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1981

Im Schatten der großen 82er stand der Jahrgang 1981. Dabei wurden in diesem Jahr recht gefällige, frühreife, elegante Weine produziert. Nur Langlebiges war nicht viel dabei.

Cos d´Estournel war 2006 auf der großen Cos-Probe ein feiner, eleganter Tropfen, der mit deutlich mehr Genuss zu trinken war als 1970 – 87/100. 2016 immer noch kraftvoll mit dichter Farbe, aber etwas stumpf in der Nase – WT88. Überhaupt nicht gefiel mir 1989 Montrose.

Sehr gerne habe ich Ende der 80er Grand Puy Ducasse getrunken, einen sehr zugänglichen, gefälligen, fruchtigen Wein, der dann aber schon Anfang der 90er deutlich abbaute. Enttäuscht war ich 1989 von Lafite Rothschild. Der hatte zwar eine tolle Nase mit Kakao, Schokolade und einer wie Marzipan wirkenden Süße, am Gaumen war er jedoch eher leicht mit kurzem Abgang – 85/100. Zuletzt 2011 in der verhaltenen Nase kalter Rauch und etwas Tabak, am Gaumen streng mit harten Tanninen, macht einfach keinen Spaß – 80/100. Ein Frühstarter war Latour. Schon 1987 war er für einen Latour erstaunlich zugänglich. 1998 genehmigten wir uns an unserem Tisch bei Michael Ungers Hochzeit völlig unbemerkt von der Restaurantkarte eine Doppelmagnum, in der der Wein eine erstaunlich helle Farbe hatte, voll entwickelt schien mit für einen Latour wenig Power, aber ungemein lecker, ein reifer, feiner Latour auf 90/100 Niveau. Eher ein kleinerer Latour also, doch wenn man einen solchen Wein auf dem Höhepunkt im Stadium der perfekten Reife erlebt, dann wächst er über sich hinaus. So 2006, wo ich das große Glück hatte, ihn in genau diesem Stadium erleben zu dürfen, mit feiner Süße, totaler Harmonie und ganz dezent der Latour-typischen Walnussnote - 93/100. 2010 aus der Imperiale wunderbare Nase mit Walnuss, Leder und reifem Alpkäse, am Gaumen Fülle, Kraft und eine gute Mineralität, der pikante, pfeffrige in 81 nicht perfekt ausgereifte Cabernet machte diesen Wein spannend und vibrierend, dazu noch der Impi-Bonus, so kamen locker 93/100 ins Glas. Zuletzt 2011 aus der 1tel etwas schwachbrüstig geraten für einen Premier Cru, erdig, mineralisch, Bleistift, Tabak, Leder – 90/100. 2015 aus der Magnum meine bisher mit Abstand beste Flasche – WT95. Fast soviel Spaß wie Latour machte übrigens Les Forts de Latour. Davon habe ich zwischen 1988 und 1992 sicher eine Kiste geleert, bei deutlich unter 20 € pro Flasche damals ein toller Wert, den ich immer zwischen 86 und 90/100 angesiedelt habe. Sehr schön war 1988 auch Lynch Bages. Zuletzt 2008 aus der Imperiale in der Nase viel Brett, ein solider, gut trinkbarer, etwas derber Wein. Ein rustikaler Patrywein, bei dem mit Großflaschenbonus 85/100 ins Glas kamen. Mit der Zeit verlor der Wein trotz Impi etwas und die grünen Noten traten immer stärker hervor. Würde ich mich in der 1tel nicht mehr ran trauen. Gut hat mir eigentlich immer der frühreife, aber völlig untypische Mouton Rothschild gefallen. Das war schon 1989 und 90 ein voll trinkbarer, weicher Mouton. Nicht die übliche Power, aber ein absoluter Trinkgenuss – 90/100. 1991 in der Mouton Probe im Caveau, helle Farbe, Nase etwas eindimensional, lässt auch am Gaumen das komplexe Mouton-Feuerwerk vermissen, aber erstaunlich lang und angenehm zu trinken – 90/100.1997 in Atlanta Bleistift, Leder, erste Reifetöne, öffnete sich sehr zögerlich, wurde aber schön - 89/100. Ende 1997 in einer Probe erste Brauntöne, in der Nase leichter Schweißfuß, reifer Cabernet, Johannisbeere - 91/100. 2015 brav und unspektakulär – WT87. Pichon Baron in einer Ginestet-Abfüllung war 2009 metallisch, feuchter Putzlappen, trinkbar ja, aber doch ziemlich grenzwertig – 81/100. Mein Lieblings-Bordeaux in 81 und um Längen über allen anderen Weinen war Pichon Comtesse. Meine erste Notiz war aus 1988: Begeisterung führte zum Kauf einer Kiste. Dieser Kiste folgten noch drei weitere. Gut 12 Jahre lang machte dieser Wein in bester Comtesse-Art auf 93-95/100-Niveau unglaublichen Spaß. Häufig haben wir ihn auch in Blindproben als Edelpiraten eingesetzt. Erst 2001 notierte ich dann: immer noch schön zu trinken, aber es wird in der 1tel langsam Zeit. Doch nur in der 1tel. Eine Doppelmagnum war 1999 noch unglaublich jung. 2009 noch mal bei Grashoff in Bremen aus perfekter Lagerung, absolut traumhaft und kaum schlechter als 85, für mich wie ein Rückblick in vergangene Tage – 94/100. Und der Ausblick auf zukünftige Jahre Ende 2009 dann mit einer normal gelagerten Flasche, florale Nase, Paprika, etwas grasige Töne, am Gaumen deutlich schöner, sehr mineralisch und sehr guter Abgang – 88/100. Ähnlich noch mal 2010, also nur noch in top-gelagerten Großflaschen suchen. Brachte dann immerhin 2010 auf der großen Comtesse-Probe am Attersee noch mal 90/100 ins Glas. 2011 stand die Comtesse aus der Imperiale so vor mir, als sei die Zeit stehengeblieben. Unfassbar, noch so jung, Comtesse in Reinkultur, herrliche, generöse Frucht, sehr druckvolle Aromatik, diese unnachahmliche Mischung aus Kraft und Eleganz – 95/100. Auch hier sind in der Impi noch mal 20 weitere Jahre drin. Stand 2014 aus der Magnum wie eine Eins im Glas, und dieses Wunder wiederholte sich auch 2016 – WT94. Herrlich!

