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1987

1987 war der erste Bordeaux-Jahrgang, den ich in Subskription gekauft habe und das vor lauter Euphorie nicht in kleinen Mengen. Bereut habe ich es trotzdem nicht. Klar, 1987 war ein kleines Jahr. In den 70ern oder davor wäre ein solcher Jahrgang auch ein richtig schlechter gewesen. Inzwischen hatten die Bordelaiser aber insbesondere in der Kellertechnik reichlich dazugelernt. So entstanden recht gefällige, charmante, fruchtige und früh trinkbare Weine. Die habe ich Anfang der Neunziger mit größtem Vergnügen weggeschlabbert. Sollte ich etwa bei mit Genuss zu trinkenden Chasse Spleen für € 4.80 in der ½(Subskription) meckern? Bei einem bis Mitte der Neunziger sehr viel Spaß machenden Cheval Blanc für € 14.50 in der halben Flasche? Oder einem Ducru Beaucaillou für € 14.- die Flasche? Nur dürfte heute mit Ausnahme von Mouton und La Mission aus Bordeaux kaum noch etwas trinkbares zu finden sein. Wenn es dann unbedingt ein Bordeaux aus 1987 sein muss, dann bitte greifen Sie nur zu perfekt gelagerten Großflaschen.

Cos d´Estournel hatte 1996 eine kräftige Farbe ohne Alter, Teer, Lakritze, Trüffel, brauchte Zeit, um sich zu öffnen, eine echte Überraschung, auf seine Art ein schöner 79er - 90/100. Das hatte ich aber auch verdient, denn die 12 Flaschen, die ich zwischen 1990 und 1993 aus eigenem Bestand getrunken hatte, besaßen nur einen sehr spröden Charme. 2006 auf der großen Cos-Probe war das nur noch eine ganz üble Plörre, lange über den Trinkzeitpunkt hinaus, gemüsig ohne Ende, eher Strafe als Genuss. 2016 noch erstaunlich vital mit guter Frucht und Farbe, aber auch hoher Säure, am Gaumen etwas bissig – WT86.

Bei Lafite Rothschild hatte ich auch bei meinen letzten Flaschen 1996 immer noch das Gefühl, ihn mit angezogener Handbremse zu trinken. Irgendwo wirkte er bei aller Reife immer noch so unfertig wie Anfang der Neunziger, meist mit 86-87/100 bewertet und nur 2mal mit 90/100. Zuletzt 2011 auf René Gabriels großer Lafite-Probe durchaus kein schlechter Wein und noch erstaunlich frisch, wobei vor allem die feinduftige Nase überzeugen kann, am Gaumen fehlt es etwas an Konzentration, reif, aber ohne grüne Noten und sicher noch etliche Jahre gut trinkbar – 86/100. Irgendwo unfertig und dazu noch ziemlich langweilig wirkte immer Lynch Bages. Zuletzt 2008 wirkte er grün und gezehrt - 78/100. Der wohl schönste 87er Bordeaux und zumindest in guten Flaschen immer noch ein Hochgenuß ist Mouton Rothschild. War die gesamten 90er zu Dutzenden von Gelegenheiten immer ein zuverlässiger, großer Wein, den ich meist mit 92-94/100 bewertet habe. Von allen trinkbaren Moutons der 80er eigentlich immer der Schönste. Als meine eigenen Flaschen dann 2001 endgültig zuende gingen(die letzte setzte an einem schönen Abend auf einen 82er Beychevelle noch mal eins drauf), habe ich angefangen, Restaurantkarten zu plündern. Ende 2002 in Zürich mit meinen Schweizer Freunden, da meint man nun seit 10 Jahren, der gehöre weg, da liefert selbst eine Hotelflasche wieder dieses wunderbare, vollreife Mouton-Erlebnis - 93/100. Auf ähnlichem Niveau im Juni 2005 zum Abschluß einer großen Probe. Im Juli 2005 und 2006 in der Schweiz kam der Mouton als feinduftiger, eleganter Wein mit burgundischen Konturen auf den Tisch. Im Glas baute er wunderbar aus und entwickelte das unverwechselbare Mouton-Aroma mit Leder und Bleistifttönen. Lediglich in der sehr dichten Farbe zeigten sich erste Reifetöne – 94/100. Auch 2007 zweimal auf diesem Niveau. Danach mehrere Flaschen zwischen WT92 und WT94, bei denen es im wesentlichen von der Lagerung und der Zahl der Besitzer abzuhängen schien, wie sich der Mouton präsenierte. Will denn dieser Mouton nicht altern? Auch Ende 2012 wieder ein riesengroßer, hedonistischer Mouton, wie er kaum schöner geht. Altersfreie, dichte Farbe, die dekadent-klassische Mouton-Nase mit reichlich Röstaromatik, Cassis, Leder, Bleisift, Minze und erster Süße, auch am Gaumen süßer Schmelz und beachtliche Länge. Statt schlechter wird der aus perfekt gelagerten Flaschen wie dieser immer besser, einfach irre - 95/100. In gleicher Form 2013 auf Sylt – WT95. Mein Tischwein Anfang der Neunziger war die Pichon Comtesse, von der ich für heute unglaubliche € 14.- pro Flasche mehrere Kisten in der Subskription erworben hatte. Der ließ sich problemlos wegschlabbern, meist auf 88-89/100 Niveau. Zuletzt 2010 auf der großen Comtesse-Probe am Attersee aus der Magnum so wie damals in den besten Zeiten. Kein großer, aber ein sehr feiner Wein, elegant mit feinem, süßem Schmelz, einfach eine zeitlos schöne Comtesse – 89/100.

