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1983

Ein faszinierendes Weinjahr, 1983. Viele früh reife, charmante, schmeichelnde Weine, von denen ein Großteil schon längst abbaut. Aber auch eine ganze Reihe sehr interessanter Langstreckenläufer. Dazu ist 1983 immer noch recht bezahlbar. Latour, Cheval Blanc und La Mission z.B. sind als 82er sündhaft teuer und brauchen noch Zeit, als 83er dagegen deutlich preiswerter und derzeit ein Hochgenuss.

Sicher ist 1982 für Bordeaux insgesamt der größere und wohl auch langlebigere Jahrgang. Doch Ausnahmen bestätigen die Regel, und davon gibt es in 1983 einige. Gut gelagerte 83er Bordeaux der besseren Güter kaufe ich immer noch nach.

Calon Ségur war 1990 bereits voll ausgereift und wirkte recht rustikal – 87/100. Dürr 2006 der Cos d´Estournel. Fehler hatte dieser Wein keinen außer den, dass er auch keine Höhepunkte hatte – 86/100. Erstaunlich frisch und aromatisch 2013 auf Elke Dreschers Cos-Probe – WT92. Wirkte 2016 mit kräuteriger Herbe etwas flach – WT85.

Mehrfach Ende der 80er getrunken ein Artigues Arnaud, ein fruchtiger, unkomplizierter Pauillac, der inzwischen längst das Zeitliche gesegnet haben dürfte. 1988, als die Airlines noch nicht so knauserig waren, gab es Batailley bei Lufthansa auf der Langstrecke, ein durchaus schöner Genuss auf 88/100 Niveau. 1995 aus der Magnum machte der Batailley schon einen verdammt reifen Eindruck mit heller Farbe – 85/100. Kaum etwas falsch machen kann man bei Grand Puy Lacoste. 2000 aus der Magnum traumhaft gereifter Cabernet mit feiner, rotbeeriger Frucht – 92/100. 2011, ebenfalls aus der Magnum, weich, süß, aromatisch und schmelzig mit der für GPL so typischen, reifen Johannisbeere, am Gaumen nicht so dicht und kräftig. Einfach traumhaft gereifter Cabernet, der es in der Magnum noch etliche Jahre machen wird – 92/100. Überhaupt nicht angetan war ich 1986 von Lafite Rothschild, einem zähen, spröden Brocken auf 84/100 Niveau. 1997 in einer Probe präsentierte er sich deutlich offener mit einer korinthigen Süße, die Nase dabei deutlich besser und schöner als der kompakte Gaumen – 91/100. 2007 auf der Braui Best Bottle ein klassischer Lafite im perfekten, alten, dem Terroir entsprechenden Stil. Ein feiner, eleganter Wein mit rotbeeriger Frucht, am Gaumen Finesse pur mit wunderbarem Schmelz – 94/100. Kurz danach auf Sylt ein klassischer Lafite mit der unendlichen Eleganz und Finesse, mit der dieses Gut 2 Jahrhunderte lang weltweit Weinliebhaber faszinierte, sehr pikante, leicht pfeffrige Frucht, wunderbare Länge am Gaumen. Da waren dann wieder, wie zuletzt auch 2008 an gleicher Stelle 94/100 im Glas und bei einem zweiten Besuch 95/100. Auch 2010 in Geisels Vinothek in München auf diesem Niveau. Wer noch einen bezahlbaren Lafite im früheren Stil sucht, nicht die modernen, konzentrierten, überteuerten Latour-Imitate, der sollte sich auf die Suche nach diesem Wein begeben. 2011 im Schwarzen Adler in Oberbergen, meine bisher jüngste Flasche dieses großartigen, klassischen Lafites, sehr fein, sehr elegant, Lafite pur mit Minze, Leder und sogar einem Hauch Eukalyptus, ein sehr stimmiger, harmonischer Wein – 94/100. 2013 ein hoch eleganter, perfekt balancierter Schmuse-Lafite – WT96. 2015 wieder ein perfekt gereifter, großer, klassischer Lafite – WT95. Was soll man als armer Weintrinker von Latour halten? 88/100 bei Parker, 19/20 bei Gabriel – und nun? Einfach selber trinken. 1996 habe ich das zum ersten Mal in Rom im Cavallieri Hilton bei Heinz Beck getan, ein sehr ansprechendes, schon ziemlich reifes Latour-Erlebnis – 93/100. 1997 und 98 zwei muffelige, unbefriedigende Flaschen mit Kellerton aus eigenen Beständen und bei der Paulson-Probe in der Krone, aber auch ein Klasse-Flasche bei Jörg Müller, auf dem Punkt mit Kraft, aber auch wunderschöner, reifer Cabernet-Würze, dichte Farbe ohne Alter – 95/100. 1999 wieder auf diesem Niveau, und als ich mir 2001 aus eigenen Beständen mit einem Traum-Latour die Frage stellte, ob das wohl der zweite 71er wird, habe ich mir die Antwort ein paar Monate später selber mit einer weiteren Top-Flasche gegeben: Er wird´s und ich kaufe zu. Bestätigt 2007 bei Heinz Winkler in Aschau mit einer wunderbaren, trüffeligen Flasche auf 95/100 Niveau. Ähnlich dann noch mal 2008. Trank sich 2009 aus der Magnum und zuletzt mehrfach 2010 aus der 1tel und Magnum wunderschön und erinnerte mit seiner trüffeligen Fülle und der klassischen Walnuss-Bitternote an den 71er. Jetzt auf dem Punkt aber mit noch genügend Reserven für 10+ Jahre – 95/100. Zuletzt Ende 2010 musste er sich hinter dem 82er nicht verstecken – 96/100. Auch auf Elke Dreschers Latourprobe 2011 noch so jung, so dicht, so druckvoll, aber gleichzeitig voll da, einer der derzeit schönsten, trinkbaren Latours überhaupt – 96/100. Mehrfach in 2012 und 2013 mit konstant WT95-96. Ein Traum 2014 2mal aus der Magnum, wie eine jugendliche, noch bessere Variante des 71ers, einfach (an)gereifter Latour vom Feinsten mit Reserven für lange Jahre – WT96. Auch 2015 mehrfach aus 1tel und Magnum auf diesem Niveau – WT96. Zeigte 2017 aus der Magnum als modernere, jüngere Variante des 71ers schon unglaublich viel, aber noch längst nicht alles – WT96. Das gilt leider nicht immer für Les Forts de Latour. Der schien leider etwas dünn und schwächlich geraten. Mehrfach in der ersten Hälfte der Neunziger getrunken und nie höher als 84/100 bewertet. 2012 war er überraschend gut, dem Grand Vin in der Stilistik sehr ähnlich – 92/100. 2013 nicht auf diesem Niveau und auch 2015 wieder weich, reif und recht harmlos – 89/100. 2016 dann absolutes Grand Cru Niveau. So mineralisch, so jung, so viel Tiefgang und die klassische Walnuss-Aromatik von Latour - WT95. Lynch Bages erreichte in meinen zahlreichen halben Flaschen Mitte der Neunziger seinen Höhepunkt, ein schöner unkomplizierter 89/100 Genuss. Auch in der 1tel dürfte der Lynch Bages inzwischen seinen Genusshöhepunkt deutlich überschritten haben. War 2008 selbst aus der Jeroboam schon sehr reif und auf dem Punkt mit herrlichem, süßem Schmelz. Einfach der Prototyp eines modernen, reifen Lynch Bages, hedonistisch-üppig, unkompliziert und unglaublich lecker - 93/100. Wirkte 2015 aus der Magnum Wirkte reif, weich, elegant mit viel Zedernholz und um Längen von den großen Lynchs aus 82, 89 und 90 entfernt – WT91. Kontinuierlich hat über die Jahre Mouton Rothschild zugelegt. Der Wein ist inzwischen deutlich fülliger und fleischiger als in den Neunzigern, wo ich ihn kontinuierlich als eher kleinen, feinen Mouton mit 90/100 bewertet habe. 2002 eine wunderbare Magnum, 92/100. Dann war er in der großen Mouton Probe auf der Stromburg 2004 eine große Überraschung, ein wunderbar gereifter, klassischer, kräftiger Mouton mit feiner Zedernholznote 94/100. Zuletzt 2006 bei Jörg Müller auf Sylt Mouton vom Feinsten. In der Nase erst etwas animalisch, mit der Zeit kamen dann wie am Gaumen Leder und Bleistift. Unendliche, seidige Eleganz. Wirkt zwar reif, dürfte sich auf diesem Niveau aber noch einige Jahre halten. Da lohnt die Suche nach gut erhaltenen Flaschen – 94/100. An einer weniger guten Flasche im Herbst 2006 sah man, wie wichtig es ist, wenn ein Mouton noch nicht zu viele Besitzer hatte. Begann mit einer massiven Liebstöckelnase, wurde dann mit der Zeit im Glas deutlich besser, entwickelte sich und zeigte die Mouton-typischen Beistift- und Ledernoten – 91/100. 2007 wieder in Topform – 94/100. 2008 sehr fein und elegant, die klassische Nase mit Leder, Minze und Bleistift, im Abgang reichlich Schwarztee, reif und auf dem Punkt – 94/100. Auch 2009 aus der Magnum auf diesem Niveau. 2011 meine bis dato beste Flasche, ein großer, klassischer Mouton ohne Alter. Schon gewaltig, wie auch dieser 83er immer mehr zulegt – 96/100. Auf der Mouton Probe im Balm 2013 aus der Magnum Mouton pur mit der klassischen Mouton-Aromatik, eine Nase zum stundenlang dran riechen, enormer, aromatischer Druck am Gaumen, aber auch seidige Eleganz, reichlich Zukunft – WT95. Und auch die erste Flasche 2014 war wieder auf diesem Niveau. 2015 mehrfach ein großer, kompletter Mouton, der aus dieser perfekten Flasche noch so unglaublich jung wirkte – WT96. Kurz darauf 2015 auf dem Rheingau Gourmet Festival und mehrfach danach ein erotischer Traum-Mouton mit Süße, Charme und gutem Rückrat – WT97. Noch unglaublich jung mit viel Zukunft 2015 aus der Doppelmagnum – WT96.

Zu den mit Abstand schönsten 83ern zählte für mich immer die Pichon Comtesse, die inzwischen allerdings auch ihren Zenit erreicht hat. In der ½ Flasche habe ich mich (nach 24 wunderbaren Exemplaren, meist mit 95/100 bewertet) bereits seit ein paar Jahren von der Comtesse verabschiedet. In der 1tel (über 20 begeisterte Notizen aus den letzten 15 Jahren, fast konstant auf 95/100 Niveau) kann die Comtesse immer noch je nach Lagerung Wein-Hedonismus in seiner schönsten Form bedeuten, so Ende 2005, traumhaft elegant, seidig, weich, sehr lang am Gaumen - 95/100. Im Januar 2006 dann aus dem Keller eines Weinfreundes sogar eine noch richtig jugendlich wirkende Flasche. 2008 unverändert großartiger Stoff, trüffelig, würzig, kraftvoll und dabei trotzdem so elegant, ein Cashmere-Pulli für den Gaumen – 95/100. 2011 ein Wein, der einfach nicht altern will, so elegant, seidig weich mit irrem Schmelz, ein Gaumenschmeichler in Perfektion – 95/100. 2013 mehrfach mmer noch so jung, elegant, frisch, süß, schmelzig mit süßer, roter Frucht – WT94. 2014 eine feine Magnum – WT93. Für perfekte Lagerung bedankt sich diese noch so jugendlich frisch wirkende Comtesse 2016 mit einem seidigen Cashmere Überzug für Gaumen und Seele - WT95. 2017 Comtesse pur, darunter Druck und Struktur eines großen Pauillac ohne Alter – WT95.

