Startseite

1985

1985 war ein feines Weinjahr. Fast überall auf der Welt wurden sehr schöne Weine produziert. So habe ich auch aus kaum einem Weinjahr so viele Notizen. Wer einen gut trinkbaren, bezahlbaren Wein aus 1985 sucht, wird wenig Mühe haben. Das Angebot ist auf Auktionen, bei Ebay und im spezialisierten Fachhandel immer noch ziemlich reichhaltig. Allerdings kann man aus 1985 längst nicht kritiklos alles kaufen, auch nicht die großen Namen. Viele 85er waren früh trinkreif und haben sich auch entsprechend schnell wieder verabschiedet.

In Bordeaux gab es nach einem sehr kalten Winter mit massiven Frösten einen traumhaft schönen, warmen und ziemlich trockenen Sommer. So konnten die Bordeaux-Winzer eine sehr große Ernte gesunden, reifen Lesegutes einfahren. Dabei mag der ein oder andere der Versuchung erlegen sein, sich für das miese Jahr 1984 zu entschädigen und zuviel zu ernten, was dann zu ziemlich dünnen Weinen führte.

Die 85er Bordeaux waren mit ganz wenigen Ausnahmen früh trinkbare, charmante Weine mit weichen Tanninen und schöner Frucht. Statt wie sonst in wirklich großen Jahren sich nach kurzer Fruchtphase für längere Zeit zu verschließen, blieben sie meist weitgehend trinkreif. Leider verabschiedeten sich bis zum Jahrtausendwechsel etliche Weine auch schon. Zumindest schien es so. Doch inzwischen starten etliche große 85er wie z.B. Mouton oder Lynch Bages eine zweite Karriere. 85 dürfte wohl bei den besseren Weinen deutlich langlebiger sein, als gedacht.

Calon Ségur war 2007 ein feiner, kleiner, leichter Wein mit schöner Frucht, aber auch sehr kurz am Gaumen. Jetzt und bald trinken, da kommt nicht mehr viel – 86/100. Zu den langlebigeren 85ern gehört Cos d´Estournel. Ich habe mit diesem Wein, von dem ich über die Jahre sicher mehr als je ein Dutzend halbe und ganze Flaschen geleert habe, durchaus gemischte Erfahrungen gemacht. Anfangs enttäuschte er mich sehr. Mitte der Neuniger kam dann eine Hochphase, grandios mit herrlicher Brombeer-/Cassisnase, Fülle, Länge und schönem Abgang, meist mit 94/100 bewertet. Dann schien Cos sich wieder zu verschließen. 2002 und 2004 meine letzten halben und zwei sehr schöne Flaschen bei Jörg Müller, ein Riesenteil, fruchtig, sexy, füllig, manchmal mehr Rhone als Bordeaux - 94/100. 2006 noch mal eine 1tel bei Jörg Müller. Immer noch sehr präsente, etwas austrocknende Tannine, feine, rotbeerige Frucht, mehr Eleganz als Power, schlank, aber sehr lang am Gaumen. Ginge derzeit auch als Grand Puy Lacoste durch - 93/100. Ähnlich im Herbst 2006 auf der großen Cos-Probe, in aromatischer, einfach sehr leckerer Schmeichler mit schöner, rotbeeriger Frucht, der mich wieder an Grand Puy Lacoste erinnerte – 93/100. 2007 und 2008 sehr füllig, dicht und reichhaltig mit üppiger Frucht. Zeigte in diesen Flaschen einfach alles. Habe ich lange nicht mehr so gut getrunken – 96/100. 2012 und 2013 immer noch so vibrierend mit frischer, rotbeeriger Frucht, aber auch gutem Rückrat - 95/100. 2014 mehrfach zuhause und auf Sylt Trinkspaß pur, einfach sexy mit dieser wunderbaren, rotbeerigen Frucht, dem hedonistischen Schmelz und der feinen Minze. Und das alles mit erstaunlich gutem Rückrat – WT95. Zeigte sich auch 2016 wieder als offener, genialer Sauf-Cos mit traumhafter Frucht – WT95. Haut Marbuzet war 1991 intensiv, kräftig, überzeugend – 90/100. Möglich, dass der Montrose mal eine Phase hatte, in der er gut trinkbar war. Das ist aber lange her. 2002 war er ungenerös, kurz, ausgetrocknet, da kann man nur wegbleiben – 82/100. Ähnlich zuletzt 2007 in Linz auf der großen St. Estephe-Probe – 91/100.

Clerc Milon, der 1995 noch kräftig und verschlossen war, mit viel Tannin hat sich gut entwickelt. 2002 war er auf dem Punkt mit schöner Frucht, mehrfach getrunken, auch aus Magnums, in denen er deutlich jünger wirkte und sicher noch einige Jahre Potential hat – 89/100. Grand Puy Lacoste war 2009 aus der Magnum noch erstaunlich frisch und jung mit feiner Johannisbeerfrucht, am Gaumen schlank, filigran, aber mit seidiger Eleganz und guter Länge – 92/100. 2012 sehr elegant, eher schlank, immer noch frisch mit betörender, rotbeeriger Frucht, einfach feiner Gaumenschmeichler auf 93/100 Niveau. Haut Batailley hatte 1997 aus der Magnum kräftige Tannine, nicht zu dichte Farbe, feine, frische Kirschfrucht, wurde mit der Zeit immer runder - 89/100. Eine herbe Enttäuschung in 1985 ist Lafite Rothschild. Wer eine perfekte Übersetzung des englischen Wortes „austere“ sucht, findet sie in diesem fruchtlosen, dürren, ungenerösen Getränk. Schon beim ersten Kontakt 1988 fand ich den Lafite in einer 85er Vergleichsprobe einfach nur dünn und nichtssagend – 83/100. 1998 mehrere sehr enttäuschende, fruchtlose Magnums, 1999 in der 85er Probe die bisher beste Magnum, die es für mich als einer der schlechtesten Weine der Probe auf 85/100 brachte. 2000 wieder eine herbe Enttäuschung – 84/100. Auch 2011 auf René Gabriels großer Lafite-Probe ein schwieriger, anstrengender Wein – 86(+?)/100. Deutlich unterschätzt habe ich lange Jahre Latour. Das war für mich immer ein recht netter, aber schmalbrüstiger Wein. Inzwischen hat er deutlich zugelegt. 1996 eine sehr schöne halbe Flasche, sehr erstaunlich, dichte Farbe, schöne Frucht, Latour-atypische Süße, macht sehr viel Spaß – 92/100. 1999 auf der großen 85er Probe dichte Farbe, feine Röstaromen, schöner Frucht und beachtlicher Länge. Mit 93/100 war er immer noch kein großer Latour, aber auch kein schlechter. Das war 2014 war so ein richtiger Schmuse-Latour, erstaunlich üppig und schokoladig, weich und gefällig auch am Gaumen – WT93. Die Überraschung dann mehrfach in 2014 und 2015, soviel Druck, soviel Kraft, so eine tolle Frucht und natürlich neben hoher Mineralität die klassische Latour-Walnussaromatik. Hatte ich noch nie auch nur annähernd so gut im Glas – WT96. Les Forts de Latour hatte 2011 viel Brett in der Nase, aber auch eine schöne Frucht. Er war voll da, ein gut trinkbarer, kleiner Charmeur, dem aber der Tiefgang besserer Jahrgänge fehlte – 85/100. Lynch Bages war in seiner Jugend einer der geilsten 85er überhaupt. Gut 50mal habe ich diese opulente Fruchtbombe damals getrunken und dabei immer mit 92-94/100 bewertet. Reife Amarenakirtsche, Cassis, feine Fruchtsüße und dabei eine unnachahmliche Eleganz. Zechwein wäre für den Lynch Bages wohl eine Beleidigung, aber in dem Zeugs konnte man richtig baden. Ab 1999 dann eher ein Wechselbad der Gefühle. Aus wärmeren Kellern fruchtlose, enttäuschende Flaschen. Meine eigenen, 1989 bei Mövenpick und Alpina gekauft, noch top, auch wenn der Wein zunehmend schneller im Glas abbaute. Ende 2001 notierte ich dann auch bei meinen eigenen Flaschen ganz ok, aber der geile Lack ist entgültig ab. Sicher wird sich der Lynch Bages auf mäßigerem Niveau noch eine Weile halten. Vielleicht zeigt er vereinzelt, insbesondere in der Magnum, noch mal seine alte Form. So z.B. 2005 bei Jörg Müller aus perfekter Lagerung. Da war das plötzlich ein kraftvoller, toller Pauillac mit schöner Frucht, keine Spur von Alter - 94/100. 2008 in René Gabriels großer Lynch-Probe sehr fein, elegant und delikat mit noch etwas rotbeeriger Frucht, leider nagte aus dieser Flasche an diesem vor Jahren noch so überzeugenden Wein inzwischen der Zahn der Zeit. Er war nur noch ein Schatten seiner selbst – 87/100. Völlig anders 2011 aus dem perfekten Keller meines Freundes Bernd Wirtz, ein kraftvoller, toller Pauillac mit junger Farbe, wunderbarer Frucht und ohne Spur von Alter – 95/100. Der Lynch Bages beginnt aus guter Lagerung jetzt gerade seine zweite Karriere. 2012 immer noch taufrisch mit dekadent leckerer, süßer Frucht, in der Form jede Suche wert – 95/100. Auch 2013, wunderbare, Lynch Bages typische Frucht und immer noch präsente Tannine – 93/100. 2015 ein immer noch so frischer Traum-Lynch, einfach sexy mit betörend süßer Frucht und noch genügend Rückgrat für längere Jahre – WT95. Auch 2017 ohne Alter einfach sexy mit betörender Frucht – WT95.Typisch für den Jahrgang ist Mouton Rothschild. Was war das lange für ein toller, geiler Saft, mit der faszinierenden Mouton-Nasenaromatik, der großen Röstaromen-Oper am Gaumen, der schmeichlerischen Frucht. Als Blender haben ihn Viele bezeichnet. Ich habe mich gerne bei dutzenden von Gelegenheiten von diesem herrlichen, zugänglichen Wein auf 93+/100 Niveau blenden lassen. Leider war damit ab 2000 in der ½ Flasche Schluss, kurz danach auch in der Ganzen. Mehrere Flaschen, zuletzt 2004 in der großen Mouton-Probe auf der Stromburg, zeigten, der Lack ist ab, immer noch ein guter Wein, aber mehr nicht - 89/100. Aber der Mouton hatte sich nur für ein paar Jahre verschlossen. 2009 in der Braui stand da vor mir die große Zedernholzoper, rotbeerige Frucht, Weihnachtsgewürze, Minze, altes Sattelleder, sehr mineralisch mit dem für Mouton so typischen Bleistift, am Gaumen gute Struktur und Säure, kein Zeichen von Schwäche, einfach ein großer kompletter Mouton – 95/100. 2010 einfach sexy, erotisch und betörend mit herrlicher Frucht und schöner Süße 95/100. 2012 zeigte eine reifere Flasche, bei der erotische Frucht ohne aromatischen Druck rüber kam, dass der 85er nicht ewig lebt - 92/100. Aus gut gelagerten Flaschen(mehrfach 2012 und 2013) ist das aber immer noch ein großer, perfekt gereifter Pauillac mit der klassischen Mouton-Aromatik aus Cassis, Minze, Sattelleder und Bleistift ohne spürbares Alter – 94/100. 2015 „lovely and charming“ – WT94. Und noch 2mal 2015 bei Elke Drescher und auf unserer Mouton-Vertikale ein sehr eleganter, feiner, immer noch so frischer, typischer Mouton mit Cassis, Minze, Bleistift und Sattelleder – WT94. Leider inzwischen etwas variabel und vor allem aus wärmeren Kellern mit Vorsicht zu genießen ist die Pichon Comtesse. Das war (und in guten Flaschen ist es immer noch) ein am Gaumen nicht enden wollender, reifer, weicher Traumstoff, saftig, seidig-elegant mit recht intensiver Fruchtsüße, dazu Bitterschokolade, kann den hohen Merlot-Anteil nicht verleugnen. Gut 50mal seit 1988 getrunken und in den besten Flaschen 2000/1 mit bis zu 96/100 bewertet. Zuletzt nach einigen variableren Flaschen im März 2005 wieder eine perfekte ½ Flasche aus eigenen Beständen. Und dann 2009 aus perfekter Lagerung gleich zwei Flaschen bei Grashoff in Bremen, Comtesse in Vollendung, geiler, reifer Schmelz, seidige Eleganz, einfach ein hedonistischer Traum – 96/100. Auch 2010 auf der großen Comtesse-Probe am Attersee gleich zweimal ein absolut betörender, erotischer Gaumenschmeichler, ein hoch eleganter, feiner Wein mit Süße, Schmelz und Fülle, bei dem jedes Glas zu klein ist – 95/100. Ähnlich danach noch mal im Sommer 2010 auf Sylt. 2011 und 2012 mehrfach in der geradezu explosiven Nase viel rote Früchte, Minze und Eukalyptus, am weichen, schmeichlerischen, typischen Comtesse Gaumen feinstes Cashmere, ein erotischer Wein – 95/100. 2013 eine perfekte Magnum – WT95. Wie oft wurde dieser Wein schon totgesagt. Keine Sorge, er ist extrem vital und lebendig. Auch 2014 auf Sylt wieder Comtesse pur – WT95. Und meine bisher beste Flasche 2015, noch so frisch, so elegant, so unglaublich druckvoll am Gaumen, ein betörender, geradezu erotischer Gaumenschmeichler mit Schmelz und Länge ohne Ende – WT97. Auch 2015 bei Elke Drescher seidig-elegant mit verführerischem Schmelz – WT95. Pontet Canet hatte 1996 eine relativ helle Farbe, war mittelgewichtig, angenehm, voll auf dem Punkt – 87/100.

