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1990

Gut erinnern kann ich mich noch an den Frühsommer 1990. Ich war damals in Bordeaux, um die Weine der Jahrgänge 88 und 89 aus dem Fass zu verkosten. Das Wetter war prächtig, sehr warm, und die Natur hatte einen Vegetationsvorsprung von bereits gut vier Wochen. Alles deutete auf einen neuen Rekordjahrgang hin. Groß war schließlich die Ernte, das Traubengut teilweise überreif. Das Ergebnis waren Weine mit überbordender Frucht und weichen, reifen Tanninen, die auf Anhieb Spaß machten. Leider aber in vielen Fällen auch nicht mit der Lagerfähigkeit von Jahrgängen wie 88 oder 89. In einem Vergleich der drei Jahrgänge wäre zur Jahrtausendwende die Reihenfolge eindeutig gewesen. 90 vor 89, abgeschlagen 88. Inzwischen liegen die besser strukturierten 89er vorn, dahinter 90 und 88 holt mächtig auf. In 5 Jahren wird 88 wohl vor 90 liegen. Wichtig ist deshalb die Auswahl bei den 90ern. Zu viele Weine sind bereits verblüht, oder zumindest deutlich auf dem Abstieg.

Calon Ségur hatte 2007 auf der großen St. Estephe-Probe in Linz eine erstaunlich reife Farbe, etwas rotbeerige Frucht, insgesamt aber rustikal, eckig mit hoher Säure und wenig Charme. Schien seinen Höhepunkt schon hinter sich zu haben - 88/100. Ende der Neunziger verschloss sich Cos d´Estournel, den ich vorher mit seiner faszinierenden Röstaromatik, diesen hedonistischen Kaffee- und Mokkatönen über 20mal auf konstant 95-96/100 Niveau getrunken habe. Danach zahllose, enttäuschende, verschlossene Flaschen. 2007 in Linz auf der großen St. Estephe-Probe feine, schmelzige Nase mit betörender Röstaromatik und viel Kaffee, am Gaumen deutlich kompakter und geprägt von massiven Tanninen. Scheint langsam wieder aus dem Schneckenhaus herauszukommen - 93/100. Da sind sicher noch etliche Jahre Geduld angesagt. Um so erstaunlicher 2009 eine vollreife Flasche, ein vollreifer, leckerer Schmusewein, nicht sonderlich komplex, aber sehr süß, karamellig, Kaffee und sehr weich am Gaumen, machte Spaß und trotzdem nachdenklich – 94/100. Ein Halbe aus eigenen Beständen dagegen schwermütig die Nase mit intensiver, dicker Rumtopf-Frucht, amaronig wirkend, am Gaumen deutlich frischer und leichter mit Lakritz im langen Abgang – 88+/100. Etwas eckig, rustikal und verschlossen wirkend auf einer Best Bottle in Emmen Ende 2009 – 91/100. 2010 aus der Magnum überraschend schön mit dunkler Frucht, viel Kaffee, recht offen – 93/100. 2014 deutlich offener mit sehr guter Struktur, Finesse, Eleganz und großartiger Länge am Gaumen, da kommt noch mehr, ein großer Cos mit langer Zukunft – WT95. 2015 eine sehr überzeugende, kraftvolle Magnum mit tabakiger Mineralität – WT96. 2016 sehr offen, fett und hedonistisch – WT94. Haut Marbuzet war zwischen 1995 und1998 mehrfach ein unkompliziertes, fruchtiges, leckeres Weinchen – 86/100. Sehr überrascht war ich deshalb 2010 bei Jörg Müller von einer wunderbaren Magnum – 91/100. Trinkreif, Merlot-betont und unkompliziert-lecker 1998 Lafon-Rochet – 87/100. Auf recht bescheidenem Niveau hat sich der über die Jahre immer mal wieder getrunkene Marbuzet gut gehalten. Zuletzt 2007 bei Hardy auf Sylt etwas rustikal, Bitternote, aber mit schöner Länge – 87/100. Ziemlich ratlos macht mich Montrose. Ein Überflieger 2000 auf der 89/90 Verkostung, dicht, tolle Süße, korinthig, Rumtopf – 100/100. Ein Jahr später auf Sylt völlig zugenagelt, danach auf der 90er Probe im Eden Parc verschlossen, aber wenigstens für 94/100 gut. 2004 eine Doppelmagnum auf Sylt, staubige Nase, verschlossen, hohe Säure, kein Genuss, die Frucht ist weg. Eine weitere Doppelmagnum 2006 auf René Gabriels großer Cos-Probe, trank sich wie mit angezogener Handbremse – 92/100. Dann im Frühjahr 2007 zeigte er jetzt erstmals wieder, dass er die 100/100 zurecht verdient. Ein unglaublicher, riesengroßer Wein, leicht animalisch, gekochte Früchte, Rumtopf, kräftige, aber inzwischen reife Tannine, auf sehr überzeugende Art edelrustikal mit toller Süße und Dichte, fantastische Länge am Gaumen. Ich bin kein großer Montrose-Fan, aber das hier ist wirklich ein Wein zum Niederknien. Nur einen Monat später in der Braui ganz großes Rotwein-Kino. Ein riesengroßes Teil mit dekadent schöner, süßer Frucht, mit riesengroßem Kräutergarten, reichlich frischem Basilikum, dabei am Gaumen so pur, so klassisch geradlinig, so frisch. Ein Weinmonument, gemeißelt aus feinstem Marmor - 100/100. Im Herbst 2007 in Linz auf der großen St. Estephe-Probe ein erbärmlicher Stoff, so bissig und ungenerös, staubige Nase, hohe Säure und bittere Tannine, garantiert fruchtfrei, da kamen mit gutem Willen mal gerade 84/100 ins Glas. Im Dezember 2007 auf der Ungerschen Weihnachtsprobe gutwillige 88/100 für einen unverständlichen Wein. Da muss es einfach gravierend unterschiedliche Flaschen/Abfüllungen geben. Ein klassischer Wein für Hochrisikotrinker. 2010 zunächst wieder eine verschlossene Flasche, aber mit gewaltigem Potential – 94+/100. Dann auf der 90*90 völlig anders. In der etwas verhaltenen Nase kühle, elegante, rotbeerige Frucht, am Gaumen aber enormer Druck, Kraft und Länge, dazu eine dekadente Süße. Deutlich irritiert hat mich nur, dass der Montrose am Gaumen sehr reif und rosinig erschien – 99/100. Jünger, dichter mit gewaltigem Potential, die 100/100 in Sicht, Ende 2010 bei Elke Dreschers Montrose-Probe – 97+/100. 2011 wieder zweimal „zugenagelt“. 2012 plötzlich offen wie nie zuvor, knallte richtig in der Nase und am Gaumen mit ewigem Abgang – 99/100. 2013 erstaunlich offen mit dekadenter Süße und Fülle, an die besten Flaschen der jugendlichen Fruchtphase erinnernd – WT100. 2014 ein gewaltiges Konzentrat mit irrer Frucht und hoher Mineralität, aber auch immer noch sehr deutlichem Tanningerüst. Auf dem besten Weg zur erneuten Perfektion, für die er je nach Lagerung noch bis zu 10 Jahre braucht – WT97+. Diese Perfektion zeigte 2014 eine weitere Flasche – WT100. Stand 2015 auf hohem Niveau leider etwas auf der Bremse – WT96+. Phelan Ségur war für mich 2006 auf der großen Cos-Probe aus der Imperiale die Überraschung. In der Nase leichter, nicht unangenehmer Stinker, buttrig wirkend, Malztöne, Nüsse, überreife Trauben. Ein sehr kräftiger Wein mit leichter Bitternote, aber irrer Kraft am Gaumen und minutenlangem Abgang, ein hammerhartes Teil mit gewaltiger Zukunft - 95/100. Da bin ich dann sofort auf die Suche gegangen und habe mir eine ganze Batterie von 1teln zugelegt. Aus denen ist der Wein nicht ganz so dramatisch, Ende 2007 weicher, offener und voll da – 92/100. Zuletzt 2008 eine bessere Flasche mit dieser faszinierenden Röstaromatik, die den 90er Cos in seinen besten Zeiten auszeichnete – 94/100. Die recht helle Farbe deutet 2010 an, dass sich dieses Phélan-Wunder nicht mehr ewig fortsetzen wird – 92/100. Bald trinken, besser wird er nicht.