Immer noch kräftig mit Minze und etwas Eukalyptus 2015 der Beychevelle – WT89. Wenig Freude machte 1993 ein Clos du Marquis, tiefe, dunkle Farbe, kein Alter, sehr eckig und sperrig, wenig Finesse, brauchte gut 2 Stunden, um sich einigermaßen zu öffnen – 83/100. Ducru Beaucaillou war 2009 auf der großen Ducru-Probe in Krems ein dichter, kräftiger, aber verdammt schroffer Wein, erdig, mit Kaffee und Leder als Fruchersatz und immer noch Tanninresten, trinkbar ja, Genuss eher nein – 85/100. Sehr gut gehalten und entwickelt hat sich Gruaud Larose. 1994 aus der Jeroboam getrunken, fand ich den Wein schon sehr reif. Doch eine 1tel 2003 bei Jörg Müller zeigte keinerlei Schwächen und war ein klassischer, reifer, schmeichlerischer Gruaud, der anscheinend noch zulegt – 91/100. 2006, wieder bei Jörg Müller, hatte er eine intakte, dichte Farbe ohne Reifetöne. Traumhafte Nase, am Gaumen reif mit guter, tragender Säure, sehr elegant mit feiner Rustikalität, einfach schön – 92/100. 2015 aus der Magnum und kurz darauf aus der 1tel noch voll da und sehr schmeichlerisch elegant – WT92. In der halben fand ich Leoville las Cases schon 1992 recht zugänglich mit wunderbarer Frucht, und so verschwanden dann in den folgenden Jahren meine 6 halben Flaschen auf ganz natürlichem Wege. 1997 dann noch mal eine 1tel, ein kräftiger, gut strukturierter Wein, der schon erste Reife zeigte, sicher aber noch einige Jahre Potential hat – 90/100. 2006 meine bisher mit Abstand beste Flasche, ein überraschend junges, konzentriertes Powerteil, die zu Anfang störende Brett-Nase verschwand rasch – 93/100. Auf René Gabriels Las Cases Vertikale 2010 war das ein kräftiger, sehniger, strenger, leicht animalischer Wein mit viel Brett in der Nase, dem Frucht und Trinkfreude etwas abgingen – 87/100. In besseren Flaschen sind da immer noch bis zu 5 Punkte mehr drin. Aus der Magnum war das 2014 ein altersfreier, sehr gelungener Las Cases – WT93. Eine Liga darüber spielt Léoville Poyferré. Nach ein paar weniger überzeugenden, halben Flaschen 1999 im Düsseldorfer Hummerstübchen erstand ich noch im selben Jahr in Frankreich eine OHK, in der jetzt nur noch 4 Flaschen liegen. Zwischen 2000 und 2004 bedeutet das 8 großartige Bordeaux-Erlebnisse mit einem großen, reifen Cabernet mit unglaublicher aromatischer Dichte und langem Abgang. Ertrug mit Leichtigkeit nicht nur größte Gläser, sondern auch längeres Dekantieren. Konstant mit 94-95/100 bewertet. Fazit: da muss dringend noch eine Kiste her! Doch bitte aus guter Quelle, denn eine preiswerte Ebay-Flasche war 2008 säuerlich und deutlich auf dem Abstieg – 87/100. Ebenso eine weitere Flasche 2009. 2011 dann wieder in alter Klasse, sehr viel aromatischer Druck und generöser Schmelz, immer noch eine Suche wert und in 83 ein Wein in der Klasse der Weine aus der Appelation Margaux – 94/100. 2012 erste Reifetöne in der Farbe, ein reifer, sehr eleganter, typischer St. Julien, sehr nachhaltig, warm-würzig, voll auf dem Punkt, sehr balanciert mit feiner Süße – 93/100. 2016 noch so vital und kraftvoll, sehr würzig und kräftig mit frischer Frucht, Tabak, Zedernholz und sehr guter Länge am Gaumen, durchaus noch mit Zukunft - WT93. St. Julien in Perfektion bot in den 90ern auch Talbot, den ich aus der ½ meist mit 92/100, aus der 1/1 mit 93/100 und 1995 aus einer faszinierenden, blutjungen Jeroboam mit 95/100 bewertet habe. Sicher insbesondere in Großflaschen immer noch ein toller, bezahlbarer Wert. Zuletzt 2008 in der Talbot-Vertikale sehr reif, auch in der relativ hellen Farbe. Florale Nase, ein sehr feiner, eleganter Wein, der in der 1tel langsam getrunken gehört – 89/100. Anders natürlich in der Großflasche. Aus der Jeroboam war das Potential dieses herrlichen St. Julien mit seiner ledrigen Nase 2008 sicher noch ein gutes Jahrzehnt – 92/100, was sich 2011 mit der nächsten Jero voll bestätigte. 2015 aus der Magnum ein feiner, eleganter, reifer Wein, der langsam getrunken gehört – WT89. Das gilt nicht für gut gelagerte Großflaschen, 2015 auf der Müller-Hochzeit aus der Jeroboam perfekt gereift und immer noch so frisch – WT95. Auch 2016 kurz vor Weihnachten – WT95.

Belgrave war 1991 schon voll reif – 87/100. Einer meiner Lieblingsweine in 83 mit einem Top-Preis-/Leistungsverhältnis ist Cantemerle. Zum ersten mal habe ich ihn 1998 aus der Doppelmagnum getrunken, traumhafte Nase, da war eine ganze Schokoladenfabrik drin, dichte Farbe und sehr schön am Gaumen. Wie gut er wirklich war merkte man danach bei einem 89 Beaucastel, der im Vergleich richtig harmlos wirkte – 93/100. Zwischen 1999 und 2001 dann vier überzeugend Magnums auf ähnlichem Niveau. Bei 1teln aus wärmeren Kellern ist sicher schon Vorsicht geboten. So 2006, Immer noch sehr junge, dichte Farbe, kraftvoll am Gaumen, aber auch etwas rustikal, der Schmelz ist weg – 88/100. Ähnlich 2007 eine Magnum, wieder sehr dichte Farbe, wirkte aber auf hohem Niveau rustikal und auch etwas verschlossen - 89/100. Schon lange hin ist der Anfang der Neunziger häufig gerne getrunkene

Chasse Spleen. Da war schon 1994 nicht nur die Farbe bräunlich und die Frucht verschwunden. Aus einem fruchtig-leckeren Tropfen auf 86/100 Niveau war ein ledrig-sprödes Etwas ohne Charme geworden. Als sehr langlebig könnte sich der sehr tanninreiche La Lagune erweisen, wenn er denn jemals richtig reif wird. Ich habe ihn nur einmal getrunken, 1997 auf Sylt, wo er einen passablen, aber noch viel zu jungen und etwas eckigen Eindruck machte, die doch etwas grünen Tannine ließen grüßen – 86/100.