Beychevelle hatte mir 1995 noch recht gut gefallen, dichte, kräftige Farbe, intensive, süße schwarze Johannisbeeren, schöner Abgang - 91/100. Auf der großen 85er-Probe 1999 war er nur noch ein Schatten seiner selbst, zu Anfang sehr gefällig, mit der Zeit grasig-grüne Töne, nasses Farnkraut, zu früh geerntet mit unreifen Tanninen? – 85/100. 2015 ziemlich eindimensional, viel Holz, wenig Frucht – WT87. Ein gutes Preis-/Leistungsverhältnis, insbesondere im Vergleich zum überteuerten Erstwein Leoville las Cases bietet Clos du Marquis. Vom erstaunlich kräftigen, langlebigen und fruchtigen 85er hatte ich 1989 für freundliche € 6.40 die Flasche 48 Halbe gekauft. Bis zur letzten Flasche 1996 legte der Wein kontinuierlich zu und erreichte zum Schluss ein Niveau von 90/100. Sehr große Flaschenunterschiede gibt es leider bei Ducru Beaucaillou. Mit meinen eigenen acht Flaschen hatte ich Glück. Das waren allesamt Traum-Ducrus, seidig, elegant mit wunderschöner Frucht, ein würdiger Nachfolger von 70 und 78, getrunken 1995 bis 1998 mit stets ähnlichem Resultat – 93+/100. Leider musste ich 1997 und 1998 in mehreren Restaurants zwischen Wien und Paris 85er Ducrus erleben, die einen stark korkähnlichen Muffton aufwiesen, der durch Belüftung des Weines nicht wegging, sondern schlimmer wurde. Ducru hatte wohl in der zweiten Hälfte der 80er massive Probleme mit Holzschutzmitteln, die einige Chargen weniger, andere stärker tangierten. Das Chateau hat sich nach außen nicht darum geschert und diesen Hochrisikowein munter an ahnungslose Kunden ausgeliefert. Eine Frechheit sondergleichen!(gilt leider auch für andere Chateaus und wiederholt sich derzeit weltweit mit der TCA Problematik), Ich mache seitdem um Ducrus der Jahre 85 bis 90 einen großen Bogen. Schade um diesen sonst so großen Wein. In der großen Ducru-Probe 2006 dann noch mal ein Exemplar ohne diesen Fehlton, allerdings auch ohne den Charme früherer Jahre, ein feiner, gefälliger Wein, der auch in dieser Version seine besten Zeiten schon hinter sich hat – 89/100. Zuletzt 2009 auf der großen Ducru-Probe in Krems wieder völlig daneben. Einer meiner Lieblingsweine in 1985 ist Gruaud Larose. Seit 1988, wo er für einen Gruaud bereits erstaunlich offen und trinkreif war, dutzende von teil richtig euphorischen Verkostungsnotizen. Nur einmal habe ich den Gruaud verschlossen erlebt, 1993 aus der Imperiale, aber mit immensem Potential. In der Eintel meist mit 93-94/100 bewertet, deutlich höher noch in der Magnum. So 2001 bei Jörg Müller, wie ein Zwilling des 45 Talbot, auf dem Punkt, seidig, aber sehr lang, feine Trüffelnote, Bordeaux vom Allerfeinsten – 97/100. 2002, 2003 und 2004 bei Jörg Müller weitere Traum-Magnums, jugendlich, frisch, druckvoll mit toller Frucht, Gruaud wie er schöner kaum sein kann – 96+/100. Doch keine Rose ohne Dornen. In einer kürzlich ersteigerten Magnum begann der Gruaud begann sehr streng und animalisch, brauchte sehr viel Luft, ist da jetzt der Lack auch schon ab? - 91/100. Die zweite Magnum dann 2006 deutlich besser, brauchte einfach Luft und entwickelte sich dann im Glas Leder, Zedernholz, Tabak, im positiven Sinne schweißige Aromen, sehr dicht und für einen 85er immer noch erstaunlich jung wirkend - 92/100. 2007 aus der Magnum wieder in Topform. Statt Schokolade gab es die Essenz reifen Cabernets, feine Zedernholzwürze, reife Beeren, einen Hauch Trüffel, etwas Tabak. Die typische Aromatik eines großen Medoc eben, reif, aber ohne Alter, zugänglich und doch noch mit viel Kraft, einer dichten Farbe und guter Länge am Gaumen, ein echter Klassiker – 95/100. Kurz danach in einem Restaurant eine wohl nicht optimal gelagerte Flasche, die deutlich müder wirkte und am Gaumen eine irritierende Schärfe zeigte – 87/100. 2009 dann wieder eine Magnum in Topform – 94/100. Erinnerte 2013 in seiner herrlichen, hedonistischen Art und mit der immer noch vorhandenen Röstaromatik an Mouton – WT92. 2014 ein perfekt balancierter, zeitloser Traum mit schöner Frucht, feinem Schmelz, einfach sehr guter, reifer Cabernet – WT94. Auch 2016 bei Jörg Müller auf diesem Niveau – WT94. 2017 sehr fein und elegant, kein Alter – WT93. Nix mehr los 2002 auf einer Probe mit Leoville Barton, schon wieder so ein ausgetrockneter, dürftiger 85er – 85/100. Zuletzt 2008 in Warendorf wieder inzwischen ein etwas ausgetrockneter, rustikaler Tropfen mit leicht animalischer Nase, wenig Frucht und noch weniger Charme. Die etwas staubigen, immer noch reichlich vorhandenen Tannine werden ihn noch länger auf diesem Niveau erhalten, aber für wen eigentlich ? – 85/100. Großer Stoff hingegen Leoville las Cases. Der machte schon 1989 zum Ende seiner Fruchtphase viel Trinkvergnügen, verschloss sich dann aber ein paar Jahre. In der 85er Probe 1999 dann mit dichter Farbe, sehr kräftig, schon wieder gut trinkbar – 94/100. 2000 in einer anderen Probe beerig, fruchtig, erstaunlich schön und zugänglich 94/100. Eine sensationelle Flasche Ende 2000 in einer Krähling-Probe, irrer Stoff mit Frucht und Länge, schlug Comtesse und Cheval locker - 98/100. Das war aber sicher ein positiver Ausreißer nach oben. Hatte 2010 Frucht, Fülle, Struktur und präsentiert sich einfach als großer, gereifter Wein in totaler Harmonie – 95/100. 2012 ein immer noch so jung, so vital wirkender Wein mit enormer Strahlkraft, superbe Frucht, großartige Struktur und Länge, reif, aber sicher noch mit 15-20 Jahren Zukunft – 96/100. Wirkte 2015 mit Zedernholz und präziser, rotbeeriger Frucht noch fast zu jung – WT94+. Der Leoville Poyferré war 2014 bei Jörg Müller noch so quicklebendig und voll da mit Superfarbe und guter Frucht – WT94. Eine relativ helle Farbe hatte im Frühjahr 2005 Talbot, der damals bei allen Cordier-Weinen übliche „Cordier-Stinker“(Brettamycose) pur, darunter feine, rotbeerige Frucht, aber auch schon leicht gezehrt wirkend, hat wie viele 85er seinen Höhepunkt schon hinter länger hinter sich, aus Müllers hervorragendem Keller immer noch erstaunlich schön auf 87/100 Niveau. Sehr gefällig und ohne Alter 2015 aus der Doppelmagnum mit feiner, rotbeeriger Frucht, am Gaumen weich, reif mit süßem Schmelz – WT92.

Leider seit 1988 nicht mehr getrunken habe ich Chasse Spleen. Damals gehörte er in einer Cru Bougeois Probe des Caveau zu den schöneren Weinen. Ob sich La Lagune jemals richtig öffnet? 1997 und 1998 fing dieser, jahrelang untrinkbare dunkle, tanninige Stoff zögerlich an sich zu öffnen, brauchte aber zur vollen Trinkreife sicher noch etliche Jahre, trotz immer noch kräftiger Tannine schon ein Genuß - 90/100 mit Potential für mehr, falls er sich richtig öffnet und nicht austrocknet. So schön alte Lanessans sind, die neueren Jahrgänge kann man weitestgehend vergessen. Den 85er habe ich nur einmal 1988 im Caveau verkostet, Muffton, dünn, bitter. Mit so was könnte ich meine Punkteskala im unteren Bereich eichen. Wie schnell es mit den 85ern abwärts gehen kann, zeigte Sociando Mallet. 1999 in Brüssel war das noch ein feiner, reifer Wein – 86/100. Zwei Jahre später in einem anderen Restaurant nur noch ausgetrocknete Plörre.

Angludet war 1989 in Chicago ein tannhaltiger, kräftiger Wein, dem es aber an Frucht und Finesse fehlte. Sicher noch trinkbar, aber Genuss schreibt man anders. Cantemerle war 2002 zweimal bei Jörg Müller ein traumhaft weicher, eleganter, schmeichlerischer Wein mit trotzdem einer gehörigen Portion Druck, steht hinter 83 und 89 nicht zurück – 91/100. Einen großen Bogen sollte man auch um du Tertre machen. 1989 hatte der mal einen kurzen Höhepunkt, ein herrlich feinduftiger, eleganter, typischer Margaux – 90/100. Schon 1995 war da passend zur erstaunlich hellen Farbe nichts mehr mit los. So was würde ich heute nicht einmal mehr aus Verzweiflung trinken. Überrascht war ich 2004 von einem d´Issan. Was da für kleines Geld auf Jörg Müllers Karte schlummerte, wirkte auf mich wie ein kleiner, reifer, schöner Pomerol, mit guter Frucht und noch lange nicht am Ende - 89/100. Trinkreif ist inzwischen Margaux, aber noch sicher mit Potential für 15-20 Jahre. Für 1985 war er ein Spätstarter. 1994 auf der Margaux-Probe in Mautern präsentierte er sich noch sehr zugeknöpft. Auch auf der 85er Probe 1999 öffnete er sich nur zögerlich und zeigte noch bissige Tannine. Ende 2000 dann endlich eine offenere Flasche, sehr schön gereifter, dichter Margaux mit toller Nase, beeriger Frucht und der typischen, unendlichen Eleganz - 94/100. Zuletzt Ende 2005 ein ungemein charmanter, feinduftiger, eleganter Wein mit sehr feiner, beeriger Frucht. Zugänglich und mit toller Länge am Gaumen. Nur ist das kein Probenwein, da geht er im Vergleich zu Powerweinen unter. So was trinkt man solo, am Abend vor dem Kamin oder an einem verregneten Samstag Nachmittag. Ein Wein zum Träumen und Philosophieren, der anregt, statt den Gaumen zu betäuben – 93/100. 2007 auf einer Braui Best Bottle in einer perfekten Magnum. Irre Farbe, so jung, fantastische Nase mit herrlicher Frucht, am Gaumen viel rotbeerige Frucht, Zedernholz, perfekte Kombination aus Kraft und Finesse. Immer wieder riechen, am Gaumen kreisen lassen, schlucken und dabei träumen. Margaux als Appelation und als Chateau wie aus dem Lehrbuch, feinduftig, elegant, aber gleichzeitig druckvoll, wie schön, dass es von dieser perfekten Ausnahme-Magnum reichlich ins Glas gab - 97/100. Nichts mehr los hingegen mit Pavillon Rouge. 2007 selbst aus der Magnum deutlich über Höhepunkt hinaus. Startete mit deutlichem Kellermuff, wurde mit der Zeit im Glas etwas besser, blieb aber weitgehend fruchtlos und langweilig – 82/100. Das war auch 2015 wieder der große Finessenmeister, hoch elegant, so feinduftig mit betörender, rotbeeriger Frucht, der Mineralität und dem perfekten Spagat aus Kraft und Eleganz. Schließlich steckt ja in diesem Samthandschuh eine Eisenfaust – WT96. Mehrfach habe ich 1992/93 den Marquis d´Alesme Becker getrunken, damals ein trinkreifer, fruchtiger, harmloser Wein auf 85/100 Niveau. Ähnlich Margaux war auch Palmer ein Spätstarter. Noch 1998 war das aus Jörg Müllers perfektem Keller ein ganz netter, feinduftiger und eleganter, noch etwas verschlossener Wein mit nicht allzu dichter Farbe, aber mehr als 88/100 waren da nicht drin. Deutlich offener und nachhaltiger dann 1999 in der großen 85er Probe – 93/100. Im Sommer 2005 eine deutlich reifere Flasche, sehr feiner, schöner Palmer mit kräftiger Astringenz und etwas bitter im Abgang. Schien schon etwas über Höhepunkt hinaus - 91/100. Auch 2011 in der Schweiz schon sehr reif und über den Höhepunkt hinaus – 90/100. Mehrfach in 2012 und 2013 wieder in Topform. Ende 2013 bei Elke Drescher aus der Doppelmagnum noch so jung, so fein, hoch elegant, tänzelte auf der Zunge, mit herrlicher, rotbeeriger Frucht, mit feinem, süßem Schmelz und schöner Länge. Mit Großflaschenbonus waren das locker WT95. Mehrfach in 2014 und 2015 einfach betörend mit burgundischer Eleganz, traumhafter Frucht und süßem Schmelz – WT95. 2016 und 2017 perfekt gereift mit geradezu burgundischer Pracht und Fülle, mit samtigem Schmelz, einfach ein eleganter, süchtig machender Traum - WT95. Ein angenehmer, fruchtiger Schmeichler ohne allzuviel Tiefgang war 1994 Prieuré Lichine – 86/100. Rausan Ségla wirkte 1999 ziemlich nichtssagend und baute schnell im Glas ab – 82/100.