Ein netter, unkomplizierter Schmeichler war 1996 Mouton d´Armailhac auf 86/100 Niveau, dürfte sich langsam auf dem Abstieg befinden. Großes Weinvergnügen für kleines Geld bot 2006 der gut gelungene Clerc Milon – 93/100. 2010 kraftvoll, hocharomatisch mit würziger Frucht, Leder und toller Struktur – 93/100. Zuletzt 2011 erstaunlich fett, reif und üppig mit schöner Süße, nicht der komplexeste aller Weine, aber mit sehr viel Trinkvergnügen – 92/100. Keinerlei Eile besteht beim großartigen, über 20mal getrunkenen Grand Puy Lacoste. Perfekt gelagerte Flaschen könnten da immer noch etwas zu jung sein, wie zuletzt 2008 aus meinem Keller. „Normale“ Flaschen schmecken dann eher wie 2006 auf einer Best Bottle, so fein, elegant und finessig, mit Zedernholz, reifer Johannisbeere und etwas Tabak und Zigarrenkiste. Wirkt reif und voll auf dem Punkt, aber das tun die GPL´s häufig, da sind sicher noch 10+15 Jahre auf diesem Niveau drin - 95/100. 2008 immer noch jung wirkend mit guter Länge und schöner Frucht – 94/100. 2010 aus der Magnum so fein, elegant und finessig, mit Zedernholz, reifer, süßer Johannisbeere und etwas Tabak, da ist jede Menge Trinkspaß im Glas – 96/100. Klar wirkt der reif, aber das tut der immer noch taufrische 82er des Gutes auch schon lange. Hier ist noch Musik für lange Jahre. Immer noch eine unbedingte Kaufempfehlung. Zuletzt 2011 mehrfach ein süßer, komplexer Bordeaux-Traum zum hemmungslos jetzt genießen – 96/100. 2014 ein perfekter Zwilling des 82ers – WT95. Haut Bages Liberal war 2000 ein fleischiger, leckerer Bilderbuch-Pauillac 92/100. 2006 sehr fein, elegant, Merlot-betonte Nase, pikante Frucht, etwas Zedernholz, schon reif und auf dem Punkt - 90/100. 2010 recht sperrig wirkend mit harschen Resttanninen und zuwenig Frucht, dürfte weiter abbauen – 87/100. Ziemlich belanglos 2010 auch Haut Batailley, viel Holz und wenig Frucht bei dieser Wein-Spaßbremse – 85/100. Uneinheitlich meine Notizen zu Lafite Rothschild. 2001 wie auch in den Jahren zuvor tanninig, bissig, noch ganz am Anfang - 94/100. Ich habe dann eine Weile einen Bogen um diesen Wein gemacht, meine eigene Kiste ist immer noch zu. 2007 auf einer 90er Probe noch nicht ansatzweise reif. Ein Klassiker aus der Zeit, als Lafite noch keinen Konzentrator hatte mit immer noch strammem Tanningerüst, feiner, rotbeeriger Frucht und reichlich Zedernholz. Wirkte elegant und aristokratisch-zurückhaltend, ein 90er mit viel Potential und Zukunft - 95+/100. Kurz danach in der Braui geile Mischung aus Pauillac-Struktur und 90er Exotik . Ob das eine "vorgereifte" Flasche aus zu warmer Lagerung war? Hier waren jetzt überzeugende 98/100 im Glas. Und Ende 2007 eine seltsame Flasche, nett, weich, fruchtig und auf hohem Niveau harmlos - 93/100. Nicht viel anders im Herbst 2008 in Linz – 92/100. 2011 in bestechender Form, zu Anfang noch etwas verhalten und tanninbetont die Nase, dafür der Gaumen aber umso explosiver, auch die Nase legte später zu, eine faszinierende Mischung aus schon fast üppiger, leicht exotischer Aromatik, großartiger Struktur und nobler Eleganz. Dieser überragende Lafite zeigte an diesem Abend mit 97/100 noch längst nicht alles. Voll aufblühen wird er wohl erst, wenn die letzte Flasche nach China verschwunden ist. Überragend auch auf René Gabriels großer Lafite-Probe 2011 aus der Jeroboam. Das war ein hochkonzentriertes Weinbaby mit Babyspeck satt und massig Röstaromatik, die Struktur eines großen Pauillac und die geile 90er Exotik, zu Anfang vor allem in der Nase sehr verhalten. Ließ insgesamt weniger raus als der 89er, wird sich mit dem aber in 10 Jahren um die Krone streiten. Auch das hier ein Wein mit durchaus 100/100 Potential. Zeigte 2015 aus der Magnum schon deutlich mehr in allererster Reife – WT98+. Und Latour, ist das nun ein Jahrhundertwein oder nicht? Meine ersten Flaschen in der zweiten Hälfte der 90er zeigten Kraft und Potential ohne Ende, waren aber recht unzugänglich. Drei Wahnsinnsflaschen 2000, alle bei 100/100. 2001 auf der 90er Probe und anschließend zweimal aus eigenen Beständen wieder sehr verschlossen. 2002 in einer Probe grandioser Bordeaux in Perfektion - 100/100. 2003 erstaunlich zahm. 2004 im Vergleich fruchtiger, schmeichlerischer als 82, aber mit weniger Druck und Power, langfristig ist 82 der größere Wein. 2005 und 2006 mehrere halbe Flaschen, zugänglich und verschlossen zugleich - ließen wenig raus, aber die massiven Tannine sind auch nicht deutlich spürbar. 2007 ein Spaßwein par Excellence mit üppig-schokoladiger Nase, schon ins Exotische gehender Aromatik. Zwar auch mit Kraft und Struktur, aber auch sehr weichen Tanninen. Wird nicht zu den langlebigsten Latours gehören - 97/100 – oder doch? 2008 hatte ich in Linz das Gefühl, dass sich dieser Wein wieder etwas verschließt – 95+/100. 2010 auf der 90*90 wirkte er bei aller Kraft und Tiefgang deutlich ernster und verhaltener mit etwas grasigen und floralen Noten – 96/100. Kurz danach Viel weiter, offener, vollbusiger, ein Spaßwein auf allerhöchstem Niveau, exotisch, süß mit prächtiger Fülle und jede Menge Sex Appeal, aber auch mit einer tollen, darunterliegenden Struktur. Völlig atypisch für Latour, eher eine kalifornisch angehauchte Operettenvariante, aber auf allerhöchstem Niveau. Und wer sagt eigentlich, dass ein Latour keinen hemmungslosen Spaß machen darf? René Gabriel spricht bei diesem Wein von „austrinken“ und meint damit sicher das Glas, denn der 90er Latour hat noch jede Menge Zukunft – 98/100. Bei einer ½ aus eigenen Beständen und beim Unger Weihnachtstasting 2010 war ich bei diesem perfekten Kalifornier aus Pauillac bei 99/100. Ging 2011 als großer Kalifornier durch, so offen, so exotisch, so minzig und einfach dekadent lecker präsentierte, aber nicht mit der Dichte und Dramatik eines großen Latour, was sich aber wohl mit den Jahren geben wird – 96/100. 2013 mehrfach wieder aus Einteln und Halben ein noch sehr junger, hedonistischer, erotischer, exotischer Traum – 99/100. 2014 schien er langsam ins Charakterfach zu wechseln, wird er immer seriöser, klassischer und entwickelt Statur und Konturen einer Latour-Legende – WT98+. 2015 mehrfach noch etwas verschlossener – WT95+/WT97+. Zeigte auch 2016 auf sehr hohem Niveau noch längst nicht alles – WT97+. 2017 so fein, so elegant, einfach perfekt – WT100. Irritiert hat mich nur eine Flasche Les Forts de Latour im Frühjahr 2008, die auf hohem Niveau etwas schwächelte. Doch eine zweite im Mai zeigte sich wieder in Topform. Kontinuierlich hatte dieser Wein zugelegt. Kamen da bis 2000 in der Regel 91/100 ins Glas, so waren es in den letzten Jahren in der Regel 93/100 bei einem herrlichen Les Forts, der mich in seiner Aromatik an die Blütezeit des 78 Latour erinnerte, wobei der Les Forts aus der Magnum zweimal 2006 und 2007 noch etwas kraftvoller und jünger wirkte. Kaufen würde ich ihn aber allenfalls noch aus perfekter, kühler Lagerung. 2008 mehrfach ein feiner Wein, der sich aber erstaunlich reif präsentierte und auf 90/100 Niveau nach baldigem Verzehr schrie. 2010 mehrfach aus der Magnum reif die Farbe, reif auch der Wein, doch ohne jede Schwäche, im Gegenteil, das war reifer, klassischer Latour, trüffelig, die leicht bittere Walnuss, ein Hauch Minze, gute Struktur und endloser Abgang, einfach jetzt auf dem Höhepunkt, wo er sich zumindest in diesem Format noch etliche Jahre halten dürfte, konservative 93/100. 2011 fast auf Augenhöhe mit Latour, ein kräftiger, klassischer, großer Wein, ledrig mit guter Frucht und großartiger Struktur, trüffelig und mit der Walnussnote von Latour – 95/100. 2012 ein perfekt gereifter Latour ohne die Exotik des Grand Vin, erstaunlich reife Farbe, sehr mineralisch, Bleistift, Minze, Zedernholz, tolle Länge, ein femininer, großer Latour, der auch deutlich zeigt, wo die Reise beim Grand Vin hingehen dürfte - 94/100. 2014 aus der Magnum noch so jung, so kraftvoll, Latour pur mit intensiver Mineralität. Ähnlich dem Grand Vin hat der Les Forts längst die üppige 90er Schmusephase verlassen und nach einer eher verschlossenen Phase kommt er jetzt als großer Pauillac zurück mit immer noch intaktem Tanningerüst und großartiger Zukunft. WT94. Immer im Schatten des großartigen 89ers stand, auch in meinem Keller, Lynch Bages. Mehrfach um die Jahrtausendwende getrunken, sehr fein, druckvoll, aber mit weniger Schmelz als 89 – 91/100. 2008 ein wunderbarer Schmeichler mit druckvoller Aromatik, bei dem auf etwas niedrigerem Niveau als 89 alles passte. Kalifornisch anmutende Opulenz mit satter, dunkler Frucht, viel Lakritz, einfach rund - 93/100. 2011 im D´Vine ein sehr hedonistischer, üppiger Wein mit dekadent leckerer Frucht. Den kann man gar nicht nippen, der verführt automatisch zum trinken in großen, gierigen Schlucken – 95/100. 2012 mehrfach einfach großartig, Hedonismus pur – 97/100. 2015 großer, reifer Bordeaux zum beidhändig trinken, opulent, füllig und einfach sexy – WT97. Vier weitere Flasche 2015 nahe der Perfektion – WT99. Schien 2017 eine schöpferische Pause einzulegen – WT95. Ein eher harmloser Wein, den ich Mitte der Neunziger häufig auf 85/100 Niveau getrunken habe, ist Lynch-Moussas. Dürfte seine besten Tage lange hinter sich haben. Mouton d´Armailhac war 2008 ganz schön dünn – 86/100. Ein Blender im besten Sinne ist Mouton Rothschild. Eine große Enttäuschung war dieser Wein in der Arrivageprobe, der hatte einfach keine dem großen Jahrgang entsprechende Substanz. Doch dann ging es los. Der Mouton zeigte mit einer bestechenden Frühform allen Zweiflern eine lange Nase. Schon 1994 auf Willi Krählings großer Mouton-Probe war das aus der Magnum ein opulenter, hedonistischer Traumstoff, dessen Charme man sich schwerlich entziehen konnte – 95/100. So ging es dann gut zwanzig wunderbare Flaschen lang weiter. 1999 hielt er aus der Halben voll mit 85 Sassicaia mit. 2001 auf der 90er Probe im Eden Parc Mouton vom Feinsten mit wunderbaren Röstaromen. 2002 eine perfekte Flasche mit René Gabriel, die dieser völlig zutreffend als erotisches Weinerlebnis beschrieb. Da waren einfach in allen Flaschengrößen praktisch immer konstant 95/100 im Glas. Und dann 2004 in der großen Mouton-Probe auf der Stromburg die erste Enttäuschung. Verhaltene Nase, dezente Röstaromen, insgesamt etwas flach und enttäuschend, nur im Abgang ist er schön, etwas besser zum Essen - 89/100. Das hätte ein Flaschenfehler sein können, doch auch weitere Selbstversuche aus eigenem Keller kamen nicht mehr über 92/100 heraus. So notierte ich dann auch 2007 frustriert nach einer Probe: Mokka, Kaffee, die große Röstaromen-Oper. Aber das war es dann auch. Am Gaumen kommt dann die große Enttäuschung, da ist einfach nichts dahinter. Mit 90/100 ist dieser Wein, an dem ich stundenlang riechen könnte, bestens bedient. Glücklich all diejenigen, die ihre Moutons in der Hochphase dieses Weines ausgetrunken haben. Alle anderen können ihre restlichen Flaschen getrost neben 85 und 93 legen, die ein ähnliches Schicksal erlitten. Noch mal eine schöne Flasche 2008, sehr gefällig und reif, weich am Gaumen, aber dafür ausladend mit feinen Röstaromen auf 92/100 Niveau. 2010 auf der 90*90 Mouton in Reinkultur, eine perfekte, hedonistische Weinoperette mit herrlicher, von Röstaromatik geprägter Nase mit viel Kaffee, Leder und vor allem viel Süße, am Gaumen wenig Tiefgang, aber auch hier üppige Süße – 96/100. Auf hohem Niveau ging es mit diesem Wein aus zahllosen Flaschen weiter, so 2012 im Doctorhaus, mit der klassischen Mouton Nase, Bleistift, Leder, Minze. Am Gaumen leicht exotisch, süß, dekadent lecker, aber auch elegant, einfach reifer Mouton pur - 95/100. Auch auf der Mouton-Vertikale 2013 im Balm und aus weiteren Flaschen 2013 und 2014 auf diesem Niveau. 2015 sehr offen mit herrlicher Frucht und wunderbarer Röstarmomatk, so eine Art modernere, intensivere Variante des 85ers – WT95.

