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1988

Zu den großen Geheimtipps zählt er lange, der Jahrgang 1988. Klar, die Weine dieses Jahrgangs standen im Schatten der nachfolgenden 89er und 90er. Während die spontan Spaß machten, brauchten die 88er mit ihren massiven Tanninen viel Zeit. Klassische Weine eben, mit hoher Lebenserwartung. Eigentlich passte dieser Jahrgang gar nicht mehr so richtig in die 80er, wo Jahrgänge wie 82, 83 und 85 aus dem Stand ein immenses Trinkvergnügen bereiteten. Ich bin auch in diese Falle getappt. Viele meiner 88er Bordeaux habe ich um die Jahrtausendwende in reiner Unwissenheit verkauft. Inzwischen bin ich schlauer und kaufe selektiv wieder nach. Die Preise für 88er, gerade aus Bordeaux, sind immer noch akzeptabel. Aber das wird nicht mehr lange so bleiben. Während sich nicht nur viele Weine aus den 80ern schon verabschieden, sondern sogar bereits die ersten Jahrgänge aus den 90ern schwächeln, laufen die großen 88er erst ganz langsam zur Hochform auf, wie eine spektakuläre Probe im Frühjahr 2008 eindrucksvoll zeigte.

Calon Ségur war 2007 ein sehr feiner, eleganter, charmanter Wein mit guter, rotbeeriger Frucht und viel Zedernholz. Baut sehr schön im Glas aus und wird immer schöner und schmelziger – 92/100. Tanninbombe für´s nächste Jahrtausend mit großem Potential notierte ich bei den Arrivage-Proben 1991 über Cos d´Estournel. Besser hätte ich nach diversen, vergeblichen Versuchen in den 90ern, diesen Wein zu verstehen, mich an meine Notizen gehalten. Dann wären meine 88er Cos nicht 2001 auf der Auktion gelandet. So musste ich 2005 feststellen, dass ich einen großen Fehler begangen hatte. Kräftige Farbe mit dunklem Kern, ein rustikaler, klassischer, kerniger Bordeaux, terroirbetont, kräftige Säure, der kommt erst in 10 Jahren richtig. Entwickelt sich unglaublich im Glas und am Gaumen mit toller Länge. Sicher langlebiger als 2003, derzeit 93+/100, notierte ich Ende 2005 auf einer großen Cos-Probe. Im Herbst 2006 auf René Gabriels großer Cos Probe setzte ich diesen unglaublich dichten, jungen Powerstoff auf 95+/100 hoch. Das ist einer der Weine des Jahrgangs, gewaltiges Potential und unbedingte Kaufempfehlung, allerdings ist massig Geduld angesagt. Je nach Lagerung und Reife geht es Ihnen sonst wie mir 2007 auf der großen St. Estephe-Probe in Linz mit einernoch arg verschlossenen 1tel, geprägt von massiven Tanninen, aber doch mit spürbarer, gewaltiger Substanz. Da kamen an heutigem Trinkspaß kaum mehr als 88/100 ins Glas. Ein in dieser Flasche noch recht verschlossenes Kraftpaket auch 2008 auf der großen 88er Probe und auf einer Best Bottle 2009 – 92+/100. 2012 Deutlich reifer, immer noch rustikal, kräftig mit leicht animalischer Note, trüffelig, Waldboden und reichlich Zedernholz - 92/100. 2013 wieder ein konzentriertes Kraftpaket mit massiven Tanninen und unerhörter Substanz, schon jetzt sehr druckvoll am Gaumen, aber das Beste kommt erst noch – WT94+. Zeigte 2016 schon mehr. Ein großartiger, klassischer Charakterstoff mit Struktur und Tanningerüst für eine lange Zukunft – WT95. Montrose war 2007 für dieses Chateau doch erstaunlich leichtgewichtig, ein eher feiner, fruchtiger Schmeichler, nicht sehr konzentriert und etwas laktisch im Abgang – 89/100. Völlig anders 2008 in der großen 88er Probe. Immer noch ein dichtes, tanninbeladenes Muskelpaket, etwas pelzig auf der Zunge, bei dem zeitweise leicht grüne Elemente spürbar wurden. Aber da war neben einem leichten Stinker auch schöne, beerige Frucht und eine gute Länge am Gaumen. 90/100 waren da insgesamt im Glas, in 10 Jahren könnten es bei diesem Langstreckenläufer durchaus noch mehr werden. Auch 2010 immer noch ein dichtes Muskelpaket mit Tannin ohne Ende – 91+/100.

Clerc Milon war 2008 so ein überzeugender, großer Wein, Wärme ausstrahlend, sogar richtiggehend mollig mit viel Pferdestall in der Nase und sehr schöner Länge am Gaumen – 96/100. Auch zuletzt 2012 wieder auf diesem überraschend hohen Niveau - 95/100. Grand Puy Lacoste hatte 2008 wenig Frucht, viel Zedernholz, immer noch ruppige Tannine, wirkte etwas sperrig – 86/100. Lafite Rothschild war zuletzt 2003 ein immer noch sehr tanninbetonter, trotzdem sehr schöner, etwas rustikale wirkender Wein mit Langstreckenpotential – 91+/100. Auch 2008 sehr konzentriert mit toller Länge am Gaumen, insgesamt derzeit aber immer noch etwas verschlossen und rustikal wirkend. Da waren heute 92/100 im Glas, 2-3 könnten innerhalb der nächsten 10-20 Jahre noch hinzukommen. Eine sehr junge Flasche Ende 2008 war völlig zugenagelt – 86+/100. Zuletzt 2011 auf René Gabriels großer Lafite-Probe Ein großer, klassischer Bordeaux mit guter Frucht, mächtigen Tanninen, gewaltiger Struktur und natürlich auch Ecken und Kanten. Den kann man jetzt schon nach längerem Dekantieren angenießen oder ihn auch noch dreißig Jahre liegen lassen. Der wird immer besser und dürfte die meisten seiner Besitzer locker überleben – 94+/100. Gewaltiges Potential hat auch Latour. Der konnte nicht nur 1990 als Fassprobe auf dem Chateau und ein Jahr später bei der Arrivage voll überzeugen. In seiner Fruchtphase setzte ich ihn 1993 auf einer kleinen Probe über den 89er und den 90er des Gutes und auf ein Level mit 90 Petrus. Danach verschloss er sich und kommt derzeit nur im Schneckentempo wieder aus seiner Schale raus. 2002 zeigte er die tanninbetonte Rustikalität vieler 88er, ließ aber erahnen, was da in den nächsten Jahrzehnten noch kommt – 92+/100. 2008 in der großen 88er Probe war er leider fehlerhaft, aber die gewaltige Konzentration dieses Weines am Gaumen zeigte, dass da in guten Flaschen ein großer Latour entsteht. Ende 2008 dann ein gewaltiges Konzentrat, bei dem der Spaßfaktor in 10 Jahren nachgeliefert wird – 90/100. Zuletzt 2013 ein enorm dichter, kräftiger Wein mit viel Zedernholz und Paprika, mit störrisch wirkenden Tanninen, der für einstige Glorie wohl noch mal 10 weitere Jahre braucht – 92/100. 2014 ein Tier von Wein, blutjung, kräftig, konzentriert, verschlossen, ein modernes Remake des 28ers – WT94+. Und so präsentierte er sich auch 2015 wieder. Zeigte dann 2016 aus einer wohl etwas wärmer gelagerten Flasche deutlich mehr. Aber auch das muss noch nicht das Ende der Fahnenstange sein – WT95. Der Les Forts de Latour kam 2011 uncharmant, sperrig, ziemlich fruchtlos mit astringierenden, bitteren Tanninen ins Glas. Dort entwickelte er sich mit der Zeit etwas – 86(+?)/100. .Rauf und runter ging es bei Lynch Bages, sehr überzeugend 1991 in der Arrivage-Probe, in den Neunzigern bombastische, offene Flaschen auf 95/100 Niveau ebenso wie sperrige, zugenagelte mit 84/100. 2005 auf Sylt immer noch dichte Farbe, aber Frucht Fehlanzeige, wirkte dürr, ungenerös, einfach anstrengend – 85/100, und 2006 im Anschluss an eine große Probe eine sehr schöne Flasche, kräftig mit guter Frucht – 89+/100. 2008 auf der 88er Probe ein gewaltiger Wein mit Kraft ohne Ende, aber auch einer sehr betörenden Nase. Sehr dicht und ohne jedes Alter wie bei allen anderen Weinen dieses Flights die Farbe. Massiv immer noch das Tanningerüst und damit auch die potentielle Lebensdauer – 95/100. Auf René Gabriels großer Lynch-Probe 2008 eine gewaltige Impi, die jetzt schon viel Spaß machte, eigentlich aber 20 Jahre zu früh auf war. 2015 war das dann so ein minziger Hammerwein, unglaublich druckvoll, aber auch mit erstem, feinem, süßem Schmelz am Gaumen und sehr langem Abgang – WT97. Aber aus einer weiteren Flasche 2015 noch sehr tanninbetont und zu Anfang mit viel Brett – WT92+. 2016 etwas offener, aber auch mit viel Kraft – WT92. 2017 ein Wein mit enormer Substanz und massiven Tanninen, der wohl noch 5-10 Jahre braucht, dann aber mal groß wird – WT93+. Noch so ein schwieriger Fall war Mouton Rothschild. Den habe ich bisher nur einmal, 1995 in Hamburg im Le Canard, wirklich gut getrunken, wo er trotz massiver Tannine auf 95/100 Niveau 89 und 90 Mouton in die Büsche schlug. Alle anderen Flaschen waren enttäuschend, übrigens auch die Arrivage-Probe 1991. 2004 war das in der großen Mouton-Probe ein monolithisch wirkender, eckiger Mouton, der wenig Spaß macht - 88/100. Wirkte auch 2007 noch ziemlich verschlossen mit immer noch bissigen Tanninen, aber da waren auch Dichte, Komplexität und Länge, ein Wein mit gewaltigem Potential, der 89 und 90 locker platt walzen wird – 93+/100. Und dann die Augenöffner-Flasche 2008 auf der großen 88er-Probe. Hedonismus pur, hat alles, was man von einem großen, immer noch recht jungen Mouton erwartet, üppig mit faszinierender Röstaromatik und gewaltiger Statur, ein irres Teil – 98/100. Und weil ich es selbst nicht glauben konnte, habe ich ihn im Jahre 2008 noch 12mal getrunken, je nach Reifezustand der Flasche und Dekantierzeit mit jeweils 95+ - 98/100. Hat sich in 2009 und 2010 15mal so fortgesetzt. 2011 ein dichter, konzentrierte, immer noch junger Traumstoff auf dem Wege zur Perfektion, meine bisher beste Flasche – 98+/100. Und auch 2012 setzte sich die 88 Mouton-Saga mehrfach auf 97-98/100 Niveau fort. Rechtzeitig dekantiert (mehrere Stunden) stets wie beim Marli-Abschiedstasting Ende 2012 ein Pfauenrad an Aromen, Mouton pur mit Cassis, Leder, Bleistift und Minze, so jugendlich, so enorm druckvoll – 98/100. So z.B. als Wein des Abends beim Rosenfest. Immer noch unnahbar präsentierte sich dieser Wein mehrfach in 2013, so z.B. auf der Mouton-Vertikale im Balm, geradezu bissig mit mächtigem Tanningerüst und tiefer, fast noch jugendliches Purpur zeigender Farbe. Immer noch spürbare Röstaromen, Cassis pur, Leder, Minze, tiefe Mineralität, gewaltiger, aromatischer Druck am Gaumen, aber auch Eleganz und sehr geradlinige Struktur, baut unglaublich im Glas aus – WT98. 2014 wieder mehrfach sehr verschlossen – WT96+. Ebenso mehrfach 2015 – WT94-96+. 5 Stunden dekantiert Ende 2015 mit 1986 ein Duell auf Augenhöhe. Tiefe, undurchdringliche Farbe, Cassis mit Minze pur, Bleistift, Sattelleder, perfekte Struktur, immenses Tanningerüst und gewaltige Länge am Gaumen – WT97+. Auf gleichem Niveau auch mehrfach 2016 und 2017 wieder. Gut trinkbar ist inzwischen Pichon Baron. 1991 in der Arrivage-Probe war das ein erstaunlich offener Schmeichler – 89/100. 1996 aus der Doppelmagnum streng, verschlossen, Langstreckenläufer, dem die Frucht für einen richtig großen Wein fehlt – 88/100. Seit 2002 6mal aus der halben Flasche getrunken, wurde von Mal zu Mal schöner. Zuletzt 2005 kräftige Farbe, plaumige Frucht, fleischig und füllig am Gaumen, kräftige, aber inzwischen sehr weiche Tannine, langer Abgang - 92/100. 2008 mehrfach ein sehr fleischiger Wein mit pflaumiger Frucht, sehr maskulin wirkend und in der 1tel (meine eigenen halben Flaschen sind schon etwas weiter) nach viel Luft und weiterer Lagerung schreiend – 91+/100. 2012 Sehr jung und stückweit immer noch verschlossen, sich nur im Schneckentempo entwickelnd. Fleischig mit pflaumiger Frucht, dominiert von immer noch mächtigen Tanninen – 92+/100. Auf ähnlichem Niveau die nicht zu unterschätzende Pichon Comtesse. Die gefiel mir schon 1990 auf dem Chateau ähnlich gut wie die aus dem Fass verkostete 89er Comtesse. 1995 eine erstaunlich offene, weiche, schmeichlerische Doppelmagnum – 91/100. Danach einige Flaschen, die von massiveren Tanninen geprägt waren. 2001 auf der großen Comtesse-Probe überreife Trauben, dekadentes, hedonistisches Teil, aber sehr weit, erstaunlich helle Farbe – 93/100. 2006 aus Jörg Müllers perfektem Keller ging es immer rauf und runter. Mal reif und wunderschön, mal etwas verschlossener mit bissigen Tanninen. Der letzte Schluck war dann der schönste, weich, elegant mit toller Frucht – 91+/100. 2008 Merlot-betont, reif, füllig, schokoladig mit viel Schmelz, aber auch genügend Rückrat für eine längere Entwicklung – 93/100. 2010 auf der großen Comtesse-Probe am Attersee ein klassischer 88er mit Langstreckenpotential, der im jetzigen Stadium noch einiges an Phantasie abnötigt – 90+/100. Zeigte 2011 aus eigenen Beständen mehrfach viel Potential, öffnet sich aber zusehens - 91+/100. 2013 immer noch nicht auf der Zielgraden, aber schon deutlich mehr zeigend, dabei immer noch maskulin und kräftig – WT93+. 2015 wurde schon erster Comtesse Charme und Schmelz riech- und schmeckbar – WT93+. Sicher eine Comtesse, bei der ein Nachkauf lohnt. 2008 hatte ich beim Pontet Canet blind 96/100 im Glas und von denen sich dieser großartige Wein jeden einzelnen redlich verdient hatte. Klar das war kein Schmusewein, so wie ja auch 88 kein Schmusejahrgang ist. Aber wir hatten hier einen wunderbaren Bordeaux-Klassiker vor uns, rauchig, würzig, fleischig und speckig, mit schier unglaublicher Statur und viel Tiefgang, dazu noch das gewaltige Potential eines großen Weines, der erst ganz am Anfang eines langen Weinlebens steht.