Nichts mehr los 2006 auf der großen Ducru-Probe auch mit Ducru Beaucaillou, der Anfang der 90er noch so ein gefälliger Schmeichler war, wirkte jetzt gezehrt und wurde in der Nase immer medizinaler – 82/100. Einfach nur fürchterlich 2009 auf der großen Ducru-Probe in Krems.

Zu den besseren Weinen in 1987 gehörte Margaux. Auch davon hatte ich reichlich in Halben und 1teln gekauft. Allerdings brauchte der Margaux ein paar Jahre Zeit. 1992 präsentierte er sich noch mit sehr jugendlichem, kräftigem Purpur, noch sehr jung, wenig Frucht, sehr trockene Tannine und kurzer Abgang – 84/100. Erst ab etwa 1995 fing er dann an, Spaß zu machen. Sowohl meine letzte halbe(Ende 1997) als auch meine letzte ganze Flasche(1998) waren meine jeweils schönste mit wunderschöner Frucht und kraftvoller Eleganz – 90/100. Doch das ist nun vorbei. 2007 half selbst die Magnum nicht mehr. Die Farbe wirkte zwar noch erstaunlich dicht und jung, aber die Frucht hatte sich weitgehend verabschiedet. Am Leben erhalten wurde dieser Wein, der in der Nase einen deutlichen Stinker hatte, von einer kräftigen Säure- und Tanninmischung – 84/100.

Haut Brion hatte 2006 auf der großen Haut Brion Probe trotz recht schöner Nase mit feiner Süße die besten Zeiten lange hinter sich, wirkt am Gaumen etwas hohl und gezehrt – 80/100.1995 war bei mir auch La Mission Haut Brion ausgetrunken. Zu lecker war dieser eher etwas leichtgewichtige Schmeichler mit der klassischen La Mission Nase. Bei Dutzenden von Gelegenheiten +-90/100 bewertet und nie eine Flasche bereut. Dabei könnte das zusammen mit Mouton einer der langlebigsten 87er überhaupt sein. Im Herbst 2004 bei Willi Krähling hatte er noch nichts von seinem Charme verloren, klassische Cigarboxnase, rauchig, viel Tabak, etwas Teer, aber auch leichte metallische Noten, am Gaumen reif, aber noch lange nicht am Ende, für das Jahr eine absolute Situation – 91/100. 2011 bei Elke Drescher ein wunderbar balancierter, reifer, harmonischer La Mission ohne Ecken und Kanten, einfach schön zu trinken mit feinem, süßem Schmelz und erstaunlicher Länge am Gaumen – 92/100. Auch 2012 ein wunderbar balancierter, zugänglicher, sehr aromatischer Wein, der immer noch enormen Spaß macht und das auch ohne Rückrat sicher noch 5-10 Jahre tun wird – 90/100.

Sehr erstaunt hat mich 2008 Cheval Blanc, den ich schon 15 Jahre nicht mehr im Glas hatte. Ähnlich La Mission und Mouton scheint die Zeit an diesem Wein vorübergegangen zu sein. Erstaunlich aromatisch, süß und weich, kein Zeichen von Alter, etwas filigran, aber auf niedrigerem Niveau mit der Cheval-typischen Eleganz, ein toller Wert – 90/100.

Selbst kleine Weine (oder: große in kleinen Jahren) haben wohl ein Fenster, wo sie voll aufblühen und ein ganzes Stück über sich selbst hinauswachsen. Certan de May war Ende 1999 mit dichter Farbe und üppiger, schokoladiger Nase ein absoluter Klasse- Merlot, damals (und vielleicht nur damals) – 93/100. Wenn Sie einen solchen Moment mit einem Wein erleben, genießen Sie ihn. Machen Sie aber bloß nicht den Fehler, sich jetzt damit den Keller vollzuknallen. Solch ein Aufblühen dauert oft nicht länger als der Bergfrühling, und sie sitzen hinter auf kistenweise Enttäuschungen. Auch Clinet, zuletzt 1996 bei Jörg Müller erstaunlich tiefe Farbe ohne Reifetöne, schöne Frucht, aber erheblich weniger konzentriert, als Farbe andeutet, Schmeichler mit viel Schoko und wenig Rückrat, dürfte inzwischen am Ende seiner Genussphase sein. Ließ im Herbst 2006 nur noch mit Wehmut an alte Zeiten denken.Wir bekamen jetzt nur noch das gezehrte Gerippe – 85/100. Petrus hätte 2005 aus der Jeroboam mit seiner kräftigen, immer noch jung wirkenden Farbe sicher Potential für 89+/100 gehabt. Leider wurde aus dem anfänglichen Stinker mit der Zeit ein immer stärkerer Kork. Schade. In gut erhaltenen Großflaschen dürfte der 87er Petrus zu den wenigen, noch mit Genuss trinkbaren 87er Bordeaux gehören. So 2008 bei den Ungers aus der 1tel, gemüsige Nase in bester Rioja-Art, am Gaumen als neue Zott-Kreation Paprika-Schokolade, aber auch eine feine Süße, hielt sich einwandfrei im Glas und schien noch für etliche Jahre gut zu sein – 89/100. Ein Riesenteil in 87 war Le Pin, aber leider liegt auch hier die Betonung auf „war“. Einer der Stars einer großen Le Pin Probe 1992 und danach noch mehrfach ein hedonistischer Hochgenuß. 1995 bei Jörg Müller aus, vorbei, hatte seine Frucht und den Schmelz verloren, zwar noch auf 88/100-Niveau trinkbar, aber nur noch ein Schatten seiner selbst. 2010 auf der großen Le Pin Vertikale mit etwas staubiger Nase, viel Tabak, wenig Süße, aber immer noch mit reichlich Charme und beachtlichem Standvermögen – 87/100.

