen wohl Eile geboten. 2008 aus eigenen, perfekten Beständen wieder ein Wein zum Träumen - 95/100 und in einer großen Probe Comtesse in Perfektion, seidige Eleganz, feine Süße, tolle Länge am Gaumen, reif, aber in guten Flaschen noch lange nicht am Ende - 95/100. 2009 aus der Magnum einfach eine komplette, samtig-elegante, aber am Gaumen auch sehr druckvolle, komplexe Comtesse – 95/100. Fast taufrisch und auf gleichem Niveau 2011 aus der perfekten Lagerung des Chat Botté in Genf – 95/100. Auch 2012 so weich, so elegant, so minzig, sogar mit einem Hauch Eukalyptus, dekadent süßer Schmelz ohne Ende – 95/100. 2013 voll da, aber immer noch frisch ohne Alter, sehr minzig, Zedernholz, sehr elegant und stimmig mit enormer Länge - WT94. 2015 immer mehr kräuterige Noten, statt diesem unendlichen Comtesse Schmelz mehr Herbe und mehr Oliven als Trauben - WT93. Aus der Magnum 2015 wieder eine komplette, samtig-elegante, aber am Gaumen auch sehr druckvolle, komplexe Comtesse ohne Alter – WT95.

Einfach nur übles, freudloses Zeugs mit unangenehmer Nase 2015 der eckig wirkende Beychevelle – WT80. Ein Top-Wert mit immer noch Zukunft ist Ducru Beaucaillou, den ich im Laufe der letzten 10 Jahre sich gut 15mal getrunken habe. Ein sehr feiner, eleganter, nachhaltiger Wein, den ich konstant mit 93-94/100 bewertet habe. 2002 aus einer Magnum einsame Klasse - 95/100. Anfang 2006 zeigte eine 1tel, dass zumindest in Normalflaschen auch an diesem Wein etwas der Zahn der Zeit nagt, helle Farbe mit deutlichen Reifetönen, immer noch ein sehr feiner, eleganter Wein, aber trinken ist in den nächsten Jahren angesagt - 91/100. 2006 auf der großen Ducru-Probe nicht ganz in der Liga des 70ers aber mit ähnlicher Stilistik, vielleicht einen Hauch rustikaler - 90/100. In Bestform dann wieder 2007 in der Braui – 94/100. 2009 aus der Magnum mit immer noch dichter Farbe, mit pflaumiger Frucht, Zedernholz, Tabak und Leder, am Gaumen noch kräftig und lang im Abgang – 93/100. Und im gleichen Jahr auf der großen Ducru-Probe in Krems aus der Jeroboam in Bestform, deutlich jünger, dichter und größer als aus den in der letzten Zeit getrunkenen 1teln. Da war noch so viel Leben drin und eine faszinierende Aromatik, immer noch sehr gute, frische Frucht, Zedernholz, Leder, Tabak, Trüffel – 95/100. Danach je nach Lagerung einige gute, aber auch schlechte Flaschen. Zuletzt 2014 altersfrei und Eleganz pur – WT94. Ewig brauchte Gruaud Larose, bei dem ich lange zweifelte, ob er jemals richtig reif wird. Ich hatte ihn mehrmals getrunken, auch aus der Jeroboam. Er zeigte immer massive Tannine und viel Säure, brachte in der Nase Teer und war etwas kräuterig, am Gaumen wirkte er etwas hohol und kurz, kein Vergleich zum tollen 79er – 87/100. Doch 2009 war es soweit, mehr Zedernholz als Frucht, viel Herbstlaub, etwas stallige Noten, erdige Töne und Leder, einfach ein in Ehren sehr gut gereifter Cabernet, der sich in guten Flaschen noch ein paar Jahre auf diesem Niveau halten dürfte – 90/100. 2014 ein kräftiger, Cabernet-betonter Wein, ledrig, Zedernholz, erdige Mineralität, die leicht grünen Noten gut verpackt, immer noch schöner, aromatischer Druck – WT90. Ein gewaltiger Wein 2013 der Lagrange, dicht, kräftig, füllig, mit generöser Süße und toller Länge, auch der noch ohne Alter – 95/100. Was könnte der Leoville las Cases ein toller Wein ohne die spitze Säure sein. Durch 12 halbe und ebenso viele ganze Flaschen habe ich mich in den letzten 10 Jahren durchgekämpft und immer wieder schmälerte die hohe Säure das Gesamtbild. So hatte es nie für mehr als 90/100 gereicht. Bis zu einer Best Bottle 2007, dahatte er in dieser Flasche noch so eine Super-Farbe, war so dicht und kraftvoll mit nur ganz dezenter, schokoladiger Süße – 93/100. Also doch ein Wein mit Zukunft. 2008 kam er wieder als kräftiger, komplexer Wein mit guter Farbe ins Glas, ein hochwertiger Leoville las Cases der klassischen Machart, der sicher noch ein Jahrzehnt gut überdauern wird – 92/100. Zuletzt 2010 dichte, junge Farbe, Cabernet pur, Rasse und Klasse, leicht grüne Cabernet-Würze zwar, aber so fleischig, viel Zedernholz, ein Charakterstoff mit noch langem Leben – 94/100. Eine echte Überraschung war 1992 Talbot, auf dem Punkt, würzig, fast üppig mitschönem Schmelz – 92/100. 2008 dann ein großer Herbstspaziergang, Laub, Unterholz, etwas Tabak, dann vermehrt Kartoffeln, aber auch etwas Minze, am Gaumen recht gefällig und leicht süßlich – 85/100. Scheint sich langsam zu verabschieden.

Sehr angetan war ich 1995 von Chasse Spleen, der durchaus noch Reserven hatte und noch eine Suche wert sein könnte – 89/100. Einer meiner Favoriten war stets der noch bezahlbare La Lagune, ein gutes Dutzend mal getrunken, zuletzt im Februar 2004, perfekt gereifter, wunderschöner Cabernet – 90/100. Danach sind meine Erfahrungen variabel. In besseren Flaschen wie 2009 großer, reifer Cabernet mit heller Farbe und feinem Schmelz, keine Eile - 92/100. In schlechteren wie zuletzt 2012(beide aus derselben Kiste) kräftig, erdig, charmefrei – 87/100. Sehr enttäuschend dagegen Lanessan. So sehr mich alte Lanessans begeistern, die Weine der letzten 25 Jahre kann man schlicht und einfach vergessen.

Bei einem Brane Cantenac aus der ½ war 2010 dicht die Farbe ohne Alter, etwas verhalten die Nase mit Zedernholz, Schwarzer Johannisbeere und Graphit, am Gaumen mit perfekter Struktur, wirkte nur zu Anfang etwas monolithisch, sehr mineralisch und entwickelte dann immer mehr elegante Fülle, baute enorm aus und war ein völlig überraschender, gewaltiger Trinkgenuss, hat sicher noch Potential für etliche Jahre und ist unbedingt eine Suche wert - 90/100. Einfach ein Gedicht 2013 der Desmirail in einer Mähler-Abfüllung so filigran, so elegant, so präsent mit feiner, rotbeeriger Frucht, tänzelte förmlich auf der Zunge, sehr mineralisch und immer noch recht jung wirkend – 95/100. Eine weitere Flasche 2013 als belgische Händlerabfüllung rustikal und kräftig, ließ aber jede Eleganz vermissen – WT90. Giscours war 1998 ein saftiger, pflaumiger Stoff mit dunkler Farbe, jetzt und sicher in den nächsten 10 Jahren noch schön zu trinken, insbesondere in Großflaschen sicher eine Suche wert – 90/100. Bis 1997 war Margaux ein toller Wein für mich, konstant mit 95/100 bewertet. So z.B. 1990 in Bargum, noch sehr jugendliche, fast pupurne Farbe, intensiver, nicht enden wollender Wein, schon heute perfekt zu genießen mit langer Zukunft – 96/100. 1994 auf der Margaux-Probe in Mautern aus der Magnum, Nase verschlossen, voll und süß am Gaumen, lang und einfach schön – 94/100. 1995 tolle Flasche mit kräftiger, junger Farbe, explosiver, süßer Frucht(Schwarzkirschen) und schönem Abgang – 95/100. Und dann war, nach ein paar weiteren, schönen Flaschen, plötzlich Schluß. 1999 in Bargum, erster Eindruck: roh!, von der Farbe her geht der auch als 88er durch, keinerlei Reifetöne, und die fehlen auch am Gaumen, die Frucht früherer Tage fehlte völlig, wenn´s das nicht schon war, braucht der nächste Knall 10 Jahre – 89/100. Zuletzt Ende 2000 auf einer Probe rustikal, grob, wirkte immer noch nicht reif - 92/100. Voll daneben 2005 auf Sylt. Immer noch sehr junge Farbe ohne Reifetöne. Wenig Nase, am Gaumen staubige, trockene Tannine, wirkt sperrig, ungenerös, abweisend, etwas bitter im Abgang – 88/100. Da kann man, sofern man ähnlich gut gelagerte Flaschen besitzt, den Margaux eigentlich nur noch mal 10 Jahre weglegen und auf ein Wunder hoffen, auf die Gefahr natürlich, dass er statt zu reifen austrocknet. 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe ein kerniger, rustikaler, sehr kräftiger und monolithisch wirkender Wein mit zuviel Tannin und deutlich zuwenig Frucht, der am Gaumen ziemlich ungenerös wirkte – 87/100. Bis Mitte der Neunziger war das ein wunderschöner Wein auf deutlich höherem Niveau, der inzwischen seine Zukunft weit hinter sich zu haben scheint. Aus dem einstigen Charmeur ist ein Grobian geworden. Auch Palmer habe ich 88/89 sehr offen, fast opulent mit toller Frucht erlebt. 1997 dann voll auf dem Punkt, enorm druckvoll, reife, gekochte Früchte - 93/100. 2009 ein ziemlich konzentrierter Kraftbolzen, aber leider auch Kraft ohne Freude. Wenig Frucht, in der Nase etwas grün und bitter, man spürt die nicht voll ausgereiften Tannine. Wird sicher noch länger halten – 86/100. Zeigte sich 2013 zeigte sich mal wieder als Palmer-untypischer Kraftbolzen mit leicht grünen Noten und einer kernigen Rustikalität, die aber auch ihren Charme hatte – WT92.