Bestechend 2015 die Nase des Beychevelle mit Waldboden, Trüffeln und dunklen Früchten, erstaunliche Kraft und Fülle am Gaumen und schöne, erste Süße – WT91. Überhaupt nicht zugesagt hat mir 1989 Ducru Beaucaillou. Habe dann danach einen Bogen drum gemacht. Überraschend schön 2006 auf der großen Ducru-Probe, ein klassischer, schön gereifter Bordeaux, der es sicher noch etliche Jahre macht – 88/100. Zuletzt 2009 auf der großen Ducru-Probe in Krems etwas brav und bieder, dazu wohl leicht auf dem absteigenden Ast – 84/100. Reichlich habe ich in den letzten 15 Jahren von Gruaud Larose getrunken, der im Vergleich zu anderen 81ern eher ein Spätentwickler war. In der halben machte er 1991 zum ersten Mal richtig Spaß, auch eine erstaunlich reife Doppelmagnum zeigte 1993 das Potential dieses Weines. Zwischen 1994 und 2000 dann ein gutes Dutzend begeisterter Notizen, konstant mit 92-93/100 bewertet, ein reifer Bordeaux in Perfektion mit toller Frucht, sehr viel Finesse und Harmonie. Zuletzt 2004, inzwischen deutlich reifer, entwickelt sich gut im Glas, aber es wird langsam Zeit 89/100. Würde ich nur noch in Großflaschen kaufen. In denen ist er allerdings grandios, so 2006 auf der Prüm-Probe aus der DM, ein klassischer, großer Bordeaux mit dezentem, typischem Cordier-Stinker. Bei dem brillianten Rot ohne Reifetöne, der Frische des Weines und dem Standvermögen über Stunden im Glas wäre blind wohl niemand auf einen 25 Jahre alten Wein und den vergessenen Jahrgang 1981 gekommen. Mit feiner Johannisbeerfrucht, Zedernholzaromen und perfekter Struktur machte dieser elegante, nachhaltige Tropfen mit jedem Schluck Lust auf mehr. Ein Wein, den ich ohne weiteres einen ganzen Abend lang trinken könnte, bietet in der DM sicher noch 20 Jahre Lagerungspotential - 94/100. Leider dann 2007 auch eine absolut grausame 1tel, doch 2008 wieder sehr dicht und jung die sensationelle Farbe, leicht animalisch die ansonsten von altem Sattelleder geprägte Nase, gute Frucht. Ein klassischer, großer St. Julien mit toller Struktur und Länge - 91/100. 2009 sehr fein, komplett und ohne Alter - 91/100. 2013 in Elke Dreschers Gruaud-Probe reif, aber ohne jeden Alterston, absolut stimmig mit guter Struktur und süßem Schmelz, auf Auktionen sicher ein Schnäppchen – 93/100. 2014 stimmig, praktisch altersfrei mit feiner Johannisbeere, Zedernholz, Leder und guter Struktur – WT92. Leoville Barton habe ich nur einmal getrunken, 1989, wirkte damals unreif und klein. Ein solider, guter Wein, aber auch nicht mehr, ist Leoville las Cases. Mehrfach getrunken, zuletzt 1996 und immer mit 89/100 bewertet. Voll auf dem Punkt war 2003 ein St.Pierre aus der DM, perfekt gereift mit feiner Frucht und schöner Zedernholznote – 93/100.. Mein Nachbar, ein berühmter Bordeaux-Winzer murmelte etwas von einem großen Wein vom rechten Ufer. Das spricht nicht nur für St. Pierre, sondern überhaupt für Weine aus kleineren Jahren in größeren Formaten. So können sie besser ausreifen und sind für manche Überraschung gut. Für mich war der St. Pierre, der aus meinem Keller stammte, keine Überraschung. Ich hatte schon 1996 mit einer Imperiale desselben Weines auf Sylt einen traumhaften Abend erlebt und 1999 und 2000 zuhause mit Genuss mehrere Magnums getrunken. Wagemutig hatte ich 1995 eine größere Anzahl St. Pierre Großflaschen zu gutem Kurs aus einem italienischen Keller gekauft. Dieses vermeintliche Risiko hatte voll gelohnt.