Perfekt gelungen Pichon Baron, der schon fast kalifornisch anmutende, üppige Frucht mit sehr guter Struktur und einem guten Gerüst reifer Tannine kombiniert. Seit 1996 über 20mal mit konstant 96/100 getrunken. 2007 wieder ein Prachtstück von Wein, die Nase dem Mouton nicht unähnlich, nur noch deutlich druckvoller, am Gaumen schiere Kraft und Fülle mit schöner Süße und praller Frucht. Hat all das, was der Comtesse in diesem Jahr fehlt. Hedonismus pur, zum heute und die nächsten 15 Jahre trinken, möglichst aus großen Gläsern in großen Schlucken - 96/100. 2008 einfach großartig, die Kraft und die Herrlichkeit. Verschwenderische, hedonistische Frucht mit schöner Fruchtsüße und dazu ein sehr kraftvoller Auftritt mit toller Länge – 95/100. Nicht mehr ganz billig, aber immer noch jeden Euro wert. 2009 in der ersten Probe des Jahres mit 96/100 und danach als überzeugender Pirat in der American Beauty II eine explosive Mokka- und Karamellnase und immer noch jugendliche Röstaromen ohne Ende. Einfach ein supergeiles, leicht üppiges, hedonistisches Gewächs, das in dieser Pracht noch nie so im Glas hatte – 98/100. Eine suboptimale Flasche mit grünen Tönen 2010 in der 90*90 – 94/100. 2012 klassisch großer Bordeaux und Pauillac kam als große Lederoper in der Nase und am Gaumen ins Glas. Ein absolut stimmiger Wein mit immer noch gewaltigem Potential – 96/100. 2014 mehrfach Pauillac pur mit superber Frucht, hoher Mineralität, Kraft und Länge ohne Ende und einem perfekten Tanningerüst für die Ewigkeit, zeigt immer noch nicht alles, ein großer Sprachlos-Bordeaux! - WT97. Aber auch noch in anderen Flaschen 2014 sehr jung wirkend mit jugendlicher Röstaromatik – WT94+. Baron pur 2015 mehrfach mit superber Frucht und unbändiger Kraft – WT96. Ebenso 2015 aus der Jeroboam. 2016 schlichtweg perfekt – WT97. Ein Trauerspiel dagegen die Pichon Comtesse. 1999 auf Sylt stören einfach grüne Töne, selbst der 87er war seinerzeit besser – 87/100. Ich habe danach meine Kisten über eine Auktion „entsorgt“. Wie richtig das war, zeigte eine weitere Flasche in einer Probe 2004, klassischer Bordeaux mit feiner Zedernholznase, wenig Frucht, wirkt etwas dürr, wird sicher nicht schöner, sondern langsam aber sicher austrocknen - 87/100. 2008 wieder sehr enttäuschend – 88/100. Konnte nur einmal 2010 bei der großen Comtesse-Probe am Attersee auf niedrigem Niveau überzeugen und trank sich sehr schön – 91/100. 2015 ging das Trauerspiel weiter, sehr spröder, herber Charme, Cabernet pur mit grünen, unreifen Noten, Paprika statt Trauben – WT86. Bei Pontet Canet sind meine Bewertungen von Jahr zu Jahr höher gegangen. 2007 im Salzburger Pfefferschiff war er von Anfang an voll da, wirkte üppiger, fülliger als der besser strukturierte 89er, leicht exotisch mit deutlich intensiverer Frucht, konnte mit 92/100 voll überzeugen. 2009 zwei völlig konträre Flaschen. Die aus dem warmen Keller des Züricher Doctorhauses hatten eher die schon verdammt reife Farbe einer Dachbodenlagerung, besaß dazu eine etwas unsaubere Nase mit ersten oxidativen Tönen, viel kaltem Rauch und einer großen Ladung Pappkarton. Am Gaumen wirkte er vor allem durch die hohe Säure frischer mit immer noch schöner Frucht, aber auch etwas eindimensional - 90/100. Kurz danach aus eigenen Beständen zwanzig Jahre jünger mit dichter Farbe, noch recht verschlossen und etwas monolithisch 89+/100.

Beychevelle war 2015 offen, weich und generös, zeigte aber für das große Jahr zuwenig Klasse – WT90. Sehr gut gefiel mir 1999 Clos du Marquis mit seiner prächtigen Kirschfrucht – 90/100. Damals voll auf dem Höhepunkt, inzwischen wohl auf dem langsamen Abstieg. Einen Bogen mache ich auch in diesem Jahrgang stets um Ducru Beaucaillou. So war das auch auf der großen Ducru-Probe 2006 ein offener, sehr feiner Wein, der ohne den typischen Fehlton dieser Zeit sicher für deutlich mehr als 91/100 durchgegangen wäre. Auf der großen Ducru-Probe 2009 in Krems wurde er ewig vorher dekantiert, um den Fehlton loszuwerden. Das Ergebnis war ein Wein mit vielvesprechender Nase, der aber am Gaumen enttäuschte – 86/100. Nur einmal, 1998, habe ich Gloria getrunken, damals saftig-kräftig und sehr zugänglich – 90/100. Lange unterschätzt habe ich Gruaud Larose, der in der zweiten Hälfte der 90iger stets auf mäßigem Niveau recht plump und gefällig wirkte. 2005 dann ein Augenöffner, Leicht animalisches Bouquet, der berühmte Cordier-Stinker. Süßlich, lakritzig, dabei so offen und aromatisch, macht sehr reifen Eindruck, ist aber körperreich und hat sicher noch Potential - 94/100. Allerdings hatten wir 2009 in der Gruaud-Vertikale eine sehr reife Flasche, wirkte überreif, rosinig, Birnendicksaft, am Gaumen viel Säure, schien sich in dieser Flasche schon zu verabschieden und war eindeutig auf dem Wege abwärts - 86/100. 2010 auf der 90*90 laktisch die Nase, pikant die Frucht, baut gut im Glas aus, genug Rückrat für eine längere Zukunft – 91/100. Enorm kräftig mit sehr guter Struktur und stabilem Tanningerüst schien dieser körperreiche Wein 2014 auf eine zweite, langfristige Karriere zuzusteuern – WT93+. Lagrange war 2009 reif und weich mit süßer Frucht und feinem Schmelz am Gaumen – 92/100. Nicht viel schlechter 2010 der Les Fiefs de Lagrange, wunderbar gereift, ledrig, elegant mit toller Länge am Gaumen - 90/100. Dreimal habe ich 2008 Leoville Barton aus einer perfekten OHK getrunken, dazu noch einmal bei Mövenpick. Jedes Mal jeweils eine mittlere Katastrophe was Anspruch, Jahrgang und Wirklichkeit betrifft, keinerlei Anzeichen von Reife oder Alter in der durchaus dichten Farbe, beide Flaschen aus einer in Subskription gekauften, stets perfekt gelagerten OHK, weitgehend fruchtlos, etwas Zedernholz, aber hauptsächlich sperrige, trockene Tannine, der Barton ist schlichtweg auf dem Wege, auszutrocknen, zu wenig Fleisch, zu viel Knochen - 88/100. Die Mövenpick-Flasche im selben Jahr bei der großen Barton-Probe wirkte etwas offener – 89/100. Zuletzt 2010 dann meine fünfte, bisher beste Flasche, offener, röstiger - 90/100. Doch mit der sechsten Flasche 2012 aus der jetzt halbleeren Kiste wurde alles anders. Schwarze Johannisbeere, erdige Mineralik, Trüffel, Waldboden, Zedernholz, nachhaltig und lang, aber auch mit samtiger Eleganz. Gewaltiges Potential - 93+/100. Zeigte sich 2016 so fein, so stimmig und balanciert. Ein großer St. Julien, der noch viel vor hat – WT96. Leoville las Cases hat mich schon in der Arrivage-Probe auf 95/100 Niveau begeistert. Inzwischen hat dieser letzte große Wein, bevor auf diesem Chateau der Konzentrator angeschafft wurde, das Trinkstadium erreicht. In den letzten Jahren gut 20mal mit konstanten Bewertungen getrunken, zuletzt 2007 in der Nase mit feiner Frucht eher elegant wirkend, am Gaumen dann aber sehr dicht und druckvoll mit gewaltiger Struktur und Länge, sicher einer der langlebigsten 90er mit noch 15-20jähriger Genussphase - 95/100. Nicht in bester Form 2008 in der Braui, aber das muss ein Ausreißer gewesen sein. Kurz danach in Linz großartig aus der Magnum. Das war noch ein Las Cases alter Schule aus der Zeit vor dem hemmungslosen Konzentrator-Einsatz. Herrliche Frucht, aber nicht überladen, perfekter Spagat von Kraft und Eleganz, mit viel Leder und Zedernholz, erst ganz am Anfang einer langen Entwicklung – 95/100. Auch 2009 überzeugend mit betörender, traumhafter Frucht – 96/100. 2010 mehrfach im Vergleich zu 89 üppiger, exotischer, süßer mit einer geradezu wollüstigen, süßen Traumnase, auch am Gaumen mit weichen, süßen Tanninen, Opulenz ja, aber auch hier mit bemerkenswerter Struktur – konstant 96-97/100. 2011 eine etwas weniger überzeugende Magnum(94/100) aber auch zwei wunderbare 1tel. Aus denen war er voll da und machte von der Traumnase über den Gaumen bis zum langen Abgang mit seiner geilen Frucht gewaltigen Spaß – 96/100. 2013 mehrfach in bestechender Form ist dieser Wein jetzt, verbindet mit einer Traumnase süße, geradezu opulente Frucht mit der perfekten Struktur großer, klassischer las Cases am Gaumen – 97/100. 2014 offen mit präziser, süßer Frucht, sehr guter Struktur und Länge – WT96. Nach wie vor ein unbedingter Kauftipp. Noch einen Tick darüber der kräftigere, üppigere Leoville Poyferré. Seit 1998 über 20mal mit ziemlich konstant 96/100 getrunken. 2007 in der Braui, Frucht ohne Ende mit wunderbarer Fruchtsüße, allerdings auch mit perfekter Struktur. Mit seinem gewaltigen Tanningerüst dürfte er einer der langlebigsten 90er werden - 96/100. 2008 wieder in der Braui, recht offen, sehr generös und fein, rotbeerig, viel Leder und immer noch gutes Tanningerüst mit schöner Süße sowohl in der Nase als auch am Gaumen – 94/100. 2014 mehrfach auf dem Weg zum Giganten. Betörende, süße, füllige Nase, am Gaumen konzentrierte, süße Frucht, fleischig und opulent, aber auch mit perfekter Struktur und einem immer noch strammen Tannin- und Säuregerüst, das eine große, lange Zukunft andeutet. Da kommt noch mehr, viel mehr. Diese WT96+ sind erst der Anfang. St. Pierre war 1998 ein dichter, schöner Wein zum Kauen – 90/100. Talbot war 2008 auf einer Talbot-Vertikale sehr reif, Rioja-Nase mit großer Gemüseplatte und einem Spaziergang durch ein Gewächshaus, wird mit der Zeit rosiniger mit immer deutlicheren, überreifen Noten. Die setzen sich auch am Gaumen fort, wo der Talbot mit der Zeit immer amaroniger wird. Ein Wein, der bereits verdammt gefährlich lebt und keine allzu lange Zukunft mehr haben dürfte - 88/100.