Als variabel gilt Haut Brion. Ich habe mit diesem kleinen feinen Haut Brion früher nur gute Erfahrungen gemacht. 1989 im Düsseldorfer Caveau wunderschöne Nase, Haut Brion at it´s Best, elegant, fein, etwas wenig Körper und etwas kurzer Abgang – 91/100. 1996 wunderschön saftiger Stoff, lege auf Parkers 90 noch mal 2 drauf. 2000 perfekt gereifter, wunderbarer Haut Brion, füllte großen Riedel Pokal und meinen Gaumen komplett aus, in größeren Gebinden suchen! – 93/100. Weniger schön zuletzt 2006 auf René Gabriels großer Haut Brion Probe, nasse Wolldecke, sehr reif, gezehrt, erdig und auf dem Wege abwärts – 83/100. 2008 bei Jörg Müller auf Sylt sehr feiner, eleganter, klassischer Pessac, sehr mineralisch mit Teer, Tabak und sehrguter Länge am Gaumen – 93/100. 2010 im D´Vine sehr weich, reif und erstaunlich leichtgewichtig – 90/100. Im Unger Weihnachtstasting 2010 dann wieder ein durchaus noch kraftvoller, aber sehr feiner, eleganter, klassischer Pessac, sehr mineralisch mit Teer, Tabak und sehr guter Länge am Gaumen - 93/100. 2011 sehr reif und süß mit lakritzig-kräuteriger Aromatik – 90/100. 2015 ein mineralischer, sehr reifer Wein, jodig, metallisch und auch etwas muffig, der deutlich über den Höhepunkt schien – WT88. Erheblich größer und erst seit ein paar Jahren überhaupt richtig trinkreif ist La Mission Haut Brion. Immer wieder probiert und dann 1998 endlich ist er da! Explosive, fruchtige Nase, daß mann fast an Australien denken konnte, feiner Tabakton, am Gaumen fruchtig, aber auch noch deutlich spürbare Tanine, großer Stoff – 95/100. Danach mehrfach mit 95-96/100 bewertet. 2005 auf Sylt erstaunlich reifes Orangengranat, kräftige Säure, Tabak, Cigarbox, viel Kraft am Gaumen, da kommt in den nächsten Jahren noch mehr – 95/100. Ein ganz großer La Mission mit viel Zukunft. 2009 ein sehr dichter, kraftvoller, druckvoll-erdiger, mineralischer Klassiker, immer noch jung, exotisch mit reichlich Eukalyptus und Tabak, so eine Art Heitz Martha´s Vineyard aus Pessac – 97/100. Im Unger Weihnachtstasting 2010 mit seiner unbändigen Kraft noch etwas jünger wirkend – 96+/100. 2012 aus der Magnum Unbändige Kraft, immer noch mächtige Tannine, ein wilder Wein mit leicht exotischer Aromatik, Minze, Eukalyptus, Tabak, druckvoll und erdig am Gaumen – 96+/100. Zeigte 2015 langsam etwas mehr, aber da ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht – WT97+. 2016 wieder ein gewaltiger, dichter Brocken mit unglaublicher Struktur und Wahnsinns-Potential, aber eben reichlich verschlossen – WT96+. La Tour Haut Brion hatte 1998 eine für diesen Wein oft typische, ältere wirkende Farbe mit dunklem Rostbraun, wirkte insgesamt älter als 78 La Mission, ruppiger Stoff mit kräftigen, astringierenden Tanninen, Teer ohne Ende, ein sehr interessanter, ungehobelter Weinflegel, der im Glas mit der Zeit etwas runder wurde und dann 92/100 rechtfertigte. 2007 dann ein kerniger Wein mit unglaublich viel Biss, am Gaumen unglaublich druckvoll und zupackend. Absolut eigenständig und in keine Schablone passend, rauchig, Trüffel, aber auch massig Teer, immer noch strammes Tanningerüst. Einer der wenigen Weine, die 1978 Geborene ruhigen Gewissens für ihren 50. Geburtstag zurücklegen können – 96/100.

L´Arrosée schien 2009 im Herbst seines Lebens und zeigte in der schon recht bräunlichen Farbe ebenso herbstliche Stimmung an wie an Gaumen und Nase mit einem großen, herbstlichen Waldspaziergang, dazu getrocknete Früchte und Trüffel. Die kräftige Säure hielt diesen Wein am Leben und wird das noch eine Weile tun, die feine Süße machte ihn charmant und die Nase so verführerisch, ein wunderbares Erlebnis eines gut gereiften Bordeaux – 90/100. Eine Traumflasche 2012, so dicht, so süß, so lang am Gaumen – 94/100. Zuletzt 2014 ein sehr feiner, eleganter St. Emilion der sich gut im Glas entwickelte - WT91. Ausone war 2014 noch so jung und kräftig – WT94. Cheval Blanc habe ich 1989 zweimal auf Proben getrunken und dann als Thema abgehakt. Beide Male war der Wein süßlich, dünn und kurz. In 78 Geborene mögen die Entwicklung dieses Weines gebannt weiterverfolgen. Mir ist dafür das viele Geld zu schade. Ein letzter Versuch 2006 auf der großen Cheval Blanc Probe, wirkte aber etwas hölzern und eckig und zeigte grüne Noten. Da hatte man beim Abfüllen den Charme vergessen - 90/100. Zuletzt rettete diesen Wein 2008 auf René Gabriels großer Cheval Blanc Probe nur ein Korkfehler vor der Blamage. Wenig begeistern konnte ich mich auch für Figeac. 1994 hatte er zwar eine dichte Farbe und wirkte erstaunlich jung und verschlossen, stank aber nach Bauernhof und hatte unangenehme Bebentöne im Abgang – 78/100. Etwas besser 1996 aus einer perfekten Magnum, aber so richtig Spaß machte auch die trotz langem Dekantieren nicht, wirkte grün und etwas diffus und unreif – 86/100. Zuletzt 2011 bei der Figeac-Probe der Linzer Gang kräuterig die feine, schlanke Nase, auch der Gaumen kräuterig-lakritzig mit guter Länge, aber auch etwas ungenerös und sperrig – 86/100. Bei einem Monbousquet aus der ½ mit miserablem Füllstand 2010 bräunlich die sehr reife Farbe, reif auch die immer noch ledrige Nase, am Gaumen dann die Überraschung, ein warm-würziger Wein, geschmeidig, mit schmelziger, generöser Süße, hat durchaus eine Menge Spaß gemacht, trank sich immer besser und ist in guten Flaschen sicher eine Suche wert - 86/100. Sehr angetan war ich 2005 von einem, für kleines Geld erworbenen Villemaurine. Das war ein sehr feinduftiger, eleganter Wein mit heller Farbe, dezent süßlich-schokoladiger Nase, die an Nuß-Nougat erinnerte, sehr ausgewogen am Gaumen - 89/100.