Sehr schöne, frische, fruchtige trockene Weißweine wurden 1987 erzeugt, gedacht für den schnellen, unkomplizierten Verzehr.

Sogar immer noch ein Genuß könnte gut gelagert der weiße Fieuzal sein. Leider habe ich 1997 die letzte Flasche meines Lieblings-Weißweins der Neunziger geköpft. So war ich hoch erfreut, als es den 2008 als Apero zur großen Cheval Blanc Probe gab. Jetzt nach über 20 Jahren war er immer noch erstaunlich frisch, nussig, mit Vanillenoten und feinem Schmelz – 90/100. Und 2012 in der Wiin Kööv war er immer noch unverändert frisch – WT90. Haut Brion Blanc war 2006 voll da, ein eher kleinerer, schlankerer Wein, aber mit schöner cremiger Frucht und viel Säure – 89/100. Laville Haut Brion hatte 1996 eine schöne Nase mit einem Schuß Anis,Gaumen hielt nicht mit - 86/100. Gerne habe ich auch Louvière Blanc getrunken, der sich aber Mitte der Neunziger langsam verabschiedete. Pavillon Blanc war 2007 immer noch erstaunlich frisch und gefällig und trank sich sehr schön – 88/100.

In Burgund gab es eine kleine, späte Ernte, nach nassem, kühlem Sommer einigermaßen gerettet durch einen warmen Spätsommer. In solchen Jahren erinnert man sich dann in Burgund gerne und heftig an die Segnungen des Herrn Chaptal. Bisher nicht probiert.

Noch eine Stufe unter den Roten lagen in 1987 die Weißen Burgunder. Das hinderte natürlich keinen Winzer daran, auch in solchen Jahren Montrachets zu produzieren und für viel Geld zu verkaufen.

Nicht groß und für Preis und Namen eher eine Enttäuschung war 1996 auf einer Drawert-Probe ein Le Montrachet Baron Thénard. Ein netter, fruchtiger Wein, dem einfach Struktur und Rückrat fehlten – 87/100. Ein eher schon etwas gezehrtes klassisches Beispiel dafür, dass große Namen noch längst keine großen Weine machen, war 1999 ein Le Montrachet Jadot – 87/100. Da war 1992 der Le Montrachet Ramonet deutlich besser, mit kräftiger Struktur – 92/100.

Überhaupt nicht gefallen hat mir aus diesem lausigen Loire-Jahr, in dem nur trockene Weine erzeugt wurden, 1997 ein Coulée de Serrant. Der roch so intensiv nach Schafscheiße, dass einem richtig davor grauste. 2010 zeigte er sich als ein kleiner, etwas langweiliger Wein, der aber immer noch gut trinkbar war – 84/100.

Selbst in schwächeren Elsass-Jahren wie 1987 macht der Clos St. Hune von Trimbach immer noch eine gute Figur. Meine schönste Flasche davon war 1997 eine halbe, ein wunderbarer, perfekt gereifter Wein – 91/100. 1998 hatte er eine wunderschöne Nase, alles dahinter ist war deutlich schwächer – 88/100. 2000 war er deutlich reifer mit intensivem Petrolton, eindeutig auf dem Abschwung – 83/100.

Eine sensationelle Fruchtbombe war 1993 und 94 Guigal La Landonne, einfach viel zu gut, um ihn liegen zulassen – 95/100. In dieser hedonistischen Frühphase hatte ich dieses großartige Sonderangebot aus dem Düsseldorfer Vintage (€ 46.-) in einem Keller fast komplett ausgerottet. 2004 präsentierte sich der La Landonne dann völlig anders, aber nicht schlechter, unglaublich dicht und jung mit Lakritzaromen, Teer, dunklen Früchten, deutlich dichter, als ich ihn kannte - 95/100. Ende 2004 dann noch mal in einem interessanten Vergleich mit 1997 La Landonne, hier hielt sich der 87er aus dem an der Rhone schwierigen Jahr beachtlich. Sehr dichte Farbe, immer noch unglaubliche Kraft und typische, leicht rustikale La Landonne-Stylistik, ein etwas ernsterer Wein mit erdigen Tönen, Lakritz, dunklen Früchten und Trüffeln, intensive, tragende Säure. Dieser Rhone-Klassiker steht erst ganz am Anfang seines zweiten Lebens – 93/100 mit Potential für 2-3 mehr. Deutlich reifer und weiter war 2005 vom gleichen Erzeuger La Turque. Druckvolle, reife, leicht animalische Nase mit großem Gewürzstrauß, Salbei, schwarzen Oliven, dunklen Früchten und Leder. Voll trinkreif und auf dem Punkt. 2015 immer noch voll da, speckige, rauchige Nase mit reichlich schwarzen Trüffeln, gute Säure und immer noch Frische – WT96. Einfach hedonistisch lecker - 95/100. La Mouline startete 2004 etwas enttäuschend mit einer medizinischen Nase, wandelte sich aber total im Glas. Aus Jod wurde Mokka, auch am Gaumen Mokka ohne Ende, wurde sehr samtig und zugänglicher, Klassestoff, immer noch mit deutlichem Rückrat - 95/100. 2006 ein sehr reifer, klassischer La Mouline mit burgundischer Kraft und Fülle - 93/100. Hedonismus pur kam da 2011 ins Glas, würzige Frucht, Fülle, eine perfekte Auswahl der Gewürze des Orients, dekadente Süße, eine sehr seidige, aber auch nachhaltige Textur, einfach sexy dieser Wein und ein gewaltiges Trinkerlebnis – 96/100. 2015 weich, reif, sehr aromatisch, druckvoll und vielschichtig – WT97.