Cantemerle kann in 90 mit dem schönen 89er nicht mit, ein eher einfacheres, fruchtiges Weinchen, in den Neunzigern immer mit 85-87/100 bewertet, gehört sicher langsam ausgetrunken. Erstaunlich robust und kräftig 2011 zweimal der Chasse Spleen – 90/100. Legt weiter zu und wirkte 2012 mehrfach reifer, runder und süßer - 91/100. 2014 hielt ich mit seiner Aromatik von altem Sattelleder, Tabak und leicht teeriger Mineralität blind für einen Pessac – WT91. Bei Les Ormes-Sorbet kam 2010 aus der praktischen 15-Liter-Flasche überraschend viel unkomplizierter Trinkspaß ins Glas – 89/100. Ein netter, unkomplizierter Schmeichler war in den Neunzigern häufig auf 87/100 Niveau Poujeaux. Glänzte 2010 auch nicht gerade durch übermäßigen Charme, war aber dicht, kräftig mit dunklen Früchten – 89/100. Zuletzt 2011 im Chat Botté in Genf großer Wein für kleines Geld, ein klassischer Medoc ohne Alter, immer noch mit guter Frucht, erdig, Tabak, Leder, gute Struktur – 91/100. Jede Suche wert. Sehr gut entwickelt hat sich Sociando Mallet. In den 90ern habe ich diesen Wein mit seinen für den Jahrgang massiven Tanninen meist unterschätzt, doch seit der Jahrtausendwende gehen meine Bewertungen kontinuierlich aufwärts. 2000 auf der 89/90 Verkostung tanniniges, verschlossenes Monstrum 89+/100. 2001 kräftige, dunkle Farbe, Depot ohne Ende, leicht animalische Cordier-Nase, rustikal, kräftig, noch ganz am Anfang, könnte deutlich besser werden, als gedacht - 91/100. 2002 in einer Blindprobe zeigte er sich offener und ging zurecht als großer Medoc durch – 92/100. Ein Wein, der mit seinem gewaltigen Potential auf meiner Suchliste steht. 2010 aus der Magnum noch recht jugendlich mit dichter, junger Farbe, etwas burschikos, sehr kräftig mit spürbaren Tanninen, aber auch mit dunklen Beeren, sehr lang im Abgang und Zukunft satt – 92/100.Ähnlich zuletzt 2013 in der Tante Anna. Ein Preis-/Leistungssieger für zwei weitere Jahrzehnte.

Sehr reif 2010 schon Cantenac Brown, ein solider, kräftiger Wein mit viel Kaffee und guter Fülle – 88/100. Lascombes war 2010 elegant, fein und dünn, viel Säure, wenig Struktur – 86/100. Ein typischer Margaux ist das nicht, was da 1990 auf die Flasche kam. Dreimal habe ich diesen Wein als 100-Punkte-Stoff erlebt, alle drei Vorstellungen waren im Jahr 2000, was eine seltsame Analogie zu meinen Erlebnissen mit Latour zeigt. Auf der großen 89/90 Verkostung ein wunderbares Teil, perfekt, harmonisch, seidig – 100/100. Einen Monat später auf einer weiteren Probe dichtes Powerteil, Korinthen, Rumtopf, auch am Gaumen Kraft ohne Ende, überreifes, untypisches Geschoss - 100/100. Und noch einen Monat später im Spago in Las Vegas Traumstoff, nicht ganz so korinthig, deutlich jünger, aber trotzdem eine opulente Sau, irre!!! - 100/100. Und damit war das Feuerwrk vorerst abgebrannt. Dreimal in 2001 präsentierte sich der Margaux recht verschlossen. Erst 2006 kam wieder mehr, die modernere Variante der berühmten Eisenfaust im Samthandschuh, durch die sich große Margaux früherer Jahre auszeichneten. Immer noch recht verschlossen, lässt seine Größe aber erahnen, sehr fruchtig, intensiv, dicht und lang. Bei aller Kraft aber elegant und fein strukturiert. Da sind heute schon 96+/100 im Glas, das Potential für 98/100 hat er. In 2007 zweimal total verschlossen und dann im Herbst 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe: Ein unglaublich offener, hedonistischer Wein mit geiler Nase, viel Süße, fast exotisch und kalifornisch anmutend, aber auch mit zu wenig Rückrat. Ein klassischer 90er eben, der wohl in dieser Form in den nächsten Jahren getrunken gehört. Für einen Margaux mag er etwas banal wirken, Riesenspaß macht er trotzdem - 97/100. Auch 2008 in Linz sehr offenherzig und nuttig wirkend, aber einfach so dekadent lecker, mit geiler Nase, viel Süße, fast exotisch und kalifornisch anmutend, ein Spaßwein par Excellence – 97/100. Eigentlich schwer vorzustellen, dass alle diese Flaschen von ein und demselben Chateau stammten. Ich würde, wenn es denn unbedingt Margaux sein muss, auch angesichts der aberwitzigen Preise eher auf Jahrgänge wie 85 oder 88 setzen. 2010 auf der 90*90 sehr aromatischer Wein mit feiner Süße, mineralisch, etwas Tabak, die Walnuss von Latour, fleischig, sehr lang am Gaumen – 96/100. 2014 schlichtweg ein Traum, sehr feinduftig und elegant, aber auch enorm druckvoll und sehr lang – WT99. 2015 noch blutjung mit deutlichen Tanninen, doch gleichzeitig so seidig, so elegant, so filigran und verspielt. Da entsteht ein Riese – WT98+. 2016 so offen, so elegant und geradezu tänzerisch, aber auch mit einem erstaunlichen Schuss Hedonismus, dazu Minze und auch etwas Eukalyptus. Hier wirft die Eisenfaust im Samthandschuh mit Wattebäuschchen – WT98. 2017 deutlich kräftiger, druckvoller und stückweit verschlossener als Latour, aber mit Mörderpotential – WT98+.Gut gefiel mir mehrfach Marquis de Terme. Das war auch zuletzt 2007 wieder ein noch dazu bezahlbarer, leckerer Spaßwein mit verschwenderischer Frucht – 90/100. Palmer war 2008 ein finessiger, säurearmer, weicher Wein mit etwas dünner, ausrucksloser Nase, der seinen Höhepunkt zumindest schon erreicht, wenn nicht gar überschritten hat – 91/100. 2009 dann sehr weit entwickelt. Süße, fruchtig-würzige, leicht rosinige Nase, am Gaumen sehr weich, säurearm, leicht salzig und trocken – 92/100. 2010 voll auf dem Punkt, Seide pur, so elegant, so finessig, ein reifer Traum-Margaux, den man jetzt in großen Schluckentrinken und genießen kann – 94/100. Zwei weitere Flaschen 2010 ein erotischer, burgundischer Wein, derzeit sicher dem 89er vorzuziehen – 95/100. Zeigte sich Ende 2013 bei Elke Drescher aus der „praktischen Imperiale“ noch so unglaublich jung, einfach ein orgastischer, kräftiger Burgunder vom Stile eines La Tâche – WT95. Nie richtig gut fand ich Pavillon Rouge, der als teurer Zweitwein von Margaux eher immer die Qualität eines Drittweines hat. Zuletzt 2007 süßliche, überreife Nase, auch am Gaumen war er sehr süß und wirkte dabei etwas diffus und marmeladig, da fehlte einfach die Struktur. Trotzdem kein Wein, vor dem man sich ekeln muss. Nur austrinken sollten man ihn bald - 87/100. Erstaunlich gut entwickelt hat sich Prieuré Lichine. 2009 leicht animalische, ledrige, mineralische Nase mit viel Zedernholz, am Gaumen dicht, kraftvoll und mit beachtlichem Tiefgang. Voll trinkreif, aber noch lange nicht am Ende – 92/100. Hat das Zeug zum Geheimtipp. Rausan Ségla war 2008 kräftig, jung und von deutlichen Tanninen geprägt – 88+/100.