Nichts ahnend nahm ich 1996 im Landhaus Bacher ein gut gefülltes Glas zur Hand, das mir Klaus Wagner-Bacher vorgesetzt hatte. Darin ein tiefdunkler Wein mit kräftigen, durch schöne Kirsch- und Cassis Frucht maskierte Tannine, die den Gaumen auskleiden, mineralisch, Lakritztöne, ein großes Teil, das erst ganz am Anfang stand. Es war Lafleur. Ein großer Wein, der damals schon Spaß machte und den ich mit 94/100 bewertete. 2009 in der Lafleur Best Bottle kam er mit der großen Weihnachtsnase daher mit viel Zimt und anderen Weihnachtsgewürzen, mit Karamell und süßem Tabak, einfach ein Traum. Der ertstaunlich fruchtige, etwas schlanke Gaumen kam da nicht ganz mit, sehr lang und lakritzig aber im Abgang – 96/100. 2012 ein gewaltiger Kraftbolzen, immer noch so jung, dicht mit einem großen Kräutergarten in der Nase. Am Gaumen waren da immer noch deutliche Tannine, Astringenz, aber auch Süße, Kaffeenoten und karamellisierte Kräuter – 96+/100. Petrus hatte 1989 eine sehr intensive, süßlich würzige Nase, fast zuviel des Guten, intensiv Merlot, am Gaumen plump, fast unangenehm süß, etwas Lakritz – 87/100. 1995 aus der Imperiale schöne Nase, weich am Gaumen, etwas nichtssagend und für das Geld eine Frechheit – 88/100. 2005 auf René Gabriels großer Petrus Probe roch er nach frischen Zimtwaffeln, am Gaumen hatte er zuviel Säure, der hatte seine beste Zeit, falls es die jemals gab, schon lange hinter sich – 85/100. Um so erstaunter war ich 2008 auf einer großen Probe. Der Petrus war hier zwar reif und auf dem Punkt, aber keinesfalls auch nur ansatzweise müde. Schokoladig-trüffelig mit etwas Leder und Lakritz, süß, schmelzig und weich mit burgundischer Pracht und Fülle, ich konnte es einfach nicht glauben - 96/100. Ende 2008 bei den Ungers ein ehrlicher, feiner, sehr aromatischer Petrus mit Leder, Trüffel und Bitterschokolade, ging am Gaumen runter wie Öl – 93/100. Zuletzt 2010 wieder in beeindruckender Form – 96/100. Feinduftig und elegant 2011 die Nase des La Pointe, nur am Gaumen und im Abgang merkte man den kleineren Wein – 90/100. Trotanoy war 2007 ein großer Wein, jetzt wohl voll auf dem Punkt, schokoladig, dicht, kleidete den Gaumen voll aus, tolle Länge am Gaumen. Die mit der Zeit immer kräuteriger und tabakiger werdende Nase zeigte, dass hier wohl nicht mehr allzu viel Zukunft angesagt ist – 93/100. Vieux Chateau Certan hatte 1996 eine sehr helle Farbe mit wenig Brauntönen, feine, leichte Frucht, am Gaumen wenig Konzentration, kleiner, aber angenehmer Wein – 83/100. 2005 auf der Vieux-Probe ein gefälliger, harmloser Schmeichler mit heller Farbe, hat seinen Höhepunkt bereits hinter sich, würde ich in den nächsten Jahren austrinken – 86/100. 2012 Sehr vielsprechend die Nase, doch der ruppige, ungeneröse, von grünen Noten und astringierenden Resttanninen dominierte Gaumen holte uns auf den Boden zurück – 85/100.

Sehr langlebig können weiße Domaine de Chevalier sein. Der 78er war 1994 noch sehr frisch mit feinem Holzton – 92/100. Zuletzt 2011 auf dem Unger Weihnachtstasting in der Nase Acetaldehyd, Bohnerwachs und Zitronensaft aus dem Blechkanister, am schon sehr gezehrten Gaumen etwas Trockenfrüchte, Feigen, wirkte insgesamt unharmonisch und deutlich über Höhepunkt – 85/100. Auf dem gleichen Tasting hell die Farbe des Laville Haut Brion, generös die nussige, mandelige Nase, mineralisch und mit Zitrusfrüchten, schlank mit guter Säure am Gaumen, ein eleganter Wein, der noch keinerlei Schwächen zeigt – 92/100. Völlig anders auch auf dieser Probe 2011 der nicht gerade wohlfeile Haut Brion Blanc. Schon ins Güldene gehende, reife Farbe, in der Nase deutliche Alterstöne und ziemlich oxidativ wirkend, auch am Gaumen trotz aller Kraft einfach nur alt und schwermütig wirkend, erinnerte in seiner oxidativen Art etwas an ältere, weiße Riojas, ohne allerdings deren Vielschichtigkeit zu erreichen – 87/100.

1978 zählte nicht zu den besseren Sauternes-Jahrgängen, da sich durch den langen, trockenen Indian Summer die Edelfäule nicht richtig entwickeln konnte.

Raymond Lafon war 2007 ein dickes Orangenkonzentrat mit viel Bitterstoffen, passender Süße und guter Säure. Ein Kraftpaket mit wenig Finesse. Aber wenn der nicht quasi ins Glas gepoltert wäre, hätten wir ihn zu so später Stunde wahrscheinlich gar nicht mehr wahrgenommen – 91/100. Ein Rieussec hatte 1989 ein schönes Bouquet von Honig und weißen Früchten, am Gaumen aber relativ schlank – 87/100.

Auch in Burgund wurde das Jahr durch einen wunderbaren Spätsommer gerettet. So konnten eine Reihe sehr guter Burgunder mit guter Haltbarkeit erzeugt werden. Da lohnt bei guten Erzeugern immer noch die Suche. Vergessen sollte man dabei allerdings nicht, dass in Burgund grundsätzlich auch viel Mist erzeugt wird. Davor schützen auch große Lagennamen wie Richebourg oder Montrachet nicht.

Viele Rote Burgunder aus 78 habe ich Ende der 80er getrunken. Damals waren diese Weine zwar nicht aufregend, aber sehr schön zu trinken. An einfachere Qualitäten würde ich mich heute nur noch in bestgelagerten Ausnahmefällen herantrauen. Die besseren 78er sind dagegen immer noch in teilweise bestechender Form mit guter Zukunft.

Elegant mit feiner Süße, aber auch sehr kraftvoll, jung und nach weiterer Lagerung schreiend war 2010 ein Musigny Vieilles Vignes von Comte de Vogüe – 94+/100. Zuletzt 2012 sehr elegant, geradezu filigran mit zarter Himbeerfrucht, von deutlicher Säure geprägt– 93/100. Prächtig entwickelt und immer noch so vital 2016 der hoch elegante Chapelle Chambertin von Damoy – WT95. Der Grands Echezeaux von DRC zeigte 2015 herrliche Frucht, wunderbare Struktur und Länge, so kräftig, dicht und druckvoll, aber auch mit der nötigen Eleganz – WT95. Eher Rhone als Burgund und das auf sehr sehr hohem Niveau war 2001 für mich mit seiner üppigen, orientalischen Würze ein DRC La Tâche – 96/100. 2008 auf Sylt war dieser Wein nur ein Schatten seiner selbst. Wirkte etwas laktisch mit leicht metallischer Nase, und wo am Gaumen eigentlich burgundische Pracht und Fülle hätten herrschen müssen, war dieser verdammt teure Reinfall leider nur spitz – 87/100. Eher enttäuscht hatte mich auch 1996 aus gleichem Stall der deutlich weniger konzentrierte Richebourg – 88/100. Wahrscheinlich gibt es da aber auch unterschiedliche Flaschen. So fand ich den DRC Romanée St. Vivant 1994 zunächst groß mit einem orientalischen Gewürzstrauß in der Nase, eher Syrah als Pinot, viel Kraft und Länge – 96/100. Ein halbes Jahr später auf einer Probe völlig anders. Zwar schöne Farbe, Burgunder-Fans sprachen von Fruchtigkeit mit schöner Säure, ich fand ihn nur kurz und bitter, die Zeit mags vielleicht richten – 86/100. Und dann 1996 eckig, kräftig, wird vielleicht noch gefälliger - 89/100. Zuletzt 2006 völlig anders und richtig groß, noch soviel Kraft und Potential, sehr würzige Nase, ein sehr aromatischer, superdichter, komplexer Burgunder, der ewig lang am Gaumen bleibt – 96/100. Ein Corton Bressandes von Joseph Drouhin hatte 1989 ein schönes Kirsch-Bouquet, machte aber sonst den Eindruck eines noch lange nicht fertigen Weines und wirkte auf mich durch kräftige Säure fast aggressiv – 84/100. Ein Chambolle Musigny Les Amoureuses Tête de Cuvée von Grivelet war 2010 ein perfekt gereifter, seidiger Burgundertraum mit seidiger Eleganz und mit feinem Schmelz und Süße – 96/100. Der Richebourg von Hasenklever war 2015 ein dichter, kräftiger, leicht animalischer Top-Burgunder mit feinem, süßem Schmelz – WT96. Der Chambertin von Jaboulet-Vercherre zeigte 2015 Kraft und Fülle, wirkte aber auch etwas monolithisch – WT93. Ein Beaune 1er Cru Clos des Ursules von Jadot war 2012 aus der Magnum noch so jung und vibrierend war dieser Wein mit tiefer, altersfreier, brillianter Farbe, mit herrlicher Frucht, reifer Herzkirsche, und Mokkanoten. Dazu eine gute Struktur mit dem dazugehörigen Säuregerüst und feiner, süßer Schmelz, blieb sehr lang am Gaumen – 95/100. Ein Echezeaux von Lucien Jayer erinnerte mich 2010 an die größten Burgunder aus den glorreichen Jahren von 1959 und davor. So süß, so fruchtig, so irre aromatisch und druckvoll, so hedonistisch, da bei puristisch schön und mit totaler Harmonie, so seidig und elegant, dabei trotz allem Druck fast filigran, ein echtes Meisterwerk, hörte am Gaumen überhaupt nicht mehr auf, Burgund geht anders, aber nicht besser – 100/100. Ein Chambertin von Jaboulet-Vercherre brachte 2013 burgundische Pracht und Fülle, die Kraft und den Charme eines großen Chambertin auf reduziertem 78er Niveau und wirkte insgesamt noch recht jung – WT93. Dünn mit heller Farbe und für die große Lage absolut enttäuschend war 1996 ein Richebourg von Labouré-Roi – 82/100. Üppig und vollreif 1993 ein Chambolle Musigny von Leroy – 92/100. Corton Grancey von Louis Latour war 1996 bei Drawert ziegelrot mit deutlichem Orangenrand, intensive, reiche Nase, entwickelt wunderschöne Süße getragen von guter Säure – 92/100. Mit sehr kräftiger, junge Farbe, viel Kraft auch am Gaumen, noch am Anfang seiner Entwicklung 1996 bei Drawert ein Romanée St. Vivant Les Quatre Journaux von Louis Latour – 91+/100. Dicht die Farbe 2011 bei einem Volnay 1er Cru von Louis Latour, keinerlei Alter, wunderbare Nase, etwas barock die Fülle am Gaumen mit feinem Schmelz, so liebe ich Burgund – 93/100. Großartig 2010 ein Musigny von Leroy mit wunderbarer Frucht und klassischer Stilistik – 96/100. Reif, mineralisch, erdig mit pflaumiger Frucht 2012 ein Monthélie von Potinet-Ampeau - 86/100. Reif, weich, mit generöser Süße und Kaffee ohne Ende der füllige Chambolle Musigny von Henri de Villamont – WT93.