Fieuzal war 2009 aus der Magnum schon etwas gezehrt und deutlich über den Höhepunkt weg – 85/100. Rauf und runter gehen meine Notizen bei Haut Brion. 1995 in Wien junge, nicht sehr kräftige Farbe, intensive, leichte Frucht, nicht allzuviel Tiefgang, keine Chance gegen 85 La Mission – 90/100. Da war er wohl noch zu jung. Um Klassen besser Ende 1996 in den USA und dann 1997 bei Jörg Müller, kräftiges Rubinrot ohne Alter, noch ganz am Anfang, brauchte viel Luft und Zeit, offenbarte erst mit dem letzten Glas das geniale Cigarbox-Aroma – 95/100. 1998 in den Schweizer Stuben zu einem von Fritz Schilling zubereiteten, ganzen schwarzen Trüffel ein Gedicht – 95/100. 1998 voll trinkbar mit wunderschöner Cigarbox-Note, eleganter und feiner als der deutlich nachhaltigere und etwas größere 86er – 95/100. 1999 in der 85er Probe total verschlossen und weit hinter La Mission – 90/100. Ende 2001 zweimal hintereinander in unterschiedlichen Restaurants erstaunlich reif und auf dem Punkt – 95/100. Eine merkwürdige, leicht käsige Flasche Ende 2002 im Kleinwalsertal – 91/100. Sehr enttäuschend 2005, sehr rustikal, erdig, wie ein Cocktail aus Blumenerde - 90/100. 2006 auf der großen Haut Brion Probe ein klassischer Vertreter dieses Jahrgangs, offen, reif, gefällig und schmeichlerisch mit wunderbarer Frucht. Den kann man so ohne zu Zögern aus dem Keller holen und auf hohem Niveau genießen – 95/100. 2012 auf der Balm Best Bottle deutlich jünger und zupackender wirkend – WT95. Ein großartiger gut (an)gereifter Schmuse Haut Brion mehrfach 2014 und 2015 – WT96. Gut entwickelt hat sich der seit 1996 gut 20mal getrunkene und in früheren Jahren eher enttäuschende La Mission Haut Brion. 2011 auf Elke Dreschers La Mission Probe war er offen, weich, zugänglich, gefällig, mit verführerischer, süßer Frucht und einfach wunderbar zu trinken, ein Wein, der reif scheint, aber sicher noch eine längere Karriere vor sich hat – 94/100. 2012 auf René Gabriels großer La Mission Probe offen, reif, lecker und unkompliziert – 92/100. Reif, weich mit Leder, Zedernholz und feinem Schmelz 2014 der Pape Clement – WT90. Der eigentlich zuverlässige La Tour Haut Brion schwächelte 2015 etwas und war nur ein Schatten seiner selbst – WT88. Ganz anders 2017, ätherisch, Cigarbox, spannend und noch so jung – WT93.

Ein ganz großer Erfolg in 85 ist l´Arrosée. Schon aus meiner ersten Flasche 1990 war das einer der damals schönsten 85er überhaupt. Mit wunderbarer Kirsch- und Johannisbeerfrucht und der samtigen Eleganz, die an die besten Flaschen des 61ers erinnerte, war er damals bereits voll trinkreif. 15 Jahre, 24 Flaschen, mehrere Magnums und 2 Doppelmagnums später hat er sich kaum verändert. Klar, da waren mal Flaschen dabei, die waren nicht ganz so stark, der überwiegende Teil aber grandios. Immer sehr feinfruchtig mit schmeichlerischer Finesse und toller Länge am Gaumen, konstant mit 91-94/100 bewertet. Im Dezember 2004 eine noch fast jugendlich wirkende Traum-Magnum auf 94/100 Niveau. Zuletzt Anfang 2006 wieder eine sehr schöne 1tel. Dürfte in gut gelagerten Flaschen sicher noch länger viel Freude bereiten. Zuletzt 2008 ein sehr aromatischer, feiner, leckerer Wein, bei dem trotz Reife noch keine Eile geboten ist – 90/100. Probleme hatte ich dagegen stets mit dem um ein Vielfaches teureren Ausone. Meine erste Flasche dieses Weines 1988 im Düsseldorfer Caveau war genauso ungenerös und zugenagelt wie meine letzte, einem der Schlusslichter einer großen 85er Probe 1999. Hoffnung besteht da auch keine, denn der Ausone ist zusätzlich ziemlich schwachbrüstig. Also meiden. Nur gute Erfahrungen habe ich mit dem erstaunlich frühreifen Cheval Blanc gemacht. Schon 1988 in einem großen 85er Vergleich war er erstaunlich offen und zugänglich und einer der Stars der Verkostung. 1999 auf Willi Krählings Cheval Blanc Probe aus der Magnum portig, würzig, kleidet den ganzen Gaumen aus und hört im Abgang gar nicht mehr auf – 95/100. Ich habe mich sofort auf die Suche nach (nicht billigen) eigenen Flaschen gemacht. Auch 2000 wieder ein wunderschöner, seidiger, aber auch kräftiger Cheval – 95/100. Wird nicht so alt werden, wie die klassischen Chevals, aber bei guter Lagerung sicher noch für 10 Jahre gut sein. 2005 nochmal auf Sylt. Das schönste an diesem Wein ist die faszinierende, für einen großen Cheval Blanc ganz typische Nase. An diesem Wein könnte ich stundenlang nur riechen! Am Gaumen nicht sehr konzentriert, eher ein etwas schlankerer Cheval Blanc mit feiner, rotbeeriger Frucht, aber mit unendlicher Eleganz und Länge – 95/100. 2006 eine nicht ganz perfekte Magnum, wieder mit dieser irren, unnachahmlichen Cheval Blanc-Nase, aber leicht störenden, grünen Tönen am Gaumen – 94/100. Und dann noch 2006 dreimal auf Sylt und einmal auf der großen Cheval Blanc Probe, konstant auf 95/100 Niveau. Auch 2008 auf René Gabriels großer Cheval-Probe war das wieder ein erotischer, verführerischer, süffiger, süßer, im besten Sinne burgundischer Cheval -95/100. 2011 wieder seidig, elegant, burgundisch, erotisch und einfach betörend – 95/100. Kam 2014 auf Sylt auf hohem Niveau mit der Comtesse nicht mit – WT93. 2017 ein traumhaft eleganter Schmuse-Cheval mit diesem wunderbaren, unnachahmlichen Cheval-Parfüm in der Nase. Auch diesen Wein sollte man nicht unterschätzen. Der wirkt seit 20 Jahren reif und legt immer noch zu. Deshalb WT95+. Nie richtig anfreunden konnte ich mich mit Figeac. Immer wieder störte mich dort die typische, an Kork erinnernde Nase, auch 1999 auf der großen 85er Probe. Und 2009 aus der Magnum wieder diese grenzwertige, medizinale, an Kork erinnernde Nase. Nein Spaß machte das nicht viel, zumal dieser Wein auch am Gaumen nicht gerade der Brüller war und schon etwas austrocknend wirkte – 86/100. Deutlich besser 2011 auf der Figeac-Probe der Linzer Gang, der Fehlton in der Nase zwar auch spürbar, aber in deutlich angenehmerer, weicherer, süßerer Form. Auch am Gaumen war dieser Wein weich, gefällig, fast etwas schmusig, dabei sehr elegant und hoch aromatisch, ein Figeac auf Cheval Blanc Niveau – 93/100. La Magdelaine hatte 2011 im Chat Botté in Genf eine traumhafte Nase, die an das legendäre Parfüm von Cheval Blanc erinnerte, bestens bestückt mit pikanter Frucht, Leder, Tabak, eben den klassischen Bordeaux-Aromen, auch am Gaumen diese wunderschöne Frucht, viel Kraft, gut eingebundene Säure, so frisch wirkte dieser Wein noch, so lebendig, so animierend, da ist in guten Flaschen wie dieser noch Musik für lange Jahre – 94/100. Überraschend gut hat sich der in seiner Jugend sehr verschlossene, sperrige Pavie entwickelt. 2004 auf einer Best Bottle war das ein großer, wunderbarer gereifter, klassischer St. Emilion, für den sich auch ein Gut wie Cheval Blanc in diesem Jahr nicht schämen müsste – 94/100.

Ein Bon Pasteur brauchte 1995 1-2 Std. Luft und entwickelte sich dann zu schönem Schmeichler – 87/100. Certan de May hatte 1995 im Sonora eine helle Farbe, schöne Frucht, war weich, voll entwickelt, erstaunlich leichter Gaumenschmeichler mit wenig Zukunft – 87/100. Auch Clinet ist so ein 85er, der nur kurz aufblühte. 1991 war das ein erstaunlich üppiger Wein, reife, volle Frucht, tolle Länge am Gaumen – 92/100. 1996 war das nur noch ein nettes Weinchen – 86/100. Heute würde ich da nicht mehr dran gehen. Nie groß war Croix de Gay. 1997 war er darüber hinaus mit kräftiger, aber sehr bräunlicher Farbe schon deutlich über den Zenit – 85/100. Einer der wenigen guten Pomerols in 85 und gleichzeitig einer der Top-Bordeaux des Jahrgangs ist l´Eglise Clinet. Mehrfach zwischen 1995 und 2001 auf sehr hohem Niveau getrunken und erfolgreich von vielen Restaurantkarten eliminiert. 2002 bei und mit Michael Unger, traumhaft gereifter, eleganter Pomerol mit viel Druck am Gaumen - 95/100. 2009 aus der Magnum ein enorm druckvoller, spannender, großer Pomerol mit viel Gewürzschokolade. Immer noch jung wirkend und sicher langlebig – 95/100.So auch zuletzt 2013 mit Süße, Schmelz, Struktur und Klasse, ein enorm druckvoller, spannender, schokoladiger Pomerol ohne Alter – WT95. Sicher noch lange Zukunft. Leider kann man das von l´Evangile nicht uneingeschränkt behaupten. Sechs halbe Flaschen habe ich davon aus eigenen Beständen zwischen 1998 und 2002 getrunken. Alle waren ausnahmslos perfekt, ein großer, üppiger Merlot mit wunderbarer Frucht und sicher 95/100 wert. Soweit, so gut. Nur waren da leider etliche Erlebnisse auf Proben, die nicht in dieses Bild passen. 1997 in Bargum säurebetont und nicht in der Liga von 82 und 90 – 92/100. 1999 der Star einer großen 85er Probe – 96/100. 2000 auf einer Probe sehr beerig, schön, aber ich kenne ihn druckvoller und kräftiger - 92/100. 2001 kurz, schon etwas gezehrt, muss weg, da scheint es wirklich 2 verschiedene Füllungen zu geben – 83/100. 2012 aus der Magnum immer noch so kräftig, maskulin wirkend, immer noch so jung, hat bis auf den fehlenden Schmelz alles – 95/100. Sehr gut gelungen ist La Fleur Petrus. 1994 durfte ich ihn aus einer wunderbaren Imperiale trinken. 1997 dann bei Jörg Müller reife Farbe, sehr reife Merlotnase, Bitterschokolade, voll auf dem Punkt – 91/100. La Grave Trignant de Boisset war 1998 im Züricher Caveau ein gefälliger, voll trinkreifer Gaumenschmeichler – 88/100. Meine erste Flasche Lafleur war auch meine bisher beste. 1989 in seiner Fruchtphase war der Lafleur im Düsseldorfer Caveau ganz anders als Petrus, viel zugänglicher, kräftige, offene Frucht und Merlotnase, die an 85 Cos erinnerte, wobei dieser Wein länger ist. Schon heute trinkbar und wohl kaum noch besser werdend, notierte ich damals – 95/100. 1997 und 1999 dann sehr verschlossen mit dominierenden Tanninen. Zuletzt im Herbst 2004, inzwischen offener mit der klassischen, etwas kräuterigen Lafleur-Nase, sehr mineralisch, immer noch jung, aber groß ist anders - 93/100. 2009 aus der Magnum ein gewaltiges, faszinierendes Kraftbündel, sehr mineralisch mit der Lafleur-typischen Kräuter-Orgie, immer noch geprägt von massiven Tanninen, dürfte erst in 10 Jahren richtig zur Hochform auflaufen – 94+/100. 2012 am Attersee Wirkte fein, weich, feminin, elegant mit guter Säure, aber wenig „Bums“ – 94/100. Auch aus einer weiteren Flasche Ende 2012 sehr zugänglich, offen und fast etwas zahm präsentierte sich wieder 1985 Lafleur mit kräuterig-süßem Schmelz, mit enormer Fülle am Gaumen, unter der sich aber auch reichlich Kraft verbarg. Legte im Glas immer mehr zu – 95/100. 2014 aus der Halben rauchig, kräuterig, speckig, sehr kräftig mit gewaltigem, aromatischem Druck, aber auch mit generösem Schmelz – WT97. Große Freude hatte ich im Sommer 1999 und im Sommer 2000 mit insgesamt 3 Doppelmagnums Lagrange-à-Pomerol. In diesen großen Gebinden war das ein klassischer, perfekt gereifter Pomerol mit fazinierender Aromatik, perfekt gereift und samtig lecker, schöne Beerenfrucht, massig Schokolade – 91/100. Zeigte sich 2016 aus der Jeroboam weich, gefällig, samtig mit guter Beerenfrucht und Schokolade. So ein richtiger Schmusepomerol mit vollem Verwöhnaroma – WT92. Sehr zugeknöpft mit deutlichen, aber sehr reifen Tanninen war Latour-à-Pomerol 1992 und 93. 1997 war er dann voll da, ein weicher, gefälliger Schmeichler, der sich auf diesem Niveau noch ein paar Jahre halten dürfte – 89/100. Von Petrus war ich früher meist enttäuscht. 1999 auf der 85er Probe und schließlich 2005 auf der großen Petrus-Probe aus der Magnum war er deutlich besser als alles, was ich bisher von diesem Wein gesehen habe. Rote Johannisbeere, sehr harmonisch und ausgewogen. Mit etwas mehr Fett hätte das ein zweiter 71er werden können. Die Stilistik ist nicht unähnlich, nur die Kraft fehlt – 93/100. Hat sich leider nicht weiter verbessert. 2008 bei den Ungers war ist da zwar eine süße, auch leicht stallige Nase, aber am Gaumen fehlt es bei aller Kraft an Finesse. Auf niedrigem Niveau entwickelt sich der 85er im Glas und wird etwas schokoladiger, große Zukunft sehe ich da aber nicht – 88/100. 2014 aus der Halben sehr feiner, süßer Wein mit verführerischem Schmelz im Glas auf WT95 Niveau. Auch 2015 aus der 1tel ein sehr feiner, aromatischer, süßer Wein mit verführerischem Schmelz – WT95. Das kann man bei Le Pin nicht sagen. Ich erinnere mich nicht nur an eine grausame Magnum 1992 in einer großen Le Pin Probe, sondern auch an zwei hedonistisch-leckere 1tel 1994 und 1995 auf 95/100 Niveau. 1999 in einer 85er Probe war der Le Pin sehr süßlich, Johannisbeermarmelade, wird im Glas etwas diffus, hat die beste Zeit hinter sich – 92/100. 2010 auf René Gabriels großer Le Pin Probe aus der Magnum ein eher eleganter, schlanker, feiner, aber sehr überzeugender Wein recht gut mit seiner süßen, generösen Litschi-Nase und den roten Johannisbeeren, feine Süße auch am Gaumen – 95/100. 2013 aus der Magnum Pomerol vom feinsten, einfach dekadenter, süßer Schmelz mit erotischer Frucht, Cassis pur, so seidig, so elegant, absolut stimmig mit feiner Mineralität, Hedonismus in seiner schönsten Form – WT97. Eigentlich immer enttäuscht hat mich früher Trotanoy. So zuletzt 1999 auf der 85er Probe war er rustikal, etwas dünn und brach am Gaumen völlig ab – 85/100. Trotzdem schlug ich im Sommer 2006 auf Sylt noch mal zu. Ins Glas kam ein gut gereifter, verführerischer Merlot mit viel Biss, Schmelz und Bitterschokolade. Davon genehmigten wir uns gleich noch eine weitere Flasche – 90/100. An gleicher Stelle und auf gleichem Niveau „entsorgten“ wir im Sommer 2007 die letzten zwei Flaschen des Hauses. Gut 1999 ein Vieux Chateau Certan gefallen, ein reifer, charmanter Wein mit guter Frucht und feiner Süße, sicherlich nicht für die Ewigkeit gemacht – 90/100. Ähnlich, vielleicht noch etwas jünger wirkend 2005 auf der Vieux Chateau Certan-Probe, Powerfarbe, sehr konzentriert und noch fast jugendlich wirkend mit guter Frucht und feiner Süße – 90/100. Zuletzt 2012 aus der Magnum noch sehr jung, stimmig und ausgewogen – 90/100.