Sehr dicht war 1995 am Hermitage La Chapelle nur die Farbe. Der Rest war sehr zugänglich, offen und machte viel Spaß – 88/100.

Massenweise einfachere Qualitäten aus diesem uninteressanten, schlechten deutschem Weinjahr habe ich zwischen 1988 und 1990 getrunken. Wer aus diesem Jahr noch trinkbare Weine sucht, wird allenfalls bei einer Handvoll Winzer im edelsüßen Bereich fündig.

Seit 1993 habe ich den Riesling Eiswein Graf Adelmann 4mal getrunken, zuletzt 2009. Inzwischen deutlich gereifter mit immer noch sehr kräftiger Säure, Honigtönen, aber auch etwas Boytritis und dunkler werdender Farbe, großer Stoff mit perfektem Süße-/Säurespiel, der viele Sauternes im Regen stehen lässt – 96/100. Eine gut gereifte, angenehm zu trinkende Spätlese war 2003 die Wehlener Sonnenuhr von JJ Prüm, noch gute Säure, Süße bereits weitgehend aufgezehrt - 87/100. Zuletzt 2011 ein schlanker, säurebetonter Wein mit viel apfeliger Säure, zeitlos schön mit nur noch wenig Süße, etwas kurz am Gaumen, aber gut trinkbar – 86/100.

Auch in Italien wurden in der Masse früh reifende, nicht sonderlich konzentrierte Weine erzeugt. Da gibt es heute nicht mehr viel Trinkbares.

Ein Achterbahnwein war 2001 bei Jörg Müller Masseto, war direkt nach dem Öffnen toll, ging dann zu und kam nach 2 Stunden wieder als sehr schöner Merlot – 92/100. Ein kurzes, dünnes Wässerchen war 1995 der Ornellaia – 78/100. 2006 im Villino entpuppte er sich als sehr harmonischer, reifer Wein ohne Schwächen, weich, mit feiner Kirschfrucht – 91/100. Kräftig dazugelernt habe ich bei Sassicaia. 1993 auf Willi Krählings Sassicaia-Probe war das aus der Magnum mit dichter Farbe, verhaltenem Bouquet und recht kompaktem Geschmack für den Jahrgang nicht schlecht – 89/100. Schon drei Jahre später, 1996, auf der Unger-Probe dann schöne, brilliante und dichte Farbe, am Gaumen astringierend mit bissigen Tanninen und etwas schlank, wird mit der Zeit noch unnahbarer - 84/100. Bitte nicht dekantieren, meinte 2011 WineLive Chef Jochen Fricke, also machten wir es erst recht. Unglaublich, wie sich dieser einstmalige Loser entwickelt hat, das war großer Cabernet und großer Sassicaia in einem mit sehr druckvoller Aromatik und dichter, deutlich jünger wirkender Farbe – 94(!)/100. Da bin ich sofort auf die Suche gegangen und habe nachgekauft. Und 2013 hatten wir ihn auf Sylt noch mal im Glas, Weich, reif, Mokka, Waldboden, Kaffee, generöse Süße und enorm druckvoller Aromatik – 95/100. Solaia war 2002 sehr feiner, reifer Cabernet mit Zedernholzwürze und einem Hauch Minze - 93/100. Zuletzt 2012 altersfrei die Farbe, klassischer Bordeaux vom linken Ufer, haette ich sicher in einer Blindprobe notiert, Zedernholz, kühle Frucht, Minze, erdige, mineralische Aromen, gute Länge und viel Spannung bei sympathischen 12,5% Alkohol - 93/100.

Auch in Österreich galt 1987 zusammen mit 1984 als schwächster Jahrgang der 80er. Erzeugt wurden eher leichte Weine mit wenig Alkohol und Extrakt, dafür kräftiger Säure. Ende der 80er habe ich davon viele getrunken.

Erstaunlich gut altern die Bründlmayer Chardonnays. Den 87er habe ich zuletzt 1996 getrunken. Da zeigte er noch keinerlei Schwächen.

Für Rioja gilt 1987 als sehr gutes Jahr. Ich kann das nicht nachvollziehen. Ich fand die Weine bisher sehr schnell reifend und mit wenig Rückrat.

Ein Conde de Valdemar Gran Reserva von Martinez Bujanda hatte 2003 schon einen deutlichen Alterston, kein großer Wein - 87/100. Überhaupt nicht begeistern konnte ich mich im Sommer 1997 für einen Marques de Murrietta Gran Reserva, der oxidative Töne zeigte und sowohl in der Nase als auch am Gaumen an altes, unsauberes Faß erinnerte. Das galt auch für den Marques de Murrietta Castillo YGAY, der 1997 mit heller Farbe und oxidativem Ton wie der ältere, schwächlichere Bruder des 34ers wirkte - 84/100. Ein Martinez Bujanda Reserva hingegen war 2002 mehrfach weich, lecker mit heller Farbe und typisch spanischer Aromatik – 90/100. Sehr gewöhnungsbedürftig 1996 ein de Muller aus dem Priorat, tiefrot, fast schwarz, massiv, trocken, alkoholisch. Schon sehr reif und eigentlich deutlich älter wirkend mit heller Farbe und malziger Süße war 1999 und 2000 die Reserva 904 Rioja Alta – 90/100. Vega Sicilia Unico war 2006 auf Sylt noch sehr frisch, mit pikanter Kirschfrucht und etwas spitzer, zitroniger Säure, die ihn noch etwas unfertig und unharmonisch erscheinen ließ – 91+/100. Da sind wohl noch ein paar Jahre Lagerung angesagt.