Chasse Spleen hatte 1989 noch massive Tannine und wirkte etwas rustikal und einfach gestrickt – 86/100.

Grausam trotz Imperiale 2007 ein Cantenac Brown. Giscours wirkte 1987 in den Schweizer Stuben aus der ½ völlig zugenagelt und verschlossen, Frucht Fehlanzeige – 83/100. Zu den besseren, langlebigeren 81ern gehört Margaux. Seit 1989 gut ein Dutzend mal probiert. War in seiner Jugend ein verschlossenes Muskelpaket. 1998 im Kleinwalsertal die erste voll trinkbare Flasche, mitteldichte, brilliante und junge Farbe, herrlicher Cassis- und Brombeersaft mit beachtlicher Länge, jetzt voll trinkbar, aber sicher noch mit langem Leben – 90/100. Im Jahr danach in Boston deutlich weiter mit kräftigem Wasserrand, da fehlten schon Frucht und Konzentration, was blieb, war eine verhaltene, seidige Eleganz – 85/100. 2001 in einer Margaux-Probe, erstaunlich schön mit toller Nase, am Gaumen etwas kurz - 91/100. Brauchte 2007 aus der Magnum viel Luft. Ein im besten Sinne kerniger Wein mit feinduftiger Nase, am Gaumen erst etwas grün und anstrengend wirkend, aber das gab sich mit der Zeit, ein insgesamt recht schöner Charakterwein, der sich auf diesem Niveau noch eine Weile halten dürfte – 91/100. 2017 aus der Doppelmagnum noch so jung und frisch. Feinduftig und aromatisch mit Cassis, schlank mit noch deutlichen, leicht bitteren Tanninen, etwas flüchtige Säure, aber auch verhaltene, seidige Eleganz verströmend – WT90. Analog zu Latour/Les Forts habe ich vor 15 Jahren auch den Pavillon Rouge geschätzt, der jetzt mit Sicherheit nicht mehr trinkbar ist. Wenig Finesse und eine unangenehme, spitze Säure hatte 1990 aus der ½ ein Tour de Mons – 82/100. Palmer war 2009 auf niedrigem Niveau ein gut trinkbarer, feiner Wein – 87/100. Zeigte sich 2013 als modernere, jüngere, noch stückweit verschlossene Version des 71ers, die noch eine enorme Statur, viel Tannin und die dazugehörige Kraft besaß – WT89+.