Brown war 2010 als Tischwein auf der 90*90 ein ziemlich nichtssagendes Gewächs mit wenig Frucht, bei dem auch der Großflaschenbonus (Jeroboam) nicht half – 80/100. Domaine de Chevalier ist ein feiner, reifer Schmeichler, der auch als eine Art Zweitwein von La Mission durchgehen könnte, mehrfach getrunken, zuletzt 2006, auf 91/100 Niveau, kann mit dem 89er des Gutes, wie alle anderen Pessacs auch, nicht mit. Das gilt inzwischen auch wieder für den über 20mal getrunkenen Haut Brion. Lange hatte ich das Gefühl, dass der 90er am 89er vorbeizieht. Mit bis zu 100/100 habe ich ihn 2001 und 2002 bewertet. So z.B. 2001 in einer großen 90er Probe. Auch 2002 notierte ich: unglaublich dicht, üppig, lecker, voll trinkbar, macht den 89er mit links nieder - 99/100. Und dann noch mal 2005 im direkten Vergleich aus eigenen Beständen gegen 89 der bessere Wein. Aber seitdem ist wieder Normalität eingekehrt. Schon 2006 auf René Gabriels großer Haut Brion Probe war er deutlich vordergründiger und schwächer als 89 – 94/100. Auch Anfang 2007 auf einer großen Probe ein feiner Wein mit der klassischen Cigarbox-Nase, am Gaumen gefällig, weich, schmelzig und nicht sonderlich konzentriert. Elegant und finessig, doch in der Nase schöner als am Gaumen, immer noch ein feiner Wein, aber mehr als 93/100 hatten wir da nicht im Glas. Seitdem noch einige Flaschen, z.B. im Sommer 2007 in der Braui und zuletzt 2008 aus eigenen Beständen mit konstant 96/100 und deutlich mehr Substanz. Im Herbst 2008 sehr reif und dekadent lecker – 96/100. 2010 auf der 90*90 sehr kräftig und konzentriert, die Cigarbox-Nase etwas verhalten, tolle Struktur und gewaltiges Potential – 94+/100. 2013 läuft er 2mal wieder zu alter Stärke auf, ein sehr kräftiger, konzentrierter Haut Brion mit gewaltigem Potential – 97/100. 2014 und 2015 Mörderpotential, sehr mineralisch, dicht, sehr nachhaltig, aber auch offen mit der klassischen Pessac Cigarbox Aromatik, baut enorm im Glas. Ein Topwein, der der eigenen Legende 89 dicht auf den Fersen ist – WT97+. 2017 war das mehrfach Pessac und Eleganz pur, leisere Töne als beim explosiven 89er des Gutes, aber alles so stimmig, so finessig, immer noch so jung mit unendlicher Länge, ein gewaltiger Weinriese auf Samtpfötchen, der sich über Jahrzehnte weiterentwickeln wird – WT99. Auch La Mission kommt an 89 nicht ran, wobei der Unterschied hier noch größer ist. 1999 bei Pierre Gagnaire in Paris war das ein Riesenteil mit Cigarbox und viel Kraft, erst ganz am Anfang - 95/100. Danach einige Flaschen auf 94/100 Niveau. Einmal, 2004 eine Ausnahmeflasche, hat dramatisch zugelegt mit sensationeller Nase, die sich bereits um die 61er Nachfolge bemüht 97/100. Doch dabei blieb es. Bereits 2005 und stets danach hieß es wieder: elegant und für den Jahrgang viel zu leichtgewichtig - 93/100. 2008 eine sehr gefällige Flasche - 94/100. 2009 immer noch sehr jung, wirkt aber mit reifer, süßer Frucht und wenig Cigarbox deutlich feiner und eleganter, aber auch leichtgewichtiger als der außerirdische Vorgänger – 93/100. 2010 aus der Jeroboam. Ein atemberaubender, gewaltiger La Mission auf dem Wege zur Perfektion. Spektakulär die typische Cigarbox-Nase, explosiv und immens druckvoll der Gaumen, wird dem 82er immer ähnlicher, der auch lange unterschätzt wurde – WT97. 2013 in der Wiin Kööv wie eine flüssige Zigarre – WT97. 2014 eine noch sehr jung wirkende 1tel mit großer Zukunft – WT96+. Zeigte sich 2016 in absolut bestechender Form und rückt dem 89er immer näher auf die Pelle – WT98+. Pape Clement hat mir schon in seiner jugendlichen Fruchtphase sehr gut gefallen. Nach ein paar verschlosseneren Flaschen Anfang diesen Jahrtausends in 2006 mehrfach sehr überzeugend, so auf René Gabriels großer Haut Brion Probe aus der Imperiale: grandioser Stoff mit pflaumig-mineralischer Nase, etwas Tabak und Schokolade, sehr lang am Gaumen und bei aller Kraft sehr fein und geradezu delikat - 94/100. 2007 aus der 1tel dunkle, pflaumige Frucht, auch etwas Lakritz, sehr dicht und kräftig, geradezu bissig, noch nie so jung getrunken mit insbesondere für den Jahrgang enormer Tanninstruktur und hoher Säure – 94/100. 2008 sehr kraftvoll und von massiven Tanninen geprägt, entwickelte sich nur zögerlich im Glas, deutet sein großes Potential aber an – 91+/100. 2010 aus der Jeroboam ein großer Pessac mit satter, pflaumiger Frucht, mit viel Tabak, Teer, Lakritz, Bitterschokolade und Leder, gewaltige Struktur und sicher noch ein langes Leben – 95/100. Aus der 1tel 2011 reif mit wunderbarer Süße, aber auch mit viel Kraft, ein großer, kompletter Wein – 94/100. 2015 reif und zugänglich, ein feiner Pessac mit Tabak, Cigarbox, Mineralität und erster, feiner Süße – WT94.

Auf und ab gehen meine Notizen beim gut 20mal getrunkenen l´Angelus. In seiner Fruchtphase bis Mitte der Neunziger war das ein prachtvoller Wein. Danach verschloss er sich zunehmend. Je nach Lagerung ist er inzwischen wieder voll da auf solidem 95/100 Niveau oder braucht noch etwas. Die 95/100 hätte er zuletzt – rechtzeitig dekantiert – 2008 in der Braui erreicht. 2010 die Kraft und die Herrlichkeit, süße, saftige Frucht, tolle Struktur und immer noch mächtige Tannine, nicht nur einer der großen 90er, sondern sicher auch einer der langlebigsten – 95/100. 2011 eine richtige Wuchtbrumme, sehr konzentriert mit gewaltiger Länge, schwarzbeerig, rauchig, immer neue Facetten zeigend und mit Potential für Jahrzehnte – 96/100. 2013 immer noch blutjung – WT95+. 2014 wieder offener, dekadenter, zeigt alles, was er hat, auch noch eine gute Tanninstruktur - WT97. 2015 ein wilder, geiler Spaß-Angelus mit dichter, junger Farbe, süßer, dunkler Frucht, Kräutern und Lakritz, jede Menge Kraft und Freude – WT97.