Immer noch gut trinkbar, aber sehr gewöhnungsbedürftig war 2003 in Boston Boyd-Cantenac. Dieser sehr erdig wirkende, rustikale Tropfen schmeckte wie frisch aus dem Blumentopf -87/100. Kirwan war 2014 aus der Magnum immer noch sehr gut trinkbar, ein gefälliger, weicher, reifer Wein mit erdiger Mineralität, der gut im Glas ausbaute – WT90. Riesengroß kann Margaux sein, aber leider ist das eine Rose mit viel Dornen. 1990 in Margaux selbst ein ziemlich verschlossener Riese mit fantastischer Zukunft. 1994 auf der großen Margaux-Probe in Mautern erstaunlich weit, fast überreif, süßlich mit zuwenig Konzentration – 92/100. 1997 auf der Paulson-Probe dichteste Farbe des Flights, sehr konzentriert, intensive Süße, auch versteckte Opulenz, ganz großer Stoff, erst am Anfang, hat das Zeug zum 98-100 Punkte Wein. Ein paar Monate später in Bargum, sehr dichte, junge Farbe ohne Alter, da ist eher noch Purpur drin, gewaltiges Fruchtkonzentrat mit kräftigen Tanninen, mehr Kraft als Finesse, unglaublich druckvoll am Gaumen, die Kraft und die Herrlichkeit - 97+/100. Danach 1998, 99 und 2000 wieder mehrere sehr verschlossen wirkende Flaschen. 2000 und 2001 dann mehrfach an unterschiedlichen Orten sehr besorgniserregende Flaschen, Powerfarbe, aber das war´s leider auch, etwas vegetale, grüne Aromen, ließ nichts raus, dazu ein fast korkähnlicher Kellerton. 2003 endlich wieder eine Top-Flasche, ganz großer, sehr kräftiger Wein, sehr dichte, junge Farbe, massive aber reife Tannine, kommt ganz langsam im Glas, noch 10 Jahre weglegen. 2004 offen, mit irrer aromatischer Dichte - 97/100. 2005 aus einer ½ Flasche zu Anfang wunderbar kräftiger Stoff, der sich im Glas wieder verschließt. Und Ende 2005 stand nun vor uns endlich ein kompletter, großer Wein, die Eisenfaust im Samthandschuh, Kraft und Finesse hervorragend gepaart mit toller Frucht und irrer Länge am Gaumen – 98/100. Das heißt zweierlei. Erstens fährt dieses irre Konzentrat bis zur endgültigen Genussreife wohl noch eine Weile mit uns Achterbahn. Und zweitens gibt es von außen nicht erkennbare, merkwürdige Flaschen. Da sind wohl noch einige Jahre Warten angesagt und leider auch eine Portion Glück. 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe ein kompletter, großer Wein, die klassische, Margaux-typische Eisenfaust im Samthandschuh, Kraft und Finesse hervorragend gepaart mit toller Frucht und irrer Länge am Gaumen, ein Wein gemacht für sicher noch 2-3 Jahrzehnte - 99/100. Zuletzt 2008 wieder ein schlichtweg atemberaubender, kompletter Wein, der auf unnachahmlicher Art und Weise Eleganz und unbändige Kraft miteinander verbindet – 98+/100. Danach in 2008 auf einer Best Bottle wieder faszinierender, monumentaler Wein auf dem Wege zur Perfektion – 99/100. Und leider 2010 erst wieder diese grausige Variante, alter Pappkarton, nasser Hund, Paprika, ein großes 1er Cru Ärgernis. Kurz danach das absolute Gegenteil. Ein Monument ist dann in der guten Version dieser irrsinnig dichte, konzentrierte Margaux, ein kompletter Wein, der auf unnachahmliche Art Eleganz und unbändige Kraft miteinander verbindet, eben die klassische Eisenfaust im Samthandschuh – 99/100. 2012 wieder diese göttliche 99/100 Variante. Und 2012 aus der Halben schlichtweg perfekt – WT100. 2014 aus der 1tel noch so blutjung – WT99. Und noch jünger mit Potential für Jahrzehnte 2014 aus der Magnum – WT98+. 2015 aus der Halben kernig, kräftig mit erdiger Mineralität, enormer Tiefgang und Länge. Gewaltiges Langstreckenpotential, der Samt wird auf dem unzweifelhaften Weg zur Perfektion sicher noch zunehmen – WT99. Und 2015 eine weitere Magnum, groß, sehr jung und anoch etwas bissig – WT97+. Natürlich musste ich 1995 auch mal einen Marquis d´Alesme Becker probieren, erstaunlich dichte Farbe mit nur ganz leichten Braunrändern, Nase wirkte wie schlecht gelüfteter Kleiderschrank, sehr schön mit viel Kraft und Länge am Gaumen – 86/100. Ein traumhafter Wein war in seiner Jugend bis etwa 1990 Palmer mit einer unglaublichen Opulenz und Fruchtsüße, damals mehrfach mit 96-97/100 bewertet. Dann kam eine gut 10jährige, harte Phase, in der ich am Palmer schier verzweifelt bin. Immer wieder habe ich ihn probiert, aus unzähligen halben und etlichen ganzen Flaschen, meist völlig enttäuschend, ab und an blitzte mal leicht die alte Klasse auf. Erst 2001 dann in einer Probe eine Magnum mit tiefer, junger Farbe und viel Kraft am Gaumen – 95/100. 2003 in einem Traumflight mit 83 Comtesse beide sehr jung, finessig mit toller Frucht – 95/100. 2005 ein druckvoller Spitzen-Palmer, nähert sich der Trinkreife - 95/100. Hat bei entsprechender Lagerung sicher noch 15-20 Jahre Potential, wird sich noch steigern und hat das Zeug zum legitimen Nachfolger des legendären 61ers. Ende 2005 ein sehr feiner und eleganter Wein mit burgundischer Eleganz. Delikate Frucht, Edelhölzer, Finesse ohne Ende und tolle Länge am Gaumen – 96/100. 2007 rauchige Nase, delikate Frucht, Zedernholz, sehr fein mit fast burgundischer Eleganz. Ein eleganter, hocharomatischer Wein mit dezentem Schmelz, der in 5 Jahren aus guten Flaschen noch deutlich mehr zeigen wird, als die heutigen 95/100. Auch 2008 weiter auf dem besten Wege zur Spitze, ein sehr aromatischer, eleganter Wein mit delikater Frucht, Zedernholz und burgundischen Konturen, aber auch noch massiven Tanninen – 95+/100. 2009 auf René Gabriels Palmer-Vertikale wieder ein hocharomatischer, eleganter Wein mit delikater Frucht, Zedernholz und burgundischen Konturen, aber auch noch massiven Tanninen, in dieser Flasche hier noch sehr jung und etliche Jahre von der Trinkreife entfernt – 94+/100. Deutlich offener dann 2009 aus der Halben, üppig, füllig, süß, mit betörender Aromatik, so elegant und einfach schön, burgundisch im besten Sinne – 97/100. Hat das Zeug dazu, mal ein legitimer Nachfolger des 61ers zu werden. 2010 bei Jörg Müller auch aus der 1tel Eleganz, Kraft, Länge, einfach betörend mit druckvoller Aromatik – 97/100. 2011 allerdings wieder eine sehr verschlossen wirkende Flasche – 90+/100. 2013 in der Tante Anna und danach in der Wiin Kööv ein hoch eleganter, nachhaltiger Traum - 97/100. Ende 2013 noch eine perfekt gelagerte, sehr junge Flasche bei Elke Drescher – WT96+. 2014 mit burgundischer Pracht und süßer Schmelz, ein hoch erotischer Wein – WT97. So auch 2015 aus der Halben – WT97. 2016 schlichtweg genial, legte sich mit Samt und Seide auf unsere Gaumen und auch unsere Seele - WT97. War Ende 2016 aus der Magnum seiner pikanten Frucht, Zedernholz, druckvoller Aromatik und den für große Palmers so typischen, burgundischen Konturen ein Palmer auf dem Weg zur Legende – WT98. Meine letzten Pavillon Rouge(von insgesamt 24) habe ich 1997 getrunken, seinerzeit immer konstant mit 89-90/100 bewertet, aber mittlerweile sicher auf dem absteigenden Ast. Rausan Ségla hatte 2001 aus der Magnum eine kräftige Farbe, viel Kraft, aber wenig Schmelz - 91/100.

Nur noch Geschichte dürfte inzwischen Carbonnieux sein. 1989 gab es diesen damals sehr aromatischen, fruchtigen Tropfen bei Lufthansa auf Europastrecken, 1990 auch bei mir zuhause, reifes 85/100 Vergnügen für wenig Geld. Those were the days. Harmlos und in dieser Flasche sicher bereits über Höhepunkt weg war 1999 Domaine de Chevalier – 85/100. Von Haut Brion war ich Mitte der 90er noch ziemlich enttäuscht. So 1994, kräftige Farbe, nur am Rand leichte Brauntöne, muskulöser, kräftiger Wein, gibt vom Bouquet noch nicht allzu viel her – 88/100. 1997 rauchig, etwas Tabak, aber auch verschwitzte Turnschuhe, schön, aber nicht groß - 91/100. Im selben Jahr noch 2 weitere Flaschen auf ähnlichem Niveau, aber erstaunlich reif und süß wirkend. Dann immer mehr zulegend. 2000 zweimal perfekt gereifter, wunderbarer, typischer Haut Brion, mit Bitterschokolade und der klassischen Cigarbox-Aromatik, in dieser Form sicher 93-94/100 und eine Suche wert. Zuletzt 2006 auf René Gabriels Haut Brion Probe ein komplexer, dichter Wein mit hohem Extrakt und feiner Süße, tabakige Nase, sehr lang am Gaumen und dem 82er deutlich überlegen – 93/100. Eher enttäuschend 2007 auf der Braui Best Bottle eine vielleicht nicht optimale Flasche mit viel Tabak, am Gaumen kräftig, aber rustikal, Pessac-Stilistik ohne Schmelz und Spaß, einfach nur schiere Kraft, monolithisch wirkend und eher anstrengend – 91/100. 2009 absolut faszinierend und ohne Schwächen. In der Nase die volle Ladung Weihnachtsgewürz, Lakritz, Süße, Maulbeeren, Cigarbox, Tabak und Leder, auch am Gaumen sehr druckvolle Aromatik – 94/100. 2012 perfekt gereift, aber ohne Alter, so fein, elegant und finessig, mit Leder, Teer, Cigarbox, aber auch viel Minze, ätherischen Noten und sogar Eukalyptus, bleibt lang am Gaumen und viel zu kurz im Glas – 94/100. Und Ende 2012 eine deutlich verhaltenere Flasche – WT90. 2015 mehrfach sehr gelungen, elegant – WT94. Noch eine Stufe drüber liegt der seit 1998 gut 35mal verkostete La Mission Haut Brion. Das ist La Mission vom Allerfeinsten, je nach Lagerung und Flaschengröße reif und auf dem Punkt, aber außer in der halben sicher noch mit 10+ Jahren Potential. Genial bei diesem Wein ist die Nase mit Zigarrenkiste ohne Ende. Da hält der Gaumen nicht ganz mit, hier ist der Wein reif, weich, sehr harmonisch, konstant mit 94-96/100 bewertet. 2006 bei Jörg Müller auf Sylt perfekte, klassische La Mission Nase mit Cigarbox, Tabak, Teer, aber auch etwas Kräutern, Minze und sogar einem Schuss Eukalyptus, so vielschichtig und komplex, am Gaumen viel Kraft und unglaubliche Länge – 96/100. Im Herbst 2006 bei einer Probe hatte ich das Gefühl, das er immer noch zulegt. Trotz scheinbarer Reife und der Zugänglichkeit hat dieser schon traumhaft zu trinkende, klassische La Mission genügend Rückrat für noch ein langes Leben – 96/100. 2007 auf der Braui Best Bottle und kurz danach auf Sylt immer noch sehr jung wirkend, dieser La Mission mit der perfekten, klassischen Nase mit Cigarbox, Tabak, Teer, aber auch etwas Kräutern, Minze und sogar einem Schuss Eukalyptus, so vielschichtig und komplex, am Gaumen sehr kräftig und lang. Sicher noch mit 15+ Jahren Potential Kraft - 95/100. 2008 einmal ein reifer, weicher Schmeichler – 95/100. Und dann noch in einer Probe eine perfekte Flasche, wirkte immer noch so dicht, jung und lang mit der klassischen Aromatik großer La Missions, da waren die 94+/100 fast zu geizig. Zuletzt 2009 aus der Magnum ein hervorragendes, immer noch jung wirkendes Exemplar mit der typischen Cigarbox-Nase, mit Tabak, Teer, Minze und Kräutern – 96/100. Ende 2009 bei Jörg Müller noch eine schöne, etwas weiter entwickelte 1tel – 94/100. Ähnlich mehrfach 2010. 2012 herrliche Nase mit Cigarbox, Tabak, Teer, getrockneten Kräutern, Minze und ätherischen Noten, malzige Süße und immer noch so viel Kraft und langer Abgang – 95/100. Die Krönung 2012 bei René Gabriels großer La Mission Probe eine Imperiale, ein unendlich schöner, feiner, reifer, aber aus der Impi immer noch jung wirkender La Mission, ätherisch die Nase mit einer faszinierenden Mischung aus Kräutern, Tabak, Teer Minze und einem Schuss Eukalyptus. Fleischig, dicht und lang am Gaumen – 96/100. Auch 2014 auf der Farnsburg noch so jung, so ätherisch und mineralisch mit unglaublicher Länge – WT96. In Bestform mehrfach 2015, scheint noch zuzulegen – WT96+. Und zugelegt hat er 2017 wieder – WT97.