Sehr reif und von der Farbe her eher Rosé als Rotwein war 1993 Domaine de Chevalier, feine Fruchttöne, kurz am Gaumen, sicher keine Zukunft – 88/100. Wie schön, dass Parker den 81er Haut Brion für „past maturity“ hält, ihn seit 15 Jahren nicht mehr getrunken hat und ihm damals nur 85 Punkte gab. So konnte der Wein in dem Restaurant, in dem ich ihn Silvester 2004 von der Karte trank, unbemerkt altern und zulegen. In seiner heutigen Form ist der 81er Haut Brion dem 82er mindestens ebenbürtig. Immer noch dichte, kräftige Farbe, René Gabriels "Weihrauch" kann ich in der rauchigen, leicht exotischen Nase nachvollziehen, perfekt gereift am Gaumen mit feiner, rosiniger Süße - 94/100. 2006 auf der Haut Brion Probe ein sehr feiner, nachhaltiger Haut Brion mit etwas Paprika in der Nase, am Gaumen schlank, Kakao, gute Länge – WT89. 2015 ein immer noch so kräftiger, druckvoller, klassischer Haut Brion, altersfrei mit der typischen Pessac Aromatik, Teer, Tabak und Cigarbox. Dazu immer noch feine, rotbeerige Frucht und gewaltige Länge. Die intakten, guten Tannine zeigten, dass keine Eile bestand - WT94. Eigentlich bin ich ja Haut Bailly Fan, aber das, was ich da 1989 im Glas hatte, war doch ziemlich belanglos. Nur ist Haut Bailly recht langlebig und legt häufig noch zu. Könnte also durchaus noch interessant sein. La Mission hatte im Sommer 2006 noch eine recht junge Farbe und startete sehr vielversprechend, baute aber nach einiger Zeit auch rapide ab – 86/100. Deutlich besser 2012 auf René Gabriels großer La Mission Probe, ein rustikaler, kerniger, würzig-pfeffriger, klassischer La Mission mit noch langem Leben – 93/100.

Cheval Blanc hatte 1999 eine mitteldichte Farbe mit bereits deutlichem Orangenrand, reif, lecker, elegant, eher etwas leichtgewichtig und schlank – 90/100. 2008 auf René Gabriels großer Cheval Probe aus der DM kaputt und oxidiert. Wunderbar 2014 die rauchige, füllige, generöse Nase des Franc Bigaroux. Am Gaumen noch so frisch, komplex, dicht und lang, ledrig, fruchtige Fülle mit Maulbereren am Gaumen - WT93. ine weitere Flasche dieses Weines 2015 eher grenzwertig.

Certan de May zeigte 2008 Cassis, viel süßes Holz, ein absolut betörender, feingliedriger, großer Wein – 93/100. Lafleur habe ich im Sommer 2002 mit Jörg Müller auf Sylt ohne Erwartungen geöffnet, heraus kam ein ganz erstaunliches Tröpfchen mit der Lafleur-eigenen kräuterigen Finesse, sicher in der 91/100 Klasse. Zuletzt noch mal im Sommer 2007 auf Sylt. Da zeigte nur die Farbe erste Reifetöne, der Wein selbst aus diesem vergessenen Jahrgang zeigte keinerlei Schwäche. Ausdrucksstarke Nase, großer Kräutergarten, rote Johannisbeere, aber auch deutlich jodige Töne, die an eine steife Nordseebrise erinnerten, dazu kam immer mehr Minze. Auch Fishermans Friend passt ja gut zur Nordsee. Baute sehr schön aus und entwickelte feine Süße, im Abgang viel Lakritz, beeindrucked und noch lange nicht am Ende – 93/100. 2009 noch mal bei Jörg Müller Ricola pur, kräuterig mit feiner Süße und viel Lakritz, voll da und einfach rund am Gaumen – 93/100. Und noch mal 2010 – 91/100. Petrus hatte 2005 auf René Gabriels großer Petrus-Probe aus der Magnum eine erstaunlich helle Farbe, wirkte dünn und schon etwas gezehrt. Da kommt nicht mehr viel – 87/100. Zuletzt 2008 bei den Ungers ganz schön dünn, dieses Zeug, dabei im Abgang schwächelnd und mit grasig grünen Tönen – 84/100. 1992 stufte ich den sehr kraftvollen Le Pin aus der Magnum in einer großen Le Pin Probe noch über den 82er ein. 2010 war die Nase dieses faszinierenden Weines war erst etwas laktisch, baute aber enorm aus, wurde immer himbeeriger und einfach burgundisch schön, auch am Gaumen so fein und elegant mit einem leicht exotischen Touch – 92/100. Sehr überrascht hat mich 2012 der immer noch sehr vitale, kräuterige Trotanoy – 92/100.