Traumhaft schön präsentierte sich 2016 der Chateau Musar aus dem Libanon, der mit mit betörender Fülle und süßem Schmelz überzeugte – WT95.

Mein Tipp in 1987 ist Kalifornien. Zwar wird allgemein 1987 nicht zu den großen Jahrgängen in Kalifornien gezählt. Meine Erfahrungen mit diesem Jahrgang sind jedoch recht gut. Einige Winzer erzeugten sogar Spitzenweine. Und wer kalifornische Weine nur aus fruchtüberladene Alkoholmonstren kennt, wird von den 87er angenehm überrascht sein. Damals brauchte man noch keine 16% Alkohol, um guten Wein zu machen.

Aus einer Doppelmagnum war 2014 beim 1987 Beaulieu Vineyard George de Latour Private Reserve jung noch die Farbe, die Nase erst etwas verhalten, legte enorm zu mit schwarzer Johannisbeere, ätherische Noten, viel Minze, auch Eukalyptus, am Gaumen reif, aber voll da, elegant, dazu geradezu saftig mit guter Struktur und einfach geilem Trinkfluss – WT95. Auf einen ganz großen 97er Kalifornier tippten meine beiden Kalifornien-erfahrenen Gäste 2002 beim Beringer Cabernet Sauvignon Private Reserve. Der war so dicht und kräftig, dass er gut in eine Harlan-Probe passen würde – 97/100. 2008 jung, kräftig und dicht, mit wunderbarer, süßer Frucht. Ein großer Wein mit sicher noch längerer Zukunft – 97/100. Und auch 2011 bei Braui meets Schorn II wieder auf diesem Niveau. Ob der ewig lebt? Auch 2016 überzeugte er mit dichter, dunkler, süßer Frucht, mit enormer Kraft, Struktur und Länge – WT97. Ein Spaßwein par Excellence war 2011 der Beringer Chabot Vineyard. Jugendlich-saftig, sogar vanillig, pfeffrig, die fröhliche Nase, am Gaumen sehr süß, fruchtig, viel Säure, spielerisch und etwas an Shiraz erinnernd – 92/100. Reif und auf dem Punkt war zuletzt 2011 Caymus, der sicher in den nächsten Jahren getrunken gehört - 90/100. Irritierend 2011 auch Caymus Special Selection. Sehr verhalten, blass und schüchtern mit kaum noch Frucht zeigte sich dieser früher mal große Wein, den ich vor 6 Jahren noch mit 95/100 im Glas hatte. 2014 wieder voll da. Immer noch kräftige Farbe, Reichlich Cassis und Kirsche, dazu Minze und Tabak, sehr elegant und stimmig mit feiner, schmelziger Süße im Abgang, immer noch so jung und vibrierend – WT96. Sehr viel Zeit hat Dominus gebraucht. Enttäuscht war ich von meinen beiden ersten Flaschen 1995 in Las Vegas und 1996 auf einer Koppe-Gala in Düsseldorf. Die wirkten bitter, unharmonisch, verschlossen mit einem leicht animalischen Stinker in der Nase. 2000 habe ich mich für einen sich erstmals zögerlich öffnenden Wein zu 90/100 hinreißen lassen. Ende 2004 war es dann endlich soweit, in einem Vergleich mit 97 war der 10 Jahre ältere 87er der kräftigere, längere, überzeugendere Wein, ein Riesenteil in allerbester Bordeaux-Art – 96/100 mit reichlich Zukunft. In der Dominus-Probe im Frühjahr 2005 der mit Abstand größte Wein des Flights 86/87/88 mit guter Frucht, aber auch tanninig, sehr kräftig, konzentriert, Bitterstoffe, Tabak, Schokolade mit 90% Kakaoanteil, staubige Tannine - 93+/100. 2009 sehr florale Nase mit grasigen Tönen, mit der Zeit kam etwas Lakritz hinzu. Am Gaumen war der Dominus kernig und fleischig mit viel Eukalyptus und enormem Druck, so ein richtiger Charakterstoff, immer noch ganz am Anfang – 95/100. Konnte 2010 in der großen Dominus-Vertikale vor Kraft kaum Laufen, war aber deutlich zugänglicher und zeigte bereits eine feine Süße. Jetzt schon mit viel Genuss zu trinken, aber da kommt mit den Jahren noch mehr – 93+/100. 2013 in klassischer Bordeaux-Stilistik, immer noch von präsenten Tanninen geprägt mit viel Leder und Tabak. Ein Langstreckenläufer, bei dem noch mehr kommt – WT94+. Jede Menge Dampf am Gaumen machte 2010 ein würziger, reifer, spannender, exotischer und sehr vielschichtiger Cuvaison Zinfandel – 94/100. Sehr jung wirkte 2016 immer noch der ultrarare Diamond Creek Lake Cabernet Sauvignon aus dieser nur 0,3ha großen Miniparzelle. Jung und streng zugleich mit puristischer Frucht und sehr präziser Struktur – WT96. Die Nase eines Duckhorn mit Leder, Zedernholz, Kräutern und Johannisbeere erinnerte wieder an einen feinen Medoc, am Gaumen zeigte der Wein die feine Eleganz eines großen Grand Puy Lacoste, gestützt von guter Säure und Struktur. Irre lang am Gaumen. Da kam sehr viel Freude auf – 92/100.Diese Art von Erfolgserlebnis hätte ich gerne auch mal bei Dunn. Der Dunn Napa Valley Cabernet hatte 2001 die klassisch-strenge Heitz-/Figeac-Nase, etwas Eukalyptus, auch am Gaumen eher streng und etwas animalisch, erst nach 3 Stunden kam er langsam - also noch 10 Jahre warten, oder lange vorher in der Badewanne dekantieren – 88/100. Ähnlich im Herbst 2004 der Dunn Howell Mountain. Sehr dichte, junge Farbe, gute, rotbeerige Frucht, die aber auch etwas stahlig wirkt, am Gaumen kräftige Astringenz. Da scheint jemand das Rezept des 28er Latour ausgegraben zu haben, der ja erst nach 50 Jahren trinkreif wurde – 90/100 mit Potential für mehr in ein paar Jahrzehnten. 