Ziemlich anstrengend wirkte 2015 der kräftige, sehnige Beychevelle. Aber da war bei aller tanniniger Strenge auch deutliche Substanz. Hier könnte durchaus noch wie bei vielen 88ern ein Wunder passieren – WT87+. Ducru Beaucaillou hatte 2006 auf der großen Ducru-Probe nicht nur den für diese Periode typischen Fehlton, sondern wirkte auch dicht und zugenagelt – 84/100. War auch 2008 auf der 88er Probe völlig daneben und hatte im Herbst 2008 auch aus der Magnum diesen ekelhaften Fehlton. Auch 2009 auf der großen Ducru-Probe in Krems aus der Magnum stach nur die noch recht junge, sehr dichte Farbe hervor. Ansonsten bot der Wein außer etwas Zedernholz nur Unmengen sehr trockener Tannine – 84/100. Gut hatte mir 1991 auf der Arrivage Gruaud Larose gefallen, der sich dann rasch verschloss. Nur bissige Tannine 1993 aus der Jeroboam, verschlossen und rustikal in den Jahren danach aus vielen 1teln. Eine sich zögerlich öffnende Flasche 2003 im Kleinwalsertal. 2006 in Genf deutlich offener mit pflaumiger Frucht - 91/100. 2008 aus der Imperiale noch sehr jung, auch in der Farbe. Dazu war er etwas ruppig, rustikal und animalisch, eben ein noch zu junger Gruaud, der uns ein deutliches, unmissverständliches „besucht mich in 10 Jahren wieder“ rüberschickte – 89+/100. Da kommt noch mehr, ein Wein mit Zukunft. 2009 immer noch etwas verschlossener, sehr kräftiger Langstreckenläufer mit gutem Potential und guter Frucht, der derzeit sehr viel Luft braucht und sich im Glas nur im Schneckentempo entwickelt - 90+/100. Auch 2014 aus der Magnum noch sehr tanningeprägt – WT90+. Léoville Barton war 2008 auf der großen 88er Probe der reifste Wein, der auch in der nicht sonderlich dichten Farbe schon erste Reifetöne zeigte. Traumhaft schön die feinduftige, elegante Nase. Am Gaumen eher etwas kurz und schon leicht auf dem Abstieg wirkend – 90/100. Wirkte zuletzt 2009 trotz feinduftiger, eleganter Nase mit staubigen, deutlich Tanninen am Gaumen auf hohem Niveau etwas anstrengend – 90/100. Mehrfach, zuletzt 2000, hatte ich Leoville las Cases getrunken, der mich aber ähnlich 88 Cos nie vom Hocker riss. Ein solider, klassischer Medoc mit dichter Farbe, dunklen Früchten, Zedernholz und wenig Schmelz – 90/100. 2008 dann endlich sehr minzig mit toller Frucht, inzwischen erstaunlich offen, dabei sehr harmonisch mit geradezu seidiger Textur – 94/100. 2009 sehr präzise Frucht, viel Zedernholz, Finesse und Kraft ideal gepaart, am Gaumen tolle Struktur, irre Komplexität und Länge, immer noch gewaltiges Potential für sicher 20+ Jahre – 96/100. 2010 konzentriert und tanningeprägt, ging in der Anmutung als großer Pauillac durch und erinnerte an 88 Mouton – 93+/100. 2014 sehr elegant, finessig und mineralisch mit viel Zedernholz – WT93. Abgehakt habe ich schon in der Arrivage-Probe 1991 den Talbot, einen dünnen Wein mit merkwürdigen Nebentönen – 82/100. Talbot. 2008 ließ der ließ in der Farbe erste Reifetöne erkennen. Die zu Anfang recht schöne, feinduftige Nase wurde mit der Zeit immer mehr von Brettamycose dominiert. Am Gaumen war der Talbot eher ein ziemlich herber Säuerling – 83/100.

Cantemerle hatte 2001 schon eine reife Farbe mit deutlichem Orangenrand, sehr leckerer, weicher, unkomplizierter Tropfen, der aber langsam ausgetrunken gehört – 85/100. Chasse Spleen war 1991 auf den Arrivage Proben ein helles, dünnes Weinchen mit wenig Rückrat – 83/100. Ich hatte subskribiert und habe nach dieser Vorstellung weiterverkauft. Poujeaux hatte 1999 eine junge, dichte Farbe mit Purpurrand, kräftiger Stoff am Beginn der Trinkreife, gute Tanninstruktur junge, dichte Farbe mit Purpurrand, kräftiger Stoff am Beginn der Trinkreife, gute Tanninstruktur – 89/100.