In Sauternes elegante Weine, die eher auf der leichten Seite waren.

2003 in Boston ein sehr leckerer Climens aus einem unterschätzten Jahr mit güldener Farbe, immer noch guter Säure, verhaltener Süße und sehr ansprechender Bitternote - 91/100. Coutet Cuvée Madame hatte 1995 eine gereifte Farbe, wirkt 30 Jahre älter, unglaublich dick und dicht, oxidativer Ton, entwickelt mit der Zeit Pattex Nase, lang, komplex, tapeziert und betäubt den Gaumen, perfekt zu intensiven Käsen und, solo nur max. 88/100 wert.

Eher durchschnittlicher Jahrgang für Rote Burgunder mit ziemlich langweiligen Weinen.

Auch die Weißen Burgunder waren nicht besonders.

Sehr schön, aber nicht groß und das viele Geld nicht wert war 1992 der Ramonet Le Montrachet – 88/100. Reif waren 2010 Nase und Farbe des Corton Charlemagne von Louis Latour, doch am Gaumen war das ein immer noch faszinierender, sehr mineralischer Wein mit sehr guter Struktur - 92/100.

Gilt eigentlich als eher kleines Weinjahr an der Rhone, aber die besten Erzeuger schaffen auch in solchen Jahren großartige Weine.

Der kernige, edel-rustikale Hermitage von Chave war 2016 sicher reif, zeigte sich aber dank kräftiger Säure noch so frisch mit pikanter, rotbeeriger Frucht, aber auch erster, feiner Süße – WT93. Guigal´s La Landonne war 1998 ein toller, kräftiger Syrah, sehr konzentriert, der noch lange nicht am Ende ist - 92/100. Sehr viel reifer 2004, auf dem absoluten Höhepunkt, floss flüssiges Nougat aus dem Glas, reifer, dekadent leckerer Syrah vom Allerfeinsten – 96/100. Zuletzt 2007 wirkte er immer noch so jung, so dicht, mit konzentrierter Frucht, massiver Säure, aber auch perfekter Struktur und einer gewissen Rustikalität. Ein klassischer La Landonne eben, dem die hohe Säure noch ein langes Leben bescheren wird – 94/100.

Dreimal, 1998, 2002 und 2003 habe ich Beaucastel getrunken, tolles, reifes Teil mit irrer Länge, einer der schönsten Beaucastels, die ich kenne, mit großer Dichte am Gaumen, wunderbar seidiger Riesenstoff, perfekt gereift, aber sicher noch 5-10 Jahre 94/100 wert. Zuletzt 2012 reif zwar, aber ohne jeden Alterston mit animalisch-ledriger Nase, enorm druckvoll und dicht am Gaumen, dabei aber gleichzeit hoch elegant und seidig – 94/100. Kräftig, kernig, aber auch weitgehend charmefrei 2013 der Clos du Mont-Olivet – 88/100.

Coulée de Serrant hatte 1991 typisches Feuersteinaroma, noch sehr hohe Säure, war´s noch nicht richtig, oder wird´s vielleicht nie – 87/100. Keine Spur zu alt, wie ein Strauß frischer Heublumen wirkte 1992 ein Pouilly Fumé Les Foltières von Gitton – 88/100.