2012 immer noch ein Monster, diese tiefe, immer noch sehr junge, undurchdringliche Farbe, dann das massive, stabile Tanningerüst und die hohe Säure, ein junger 28er Latour mit Kraft ohne Ende. Gut, da ist auch wunderbare, sehr präzise Frucht mit erster Süße und sogar etwas Schmelz, und wer etwas wartet, bekommt noch etwas mehr Zugänglichkeit, denn der Dunn entwickelt sich im Glas. Ein Riese, ein unverbiegbarer, großer, eigenständiger Wein, gemacht für noch lange Zeit – 95+/100. Etude Cabernet Sauvignon hatte 2006 in Los Angeles in der Nase reichlich Minze, altes Sattelleder, etwas Pferdestall, auch am Gaumen minzig, immer stärker kommt dann in der Nase und am Gaumen Eukalyptus, ein charakterstarker, spannender Kalifornier alter Schule, macht von Glas zu Glas immer mehr Spass und wird nicht langweilig - 92/100. Sehr überzeugend 1998 auf einer Gabriel –Probe in Zürich und einer der Weine des Abends ein Geyser Peak Reserve, brauchte viel Luft und entwickelte dann eine tolle Fruchtsüße – 94/100. Viel Zukinft (nötig!) hat auch der Grgich Cabernet Sauvignon. 1988 hatte ich ihn bei Schorn schon als harten, ungenerösen Knochen angeschrieben, doch 2001 war das Wunder passiert, tolle Frucht und Frische, sicher noch ein langes Leben, sehr schön – 93/100. 2007 ein langlebiger Kalifornier alter Machart90/100. Aus meiner letzten Flasche 2014 noch so jung und kräftig, sehr minzig, ein klassischer, großer Kalifornier mit niedrigem Alkohol aus den 80ern – WT94. Von nur 2 Jahre alten Reben stammte der Harlan. Sehr reif war er 2014 inzwischen, Waldboden, aber immer noch voll intakt und gut trinkbar. Baut sogar im Glas aus und erinnert an einen gut gereiften Medoc aus den 80ern. Ein beeindruckendes Erstlingswerk, dessen nur von dezenten Reifetönen geprägte Farbe zeigt, dass hier noch einige Jahre was geht – WT90. Deutlich zu jung war 1996 auf der Koppe-Gala auch Heitz Martha´s Vineyard, sensationelle Farbe, Minze, Eukalyptus, aber auch kalte, stahlige Frucht, viel zuviel Alkohol, aber eindimensional, ein undifferenzierter Klotz, 89/100 mit Potential für 3-4 mehr. 2011 auf der großen Heitzprobe der Ungers war das ein ein großartiger, im besten Sinne kerniger Wein, sehr minzig mit guter Säurestruktur und immer noch deutlichen Tanninen. Ein echter Heitz-Klassiker, der sehr lange zur Entfaltung gebraucht hat und erst ganz am Anfang einer sehr langen Karriere steht – 95/100. Wirkte 2012 etwas harzig mit viel Minze und Eukalyptus, Kraft ohne Ende und immer noch gewaltiges Potential. Da lohnte es, das Glas eine Weile stehen zu lassen. Enorm, wie der ausbaute und Gas gab. Meine Bewertung ging mit jedem Schluck weiter nach oben. Bei 96/100 war leider das Glas leer. Extrem konzentriert 2015 mit dunkler Frucht, Kraft ohne Ende, sehr minzig, Eukalyptus, hohe Mineralität, bleibt ewig am Gaumen, ein Mörderteil auf dem Wege weiter nach oben – WT97+. Noch weit von der Reife entfernt 2016 mit dunkler Frucht, viel Minze, Eukalyptus, guter Mineralität und Kraft ohne Ende, so lang am Gaumen – WT95+. Eine junge Mörderfarbe hatte 2012 der Kenwood Artist Series Jack London, auch in der sehr minzigen, ledrigen Nase mit Bitterschokolade und erdig-mineralischen Noten und am enorm kräftigen Gaumen war das ein immer noch junger Wein, der sicher noch 2 Jahrzehnte vor sich hat und durchaus noch zulegen kann – 92/100. Jede Suche wert. Deutlich weiter war da 1999 ein normaler La Jota Cabernet, der im Glas schon deutlich abbaute und seinen Zenit wohl längst überschritten hat. Gefällig, offen, reif 2012 der La Jota Howell Mountain mit viel süßem Haribo-Lakritz in der Nase – 92/100. Auch ein Laurel Glen riß mich 1998 nicht vom Hocker. Ein Livingston Moffett Cabernet Sauvignon Moffett Vineyard. Dichte Farbe, deutlich jünger wirkend, in der Nase After Eight, Bitterschokolade mit Minze, intensive, leicht stahlige Kirschfrucht, am Gaumen etwas bittere Resttannine und hohe Säure - 88/100. Da kommt nicht mehr viel, trocknet eher mit den Jahren aus. Geradezu jugendlich und immer noch ein paar Jahre von der vollen Trinkreife entfernt 2009 ein Chateau Montelena. Superdichte, junge Farbe mit Purpurreflexen, etwas stahlige, sehr pure, geradlinige Frucht, kernig im besten Sinne und dabei puristisch schön, viel nicht-süße Apotheken-Lakritze, sehr kraftvoll und lang mit immer noch deutlichem Tanningerüst. – 96+/100. 2013 tiefe, junge Farbe, knallte am Gaumen mit Power ohne Ende, wie eine Mischung aus Dunn und Harlan, gewaltiger Abgang, ging in dieser perfekten Form mit dieser Wahnsinnsfrucht locker als 2001er durch – WT97. Zu den Top-Kaliforniern in 1987 gehört der Mondavi Cabernet Sauvignon Reserve. 1995 hatte er noch eine junge Farbe, war aber trotzdem schon sehr zugänglich, tolle Fruchtsüße, viel Schmelz und Länge – 95/100. Danach noch mehrfach mit ähnlichem Resultat getrunken – und erst kürzlich wieder nachgekauft. Leider scheint es hier aber Flaschen-Variationen zu geben. Wirkte 2014 auf der Farnsburg schon deutlich reifer und weniger druckvoll – WT91. 2016 aus eigenen Beständen mehrfach wieder voll da, feine, beerige Frucht, sehr minzig, ein wunderbarer, klassischer Kalifornier – WT94. Ein Weinriese 2014 der Mondavi Cabernet Sauvignon unfiltered, geile, puristisch schöne Frucht, Minze, Leder, ein Hauch Eukalyptus und so eine unbändige Kraft, gepaart mit ewiger Länge, stilistisch eher ein absolut stimmiger, großer Bordeaux, einfach ein Traum und locker WT98. Ein Riese und erst ganz am Anfang ist Chateau Montelena. 