Nicht unterschätzen sollte man Margaux. In der Arrivage 1991 war das ein gewaltiger Wein auf 94/100 Niveau. Danach verschloss er sich rasch und ließ in den Neunzigern mit seiner dichten Farbe, der konzentrierten Frucht und den massiven Tanninen nur erahnen, was da mal draus werden könnte. Zuletzt habe ich diesen derzeit völlig Margaux-untypisch ungelenk und fast grob wirkenden Wein 2000 auf zwei Proben mehr oder weniger genossen. Vor 2010 spielt sich da nichts mehr ab, dann aber richtig. 2007 immer noch eher eckig, rustikal, etwas anstrengend, die durchaus vorhandene Frucht überdeckt von den etwas harschen, staubigen Tanninen - 89/100. Auch mehrfach 2008 sehr verschlossen, ein potentiell großer Klassiker, der sich weiterhin im Schneckentempo entwickelt, Potential für 94+/100. 2009 zögerlich etwas mehr rauslassend und die Eisenfaust im Samthandschuh zeigend – 94+/100. 2015 immer noch mit dem perfekten Spagat aus Kraft und Finesse, die klassische Einsenfaust im Samthandschuh. Hat Potential ohne Ende und wird mal ein Riese – WT96+. Überraschend schön präsentierte sich 2007 auch Pavillon Rouge. Ein kerniger, rustikaler Wein mit viel Kraft und stabilem Rückgrat. Gut zu trinken und sicher noch mit Potential für 5-10 Jahre – 88/100. Unbedingte Kaufempfehlung auch Palmer. Während alle Welt hinter 83 und 89 hinterher rennt, entwickelt sich hier völlig unbemerkt in aller Seelenruhe ein großer klassischer Palmer. 2008 eine einfach geile, schmelzige Nase, am Gaumen wirkt er noch etwas kompakt und verschlossen, aber das wird sich in den nächsten Jahren geben. Ein potentiell großer Palmer – 92+/100. Ende 2008 im großen Bordeaux 88/89/90 Vergleich war das mit seiner leicht stalligen und von schmelziger Frucht geprägten Nase und dem kraftvollen Gaumenbild ein hochinteressanter Charaktertropfen, ebenfalls noch mit viel Potential – 93+/100. 2009 in der Palmer-Vertikale noch sehr jung und zugeknöpft – 90+/100. 2010 ein konzentrierter, großartiger Stoff mit immer noch massivem Tanningerüst und viel Zedernholz, die Frucht nur ganz verhalten, das gewaltige Langstreckenpotential aber deutlich spürbar – 91+/100. 2011 erstaunlich offen mit wunderbarer Süße, ein großer Wein, der schon viel, aber längst noch nicht alles zeigt – 93+/100. Zeigte Ende 2013 mehr Zedernholz als Frucht und mehr Tannin und Potential als Eleganz und Schmelz. Aber für Geduldige wird aus diesem Langstreckenläufer mal ein großer Palmer – WT92+. Aus einer weiteren Flasche 2013 in Bestform. Ein Palmer vom Feinsten, das gewaltige Rückrat eingepackt in seidige Eleganz, trüffelig, Zedernholz, erste Süße, fantastische Länge. Rausan Ségla stand 2008 in der 88er Probe völlig neben den Schuhen.

Nicht sehr langlebig dürfte Domaine de Chevalier sein, der schon 1991 auf den Arrivage-Proben ein sehr zugänglicher, rauchiger Schmeichler auf 90/100 Niveau war. Ein echter Geheimtipp dagegen Haut Bailly. Zuletzt Ende 2002 von der Karte eines Schweizer Mövenpick Hotels ein Ausbund an Kraft, Fülle und Länge. Die dichte Farbe zeigte ein noch längeres Leben an – 92/100. Allerdings habe ich auch 2008 zwei Flaschen getrunken, die einen sehr schwierigen, eher etwas verschlossenen Eindruck machten. Weitere Ende 2008, 2009 und 2012 zeigte dann wieder das gewohnte Niveau. Ein gewaltiger Wein ist Haut Brion. Seit der überzeugenden Arrivage-Probe 1991 über ein Dutzend mal getrunken. 2006 auf René Gabriels großer Haut Brion-Probe aus der Jeroboam. Ein sehr fleischiger, dichter Wein, bei aller Kraft sehr elegant, pflaumige Frucht, Tabak. Scheint sich langsam wieder zu öffnen, wobei er aus dieser Jeroboam weiter schien, als aus den letzten, von mir getrunkenen 1teln. In jedem Fall ist da gewaltiges Potential und hohe Lebensdauer. 2008 in der großen 88er Probe eine rauchig-mineralische Eukalyptusbombe im Stile eines großen Heitz Martha´s Vineyard. Locker 97/100 brachte dieser komplexe, unglaublich lange Stoff ins Glas. Mehrfach danach mit je nach Lagerung 94-97/100. 2011 in Luzern eine junge Flasche, fleischig, muskulös, rauchig-mineralisch, Tabak, Teer, ein Hauch Exotik, Eukalyptus, massives Tanningerüst, schon gut antrinkbar, aber in 10 Jahren kommen da locker drei Punkte mehr ins Glas – 94+/100. 2015 die Tannine noch etwas massiver und bissiger als beim 86er, aber auch hier gewaltige Substanz, entwickelte sich im Glas nur im Schneckentempo – WT94+. Nachkaufen lohnt unbedingt. La Mission war schon bei der Arrivage-Probe 1991 dem Haut Brion deutlich unterlegen. Ab Mitte der Neunziger ein gutes Dutzend mal auf 91/100 Niveau verkostet. 2006 schien der La Mission sogar noch zuzulegen. Ein Kraftpaket, das in der Stilistik an den 78er des Gutes erinnerte – 91+/100. Zuletzt 2007 ein Riese im Werden, den ich noch nie so gut wie in dieser Probe erlebt habe. Weit mehr als ein 89er für Arme ist dieser völlig unterschätze Wein. Klassische Nase mit Tabak, Teer, Cigarbox und rauchigen Noten, am Gaumen immer noch etwas kompakt, sehr dicht und komplex mit wunderbarer Länge - 95/100. 2008 grasig-grün die Nase, in der Paprika den Tabak überdeckte, insgesamt recht verschlossen und anstrengend – 87/100. Spannend dann nur eine Woche später an Ostern 2008 bei Jörg Müller das nachfolgende Duell, das sich über Stunden hinzog. La Mission gegen Haut Brion. Klarer Startvorteil für den Haut Brion. Der zeigte von Anfang an deutlich, was er drauf hat. Rauchig, mineralisch, viel Tabak und wieder Eukalyptus, der Heitz Martha´s aus dem Pessac, ein Riesenteil – 97/100. Der La Mission besaß die etwas dichtere Farbe und war deutlich verschlossener und verhaltener. Etwas irritierend war er zu Anfang in der Nase. Zu Mineralität und Cigarbox kam da die leichte Schärfe von Desinfektionsmittel(meine Damen: Herrenklo!). Doch das gab sich mit der Zeit. Der La Mission brauchte sehr lange, baute aber unglaublich gut aus, wurde immer komplexer und länger. Auf der Zielgeraden zog er nicht nur leicht an Haut Brion vorbei. Er pirscht sich auch langsam an den großen 89er heran. Ein großer, immer noch einigermaßen bezahlbarer La Mission für Geduldige. Mehrfach danach ähnlich in 2008 und 2009. Zuletzt 2009 auf einer Best Bottle in Emmen erstaunlich offen – 95/100. Und auch Haut Brion hatte ich 2009 noch zweimal mit 94+/100 im Glas. 2011 war La Mission aus der Doppelmagnum die jüngere Variante des 78ers, dichte, undurchdringliche Farbe, Tabak, Teer, Cigarbox, hohe Mineralität, gewaltige Frucht, geradezu explosiv und packend am Gaumen. Ein großer La Mission gemacht für die Ewigkeit – 96+/100. Und natürlich gab es dann 2012 noch mal die xte Neuauflage des Duells auf 95+/100 Niveau und noch diverse weitere Flaschen auf diesem Niveau. Zuletzt 2014 auf Sylt öffnete er sich nur sehr zögerlich. Ende 2014 heftig das Duell, der La Mission war hier jetzt der härtere Brocken und ließ wenig raus – WT92+. Der Haut Brion war im direkten Vergleich der feinere mit erstem Schmelz, aber auch hoher Säure – WT93+. Pape Clement hatte ich 1990 auf dem Chateau aus dem Fass probiert und war damals sehr angetan. Mehrfach habe ich ihn in 2008 verkostet, so z.B. bei Lucas Carton in Paris. Man spürte das durchaus vorhandene Potential dieses Weines, aber die doch recht bissigen, etwas spröden Tannine überdeckten die Frucht und ließen nur reichlich Paprika raus – 87+/100. Aber eine offensichtlich deutlich wärmer gelagerte Flasche Ende 2008 in Linz zeigte, dass Licht am Ende des Tunnels ist, erstaunlich offen, weich und zugänglich – 92/100. 2011 in der Nase erst warmer Kuhdung, dann immer mehr Teer und Tabak, am Gaumen Kraft, Fülle, Länge, sogar erste, feine Süße – 93+/100. Kann und wird wohl noch zulegen und hat locker Potential für 2 weitere Jahrzehnte. Immer noch ein schlauer Kauf, nicht nur im gnädigen Schwarzen Adler.