Aus dem Elsaß habe ich 1993 bei Jörg Müller einen Clos St. Hune von Trimbach getrunken, perfekt gereift und sehr lang am Gaumen – 95/100. Zwölf Jahre später kam dieser Wein, wieder bei Jörg Müller, mit kräftigem Gold ins Glas, nur ganz dezenter Petrolton, in der Nase große Blumenwiese, immer noch gute Säure, erstaunlich frisch. Statt abzubauen baute der Clos St. Hune über längere Zeit immens im Glas aus. Ein großes Weinerlebnis – 95/100.

Eine Wehlener Sonnenuhr Kabinett war 2011 ein immer noch erstaunlich vitaler und spannender Wein. Durch die knackige Säure wirkte er trotz deutlicher Petrolnote immer noch frisch und irgendwie zeitlos, etwas stahlig die metallische Frucht, Zitrusfrüchte aus der Blechdose. Ein Wein, der nach begleitendem Essen schreit – 84/100. Eine Batterieberg Riesling Auslese trocken von Immich-Batterieberg war 2013 absolut altersfrei mit guter Frucht, feiner Schiefermineralität und erstaunlicher Struktur brilliert – WT90. Eine Bernkasteler Doctor Spätlese von Wegeler-Deinhard hatte 2002 schon einen sehr deutlichen Alterston und war nicht mein Ding – 78/100. Die Notizen zahlreicher kleinerer Weine aus den Neunzigern, die meist schon einen starken Alterston hatten, erspare ich mir hier. Die meisten davon dürften ohnehin nichts mehr taugen.

Ein Gaja Barbaresco war 1990 nicht mein Fall, da für die leichtgewichtige Fruchtigkeit viel zu alkoholreich – 83/100. Sammarco war 1989 ein schon sehr reifer, netter, gefälliger Wein – 85/100. Nicht sonderlich begeistern konnte ich mich für Sassicaia. Nach einer korkigen Magnum 1993 war der Wein 1996 in der Unger-Probe dicht, kräftig – und langweilig – 87/100. Ein perfekt gereifter Traum, der mich an einen großen St. Emilion erinnerte, war 1989 ein Tignanello – 94/100.

Ried Klaus Riesling Spätlese von Jamek war 2010 ein reifer, aber keineswegs alt wirkender Prachtriesling. Tiefes, brilliantes Goldgelb, reife, petrolige Nase mit schöner Aprikose, am Gaumen wiederum sehr fruchtig mit reifer Fülle und immer noch schönem Säurespiel, ungemein spannend und dabei sehr elegant und harmonisch, trank sich einfach wunderschön – 91/100. 2012 in der Nase Trockenfrüchte, am Gaumen kompakt, noch sehr vital zwar, aber mit etwas verhaltener, staubiger Eleganz – 88/100.Eine Süßenberg Riesling Auslese trocken vom Nicolaihof hatte 1995 im Landhaus Bacher eine güldene Farbe, deutliche Süße in der Nase, am Gaumen trocken, gut zu trinken mit viel Länge – 85/100. Die Kremser Kögl Riesling Spätlese von Salomon zeigte 2010 tiefes Goldgelb, in der Nase dezente Süße mit kandierten Früchten, am Gaumen trocken mit wunderbarer Fülle, erinnert an eine gut gereifte VT aus dem Elsass - 90/100Dickflüssig, üppig, süß, aber nicht pappig, reiner Nektar war mehrfach zwischen 1993 und 96 eine Ruster Welschriesling TBA von Triebaumer – 96/100. Und da legte dann 1998 vom selben Erzeuger die Ruster Welschriesling TBA Essenz noch mal eins drauf mit toller Nase und geradezu explosiver Aromatik am Gaumen – 98/100. Dürften wohl beide sehr gut altern, denn selbst die „normale“ TBA zeigte sich 2009 in bestechender Form – 98/100.

Ein Vina Pomal Gran Reserva der Bodegas Bilbainas war 1992 über dem Atlantik an Bord eines Lufthansa-Flugzeuges mit heller Farbe rund, alkoholreich und trotzdem leichtgewichtig – 87/100. Weich, harmonisch mit schönen Kirschtönen, aber irgendwie langweilig war 1991 eine CVNE Imperial Gran Reserva – 85/100. Noch recht verschlossen wirkte 2001 der Vega Sicilia Unico. Von der Stilistik eher Bordeaux als Spanien, nicht so üppig wie andere neuere Unicos, braucht viel Luft und wird sicher ein Langstreckenläufer – 92/100 mit Potential für ein paar Punkte mehr. Ziemlich traurig 2007 ein Marques del Puerto, etwas dürr, grünlich und sauer - 79/100.