Sehr gut waren auch die Weißen Burgunder, von denen inzwischen zwar die meisten ihren Höhepunkt erreicht oder überschritten haben dürften. Es gibt aber immer noch Ausnahmen, die zeigen, welches Standvermögen Weiße Burgunder aus dieser Zeit haben können. Ich schlage bei gut gelagerten Flaschen immer noch zu.

In Ehren gereift war 1994 ein Chevalier Montrachet von Bouchard. 2013 eine weitere Flasche mit brillianter, goldgelber Farbe. Leider hatte dieser Wein aus einem legendären Jahr für große, sehr langlebige Weißweine etwas metallisch und zeigte nicht die erwartete Klasse – WT89. Bei einem Le Montrachet von Bouchard spürte man 2006 das großartige Terroir. Der kam mit einem kräftigen, brillianten Goldgelb ins Glas, ein sehr eleganter, zeitlos schöner Wein ohne jede Altersspur, finessig mit viel Spiel, sehr vielschichtig. Baute mit steigender Temperatur im Glas sehr schön aus und zeigte immer neue Facetten, ein Klassewein – 96/100. Der Chevalier Montrachet von Bouchard mit brillianter, goldgelberFarbe war 2013 leider etwas metallisch und zeigte nicht die erwartete Klasse – WT89. Die Friedhofsnase des Le Montrachet von Collin ließ 2006 schon nichts Gutes ahnen. Ein gezehrter, steinalt wirkender Wein, bei dem die Säure immer mehr Überhand gewinnt und das einzige, prägende Element darstellt. Gutwillige 78/100. Grandios 2008 ein Le Montrachet von Comte Lafon. Das war ein gewaltiges, finessenreiches Kraftpaket mit einer traumhaften Nase, die immer generöser, mandeliger und mineralischer wurde. Ein großer, aromatischer Wein, der mit Luft und steigender Temperatur im Glas förmlich explodierte und ständig neue Facetten zeigte. Hat in dieser bestechenden Form sicher noch 10+ Jahre Potential – 97/100. Ein erstaunlich frischer, deutlich jünger wirkender Top-Burgunder war 1998 ein Comte Lafon Meursault Clos de la Barre – 95/100. Die Suche nach älteren Comte Lafons lohnt bestimmt noch. Ein Batard Montrachet von Delagrange-Bachelet hatte 2015 eine tiefe, goldgelbe, brilliante Farbe, war immer noch so frisch, schlank im positiven Sinne und wirkte mit immer noch guter Säure geradezu rassig. Dazu kamen eine salzige Mineralität und immer mehr Mandelnoten. Baute immer mehr im Glas aus – WT95. Ein Criots Batard Montrachet von Delagrange-Bachelet zeigte 1996 und 98 kein Alter, war aber wahrscheinlich nie richtig groß, sondern nur teuer – 87/100. Ein güldener Clos des Mouches von Drouhin enttäuschte 2009 zu Anfang mit Sherrynase und leichten Aceton-Tönen, am Gaumen bitter und leicht säuerlich, aber nicht uninteressant. Baute mit der Zeit aus, auch in der Nase, wurde karamellig und trank sich gut – 85/100. Der Le Montrachet von Drouhin war 2006 ein feiner, schmelziger Montrachet, nussig, gut strukturiert mit kräftiger Säure, aber sicher nicht groß – 91/100. Immer noch sehr gut trinkbar 1996 und 97 ein Puligny Montrachet Les Folatières von Drouhin. Ebenfalls noch schön zu trinken war 1997 einCorton Blanc von Faiveley, brilliantes Goldgelb, leicht kräuterige Nase mit Anis und Lakritztönen – 88/100. Ein Meursault Perrières von Camille Giraud hatte 1997 eine dichte, cremige Textur, gute Säure, viel Kraft, mit der Zeit kam schöne Frucht, sehr langlebig, gewöhnungsbedürftiger Stoff, dem man sicher nicht vorwerfen kann, offensichtlich zu sein - 89/100. Das zeigte sich dann 10 Jahre später, 2007, dieser unglaublich frisch wirkende, traumhaft balancierte, würzige Meursault ohne Schwächen und Alter dreht gerade erst richtig auf. Die sehr kräftige Säure trägt nicht nur zum Eindruck der Frische bei, sie verspricht auch noch eine lange Zukunft – 94/100. Ein MeursaultTasteviné von Chantal Michelot hatte 2010 eine kräftige reife Farbe und wirkte in der Nase etwas verhalten. Die eigentliche Überraschung kam am Gaumen. Da war dieser Wein noch so enorm kräftig und druckvoll, würzig und nussig, einfach perfekt gereifter Meursault ohne spürbares Alter – 91/100. Noch so taufrisch wirkte 2016 der Volnay Santenots 1er Cru aus der Collection Bellenum des Maison Roche de Bellene. Filigrane, präsente Frucht, feine rote Beeren, soviel Spiel und Eleganz, entwickelte sich eorm im Glas und hat noch eine große Zukunft – WT93. Für eine Dorflage höchst erstaunlich 2008 ein Montagny 1er Cru Montcuchot Cave des Vignerons de Buxy. Startete zwar alt, oxidiert, herbstlich, blühte dann aber plötzlich im Glas aus und entwickelte eine feine, schmelzige Mandelnote in der immer schöner werdenden Nase, am Gaumen durch die gut stützende Säure immer noch frisch wirkend, ein kurzes, aber eindrucksvolles Feuerwerk auf 90/100 Niveau. Nach einer knappen halben Stunde war das Feuerwerk wieder vorbei, der Wein verlor nicht nur Länge und Komplexität, er zerfiel förmlich.

Ganz großes Rhone-Jahr mit sehr langlebigen Weinen.

Hoch bewertet wird in der Literatur der Hermitage von Chave. Ich konnte das bisher nicht nachvollziehen. Bei einer Magnum 1996 notierte ich: seit wann macht man Wein aus Schafscheiße? Ein vornehmer Mensch würde von animalischen Tönen sprechen. Ich habe die Hälfte weggekippt und wendete mich anderen Themen zu. Keine Wertung, da nicht mein Ding. 1998 dann auf einer Drawert-Probe: in der Farbe bereits deutliche Reifetöne, am Gaumen säurelastig, kräftige Tannine, macht mich nicht an. Zuletzt 2008 zwar immer noch ein Stück vom Höhepunkt entfernt aber absolut perfekte Wahnsinnsnase, im positiven Sinne animalisch, blutiges Steak, Trüffel, Leder, einfach nördliche Rhone pur. Reitet am Gaumen eine irre Attacke, sehr kraftvoll, immer noch gute Tanninstruktur. Klar, diesen klassischen, alten Stil muss man mögen, aber dieser sehr eigenständige Wein entwickelt auf seine Art einen unwiderstehlichen Charme, dem man sich schwer entziehen kann. Das ist keine modisch weichgespülte Fruchtbombe, sondern Rhone Hardcore – 98/100. Speckig 2017 die Nase des Côte Rotie von Marius Chambeyron, sehr dicht mit druckvoller, würziger Aromatik, entwickelte am Gaumen immer mehr generöse Süße – WT94. Der Hermitage von Chapoutier war 2007 ein ganz großer, kompletter Wein, der unglaublichen Spaß machte, sehr eigenständig und kernig, aber dabei auch fein und elegant mit karamelliger Süße – 97/100. 2012 Kernig im besten Sinne, edelrustikal, ein Kraftbündel mit ganz eigenem Charme und erster Süße – 95/100. Faszinierend 2007 auch ChapoutiersCôte Rotie. Immer noch so jung und kräftig wirkend mit wunderbarer Frucht, viel Kraft und Fülle, ein Riesenteil mit explosiver Aromatik und einer Nase wie ein großer Gewürzladen, im Stil einem La Mouline nicht unähnlich, dazu Veilchen satt – 96/100. Ein Wein, der sich sicherlich noch 10-20 Jahre weiterentwickeln kann. Ein Côte Rotie von Dervieux-Thaize war 2006 so eine Art Montrose unter den Rhone-Weinen, sehr eigenständig, animalisch, fleischig, dicht, aber auch etwas rustikal und im positiven Sinne streng. Klassischer Rhone mit gutem Alterungspotential – 93/100.