1998 auf einer Gabriel-Probe ein rabenschwarzes, irres Konzentrat von dem René Gabriel meinte, das er da 20 Jahre drauf warten möchte. Ich habe nur ein Jahr gewartet und dann 1999 in St. Helena im Napa Valley wieder zugeschlagen. Nach vielen Proben hochkarätiger Jungweine war das Erholung und Offenbarung zugleich. Da muss das junge Napa-Zeugs erst mal hinkommen, sehr dichte, junge Farbe mit Purpurrand, brauchte gut 2 Stunden in der Karaffe und war dann die Essenz von Cabernet – 97/100. Leider ist dieser Montelena-Jahrgang – vielleicht der größte – völlig von der Bildfläche verschwunden. Wenn Sie ihn irgendwo finden, sollten Sie ohne zu zögern zuschlagen. Ich durfte ihn 2008 noch mal trinken und hielt ihn auf Grund seiner Frische für einen 97er. Brauchte viel Zeit und Luft, gab dann aber enorm Gas mit süßer werdender Frucht und großartiger Länge am Gaumen, hat immer noch großartiges Entwicklungspotential und das Zeug zur Legende – 96+/100. 2012 auf der Montelena Vertikale in der Braui Verhaltene, etwas staubig wirkende Eleganz in der Nase, etwas stahlige Frucht, kernig wirkend, am Gaumen sehr kraftvoll mit intaktem Tanningerüst, dabei frisch und ausgewogen mit erster Süße – 94/100. Ein Morgan Carmel Valley Cabernet Sauvignon war 2006 ein in Ehren gereiftes, kleineres Weinchen mit feiner Süße – 86/100. Heute ist er nur noch teuer, der Opus One, aber zu Anfang war er noch richtig gut, so z.B. als 87er, der 1999 in einer Probe sehr überzeugen konnte – 93/100. 2009 überragend wunderbarer Frucht, druckvoller Aromatik und ohne Alter – 97/100. Auf ähnlichem Niveau noch mal 2009 in der Felsenburg in Olten. Wirkte 2011 beim Unger Weihnachtasting schon sehr reif, in der Nase etwas Brett, ein Pferd samt Sattel und zunehmend schöne Brombeerfrucht, am Gaumen weich, gefällig, fruchtig, elegant. Ein feiner, aber kein wirklich großer Wein mehr – 92/100. Kurz darauf 2011 in einer Opus-Vertikale feiner, reifer Opus alter Schule, immer noch mit guter Frucht, subtiler Eleganz und guter Säure, bleibt sehr lang am Gaumen – 91/100. Ähnlich 2014 auf der Farnsburg ohne die frühere Fruchtigkeit – WT92. Auch die ersten Pahlmeyers können sich sehen lassen. Der Pahlmeyer Caldwell Vineyard hatte 1998 eine irrsinnig dichte, junge Farbe, reife Nase eines ganz großen Shiraz mit Cassis pur, hätte man mir leicht als 76er Grange verkaufen können, entwickelt intensiv Eukalyptus, sehr kräftige, tragende Säure, ein Ausnahmewein – 96/100. Zuletzt 2009 etwas reifer, aber immer noch erstaunlich frisch – 94/100. Sehr gut hat mir bei bisher drei Gelegenheiten auch der Phelps Eisele Vineyard gefallen. 1999 mit zwar relativ heller Farbe, aber einer tollen cremigen Würzigkeit, Bleistift und Ledertönen wie bei einem guten Mouton – 93/100. Da es bei Parker hierzu lediglich lapidar „tasted but not recommended 82/100“ heißt, dürfte der Wein nicht die Welt kosten. 2007 sehr kompakt und immer noch dominiert von etwas trockenen Tanninen, altes Leder, mit der Zeit immer mehr Minze und Eukalyptus. Ein sehr guter Wein mit enormem Langstreckenpotential, der aber nie richtig groß werden wird – 92/100. Zuletzt 2011 ein feiner, eleganter Wein mit deutlicher Bordeaux-Stilistik, mineralisch, Zedernholz, viel Minze, Sattelleder, immer noch kein erkennbares Alter, nur Frucht fehlte ihm etwas – 92/100. Noch einen Tick drüber und etwas druckvoller 2011 beim Unger Weihnachtstasting – 93/100. Weniger gut klar kam ich 2007 mit Phelps Insignia. Der machte mich etwas ratlos. Auf der einen Seite ein feiner, eleganter Wein mit deutlicher Bordeaux-Stilistik, mineralisch, Zedernholz, kein erkennbares Alter, auf der anderen Seite waren da die deutlichen, staubigen Tannine und das fast völlige Fehlen von Frucht, mit 88/100 ist der derzeitige Zustand dieses Weine gut bedacht. Minze pur 2010 bei Ridge Monte Bello, ein grandioses, immer noch jung wirkendes Remake des 70 Lynch Bages – 96/100. 2012 erinnerte er mich an einen durchtrainierten, jungen Spitzensportler, nur Muskeln, kein Fett, perfekte Struktur, in der Nase präzise Kirschfrucht, Minze, Eukalyptus, Ledertasche, immer noch so blutjung und kräftig wirkend mit großartiger Länge am Gaumen, die gute Säure hält ihn frisch – 96/100. Extrem vielversprechend 2010 die würzige, portige Nase eines Ridge Geyserville Zinfandel Reserve aus der halben Flasche, doch der ausgetrocknet wirkende, schwierige Gaumen kam da nicht mit – 86/100. Bei Shafer Hillside Select irritierte 2010 die intensive, grüne Paprikanase. Am Gaumen war dieser Hillside eine Klasse besser, weich und elegant, schokoladig mit schöner Fülle – 90/100. 2012 reduktive Noten in der Nase, Karamell, leichte Altersnoten, Leder, Minze, am Gaumen eher etwas verhalten und nicht mit der Dramatik großer Hillsides – 91/100. Der Silver Oak Alexander Valley trank sich 2002 auf Sylt immer noch recht schön, mit guter Kirschfrucht, aber schon sehr reif. Nicht vergleichbar mit den großen Alexanders aus 84, 85 und 86 – 88/100. Simi Cabernet Reserve war 2006 ein unglaubliches Teil mit einer irre dichten, jungen Farbe. Der fängt gerade erst an, sich zu öffnen. So ein perfekt strukturiertes Fruchtkonzentrat mit massiven, aber reifen Tanninen, so dicht, so kräftig und so komplex mit einer spektakulären Aromatik. Ein hypothetisches Blend aus Harlan und Shafer Hillside Select. Ich werde die nächsten 20 Jahre nach diesem großen Stoff suchen, denn diese Zeitspanne bewältigt er locker noch – 99/100. Zeigte zuletzt 2010 wider enormes Langstreckenpotential – 95/100. Einen Storybook Zinfandel Reserve fand ich 1998 so grauenhaft, dass ich mir erst gar keine Notizen dazu gemacht habe. Fast zeitlos zeigte sich 2015 der Togni mit tiefer, junger Farbe, kühler Frucht, einem Hauch Minze, perfekter Struktur und enormer Kraft – WT95.