Deutlich zugelegt hat in den letzten Jahren der gut ein Dutzend mal getrunkene l´Arrosée, ein feinduftiger, sehr eleganter Wein, der noch gut 5-10 Jahre Freude machen dürfte, zuletzt 2012 – 91/100. Ausone hatte 2008 noch viel Tannin, zeigte aber neben der klassischen, kräuterigen Art viel Frucht und eine süße Fülle – 94/100. 2010 ein großartiger, kraftvoller St. Emilion mit Turbolader und gewaltiger Länge – 95/100. Zu den Legenden des Jahrgangs zählt Beauséjour Duffau Lagarosse, der wohl mit Abstand größte, jemals auf diesem Gut erzeugte Wein. In seiner kurzen, knackigen Fruchtphase in der ersten Hälfte der Neunziger habe ich diesen Wein mehrfach Nahe der Perfektion erlebt. Danach verschloss er sich rasch und meine Erlebnisse wurden immer enttäuschender. So langsam kommt dieser Wein je nach Lagerung jetzt wieder. 2005 aus einer frühreiferen Flasche dann endlich ein sensationeller, dichter und komplexer Wein – 100/100. 2007 bei den Ungers in Aschau ein Wein gemacht für die Ewigkeit und mit klarem 100/100 Potential. Aber wann? 98+/100 brachte dieser faszinierende Weinriese ins Glas. 2010 auf der 90*90 und 2011 aus eigenen Beständen ein gewaltiges Konzentrat in der Nase und am Gaumen, rauchig die Nase mit Teer und dunklen Früchten, am Gaumen Kraft ohne Ende, perfekte Tanninstruktur, hohe Mineralität und irre Länge. Nicht nur einer der besten, sondern auch der langlebigsten 90er, die 100/100 aus der überwältigenden Fruchtphase dieses Weines sind wieder in Sicht – 97+/100. Machte 2013 bsolut sprachlos, es ist die schier unglaubliche, messerscharfe Präzision dieses Weines, die ungeheure Dichte und Mineralität, die extrem konzentrierte, dunkle Frucht, die unbändige Kraft und Länge und die Viskosität einer hypothetischen, trockenen TBA. Möglich, dass er noch 10 Jahre bis zur endgültigen Reife braucht, aber dann wird er nur anders, denn besser geht nicht – 100/100. 2015 wieder extrem jung – WT97+. 2016 Schlichtweg atemberaubend 2016, sehr konzentrierte Frucht, unglaubliche Dichte, hohe Mineralität, aber gleichzeitig eine enorme, messerscharfe Präzision. Zu Recht eine Bordeaux-Legende, die man einmal im Leben im Glas gehabt haben muss – WT100. Wer 2030 eine Probe mit den größten, noch trinkbaren Weinen des letzten Jahrhunderts machen möchte, der braucht davon eine Flasche. Seine besten Zeiten hatte Canon-la-Gaffelière in den Neunzigern, wo er in seiner fruchtig-portigen Art an Vandermeulen Weine erinnerte. Ich habe ihn damals regelmäßig mit 94/100 bewertet. 2002 wirkte er bereits deutlich zahmer – 92/100. 2015 wirkte er schon sehr reif, es wird Zeit – WT90. Außerweltlich gut und voll trinkbar ist Cheval Blanc. Zweimal, 2001 und 2000 hatte ich diesen Wein, der mich in seiner dekadenten, hedonistischen Art an den 47er erinnerte, mit der Höchstnote von 100/100 versehen. Zuletzt 2006 in einer großen Cheval Blanc Probe eine irritierend reife Flasche, die wohl schon zu viel gereist war – 95/100. Doch dann in 2008 auf René Gabriels großer Cheval-Probe exotisch, üppig, irre süß, ein Wahnsinnskonzentrat, das am Gaumen ein Pfauenrad nach dem anderen schlägt – 97+/100. Und kurz darauf in Linz eindeutig 100/100 und der legitime Nachfolger von 47. 2009 bei Jörg Müller aus der Halben noch sehr jung, druckvoll und aromatisch, Dekadenz in ihrer schönsten Form - 97+/100. 2010 auf der 90*90 süße Traumnase, auch am Gaumen süß, ungemein druckvoll und aromatisch, dabei trotzdem auch fein, elegant, delikat mit etwas Zedernholz und guter Struktur – 98/100. Zeigte sich 2011 auf verdammt hohem Niveau trotz aller, üblichen Zutaten, vor allem dem genialen Cheval-Parfüm etwas verhalten. Möglich, dass sich dieser potentielle Nachfolger des 47ers derzeit wieder etwas verschließt – 97/100. Eine weitere Flasche 2011 im Tantris perfekt, hat sich zu einem perfekt balancierten Ganzen entwickelt, totale Harmonie aus Frucht, Süße, Säure, Tannin – einfach nur groß und denkwürdig – 100/100. 2013 mehrfach Hedonismus pur, für mich die moderne Wiedergeburt des 47ers. Wieder voll da mit dekadenter Fülle und Süße, aber auch mit einer irren Struktur – 100/100. 2014 und noch mal 2015 aus der ½ bei Jörg Müller auf Sylt noch so jung – WT97. 2016 so hedonistisch, das moderne Remake des 47ers, klare WT100. Deutlich auf dem Abstieg ist inzwischen Clos des Jacobins. In den Neunzigern war das noch ein faszinierender Wein, mehrfach deutlich über 90/100, doch zuletzt 2007 in der ersten Anmutung erstaunlich kräftig mit einer lakritzigen Aromatik, lediglich im Abgang fehlte es deutlich. Leider baute er im Glas nicht aus, sondern immer mehr ab. Ein kleiner Wein, der sicher rasch getrunken gehört - 86/100. Sehr fein und elegant war bereits 1993 ein Clusière aus der Magnum(92/100), der heute mit Sicherheit längst über den Punkt ist. Das Gut gibt es ohnehin nicht mehr, der Wein ist heute Bestandteil von Pavie. Einfach ein geiler Tropfen mit toller Süße war Figeac in seiner Fruchtphase bis zuletzt 1997 mit 95/100. In den Jahren danach verschloss er sich zunehmend und dieser anstrengende, für Figeac leider typische, Kork-ähnliche Ton wurde wieder dominanter. Doch damit und den vielen weniger schönen Flaschen in dieser Zwischenphase ist wohl Schluss. 2006 war das ein unglaublich junger, dichter, kräftiger Wein mit sehr junger Farbe, bei dem das Anstrengende, Korkähnliche der Figeacs nur ab und an unter der dichten Frucht durchschimmerte. In dieser Form ist das ein durchaus spannender, hochklassiger Figeac, der erst am Anfang seiner Genussreife steht - 93+/100. 2009 im Doctorhaus ein sehr überzeugender, großer Wein. Wiederum diese erstaunlich reife Farbe der zu warmen Lagerung, in der Nase viel Kaffee und Mokka, aber auch leicht medizinale Töne, später immer mehr Lakritz, am Gaumen neben etwas Strenge auch schöne Süße, viel aromatischer Druck, burgundische Fülle und eine gute Länge – 95/100. Schade, dass er 2010 auf der 90*90 wieder diese klassisch korkig wirkende Figeac-Nase hatte. Darunter verbirgt sich ein großartiger Wein mit viel Substanz, nicht riechen – saufen! 94/100. 2011 aus der Jeroboam gefielen mir die ersten Schlucke dieses Weines, der auch in der Nase und am Gaumen zwei Jahrzehnte reifer wirkte, am besten. Figeac-Klassiker wie 50 oder 59 haben deutlich mehr Kraft und Dichte. Dafür war dieser hier sehr fein, elegant mit reichlich Zedernholz und generöser Süße. Leider kam nach längerer Zeit diese grenzwertige, korkig wirkende Figeac-Nase stärker hervor. Da fiel meine anfängliche Bewertung von 95/100 deutlich und die Lust auf weiteres Nachverkosten nahm zusehend ab. 2014 sehr kräftig mit kräuteriger Herbe, Lakritz, schwarzen Oliven, erdiger Mineralität und verhaltener Frucht. Nicht mehr so groß wie vor etlichen Jahren, aber nicht auf dem Abstieg, sondern nur mit zeitweiliger Sendepause - WT92+. Moulin Saint-Georges war 2012 ein kleines Gewächs aus großem Jahr, reif, süß, schmelzig, ledrig, generöse Fülle, tolle Länge – 93/100. Pavie Decesse hatte 2005 eine irre dichte Farbe, wirkt aber verschlossen und unzugänglich, sperrig und eckig mit Teer und Bitterstoffen - 88/100. Pavie Macquin habe ich nur einmal, 1995 in seiner jugendlichen Fruchtphase, aus der Doppelmagnum getrunken. Ein feiner, fruchtiger Schmeichler – 90/100. Zweimal, 1997 und 2000, habe ich den Petit Cheval getrunken, einen sehr weichen, leckeren Schmeichler, hoffnungslos überteuert und um Längen vom Grand Vin entfernt – 90/100. Einer der ganz großen 90er war Tertre Roteboeuf noch 2000 in der großen 89/90 Verkostung, wo er sich absolut perfekt als 100/100 Wein präsentierte, ein Lakritzturbo mit irrer Fruchtsüße. Davor lagen meine Bewertungen je nach Tagesform der anscheinend selbst in einer Kiste sehr unterschiedlichen Flaschen stets bei 94-97/100. Danach wurde es schlimmer. Von rätselhaften 91/100 2001 bei der 90er Verkostung im Edenparc über 94/100 mit einer sehr schönen Flasche 2006 mit Michael Hamann bei Schorn bis hin zu einem grausamen, fischigen Exemplar mit 85/100 Ende 2007 bei den Ungers. Wer Weinlotto spielen möchte, ist mit diesem Wein bestens bedient. Vielleicht findet sich ja unter den zahllosen Nieten nochmal ein Hauptgewinn. So wie z.B. 2010 auf der 90*90. Wenn man die Nase in das Glas steckte, flog einem eine komplette Pralinen Packung entgegen, auch am Gaumen war das ein kraftvoller Wein mit explosiver Aromatik, um Längen über dem 89er des Gutes – 96/100. 2013 dann wieder ein kräftiger, konzentrierter Wein mit Amaronetönen, viel Lakritz, eher schwermütig – 88/100. Noch so ein Sorgenkind ist Troplong Mondot. Auch der 2000 in der 89/90 Verkostung ein noch jugendlicher Riese nahe der Perfektion – 99/100. Auch kurz danach habe ich ihn noch zweimal auf diesem Niveau erlebt, doch dann ging es rapide bergab. Mehrere, sehr bedenkliche Flaschen, z.B. 2005 mehr Amarone als Bordeaux, dazu die Bittertöne von Chicoree, macht nicht viel Spaß - 87/100. 2007 in einer Probe kam er zwar mit satter Farbe, pflaumiger Frucht und recht schokoladig ins Glas, doch war da auch in der Nase bereits störende, flüchtige Säure, die immer stärker wurde. Eindeutig fehlerhaft war dieser einstmalig große Wein – 88/100. Zuletzt Ende 2007 bei den Ungers: In seiner tragenden, schwermütigen Art passte dieser Wein eher auf eine hochwertige Beerdigung, als auf ein Weihnachts-Tasting. Da spielte leider nicht Mozart im Glas, sondern Bruckner. Gewöhnungsbedürftig die Nase, Jod, Teer, aber auch etwas Möbelpolitur und das Bittere vom Chicorée. Trotzdem nicht alt wirkend, sehr viel Kraft und immer noch präsente Tannine, eher in Richtung eines Amarone gehend - 90/100. Auch 2009 deutlich spürbar das heiße Jahr, die Überreife des Lesegutes. Das war leider eher Amarone als Bordeaux mit sehr ungewisser Zukunft – 91/100. 2010 aus der Magnum Horror, überreif-portig-amaronig – 83/100. 2014 zeigte er sich überraschend von seiner allerbesten Seite mit intensiver, süßer Kirschfrucht und viel Kraft am Gaumen – WT95.