Eins meiner größten Weinerlebnisse war 2000 in Paris im Tan Dinh La Mouline von Guigal, rabenschwarz mit einer Perigord-Trüffel-Nase, die ihresgleichen sucht - ich glaube da schon eher, dass Perigord-Trüffel nach La Mouline riechen! - auch am Gaumen Trüffel ohne Ende, baut im Glas immer stärker aus und dürfte in dieser Form sicher noch 10-15 Jahre leben, ein Ausnahmestoff, bei dem 100/100 voll angemessen sind. Und 11 Jahre später, 2011, hatte exakt dieses Erlebnis wieder. Ein Wein, der sprachlos macht und für den die 100/100 fast eine Beleidigung sind. 2008 dann La Landonne, mit einer feinen, mineralischen und tabakigen Nase, erst mit der Zeit kam dann stärker in der Nase die Rhone durch mit einem dicken Steak vom Holzkohlengrill und Trüffeln, an denen noch viel Erde hing. Für einen La Landonne wirkte dieser Wein erstaunlich zahm. Er ist zwar reif, aber noch längst nicht am Ende und baute schön im Glas aus – 95/100. Selbst der Côte Rotie Brune et Blonde von Guigal war 2011 eine geniale Mischung aus nördlicher Rhone und großem Burgunder. Generöse Süße, burgundische Pracht und Fülle, aber auch die Würze und das leicht animalische eines großen Weines von der nördlichen Rhone, seidenweich und sehr lang am Gaumen, getragen von gut integrierter Säure, einfach ein perfekt balancierter Traumwein, der tiefes Glück verströmte – 95/100. Unzweifelhaft ein großer Wein ist Hermitage La Chapelle, obwohl ich die 100 Punkte dort noch nie im Glas hatte. 1995 auf der großen Kölner La Chapelle-Probe hellste Farbe des Flights, weich, wenig dahinter, verschlossen, hinter der Maske steckt mehr - 89+/100. 1996 bei Willi Krähling extraktreich, jung, Säure, erst am Anfang seiner Entwicklung, entwickelt im Glas tolle Süße - 92/100. 1998 auf einer Drawert-Probe meine beste Flasche, Riesenstoff mit sehr dichter, junger Farbe, Lakritze ohne Ende mit erstaunlicher Vanillenote, sehr lang – 97/100. 1998 auf einer Krähling-Probe in der Nase Vanille pur in einen Konzentration, wie ich sie noch nie erlebt habe, sehr dichte Farbe, exotisch, erstaunlich offen und trinkbar, großer Stoff, aber auch gewöhnungsbedürftig – 94/100. Im Juni 2005 völlig zugenagelt, ließ wenig raus. Ich würde diesen potentiell sehr großen Wein, solange Sie ihn nicht warm im Wohnzimmer lagern, noch 10 Jahre weglegen. 2008 zeigte er nicht ansatzweise, was er wirklich drauf hat und wirkte reichlich zugenagelt. Mehr als maximal 94/100 kamen da nicht ins Glas. Und dann 2011 endlich ein großer, kompletter, jugendlicher, zupackender, perfekter La Chapelle, der in dieser Form auch dem legendären 61er Paroli bieten kann. Schwierig, diese Aromen-Explosion, dieses einzigartige Konzentrat auf einen Nenner zu bringen. Natürlich ist da immer noch jugendliche Frucht, aber auch Leder, Lakritz und eine leicht animalische Note, Kräuter – je länger man in diesen Wein rein riecht, desto mehr Assoziationen stellen sich ein. Aber es ist das absolut stimmige Gesamtbild, diese aromatische Monsterwelle, die da über den Gaumen rollt, die diesen Wein so einmalig macht – 100/100. 2013 auf Uwe Bendes großer Hermitageprobe ein grandioses, zupackendes Tier von Wein, das noch nach weiterer Lagerung oder zumindest sehr langer Dekantierzeit schrie – 98+/100. Auch 2016 wieder ein Tier von Wein, zwar etwas verhalten in der Nase, aber Gaumen ging dermaßen die Post ab, das war schier unglaublich, so schmecken WT100. Crozes Hermitage Domaine de Thalabert von Jaboulet-Ainé hatte 2013 eine faszinierende, würzige Nase mit guter Frucht, war animalisch mit viel Leder und Kaffee, am Gaumen reif mit erster Süße und guter Länge – WT94. La Chapelle Qualität zum Crozes Hermitage Preis, nicht schlecht und sicher jede Suche wert.

Keinerlei Alter zeigte 2011 der Beaucastel, noch so frisch und kräftig mit viel Biss, baute sehr gut im Glas aus, Kakao, Würze, etwas Unterholz, feine Süße, Eleganz. Etwas trockene Tannine, aber dieser einstmals unnahbare Wein wird seinen Weg gehen und in 10-20 Jahren richtig knallen – 91+/100 mit Potential für 95/100. 2012 Sehr jung noch die Farbe, traumhafte Nase mit Erdbeere und reifer Himbeere, am Gaumen so dicht, so packend, immer noch mit deutlichem Tanningerüst und langer Zukunft – 93+/100. Der Chateauneuf-du-Pape Cuvée Special von Berard Père et Fils hatte 2009 eine herrliche, komplexe Kaffeenase, am Gaumen ging er dann runter wie Öl mit toller Konsistenz, viel Kraft, aber auch mentholiger, minziger Frische, gewaltiger Extraktsüße und irrer Länge, einfach ein kompletter Wein, bei dem alles stimmte – 96/100. Die zweite Flasche dieses Weins Ende 2009 legte da noch mal eins drauf – 98/100. Der Chateauneuf-du-Pape von Chapoutier war 2007 ein sehr reifer Vertreter seiner Art, klassischer, rustikaler Stil mit viel Kraft, aber wenig Frucht, erste oxidative Noten – 88/100. Sehr gut aber nicht groß war 2000 ein Clos des Papes aus der Magnum – 90/100. Etwas belanglos und harmlosen 2013 Clos du Mont-Olive – 87/100.Ein Chateauneuf-du-Pape Les Cèdres Magnum von Jaboulet-Ainé war 2010 bei Jörg Müller großer, reifer Chateauneuf vom Allerfeinsten, bei dem ich mit den 96/100 nicht alleine stand. Auch zuletzt 2012 aus der Zwillingsflasche so süß, würzig, dicht, komplex und dabei so jung und lang am Gaumen - 96/100. Ein Chateauneuf-du-Pape Domaine de la Font du Loup von Ogier hatte1995 eine kräftige Farbe mit deutlichen Brauntönen, reife Nase, entwickelt sich im Glas, rustikale Burgunderart – 86/100. Der Chateauneuf-du-Pape von Mont Redon wirkte 2009 etwas zurückhaltend und steril – 96/100. 1998 bäumte er sich nach einer Stunde noch mal kurz auf, aber war vorher und hinterher platt. Pegau Cuvée Reservé wirkte 2013 erst weich, burgundisch und auf hohem Niveau etwas harmlos, drehte aber enorm im Glas auf, wurde deutlich kräftiger, länger und präsentierte sich als absolut stimmiger, großer, reifer Wein – 96/100. Sehr fein und elegant 2008 der Chateauneuf du Pape Cuvée Reservé von Chateau Rayas, würzig-pfeffrige Aromatik mit viel weißem Pfeffer, hocharomatisch, finessig, einfach ein sinnlicher Wein, kein Hammer im Stile der heutigen, überkonzentrierten Chateauneufs, hier tänzelte eine Ballerina auf der Zunge – 95/100.

Zeitlos schön 2013 Chateauneuf-du-Pape Blanc von La Nerthe, in der Nase frisch gemähte Wiese, Honignoten, erstaunliche Fülle am Gaumen und immer noch gute Säure – 90/100.

Einen Vignelaure aus dem Süden Frankreichs hätte ich 2007 blind für einen 40-50 Jahre alten, kleineren Bordeaux aus einem mittelprächtigen Jahr gehalten, wirkte schon verdammt alt und gebrechlich und nur die relativ hohe Säure hielt ihn am Leben. Seine besten Zeiten hat dieser Wein schon mindestens 10 Jahre hinter sich. Er bäumte sich zwar zum Ende hin im Glas noch einmal etwas auf und zeigte Ansätze einer feinen Süße, aber das war es dann auch – 83/100.

Eher ein kleinerer Jahrgang im Elsass.

Ein immer noch sehr gut trinkbarer Riesling Hengst von Josmeyer mit deutlichem Petrolton wusste 2005 bei Jörg Müller auf Sylt immer noch zu überzeugen – 91/100.

Wenig Erfahrung habe ich mit Deutschen Weine, wo 78 eigentlich kein großes Jahr war.

Ein einfacher Erbacher Marcobrunn von den Staatsweingütern hatte 1993 eine deutliche, aber nicht unangenehme Edelfirne, dezente Süße, recht ausgewogen und deutlich besser, als erwartet – 85/100. Umso überraschter war ich dann 2007 von einer Wehlener Sonnenuhr Riesling Kabinett vom Weingut Joseph Christoffel Junior. Absolut faszinierender Weinspaß auf hohem Niveau, ein wunderbarer Wein mit guter Fülle, Säure, klarer Frucht und feiner Süße, alles im perfekten Gleichgewicht. Ein Wein, der deutlich jünger schien und sein Alter fast völlig verleugnete, beinahe taufrisch wirkte und mit seinem niedrigen Alkohol und der animierenden Aromatik einen perfekten Aperitif abgab – 91/100. Ein Erdener Treppchen Riesling Kabinett von Dr. Loosen war 2013 bei Jörg Müller auf Sylt zwar reif, aber auch immer noch mit deutlicher Frische, guter Säure, viel Williamsbirne, dazu enormer Kraft und Fülle, ein völlig unerwarteter Riese – 94/100.