Angeblich muss man ja kalifornische Chardonnays in den ersten Jahren wegtrinken. Mit Sicherheit gilt das nicht für den Grgich Chardonnay, der gut und gerne 10-15 Jahre altern kann. 1996 war er immer noch ein sehr kräftiger, nussiger Wein mit erstaunlicher Frische und toller Länge am Gaumen – 94/100.

In Australien scheint 1987 kein besonders gutes Jahr gewesen zu sein.

Der Penfolds Grange war 1999 sehr schlank und verhalten – 88/100. Schwierig präsentierte sich zuletzt 2013 trotz sehr dichter, junger Farbe, Schweißfüße in der Nase, am Gaumen sehr erdige Mineralität und deutliche Bitternote im Abgang, baute aber mit der Zeit im Glas etwas aus und wurde süßer - WT91.

Breit und langweilig, bereits mit einem deutlichen Alterston war 1992 ein Lindemans Andrew Garrett Chardonnay.

Kleinerer Port-Jahrgang mit frühreifen Weinen, die früh getrunken gehören.

Eine sehr helle Farbe mit dezenten Brauntönen hatte 2011 in Linz der 2006 abgefüllte Niepoort Colheita Port, sehr fein, elegant mit verhaltenem, süßem Schmelz, ein kleiner Colheita – 89/100.