Enttäuschend 2015 der etwas flach und ausdruckslos wirkende Angelus. Der war nie was und hat sich das perfekt erhalten – WT85. l´Arrosée war 2008 reif, aber noch längst nicht alt mit sehr feiner, delikater, leicht süßer Frucht, am Gaumen erstaunlich kräftig und immer noch Frische zeigend, da sind noch etliche Jahre Genuss angezeigt – 92/100. Zuletzt 2010 sehr feinduftig und elegant mit dezenter Süße und finessigem Schmelz, sicher auf Auktionen als absolutes Schnäppchen erwerbbar – 90/100. Sehr spröde und ungenerös wirkte 1992 ein Ausone – 86/100. 2011 ein reifer Ausone alter Schule, kräftig, würzig, mineralisch, aber auch rusikal und etwas eindimensional - 91/100. Meine beste Flasche 2014 bei Jörg Müller mit noch soviel Potential – WT93+. Gut gelungen ist in 1983 der Belair. 1998 habe ich ihn aus der Imperiale getrunken, trotz nicht allzu dichter Farbe absoluter Klassestoff, der erst nach 2 Stunden so richtig kam - 91/100. Einer der Stars des Jahrgangs und ein Wein mit trotz aller Reife immer noch großer Zukunft ist Cheval Blanc. Gut 3 Dutzend Mal durfte ich diesen großen Wein seit 1992 trinken. Immer wirkte er schon reif, mit der faszinierenden, typischen Cheval Blanc Nase, der druckvollen Aromatik und fast portigen Dichte am Gaumen und dem unendlichen Nachhall. Dabei legt dieser Wein in der Karaffe und im Glas kontinuierlich zu und erinnert stark an den legendären 47er. Das ist Cheval Blanc vom Allerfeinsten, konstant mit 95-97/100 bewertet. 2006 auf der großen Cheval Blanc Probe ein irres Konzentrat mit großer Fruchtsüße und Länge, leicht portig, immer noch jung mit viel Potential kam immer besser und war nach einiger Zeit fast perfekt – 98/100. 2007 kurz hintereinander eine Traum- und eine Stirnrunzel-Flasche. Und zuletzt 2008 ein portig-eleganter Traum – 97/100. Dann 2008 auf René Gabriels großer Cheval Probe eine perfekte, noch sehr junge Magnum, ein irres, kräuteriges Konzentrat mit hoher Lafleur-Affinität, ein noch sehr junger Langstreckenläufer mit großartiger Zukunft, der aber bereits eine gewaltige Aromendichte zeigt und viel Länge am Gaumen – 97/100. Zuletzt mehrfach in 2009 und 2010, 2011 und 2012 davon einmal aus der Magnum, mit konstant 97/10 bewertet. Die bisher beste Flasche dieses Weines 2012 während der EM sogar mit 98/100. Auch 2013 in der Wiin Kööv auf diesem Niveau, ein Traum in Seide mit dem unnachahmlichen Cheval Blanc Parfüm, mit dekadent süßer, leicht portiger Fülle, Eleganz pur, so druckvoll in der Aromatik und so unglaublich lang – 98/100. 2015 noch so jung – WT97+. Auch 2017 wieder ein großer Cheval Blanc mit noch viel Potential – WT97+. Figeac war 1989 ein kräftiger, schöner Wein mit Potential. Zuletzt 2011 aber ein anstrengender, fürchterlicher Wein, eine echte Strafe für Nase und Gaumen. Vielversprechend war 2010 bei Troplong Mondot die erstaunlich kräftige, dichte Farbe, wenig versprechend die seltsame, eher an Heizöl erinnernde Nase, nichts haltend der noch abstoßendere Gaumen, das Zeugs war wohl hin.

Bei Certan de May habe ich mich zwischen 1989 und 1997 bei zahllosen Gelegenheiten gefragt, ob er noch nicht oder nicht mehr reif ist, nur richtig schön habe ich ihn nie erlebt. Da waren nie mehr als max. 87/100 drin, meist weniger. Conseillante war schon 1992 voll auf dem Punkt, 1994 wurde die Farbe schon bräunlich, der Gaumen kam mit der faszinierenden Nase nicht mehr mit – 86/100. Frucht ist bei L´Evangile Fehlanzeige, einem eher rustikalen, kräftigen Wein in einem Stil, den man wohl als klassisch bezeichnet, 1997 in einer Probe mit 92/100 bewertet, Langstreckenpotential. Ziemlich bitter platt und enttäuschend 2008ein zu alter Fleur de Gay. Der schien schon länger auf dem Abstieg – 80/100. Sehr überrascht hat mich Ende 2009 bei Jörg Müller La Fleur Petrus, der mit schokoladiger Fülle auftrumpfte und keinerlei Anzeichen von Schwäche zeigte – 94/100. In diesem Jahr sicher besser als Petrus und in jedem Fall die klügere Wahl. Das zeigte auch 2010 eine überragende Magnum – 94/100. Auch 2016 immer noch voll da – WT94. Sehr schön entwickelte sich 2006 ein LaGrave Trignant de Boisset aus der Doppelmagnum. Ein feiner, kleiner, schmelziger Pomerol, der im Glas gut ausbaute und für eine Extraportion Schokolade als Nachdessert sorgte – 87/100. Großartig hat sich Lafleur entwickelt. Noch 1995 bei Jörg Müller fand ich ihn recht verschlossen mit kurzem Abgang. Zwei Jahre später bei Willi Krähling deutlich offener mit schöner Fruchtsüße – 95/100. 2003 klassisch würzig-kräuteriger, großer Lafleur – 96/100. 2005 nachts um 1 Uhr an der Bar des Hotel Greulich in Zürich in der Nase erst massiv weißer Pfeffer, wird dann animalischer, Leder, sehr nachhaltig und lang am Gaumen, im positiven Sinne kräuterig, ein großer Wein, der die Sinne forderte - 96/100. 2009 auf der Lafleur Best Bottle aus zwei halben Flaschen. Deutlich fruchtiger als alle Weine davor mit roten Beeren ohne Ende, immer noch jung und dicht und trotz kleiner Flasche mit viel Potential, aber insgesamt eine sehr feine, elegante Kräuter-Lakritzmischung – 95/100. Zweimal 2012 und zuletzt 2015 wieder Hedonismus pur mit Schmelz ohne, aber auch sehr komplex mit deutlichem Tiefgang, ein perfekter Petrus für Erwachsene, da ist jedes Glas zu klein – 98/100. Und so war er auch 2017 wieder, einzigartig – WT98. Großartige Zukunft. Lator-à-Pomerol war 2013 aus der Magnum ein perfekt gereifter Pomerol ohne Schwächen, sehr fein, elegant und seidig am Gaumen – WT92. Überhaupt nicht mit Ruhm bekleckert hat sich in 1983 Petrus, ein überteuerter Wein, um den man getrost einen Bogen machen kann. Wohlmeinende Freunde haben mich den Petrus im Laufe der Neunziger mehrfach probieren lassen. Da musste man schon intensiv auf das Etikett gucken, um mehr als 88/100 rauszurücken. Am besten gefiel mir da noch 2005 auf René Gabriels großer Petrus-Probe eine Magnum, erstaunlich dichte Farbe, wirkte kräftig und aromatisch, ein Wein, den man in dieser Form nicht unterschätzen sollte. Da könnte sich sogar noch was draus entwickeln - 91/100. Doch schon ein paar Wochen später wurde ich auf einer Drawert-Probe mit einer mickrigen, aber für Petrus in diesem Jahrgang eben typischen 1tel wieder auf den Boden der Tatsachen geholt. Ohne Blick auf´s Etikett hätte den Petrus wohl niemand als solchen erkannt. Ein eher kleiner Wein mit feiner Aromatik, aber für die Qualität hoffnungslos überteuert – 88/100. Auch 2009 aus der Magnum war das ein eher kleiner Wein – 88/100. Und dann 2012 eine sensationelle Flasche auf 95/100 Niveau. Ist da doch noch Zukunft? Le Pin habe ich 1992 im Vergleich zweier Magnums deutlich höher bewertet als Petrus. Zuletzt 2010 hatte er in der Nase feine, süße Beerenfrucht, einfach sehr sexy-schön mit feinem Schmelz, auch am Gaumen ein sehr feiner, eleganter Wein mit etwas Süße – 91/100. Blind hätte ich den Trotanoy 2010 bei Jörg Müller nach Pessac gesteckt. Neben der etwas rustikalen erdig-kräftigen Kräuternote waren da massig Teer, Tabak und Cigarbox, eigentlich La Mission pur, nur etwas kräftiger – 94/100. Etwas offener und weiter, aber auf gleichem Niveau 2010 eine Magnum. 2014 deutliche Tabaknase und intensive Mineralität, feiner, süßer Schmelz im Abgang – WT94. 2015 aus der Magnum weich, elegant, aber mit viel Druck – WT94. 2016 mehrfach so elegant, schokoladig und schmelzig, aber auch enorm druckvoll und würrzig mit feiner Kräuternote - WT96. Vieux Certan war 2005 auf der großen Vieux-Probe auf Lafers Stromburg erstaunlich reif, dabei sehr schön zu trinken, richtig süffig mit malziger Süße, lange aufheben würde ich so was aber nicht mehr - 91/100. 2014 sehr fein mit eleganter, rotbeeriger Frucht die Nase, am Gaumen mit guter Säure straff und mit einer leichten Schärfe – WT90

Carbonnieux Blanc hatte 1994 eine seltsame Petrol/Honignase, wirkte alkoholreich, am Gaumen etwas ausgezehrt – 78/100. Ausgetrunken habe ich zwischen 1997 und 2000 auch meine letzten 6 Flaschen Domaine de Chevalier Blanc. Der ist sicher noch nicht hin, aber meine Begeisterung für diesen hoffnungslos überteuerten Wein hielt sich stets in Grenzen. Mehr als 89/100 waren da nie drin. Groß und langlebig soll Laville-Haut Brion sein, der weiße La Mission. Ich hatte ihn leider nur 1994 in seiner verschlossenen Phase erlebt, da war er zu Anfang flach, kurz und enttäuschend, entwickelte sich später etwas mit intensiver Honignote – 87/100. Doch 2008 war er reif und gehörte getrunken. Kräftige Farbe, in der Nase Bienenwachs, etwas Apfelmus, dann immer mehr Trockenfrüchte, am Gaumen trotz aller Reife durch die prägnante Säure noch frisch wirkend, dabei sehr ausgewogen und harmonisch, wurde mit der Zeit immer nussiger mit deutlicher Bitternote im Abgang – 90/100.

Ein ganz großes Jahr für Sauternes, perfekter Spätsommer und reichlich Botrytis. Da entstanden grandiose Gewächse, üppig, früh zugänglich und doch mit großem Alterungspotential.

Noch ziemlich frisch mit heller Farbe, exotischer Frucht, dabei schlank und mit guter Säure wirkte 2015 der etwas verhaltene, im jetzigen Stadium nicht sonderlich süß wirkende Climens, der wohl nicht in der besten Phase war und noch zulegen dürfte – WT93+. Gut 15mal habe ich zwischen 1988 und 1998 Lafaurie-Peraguey getrunken, einen genialen Sauternes, der schon sehr früh unglaublichen Spaß machte und dessen hohes Niveau sich damals nicht im Preis niederschlug. Ende der 80er noch etwas plump und fett wirkend mit ausladendem Bouquet exotischer Früchte entwickelte er sich deutlich weiter, wurde feiner, nachhaltiger und wird auf 94+/100 Niveau sicher noch mehrere Jahrzehnte ein sicherer Wert sein. Grandios auch Rieussec, den ich zwischen 1988 und 1993 mehrfach mit großer Begeisterung getrunken habe. Das war damals schon ein absolut trinkreifer, spontan anmachender Sauternes, dem Yquem in mehreren direkten Vergleichen aufgrund seiner Offenheit überlegen, aber trotzdem mit gutem Alterungspotential. Zuletzt 2005 von der Farbe schon fast ein Rosé, wunderbar am Gaumen mit schöner Süße und gut balancierender Säure. Zugänglichkeit täuscht Yquem häufig nur vor. Junge Yquems können ganz reizvoll sein, doch sein wahres Potential zeigt dieser Wein erst mit zunehmender Reife, die sich nicht in Jahren, sondern in Jahrzehnten bemisst. Klar fand ich den Yquem schon 1988 groß, trotz damals noch massiver Säure. 1994 aus einer Magnum und 2001 aus der Jeroboam(!) fand ich ihn sogar schon recht reif. Seine wahre Klasse zeigte er für mich aber erst 2005 auf René Gabriels Petrus-Probe. Nur die brilliante, altgoldene Farbe zeigte, dass der ja inzwischen auch schon über 20 Jahre auf dem Buckel hat. So ein junger, faszinierender und vibrierender Wein mit feiner Frucht, toller Süße und für einen Sauternes irrer Süße, dazu feine Bittertöne. Der 83er Yquem hat das Zeug zu einer Legende und wird mal ein sehr gesuchter 100 Punkte Wein werden, bietet aber schon heute 97/100 Genuss. So etwas kauft man 1983 Geborenen für ihren 100sten Geburtstag! 2006 wirkte er erst mit seiner güldenen Farbe und der offenen Aromatik sehr weit und reif, brauchte aber in Wirklichkeit Zeit und wurde im Glas immer besser. Süß, Karamellig, finessig mit schönem Bitterton, für einen Sauternes sehr guter Säure und toller Länge am Gaumen – 97/100. 2008 aus der Magnum reife Aprikose, englische Orangen-Bittermarmelade, ein Hauch von Safran, immer noch jugendliche Frische und kräftige Säure. Trotz kräftiger, orangenroter Farbe war diese potentielle Legende noch erheblich zu jung. Klar war er trotzdem faszinierend, aber den eigentlich Genuss dessen, was wir da mit 94+/100 im Glas hatten, werden wohl erst in 50 Jahren mit 99-100/100 unsere Enkel und Urenkel haben. Ein riesengroßer Yquem gemacht für die Ewigkeit. 2015 sehr druckvoll mit Kraft, Süße, Fülle, Komplexität und Länge, dazu Crème Brulée und Orangen-Bittermarmelade – WT96.