Klasseweine auch in Italien.

Der Barbaresco von Gaja war 2014 auf Sylt noch so jung und kräftig, würzig und kräuterig – WT96. Bei einem Barbaresco Sori Tildin von Angelo Gaja war 2006 ich zunächt blind bei einem jüngeren Rhone-Wein. So dicht, so voll, so lang und dabei sogar eine üppige Süße. Immer noch massig Frucht und eine gewisse Frische, toller Stoff - 93/100. Beim Barbaresco Costa Russi von Gaja konnte man 2009 trotz eines üblen, immer stärker werdenden Korks noch erahnen, dass das in gutem Zustand ein gewaltiger Wein mit viel Substanz, Minze und schöner Süße ist. 2010 war er dann kräftig, animalisch, viel Leder, Unterholz, erdig-rustikale Noten, Trüffel, viel Säure, aber auch gutes Standvermögen und langer Abgang – 95/100. Der Barolo Serralunga von Bruno Giacosa hatte 2009 die wohl unvermeidlichen, etwas sperrigen Resttannine und war auch schlank am Gaumen, aber für einen Piemonteser wirkte er erstaunlich gefällig und sehr aromatisch mit deutlichem Schokoton und viel Minze – 94/100.

Ein Brunello di Montalcino Riserva von Lisini hatte 2011 so eine explosive Aromatik, Lakritz, Süßholz, würzige Fülle, Süße und ein unendlicher Abgang – 96/100. Sassicaia hat in 78 einen Wein produziert, gegen den alle Sassis seit 91 nur noch müde Wässerchen sind. 1993 auf Willi Krählings Sassicaia-Probe aus der Magnum sehr dichte Farbe, kompletter Wein mit viel Power – 96/100. 1996 auf der großen Sassicaia-Probe der Unger Brothers in Südtirol dichte Farbe, viel Kraft, aber auch massive Säure, die aber tragend eingebunden ist und für lange Zukunft sorgen wird, eins der Highlights der gesamten Probe, die alle Jahrgänge von 68 bis 90 umfasste - 97/100. 2002 bei Michael Ungers 40. Geburtstag zu Anfang der größte des Flights mit viel Bleistift, baute dann leicht ab - 93/100. 2004 hatte er eine kräftigere Farbe als 77, aber etwas weniger Körper. Mit Bleistift und Leder wirkte er wie ein klassischer Mouton - 94/100. 2010 immer noch sehr jung und dicht die Farbe, auch in der sonstihen Anmutung enorm jung, dicht und kraftvoll. Erinnerte in der Aromatik mit Cassis, Leder und der mineralischen Bleistiftnote an große Moutons, elegant und sehr nachhaltig am Gaumen mit guter, stützender Säure. In dieser Form ein Wein für 2-3 weitere Jahrzehnte – 97/100. 2012 auf Dem Rosenfest eine eher enttäuschende Flasche. 2013 mit Jeff Leve immer noch eine enorme Kraft zeigend und mit Minze, Leder, Bleistift und sogar dezenten Röstnoten sehr an Mouton erinnernd – WT95. Solaia seit 1998 7mal getrunken und immer sehr hoch bewertet, 2004 ging er blind in einer kleinen Solaia-Vergleichsprobe mit Fabio Chiarelotto als perfekt gereifter, großer Bordeaux durch – 98/100. Auch zuletzt 2009 war das wieder ein großer, gereifter Bordeaux – 97/100. Eindeutig zu alt war aber schon in 1996 der Tignanello mit heller, reifer Farbe und (zu) kräftiger Säure – 82/100. Um so überraschender dann 2009 ein zwar sehr reife, aber recht schöne Magnum – 91/100. Sehr gut können häufig Chianti Classicos altern. Ich habe 1994 mit großem Trinkvergnügen mehrere, für kleines Geld bei Alpina erworbene Villa Vignamaggio Chianti Classico Riserva Magnum geleert. Die zeigten noch keine Spur von Alter und hatten eine wunderbare Frucht – 87100.

1978 war in Spanien kein großes, aber doch gutes Jahr. Ich habe bis Anfang der neunziger viele sehr ansprechende, einfachere Spanier, vor allem aus Rioja, getrunken, die aber allesamt inzwischen ihren Zenit deutlich überschritten haben dürften.

Mit heller Farbe, weich, aber sehr nachhaltig, "spanisch", noch viel Zukunft 1996 ein Conde de Valdemar Gran Reserva von Martinez Bujanda – 88/100. Sehr angetan war ich 2000 wie schon 3 Jahre vorher von einem Imperial Gran Reserva von CVNE. Trotz erstaunlich heller, reifer, spanischer Farbe ein kompletter Wein, bei dem von der Nase - Kaffee- und Mokkatöne, geröstetes Brot, Vanille- über den Gaumen - feine, reife Süße- alles stimmte – 93/100. Der Castillo Ygay von Marques de Murrieta war 2016 ein noch so junger, eleganter, würziger Old School Rioja, der noch Jahrzehnte vor sich hat – WT95. Ein Marques de Murrieta Reserva hatte 1996 eine helle, reife Farbe, auch in der Nase sehr weit, überzeugte aber mit viel Kraft am Gaumen – 88/100. Absolut reif war 2007 die Marques de Murrieta Gran Reserva. Feine malzige Süße, mollig weich mit der schönen, typischen Aromatik älterer Riojas, baute im Glas mit der Zeit etwas ab und wurde säurelastiger – 88/100. Rioja Alta Reserva 904 wirkte 1996 erst etwas gezehrt, kam dann aber mit der Zeit im Glas besser – 85/100. Torres Gran Coronas Black Label war 1996 und 99 voll auf dem Punkt mit schöner Würze – 90/100.

Aus Portugal habe ich nur 1996 eine halbe Flasche Perequita von Fonseca getrunken, ein rustikaler, einfacher, gut gereifter Wein – 85/100.

Noch sehr jung und kräftig mit deutlichen Tanninen 2013 aus dem Libanon Chateau Musar – WT93. 2015 etwas reifer mit burgundischer Eleganz – WT94.

Ein Spitzenjahr war 1978 in Kalifornien. Wenn ich sehe, mit wie wenig Alkohol damals in Kalifornien Weltklasseweine mit hohem Alterungspotential erzeugt wurden, dann ärgere ich mich umso mehr über die heutigen Alkoholmonster aus Napa&Co.