Schon lange nicht mehr untergekommen ist mir Angelus. Schlug sich 1997 im Dreierflight mit 89 und 90 sehr beachtlich mit 92/100 und dürfte aufgrund seiner guten Tanninstruktur ein Langstreckenläufer mit großem Potential sein. War 2008und zuletzt 2010 4mal so offen, so sexy, mit reichlich Kaffee und Schokolade, aber auch kräuteriger Würze und etwas Minze, weich und mollig im Glas, einfach unglaublich lecker mit sicherlich noch Potential für mindestens ein weiteres Jahrzehnt – 94/100. Eher ein kleineres Weinchen dagegen l´Arrosée. Zuletzt mehrfach Mitte der 90er auf max. 85/100 Niveau. Ausone kannte ich nur aus der Arrivage-Probe 1991, wo er mir überhaupt nicht zusagte. Doch 2008 brachte er Lebkuchengewürze reichlich in der faszinierenden Nase. Die entschädigte dann für den eher etwas anstrengenden Ausone-typischen, etwas medizinalen Eindruck am Gaumen – 90/100. Eine weitere Flasche Ende 2008 war bissig, zugenagelt, aber mit spürbarem Potential – 88+/100. Kaum glauben konnte ich das, was ich da im Glas hatte, als ich 2005 mit Stefan Graf Neipperg sein Erstlingswerk, den Canon-la-Gaffelière trank. Seitdem habe ich diesen immer noch jugendlich und kräftig wirkenden Wein mehrfach auf 93/100 Niveau getrunken und kaufe weiter nach. Allerdings hatte ich 2008 in der 88er Probe auch eine ziemlich unterirdische Ausreißerflasche. 2008 wieder eine kräftige, rustikale, tabakige Flasche, noch sehr jung mit viel Langstreckenpotential - 92/100. 2012 auf Sylt weich, reif, sehr minzig mit süßer Frucht – WT93. Ein zwiespältiges Verhältnis hatte ich bisher zu Cheval Blanc, den ich sicher schon 2 Dutzend Mal getrunken habe. Im besten Fall war das, insbesondere aus zu warm gelagerten Restaurantflaschen, ein warmwürziger Schmeichler. Sonst oft eine eher etwas herbe, spröde Enttäuschung. 2006 in der großen Cheval Blanc Probe ein Langstreckenläufer mit viel Substanz, der in 5-10 Jahren und auch danach noch für viel Furore sorgen wird. Der Feinste seines Flights mit schönem Schmelz, wirkte durch die stramme Säure und die noch etwas bissigen Tannine aber auch etwas unharmonisch, was sich mit der Zeit im Glas gab - 91+/100. 2008 dann einfach nur streng in der Nase und am Gaumen mit wenig Substanz. Ein spröder Wein, bei dem die Hoffnung auf Besserung und ein Wunder zunehmend schwindet – 86/100. 2008 auf René Gabriels großer Cheval-Probe, hatte zwar eine schöne, aromatische Fülle, aber auch massive, astringierende Tannine und eine hohe Säure, durch die er etwas eckig wirkte – 90/100. 2012 wieder störrig, eigensinnig und bockig – WT85. Kräftig und rustikal mit immer noch präsenten, etwas ruppigen Tanninen war Figeac 2008. Ich würde diesen Wein nicht abschreiben, da kommt noch was – 87+/100. Ähnlich 2009, aber wann? 2012 hatte sich da noch immer nichts getan. 2011 bei der Figeac-Probe der Linzer Gang staubig-muffig die Nase, am Gaumen viel Bittertöne und harsches Tannin, wenig Frucht, wenig Körper – 85/100. Doch auch bei diesem Wein half Warten. Zuletzt 2013 im Seegarten in Kreuzlingen Kraft und Länge, viel Zedernholz und Minze, war sehr kräuterig und von der Stilistik her eher linkes als rechtes Ufer – 95/100. Pavie Decesse wirkte 2008 reif, weich und würzig mit etwas Süße und bereits etwas ins amaronige gehend, gehört ausgetrunken oder besser noch verkocht – 86/100. Zur Verzweiflung hatte mich bisher Troplong Mondot getrieben. 2002 notierte ich dichte, kräftige Farbe, am Gaumen rustikal, viel Kraft, da kommt sicher noch mehr, Langstreckenläufer - 90/100. Doch bis 2006 hat sich nichts getan. Der Wein blieb rustikal mit etwas unreifen Tanninen und zu wenig Frucht - 87/100. 2007 immer noch präsente, aber deutlich weichere, reifere Tannine, die schöne Frucht kam besser zur Geltung, zum allerersten Mal machte der Troplong Mondot Spaß, mit feinem, fruchtigen Schmelz – 91+/100.

Certan-de-May ist trotz relativ heller Farbe ein reifer, saftiger, leckerer Merlot, druckvoll und überzeugend mit nicht unangenemem Stinker und noch gutem Potential, mehrfach getrunken, zuletzt 2006 mit konstant 92/100. Nur einmal, 1997 auf dem Weinforum in Arosa, habe ich Clinet getrunken, dichte Farbe, Nase und Gaumen überreifes, etwas fauliges Obst, Kraft, viel Tannin, warten – 90/100. Hat sich 2012 sich prächtig entwickelt hat und sicher noch lange Jahre auf hohem Niveau Trinkfreude bereiten wird – 92/100. Den damals recht schwachbrüstigen Conseillante hatte ich auf den Arrivage-Proben abgehakt. Doch wie viele 88er brauchte der nur Zeit. 2013 bei Jörg Müller überzeugte er mit süßer, gerdezu üppiger Frucht und guter Struktur – WT93. Sicher noch trinkbar, aber mit wenig Spaß, dürfte l´Evangile sein, hatte 1998 eine dichte Farbe, war kräftig, noch etwas verschlossen, wirkte aber auch rustikal und eckig mit zu viel trockenem Tannin - 88/100. Zuletzt 2008 offner und reifer, aber auch zurückhaltend mit kühler Eleganz - 90/100. Voll auf dem Punkt war 2002 La Fleur de Gay, ein mittelgewichtiger, feinduftiger, aromatischer Schmeichler mit erstaunlich heller Farbe, der in den nächsten Jahren getrunken gehört – 92/100. 2013 auf Sylt ziemlich daneben, wie überlagerter Kohl – WT82. Lafleur reihte sich 2009 nahtlos ein in den Reigen großer, langsam aufblühender 88er. Sehr junge, dichte Farbe, kühle, kräuterige Eleganz, noble, zurückhaltende Art, derzeit der Hanseat unter den Lafleurs, aber am Gaumen so kräftig, so konzentriert und so lang mit einem Irrsinnspotential – 96++/100. Immer noch sehr jung 2012 aus der Magnum, ein im besten Sinne kerniger, etwas rustikaler, kräuteriger Wein, nicht ohne Charme, mit deutlichen Tanninen und gewaltiger Zukunft – 94+/100. Auch 2015 aus der Magnum ein Riese im Werden, kernig, dicht, kräuterig mit massiven Tanninen und großer Zukunft. Öffnete sich zögerlich im Glas und wurde süßer und schmelziger am Gaumen – WT97+. Öffnete sich 2016 aus der Magnum langsam, reiht sich mit der klassischen, kräuterigen Eleganz in der Nase und dem gewaltigen Konzentrat am Gaumen immer mehr in die Riege der großen Lafleurs des letzten Jahrhunderts ein – WT98. Absoluter Babymord war Petrus 1995 aus der Imperiale. Auch 2005 auf René Gabriels großer Petrus-Probe war er noch relativ unentwickelt, muskulös mit kräftiger Farbe und massiven Tanninen – 91/100. 2008 bei den Ungers ein etwas ungehobelter Kraftbolzen, eckig, rustikal wirkend mit immer noch mächtigen Tanninen. Da hilft wohl nur Hoffen und Warten – 88+/100. 2015 spürbare Substanz und ein großes Muskelpaket etwas bissiger Tannine – WT93+. Le Pin war schon 1992 recht zugänglich mit fast burgundischer Fülle und Eleganz, gehörte aber nicht zu den Highlights der Probe. 2010 Eine explosive Schoko- und Pralinennase, ein verrückter, für den Jahrgang erstaunlich offener 88er, eher etwas auf der leichteren Seite, aber hocharomatisch – 93/100. Trotanoy war 2008 erst ganz am Anfang, ein feiner, nachhaltiger Wein mit schöner Minznase. Wird zurecht immer als Medoc aus Pomerol bezeichnet, denn von der Stilistik her ist er meist eher linkes als rechtes Ufer. Ein Wein mit noch viel Potential, der sich auch noch deutlich steigern kann – 93/100. Unbedingte Kaufempfehlung. Enttäuschend zu Anfang Vieux Chateau Certan. Schon in der Arrivage-Probe 1991 fand ich ihn sehr unausgewogen mit zuwenig Frucht, zuviel Säure und zu bissigen Tanninen – 84/100. 1997 zum ersten Mal eine schöne Flasche und in der Folge bis 2002 mehrfach als feinduftigen, schokoladigen Wein mit gutem Schmelz auf 92/100 Niveau erlebt. Aber das war es wohl auch schon. 2005 in der großen Vieux Probe viel Kraft, feinen Schmelz, wirkte aber auch etwas eckig und mit wenig Potential - 88/100. 2008 drahtig, schlank mit wenig Fett, aber sehr schön trinkbar – 90/100. Zuletzt 2011 in Paris im Taillevent kräftig, etwas ruppig, gut trinkbar, wird sich aber noch entwickeln – 91+/100. Kein großer Wurf der auf einer kleinen Parzelle daneben geerntete Clos du Vieux Plateau Certan, seit 1995 gut 12mal getrunken, zuletzt 2001. Stets wenig Schmelz, etwas grünes Tannin, sehr rustikal – 87/100.

Auch gute, trockene weiße Bordeaux wurden 1988 erzeugt, vorausgesetzt, sie wurden rechzeitig vor dem Septemberregen geerntet.

Domaine de Chevalier Blanc hatte 2016 in der Nase Rhum(!) und reife Bananen, am Gaumen ausladend und sehr lang mit noch deutlich spürbarem Holz, da kommt wohl noch mehr – WT90+. Meine letzte von vielen Fieuzal habe ich 1999 getrunken. Dieser Wein, den ich stets mit 92-94 bewertet habe, könnte noch gut trinkbar sein. Als durchaus noch trinkbar könnte sich Pavillon Blanc erweisen. Als ich ihn das letzte Mal 1993 trank, war das ein sehr kraftvoller Wein mit gutem Rückrat – 91/100. Nur einmal, 1994, habe ich den „Y“ von Yquem getrunken, der mich überhaupt nicht überzeugte. Seltsame Nase, mehr Gemüse als Frucht, am Gaumen kräftig, aber auch sehr alkoholisch wirkend. Da muß man schon beim Trinken das Etikett anschauen, um Freude an so etwas zu empfinden – 84/100.