Für Rote Burgunder galt der Jahrgang eher als schwierig. Ein paar großartige Erfolge, aber eben auch sehr viel Mist. Ich habe früher eigentlich immer einen Bogen darum gemacht, doch finde ich in letzter Zeit immer wieder Weine, die sich gut gemacht haben.

Der La Romanée von Bouchard besaß 2014, wohl mit der Hilfe von Herrn Chaptal, eine süße Kandisnase, am Gaumen prächtige Fülle, feine Süße und gute, balancierende Säure. Reif mit etwas Unterholz, aber für den Jahrgang höchst erstaunlich – WT93. Der Gevrey-Chambertin Clos St. Jacques von Clair-Daü war 2015 auf Sylt sehr reif mit heller Farbe und erdiger Mineralität, wirkte schon leicht gezehrt – WT88. Betörend, sehr elegant und feingliedrig 2015 bei Jörg Müller ein Musigny von Drouhin, der im Glas unglaublich ausbaute - WT94. Schon etwas müde war 2009 aus der Magnum eine Hospice de Beaune Corton Cuvée Dr. Peste. Kräftige Säure, eher welke Frucht, erinnerte an (zu) alte, deutsche Spätburgunder und machte nur noch wenig Freude – 85/100. Überraschend gut 2017 der Bonnes Mares von Louis Latour, der sich noch sehr präsent zeigte. Sehr fein die Nase mit pikanter, roter Waldbeerfrucht, seidige Eleganz am Gaumen – WT94. Voll auf dem Punkt 2015 ein Echezeaux von Michel Noellat, sehr würzig, komplex mit schöner Süße – WT95. Ein Clos de la Roche von Armand Rousseau wirkte 2012 im Schwarzen Adler in Oberbergen zu Anfang etwas verhalten in der feinfruchtigen Nase, aber mit schönem Fruchtspiel am Gaumen und immer noch erstaunlicher Kraft, baute enorm im Glas aus und holte locker auf, was die(allerdings auch immer besser werdende) Nase am Anfang versäumte, blieb sehr lang am Gaumen – 92/100. An gleicher Stelle dann 2013 ein Charmes Chambertin von Armand Rousseau, wirkte reif und jung zugleich mit pikanter Frucht, samtiger Fülle und erdiger Mineralität. Die gute Säurestruktur wird diesem Wein noch ein langes Leben bescheren – 95/100.

Generell war der Jahrgang 1983 für Weiße Burgunder besser als für Rote. Viele körperreiche Weine mit hohen Alkoholgraden. Viel weiße Burgunder zeigten aber auch schon Anfang der Neunziger deutlich Alterstöne und verabschiedeten sich schnell.

Kräftig und intensiv war 1992 ein Meursault Genevrières vom Chateau de Beaune, mir fehlten aber zu einem richtig großen Wein Frucht und Finesse – 86/100. An große kalifornische Chardonnays erinnerte 1991 in seiner ausdruckstarken, üppigen, fast buttrigen Art ein Musigny Blanc des Comte Vogüe- 96/100. Ein sicherlich immer noch sehr interessanter, wenn auch nicht gerade billiger Langstreckenläufer dürfte der Le Montrachet von DRC sein. 1995 stand dieser Riese noch ganz am Anfang, war wuchtig, alkoholreich, brauchte viel Luft und Zeit, zeigte erst ansatzweise, was in ihm steckt, heute sicher ein 95+/100 Wein. Auch ein Le Montrachet von Jacques Germain war 1998 in Schuh´s Insel gut trinkbar und entwickelte sich mit Luft und Temperatur im Glas, lies aber echte Montrachet-Klasse vermissen und war sehr kurz am Gaumen – 87/100. Zu meinen Lieblingsweine bis Mitte der 90er zählte Clos des Mouches von Drouhin, konstant mit 94-96/100 bewertet, doch bei der letzten Flasche 1998 war die tiefgoldene Farbe leider das schönste an diesem Wein, der nur zwischendurch immer noch mal aufflackerte und an alte Größe erinnerte – 83/100. Viel Zeit und Luft brauchte 2014 der großartige, komplexe Le Montrachet von Louis Latour, tiefe, aber brilliante Farbe, burgundische Fülle, gewaltige Länge und auch die zu Anfang etwas verhaltene Nase wurde immer nussiger und mineralischer – WT95. Eindeutiger Sieger eines großen Burgunder-Flights 1995 im Königshof ein sehr ausgewogener, nachhaltiger Batard Montrachet von Leflaive – 96/100. Mich hatte ein Jahr vorher auf einer Probe schon ein Chevalier-Montrachet desselben Erzeugers begeistert, unendlich lang ohne irgendwie fett oder breit zu sein, Power + Eleganz, viel schöner kann weißer Burgunder nicht sein – 97/100. Leider nicht mehr untergekommen ist mir der grandiose Le Montrachet von Ramonet. 1992 und 1993 war das einer der Stars großer Ramonet-Verkostungen, zunächst deutlich zugeknöpfter und verhaltener als 82, kam dann im Glas, opulent, langer Abgang, wechselte 4mal die Identität, Wahnsinnspotential - 98/100.

Sehr gutes Rhone-Jahr, insbesondere an der nördlichen Rhone.

Sehr flach und mit wenig Frucht 1992 ein Côte Rotie von Chapoutier – 83/100. Eine relativ helle Farbe mit deutlichem Wasserrand hatte 1997 ein Hermitage von Chave, in der Nase intensiver Schinken, eindeutig Rhone, Syrah, weich und kräftig zugleich, sehr schön, noch große Zukunft 93/100. 2017 animalisch, kernig, Waldboden, reif, aber sehr druckvoll – WT94. Wunderbare Weine entstanden 1983 bei Guigal. Côte Rotie Brune et Blonde war 2002 perfekt auf dem Punkt, perfekt auf dem Punkt, erinnerte mich in Nase und Stilistik stark an 87 Mouton – 92/100. La Landonne ist sicher ein Langstreckenläufer mit enormem Potential. 1998 sehr leckerer, würziger Syrah, sehr lang, bei aller Kraft seidig – 95/100. 1999 wieder Reife vortäuschend, Minze, gebratener Speck!!, etwas Leder, aber sehr kurz am Gaumen - 94/100. 2007 auf Sylt ein klassischer La Landonne, der sich in seiner erdig-rustikalen Art deutlich von den beiden anderen LaLas abhebt, würzig, speckig, trüffelig und einfach wunderschön zu trinken – 96/100. Zuletzt 2010 noch so jung, animalisch, erdig, würzig, speckig, trüffelig, zupackend am Gaumen, aber auch mit erster, feiner Süße – 98/100. Bleibt mit der im eigenen Kraft sicher noch gut 15-20 Jahre auf diesem Niveau. La Mouline hatte 1997 eine sensationelle Farbe, unglaublich dichte, intensive Syrah-Nase, kräftige Tannine, erst ganz am Anfang, unglaublich lang, besser oder mindestens gleich gut wie alles, was ich bisher von Guigal getrunken habe - 100/100. 2013 reife Farbe, sehr würzig, reichlich schwarze Trüffel in der süchtig machenden Nase, sehr lang, hoch elegant, ungemein druckvoll am Gaumen, fast explosiv und mit guter Säurestruktur – 98/100. 2017 wieder ein perfekter alle-Sinne-Verwöhner – WT100.

Ein unzugängliches Tanninmonster war der Hermitage La Chapelle von Jaboulet Ainé in seiner Jugend. Nur zögernd ließ er mehr raus. 1995 auf einer großen Hermitage La Chapelle-Probe verschlossen in der Nase, am Gaumen weich, wenig Kraft, öffnet sich im Glas, Schafstall - 93/100. 1997 bei Willi Krähling verhaltene Nase, Veilchenton, eigenwillig, braucht Zeit - 89/100. 1998 bei Drawert hart und eindimensional – 87/100. Damit hatte ich den Wein eigentlich abgehakt, das immer tiefer sinkende Parker-Rating tat ein übriges. Bis mir dann 2004 bei Jörg Müller der Sommelier den 83er wärmstens ans Herz legte. War das eine Super-Empfehlung! Er hatte sich ganz toll entwickelt, leicht animalische, aber nicht unangenehme Nase, wunderbar gereifter Rhone-Wein mit kräftigem Rückrat, Schokolade, groß! 95/100. Danach noch vier Flaschen getrunken, im November 2005 auf 93/100 Niveau, während der EM 2008 ein animalischer Rhone Klassiker - 91/100. 2010 entfaltete dieser La Chapelle (rechtzeitig dekantieren!) seine ganze Schönheit, burgundische Pracht und Fülle, großer Kräutergarten, viel Lakritz, gute Frucht, süßer Schmelz, meine bisher beste Flasche – 97/100. Auch 2011 auf der Braui meets Schorn II und noch mehrfach danach wieder auf diesem Niveau. 2013 sowohl aus der 1tel als auch aus der ½ wieder ein schmelziger, offener Traum - WT97. 2015 sehr würzig, kräftig, mit burgundischer Pracht und Fülle, großer Kräutergarten, viel Lakritz, gute Frucht, süßer Schmelz - WT97. Aber leider 2016 auch eine merkwürdige Flasche, tanninig, ruppig, trocken – WT92(?). Kurz danach 2016 bei Steinheuer und 2017 noch mal aus eigenen Beständen wieder in Topform, animalisch-kernig und mit burgundischem Charme – WT97.

Gut gelungen war Beaucastel, ein 1991 und 97 sehr fruchtiger, kräftiger zugänglicher Wein auf 91/100 Niveau. Ein perfekt gereifter Traum-Chateauneuf war 2002 2mal der Chateauneuf-du-Pape Reserve von Chateau Rays, reifes, ziemlich helles Ziegelrot, baute wunderschön im Glas aus und entwickelt feine Süße – 94/100. Sicher jetzt auf dem Punkt, kann aber in gut gelagerten Flaschen noch ein paar Jahre Spaß machen.

Legendär waren früher einmal die Weine von Chateau Grillet. Das muß aber lange her sein. 1997 auf einer Paulson-Probe in der Krone Assmannshausen war mein korkiger Grillet nur unwesentlich schlechter als die nicht korkige Version im Glas meines Nachbarn. Grausames Zeugs!