Sehr überzeugend 2007 Almaden Cabernet Sauvignon aus Monterey in Kalifornien. Dichte, immer noch junge Farbe, sensationelle Nase mit großem Blumenmeer, rauchig, Teer und Leder, auch am Gaumen sehr aromatisch, schlank und kraftvoll zugleich, so balanciert und harmonisch, ein gelungener Haut Brion aus Kalifornien – 95/100. Jung und dicht 2009 die Farbe des Beaulieu Private Reserve George de Latour. Neben Minze, Kräutern und Schwarztee kam in der Nase immer mehr Eukalyptus, sehr kräftig und lang am Gaumen, lebt sicher noch lange – 94/100. Etwas reifer wirkend, aber auf gleichem Niveau zweimal 2010. Wirkte auch 2012 immer noch so jung mit Minze, Leder, guter Frucht und immer noch viel Kraft am Gaumen – 96/100. Ein Buena Vista Zinfandel war 2006 verdammt guter Stoff. Reife, helle Farbe, faszinierende, druckvolle, ungewöhnliche Armatik, gereifte Stauchtomaten, Lakritz, feine Würze, Süße, exotisch wirkend, auch am Gaumen Süße und gute Länge - 94/100. Etwas reifer zuletzt 2013 - 92/100. Enttäuscht hat 2009 mich zu Anfang der Caymus Cabernet Sauvignon Grace Family Vinyard, der sehr reif und deutlich über den Zenit wirkte, immer noch mit viel Minze und etwas Eukalyptus, baute im Glas sehr schön aus, der anfängliche Alterston schwand völlig und der Grace entwickelte eine wunderbare Fülle – 93/100. Deutlich besser 2012 auf dem Haefliger-Tasting. Ein sehr feiner, finessiger Wein mit kühler Eleganz und viel Minze, immer noch voll da – 96/100. Schlichtweg sprachlos machte mich 2012 der noch so unglaublich kraftvolle, aus dieser Flasche immer noch so junge Caymus Special Selection, bei dem nicht nur die Farbe perfekt war, da geht in der Nase und auch am Gaumen derart die Post ab, der würde sich gut in einer Probe zwischen neueren Special Selects machen – 99/100. Auch 2015 ein absolut stimmiger, großer Kalifornier mit traumhafter Nase – WT97. 2016 süchtig machende Nase, schlichtweg traumhafte, rotbeerige Frucht mit etwas Eukalyptus und Minze, am druckvollen Gaumen generöser, feiner Schmelz, einfach Hedonismus pur und immer noch gute Zukunft – WT97. Eine echte Trouvaille der Weinkarte 2005 im Tantris ein Cuvaison. Immerhin 27 Jahre hatte dieses Musterbeispiel klassischer, kalifornischer Winzerkunst auf dem Buckel, ohne auch nur im entferntesten müde zu sein. Perfekte, immer noch recht junge und dichte Farbe, sehr mineralisch, „liquid rocks“, Bleistift, etwas Leder, leichte Minztöne, Zedernholz, ginge auch als großer Mouton durch mit perfekter Struktur und langem Abgang – 95/100. Spontan erinnerte mich 2012 der Diamond Creek Volcanic Hill an Montrose. Ein kerniger, sehniger, etwas rustikal wirkender Wein, sehr mineralisch, Minze, etwas anstrengend am Gaumen mit hoher Säure, wirkt immer noch leicht unfertig – 95/100. 2014 dann ein kräftiges, zupackendes Tier von Wein mit puristischer Frucht, nur einem Hauch von Eukalyptus und Minze, dafür umso mehr Mineralität und einem immer von intakten Tanningerüst - WT97. Eine Spur drüber für mich 2012 der in der Anmutung ansonsten ähnliche Diamond Creek Red Rock Terrace, auch hier hohe Mineralität, deutliche, leicht astringierende Tannine und der Eindruck, dass das Beste noch kommt, wenn es denn jemals kommt. Aber ähnlich wie bei einem älteren Dunn, bei dem ich mir diese Frage auch immer stelle, kann ich mich der Faszination dieser Weine nicht entziehen – 96/100. Ein Gallo Sonoma County Limited Reserve hätte trotz deutlicher Eukalyptus und Minze, zu denen sich dunkle Schokolade, Kräuter und etwas Schwarztee gesellten, hätte dieser noch recht jung wirkende Wein auch aus dem Medoc kommen können. Einfach ein sehr gelungener, feiner Tropfen mit immer noch guter Tannin- und Säurestruktur – 92/100. Tolles Alterungspotential, zwar auf dem Höhepunkt, wird aber sicher noch 10+ Jahre auf hohem Niveau Spaß machen. Sehr positiv überrascht hat mich 2012 auf dem Haefliger-Tasting der Grace Family Vineyard, der damals bei Caymus vinifiziert wurde. Ein sehr feiner, finessiger Wein mit kühler Eleganz und viel Minze, immer noch voll da – 96/100. Ein Grigich Hills Alexander Valley Zinfandel hatte 2010 eine reife, recht helle Farbe – was bei älteren Zinfandels nichts heißt und eher typisch ist – viel Säure und zu Anfang eine portige Nase. Entwickelte sich enorm im Glas, in der Nase war plötzlich ein großes Rosenbeet, dazu jede Menge Lakritz, am Gaumen war das ein Weinchamäleon, das sich ständig änderte - 93/100. Einer der ganz großen 78er und ein Wein mit immer noch sehr gutem Alterungspotential ist Heitz Martha´s Vineyard. 1996 dichte Farbe, Lakritz/Teernote, entwickelt auch verhalten Minze und Eukalyptus, kräftig mit tragender Säure, großer Wein, erst ganz am Anfang – 94/100. 2003 konzentrierter Superstoff mit junger Farbe, würzig, minzig, tolle Frucht, baut im Glas aus, machte den großen 78 La Mission mit links nieder, suchen! – 97/100. 2010 reintönige, pure Frucht, viel Minze, Sattelleder, etwas Eukalyptus, packte den Gaumen durch das immer noch gute Tanningerüst und die kräftige Säure mit eisernem Griff, zeigte aber im Gegensatz dazu auch eine feine Süße. Ein großer Martha´s mit noch viel Potential, der unbedingt länger vorher dekantiert gehört – 96/100. Das war dann 2012 schlichtweg Perfektion. Fantastische Nase mit purer, reintöniger Frucht, sehr minzig, Eukalyptus, Sattelleder, Teer, schöner, kräuteriger Würze, auch am Gaumen ein druckvolles Aromenbündel mit schöner Süße und mit langem Abgang. Lag für mich an diesem Abend noch einen Tick über dem 74er – 100/100. 2013 ein explosives, zupackendes Tier von Wein, tiefe, junge Farbe, Minze, Eukalyptus, Bitterschokolade, altes Sattelleder, wie die Essenz eines 78er La Mission, unglaubliche Kraft und Länge, in dieser Form ein Jahrhundertwein mit Potential für Jahrzehnte – 100/100. Weitere Flaschen 2013 und 2014 erstaunlich reif und ausladend inzwischen mit Minze, Eukalyptus und generöser Süße, aber auch mit guter Struktur und Säure – WT97. Etwas jünger wirkend – alles eine Frage von Herkunft und Lagerung – 2015 – WT97. 2016 ein Martha´s, wie er im Buche steht, der aber in dieser Form noch ein paar Jahre braucht, um alles zu zeigen – WT98. Etwas schlanker, aber was für ein schönes Gewächs 2008 von Heitz der Fay Vineyard mit altersfreier Farbe, immer noch guter Frucht, dezenter Minze und Eukalyptus und beachtlicher Länge am Gaumen – 92/100. Zuletzt 2011 fantastisch die jugendlich-dichte Farbe, animalisch und ledrig in der Nase, nur ein Hauch von Eukalyptus und Minze, noch so jung, so kraftvoll und lang am Gaumen, ein Wein für zwei weitere Jahrzehnte – 96/100. Sehr elegant und fein 2014 mit pikanter Frucht und immer noch Frische zeigend der HMR Vineyard aus Paso Robles - WT88. Ganz anders 2002 in Boston der in den 70ern sonst so große Mayacamas, dichte Farbe, Teer ohne Ende und etwas Leder, Kompliment der eventuell noch vorhandenen Frucht, sie hat sich perfekt versteckt, Genuss wird anders buchstabiert – 83/100. Schon sehr weit 2016 in der Nase mit etwas Liebstöckel, am Gaumen weich, reif mit feiner Süße, deutlich besser als in der Nase und immer mehr ausbauend – WT93. 2017 ein kräftiger, rustikaler Brocken mit noch deutlichem Tanningerüst – WT96. Noch sehr jung wirkte 1995 im Landhaus Bacher der Mondavi Reserve mit sehr schöner Frucht – 93/100. Hat sich inzwischen prächtig entwickelt. Zweimal in 2007, immer noch mit recht jung wirkender, dichter Farbe, in der Nase Cassis, Eukalyptus und Minze, nur an de leicht Karamellligen Süße erkennt man das Alter, kommt erstaunlich fein daher mit perfekter Struktur und Länge, ein großer Kalifornier in bester Bordeaux-Machart mit Potential für locker noch 10+ Jahre – 95/100. 2008 auf der American Beauty I dichte, junge Farbe, so fein und elegant, so hocharomatisch, Eukalyptus, Minze Leder, etwas Lakritz, feine, geile Süße, immer noch erstaunliche Frische, perfekte Struktur und keinerlei Alter oder Schwäche, baut enorm im Glas aus und hat sicher noch Potential für 10+ Jahre – 97/100. 2009 sehr dichte Farbe, viel Eukalyptus und Minze, Leder, und trotz aller präziser Struktur eine einfach geile Süße, immer noch viel Zukunft – 96/100. Auch 2012 aus der Magnum elegant, hoch aromatisch, Eukalyptus, Leder, Minze, etwas Lakritz, feine Süße, bei aller Reife immer noch erstaunlich frisch mit toller Struktur – 96/100. 2014 auf der Farnsburg noch so jung, sehr minzig, ein Hauch Eukalyptus, Sattelleder, druckvoll und lang am Gaumen – WT95. Ebenso Ende 2014 aus der Magnum und 2016 noch mal auf der Farnsburg aus einer perfekten 1tel – WT95. Großartig 2012 zweimal der Chateau Montelena mit traumhafter Frucht, Cassis pur, mit Fülle, Kraft und Länge. Endlich mal ein reifer, großer Montelena und auch der immer noch so jung mit sehr dichter, junger Farbe – 97-99/100. Auch 2013 in Traumform mit pflaumiger Frucht, Tabak, Zedernholz, leicht malziger Süße, sehr druckvoll mit großartiger Struktur, reif aber noch mit großer Zukunft – 98/100. 2016 Cassis pur, viel Minze und etwas Zedernholz, am Gaumen druckvoll und kräftig, sehr stimmig und immer noch viel Zukunft – WT96. Sehr jung 2012 die Farbe des Joseph Phelps Backus, ein kompakter, dichter Wein mit toller Struktur, aber auch hoher Säure – 96/100. Hat sicher noch große Zukunft und könnte noch zulegen. Riesengroß der Eisele von Joseph Phelps. In dieser Zeit hatte Walter Schug als Winemaker bei Phelps reihenweise Legenden erzeugt. 1999 sensationelle, absolut junge und superdichte Farbe, in der Nase geballt Minze und Eukalyptus, entwickelte am Gaumen mit der Zeit einen wunderbar konzentrierten Schmelz – 98/100. 2004 ätherische Nase mit Eukalyptus, Minze, aber auch etwas Jod, starke Cabernet-Persönlichkeit, deutlich jünger wirkend - 96/100. Wirkte 2012 zu Anfang sehr minzig, sehr schlank und bei aller Intensität etwas verhalten. Aber das änderte sich mit etwas Zeit und Luft. Unglaublich, wie der aufdrehte, nicht nur in der offener werdenden Nase, sondern auch am Gaumen, wo er mit jedem Schluck druckvoller, dichter und länger wurde – 98/100. 2012 aus der Magnum dichter und druckvoller, mit viel Schwarzer Johannisbeere, mit Minze, Eukalyptus, Kräutern und etwas Jod, sehr ätherisch, am Gaumen trotz aller, geballter Kraft und für die damalige Zeit hohem Alkohol (13,8%) mit perfekter Statur und Eleganz, eine schier unsterbliche Legende – WT100. Nicht auf diesem Niveau der Insignia 1997 in Las Vegas, da hat´s die 78er Säure also auch nach Amerika geschafft! Wird mit der Zeit etwas runder und entwickelt wunderschön gereifte Mouton-Nase mit Leder und Bleistift 91/100. 1999 bei Willi Krähling sehr schön, würzig, mit einem Hauch Minze – 93/100. Zeigte 2012 sehr kühle Eleganz, eher Menthol als Minze, sehr mineralisch, geht als großer Bordeaux vom linken Ufer durch, Finesse und Eleganz, extrem langer Abgang, in dem dann doch deutliche Minze zum Vorschein kommt, immer noch taufrisch wirkend – 97/100. Außer der Reihe hatte Eugen Haefliger 2012 dann auch noch den einfachen Joseph Phelps Cabernet Sauvignon angestellt. Der war zwar etwas reifer und weiter als die drei Lagenweine, aber selbst das ein faszinierender Wein auf unglaublichem Niveau – 94/100. Ein vollreifer Rancho Yerba Buena Cabernet Sauvignon aus dem Alexander Valley zeigte 2008 eine immense Süße. Der leichte Stinker in der Nase verflog rasch und machte intensiver Kirschfrucht mit leicht portigen Anklängen Platz, einfach ein dekadenter, leicht exotischer Wein – 94/100. Sofort wieder kaufen würde ich Ridge Monte Bello. 1998 toller Stoff mit dunkler Farbe ohne Zeichen von Alter, wieder perfekter Cabernet im Stile eines klassischen Latour, geradlinig, lang – 94/100. 2003 „La Mission“ in Perfektion. Zuletzt 2012, 2013 und 2014 mehrfach Auf dem Punkt mit reifer Farbe, wunderbare, minzig-generöse Nase, am Gaumen enorm druckvoll mit minziger Süße, sehr lang am Gaumen, Kalifornischer Traumstoff mit Bordeaux-Stilistik – konstant WT97. Der Shafer Cabernet Sauvignon hatte 2012 immer noch eine sehr jung wirkende Farbe, fantastisch die Nase mit puristisch schöner, dunkelbeeriger Frucht, nicht so üppig wie heutige Hillsides, aber mit gewaltigem Druck, Cabernet in seiner schönsten Form. Auch hier galt: wer nur einen schnellen Schluck nahm, bekam nur einen Teil mit. Enorm, wie dieser Wein im Glas ausbaute. Allein schon diese irre Nase, an der man stundenlang riechen könnte. Ich habe meine Bewertung dreimal korrigiert und bin schließlich bei 100/100 gelandet. 2013 wieder der größte, auf diesem Gut je erzeugte Wein. Immer noch junge, dichte Farbe, eine Wahnsinnsnase mit hohem Suchtpotential, puristisch schöne Frucht, cremige, enorm druckvolle aromatische Dichte am Gaumen, endloser Abgang und immer noch stabilem Tanningerüst, ein sehr mineralischer Wein in totaler Harmonie, gegen den die modernen 100-Punkte-Boliden einfach nur arme Wichte sind – 100/100. 2016 noch so jung, so voll da, so stoffig mit wunderbarer, dunkelbeeriger Frucht und feiner Süße, trotz aller Kraft so harmonisch und stimmig – WT98. 2017 einfach perfekt, so unglaublich druckvoll mit tiefer, dunkelbeeriger Frucht, mit viel Minze, enormer Kraft, Substanz und Länge, ein faszinierender Wein, der einfach sprachlos machte - WT100. Ein Riesenstoff mit Reserven für 10+ Jahre, erst ganz am Anfang, Minze und ein Hauch Eukalyptus war 1998 der Stag´s Leap Cask 23 - 97/100. Das zeigte sich dann 13 Jahre später auf dem Unger Weihnachtstasting 2010. Hier ging er eher als großer Bordeaux durch. In der Nase reife Frucht, Minze, Tabak und Schwarztee, am Gaumen mit perfekter Struktur, sehr druckvoll und mit wunderbarer Länge, ein großer Kalifornier, wie sie früher einmal waren – 96/100. Wirkte 2012 über den Höhepunkt weg mit ersten, deutlichen Alterstönen, trotz extrem dichter Farbe. Klar war da noch Süße und Fülle, aber auch Überreife und balsamische Noten – 93/100. Zuletzt 2013 voller Leben, das war California Old Style pur, perfekt balanciert, erdig-mineralisch mit generöser Süße, der Gaumen kräftiger und jünger als die reifere Nase wirkend – 96/100. Der Stag´s Leap SLV Lot #2, kräftiges Rot ohne Brauntöne, Kirschfrucht, war 1999 gut gereift, aber auch etwas stahlig – 90/100. Bei einem Trefethen Cabernet Sauvignon war 2009 reif zwar schon die Farbe mit ersten Brauntönen, am Gaumen aber immer noch altersfrei, sehr extraktreich mit etwas Minze und Eukalyptus, harmonisch und elegant im Stile eines gut gereiften Bordeaux und lang im Abgang – 93/100. Villa Mt. Eden Cabernet Sauvignon war 2013 aus der Magnum ein feiner, eleganter, minziger, schmelziger Wein in bester 78er Bordeaux-Stilistik, noch voll da mit Kraft am Gaumen – 93/100. 2016 aus der Magnum reif, weich, gefällig – WT86.