Chateau Musar ging 2012 als gelungener Pinot durch – WT93. Ende 2012 auf René Wagners Musar-Vertikale erinnerte dieses Chmamäleon in seiner kräftigen, mineralischen, leicht rustikalen Art eher an Latour – WT92. Wirkte 2015 bei aller Kraft etwas burgundischer und könnte noch zulegen – WT94. Auch 2016 sehr kräftig und würzig, schien jetzt auf dem direkten Weg von Bordeaux nach Burgund – WT94.

Cuvaison Cabernet Sauvignon war 1988 ein Mund voll Wein mit herrlicher Frucht und sehr harmonisch. Leider etwas kurz im Abgang – 87/100. Dunn Howell Mountain hatte 1995 in der Wachau Aromen von Veilchenlakritz, sehr jung, reintöniger Cabernet, beachtliche Länge, große Zukunft, falls er jemals richtig reif wird - 94/100. Überragend 2007 ein Heitz Martha´s Vineyard. Dichte, noch ziemlich junge Farbe, klassische Bordeaux-Nase mit Zedernholz und altem Sattelleder, aber auch etwas animalisch mit Pferdestall, auch am Gaumen die Stilistik eines großen Bordeaux aus den 80ern mit viel Minze. Da war ich schon bei 96/100. Doch der Heitz legte mächtig im Glas zu. Nach gut einer Stunde war er noch komplexer und zeigte auch etwas Eukalyptus. Ein unglaublicher Wein, der sofort in meine Suchliste kommt – 97/100. 2009 zeigte er sich mit 94/100 etwas verhaltener, was wohl auch an mangelnder Dekantierzeit und am überragenden 69er im Nachbarglas lag. Zuletzt 2010 einfach ein Martha´s, wie er im Buche steht, kräftig, rustikal, animalisch, zupackend, Minze und Eukalyptus ohne Ende, ein echter Charakterstoff mit all den Ecken und Kanten, die diesen Wein so sympathisch macht – 94/100. 2011 auf der großen Heitzprobe der Ungers ein Martha´s, wie er im Buche steht, kräftig, rustikal, animalisch, mit viel Biss, Minze und Eukalyptus ohne Ende, ein echter Charakterstoff mit all den Ecken und Kanten, die diesen Wein so sympathisch macht und sehr guter Länge - 95/100. Bei diesem kernigen, sehr kraftvollen Charakterstoff mit Minze und Eukalyptus ohne Ende störte 2012 die strenge, an Figeac erinnernde Nase – 93/100. Sehr gerne und häufig habe ich Ende der 80er und Anfang der 90er im Düsseldorfer Caveau den Jordan Cabernet getrunken, sehr fruchtiges, würziges, leicht süßliches, intensives Bouquet, kräftig am Gaumen, etwas schwach im Abgang – 90/100. Ein Niebaum Copolla Rubicon war 2002 immer noch gut trinkbar, erinnerte mit seinen dunklen Aromen an Priorat, am Gaumen etwas austrocknend – 85/100. Zuletzt 2011 erdig, rustikal mit einem Hauch Minze - 85/100. Vom gleichen Weingut eher enttäuschend und flach 2005 ein Inglenook Cabernet Sauvignon Limited Cask Reserve Selection, ausdruckslos mit leichtem Alterston, baute im Glas rapide ab 80/100. Mondavi Cabernet Sauvignon Reserve aus der Doppelmagnum hatte 2016 immer noch eine sehr schöne, beerige Frucht, Minze, Leder, keinerlei Alter, gutes Gerüst reifer Tannine, ging stylistisch als schöner Medoc durch und legte enorm in der Karaffe zu – WT93. Extrem positiv überrascht war ich 2008 von einem Mondavi Pinot Noir. Reife Farbe mit deutlichen Brauntönen, wirkte mit seiner malzigen Süße zu Anfang wie ein alter Rioja, doch dann kam immer mehr reifer, feiner, leckerer Pinot durch, entwickelte immer mehr unendlichen, seidigen Schmelz. Ein absoluter Faszinationswein, jetzt sicher auf dem Höhepunkt und an große, alte Burgunder erinnernd - 95/100. Eine "vergessene" Flasche Chateau Montelena zeigte im Herbst 2005 eindrucksvoll das gewaltige Alterungspotential älterer Kalifornier und insbesondere dieses Gutes. Feine Johannisbeerfrucht, die Stilistik eines Medoc aus dem gleichen Jahr und kein Anzeichen von Schwäche - 88/100. Wie eine Eins stand der leicht rustikale, immer noch so junge und kräftige Chateau Montelena 2012 im Glas. Besaß die Stilistik eines guten Medoc und kommt wohl erst in 10 Jahren richtig – 94/100. Zweimal habe ich 1999 Phelps Eisele Vineyard getrunken und jedes Mal gedacht, einen großen 94er vor mir zu haben. So ein reichhaltiger, konzentrierter und immer noch jung wirkender Wein mit toller Frucht und schöner Mineralität – 95/100. Ging auch 2012 wieder als großer Bordeaux durch, erstaunlich fein, fruchtig und minzig – 94/100. Noch so eine kalifornische Erfolgsstory aus 81 ist Ridge Monte Bello. Den in eine Blindprobe, und alles tippte auf einen großen, reifen Latour. Ich bin selbst ein paar mal darauf reingefallen. Seit 1990 gut 20mal getrunken und konstant mit 94/10 und mehr bewertet. Die (vorläufig letzte Flasche 2003 wieder ganz großer, reifer Latour. Silver Oak Bonny´s Vineyard hatte ich zuletzt 201 aus der Magnum, immer noch mit einer frischen, pikanten, pfeffrigen Frucht und einem Schuss Dill und Minze, auch am Gaumen durch die kräftige Säure noch erstaunlich frisch und lebendig – 92/100. Sehr gut hat mir 1989 auch der sehr fruchtige ZD Cabernet Sauvignon gefallen.