Coulée de Serrant war 1988 das ein feinfruchtiger, intensiver, edler Weißweintraum mit noch viel Zukunft – 92/100. 2010 dominierte zwar die etwas aggressive, zitronige Säure, aber auch eine hohe Mineralität, ein spannender Charakterstoff mit Ecken und Kanten – 89/100.

Sicherlich 60mal habe ich bis Mitte der Neunziger aus dem französischen Süden Vignelaure getrunken, damals stark von Hawesko forciert und über lange Zeit mein Hauswein. Weder die letzte halbe 1994 noch die letzte 1tel 1996 zeigten irgendein Zeichen von Schwäche. Leichter, leckerer, fruchtiger Trinkgenuss mit burgundisch wirkender Eleganz und Fülle – 88-90/100.

Ein Traumjahr war 1983 für die Winzer im Elsass, große Menge, superbe Qualität. Da müsste es noch einige, gut trinkbare Weine geben, auch im trockenen Bereich.

Sehr gerne erinnere ich mich an Clos des Capucins Riesling Vendange Tardive von Mdme Faller, Ende der 80er einer meiner Lieblingsrieslinge mit Traumnase und betörender Aromatik auf 95/100-Niveau. Ein Hugel Gewürztraminer Selection Grains Nobles ersetzte 1997 locker jedes Dessert. Zwar nicht zu süß, aber mit Honig ohne Ende, sehr würzig und vielschichtig, unendlich lang am Gaumen – 95/100. Sehr enttäuschend 1991 der hoch bewertete Gewürztraminer SGN von Gustave Lorenz, wirkte kurz und rau – 83/100. Ganz groß 1997 2mal bei Jörg Müller Clos St. Hune von Trimbach, der Montrachet unter den Rieslingen, voll auf dem Punkt, aber durchaus noch mit Alterungspotential, da war jede Menge Kraft, Fülle und Länge. Nase und Gaumen ähneln mehr großem Burgunder als Riesling, ein Meisterwerk - 98/100. Ein Jahr später noch mal auf ähnlichem Niveau in Brüssel in der Villa Lorraine. Zuletzt 2012 Eleganz pur, sehr fein, rassig, nachhaltig und dabei fast schwerelos mit Fruchtsüße, Frische und unglaublicher Länge, immer noch so zeitlos jung wirkend mit Potential für sicher noch mindestens ein Jahrzehnt – 97/100. 2014 immer noch sehr frisch mit nur dezenter Petrolnote in der Nase, knackige Zitrusfrucht, Grapefruit, am Gaumen furztrocken mit guter Säure und straffer, leicht salziger Mineralität, immer noch mit Langstreckenpotential – WT96. Brilliantes Goldgelb 2016 die Farbe des Clos St. Hune Vendage Tardive von Trimbach, nur noch ganz dezente Restsüße, geniale Struktur, kalkige Mineralität, reife Zitrusfrucht, noch viel Kraft und Länge – WT96. Sehr jung wirkte 2007 Cuvée Christine Gewürztraminer Vendage Tardive von Schlumberger. Die kann sicher noch 10+ Jahre bis zur vollen Entfaltung vertragen. Natürlich war da die würzige Typizität des Gewürztraminers, aber auch noch fast aggressive, jugendliche Aromen, Zitrusfrüchte, nicht sehr süß, aber intensiv und sehr lang am Gaumen. Brauchte lange im Glas und wurde immer schöner – 91++/100. Ende der 80er habe ich bei Hardy auf Sylt häufiger einen edelsüßen Wolfberger Gewürztraminer getrunken. Dieser vor 15 Jahren mal sehr süße Wein war 2007 inzwischen fast furztrocken, aber immer noch mit einer faszinierenden, würzig-kräuterigen Aromatik. Mir gefiel er eigentlich besser als in seiner damaligen Blüte – 88/100. Zuletzt noch mal 2009 auf gleichem Niveau. Immer noch erstaunlich frisch 2008 der Schloßberg Riesling Grand Cru von der Cave Vinicole Kientzheim. Den habe ich in den 80ern häufig bei Hardy getrunken und dann 1985 für € 7 pro Flasche 24 Flaschen mit nach Hause genommen. Und jetzt stand dieser Wein über 20 Jahre später vor uns fast wie eine Eins im Glas, rassig, delikat mit schöner Frucht und wenig Firne, praktisch ohne den bei älteren Elsässern typischen Petrolton, mit Zitrusaromen und guter Säure – 90/100.

Viele trockene deutsche Weine habe ich in den Neunzigern getrunken. Da dürfte heute nicht mehr allzuviel Brauchbares bei sein. Auch Ausnahmeweine wie eine 1990 bei Jörg Müller getrunkene Müllheimer Sonnhalde Ruländer Spätlese trocken von Dörflinger(Farbe wie alter Yquem bzw. Aprikosenlikör. Geschmack von Aprikosen und Pfirsichen. Brauchte trotz Dekantieren noch gut 1 Stunde, um sich voll zu entfalten – 95/100) verabschiedeten sich Anfang der 90er recht schnell. Ich habe noch zahllose, weitere Notizen von trockenen deutschen Weißweinen, die ich bis Anfang der Neunziger getrunken habe. Damals recht schöne Weine, heute wohl nur noch von historischem Interesse. Faszinierend 2007 ein Schloßberg Riesling Kabinett von Georg Breuer aus der Doppelmagnum. Noch unglaublich frisch mit knackiger Säure, deutlich jünger wirkend, sehr nachhaltig und inzwischen am Gaumen furztrocken – 88/100. Hell in der Farbe, frisch und immer noch gut trinkbar, wenn auch etwas flach und freudlos 2013 Monzinger Frühlingsplätzchen Spätlese trocken von Emrich-Schönleber – WT85. Und noch zwei Ausnahmen: Mit Familie Künstler tranken wir 2008 bei Schorn eine Hochheimer Hölle Riesling Auslese trocken, natürlich von Künstler. Unglaublich, welche Frische dieser ja nun fast 25 Jahre alte. trockene Riesling noch zeigte. Brauchte sehr viel Luft und wurde im Glas immer größer, länger und komplexer mit kräftiger Säurestruktur und irrer Länge am Gaumen und strotzte vor Mineralität, hat sicher noch 10+ Jahre vor sich – 92/100. 1983 Wallufer Walkenberg Spätlese trocken losgeeist. Unglaublich, wie 2013 im Färhaus in Munkmarsch der 30jährige Wallufer Walkenberg Spätlese trocken von J.B. Becker im Glas stand und Stunde um Stunde an Komplexität gewann. Tolle Struktur, Frische(!), gute Säure, Orangenzesten, macht es sicher noch mal 10 Jahre – 93/100.

Deutlich besser sieht es da schon bei den Edelsüßen aus. Sehr gut gefiel mir Anfang der 90er ein mehrfach getrunkener Traminer Eiswein von Graf Adelmannauf 90/100 Niveau.

Erst ganz dezente, beginnende Reife zeigte die immer noch taufrische Scharzhofberger Auslese von Egon Müller 1996 bei Charlie Trotter in Chicago, ein sehr mineralischer, nachhaltiger, beeindruckender Wein – 93/100. Fast trocken präsentierte sich 2008 ein Karthäuserhofberg Stirn Kabinett, perfekt gereift mit dezenter Firne, dabei sehr harmonisch und ausgeglichen. Durch die gute Säure wirkte er immer noch recht frisch – 89/100. Einfach Klasse in 1983 die Weine von Fritz Haag, von dem ich größere Bestände der Brauneberger Juffer Sonnenuhr Auslese #14 und der Goldkapsel #11 hatte. Die drei letzten Flaschen der Goldkapsel waren der perfekte Einstieg in meine 2003er Raritätenprobe. Eine wunderbar gereifte Auslese mit dezentem Petrolton, guter Säure, so finessig mit spielerischer Leichtigkeit, in dieser Form sicher noch 10+ Jahre haltbar, absolut perfekt zu Franz Josef Schorns Sushi – 93/100. Die #14 wirkte 2006 aus der halben Flasche sicher schon über Trinkhöhepunkt weg, sehr reif, weich, füllig mit dezentem Petrolton, sehr säurearm, aber immer noch schön zu trinken – 87/100. Eine weitere Halbe zeigte 2010 keinerlei Alter. Wunderbar die Nase mit traubiger Frische und einem Bund frisch gerupfter Gartenkräuter und Gräser, am Gaumen perfekt balanciert mit hohem Extrakt, dezenter Süße und immer noch guter, reifer Säure, einfach Harmonie pur, so elegant, so filigran und doch so nachhaltig, eine große Auslese in perfektem Trinkstadium mit der unnachahmlichen Handschrift von Altmeister Wilhelm Haag, ohne Eile die nächsten 10+ Jahre auf diesem Niveau trinkbar – 94/100. Auch 2015 unverändert auf diesem Niveau – WT94. Sehr schön Mitte der Neunziger mehrfach eine Saarburger Rausch Auslese Goldkapsel von Gletz-Zilliken, leicht ins grünliche gehende Farbe, Stachelbeere, Rabarber, brauchte Zeit zur Entfaltung, gute Säure, feine Süße – 90/100. Auf ähnlichem Niveau 1994 eine Trittenheimer Apotheke Auslese Goldkapsel von Grans-Fassian. Ein Leiwener Laurentiuslay von Stefan Köwerich war 2013 eine reife Auslese, jetzt eher halbtrocknen wirkend, leicht, beschwingt, immer noch mit schöner Frucht und nur einem Hauch Petrol, Storcks Riesen in der hellen Variante tauchen dann plötzlich in der Nase auf, dann wird die Frucht immer zitroniger. Ein sehr harmonischer Wein, macht einfach Freude und wirkt zeitlos schön – 89/100. Eine Berncastler Doctor Auslese von Lauerburg war 2009 schon ziemlich reif und weit, dabei eher halbtrocken wirkend mit ersten, dezenten Lacktönen, gehörte getrunken und war sicher mal besser – 86/100. Traumhaft balanciert und harmonisch fast trocken 2012 die Wiltinger Kupp Auslese von Le Gallais(Egon Müller), elegant, reif, weich, mit traubiger Frucht und guter Säure, entpuppte sich nicht nur als wunderbarer, beinahe alkoholfreier Apero, sondern auch als schöner Begleiter unserer Vorspeisen – 92/100. Mehrfach habe ich auch die Weine von JJ Prüm aus 1983 getrunken. Hier waren auch die trockenen Weine sehr gut gelungen. Die Wehlener Sonnenuhr Auslese trocken war 1993 noch sehr frisch und ohne Alter. Grandios die Süßweine. Die Wehlener Sonnenuhr Auslese mit fantastisch balanciertem Süße-/Säurespiel war füllig und brauchte 1994 viel Luft, um dann toll im Glas auszubauen – 93/100. Die Wehlener Sonnenuhr Auslese Goldkapsel wirkte 1998 immer noch sehr jung, wunderbarer Stoff mit dezentem Mousseux, nicht zu süß, sehr hoher Extrakt – 95/100. Möglicherweise nicht ganz in Ordnung war dieser Wein 2006 auf der großen Prüm-Probe. Die reife, firne Nase war etwas muffig und hatte einen leichten Korkton, der aber mit der Zeit verschwand. Viel Substanz, hat Länge, Fülle, schöne Mineralität, knackige Säure, müsste aber als Prüm-Wein trotz aller Lebendigkeit für dieses Alter noch deutlich frischer sein – 91/100. 2011 in Lerbach immer noch etwas verhalten, aber gewaltiges Potential andeutend – 93+/100. Zuletzt 2013 im D´Vine immer noch taufrisch, Eleganz und Finesse pur, herrliches Süße-/Säurespiel - 95/100. Sensationell 2002 und 2010 der Wehlener Sonnenuhr Eiswein, flüssiger Nektar mit kräftiger Farbe, einem Pfauenrad an Fruchtaromen und schöner Säure, baut irre aus, komplex und schön balanciert (24 Std. auf!), ganz großer Stoff mit Zukunft - 100/100. Flüssiges Gold 2006 eine Wehlener Sonnenuhr Riesling Beerenauslese lange Goldkapsel. Das war purer Nektar, was hier über die Zunge rann. Hoch konzentriert, aber gleichzeitig mit einer schwerelosen Leichtigkeit – 98/100. Kurz danach auch als normale BA ein himmlischer Nektar, noch unglaublich frisch, sehr elegant, feine Honigsüße, viel Spiel, gute Säure, erst ganz am Anfang, sehr sympathische 7 % Alkohol - 95/100. Von S.A. Prüm kannte ich aus 83 nur die Wehlener Sonnenuhr Auslese trocken. Die wirkte 1994 und dann Ende 1995 auf einer Drawert-Probe schon sehr reif, hell, Petrolton, eher halbtrocken, schlank, fein, noch Säure - 85/100. 2007 dann die Wehlener Sonnenuhr Spätlese. Als frische Zitronenlimonade ohne Kohlensäure mit wenig Zucker könnte man diesen durchaus animierenden, dezent firnen Wein bezeichnen. Nicht besonders aufregend, aber durchaus lecker – 87/100. Die Wehlener Sonnenuhr Auslese von Prüm-Adams war 2015 eine gezehrte Mischung aus Bienen- und Bohnerwachs – WT82. Ein Ürziger Würzgarten Riesling Auslese von Dr. Loosen war 1995 ein lecker, leichter Ananassaft - leider aus der Dose, denn die schmeckte man in Form eines metallischen Tones mit – 83/100. Erstaunlich schön und ohne Firne war Silvester 1997 bei Hubi Scheidt in Wasserliesch eine Maximin Grünhäuser Abtsberg Spätlese trocken – 88/100. Meine eigenen, trockenen Auslesen hatte ich schon 1992 ausgetrunken und konstant mit 90/100 bewertet. Immer noch sehr frisch wirkend mit delikater, traubiger Frucht und knackiger Säure, nicht zu süß, gut balanciert und einfach animierend am Gaumen 2008 eine Herrenberg Auslese aus der Magnum – 92/100. Sehr füllig, üppig mit vollreifen, exotischen Früchten und fast zu dick zum Essen ist die zwischen 1995 und 2009 10mal getrunkene Abtsberg Auslese – 90/100. Die brauchte einfach mehr Zeit, floss mit kräftigem Goldgelb ins Glas, Feine Honigsüße, etwas Bienenwachs, so elegant und finessig – WT95. Bei einer Wiltinger Kupp Auslese vom Weingut Hubert Schmitz war 2016 sehr reif die Farbe, in der Nase die ein oder andere, verhaltene Reifenote, aber am Gaumen ein feines, tolles Spiel, ein immer noch sehr animierender Riesling – WT90. Eine wohl deutlich besser gelagerte Flasche Ende 2016 war noch so frisch und balanciert mit feiner Frucht und Mineralität, Bienenwachs, gute Säure – WT94. Wunderschön dagegen 1994 in Hannover ein Berncasteler Doctor Riesling Eiswein von Wegeler-Deinhard mit perfektem Süße-/Säurespiel – 95/100.