Ein sehr zugänglicher Schmeichler mit burgundischer Fülle war mehrfach bis Ende der Neunziger Beauregard, konstant 90/100, dürfte heute allenfalls noch in gut gelagerten Großflaschen interessant sein. Ein Klassekauf ist immer noch Clinet, deutlich billiger als der hochgelobte 89er des Gutes, aber kaum schlechter. Ich habe diesen üppig-vollen Klassemerlot seit Mitte der Neunziger gut 40mal getrunken und fast immer mit 95/100 bewertet. 2010 auf der 90*90 ein dichter, voller, üppiger, kräftiger und schokoladiger Merlot, der den 89er des Gutes sicher überleben wird – 95/100. 2011 In sensationeller Form, ein dichter, üppiger Vollblut-Merlot mit enormem Potential, derzeit eine Klasse über dem hoch gelobten 89er des Gutes – 97/100. Hatte 2014 Süße und Fülle, dazu aber auch eine gewaltige Struktur. Der legt noch zu – WT97+. Von meinen 24 halben Flaschen Clos du Clocher sind bis auf vier alle ausgetrunken. In einer der letzten davon 2007 war das immer noch ein kraftvoller, überzeugender Wein auf 92/100 Niveau, wohl der beste, den dieses Gut je gemacht hat. Danach ging es mit diesem Wein jedoch stetig berab. Zuletzt 2010 war das mehr Klo als Clos, so auch 2010 auf der 90*90, gemüsig, alt und hin – 82/100. Sehr aromatisch, fein, elegant mit burgundischem Schmelz Conseillante, der seinen ersten Höhepunkt vor einigen Jahren hatte, damals zweimal mit 97/100 bewertet. 2007 einmal aus wärmerer Lagerung mit schöner Süße, aber schon auf dem beginnenden Abstieg – 93/100, zwei weitere Flaschen aus eigener, kühler Lagerung 2008 und 2009 ohne Schwächen, aber ebenfalls auf dem Punkt – 95/100. 2009 auf Sylt sehr feine, elegante Nase, schokoladige, generöse Fülle am Gaumen, reif, aber mit genügend Substanz für lange Jahre – 95/100. 2010 elegant, schmeichlerisch, aber auch enorm druckvoll – 97/100. 2011 in bestechender Form, Süße, Finesse, schokoladiger Schmelz, burgundische Eleganz, Traumstoff mit hohem Suchtpotential zum jetzt beidhändig trinken, aber nicht, ohne vorher und zwischendrin die faszinierende Nase genossen zu haben – 97/100. 2012 elegant, schmeichlerisch, spürbares Potential, aber wann wartet immer auf den großen Knall, darauf, dass irgendetwas Gewaltiges am Gaumen passiert, aber da tut sich dann nicht viel, wo ist die viele Schokolade geblieben, wo die Süße Frucht? – 95/100. 2013 sehr schokoladig, burgundische Pracht und Fülle, unendlicher Schmelz, meine bisher beste Flasche dieses Weines, der jetzt voll auf dem Punkt zu sein scheint – 98/100. 2014 einfach sinnlich, so offen, so süß, geradezu schmusig am Gaumen mit viel getrüffelter Schokolade – WT97. 2015 erstaunlich reif, nicht nur in der Farbe, mit einer süßen Erdbeernase, auch am Gaumen ein burgundisch wirkender Schmusebordeaux, der in dieser Form allerdings bald getrunken gehört – WT96. 2016 aus eigener, perfekter Lagerung die große, hedonistische Schokoladenoper, dabei noch so jung mit perfekter Struktur, einfach genial – WT99. Und so zeigte er sich auch 2017 wieder, feinste Schoko-Confiserie aus Pomerol, aber auch reif und auf dem Punkt – WT98. Anders der langlebige l´Eglise Clinet, dem 89er des Gutes nicht unähnlich. Der hat über die Jahre kontinuierlich zugelegt, 2001 war er eines der Highlights einer 90er Probe – 95/100. 2010 ein genialer, saftig-schokoladiger Vollblut-Pomerol in traumhaftem Trinkstadium, aber mit genug Struktur und Dichte für mindestens ein weiteres Jahrzehnt - 95/100. Sehr reif ist der inzwischen über 20mal getrunkene l´Evangile. Die schönsten Flaschen dieses Weines habe ich um die Jahrtausendwende mit 96/100 getrunken. Danach pendelten etliche Flaschen zwischen 90 und 95/100. 2007 reif, portig, schokoladig – 94/100. Brauchte 2008 aus der 1/2 trotz reifer Farbe viel Zeit und Luft, sehr nachhaltiger, schokoladiger Pomerol - 95/100. Auch aus der 1tel 2008 ein großer, druckvoller, reifer Vollblut-Pomerol, burgundisch elegant und einfach schön – 95/100. 2010 aus der ½ ein immer noch jugendlicher Vollblut-Pomerol mit Kaffee, Schokolade und viel Schmelz, elegant und druckvoll am Gaumen mit burgundischer Fülle, eine meiner bisher besten Flaschen – 97/100. 2011 in der Nase eine seltsame Mischung aus Brett und Schokolade, am Gaumen kräftig und stückweit verschlossen, scheint derzeit durch eine schwierige Phase zu laufen – 92+/100. Deutete 2014 bei allem Schmelz mit seiner Jugend, seiner Kraft und seinem Rückgrat an, dass hier ein würdiger Nachfolger für die großen L'Evangiles aus 47, 49, und 50 heranwächst - WT96. 2016 Sehr elegant, druckvoll mit schöner Beerenfrucht, viel Kaffee, Schmelz und Schokolade 2016, dürfte trotz scheinbarer Reife noch eine lange Zukunft haben – WT97. 2017 sehr fein, leichtfüßig, aber auch mit generösem Schmelz und mit feiner Beerenfrucht in Bitterschokolade – WT97. Keine Eile bestand trotz der hellen Farbe und des Wasserrandes bei Fleur de Gay. Ein schokoladig-leckerer Pomerol, kräftig, füllig, aber auch reif und weich, 2006 und 2007 konstant mehrfach mit 92/100 genossen. Die letzten Flaschen 2008 und 2009 schienen dann doch baldiges Trinken anzumahnen - 90/100. Mit wunderbarer, schokoladiger Fülle erinnerte mich Ende 2009 im Landhaus Bacher eine Magnum an die leider inzwischen vergangene Form meiner 1tel – 92/100. Ziemlich übles Zeugs war dagegen 2004 ein Le Gay, den ich sicherlich noch mal nachverkosten muss. Traumhaft schön war um die Jahrtausendwende Gazin, den ich mehrfach mit bis zu 95/100 im Glas hatte. Doch schien er zwischenzeitlich seinen Zenit deutlich überschritten zu haben. 2007 und zuletzt 2008 zeigten mehrere Flaschen einen kräuterig-schokoladigen Wein mit deutlich weniger Konzentration – 92/100. 2009 und 2010 dann mehrfach wieder in absoluter Topform, auch aus der Magnum, pfeffrige Frucht, reife Schwarzkirsche, massig Bitterschokolade, füllig, saftig, sehr kräuterig und etwas Richtung Lafleur gehend, einfach riesengroßer Trinkspaß mit toller Länge am Gaumen – 95/100. Ein gewaltiger Wein ist Lafleur. 1998 bei Norbert Schuh in Hannover ließ er aus der Halben nur ansatzweise erahnen, was daraus mal werden könnte. Groß, aber immer noch nicht ansatzweise reif mit der typischen, kräuterigen Art 2000 in einer umfassenden 89/90 Verkostung – 95+/100. 2009 in der Lafleur Best Bottle so dicht, so üppig, so lakritzig, kräuterig, hat reichlich Eukalyptus, Minze Süße, einfach alles von allem und noch viel mehr, ein dekadenter Wahnsinnsstoff, der am Gaumen nicht aufhört und eine moderne Weinlegende – 100/100. Enttäuscht war ich auf 2012 zwar sehr hohem Niveau da der Wein aus dieser Flasche nicht richtig sang, reif, weich, teerig, kräuterig mit schöner Frucht, aber ohne den ungeheuren, aromatischen Druck, den dieser Wein sonst zeigt – 96/100. Noch extrem jung 2014, lakritzig, kräuterig mit unglaublicher Dichte und mundbeschlagenden Tanninen. Die Fruchtphase ist längst vorbei. Jetzt ist Warten angesagt, aber da wächst ein Riese heran – WT96+. 2016 bei Jörg Müller aus der Magnum atemberaubend mit dieser klassisch lakritzig-kräuterigen, irre druckvollen Lafleur Aromatik. Kein Schmuse-Pomerol, ein kerniger, eigenständiger, riesengroßer Wein. Bei diesem 90er, der noch nicht annähernd voll reif ist, zeigen die Kräuter schon etwas leicht kandiertes, am Gaumen und im Abgang hört dieses Monument nicht mehr auf. Einfach der helle Wahnsinn, WT100 ohne wenn und aber. Lagrange Pomerol war 2010 immer noch recht kräftig, aber auch reif mit weichen Tanninen, pflaumiger Frucht, erdig, etwas Lakritz und Schokolade. Kein komplexer Überflieger, aber sehr solider Genuss, der auf Auktionen sicher für ganz kleines Geld abzuholen ist – 90/100. Latour-à-Pomerol war 1997 bereits ein sehr zugänglicher, eleganter Gaumenschmeichler – 92/100. Seitdem hat dieser Wein kontinuierlich an Kraft zugelegt und zeigte seinen Höhepunkt 2002 bei Jörg Müller – 93/100. Aber war es das schon? Die beiden nächsten Flaschen bei Jörg Müller 2003 und 2004 zeigten wieder eher einen leichten, feinen Weinen ohne allzu viel Konzentration – 90/100. Zuletzt 2011 erstaunlich dicht, kompakt und noch längst nicht reif. Wirkte im jetzigen Stadium etwas schlank mit dunklen Früchten, Lakritz und deutlicher Mineralität, immer noch gutem Tanningerüst und reichlich Potential – 91+/100. Mazeyres war 2010 aus der Imperiale ein nettes, erstaunlich gut trinkbares Weinchen, immer noch mit etwas rotbeeriger Frucht, aber mit wenig Tiefgang – 81/100. Auf dem Abstieg scheint bereits Pensées de Lafleur zu sein. 1998 wirkte er noch etwas zu streng, 2001 war er auf dem Höhepunkt, ein echter, kleiner Lafleur – 92/100, 2007 zeigte er zwar immer noch die Typizität von Lafleur, war kräuterig, würzig mit viel Lakritz im Abgang. Aber für den Zweitwein eines so großen Namens und aus solch einem Riesenjahr hätte ich da doch etwas mehr Kraft und Spannung erwartet. Im Vergleich zum grandiosen Lafleur wirkte der Pensées doch etwas arg dünn und kurz im Abgang - 89/100. Zuletzt 2012 sehr reif, ziemlich dürr und uninspirierend, deutlich über den Höhepunkt weg – 89/100 mit weiter fallender Tendenz. Petit Village war zuletzt 2006 ein recht braver, schon verdammt reifer und nicht aufregender Merlot, der seinen Höhepunkt schon hinter sich zu haben schien. Kein Vergleich zu den großen Petit Village früherer Jahre - 88/100. Petrus war für mich der absolute Star der 90er Ankunftsproben, eindeutig 100/100. Auch 2000 in einer großen 89/90 Verkostung konnte er, obwohl schon etwas verhaltener, immer noch voll überzeugen – 97/100. 2005 auf René Gabriels großer Petrus Probe sehr verschlossen, aber mit erstaunlich heller Farbe. Zweifelsohne ein großer Wein, der aber momentan auch durch eine etwas schwierigere Phase geht. Verhaltene Nase, die geile frühere Frucht ist völlig weg, am Gaumen unglaubliches Konzentrat mit sehr langem Abgang - sehr gutwillige 93/100. Zuletzt 2008 bei den Ungers ein sehr nachhaltiger, kräftiger Wein mit ewigem Abgang, aber auch noch sehr verschlossen. Von der 100/100 Legende, die da bei gut gelagerten Flaschen wie dieser in 10 Jahren mal zu erwarten ist, waren da 96/100 im Glas. 2010 auf der 90*90 kein Hammer, zumindest im derzeitigen Stadium nicht, aber ein puristisch schöner, absolut stimmiger Wein mit enormem Druck und viel Kraft am Gaumen, wohl verpackt die reifen, aber mächtigen Tannine, erste feine Süße und der Eindruck gebrannter Mandeln. Bis zur endgültigen Trinkreife dieses Weines sind sicher noch mal 5-10 Jahre angesagt – 98+/100. Die 100/100 für den seinerzeit für mich besten Wein der 90er Arrivage-Proben sind also in Sicht. Le Pin gefiel mir 1992 als Fassprobe überhaupt nicht. 2000 in der 89/90 Vergleichsprobe war das dann zwar schon ein großer, gelungener Wein auf 94/100 Niveau, der aber in einem Flight mit Troplong Mondot und Tertre Roteboeuf keine Chance hatte. 2010 aus der Doppelmagnum war das schon fast eine Perversion von Le Pin, so süß, so intensiv, einfach ein geiler, exotisch-erotisch-üppiger Saft – 97+/100. Etwas reifer, aber auf gleichem Niveau 2014 auf Sylt – WT97. Sehr gut gefiel mir 1997 auf Sylt Plincette(89/100), der aber inzwischen wohl seinen Höhepunkt überschritten haben dürfte. Eigentlich bin ich Trotanoy-Fan, aber der 90er spielte lange nicht in der Top-Liga. 2001 in der 90er Verkostung im Eden Parc schon deutliche Reifetöne in der Farbe, in der Nase Jod, Medizinschrank, kein großer Trotanoy, besser mit Essen - 88/100. 2004 zweimal bei Jörg Müller auf Sylt, kräftiger, ausdrucksstarker Merlot, noch so jung, sehr lang mit viel Bitterschokolade am Gaumen 94/100. Zuletzt noch mal 2005 bei Jörg Müller, ätherisch, Jod, Teer, Kraft, braucht viel Luft - 92/100. Dann 2010 eine perfekte, halbe Flasche, Ricola pur mit wunderschöner Süße - 96/100. Auf der 90*90 2010 für mich einer der größten Weine der gesamten Probe, ein gewaltiges Konzentrat zwar mit großer Zukunft, aber auch schon sehr viel zeigend, nicht nur in der betörenden, kräuterig-trüffeligen Nase, auch am Gaumen verwöhnte dieser Wein bei aller Power mit einer feinen, süßen Textur – 98/100. Warten lohnt bei Trotanoy eigentlich immer. 2013 Erstaunlich weich und zugänglich mit seiner kräuterigen, trüffeligen, schokoladigen Aromatik, die ich kräftiger und dichter kenne – WT95. 2014 Ricola pur mit verschwenderischer Süße - WT96. Mehrfach habe ich Vieux Certan getrunken, doch abgewinnen konnte ich diesem, für den Jahrgang sehr enttäuschenden Wein nie etwas. Erst 2008 zeigte er eine wunderbare, schokoladige Fülle – 93/100. 2013 war das ein feiner, schokoladiger Traum, wenn auch noch mit Ecken und Kanten, dürfte langlebig sein – WT93+. 2017 dann einfach geiles, Zeugs mit süßem, schokoladigem Schmelz, aber auch mit großartiger Struktur, hier scheint also noch reichlich Zukunft angesagt – WT97. Gut 10mal habe ich bis 2005 Clos du Vieux Plateau Certan mit jeweils 89-91/100 getrunken.