Domaine de ChevalierBlanc braucht ein gewisses Alter, meist 5-10 Jahre. Danach hält er sich dann etwa 10 Jahre auf hohem Niveau. Danach ist er keineswegs fertig und kann in guten Jahren gut 20-30 Jahre und mehr altern, ist dann aber längst nicht mehr so schön. Meine erste Flasche des 85ers 1990 in Bordeaux war ein sensationeller, langer Wein mit herrlichem Mandel-Aroma – 96/100. Auf diesem Niveau habe ich dann bis 2000 ein gutes Dutzend Flaschen getrunken. Ab 2002 kamen dann die ersten Fragezeichen, war der Lack ab? Der Wein wirkte müde. Die letzte Flasche im Februar 2005 begann mit unangenehmen, störenden Neben- und Alterstönen und wirkte leicht faulig. Weggestellt und am nächsten Tag probiert. Da waren die Nebentöne weg und der Wein deutlich besser, wenn auch nicht auf dem alten Niveau. So komisch es klingen mag, ich würde ältere Domaine de Chevaliers immer dekantieren. Diesen zusätzlichen Sauerstoff-Kick können sie gut gebrauchen. Sehr gut altern kann Fieuzal Blanc. Den großen 85er habe ich leider nur einmal, 1991 getrunken, damals ein Riesenwein ganz am Anfang einer langen Entwicklung. Zum hochgelobten, sündhaft teuren Haut Brion Blanc habe ich 2000 notiert: mögen wir ihm wünschen, dass es noch kommt oder schon weg ist - jeder Fieuzal läßt diesen verhaltenen, frischen Tropfen alt aussehen – 85/100. Den Laville Haut Brion habe ich wohl 2000 noch gerade in seiner besten Genussphase erwischt, tolle Frische und Aromatik, großer Früchteteller – 95/100. Eine weitere Flasche 2001 war schon deutlich reifer und weiter, der Lack war da schon zum Teil ab – 88/100.

Gilt nicht als guter Sauternes-Jahrgang. Es gab Probleme mit der Ausbildung der Boytritis. So wurden nur wenig Sauternes geerntet und die waren auch nicht besonders lagerfähig. de Fargues war 2010 ein sehr feiner, hoch eleganter Wein mit schöner Honignote, nicht zu süß, aber wunderbar balanciert mit endlosem Abgang – 92/100. Sicher eine Suche wert. Sehr reif schien bereits 2010 ein d´Yquem. Tiefes Goldgelb, erstaunlich weit und offen mit süßer Nase, Honig, exotische Früchte, reife Orangen, Apfeltarte, auch am Gaumen süß mit wunderbarer Fülle und angenehmer Bitternote im Abgang. Was fehlt sind Spannung und Struktur eines großen Yquem. Der hier wirkt auf allerdings hohem Niveau etwas plump und simpel – 90/100. Hatte sich 2015 Gut entwickelt, zeigte sich jünger, süßer und konzentrierter mit feiner Kräuter-/Honignote – WT93+.

Sehr gutes Jahr für Rote Burgunder. Üppige, reichhaltige Weine mit schöner Frucht und gutem Alterungspotential wurden geerntet. Allerdings auch viel überteuerter Mist, da viele Winzer im Burgund immer noch zuviel ernteten. So sind viele 85er Burgunder inzwischen schon verdammt müde und mit Vorsicht zu genießen.

Seine Zukunft bereits hinter sich hatte 2015 der Nuits-Saint-Georges von Paul Bouchard. Gut zwar die Frucht, der wein wirkte aber austrocknend am Gaumen und war geprägt von massiver Säure – WT85. Riesengroß in 1985 ist der La Tâche von DRC. 2001 auf einer Blindprobe war das für mich ein großer Rhone-Wein, würzig, dicht, irre Nase, komplex, üppig, füllig, exotisch – 97/100. Ein Jahr später auf einer DRC-Probe gefiel er mir auf ähnlichem Niveau im direkten Vergleich besser als Romanée Conti. Das muss nicht so bleiben. Letzterer präsentierte sich mit kräftigem Burgunderstinker, war noch ganz am Anfang mit viel Potential - 95/100. Groß im Sommer 2005 auch der Richebourg von DRC. Ein noch sehr jung und fast etwas ungestüm wirkender, dichter Wein mit perfekter Aromatik und ewiger Länge am Gaumen. Hat noch viel Alterungspotential - 96/100. Für deutlich älter hatte ich 2006 in einer Probe den Grands Echezeaux von DRC gehalten. Verdammt reife Farbe mit deutlichen Brauntönen, pfeffrige Nase, würzig, tolle Aromatik und Komplexität, vielschichtige Frucht, ginge auch als großer 59er durch mit toller Länge und Finesse. Faszinierend, wie dieser Wein sich entwickelte und im Glas ausbaute – 94/100. Eine deutlich bessere, einfach göttliche Flasche verwöhnte uns 2015 mit herrlicher, süßer Beerenfrucht. So charmant, so eine spielerische Eleganz, einfach die Leichtigkeit des Seins in rot – WT96. Der rote Clos des Mouches von Drouhin kam mit dem weißen nicht mit. Die sechs halben Flaschen, die ich davon zwischen 1991 und 1996 getrunken habe, waren brave, solide Weine auf 85/100-Niveau, die auch nicht viel älter werden durften. Auch ein Clos Vougeot von Drouhin-Laroze war 1998 aus der Magnum lecker, unkompliziert, aber erstaunlich weit und reif – 87/100. Ein Echezeaux von Dufouleur hatte 2015 eine junge, brilliante Farbe, superbe, präzise Frucht, kalkige Mineralität, noch so frisch, so stimmig und balanciert - WT95. Leider bisher nur einmal, 1991, habe ich den Corton Clos des Cortons von Faiveley getrunken. Damals ein komplexer Spitzenburgunder mit beachtlicher Intensität und Länge, ganz am Anfang seiner Entwicklung – 93/100. Eher enttäuschend vom gleichen Erzeuger 2006 ein Latricières Chambertin. Helle, reife Farbe, erstaunlich weit und reif, leichte Süße, elegant, leichtfüßig, aber leider auch einer dieser etwas verwaschenen 85er Burgunder, sähe gegen den 29er aus dem gleichen Hause keine Sonne! – 89/100. Besser 2007 von Faiveley ein Mazis Chambertin, voll da mit guter Frucht, wunderbarer Fülle, druckvoller Aromatik und guter Länge am Gaumen – 92/100. Sollte sicher in den nächsten Jahren getrunken werden. Der Richebourg von Jean Gros war 2009 ein perfekt gereifter, großartiger, immer noch kräftiger, sehr nachhaltiger und komplexer Burgunder traditioneller Machart, schlichtweg Burgund zum Niederknien – 95/100. Geradezu ein Aromen-Pfauenrad schlug 2008 ein Clos de la Roche von Georges Lignier&Fils, dazu Fülle und Kraft, voll auf dem Punkt mit toller Länge, so machen auch Burgunder aus dieser Zeit Spaß – 95/100. Einen deutlichen Stinker in der Nase hatte 2013 der rustikale, aber nicht uninteressante Aloxe Corton Les Vercots von André Masson – 87/100. Enttäuscht war ich 2007 von einem Clos Vougeot von Meo Camuzet. Der wirkte schon sehr reif und auch etwas müde – 87/100. Jung, charmant, kräuterig und kräftig 2011 der Grands Echezeaux von Mongeard-Mugneret, etwas rustikal mit leicht ruppigen Tanninen – 92/100. Im Sommer 2006 bei Jörg Müller ein Clos Vougeot von Rousseau, den ein Tisch als korkig hatte zurückgehen lassen. Der Wein hatte zwar leichte Fehltöne in der Nase und wirkte etwas fischig. Am Gaumen war das aber ein prachtvoller Burgunder mit Kraft und Fülle. Auch die Nase wurde mit der Zeit deutlich besser. Von Kork keine Spur – 92/100. Ein Chambertin Clos de Bèze von Armand Rousseau war 2007 ein recht schöner, gefälliger, schon verdammt reifer Burgunder neuen Stils, der mich aber nicht besonders anmachte – 89/100. Der Chambolle Musigny 1er Cru La Combe D'Orveau von Taupenot-Merme war 2016 noch so frisch mit pikanter, rotbeeriger Frucht, guter Säure, Finesse und Eleganz, schöne Länge - WT93.

Sehr schöne Weiße Burgunder gab es in 1985, aber nicht sehr lagerfähig. Da ist inzwischen Vorsicht geboten.

Chevalier Montrachet von Chartron Trebuchet hatte 2007 Petrol und Weihrauch in der Nase, am Gaumen eindimensional, langweilig und schon ziemlich oxidiert – 81/100. Eine Frechheit ist, was so alles unter dem klingenden Namen Le Montrachet angeboten wird. Ein Le Montrachet Baron Thénard war 1995 nichtssagend, außer viel Säure wenig dahinter, da hat wohl jemand zuviel geerntet - 83/100. Begeistert war ich 1991 von einem Meursault Charmes von Bizot. Gut 12mal habe ich zwischen 1991 und 2001 den Clos des Mouches von Drouhin getrunken. Da gefiel mir meine erste Flasche genauso gut wie die letzte und alle zwischendrin, Weißer Burgunder vom Allerfeinsten, cremig, reichhaltig mit tollem Abgang – 95/100Noch sehr verschlossen war 1989 ein Bienvenue-Batard Montrachet von Leflaive, zeigte aber großes Potential. Der Le Montrachet von Ramonet wirkte 1992 in einer Ramonet-Probe sehr elegant und schlank mit viel Potential. Ein Jahr später, ebenfalls in einer Ramonet-Probe entpuppte er sich als Weinchamäleon, das sich fortlaufend im Glas wandelte, dabei schön ausbaute und immer noch viel Potential zeigte – 94/100.

Sehr gutes Rhone-Jahr, insbesondere im Norden, wo Guigal mit seinen drei grandiosen LaLas Zeichen setzte.

Gut gefallen hat mir 2003 ein Hermitage Blanc von Chave. Erstaunlich, welche Frische sich dieser Wein bewahrt hatte, in der Nase großes Blumenbeet, sehr elegant, finessig – 91/100. Enttäuschend 2006 ein Côte Rotie von Chapoutier. Das war leider ein verdammt kleiner Côte Rotie aus diesem Superjahr, der Chapoutier keine Ehre machte, wirkte etwas ausgetrocknet und flach mit mehr Säure als Frucht und dabei sehr kompakt – 86/100. Da gefiel mir eine für kleines Geld erworbener Côte Rotie in einer englischen Berry Brothers Abfüllung 2006 schon besser, geschmeidig, präzise, feine Frucht, relativ hohe Säure 87/100. 2011 erstaunlich jung wirkend, ledrig, fruchtig, animalisch mit guter Säurestruktur, hat über die letzten Jahre kontinuierlich zugelegt – 92/100. Zeigte 2017 eine wunderbare, präsente, würzige, rotbeerige Frucht und war einfach rund mit samtiger Eleganz – WT95. Neben Guigals LaLas wird oft sein Côte Rotie Brune et Blonde übersehen, dabei bietet gerade dieser Wein ein fantastisches Preis-/Genussverhältnis. Vom 85er habe ich zwischen 1990 und 2002 36(!) halbe Flaschen verdrückt, ein verführerischer, schmeichlerischer Wein auf 90/100 Niveau, der auch bei der letzten Flasche noch keinerlei Schwäche zeigte. La Turque habe ich zum ersten Mal 1997 bei Ducasse in Paris getrunken. Eigentlich nur als Verlegenheitslösung, die Bordeaux waren auf der Karte nicht nur zu jung, sondern auch exorbitant teuer, während der La Turque fast zu einem Spottpreis angeboten wurde. Erst war ich enttäuscht, denn was da ins Glas kam, war zwar noch jugendlich, aber doch erstaunlich hell, auch am Gaumen nicht der erwartete Hammer, sondern wunderschöne Frucht, viel Eleganz und Finesse, auch Länge, aber sicher kein 100 Punkte Wein - 96/100. Wahrscheinlich durchlief der Wein damals eine schwierigere Phase, denn 2001 auf einer Best Bottle bei Schorn entsprach er wieder voll der Papierform, irres Zeugs mit explosiv-fruchtiger, pfeffriger Nase, tut am Gaumen fast weh, noch viel zu jung - 100/100. Hedonismus pur 2015, so süß, so würzig, mit so einer geradezu explosiven Aromatik. Da lohnte es, diesen Wein eine Weile im Glas stehen zu lassen. Erst dann ging richtig die Post ab und der La Turque schlug sein gewaltiges Pfauenrad an Aromen – WT98. Anfang 2007 dann La Mouline. Gewaltiger aromatischer Druck, burgundische Pracht und Fülle, in seiner Üppigkeit schon fast ein kalifornischer La Mouline, aber nicht plump und aufdringlich, sondern im besten Sinne distinguiert. Ein Wein, der alle Sinne fordert und mit unendlicher Tiefgründigkeit belohnt. Klingt vielleicht blöd, aber ich würde diesen Wein noch ein paar Jahre liegen lassen. Potential für 100/100 hat er auch, aber mit dem riesengroßen 82er konnte er im direkten Vergleich nicht voll mithalten – 98+/100. 2016 Speckig, rauchig sehr würzig, elegant mit süßem Schmelz – WT97.