Der sonnige Herbst bescherte den Winzern im Sauternes ein gutes Süßweinjahr, das sich allerdings nicht mit 89 und 90 messen kann.

Sehr fein mit verhaltener, leicht kräuteriger Honigsüße 2014 der stimmige, schlanke, mineralische Sigalas Rabaud – WT91. Rieussec war 2014 reif und voll da, ein Hochenuss zu Apfelkuchen – WT92. D´Yquem war 1995 mit heller Farbe noch recht verschlossen. 2001 auf dem Weingipfel in Arosa präsentierte er sich deutlich offener und zugänglicher mit feiner, etwas kräuteriger Honignase, exotischen Früchten und guter Säure, ein guter, aber kein großer Yquem – 92/100. 2007 immer noch etwas verhalten zeigte er sich auch an diesem Abend mit rauchiger Nase, Honig und vielen Kräutern. In seiner verschlossenen Art derzeit fast etwas filigran mit schöner Länge – 93+/100. 2013 intensive, kräuterige Honignase, immer noch junge, helle Farbe, am Gaumen feine, aber auch generöse Süße, sehr nachhaltig und mit viel Genuss zu trinken – WT96+. Zeigte 2015 bei aller Klasse leider einen leichten Fehlton.

Tanninreiche, konzentrierte Rotweine wurden 1988 in Burgund erzeugt, den Bordeaux nicht unähnlich. Da lohnt immer noch die Suche, denn die besseren dieser Weine können hervorragend altern.

Schwierig 2013 auf Sylt der Latricières Chambertin von Camus. Reife Farbe, die erste Flasche oxidiert, die zweite trinkbar, aber mehr auch nicht – WT84. Ein Corton Bressandes von Dubreuil-Fontaines war 2010 immer noch ein Langstreckenläufer mit hoher Gerbsäure, aber auch erster, feiner Süße. Ist mit 88+/100 schon antrinkbar, aber die große Freude kommt erst in fünf Jahren. Der Nuits St. Georges Les Boudots von Leroy war 2012 kraftvoll mit reifer Frucht dunkler Beeren, viel Säure und immer noch stabilem Tanningerüst – 91/100. Noch sehr jung, ganz am Anfang stehend und ziemlich unfertig wirkend 2006 ein Romanée St. Vivant von Leroy, die anfängliche, intensive Käsenote verflog rasch. Feine, pikante Frucht, viel Himbeere, etwas spitze Säure, sehr schlank, da sind sicher noch gut 10 Jahre Warten angesagt - 90+/100. Ein Clos St. Denis Vieilles Vignes von Ponsot war 2004 ein klassischer, großer Burgunder aus uralten Reben, erstaunlich reife Farbe mit deutlich wässrigem Braunrand, viel Kraft, feine Süße, in 10 Jahren kommt da noch mehr - 94/100. Der Clos Vougeot von Roumier war 2014 von der ersten Anmutung ein klassischer, großer, dichter, etwas rustikal wirkender Burgunder mit pflaumiger Frucht. Ein Wein mit enormem Potential, der über den Abend immer mehr zulegte und seinen Höhepunkt wohl erst in 5-10 Jahren erreicht – WT93+. Schlichtweg ein Traum 2014 der Chambertin von Armand Rousseau, der hatte das, was man burgundische Pracht und Fülle nennt, dazu faszinierende Aromatik mit Weihnachtsgewürzen, Kräutern und Zimt, Schmelz, Kraft, Fülle und Länge ohne Ende, dazu Potential für Jahrzehnte – WT98. Deutlich jünger Ende 2014 aus der Magnum mit stabilem Tanningerüst und enormem Potential – WT95+. Etwas offener 2015 aus der 1tel – WT96+. Deutlich mehr erwartet hätte ich 2012 von einem Ruchottes-Chambertin von Armand Rousseau. Der wirkte gelinde gesagt harmlos, ein nettes Himbeer- und Erdbeerwässerchen, elegant und filigran zwar, aber auch am Gaumen mit leichter Bitternote im Abgang nicht auf den großen Namen und die dafür aufgerufenen Preise hinweisend – 90/100. Der Musigny Vieilles Vignes von Comte de Vogüe war 2015 sehr kräftig, komplex und lang, aber die Feinheit von Musigny ging ihm (noch) ab – WT93+.

Sehr uneinheitlich der Jahrgang bei den Weißen Burgundern, denen es generell etwas an Konzentration fehlte. Viele Weine sind längst hin, doch natürlich gibt es auch ein paar Ausnahmen.

Schwierig 1993 ein Le Montrachet von BaronThenard aus der Jeroboam mit Kraft am Gaumen, aber einer seltsamen Nase – 86/100. Völlig nichts sagend und enttäuschend 1995 zweimal ein Le Montrachet von Bruck. Ein Le Montrachet von Bouchard hatte 2008 eine etwas eindimensionale, dropsige Nase, Zitrusaromen, hohe Säure, wirkte insgesamt etwas alkoholisch und plump, wurde auch im Glas nicht besser. Der hätte in dieser Qualität auch aus einer unbedeutenderen Dorflage kommen können – 89/100. Der Chevalier Montrachet von Bouchard wirkte 2013 noch so jung, so kraftvoll, komplex und generös mit enormer Länge, dass wir ihn blind nach Kalifornien steckten – WT97. Der Meursault Clos de la Barre von Comte Lafon hatte 1996 und 97 eine kräftige, reife Farbe, auch Gaumen und Nase mit deutlicher Reife, dabei sehr nachhaltig und langer Abgang - 91/100. Streng und abweisend wirkte dagegen 1996 trotz reifer Farbe ein Meursault Charmes vom gleichen Erzeuger, noch zu jung? – 83/100. Der Meursault Perrières hingegen war 1999 große Klasse – 93/100. Den korkähnlichen, oxidativen Ton vieler 90er Burgunder zeigte 1997 in Bargum schon der Clos des Mouches von Drouhin, der sehr enttäuschte – 83/100. Sehr kräftig, mineralisch, aber ausdruckslos 1995 ein Corton Charlemagne von Drouhin aus der Magnum – 87/100. Sehr fein und nachhaltig mit viel Kraft und Länge 1993 ein Chevalier Montrachet Demoiselles von Jadot – 91/100. Fantastisch Ende 2002 ein Chevalier Montrachet von Domaine Leflaive, Spitzenburgunder ohne Schwächen, immer noch jung, tolle Frucht, langer Abgang - 95/100, um Klassen besser als der Puligny Montrachet Les Pucelles des Gutes, dem ich weder 1993 noch 1998 irgendetwas abgewinnen konnte. Schlichtweg perfekt der Chevalier 2015, der hatte immer noch so eine junge, brilliante Farbe. Die Nase war Burgund pur, sehr mineralisch mit unglaublich präziser Frucht und dezenter, nussiger Fülle, am Gaumen perfekte Struktur, Null Alter, salzige Mineralität, sehr komplex mit ewiger Länge. Da stimmte von der Nase über den Gaumen bis zum Abgang einfach alles – WT99. Grandios und der größte Burgunder der Probe 1995 ein Batard Montrachet von Ramonet – 97/100. Zeitlos schön, sehr harmonisch, komplex, dicht und kräftig 2009 aus der Magnum ein Bienvenue Batard Montrachet von Ramonet – 96/100. Vom gleichen Erzeuger mehrfach zwischen 1993 und 98 ein sehr zugänglicher, reifer Chassagne Montrachet Les Ruchottes – 90/100. Der Le Montrachet von Ramonet war 1992 auf einer großen Probe ein gewaltiges Teil mit riesigem Potential, ließ aber noch wenig raus. Ziemlich alt 2013 schon ein Montrachet von Vienot – WT88.

Uneinheitlich war der Jahrgang an der Rhone, im Norden besser als im Süden.

Große Weine hat Guigal in diesem Jahr erzeugt. Der Côte Rotie Brune et Blonde war 1993 schon sehr weit und reif, gehört sicher bald ausgetrunken – 88/100. La Mouline ist sicherlich einer der besten, wenn nicht gar der beste Wein dieses Jahrgangs. Im Schneckentempo hat sich dieser große Wein entwickelt, wirkt immer noch sehr jung und konzentriert und steht jetzt am Beginn einer sicher 20-30 Jahre währenden Trinkphase. Für einen La Mouline erstaunlich kräftig, aber mit der unnachahmlichen Nase, da sind alle Gewürze des Orients drin enthalten, so elegant, so finessig und so sexy - 100/100. Im Sommer 2005 zweimal mit identischem Resultat getrunken. 2009 diese unendliche Finesse und Eleganz, diese riesige, spannende Gewürzpalette, einfach ein kompletter, sehr harmonischer, riesengroßer Wein, besser geht weder La Mouline noch Guigal – 100/100. 2015 der kompletteste mit seinem Pfauenrad an Aromen und dieser riesigen Gewürzpalette – WT100. La Turque war 2014 der etwas offenere mit viel Weihnachtsgewürz, Zimt, Kardamon. Noch so jung und zeitlos mit tiefer, undurchdringlicher Farbe. Entwickelte mit der Zeit eine wunderbare, würzige, nicht aufgesetzte Süße und hörte am Gaumen überhaupt nicht mehr auf – WT100. 2015 der üppigste, hedonistischste, am süchtigsten machende – WT100. La Landonne war 2014 der kräftigere, edelrustikalere von beiden mit Terroir und Trüffeln satt, ebenfalls sehr druckvoll mit unendlicher Länge – WT100. 2015 Der erstaunlicherweise der feinste und eleganteste der drei LaLas – WT100. Ein Côte Rotie von Jamet war 2007 kräftig, rustikal, etwas ruppig aber spannend, von der Aromatik her war ein blutiges Steak vom Holzkohlengrill, kräftige Säure, etwas kurz am Gaumen – 93/100. Eher enttäuscht hat mich 2013 der La Landonne von Rostaing. Das lag wohl daran, dass ich instinktiv Vergleiche zu den großen La Landonnes von Guigal gezogen habe. Und da wirkte dieser hier schlanker, fruchtiger und auch etwas polierter – WT92.