Begeistert waren wir 1989 von einem Grgich Chardonnay, ein unglaublich konzentrierter, sehr langer Wein. buttrig, nussig, aber überhaupt nicht fett, intensive, gut eingebundene Holznote, wir haben während der Messetage den gesamten Bestand des Hotels geleert – 96/100.

Nie anfreunden konnte ich mich mit Penfolds Grange. Dreimal habe ich ihn getrunken, 1996 in einer privaten Probe, 1999 auf der Grange-Probe in Lehrbach und dann noch mal 2001 auf der Probe eines guten Weinfreundes. Verwöhnt durch die sonst verschwenderische Aromatik der Granges kam ich mit diesem dürr und unnahbar wirkenden Tanninmonster nie klar. Und dann 2004 endlich ein schöner, reifer, kleiner Grange, der sich im Glas wunderbar entwickelte - 94/100. Doch das muß eine Ausnahme gewesen sein. 2008 verwöhnte uns der Grange mit einer einfach geilen, offenen Cassis- und Eukalyptusnase. Durch die immer noch vorhandenen, massiven Tannine wirkte er nicht nur am Gaumen etwas schlank und noch sehr jung. Dieses Monster verschloss sich mit der Zeit auch noch wieder im Glas. Ein Grange gemacht für die Ewigkeit, durch sein strammes Tanningerüst immer sehr kontrovers beurteilt, auch von mir. Aber das scheint so eine Art 28er Latour aus Australien zu sein. Da sind einfach noch mal 10 Jahre warten angesagt, bis der voll aufblüht – 94+/100. 2013 auf Eugen Häfligers großer Grange Probe noch so jung mit viel Cassis und schöner Süße, dicht, füllig und mit gewaltiger Länge - WT97.

Eigentlich kein großes Champagnerjahr.

Der Clos du Mesnil hatte 2015 so eine ausdrucksstarke, mineralische Nase, tolle Frucht, viel Orange, nussig, rauchig, ledrig, am Gaumen geradezu kernig mit enormer Kraft und deutlicher Säure, dabei so komplex, so druckvoll und so lang. So liebe ich Champagner, das war hier so eine Art Chateau Lafleur du Mesnil, groß! – WT99.