Unterschätzt habe ich den Hermitage la Chapelle. 1998 auf einer Drawert-Probe war er sehr kräftig, aber mit wenig Frucht, ich dachte, der trocknet irgendwann aus - 90/100. 2002 zeigte eine weitere Flasche, dass dieser Wein noch enormes Potential hat, sehr dicht mit viel Druck am Gaumen, aber auch erstaunlich reif, hat sich wunderbar entwickelt, im Abgang massiv Süßholz und Lakritz – 92/100. 2009 aus der Magnum erdig-würzig, lakritzig, ein komplexer, großer Wein mit immer noch guter Zukunft – 94/100. 2012 Animalisch, kräftig, rassig, kernig mit viel Mokka, Espresso und dunklem Toffee – 94/100. 2016 Als dichtes, junges, geiles Powerteil mit puristischer Frucht und großer Zukunft – WT95.

Vollreif und auch etwas brav wirkte 1998 ein Beaucastel – 88/100. Mehrfach in den Jahren vorher mit ähnlichem Resultat aus der ½ getrunken. Clos des Papes war Ende 2012 ein immer noch geradezu jungendlich wirkender Pracht-Chateauneuf mit altersfreier Farbe, schwarzkirschiger Frucht, schwarzem Pfeffer und einer unglaublichen Kraft und Dichte. Baute enorm im Glas aus und dürfte noch eine lange Zukunft haben – 95/100. Ein perfekt gereifter Rhone Wein mit wunderbarer Aromatik war 2003 ein Chateau Fonsalette Reserve - 93/100.

Riesling Brand Vendange Tardive von Zind Humbrecht war ein enormer, druckvoller Wein, der allerdings seine Restsüße (noch) nicht verbergen konnte – 93/100.

Ein sehr gutes Weinjahr auch an der Loire.

Bei der Bearbeitung dieses Jahrgangs fiel mir ein, dass ich noch eine OHK Clos de la Coulée de Serrant im Keller liegen hatte. Ich hatte diesen Wein aus dem Jahrgang, in dem das Gut komplett auf Bio umstellte, nur einmal getrunken. Damals, 1989, war er noch viel zu jung und sehr verschlossen. Also runter in den Keller, Kiste aufgemacht und probiert, übrigens keinen Moment zu früh. Das war ein stoffiger, fülliger Wein mit kräftiger, aber reifer Säure, schöner Mineralität, in der Nase reife Zitrone und ein Schuß Feuerstein, noch ganz am Anfang und sicher noch 10+ Jahre lagerfähig – 91/100. Wirkte 2010 reifer und zugänglicher, dürfte aber noch lange halten – 89/100.

Sehr schöne trockene Elsässer Weine aus 1985 habe ich Ende der 80er/Anfang der 90er getrunken, so z.B. den Riesling Clos des Capucins von Faller, von dem ich 24 wunderbare halbe Flaschen hatte. Noch 10 Jahre zu jung war 1992 ein sehr beeindruckender Riesling Cuvée St. Martin von Josmeyer mit Potential für 90+/100. 2010 bei Jörg Müller noch so jung, so frisch, so stahlig mit viel Zitrusfrucht, sehr intensiv und lang am Gaumen – 91/100. Einfach zu jung war Clos St. Hune von Trimbach 1996 auf einer Probe. Deutlich besser dann 1998 in Paris im Lucas Carton. Sehr jung und frisch mit feiner Riesling-Frucht, kräftiger Säure und sehr mineralischem Ton, entwickelte sich mit der Zeit im Glas und wurde nach einer Stunde grandios und komplex, wobei Petrol nur ganz dezent und nicht störend zu spüren war, stand erst am Anfang einer längeren Entwicklung und müsste immer noch gut sein – 93/100. Zuletzt 2012 kräftig und ziemlich heftig wirkend mit deutlicher Kräuternote und sich mit der Zeit immer mehr Richtung Bailey´s Irish Cream entwickelnd – 88/100. Groß 2012 von Trimbach die Cuvée Frederique Emile, etwas kräftiger und dichter, nicht ganz so fein, aber ebenfalls mit unglaublicher Länge – 94/100. Sehr reif war 2008 ein La Louve de Wolfberger, ein Tokay Pinot Gris aus dem Elsaß. Goldgelbe, reife Farbe, deutlich oxidative Nase, aber auch mit Süße und Bitternote, am Gaumen immer noch schöner Trinkfluss mit wiederum deutlicher Bitternote im Abgang – 85/100.

Richtig begeistern konnte ich mich für den Mas de Daumas Gassac bisher nicht. Bei zwei Gelegenheiten, 1994 und 1996 erwies er sich als noch etwas unfertig mit kräftigen Tanninen, guter Säure, tiefe, kräftige Farbe ohne Alter, in der Nase massig Teer und etwas Trüffel, wenig Frucht. Könnte sich als recht langlebig erweisen – 88/100 mit Potential für 2-3 mehr. Domaine de Trevallon war 1999 ein wunderbarer, perfekt gereifter Wein mit ersten Alterstönen in der Farbe, die Nase mit reifen Sauerkirschen noch schöner als der Gaumen – 91/100.

Viele schöne trockene Weiße aus Deutschland habe ich Ende der 80er/Anfang der 90er getrunken. Die dürften aber inzwischen alle deutlich über den Zenit hinaus sein. Letztes Beispiel war 2010 eine Ruppertsberger Hoheburg Riesling Spätlese trocken von Bürklin-Wolf, sehr reif und deutlich älter wirkend, langweilig – 81/100. Zuletzt noch mal 2013 gezehrt – WT80. Die Graacher Himmelreich Riesling Auslese trocken von Dr. Pauly-Bergweiler hatte 2013 eine helle, brilliante Farbe, einfach geile, mineralische Nase, burgundisch wirkend, am Gaumen eine irre, alles zusammenziehende Säure, hohe Mineralität, frische Grapefruit, ein bestechender, unsterblicher Wein, der allerdings polarisieren dürfte. Bei mir gab es für diesen einmaligen Auftritt WT93, bei Leuten mit Säureintoleranz allenfalls Angstschweiß auf der Stirn. Eine zu Anfang sehr störrisch wirkende Erdener Treppchen Auslese trocken von Eymael wurde 2015 mit viel Luft gefälliger und trank sich recht gut – WT88. Die Graacher Himmelreich Riesling Spätlese trocken von S.A. Prüm hatte 2015 eine helle Farbe, knackige Säure, puristische Frucht, schlank, kein Alter, geradezu zeitlos mit nur 9,2% Alkohol - WT87.

Besser sieht es bei rest- bzw. edelsüßen Weinen aus.

Zweimal habe ich 1997 im Düsseldorfer Schiffchen die Brauneberger Juffer Sonnenuhr Auslese Goldkapselvon Fritz Haag getrunken. Die erste Flasche hatte eine fantastische Nougat-Nase, am Gaumen reifer Pfirsich, leider etwas blechern und metallisch, relativ wenig Säure, sehr schön - 91/100. Die Zweite, ein paar Monate später wirkte zum Dessert fast trocken, Süße und Säure bereits stark abgebaut, hat Zukunft hinter sich – 88/100. Doch das war wohl nur ein Übergangsstadium, in dem man den Wein besser in Ruhe lässt. 2011 war die#17 taufrisch, ein genialer Wein, der auf der Zunge tanzte, so eine tolle Säure, so eine Strahlkraft und Brillianz, feine Rieslingfrucht gepaart mit dezenter Honignote, so perfekt balanciert und ausgewogen, lang am Gaumen. Nur die klare, goldgelbe Farbe zeigte, dass dieser Wein aus dem letzten Jahrtausend stammte – 95/100. Eine Scharzhofberger Auslese vom Weingut Hohe Domkirche hatte 2017 noch eine gute Säure und feinen Schmelz gepaart mit guter Schiefermineralität und wirkte eher halbtrocken – WT89. Eine Brauneberger Juffer Sonnenuhr Spätlese von Karp-Schreiber hatte 1999 ein kräftiges Gelb, reif, aber ohne Firne, schöne Süße, ausbalanciert durch gute Säure, sehr schön zu trinken und sicher immer noch trinkbar – 87/100. Eine Scharzhofberger Auslese von Egon Müller hatte 2012 tiefes, brilliantes Goldgelb, in der Nase weiße Früchte, Bienenwachs, Schiefer, am Gaumen herrliche Fülle und nur dezente, durch die Säure perfekt abgepufferte Süße, baute enorm im Glas aus – 93/100. Sehr gut 1997 ein Bernkasteler Badstube Riesling Eiswein von Pauly-Bergweiler – 92/100. Wahnsinnsstoff 2007 eine Wehlener Sonnenuhr Auslese Goldkapsel von JJ Prüm. Die wirkte noch irre jung, taufrisch mit fantastischer Frucht, knackiger Säure, sehr lang und komplex mit gewaltigem Extrakt - 95/100. Die normale Auslese 2010 nur in der Farbe erste Reife zeigend, sonst noch sehr jung und frisch wirkend, wunderschöne, kräuterige Note, Minzfrische, gute Säure – 92/100. Sehr reif und auch schon etwas gezehrt mit nur noch bescheidener Restsüße und kaum noch Säure wirkte 2013 die etwas belanglose Wiltinger Braunfels Auslese von Van Volxem, die aber noch aus der Zeit des vormaligen Besitzers Bernd Van Volxem stammte – 84/100.

Ein Steinberger Riesling Eiswein der Staasweingüter war 1993 mit hellem Goldgelb, perfekter Süße/Säure Balance, weißen Früchte, Ananas, weißer Pfirsich, überhaupt nicht dick, für Rheingau Eiswein ein filigranes Leichtgewicht – 95/100.

Tiefgülden die Farbe 2010 bei einem Heppenheimer Centgericht Eiswein von den Staatsweingütern, schon recht reif die Nase, in der sich Karamell, Crême Brulée und Möbelpolitur einen Wettstreit lieferten. Am Gaumen weich und mit für Eiswein erstaunlich wenig Säure, aber sehr aromatisch, ein Schuss Grand Marnier kam noch hinzu. In der Nase gab sich schließlich das Putzmittel geschlagen und es herrschte nur noch eitel Freude, selbst die Säure wurde am Gaumen mit mehr Luft stärker – 92/100.

Freiwillig hätte ich 2008 die Ihringer Winklerberg Spätburgunder Auslese trocken vom Weingut Stigler sicher nicht bestellt, die mir der Sommelier blind kredenzte. Was da über 20 Jahre in Jörg Müllers perfektem Keller gereift war, präsentierte sich jetzt als großartiger, sehr nachhaltiger, komplexer Wein mit toller Länge, eine schlichtweg atemberaubende Cuvée aus Corton, Chateau Musar und Beaucastel – 94/100. Auch ein Franz Keller Spätburgunder wusste 2012 zu überzeugen, reif mit feiner Süße und guter Struktur - 88/100.

Weinlegenden wurden 1985 in Italien produziert.

Ein fantastischer Wein war 1994 Bruno di Rocca. Ich glaube aber nicht, das der heute noch auf ähnlichem Niveau ist. Der Barolo Granbussia von Aldo Conterno. war 2009 schlichtweg umwerfend. Reife, dunkle Früchte, schwarze Kirschen, viel schwarzer Pfeffer, Teer, Tabak, erdig und mineralisch, sehr kraftvoll am Gaumen mit toller Länge – 96/100.Ein Klassiker ist Angelo Gajas Darmagi. Seit 1997 achtmal mit echter Begeisterung und konstant hoher Bewertung verkostet. Im Januar 2005, keine Spur von Alter, immer noch junge, dichte Farbe, beerige Frucht, feines, reifes Tannin, viel Kraft am Gaumen, aber auch Finesse, und das alles mit sympathischen 12.5% Alkohol - 95/100. 2009 auf gleichem Niveau eine fantastische, altersfreie Magnum. Mehrfach in Topform mit Cassis, Minze und Kraft in 2013 und 2014 – WT95. War 2016 immer noch so frisch und ging mit seiner tiefgründigen Mineralität als großer St. Julien durch – WT96. Costa Russi von Gaja zeigte 2008 bei Jörg Müller eine gewaltige, aromatische Dichte und eine große Aromenpalette, sher kräuterig, Anis, Fenchel, Süßholz, Lakritz bis hin zu mineralischen Noten und etwas Schokolade. Ein ungemein komplexer und spannender Wein mit schöner Länge am Gaumen – 94/100. Immer noch blutjung 2013 aus der Doppelmagnum ein sehr komplexer Sori Tildin von Gaja, brauchte viel Luft, zeigte dann in der wunderbaren Armatik immer neue Facetten, delikate Kirschfrucht, Rosenblätter, Minze, Lakritz, Teer, Tabak, Anis, Schokolade, so balanciert und lang am Gaumen – WT96.