Ein Kuriosum hatte ich 2010 von der Saar im Glas, eine Kanzemer Altenberg Gutenborner Spätlese Fuder 1 aus dem Hause von Othegraven. Die sehr reife Farbe erinnerte an einen alten Weißherbst. In der Nase alter, leicht gärender Apfel, auch am Gaumen abgestandene Apfelschorle, etwas oxidativ, Sherrynoten, aber erstaunlicherweise durchaus noch trinkbar – 79/100.

Eine fantastische Auslese mit hervorragender Frucht und schöner, kräftiger Säure war Ende der 80er eine Hochheimer Kirchenstück Auslese der Aschrottschen Erben die überhaupt kein Gefühl übermäßiger Süße aufkommen ließ - – 92/100. Eine Erbacher Marcobrunn Auslese von Langwerth-Simmern. ging 2009 mit ihrer reintönigen, klaren, petrolfreien Frucht, der Mineralität und der knackigen Säure zu Anfang als Moselwein durch, absolut stimmig und harmonisch, sehr gelungenes, feinherbes Ganzes – 92/100.

Enttäuscht war ich 1995 und 96 von einem Forster Jesuitengarten Riesling Eiswein des Weingutes Reichsrat von Buhl, das Geld nicht wert, breit, sehr weit und mit wenig Säure – 82/100. .Überhaupt nicht klar kam ich 1997 in einer Probe mit einer Laumersheimer Mandelgarten TBA von Knipser. Der Wein wirkte, breit, langweilig und bereits etwas gezehrt mit einer Farbe, die ihn gut 50 Jahre älter erschienen ließ – 87/100.

Auch die deutschen Rotweine gewannen langsam Format. Ende 2005 ein Graf Adelmann Brüssler Spitze Hohenecker Clevner Spätlese trocken aus der Magnum, helle Farbe wie älterer Rosé, dünn, Typ älterer Spätburgunder, durchaus noch trinkbar, hält sich im Glas lange auf diesem Niveau - 82/100.

2012 auf Sylt bei Jörg Müller ein immer noch gut trinkbarer Stigler Spätburgunder Spätlese Fass 49, süß, reif, schmelzig - 86/100.

Schöne Weine wurden 1983 in Italien erzeugt. Charmante Schmeichler, die aber in der Regel kein großes Alterungspotential hatten.

So hatte ich mir 2011 nicht viel versprochen von einer halben Flasche Barbaresco von Angelo Gaja, die sich aber perfekt gereift präsentierte mit schönem Rosenduft in der Nase und Lakritz am Gaumen, harmonische, nicht zu intensive Säure - 89/100. Erstaunlich Frische zeigte 2013 bei Jörg Müller immer noch der Costa Russi von Gaja mit Rosen, Teer, feiner Süße und guter Säure – WT93.

Noch blutjung wirkte 2010 der Case Basse Brunello di Montalcino Soldera Riserva, ein animalischer, wilder, dichter, zupackender Wein, sehr vielschichtig, vn Wildkräutern bis zur Bitterschokolade, veränderte sich laufend im Glas – 98/100. Recht angenehm, aber nicht groß 1990 ein Brunello di Montalcino von Castelgiocondo – 87/100. Etwas dürr dagegen 2006 der Darmagi. Aber der scheint seine besten Zeiten schon hinter sich zu haben. Bordeaux-Typizität, viel Zedernholz, aber wenig Frucht – 87/100. Zuletzt 2012 schön die Nase, ledrig, Waldboden, Zedernholz, Trüffel, aber auch etwas Pepperoni, am Gaumen das krasse Gegenteil dazu, bissig, unreif, charmefrei und leicht ausgetrocknet – 88/100. Vollreif und auf dem Punkt war 1998 ein Rubesco von Lungarotti – 90/100. Sehr reif und deutlich über den Zenit wirkte 2010 ein Grosso Sanese von Il Palazzino – 83/100. Gut 2 Dutzend mal habe ich in den Neunzigern den wunderschönen, eleganten Sammarco getrunken, der mich in seiner eleganten, offenen Stilistik oft an die Comtesse erinnerte. Meist mit 94/100 bewertet. Ab 2000 entwickelte er aus der 1/1 einen deutlichen Altweingout und baute rasch ab, anders aus der Magnum, da war das noch mal Sammarco vom Allerfeinsten mit unglaublicher Power – 94/100. Doch zuletzt 2010 war von der frühere, seidigen Eleganz und der Frucht nicht mehr viel übrig – 85/100. Sassicaia hingegen konnte mich bis auf eine Frühform 1989 und 1990 nie überzeugen. 1993 auf Willi Krählings großer Sassicaia-Probe war der aus der Magnum hell, störende Nebentöne in der Nase, weich, gut zu trinken, wenig Zukunft – 83/100. Auch auf der Unger-Probe 1996 eine große Enttäuschung, dünn in der Farbe, ausdruckslos am Gaumen, seltsam - 81/100. 2004 im Ifen spröde, ungenerös, getrost zu vergessen - 84/100. Sassicaia braucht eben Zeit. Massig Zukunft zeigte er 2011, ein spannender, komplexer, dichter, immer noch so jung wirkender Wein, der im Glas enorm zulegte – 93/100. Wurde 2017 seiner noblen Art, der Eleganz und Finesse und der feinen Mineralität seiner Rolle als Lafite Italiens voll gerecht, großer Stoff – WT96. Häufig habe ich in den Neunzigern auch Tignanello getrunken, zuletzt war das 1997 ein perfekt gereifter Wein, da stimmte von vorne bis hinten einfach alles, am Gaumen etwas Anis und Lakritze - 94/100. 2008 als Doppelmagnum, einfach ein Gedicht. Klar war die Farbe reif mit deutlichen Orangentönen, aber der Wein selbst zeigte keinerlei Schwächen. Herrliche Kirschfrucht, Zedernholz, Leder, so komplex, sehr elegant und unglaublich lang am Gaumen, ein Wein zum Träumen und Philosophieren – 94/100. Präsentierte sich 2014 aus einer weiteren Doppelmagnum wie ein perfekt gereifter, großer "St. Julien" ohne Alter - WT95. Der inzwischen ansonsten leider weitgehend vergangene Charme toskanischer 83er zeigte sich 1995, 96 und 97 auch bei wunderschönen Villa Vignamaggio Chianti Classico Riserva Magnums, für deutlich unter € 20 bei Alpina erworben und mit viel Freude auf 89/100-Niveau getrunken.

Sehr gute Weine in Österreich, darunter auch einige hochinteressante Süßweine.

Sehr schön war Anfang der 90er ein Ried Klaus Kabinett von Jamek, 12 Flaschen ohne Ausfall konstant auf 90/100 Niveau. Klasse 1998 in der Wachau ein Jurtschitsch Strohwein, füllig, nicht zu süß, sehr ausgewogen mit guter Säure – 93/100. Sehr gut auch 1996 eine Loibner Loibenberg Grüner Veltliner BA von Knoll mit kräftiger Farbe, Terroirnote und guter Säure - 93/100. Legendär von Knoll die TBA, die ich Mitte der Neunziger mit Emmerich Knoll an einem lauen Sommerabend im Landhaus Bacher trinken durfte. Und dann war da 2008 noch ein Grüner Veltliner Eiswein von Hirtzberger. Die satte, goldgelbe Farbe dieses Weines passte gut zur Frucht, die da dem Glas entstieg. Reife Ananas mit guter Säure und angenehmer, fruchtiger Süße. Ein durchaus sehr spannender Wein – 93/100. Eine Nikolaihof Im Weingarten Riesling Spätlese kam 2009 im Landhaus Bacher mit viel Möbelpolitur und Nagellackentferner ins Glas, entwickelte sich dann aber noch stückweit – 83/100. Der Grüne Veltliner Spätlese trocken von der WG Wachau war 2016 reif, weich, cremig, würzig und zu Anfang erstaunlich gut trinkbar. Dann entwickelte sich leider zunehmend Kork, sonst sicher WT86.