Und Weiß? Ein Beringer Chardonnay war 2008 natürlich reif, auch schon deutlich über den Punkt, aber immer noch erstaunlich gut trinkbar. Güldene Farbe, in der Nase dezent oxidativ, aber auch leicht rauchig, am Gaumen buttrige Fülle, nur ganz leicht gezehrt wirkend – 87/100.

Eine Bank in 1978 auch wieder aus dem Libanon Musar. Roch 2007 zu Anfang intensiv, aber überhaupt nicht unangenehm nach Kohl, die Kohlnase verschwand jedoch mit der Zeit. Der Musar baute prächtig aus, wurde immer komplexer und aromatischer, ein wunderbar balancierter Traumstoff, wie eine hypothetische Mischung aus einem großen Margaux und einem älteren Rioja, wobei die Kraft in Seide verpackt war – 94/100. Und gleich ein paar Monate später noch mal auf gleichem Niveau.

Als klassischer Bordeaux ging 2006 ein Allesverloren Cabernet Sauvignon aus Südafrika durch. Ein sehr fein strukturierter, trotzdem kräftiger Wein mit Vanille, Schokolade und Mokka, lang am Gaumen – 92/100. Wenig Freude 2010 bei einem Meerlust Cabernet Sauvignon aus Südafrika, viel Kraft noch, Blumenerde, bittre Medizin, wohl schon über die Zeit – 83/100. Deutlich besser 2016 als er locker als feiner, eleganter, perfekt gereifter Medoc mit erster Süße und toller Länge durchging – WT93. Der Nederburg Cabernet Sauvignon aus Paarl ging 2017 am Tisch als gut gereifter Bordeaux vom linken Ufer durch – WT92.

Sicher noch gut 10 Jahre Potential hatte 2007 der Penfolds Bin 389 Cabernet Shiraz. Der wirkte nur zu Anfang etwas einfach gestrickt, baute aber unglaublich im Glas aus und wurde immer lakritziger mit guter Länge am Gaumen. Solche „Arme-Leute-Granges“ gerade aus älteren Jahren sind häufig eine sehr gute und vor allem auch günstige Wahl – 90/100. Er gefiel mir deutlich besser als der im Vergleich getrunkene Penfolds 707Cabernet Sauvignon. Der hatte zwar eine rabenschwarze Farbe, schockierte aber etwas mit seiner gewöhnungsbedürftigen Nase. Balsamico, Amarone, deutliche Oxidationsnoten. Am Gaumen Lakritz ohne Ende, portig, aber auch Liebstöckel und eine etwas diffuse, an Rübenkraut erinnernde Süße – 87/100. Der Penfolds Grange war 1999 auf der Grange-Probe in Lehrbach reif, karamellig, schön, blieb sehr lang am Gaumen – 95/100. Hatte zuletzt 2013 eine sehr junge Farbe, kernige, leicht rustikale Art, minzig, sehr frisch, feine Süße, erinnerte an 78er Kalifornier - WT92.

Ein großes Champagner-Erlebnis war 2013 ein Pommery Brut Millesimé aus der 3 Liter Flasche, tiefes Goldgelb, immer noch kräftiges Mousseux, dezente Edelfirne, sehr kräftig, ein Hauch von Honig, satte Brotkruste, erdige Mineralität, sehr nachhaltig – 95/100.