Gewaltiges Potential zeigte der damals noch unfertige Beaucastel schon 1993 aus der Doppelmagnum, wo er mit 89 und 90 gut mithielt. Seitdem gut 20mal getrunken mit steigender Begeisterung. Zuletzt 2005 war dann aus dem rustikalen Flegel plötzlich ein Charmeur geworden, weich und elegant am Gaumen, dezente Süße - 92/100. In keine Schablone passte 2013 der gewaltige, eigenständige Chateauneuf-du-Pape Reserve des Celestins von Henri Bonneau. Animalisch, fleischig dicht und kräftig, blutiges Steak vom Holzkohlengrill, würzig, kräuterig, süße Kirschfrucht, dabei mit erstaunlicher Frische – WT95. War der jetzt reif? Wird er es jemals? Wahrscheinlich eine rein akademische Frage, denn dieses Zeugs ist so selten und für einen Chateauneuf unbezahlbar, dass ich ihn wohl so schnell nicht wieder ins Glas kriege. Einfach wildes, dekadentes, sauleckeres Zeugs war 2014 dieser Chateau Rayas Chateauneuf-du-Pape Reserve, noch so jung, kräuterig, füllig und so vielschichtig, explosiv in der Nase und am Gaumen, könnte dem hoch gelobten 90er in 10 Jahren mal die Rücklichter zeigen – WT97+.

Einige schöne, trockene Elsässer Weine habe ich in den 90ern getrunken, aber auch enttäuschende Weine, wie 1993 den Riesling Clos Häuserer und 1994 den Riesling Brand von Zind Humbrecht. Der Clos St. Hune von Trimbach war 2015 mit seiner kalkigen Mineralität, der puristischen Zitrusfrucht und der guten Säure so eine Art Archetypus eines furztrockenen Rieslings, jetzt guter Trinkreife – WT94.

Sehr feucht war es im Elsaß im Herbst 1988 gewesen, was die Ernte nicht leicht machte. Dafür gab es aber durch den sonnigsten November der jüngeren Geschichte bei geduldigen Winzern einige große Süßweine. Da habe ich noch Nachholbedarf.

Gewöhnungsbedürftig war 1997 auf einer Drawert-Probe ein Clos du Bourg Vouvray Moelleux von Huet, kräftiges Gelb, in der Nase Honigton, am Gaumen eher trocken, noch kräftige Säure – 84/100. Sehr langlebig kann der trockene Coulée de Serrant sein. 1996 auf einer Koppe-Gala notierte ich: feuchte Bergwiese, mineralisch, schöne Säure, dezente Süße, erstaunlich zugänglich - 92/100. 2010 dicht, komplex mit sehr floraler Nase und dezenter Süße – 88/100.

Wenig anfangen konnte ich 1998 in Paris im Lucas Carton mit einem Chateau Bouscassé Cuvée de Decembre von Montus-Erzeuger Alain Brumont. Rustikal, eckig und mit deutlichem Stinker – 83/100. Das kommt davon, wenn man in einem Luxustempel isst und dann angesichts der Preise auf der Karte nach den Sonderangeboten sucht. Da besser ganz bei Wasser bleiben, oder zwei Klassen tiefer essen und anständig dazu trinken.

Viele trockene, deutsche Spätlesen habe ich Anfang der 90er getrunken. Die waren damals durch die Bank sehr schön, aber heute dürfte da kaum noch etwas Brauchbares dabei sein. So verabschiedeten sich z.B. die trockenen Spät- und Auslesen von Maximin Grünhaus bis Mitte der 90er. Eine Maximin Grünhäuser Abtsberg Auslese halbtrocken hingegen war 1996 bei Jörg Müller noch erstaunlich frisch, die Restsüße durch Säure perfekt balanciert, schöne Frucht, mineralisch, stoffig – 90/100. Petrolig, reif und deutlich über den Höhepunkt weg war die 1988 Leiwener Klostergarten Auslese trocken vom St. Urbans-Hof – WT81. Eine Westhofener Morstein Riesling Spätlese trocken vom Weingut Gunter Rauh hatte 2013 eine herrliche Nase mit Lychees und Hollunder, immer noch so frisch, sehr ausgewogen, hohe Mineralität und für nur 11,6% Alkohol erstaunlich nachhaltig, noch lange nicht am Ende – WT91. Der Drachenstein von Breuer hatte 2015 eine karamellige Nase, kräftige Säure, furztrocken, aber weitgehend charmefrei - WT83.

Sehr gute Süßweine gab es und auch etliche Eisweine.

Ein Prachtstück 1998 eine Brauneberger Juffer Sonnenuhr Riesling Auslese Lange Goldkapsel #15 aus der Magnum von Fritz Haag mit noch viel Zukunft – 92/100. Brauneberger Juffer Sonnenuhr Auslese lange Goldkaspel #16 von Fritz Haag hingegen sang 2009 mal wieder nicht. Goldgelbe Farbe, leicht wässrige Nase, auch am Gaumen nicht wirklich anmachend – 88/100. Eine wunderschöne Spätlese mit viel Kraft, Spiel und Länge, die es locker mit hochkarätigen Auslesen aufnimmt, war 1996 und 2000 eine Wiltinger braune Kupp Riesling Spätlese #18 Versteigerungswein von Le Gallais – 93/100. Sehr schön und immer noch frisch mit guter Säure 1999 eine Trittenheimer Apotheke Riesling Auslese Goldkapsel von Grans-Fassian – 91/100. Ein traumhafter Nektar war der von Gerd Grans am gleichen Abend geöffnete Leiwener Klostergarten Riesling Eisweinmit intensiver, aber nicht klebriger Süße, feiner Säure und sehr langem Abgang – 96/100. Eine Piesporter Goldtröpfchen Auslese von Grans Fassian war 2009 noch erstaunlich frisch wirkend mit guter Säure, aber nur noch wenig Süße – 89/100. Die Bernkastler Lay Auslese halbtrocken von JJ Prüm war 2014 ein perfekt balancierter, harmonischer und taufrischer Traum - WT94. Sehr spannend 2006 eine Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese Goldkapsel Versteigerungswein von JJ Prüm, ein sehr delikater, pikanter Trinkspaß. In der Nase der große Kräutergarten mit feinen Honigtönen, am Gaumen frisch, gute Säure, wenig Süße - 93/100. Auf gleichem Niveau mit ähnlicher Aromatik 2009 die normale Goldkapsel – 93/100. Noch einen deutlichen Tick drüber die Lange Goldkapsel, mit kräuteriger Nase, am Gaumen aber deutlich fülliger, cremiger, mit Kaffeenoten, sehr lang am Gaumen, reif, schmelzig, etwas rosinig - 96/100. Zuletzt 2009 gewaltiger Extrakt, explosive Aromatik, exotische Früchte, Honignoten, großer Kräutergarten, Kaffee, durch die Säure gut balancierte Süße, ein animierender, unglaublich vielschichtiger Wein – 95/100. Auch die normale Wehlener Sonnenuhr Auslese von JJ Prüm war 2010 wunderbar balanciert und nicht zu süß – 92/100. Hatte 2012 aus der Magnum eine wunderbare Honignase, schmelzige Fülle, immer noch sehr präsente Säure, komplex und lang am Gaumen, sicher noch mit einem halben Jahrhundert Zukunft – 94/100. Eine Zeltinger Sonnenuhr Auslese*** von Molitor hatte 2006 in der Nase einen nicht unangenehmen, deutlichen Stinker, reife Banane, wirkte am Gaumen sehr schlank, fein, finessig, mit wenig Süße und feiner Säure, deutlichem Schieferton und guter Länge - 92/100. Wie aus einer anderen Welt 2006 von Molitor eine Zeltinger Sonnenuhr TBA, in der Nase Kräuterhonig, sehr kräftige Säure, Finesse, so komplex, noch so jung mit irrem Alterungspotential, auch am Gaumen eine faszinierende, kräuterige Dichte, wie eine restsüße, weiße Lafleur-Essenz - 100/100. Sehr schön 2004 ein Leiwener Klostergarten Riesling Eiswein vom Weingut Werner, etwas enttäuschende, etwas hohl und leicht faulig wirkende Nase, dafür am Gaumen umso besser, Mandarine pur mit knackiger, reifer Säure, kaum spürbare Boytritis - 93/100.

Noch sehr jung, aber faszinierend 1994 der Oberhäuser Brücke Eiswein von Dönnhoff – 94/100.

Mehrfach getrunken, zuletzt 1999 auf Sylt, Bernd Philippis Elysium, der durchaus gelungene Versuch, in der Pfalz einen Sauternes-ähnlichen Wein zu erzeugen, dürfte beachtliches Alterungspotential haben – 91/100. 2016 ist daraus inzwischen ein einfach genialer „trockener“ Aprikosenlikör geworden, einfach faszinierend – WT94.

Eine Erbacher Marcobrunn Auslese von Schloss Schönborn wirkte 1997 schon recht alt und baute schnell ab.

Ein schwieriger Wein war 2012 der Niersteiner Bruderberg SL von Heyl zu Herrnsheim mit viel Säure und wenig Finesse, schon etwas schwermütig wirkend – 84/100.