So betörend, seidig, elegant, sehr nachhaltig war 2013 der Tenuta die Caparzo Brunello Riserva mit feiner Süße, so eine Art toskanischem Palmer - WT94. Anders hingegen Percarlo, der mit diesem Jahrgang Ende der 80er in den Himmel gelobt wurde und kaum zu bekommen war. Wie bei so vielen italienischen Superstars war sein Leben aber wohl ziemlich endlich. Schon 1994 war er nur noch ein Schatten seiner selbst und wirkte wuchtig, alkoholisch, eckig, nicht mehr so generös – 91/100. Viel zu schnell habe ich meine Sammarco ausgetrunken. Die schmeckten einfach zu gut, waren zugänglich, hatten 1993-2000 einen süßen Fruchtkern mit schwarzer Johannisbeere und Schwarzkirsche, auch etwas Holunder, dabei sehr elegant auf 92+/100 Niveau. Zuletzt 2002 auf der Probe eines guten Freundes war das ein perfekt gereifter Top-Cabernet mit feiner Süße – 93/100. Sicher noch eine Suche wert.

Ja, ich gehöre zu den glücklichen, die Sassicaia über ein Dutzend Mal in seiner Hochphase Anfang bis Mitte der 90er trinken durften, in denen der Wein die 100/100 wirklich wert war. Wer ihn heute kauft, sollte wissen, dass das ein Wein im Übergangsstadium ist, und auch das ist nicht sicher. Meine letzte Flasche Ende 2004 hatte immer noch eine superdichte Farbe, aber der Lack ist derzeit etwas ab. Die geile Frucht und Fruchtsüße aus seiner Glanzzeit ist weg. Am Gaumen bleibt aber ein irre konzentrierter Wein mit immer noch viel Potential und unglaublicher Länge. Ich bin mir sicher, dass dieser Wein in 5-10 Jahren eine grandiose "Wiederauferstehung" feiern wird, jetzt immer noch 95/100, aber mit Potential für 3-4 mehr, also weg legen. Sonst erleben Sie eine Pleite wie 2010 auf dem Unger Weihnachtstasting. die Demaskierung der Legende Sassicaia fiel doch noch deutlich drastischer aus, als erwartet. Und da wir den Sassicaia einmal aus zwei 1teln und im anderen Glas aus der Magnum bekamen, war das Ergebnis umso eindeutiger. Mich erinnerte der Sassicaia an diesem Abend an einen einstigen Supersportler, der immer noch über die Promiveranstaltungen tingelt, vom einstigen Ruhm zehrt und mit seinem deutlichen Bauchansatz heute Probleme beim Sportabzeichen hätte. Was war dieser Sassicaia in seiner Glanzzeit bis Mitte der 90er für ein wilder, konzentrierter Powerstoff mit traumhafter, konzentrierter, süßer Frucht, jeden einzelnen der damaligen 100 Punkte wert. Und jetzt statt dieser geballten, italienischen Lebensfreude dumpfe, schwermütige Aromen. Hier wurde jetzt Bruckner gespielt. Also der Lack endgültig ab? Eine tiefe Farbe hat der Sassicaia noch, viel Kraft und ein intaktes Tanningerüst. Da muss und wird wohl noch mal ein zweites Leben kommen. Die 92/100 bzw. die 93/100 der etwas frischer wirkenden Magnum können es nicht gewesen sein. Aber 2013 war es dann wieder soweit. Der Sassicaia hatte immer noch eine unglaublich dichte, junge Farbe. In seiner absolut stimmigen, sehr druckvollen Art ging er als großer Lafite durch, ein Traum-Bordeaux aus der Toskana, der wieder voll auf die WT100 zusteuert, explodiert förmlich im Glas und entwickelt eine Wahnsinnsfrucht. Ja, er ist wieder da, wo er in seiner Jugend mal war, einer der großen Weine dieser Erde – WT100. Und wieder 2014 diese irre, junge Farbe. Perfekte Frucht mit etwas Bitterschokolade und Schwarzen Trüffeln, aber nicht überladen, sondern bei aller Nachhaltigkeit so unglaublich fein und stimmig, am Gaumen perfekte Struktur wie aus einem großen Granitblock gemeißelt, sehr gute Mineralität, Minze, aber auch hier alles stimmig mit ewiger Länge – WT100. Auch 2015 wieder in dieser Traumform. 2017 traumhafte Nase, so druckvoll und komplex am Gaumen mit irrem Tiefgang und ewiger Länge – WT100. Vom Niveau her fast vergleichbar, aber deutlich preiswerter ist Solaia. Bei meinen ersten Begegnungen mit diesem faszinierenden Wein 1993, 1994 und 1996 war das eine massive, üppige Fruchtbombe mit toller Länge am Gaumen. Mit seiner dichten, jungen Farbe, noch am Anfang seiner Entwicklung mit kräftigen Tanninen und klarer Cabernet-Frucht, ging er etwas in Richtung neuerer California Boutique Weine – 95+/100. Von der Stilistik her dem Sassicaia nicht unähnlich, aber nicht ganz so konzentriert. In einem Blindvergleich mit 85 Dominus und Sassicaia 2000 ging er als klarer Sieger hervor und wurde mit seiner Minznase für einen großen Kalifornier gehalten – 97/100. Deutlich schwächer, etwas verschlossen wirkend, sehr fein und elegant 2002 auf einer Probe von Michael Unger – 91/100. 2004 wieder ein Traum-Solaia mit wunderbarer Frucht - 96/100. 2008 zeigte er sich doch verdammt schnell gealtert, feine, süße Frucht, viel Maulbeeren, weich und reif am Gaumen – 94/100. Die erste Flasche 2013 Traumfrucht, Hollunder pur, noch so topfit und frisch mit guter Säure, schokoladig, schmelzig mit schöner Süße am Gaumen, fantastische Länge. Dürfte noch mindestens ein Jahrzehnt auf diesem WT96 Niveau begeistern. Ende 2013 immer noch so jung, druckvoll und komplex - WT97. Auch 2016 und 2017 wieder mehrfach so elegant und stimmig mit feiner Frucht – WT97-98. Gute Erfahrungen habe ich auch bei gut einem Dutzend Gelegenheiten mit Tignanello gesammelt, der allerdings je nach Lagerung inzwischen am Ende der Genussphase angekommen sein dürfte. Der wirkte 1991 mit schöner Frucht und weichen Tanninen voll trinkreif. Konstant über die Jahre mit 90/100 bewertet. Zuletzt 2001 starte er mit einem leichten Altweinton, der schnell verflog, danach war er seidig, weich, reif und lecker – 90/100.

Nur einen portugiesischen Rotwein aus 1985 habe ich bisher getrunken.

Ein Barca Velha wirkte 2001 in Madrid wie ein Zwilling des 83ers. Dichte Farbe, Tabak, hohe Säure, etwas staubig. Dieser Wein hat viele Fans, aber Geschmäcker sind ja Gott sei Dank verschieden. Ich bin bei dieser portugiesischen Weinlegende noch nie über 90/100 herausgekommen.

Ein gutes Weinjahr war 1985 auch in Österreich. Ich habe zwischen 1988 und 1992 reichlich perfekt gereifte österreichische Rieslinge und Grüne Veltliner getrunken. Insbesondere bei den Veltlinern, die teilweise ganz erstaunlich altern, könnte da durchaus noch was Trinkbares zu finden sein.

In Spanien und insbesondere in Rioja ein eher unterdurchschnittliches Jahr, in dem die besseren Weine aus dem aufstrebenden Ribera del Duero kamen.

Ein feinwürziger Schmeichler, der trotz heller Farbe erstaunlich viel Luft brauchte, war 1994 und 1995 Chivite 125 Anniversario – 87/100. Auf ähnlichem Niveau 1994 und 1996 Martinez Bujanda Gran Reserva. Eine Klasse darüber vom gleichen Erzeuger 1999 aus der Magnum die Vendimia Seleccionada, ein fleischiger Wein mit toller Aromatik – 92/100. Zuletzt 2012 gut gereift, würzig, sehr nachhaltig – 93/100. Schlicht und einfach vergessen hatte ich einen einfachen Pesquera Tinto aus der Zeit, als Parker diesen Wein entdeckte und ihn als Petrus Spaniens bezeichnete. Der in amerikanischer Eiche ausgebaute Wein zeigte keinerlei Schwächen, besaß eine dichte Farbe, üppige Frucht und eine tolle Opulenz am Gaumen – 93/100. Die

Gran Reserva 890 von La Rioja Alta hatte 2007 eine helle Farbe, pikante, rotbeerige Frucht, getrocknete Kräuter und etwas Tabak, dezente Süße, elegant mit deutlicher Säure, jetzt auf dem Punkt oder schon leicht darüber – 89/100. Nicht mehr die Klasse der 70er Jahre hat der Torres Gran Coronas Black Label. 1994 war das ein unkomplizierter, fruchtiger, runder Wein mit viel Schmelz und wenig Rückrat, sicher nicht für die Ewigkeit gemacht – 88/100. Der Vega Sicilia Unico war 2001 auf der großen Unico-Probe ein voll trinkreifer, charmanter, säurearmer Wein – 93/100. Mindestens ebenso gut hat mir 1998 2mal der deutlich preiswertere Vega Sicilia Valbueno 5° gefallen, erstaunlich dichte, junge Farbe, tolle Nase, an der überhaupt nichts Spanisches war, voll und lang am Gaumen, gefiel mir besser als so mancher Unico, so jung, frisch und mit cremiger Frucht – 93/100.

Ein Chateau Kefraya aus dem Libanon war Ende 2013 ledrig, animalisch, etwas moderner in der Stilistik, aber nicht weit von Musar weg – WT91. Chateau Musar hatte Ende 2013 eine sehr dichte Farbe, Mordskraft, sehr würzig, gewaltige Substanz, eigentlich noch viel zu jung. Und aromatisch waren wir hier an der Rhone – WT93+.

Fantastische Weine wurden 1985 in Kalifornien erzeugt. Insbesondere für Cabernet-betonte Weine gilt das Jahr als das beste der 80er Jahre. Langlebig mit immer noch mäßigem Alkohol, Weine, auf die man etwas warten musste, die sich aber sehr gut entwickelten. Das war ein noch ganz und gar nicht „parkerisierter“ Jahrgang. Klassische Weine, eigentlich in bester Bordeaux-Tradition. Nur ist das Warten eben nicht die Stärke der Amerikaner und anscheinend auch nicht die von Parker. Der hat die meisten Weine relativ früh verkostet, entsprechend abgestraft und ist dann nicht mehr drangegangen. Ideale Chance heute immer noch für kluge Weintrinker, die bezahlbare Kalifornier unter der 15% Grenze suchen, Weine, die nicht aufgrund ihrer Üppigkeit eher aufs Brötchen geschmiert werden müssen und von denen man schon mal eine Flasche trinken kann, ohne gleich besoffen vom Stuhl zu kippen.