Portugals vielleicht rarster Wein, der nicht gerade billige Barca Velha, hatte 2000 eine dichte, relativ junge Farbe, Tabak, Veilchen, Lakritz, massive Tannine und auch etwas staubtrocken, alkoholreich sicher noch langlebig, zeigt aber vielleicht auch die Grenzen zumindest damaliger, portugiesischer Weine auf, denn mehr als 90/100 waren da nicht drin.

Ein passables Weinjahr auch in Spanien.

Zwischen 1994 und 1999 habe ich 6mal mit großem Vergnügen den sehr gut gelungenen Cabernet SauvignonLa Scala von Jean Leon getrunken, einen gut gereiften, fleischigen, komplexen Cabernet mit feiner Eukalyptusnote– konstant 89-91/100. Sehr schön 1995 und damals noch recht jung wirkend mit viel Zukunft der Gran Coronas Black Label von Torres – 92/100. Zu den besseren Weinen gehörte der 83er Vega Sicilia 2001 auf der großen Vega-Probe. Zuletzt 2005 ausgesprochen gelungen, harmonisch und gut trinkbar. Dichte Farbe mit feinem Orangenrand, reife Frucht, Zedernholzwürze, Tabak, Leder, am Gaumen aromatische Dichte mit feiner Süße - 95/100

Erstaunlich schlank und mit viel Säure war 1994 auf Sylt ein Chateau Laszos Tokay 6 Puttoyons – 91/100. Ein Tokay 6 Puttoyons von Muzealis hatte 1997 bei Drawert eine kräftige Farbe, schöne Süße, feine Säure, reifer Apfel, leicht oxidativ - 92/100-

Sehr gut gelungen in 1983 auch wieder Chateau Musar. Im Herbst 2005 reife, erstaunlich helle Farbe mit deutlichem Orangenrand. Aber was für eine explosive Aromatik ohne jedes Alter! Rauchige, würzige Nase, frisch verbranntes Harz, so, wie wenn man einen Tannenzweig ins Feuer hält. Faszinierende Balance zwischen heißem Traubengut und unglaublicher Frische - 95/100. War 2016 leider korkig, zeigte aber am Gaumen viel Substanz.

In Kalifornien galt 1983 eher als kleineres Weinjahr, doch wurden einige Weine mit beachtlichem Alterungspotential erzeugt.

Dominus entpuppte sich als Langstreckenläufer. 1988 sehr verhaltene Nase, dafür jede Menge Holz und Tannin, intensive Lakritze, wenig Frucht, aber viel Kraft – 88/100. 2005 in der Dominus-Probe die schönste Nase des Flights, feine rote Johannisbeere, Zedernholz, am Gaumen etwas schlank, ungenerös, guter Abgang - 91/100. 2009 auf der American BeautyII aus einer sicher nicht optimalen Flasche reife, nicht sonderlich dichte Farbe mit deutlichen Brauntönen, sehr fein noch die fruchtig-elegante Johannisbeernase, auch am Gaumen der erste Schluck noch recht angenehm und an reifere Silver Oaks erinnernd. Baute dann jedoch im Glas rasch ab, wurde säuerlicher und zerfiel förmlich, keine optimale Flasche – 86/100. 2010 auf der großen Dominus-Vertikale ein robuster Kraftprotz mit perfekter Struktur, viel Zedernholz, feiner Frucht und Bitternote im Abgang – 93/100. Zuletzt 2013 bleibt ein etwas ruppiger, rustikaler Wein mit immer noch harschen Tanninen – 92/100. Heitz Martha´s Vineyard war 2011 mit seiner explosiven Eukalyptus- und Minznase auf der großen Heitzprobe der Ungers ein noch sehr frischer, lebendiger, vibrierender Wein, sehr nachhaltig am Gaumen und mit noch reichlich Zukunft – 95/100. 2012 im El Paradiso grausam die erste Nase, wie 85, verflog nach dem Dekantieren. Eukalyptus und Minze satt, ätherisch, mineralisch, Leder, Kraft ohne Ende und tolle Länge – WT94. Weihnachten 2013 dann die letzte El Paradiso Flasche in Bestzustand als perfekte Eukalyptus/Minze/Cola Mischung – WT95. So fein, geradezu filigran war 2015 der Mondavi Cabernet Sauvignon Reserve mit pikanter Kirschfrucht. Klar, da sind Sattelleder, Minze, Bleistift, Tabak, Schwarztee und alles, was man sonst noch in einem Mondavi Reserve erwartet. Aber alles so finessig, so balanciert mit wunderbarer Frische, tänzelt am Gaumen - WT93. Ein Langstreckenläufer ist Chateau Montelena. Mehrfach bin ich in den Neunzigern an diesem tanninigen Monster verzweifelt. 2001 endlich zeigte er sich reif mit wunderbarer Minzfrische. Gleich viermal konnte ich ihn auf diversen Proben konstant auf 92/100 Niveau genießen. 2012 irritierte nur der erste Eindruck. Sehr käsig die Nase, auch der Gaumen mit in bestem Cabernet aviniertem, würzigem Alpkäse. Doch beides verschwand und zum Vorschein kam ein immer noch blutjunger, großartiger Wein mit frischer Frucht, Johannisbeere, Sauerkirsche, mit perfekter Struktur und guter Säure. Hat enormen Dampf und gewaltige Länge am komplexen Gaumen und erinnert an 82 Leoville las Cases – 96/100. 2016 Minze pur mit superber, saftiger Frucht, zeigte sich noch so jung mit gewaltigem Potential - WT95. Opus One dagegen ging 1998 in einer Probe als kleiner Tignanello durch, Kirschfrucht, wenig Konzentration - 86/100. 2014 war die Farbe noch dunkel, doch der Wein gezehrt und langweilig – WT84. Großartig war 2009 ein Stag´s Leap Cask 23, traumhaft balanciert und sehr nachhaltig mit viel Eukalyptus und Minze, immer noch recht jung wirkend – 96/100. Ein sehr eigenständiger Brocken mit dichter Farbe und schöner Fruchtsüße war 1996 einer der ersten ZD Cabernets, damals noch aus zugekauften Trauben produziert – 88/100. Aber der brauchte wohl Zeit, denn 2012 war er ledrig, sehr aromatisch, gute Frucht, mineralisch, noch so kräftig mit immer noch deutlichen Tanninen, ein großer Kalifornier aus einem Guss – 94/100.

Recht unterschiedlich hat sich über die Jahre Penfolds Grange präsentiert. 1996 bereits beginnende Reife auf höchstem Niveau mit Portigkeit, Marzipan, baute im Glas aus, kräftig mit tollem Abgang – 97/100. 1999 auf der Grange-Probe in Lehrbach noch reifer, sehr lecker, fast etwas malzig süß – 93/100. Im selben Jahr auf einer Best Bottle bei Schorn eine perfekte Flasche aus einem zuverlässigen Sammlerkeller, völlig anders und deutlich jünger, 3 Std. vorher dekantiert, sensationelle, absolut junge Farbe, Riesenstoff mit opulenter Süßholz-Nase, am Gaumen schöne Süße, Lakritz und viel Druck - 97/100. 2003 aus gleicher Quelle exotisch, konzentriert-üppig, Eukalyptus, aber nicht marmeladig, ganz toller Stoff - 97/100. Zeigte 2010 ein Pfauenrad an Aromen. Schwarzer Pfeffer, Sattelleder, Minze, Eukalyptus, süße Beeren, wurde immer generöser und dabei sogar malzig und karamellig, ein Riesenteil mit gewaltigem Druck am Gaumen und immer noch großartiger Zukunft – 98/100. 2013 keinerlei Alter, ein Traum mit unendlicher Kraft und ewiger Länge - WT97+. Auch auf der Grange-Vertikale 2013 Jugendlich die Farbe, herrliche, minzige Nase, am Gaumen ein balancierter, generöser Traum mit Fülle, Länge, seidiger Eleganz, aber auch noch guter Tanninstruktur. Einfach ein großer, kompletter Grange - WT96+. Noch eine Ecke drüber zuletzt 2015 – WT97. Auch 2017 wieder ein großer, kompletter, immer noch jung wirkender Grange – WT97.

Ein attraktives Portwein-Jahr mit sehr frühreifen, aromatischen Weinen, die aber durch die Bank nicht sehr langlebig sein dürften.

Schon sehr weit war 1998 ein Niepoort Colheita Port mit heller, bräunlicher Farbe – 87/100. Perfekt gereift mit herrlichem, süßem Schmelz und immer noch gutem Rückgrat 2015 auf Sylt der Taylor – WT94. Warre´s hatte 1995 bei Hardy auf Sylt eine kräftige Farbe, war aber schon sehr zugänglich, ein süßes Fruchtkonzentrat mit reichlich Marzipan, kann sicherlich noch anders, aber kaum besser werden – 93/100.

Eine große Champagner-Ernte guter Qualität. Da dürfte sich immer noch etwas finden lassen.

Sehr gut und immer noch erstaunlich frisch mit gutem Mousseux 1996 ein Blanc de Blancs von Binet aus der Magnum – 90/100. Verdammt schwierig 2015 der grenzwertige Clos du Mesnil, in der Nase fauliger gährender Apfel, was sich am Gaumen fortsetzte. Einfach ein sehr schwieriger, eher fehlerhaft wirkender Champagner – WT84. Firnig, langweilig mit nur noch dezentem Mousseux 1997 ein Champagne Brut A. de Dampierre – 82/100. Groß hingegen 1997 bei Jörg Müller Dom Perignon aus der Magnum, ein toller, cremiger Stoff mit viel Länge und sicher noch großer Zukunft – 95/100. 2006 in der Nase deutlich reifer als am Gaumen, traubig mit feinen Brottönen. Am Gaumen deutlich frischer mit tollem Körper und cremiger Textur, ein großer Champagner mit erster Reife, aber noch Potential für viele Jahre – 95/100. Zuletzt 2007 in Wien aus der Oenotheque-Serie, wunderbar cremige Struktur, sehr komplex, mineralisch, einfach herrlich zu trinken – 96/100. Ein Blanc de Blancs Bruno Paillard war 2009 bei Jörg Müller noch so jung, frisch und fordernd, da ist noch Potential für lange Jahre – 93/100. Perriet Jouet Belle Epoque war 2013 zwar reif mit feiner Edelfirne, aber mit gutem Mousseux, kräftig und cremig, immer noch ein Hochgenuss – WT94. Herausragend und ein weiteres,gutes Beispiel dafür, wie Top-Champagner bei entsprechender Lagerung altern können, war im Frühjahr 2005 bei Jörg Müller auf Sylt ein Taittinger Collection Vieira da Silva, noch so unglaublich frisch mit etwas Citrus-Frucht und Brioche, sehr nachhaltig und lang am Gaumen – 96/100. 2017 sehr viel reifer mit güldener Farbe und verhaltenem Mousseux, aber nicht minder faszinierend, wie ein „y“ von Yquem mit Bubbles – WT95.