Großes Kino 2010 der Barolo Granbussia von Aldo Conterno, großes Kino, deutlich offener, süßer und fülliger als 89 mit Milchkaffee(5 Stücke Zucker) ohne Ende - 95/100. Der Barbaresco Sori San Lorenzo von Gaja war 2009 ein animalischer und rustikaler Charakterstoff. Ab in die hinterste Ecke des Kellers und noch mal 10 Jahr warten – 90+(?)/100. Ähnlich 2010, wirkte noch so jung, so kräftig mit deutlicher Säure und etwas harschen Tanninen, die Aromatik geprägt von Kräutern, Veilchen, Lakritz und Teer. Ein spannender, komplexer Wein, aber nichts für Freunde schmusiger Fruchtbomben. Mutige legen ihn noch mal 10 Jahre weg – 93(?)/100. 2014 und 2015 hatte der bei Jörg Müller immer noch eine junge Farbe, präzise die Nase mit süßer Frucht, Rosen, teeriger Mineralität, auch am Gaumen noch so jung und kräftig mit Schwarzen Trüffeln und präsenten Tanninen – WT95. Der Barolo Sperss von Gaja, der erste Wein Gajas aus dieser Lage, hatte 2015 Kirschfrucht, Rosenblüten, teerige Mineralität, mit intaktem Tanningerüst noch so jung mit reichlich Zukunft – WT95. Ein Langstreckenläufer der Darmagi. Mitte der Neunziger mehrfach, davon einmal aus der Doppelmagnum, recht verschlossen, aber mit gewaltigem Potential. Zuletzt 1998 bei Jörg Müller ein kraftvoller Stoff mit dichter Farbe und viel dunkler Frucht, immer noch nicht auf dem Höhepunkt, Potential für 94/100.

Während viele der überzüchteten Super-Toskaner aus den 90ern schon in die Knie gehen, zeigt der Jahrgang 88 in Italien, insbesondere in der Toskana, eine ähnliche Charakteristik wie in Bordeaux. Sehr langlebige, klassische Weine, die viel Geduld erforderten. Dafür sind sie aber auch sehr langlebig. Feine Weine aus einer leider längst vergangenen Zeit.

An Bruno di Rocca bin ich 1998 nicht gestorben, aber begeistert hat mich dieser rustikale Stoff nicht unbedingt – 85/100. Die Farbe des Vigna l´Apparita war 2007 noch sehr jung, doch in die von reifem Merlot dominierte, leicht animalische Nase mischten sich doch erste Reifetöne. Am Gaumen war er gefällig mit schöner Länge, aber auch mit präsenter, leicht bissiger Säure. Sicherlich leicht über den Höhepunkt hinaus, falls er den jemals hatte. Dürfte sich auf diesem Niveau noch eine Weile halten – 92/100. Mehrfach habe ich Masseto getrunken, einen kräftigen Merlot mit dichter Farbe und viel Depot, bei dem man immer überlegt, ob es das schon war, oder ob da noch ein Wunder geschieht. Zuletzt 2005 kräftige Farbe ohne Alter, schweißig und leichte Käsenote, am Gaumen Kraft ohne Ende, etwas Bitterschokolade, wirkt ungehobelt und rustikal – 90/100. Brauchte auch 2007 sehr lange, um sich zu entfalten, baute dann aber enorm im Glas aus, ein gewaltiger Wein mit viel Potential, völlig anders als die heutigen Massetos, klassischer, langlebiger – 93+/100.. Waren das noch Zeiten, als Ornellaia ein langlebiger, bezahlbarer Wein war. Für rund € 20 habe ich mich vor 15 Jahren reichlich mit dem 88er Ornellaia eingedeckt und zehre noch heute davon. Über 20mal in diesen 15 Jahren verkostet und immer mit 92-94/100 bewertet. 2011 aus perfekter Lagerung noch so jung, so dicht, so schokoladig, meine bisher mit Abstand beste Flasche dieses Weines, gefällt mir besser als viele der modernen, alkoholischen Ornellaia-Jahrgänge und hat in dieser Form noch reichlich Zukunft – 96/100. 2014 noch kein bisschen müde, sehr elegant – WT92. 2016 kraftvoll wirkend mit enormem Tiefgang und Länge, minzig, etwas Bitterschokolade, intakte Tannine für noch längere Zukunft – WT95. Ein gutes Dutzend mal habe ich seit 1994 Sammarco getrunken und konstant mit 91-92/100 bewertet. Erst seit 2002 gefällt mir der Wein nicht mehr so richtig. Er wird dumpfer, schwermütiger – 85/100. Wer aus guter Hand Sassicaia findet, der sollte unbedingt zuschlagen. Das ist der letzte wirklich gute, klassische Sassicaia und um Längen über dem peinlichen Durchschnitt, der heute zu hohen Kursen auf dem Gut erzeugt wird. Seit 1994 gut 20mal getrunken, wobei die ersten Flaschen weniger Freude machten. Gut 10 Jahre brauchte der Sassicaia, bis er sich öffnete. Danach stets mit 93-95/100 bewertet. Im Dezember 2006 im Villino voll auf dem Punkt mit würziger, schwarzer Johannisbeere, etwas Minze, Zedernholz, so aromatisch, komplex, perfekt balanciert mit toller Länge – 94/100. 2007 auf Sylt Immer noch so jung und kraftvoll mit perfekter Struktur, mit würziger, schwarzer Johannisbeere, etwas Minze, Zedernholz, sehr aromatisch mit guter Länge am Gaumen, sicher noch mit viel Zukunft – 94/100. Eigentlich noch fast zu jung 2007 in der Braui aus einer perfekten Magnum. Dichte, junge Farbe, rotbeerige Frucht, etwas medizinal, viel Jod, Stallnoten, herrliche Fülle, braucht viel Zeit und Luft und wurde von Schluck zu Schluck immer besser – 93+/100. Traumstoff 2010 im Villino. 2011 im Berens am Kai Immer noch so jung und kraftvoll mit dichter, altersfreier Farbe, sehr mineralisch, Minze, Zedernholz, würzige Frucht, sehr komplex, gewaltige Länge am Gaumen. Ein großer Sassicaia für die nächsten 20-30 Jahre – 95/100. Zeigte sich 2017 so jung und kraftvoll mit ätherisch-minziger Frische - WT96. Auf ähnlichem Niveau Solaia, Auch der brauchte gut 10 Jahre zur Reife. 1997 ein gewaltiger Wein mit massiven, reifen Tanninen, dichter Farbe, konzentrierter Frucht und kräuteriger Textur – 93/100. Ein Wein mit viel Zukunft. 2007 im Villino eher etwas zurückhaltend, distinguiert, mit einer ledrigen Nase und ganz zarter Minze, etwas Sauerkirsche, sehr fein, elegant mit immer noch deutlichem, intaktem Tanningerüst, viel Tiefgang – 94/100. Erinnerte 2012 an einen ein jüngere Heitz Martha´s, soviel Minze, Eukalyptus, altes Sattelleder, soviel fast brutale Kraft mit immer noch gewaltigem Potential – 95+/100. 2014 immer noch stramme Tannine, Minze, Zedernholz, etwas dunkle Frucht und Pferdestall in der Nase, enorme, fast etwas rohe Kraft am Gaumen – WT93+. Sehr gut gefiel mir 1995 auch der Campaccio von Terrabianca. Aus der halben Flasche machte der schon viel Spaß mit würziger Kirschfrucht und guter Struktur – 93/100. Aus der 1tel wirkte er noch sehr verschlossen. Die Suche wert ist sicher auch noch Tignanello, hatte 1994 aus der Magnum eine sehr gute Struktur, war sehr fleischig mit schöner Frucht und öffnete sich nur zögerlich. Besaß Potential für 93+/100. Zuletzt 2010 immer noch gute, schwarzkirschige Frucht, Tabak, Trüffel, Schokolade, Korinthen, erdige Töne, erstaunlich frisch, lang und komplex, kein Zeichen von Müdigkeit – 94/100. Enttäuscht war ich Mitte der 90er mehrfach von Maurizio Zanella Vino da Tavola Rosso, doch eine 2004 getrunkene Magnum zeigte das große Potential von Wein und Jahrgang. Sattes, brilliantes Rot, feine Zedernholwürze, intensive, finessige Beerenfrucht, eine wunderbare, feinduftige Mischung aus Margaux und Cheval Blanc - 94/100. 12 Jahre später, 2016, zeigte sich dieser Wein immer noch so jung und praktisch unverändert.

Mit dem Jahrgang 88 entdeckte ich für mich die Österreichischen Weißweine, die es Anfang der Neunziger zu im heutigen Vergleich lachhaften Preisen bei Weinland Keiler(heute Mövenpick) gab. Da könnte gerade unter den großen Wachauern oder z.B. von Bründelmayer sicher noch die ein oder andere Überraschung bei sein. Bevor Sie sich bei Ebay oder auf einer Auktion an einen solchen Wein herantrauen, stellen Sie unbedingt sicher, dass er aus perfekter, sehr kühler Lagerung stammt. Dann kann sogar ein kleinerer Wein noch Spass machen, von denen ich in den 90ern sehr viele mit großem Vergnügen getrunken habe. Mein letzter F.X Pichler war 2004 ein Riesling Terrassen Smaragd, die letzte von 24 großartigen Flaschen, die dann aber deutlich zeigte, das dieser Wein seinen Zenit deutlich überschritten hatte. Vom Dürnsteiner Schütt Riesling Smaragd von Emmerich Knoll, damals für € 9(!) bei Weinland zu kaufen, habe ich 1998 meine letzte Flasche von grandiosen 24 Stück auf 93/100 Niveau getrunken.

Trinkbar dürften in jedem Falle noch viele der Süßweine sein. Ein Müller-Thurgau Ausbruch von Feiler-Artinger war 1998 sehr kräftig und ausdrucksstark mit guter Säure – 90/100. Auch ein kräftiger Weissburgunder-Ausbruch dieses Winzers konnte 1996 auf Sylt voll überzeugen – 92/100. Hin war leider 2009 ein Mantlerhof Chardonnay.