Überhaupt nicht gefiel mir allerdings 1997 auf dem Weinforum in Arosa ein Beaulieu Cabernet Sauvignon Private Reserve George de Latour, korkähnliche Nase, am Gaumen leicht faulig wirkend, wurde im Glas mit der Zeit nur marginal besser – 85/100. Deutlich besser im Frühjahr 2005, Sensationell dichte Farbe, reife Cabernet Nase, überreife Banane, Kaffeetöne, am Gaumen weich, vollreif, kaum noch spürbares Tannin, aber viel Säure, entwickelte mit der Zeit malzige Süße, die an große Riojas erinnerte. Sicher ein Wein, der jetzt getrunken gehört – 91/100. Ein fruchtiges, sehr kräftiges Meisterstück war 1995 in New York ein Beringer Cabernet Private Reserve – 94/100. Caymus Special Selection hatte 2000 in Boston eine junge, dichte Farbe ohne Alter, wunderbares Cassis-Konzentrat, zeigte, dass Caymus spielend altern und reifen kann – 97/100. Wirkte 2010 auf der American Beauty III wirkte aus dieser Flasche noch so extrem jung mit immer noch bissigen Tanninen, zeigte aber auch prächtige Frucht und eine wunderbare Fülle – 94/100. 2014 in Bestzustand, noch so jung, Cassis pur, feine Minze, jugendliche Röstaromatik, perfekte Struktur und immer noch voll intakte Tannine. Schlichtweg atemberaubend - WT100. 2016 fehlte auf hohem Niveau einfach der Druck – WT95. Exotisch wirkte 1995 ein Clos du Val Cabernet Reserve – 88/100. Überzeugend 2010 aus der Magnum immer noch der normale Clos du Val, eine alte Ledertasche voller roter Beerenfrüchte und mittendrin ein paar Blätter frische Minze, sehr fein und lang am Gaumen – 93/100. Ein Langstreckenläufer mit großer Zukunft ist Dominus. Bis Anfang der 90er hatte er sich sehr schön verkostet und verschloss sich dann zunehmend. Zuletzt 2000 startete er sehr ungenerös mit bissigen Tanninen, ein unnahbares Monstrum. Wir ließen ihn ein paar Stunden stehen und tranken ihn später zum Essen. Und siehe da, der Dominus hatte sich geöffnet und knüpfte an alte Zeiten an – 95/100. Nicht ganz auf diesem Niveau im Frühjahr 2005 auf der Doiminus-Probe. Trotz etwas verhaltener Nase der derzeit am schönsten zu trinkende, offenste Wein des Trios 83/84/85, am Gaumen füllig mit massiv Bitterschokolade – 92+/100. Eine Kaufempfehlung mit sehr viel Zukunft, trotz einer wohl fehlerhaften Flasche 2008 bei den Ungers, nur noch bittere, trockene Tannine, Frucht Fehlanzeige – 84/100. Im Herbst 2008 zeigte er sich von seiner schönsten Seite. Eukalyptus, Minze, dabei so fein, fast leichtfüßig mit herrlichem Gaumenfluss, dabei sehr lang. Bordeaux mit dem Besten aus Kalifornien, wird sich über die nächsten 10-20 Jahre weiterentwickeln und kann sogar noch etwas zulegen – 95+/100. 2010 auf der großen Dominus-Vertikale war das von den ersten drei Jahrgängen der weichste, aromatischste, fruchtigste der drei mit cremiger Textur, etwas Bitterschokolade und toller Länge am Gaumen – 94/100. 2011 ein großartiges, süßes Bordeaux-Cuvée mit satter, schwarzkirschiger Frucht, mit Minze und etwas Eukalyptus und immer noch guter Tannin- und Säurestruktur, dabei sehr elegant und schön zu trinken – 95/100. 2012 ein rassiger Wein mit Schwarzkirsche, Minze, Bitterschokolade und etwas Jod, immer noch so jung mit guter Tannin- und Säurestruktur und Potential für lange Jahre – 96/100. Parallel in derselben Probe eine sehr kühl gelagerte Flasche, die in ihrer Entwicklung noch deutlich hinter der ersten zurücklag, Bitterschokolade vom Holzkohlengrill, superdichte Farbe, Teer, Lakritz, deutlich spürbare Tannine und nach ein paar Jahren weiterer Lagerung schreiend – 92+/100. 2016 immer noch so jung und perfekt balanciert mit betörender, rotbeeriger Frucht und intaktem Tanningerüst – WT95. Dunn Howell Mountain war 1997 und 1998 ein dermaßen zugenagelter Wein mit kräftiger Säure und bissigen Tanninen, dass man wie bei fast allen Dunns das Gefühl hatte, hier probiert in Kalifornien jemand das Rezept des 28er Latour aus. Schälte sich 2015 langsam aus seinem mächtigen Tanningerüst, braucht aber zur Reife sicher noch einige Zeit, wenn er denn jemals reif wird – WT93+. Der einfachere Dunn Napa Valley war 1995 zwar ebenfalls ein konzentrierter Kraftbolze, aber deutlich zugänglicher, sogar mit schöner Frucht! – 92/100. 2014 endlich mal ein reifer Dunn. Rotbeerige Frucht, Minze, viel Eukalyptus, ein Hauch Lakritz, Sattelleder, Graphit, immer noch gute Struktur und intaktes Tanningerüst. Ein großer Kalifornier alter Schule. Dieser Dunn Napa macht es noch locker 20 Jahre - WT94. Noch so ein Powerteil, das nur im Schneckentempo alterte, ist der Durney Cabernet Sauvignon Private Reserve. 1995 und 1998 war das ein freudloser Klotz mit kräftige Farbe, viel Depot, massiven, bissigen Tanninen, intensiver aber kalter, stahliger Cabernet Frucht. 2003 in einer Blindprobe wurde er für einen ganz jungen Kalifornier mit viel Potential gehalten. Zuletzt 2013 reif und saftig, in der Nase mit Schokolade, Minze, Teer und viel Leder, am Gaumen erstaunliche Struktur und immer noch intaktes Tanningerüst – 92/100. Ein Fetzer Petit Syrah hatte 1998 eine junge Farbe mit Purpur, könnte in jeder Australien-Verkostung glänzen, riesiger Gewürzstrauß, toll, nur am Gaumen etwas kurz – 91/100. Reif, aber gut trinkbar war im Januar 2005 ein Flora Springs Cabernet Sauvignon – 86/100. Zuletzt 2010 weich, reif schöne Nase mit Sauerkirsche, Minze und einem Hauch Eukalyptus, gehört sicher in den nächsten Jahren getrunken - 89/100. Deutlich besser 2010 der Flora Springs Trilogy, feine Nase mit Sauerkirsche, Minze und einem Hauch Eukalyptus, am Gaumen reif und weich, gehört sicher bald getrunken - 89/100. Taufrisch 2010 ein Freemark Abbey Cabernet Sauvignon Bosché mit feiner, pikanter, würziger Frucht, sehr elegant am Gaumen – 92/100. 2015 wirkte er aber schon leicht gezehrt, aber immer noch gut trinkbar – WT87. Grace Family Vineyard wirkte weich und langweilig, auf dem Wege abwärts mit ersten Magginoten – 88/100. Fantastisch hat sich der Grgich Hills Cabernet Sauvignon entwickelt. 1993 und 1994 war das noch ein etwas verschlossen wirkender Fruchtcocktail mit massiven Tanninen, der es kaum auf 90/100 brachte. 1997 aus einem etwas wärmeren Keller dann deutlich gereifter, absolut klassischer Cabernet im Stil eines großen Medoc, ohne jedes Alter, sensationell - 95/100. 2001 absolut grandios, entwickelt tolle, portige Süße – 95/100. Auch 2006 wieder ein großer, sehr komplexer Wein mit toller Aromatik, sehr elegant und mit schöner Länge am Gaumen, macht es sicher noch etliche Jahre – 94/100. 2011 auf der American Beauty IV ein echter, sehr langlebiger Kalifornien-Klassiker, der keine Spur von Alter zeigte. Sehr feine, elegante Frucht, Kräuter, Minze, Eukalyptus, aber auch Schokolade, sehr generös am Gaumen, aber auch mit präziser Struktur und langem Abgang, die 97/100 hatte er sich aus dieser großartigen Flasche voll verdient. Mit immer noch jugendlicher Kirschfrucht punktete er auch 2012, ein offener, fruchtiger Wein, der immer minziger wurde, sehr lang am Gaumen mit perfekter Struktur und sicher noch langer Zukunft – 94/100. Auf ähnlichem Niveau 2001 der Groth Cabernet Sauvignon, ein toller, großer, erstaunlich frischer Cabernet mit viel Druck, Frucht und Länge, Minze und auch etwas Lakritz – 95/100. 2010 auf der Farnsburg allerdings war das ein Minze-Maggi-Cocktail, der noch gut trinkbar war, aber bei dem es langsam Zeit wird – 87/100. Doch zuletzt 2012 aus eigenen Beständen immer noch jugendlich frisch mit geiler Kirschfrucht, Kraft und Fülle - 95/100. Eine andere Liga der Groth Reserve. 2010 auf dem Unger-Weihnachtstasting sprang er einen mit seiner explosiven Aromatik fast an, ein Traum aus Minze, Eukalyptus und wunderbarer, immer noch frischer Frucht, so komplex, so aromatisch, mit ewiger Länge am Gaumen und keinerlei Zeichen von Alter – 99/100. 2013 auf der California Legends etwas unausgewogen mit spitzer Säure, glättete sich etwas, wurde zugänglicher, aber groß ist anders – 92/100. 2015 wieder in Topform mit explosiver Frucht und Aromatik – WT97. Ein gewaltiger Wein in der Liga des 74ers kann Heitz Martha´s Vineyard sein. Leider hatte ich ihn nur einmal in dieser Form getrunken, 2000 auf einer Best Bottle, sensationelles Konzentrat, das locker auch als junger Harlan durchgeht – 98/100. Bei zahlreichen anderen Flaschen war es dann wie 2002 bei Michael Unger, wie immer, fängt "korkig" an, wird besser, aber der fehlerhafte Eindruck bleibt, vermute langsam, dass es da ein paar Chargen aus muffigen Fässern gab. 2010 dann endlich mal wieder eine immer noch jugendlich wirkende, perfekte Flasche mit viel Minze, Eukalyptus, Jod, dunklen Beerenfrüchten, sehr mineralisch und enorm kraftvoll am Gaumen - 96/100. Meine bisher beste Flasche dann 2011 auf der großen Heitzprobe der Ungers. Was für ein fantastisches, jugendlich wirkendes Konzentrat, Minze, Eukalyputus, Jod, reife Beerenfrüchte, sehr mineralisch und komplex, knallte förmlich am Gaumen, die Wiedergeburt des 74ers – 98/100. Leider 2012 auf der Balm Best Bottle superdichte Farbe, ein gewaltiges Konzentrat mit reichlich Leder, Minze und Eukalyptus. Ja, wenn da nur nicht dieser ekelhafte Geruch vier Wochen getragener Wandersocken nicht wäre – WT90(?). 2013 auf der California Wine Legends habe ich ihn eine Weile im Glas gelassen und dabei immer wieder intensiv belüftet und zwischen zwei Gabriel-Gläsern hin und her geschüttet. So landete ich von 88 bei 90, dann bei 93 und zum Schluss bei 95/100. Ist aber eine sehr mühsame Art des Weintrinkens. Auch bei einer weiteren Probe 2014 habe ich mein Glas sehr lange stehen lassen, immer wieder reingerochen und probiert. Und tatsächlich, der Heitz wurde zugänglicher, immer weniger stinkig, stattdessen kamen immer mehr Minze und Eukalyptus. Beim allerletzten Schluck war ich bei WT95. Und das gleiche Erlebnis wieder 2015. Glücklos waren wir leider 2016 auf der California Monuments. Heitz Bella Oaks hatte 1997 auf dem Weinforum in Arosa eine etwas strenge Nase mit Eukalyptus, auch am Gaumen streng, riss mich nicht vom Hocker – 87/100. Auch 2008 war da mehr altes Fass und Muff als Frucht – 85/100. 2011 sehr dicht noch die Farbe, laktisch und auch etwas staubig die Nase, am Gaumen kräftig, rustikal, viel Minze, etwas Süße, ein kerniger Charakterstoff – 91/100. Was war ich stolz, als ich 1989 bei Weinland den mit 92-95 bei Parker geadelten William Hill Gold Label für schlappe € 15.- erwischte. Leider war er auch nicht mehr wert. Als ich 1996 die ersten Flaschen öffnete, Parker hatte ihn längst auf 70(!)/100 degradiert – soviel zur Verlässlichkeit solcher Bewertungen für Einkaufsentscheidungen –, hatte ich den Eindruck, das dieser Wein mit seiner alle Frucht überdeckenden Säure und den bissigen Tanninen ein Kandidat für schnelles Austrocknen war. Mehr als 85/100 waren da auch bei bestem Willen nie drin. Als ich längst dachte, ich hätte es überstanden, präsentierte ein Weinfreund 2000 auf einer Best Bottle noch mal so ein missratenes Exemplar. Aber meine letzte (vergessene) Flasche zeigte sich 2015 erstaunlich schön und stimmig ohne Alter – WT90. Ein Charles Krug Cabernet Sauvignon war 2010 sehr fein, rotbeerig, fragil, mit etwas Schoko, Leder, Zedernholz, Tabak und Minze, elegant am Gaumen mit dezenter Bitternote im Abgang – 88/100. Sehr viel Frische und Potential zeigte 2016 der Mayacamas Cabernet Sauvignon, der mit toller Frucht und perfekter Struktur am Gaumen sehr cremig wirkte – WT95. Mondavi Cabernet Sauvignon war 1998 ein schöner, reifer Cabernet auf 87/100 Niveau. Der Mondavi Cabernet Reserve erwies sich 2005 als großer Wein, zeigte in der brillianten Farbe noch kein Alter, in der Nase wunderbare Kirschfrucht, Leder, am Gaumen weiches Tannin, dabei seidig, elegant und mit schöner Länge am Gaumen, entwickelte mit der Zeit leichten Minzton. Ein großer Wein, der noch lange nicht am Ende ist und sich noch gut 10+ Jahre weiterentwickeln dürfte – 95/100. 2016 wirkte er dann sehr reif mit feiner, rotbeeriger Frucht – WT93. Der Mondavi Pinot Noir Reserve hatte 1998 eine wunderschöne, alte Burgundernase mit Burgunderstinker, am Gaumen war er fragil, die Säure gewann rasch Überhand – 85/100. Ein Langstreckenläufer ist Chateau Montelena. Ich habe diesen Wein, von dem ich inzwischen ein gutes Dutzend getrunken habe, schon sehr offen, aber auch total verschlossen erlebt. 1995 bei Willi Krähling sehr dichte und junge Farbe, Eukalyptus und intensive Minznase, sehr druckvoll und lang, fantastisch – 95/100. Danach mehrfach sehr verschlossen. 1997 in Colorado brutal, "roh", rustikal – 88/100. 2001 in Brüssel wieder etwas offener, aber immer noch mit bissigen Tanninen – 91/100. 2003 fast wieder auf altem Niveau. 2007 auf einer Braui Best Bottle altersfreie Farbe, etwas stahlige Frucht und präzise Struktur – 93/100. Stirnrunzeln 2012 auf der Montelena Vertikale in der Braui, florale Nase, Champignons und flüchtige Säure. Aus dieser Flasche vorbei – 83/100. Kurz darauf 2013 aus eigener, perfekter Lagerung mit reifer, verhaltener Nase, dunkle Früchte, etwas Minze, ausgewogen am Gaumen, aber auch hier etwas mit angezogener Handbremse, nur die immer noch junge Farbe ohne Brauntöne zeigt, dass hier noch mal was kommen müsste - 90/100. Sehr schön trank sich 2016 der nicht sonderlich komplexe Mount Eden Estate Cabernet Sauvignon, der gute Frucht und Struktur zeigte und in erster Reife eine feine, karamellige Süße entwickelte – WT92. Sehr gut hatte sich Opus One entwickelt. 2001 war das immer noch ein erstaunlich frischer Wein mit schöner Frucht und feinem Minzton – 94/100. 2008 klassische Bordeaux-Nase mit etwas Brettanomyces und war am Gaumen reif, weich, elegant mit feiner Süße – 90/100. Reif zwar, aber eine Traumflasche 2011 auf einer Best Bottle – 94/100. Aber kurz danach auf Horst Wittgens Opus-Vertikale deutlich älter, süß, aber auch leicht muffig und wurde im Glas immer gemüsiger – 87/100 mit weiter fallender Tendenz. Fiel 2012 im Glas kurzzeitig in ein Loch und wurde säurelastig, bekrabbelte sich aber wieder deutlich und wurde immer minziger, ein letztes Aufbäumen? – 93/100. 2015 und 2016 wieder perfekt gereift, sehr minzig, Leder, mehr Bordeaux als Kalifornien – WT93. Eine schöne, präzise Frucht besaß 2012 der Phelps Cabernet Sauvignon. Die hohe Säure ließ ihn sehr bissig und vermeintlich jung erscheinen, trank sich sehr gut, dürfte aber keine lange Zukunft mehr haben – 90/100. Phelps Eisele Vineyard war 2013 ein feiner, runder, reifer, rotbeeriger Cabernet mit schöner Süße, der auch ein 85er Bordeaux hätte sein können – 93/100.Traumhaft schön Phelps Insignia. Seit 2000 10mal getrunken und immer mit 94+/100 bewertet, 2005 in Beat Caduffs Wine Loft wieder so fein, so finessig, so schöne rotbeerige Frucht und dabei so lang - 95/100. 2009 in einer Probe rotbeerige Frucht, Minze und Schoko eines perfekten After Eight, Eukalyptus, einfach ein großartiger, sehr komplexer, vielschichtiger Wein – 95/100. 2015 sehr fein, elegant und minzig mit etwas Schokolade, sehr Bordeaux-ähnlich – WT95. 2016 aus einer perfekten Magnum tolle Frucht, Minze, Eukalyptus und feine Süße, reifer, aber immer noch jung wirkender, sehr balancierter Old School Kalifornier - WT97. Immer noch ein guter Kauf. Pine Ridge Rutherford Cuvée war 2008 und 2010 ein feiner, balancierter Wein ohne Alter, sehr elegant und weich am Gaumen mit Johannisbeere, etwas Minze, Schwarztee – 90/100. Ein anstrengender, sehr medizinal wirkender Wein mit viel Jod und Penicillin war Ridge Monte Bello 2008 auf einer Unger-Probe. Dazu kam immer stärker dieser kork-ähnliche Ton, der auch bei 85 Heitz so nervt und bei vielen Figeacs – 81/100. 2013 war das auf der California Wine Legends er ausgewogenste Wein des 85er Flights, trotz saftiger Frucht reif wirkend, würzig – 94/100. Auch 2016 überzeugte er vor allem mit wunderbarer Frucht und mentholiger Frische, am Gaumen war er etwas kurz – WT93. Ein Ridge Cabernet Sauvignon Jimsomare aus einer schon im vorletzten Jahrhundert bepflanzten Einzellage, in der heute nur noch Zinfandel steht war 2010 ein perfekter La Mission Clone, tiefgründig, spannend mit Minze, Jod, Teer und Cigarbox – 93/100. Shafer Hillside Select hatte 2009 noch eine dichte Farbe mit dezenten Brauntönen, Schwarze Johannisbeere in der Nase, Tabak und Minze, am Gaumen hoher Extrakt, tolle Struktur und prägnante Säure, sehr komplex mit Zedernholz und Eukalyptus – 95/100. Auf der großen Hillside-Probe 2010 satte Frucht, Cassis, reife Brombeere, Amarenakirsche, Minze, am Gaumen süßer, fülliger, extraktreicher und ausladender als 84 – 93/100. Erstaunlich gut gehalten hat sich Silver Oak Alexander Valley, der in den Neunzigern so unglaublich viel Spaß machte. 2005 wieder dieser wunderbare Wein mit feiner Johannisbeere, dem typischen Schuss Dill und der Süße der amerikanischen Eiche - 92/100. 2009 und 2010 noch erstaunlich jung und vibrierend mit geiler, roter Johannisbeere und der typischen Kräuter/Dillnote – 92/100. Taufrisch 2011 mit süßer, roter Johannisbeere und der typischen Dillnote. Hatte ich noch nie so gut im Glas – 94/100. Ein Monument 2006 der Silver Oak Bonny´s Vineyard, Konzentrierte, schawrze Johannisbeere, aber nicht aufdringlich, sondern fast kühl uns sehr distinguiert wirkend, Minze, Eukalyptus und natürlich die für Silver Oak Weine so typische Dill-Note. Am Gaumen zeigte der Bonny´s Vineyard eine unglaublich intensive, druckvolle Aromatik. Dazu besaß er bei aller seidiger Eleganz und Finesse eine kräftige Struktur und gute Säure. Einen minutenlangen Abgang besaß dieser riesengroße Stoff, der sich jetzt in der vollen Blüte befand, denjenigen, die davon noch eine Flasche besitzen, aber auch noch in 10 Jahren Freude bereiten könnte. Wenn das keine 100 Punkte sind, hieß es am Tisch. Doch irgendwie packte mich der Geiz und ich gab diesem Monument von Wein nur 98/100. 2008 davon eine verrückt gute Magnum auf ähnlichem Niveau. Zuletzt 2013 Ein Spaßwein par Excellence mit kühler Schwarzer Johannisbeere, mit Minze, Eukalyptus und vor allem der für Silver Oak so typischen Dillnote, ein riesengroßer Wein zum beidhändig saufen – WT97. Sehr überzeugend 2001 auch der Simi Cabernet Sauvignon Private Reserve, der 70er Giscours aus Kalifornien, kraftvoll, erdig mit dunkler Farbe und einem guten Schuß Port – 92/100. Immer noch so jung wirkend 2015, mit wunderbarer Frucht und wiederum viel Minze – WT94.