Aus der Schweiz hatte 2009 der Blauburgunder von Gantenbein eine sehr reife Farbe, in der Nase frisch gegerbtes Leder und ein großer, herbstlicher Waldspaziergang mit Unterholz, Waldboden, Pilzen und welkem Laub, aber am Gaumen immer noch mit lebendiger Säure, ein eher schlanker, delikater Wein, der sich noch eine ganze Weile auf diesem Niveau halten dürfte – 89/100. Der Jeninser von Gian Battista von Tscharner von Schloss Reichenau war 2016 reif, aber ohne Runzeln, burgundisch im besten Sinne, so elegant, so fein, geradezu tänzerisch mit dezentem, süßem Schmelz, mit enormem Tiefgang und guter Länge. Dieser unglaublich gute, 28jährige Bündner auf locker WT95 Niveau ging als deutlich jünger durch und hätte gut als Pirat in eine große Burgunderprobe aus den 90ern gepasst.

Ein Vega Sicilia Valbuena 5° war 2002 sehr weit, reif, weich, karamellig und mit etwas schlabberiger Struktur – 87/100.

Großes Potential hat der Chateau Musar aus dem Libanon mit viel Druck und Substanz. 2016 zeigte er aber noch eine deutliche, tanninige Herbe, die an den 88er Bordeauxjahrgang erinnerte – WT93+.

In Kalifornien galt der Jahrgang eher als schwierig, was aber einige Winzer nicht daran hinderte, sehr schöne und vor allem langlebige Weine zu machen.

Ein Beaulieu Rutherford Cabernet Sauvignon roch2010 nach Maggi und Tütensuppe mit einem Schuss Minze, ein kleiner, gefälliger Wein 85/100. Brav und bieder, aber noch nicht zu alt 2009 ein Cuvaison – 84/100. Kein großer Wein 2000 in der Sansibar der Dalla Valle Maya, leicht oxidativ, bissige Tannine, wenig Frucht – 88/100. Noch nicht ganz abschreiben würde ich Dominus. Der wirkte zwar 2005 auf der großen Dominus-Probe etwas flach, massive Tannine, zuwenig Frucht, etwas Bitterschokolade, Ledertöne, Tabak, für den in Kalifornien relativ schlechten Jahrgang(auch vom Dominus wurde die Hälfte der Ernte deklassiert) noch gut gelungen, da könnte durchaus wie bei viel Medocs noch etwas kommen - 88/100. 2007 war daraus ein verdammt aromatischer, fülliger Wein geworden, der mit seiner pflaumigen Frucht, der Bitterschokolade und dem alten Sattelleder gut ins Bordelais gepasst hätte – 93/100. Zuletzt 2010 massiver, dichter Stoff zum Kauen, ein gewaltiger, derzeit immer noch etwas fruchtlos erscheinender Brocken, bei dem das vorhandene Potential aber deutlich erkennbar ist – 90+/100. Kräftig, eckig und rustikal 2014 mit etwas sperrigen Resttanninen der für den ungenerösen Kalifornienjahrgang typische Harlan. Baute im Glas aus, wurde gefälliger, minziger und war noch gut trinkbar – WT89. Ätzend 2009 Heitz Martha´s Vineyard aus der Magnum, der den gleichen korkähnlichen Ton wie die meisten Flaschen des 85 Heitz hat – 83/100. Deutlich besser 2011 auf der großen Heitzprobe der Ungers, ein sehr feiner, minziger, kleinerer Martha´s, aber auch mit erstaunlichem Rückrat – 91/100. Kernig, kantig, kräftig und rustikal im besten Sinne war 2012 Chateau Montelena, dessen etwas ruppige Tannine noch ein langes Leben versprechen – 92/100. Schwierig der Rubicon. 1998 dichte Farbe, leicht schwitzig-animalische Nase, die mit der Zeit intensiver wurde, am Gaumen ungenerös, kräftige Säure, pfeffrig, Tannine eher bissig und etwas grün – 83/100. 2003 etwas offner, aber immer noch rustikal mit wenig Frucht – 88/100. Grosse Klasse 2006 ein Pahlmeyer Caldwell Cabernet mit animalisch-ledriger Nase und immer noch gutem Tanningerüst – 94/100. Der erdig-mineralische, balancierte Bacchus von Phelps ging 2002 als gut gereifter Bordeaux durch – 92/100. Traumhaft schön, sehr balanciert mit pikanter Frucht und guter Säurestruktur präsentierte sich 2011 der Ridge Monte Bello, der in gut gelagerten Flaschen wie dieser noch etliche Jahre vor sich haben dürfte – 92/100. Weitgehend hin war 2010 der ziemlich oxidierte Shafer Hillside Select. Der 2012 zu Anfang der sehr bissige, von deutlichem Holz geprägte Sterling Cabernet Sauvignon Reserve wurde mit Zeit und Luft wurde immer reifer, zugänglicher und süßer. Meine zu Anfang sehr verhaltene Bewertung stieg und stieg. Bei 93/100 war das Glas leer.

Einer der letzten, klassischen Jahrgänge in Chile. 2008 trank ich einen Vina Carmen Cabernet Sauvignon Gran Reserva, der noch die klassische Handschrift dieses Gutes trug. Ein faszinierender, großartiger Wein, eine Art Grand Puy Lacoste aus Chile. Reif, aber sehr kraftvoll, Minze, Zedernholz, feine Johannisbeere und ätherische Noten, sehr lang am Gaumen. Und das alles mit bescheidenen 12% Alkohol, ein Wein, der nachdenklich macht – 92/100.

Der Penfolds Grange war 1995 eine dicke, süße, unwiderstehliche Granate, von der wir innerhalb weniger Monate für relativ wenig Geld im Restaurant Schorn eine ganze 6er OHK leer machten. 1998 zeigte er sich etwas gereifter und nicht mehr so opulent süß, stand 1999 in der Grange Probe dem großen 89er kaum nach. Konstant mit 95/100 bewertet. 2007 auf dem Weg zum Klassiker, Frucht, Kraft, viel Substanz, aber er war gleichzeitig so balanciert. Ein großer Klassiker mit dem Besten aus der alten und der Neuen Welt. Würde der nördlichen Rhone sicher keine Schande machen – 96/100. 2013 etwas rustikal die Nase mit Paprikanoten, fantastisch aber am Gaumen mit viel rotbeeriger Frucht und generöser, minziger Süße, dabei noch so blutjung - WT95.

Erstaunlich frisch immer noch 2016 der Groot Constantia Cabernet Sauvignon – WT90.

Generell war 1988 ein großer Champagner-Jahrgang. Da wurden einige, ganz hervorragende Jahrgangschampagner mit kräftiger Struktur, guter Säure und sehr gutem Alterungsvermögen erzeugt.

Perfekt gereift, goldgelb, nachhaltig 2012 in der Traube Grevenbroich ein Billecart Salmon Blanc de Blancs - 93/100. Ganz brauchbar 1994 auf einer Drawert-Probe ein Binet Blanc de Blancs – 87/100. Bollinger Vieilles Vignes Francaises war 2016 bei Jörg Müller so kraftvoll, jugendlich und komplex, so ein irrer, aromatischer Druck am Gaumen. Brauchte Luft, Temperatur und große Gläser. Wenn das keine WT100 waren, dann gibt es die für Champagner nicht. Clos du Mesnil wirkte 2015 erst sehr jung und schlank mit viel Säure und legt dann unglaublich im Glas zu. Nach 10 Minuten ist da ein völlig anderer Champagner drin, alle Sinne fordernd, sehr druckvoll mit Tiefgang, aber auch faszinierender, sublimer Eleganz – WT98+. Großartig Dom Perignon, der ein gewaltiges Alterungspotential hat. Der wirkte schon 1996 in Rom bei Heinz Becks 30. Geburtstag bei aller Kraft sehr zugänglich mit weicher, cremiger Textur – 94/100. 2003 auf einer Probe geröstete Haselnüsse, weich, reif, cremig, einfach wunderbar - 94/100. Zuletzt im Sommer 2006 eigentlich noch viel zu jung. Ein großer Champagner mit toller Struktur, der erst in 5 Jahren und danach richtig zeigt, was in ihm steckt - 93+/100. Krug ist ein Champagner-Riese mit gewaltigem Potential. 2008 genossen wir ihn dekantiert aus großen Burgundergläsern. Da wurde er weicher, weiniger, zugänglicher und zeigte deutlich mehr Tiefgang und Komplexität – 96/100. 2014 , in der Nase erste Reife – was heißt das schon bei Krug? – wiederum mit strammer Mineralität, apfeliger Frucht, Brioche und gerösteten Nüssen, am Gaumen Kraft, Finesse und gute Säure, ein Klassiker, der es noch länger macht – WT95. Perriet Jouet Belle Epoque präsentierte sich 2009 im Schiffchen in bestechender Form, immer noch jung, aber zugleich auch mit erster Reife, reife Zitrusfrucht, frisches Brioche und großer Brotkorb, sehr gutes Mousseux und hohe Säure verliehen ihm eine deutliche Frische – 94/100. Ein Ployet-Jacquemar aus der Magnum war 2013 weich, aromatisch, cremig, sehr lang am Gaumen mit guter Säure und Frische – WT92. Ein Pol Roger Cuvée Winston Churchill schmeckte 2006 auf der Stromburg so, als ob er noch aus Beständen des damaligen britischen Premiers stammen würde, einfach nur alt, gezehrt und völlig ohne Charme – WT79. Um Klassen besser 2013 in St. Moritz, reif, cremig mit gutem Mousseux, nachhaltig und lang am Gaumen – WT94. Jacques Selosse war 2001 auf Sylt ein wunderbar reifer, cremiger Champagner mit gutem, dickperligem Mousseux – 90/100. Ein erst 2007 degorgierter Veuve Clicqot Rare Vintage war im Sommer und im Herbst 2008 auf Sylt immer noch jugendlich frisch wirkend, sehr reichhaltig und komplex mit kandierten Früchten und einem großen Brotkorb – 93/100.

1988 gilt als schlechtes Portweinjahr mit sehr kleiner Ernte, in dem es praktisch keine Vintage Ports gab. Mir hat trotzdem 2016 der Taylor Quinta de Vargellas gut gefallen, eher schlank und mit erdiger Mineralität, aber auch mit feiner Frucht und Süße – WT91.