Der Chateau Libertas aus Südafrika hatte 2013 eine generöse Nase mit rotbeeriger Frucht, Tabak, Zedernholz, ein Hauch Minze, feiner Schmelz am Gaumen, erinnert an Grand Puy Lacoste in guten Jahren. Wird immer schöner - WT92. Sehr fein, weich und reif 2015 und 2016 der Kanonkop – WT89.

Eine ganze Kiste habe ich seit 1990 vom Lindemans Coonawarra St. George Vineyard Cabernet Sauvignon verputzt. Ein sehr schöner Wein mit pflaumiger Süße, meist mit 90+/100 bewertet. Die letzte Flasche 1996 zeigte, dass es langsam Zeit wurde, ihn zu trinken. Immer noch ein toller Genuß dürfte hingegen Penfolds Grange sein. 1999 auf der Grange-Probe zeigte er eine schöne, beerige Frucht und am Gaumen Schokolade ohne Ende, ein reifer, sehr gelungener Grange – 97/100. 2013 war das ein sehr feiner Schmeichler mit seiner feinfruchtigen, rotbeerigen Nase, am Gaumen mit berauschender, süßer Frucht - WT94. 2016 eine schier unglaubliche Flasche, so sexy, so offen, so explosiv, so fleischig mit superber, süßer Frucht, mit feinen Kräutern und wohldosierter Opulenz, das war Grange in Bestform – WT99.

Hervorragendes Champagner-Jahr. Kleine Ernte in sehr hoher Qualität. Natürlich gibt es auch hier Enttäuschungen, aber die besseren Champagner aus 1985 sind noch etliche Jahre haltbar.

Noch taufrisch und sehr schön zu trinken war 1996 eine Binet Blanc de Blancs Magnum – 91/100. Dom Perignon gefiel mir am besten 1993 auf einer großen Dom-Probe im Düsseldorfer Hummerstübchen, damals ein beeindruckender Champagner auf dem Höhepunkt mit schöner Frucht, intensivem Bouquet, nussig – 94/100. Fünf Jahre später, 1998, ebenfalls auf deiner Dom Perignon Soirée im Hummerstübchen, war er nach einem gewaltigen 94er Moet und vor einem nicht minder beindruckenden 75er Dom Perignon sehr enttäuschend – war´s das schon? Hatte 2015 zweimal zwar noch gutes Mousseux, wirkte aber mit der tiefen, goldgelben Farbe schon verdammt reif. Die Nase karamellig, Brioche, dezente Honignoten, am Gaumen so kraftvoll, so komplex und vibrierend mit guter Säure und toller Länge. Der war einfach verdammt gut und alles andere als alt - WT95. Auf Soirée 1998 gab es auch den raren Dom Perignon Rosé aus der Magnum. Der hatte eine Farbe wie Himbeersirup mit Sprudel, wirkte sehr reichhaltung und fruchtig, aber auch etwas diffus. Es soll ausgesprochene Fans solcher Rosé-Champagner geben, ich scheine nicht dazu geboren zu sein. Ein großer Champagner-Klassiker mit viel Kraft, Länge und Zukunft war 1997 und 1999 Krug – 95/100. Eine wohl nicht optimal gelagerte Flasche in einem Hotel Ende 2004 konnte zuerst überhaupt nicht überzeugen. Ich habe den Krug kurzentschlossen in einen großen Bordeaux-Pokal gekippt, wo er dann aufblühte. Zuletzt 2014 noch so jung und dabei sehr kräftig. Baute enorm im Glas aus mit feiner Toffeenase und enormem Druck am Gaumen. Sehr gutes Säuregerüst und Langstreckenpotential - WT95+. Noch etwas besser als der „normale“ Krug gefiel mir im Juni 2005 als Einstieg zu einer großen Probe Krug Clos des Mesnils aus der Magnum. Das war ein wirklich großer, schon ziemlich reif wirkender Champagner mit kräftigem Gelb, sehr dezentem Mousseux, in der Nase Reifetöne mit feiner Firne und Brottönen, lang am Gaumen – 96/100. 2014 war das einfach ein perfekt balancierter Champagnertraum. Cremige Textur, hohe Mineralität, irre Länge, wirkte auf dem Punkt und ist absolut stimmig – WT98. 2015 Reif, aber doch mit genügend Säure und Substanz für lange Jahre – WT97. Sehr feinperlig und elegant war 1998 ein Bruno Paillard Blanc des Blancs aus der Magnum – 92/100. Eine Pol Roger Magnum war 1999 erstaunlich firn und reif mit deutlichen Bittertönen im Abgang, hätte ich 15 Jahre älter geschätzt – 85/100. Auch die zweite Flasche 2004 aus gleicher Quelle hatte zwar ein immer noch ein tadelloses Mousseux. Verhaltene Nase, am Gaumen viel Kraft, leicht metallischer Nachgeschmack – 87/100 Sehr enttäuschend, flach und ausdruckslos auch 1994 ein Pol Roger Blanc des Blancs – 78/100. Ganz schön müde und auch etwas simpel wirkte 2007 ein Roederer Cristal – 87/100. Der Roederer Cristal Rosé hatte 2013 bei Jörg Müller in der reif wirkendenden Nase getrocknete Cranberries, am Gaumen noch so jung und vital mit kräftigem Mousseux, feiner Fruchtsüße, enormer Kraft und Länge, sehr gute Säure, Langstreckenpotential – WT96. Veuve Clicquot hatte 2013 in Mönchenwerth tiefes Goldgelb, Altgold, intensive Orangen-Bitternote, die an Campari erinnerte, auch am Gaumen, satte Brotkruste, sehr kräftig und nachhaltig, reif, aber ohne oxidative Noten, baut wunderbar im Glas aus mit guter Säure - WT93. Veuve Clicquot Rare Vintage Rosé, 2007 degorgiert, war 2008 frisch mit sehr pikanter Frucht, einfach ein vollendeter, sehr animierender Champagner Genuss - 93/100. Der normale Veuve Clicquot Rosé war dagegen 2011 nur ein gut moussierendes, einfach gestricktes, leicht süßliches Wässerchen – 84/100.

Traumhaft schöne Portweine, sehr früh zugänglich und sicher nicht sehr langlebig. Aber herrlich unkompliziert lecker. Würde ich nicht zu lange aufheben und auch nicht dekantieren. Einfach rein ins Glas und genießen.

Gut hat mir 1997 in Paris Burmester gefallen – 90/100. Croft kam 2005 dem legendären Graham mit seiner feinen Frucht, der unendlichen Eleganz und der feinen Süße in dieser Flasche sehr nahe – 96/100. Dow hatte 2014 auf Sylt feinen, süßen Schmelz, Marzipan, wirkte aber auch schon etwas müde – WT92. Auch Gilbert war 1996 in Rom ein unkomplizierter, hedonistischer Genuss, wann hat man schon mal flüssiges Marzipan im Glas – 91/100. Marzipan pur auch 1995 in Cancale Graham, trotz seiner Jugend in der 1/2 bereits ein absoluter Hochgenuß, kann nur anders, nicht besser werden – 97/100. Meine schönste Flasche Graham 1996 im Düsseldorfer Rheinstadion beim Konzert der drei Tenöre. Es regnete in Strömen. Rings um uns durchnässte Abendkleider und der vergebliche Versuch, mit Plastikplanen dagegen anzukämpfen. Trotzdem eine Superstimmung. Wir waren mit dem Fahrrad und in weiser Voraussicht in Gore Tex verpackt gekommen. In der Tasche hatte ich aufgeschnittenen Parmesan und in kleine Laborfläschchen umgefüllten 85er Graham. Der dann zu Pavarotti und Co, besser geht es nicht. Eine weitere, jugendlich-üppig-fantastische 1tel 1997. Dann in 1998 eine viel zu lange vorher dekantierte Flasche, aus der er sehr viel klassischer wirkte – 95/100. 2002 aus der Halben sehr viel weiter und gereifter – 95/100. Noch weiter 2007 aus der Halben, nur noch 92/100. 2012 mit pflaumiger Frucht und schokoladiger Süße. Nicht mehr die dekadente Marzipan-Orgie der jugendlichen Fruchtphase und noch nicht ganz die Komplexität eines großen, reifen Port, aber er ist auf dem besten Wege dorthin – 94+/100. 2015 reif und doch noch so jung, flüssiges Marzipan, eingelegte Rumtopfkirschen, aber bei aller Süße auch bemerkenswerte Eleganz und Frische – WT96. So zeigte er sich auch 2017 wieder, einfach dekadent lecker – WT96. Gut gelungen auch Taylor. Mitte der Neunziger habe ich diesen damals sehr offen und fast trinkfertig wirkenden Port häufiger getrunken, eine etwas leichtere, dafür sehr frühreife Taylor-Version, einfach dekadent lecker und nicht so alkoholreich – 94/100. 2005 zum Abschluss eines wunderbaren Weinabends in Beat Caduffs Weinloft, Marzipan pur in Bitterschokolade, geiler, offener Port - 94/100. 2015 mehrfach aus der 1/2 immer noch so jung, Marzipan vom Allerfeinsten, feiner, süßer Schmelz, ein Riesenport – WT95. Auch 2016 bei Jörg Müller mehrfach aus der 1/1 und der ½ auf diesem Niveau.