Roc de Cambes aus Côtes de Bourg war in der zweiten Hälfte der 90er mehrfach ein netter, gefälliger, reifer Wein auf 88/100 Niveau, der aber inzwischen deutlich auf dem Abstieg sein müsste.

Auch die Weißen Bordeaux waren in 90 gut gelungen und machten von Anfang an viel Freude, gehören aber sicher bald getrunken.

Domaine de Chevalier Blanc müßte jetzt gut trinkbar sein. Ist mir zuletzt 1997 in Arosa auf dem Weinforum begegnet. Damals ein sehr verhaltener Wein, aber mit viel Potential. Mit großem Vergnügen habe ich 2001 die letzte meiner 12 Flaschen Fieuzal geleert. Immer noch frisch wirkend mit wunderbarer Frucht, wie alle Flaschen vorher auf konstantem Niveau – 91/100. In der Magnum 2000 sogar noch fast zu jung wirkend. Haut Brion Blanc hatte 2009 eine etwas parfümiert wirkende Nase, am Gaumen ein säuerlicher Mickerling mit Anklängen von Brausepulver und Aceton, völlig daneben und ohne Hoffnung auf weitere Entwicklung – 82/100. Larrivet-Haut-Brion präsentierte sich 2014 ziemlich ausdruckslos und nichtssagend – WT82. Zweimal, bei Schorn und in Atlanta, konnte ich mich für Laville Haut Brion begeistern, eine unnachahmliche Mischung von Kraft und Eleganz, profitierte vom Dekantieren und kam mit 94 bzw. 95/100 ins Glas. 1999 bei Pierre Gagnaire kräftige Farbe, kam zu warm auf den Tisch und zeigte erst oxidative Töne, mit sinkender Temperatur wurde er besser, aber mehr als 88/100 waren diesmal nicht drin. Lynch Bages Blanc war 2008 einfach schon zu alt und machte wenig Freude, zuviel Holz, zu wenig Frucht - 84/100. Eher enttäuschend 1995 ein ziemlich dünner Olivier Blanc – 85/100. Pavillon Blanc war für mich 1996 in Bargum der mit Abstand schwächste Pavillon Blanc, den ich je getrunken habe, wirkte leicht wäßrig und diffus, ich habe nach 2 Gläsern den weiteren Genuß verweigert – 82/100. 11 Jahre später, 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe sehr fein und elegant wie eine Ballerina mit schöner Frucht und prägnanter Minznase - 88/100. Zuletzt 2010 auf der 90*90 sehr fein, eher etwas schlank und pikant, erinnerte mit frisch ausgepressten Lychees und etwas Stachelbeere an jüngere Sauvignon Blancs – 89/100.

Großes Jahr für Sauternes&Co mit sehr reichhaltigen, aber auch lagerfähigen Weinen.

Ausnehmend gut gefiel mir 2001 auf dem Weingipfel de Fargues, ein kräftiger, aber nicht überladener Sauternes mit guter Säure – 93/100. Die deutliche Süße des Guiraud wurde 2005 durch die ebenfalls vorhandene Säure gut abgepuffert wurde. Kräftige Farbe, noch sehr jung wirkend, eingelegte Aprikosen, etwas rustikal - 91/100. Rayne Vigneau hatte 2006 ein kräftiges Goldgelb, exotische Früchte, englische Orangenmarmelade mit feiner Bitternote, schöne Süße, war sehr lang am Gaumen - 93/100. 2010 auf der 90*90 zwei Magnums. La Tour Blanche schien das große Format deutlich zu helfen, ein kräftiger, nachhaltiger, nicht zu süßer Sauternes mit Orangen Bittermarmelade und Crême Brulée, blieb sehr lang am Gaumen – 94/100. Rieussec war deutlich süßer, fetter und für mich eigentlich zuviel des Guten, mit Quittenextrakt, viel Honig, etwas breit am Gaumen und schon sehr weit – 92/100. 2012 bei Jörg Müller ein Dessert für sich, dickflüssig, Aprikosenlikör mit der dazugehörigen Farbe, ein fettes, fast öliges, sehr süßes Teil, Karamell, Honigsüße, Orangenbittermarmelade – 91/100.

Endlich mal wieder ein großer Jahrgang für Rote Burgunder, in dem die besten Weine mit ihrem guten Tanningerüst noch Potential für etliche Jahre haben. Allerdings sind viele der besten Weine noch unfertig mit deutlichen Tanninen.

Ein Charmes Chambertin von Bachelet war 2010 auf der 90*90 in der Nase maderisiert und am Gaumen noch schlimmer. Kann und darf ein 90er Burgunder so schlimm sein ? – 72/100. Eher belanglos 1997 ein Vougeot 1er Cru Clos de la Perrière der Domaine Bertagna – 85/100. Grosses Kino 2012 der Romanée St. Vivant von Boivent, einem mir bisher unbekanntem Abfüller. Das war ein derart druckvolles, gewaltiges Geschoss. Erste Statements am Tisch gingen angesichts der fruchtigen Fülle Richtung Bordeaux oder Kalifornien. Erst nach intensiverer Beschäftigung wurde immer klarer, dass es sich hier um einen großen Burgunder handelte, dessen rauchig-mineralische Nase allerdings auch gut zu einem La Mission gepasst hätte. Enorm druckvoll am Gaumen, aber auch gute Säure – 95/100. Ein großer, stimmiger, reifer, sehr verführerischer Burgunder war 2015 der La Romanée von Bouchard mit süßer Frucht, feinster Himbeere, so filigran und elegant, Seide pur am Gaumen – WT97. Unglaublich und schlichtweg perfekt 2016 der Echezeaux von Jacques Cacheux & Fils. Außerweltliche Nase, reife, dekadente, würzige Fülle, Kaffee, Schokolade, cremige Textur, Harmonie pur, so ein irrer Druck, ewiger Abgang - WT99. Auch aus der Zwllingsflasche 2017 ein großer, perfekter Burgunder – WT97. Als unzugänglicher Brocken kam 2014 der Chambolle-Musigny 1er Cru Combe d´Orveaux von der Domaine Clavelier Brosson ins Glas. Öffnete sich nur zögerlich, noch so junge, tiefe Farbe, Schwarzkirsche, erdige Mineralität – WT90+. Erste Runzeln zeigte schon der Bonnes Mares von Comte de Vogüe – WT89. Der Musigny Vieilles Vignes von Comte de Vogüe war 2006 eigentlich noch viel zu jung, ein irres Konzentrat, großer Beerencocktail, immer noch strammes Tanningerüst, trotzdem ausgewogen und balanciert mit schöner Länge, bei allem aromatischen Druck sehr elegant, gehört noch 10 Jahre weggelegt - 96+/100. 2008 und 2011 noch mal getrunken, wo er noch deutlich weniger raus ließ. Also Vergessen, verkochen, verkaufen? Vergessen ja, aber in der hintersten Ecke des Kellers, am besten für 20 Jahre. 2013 enorm kräftig mit viel Substanz, mit sehr guter Frucht und gewaltiger Struktur, dabei erstmals offener und einen guten Ausblick auf das gebend, was da in den nächsten 10-20 Jahren mal kommen könnte – WT96+. Ich bin sicher, dass der noch mal richtig aufdreht. Noch sehr jugendlich mit herrlicher Frucht 2012 ein Monthélie 1er Cru Les Duresses von Prunier-Damy - 90/100. Ein Romanée St. Vivant DRC 2011 im Schwarzen Adler in Oberbergen zeigte aus perfekter Lagerung natürlich noch keinerlei Alter. Betörende, pikante Aromatik, kein Blockbuster, aber so fein, so elegant, aber auch nachhaltig mit toller Länge am Gaumen, ein aristokratischer Wein, hier aus perfekter Lagerung noch so jung, so fordernd, springt nicht wie viele 90er plump aus dem Glas, der will erobert werden und belohnt das dann mit einem Feuerwerk am Gaumen – 96/100. Eine erstaunlich reife Farbe hatte 2007 der Richebourg von DRC. Die Flasche muss irgendwann mal in einem Schaufenster gelegen haben oder stand zu lange in einem warmen Ausstellungsraum. So war das zwar ein sehr kräftiger, großer Wein mit massiver Säurestruktur, der endlos lang am Gaumen blieb. Doch irgend jemand hatte diesem, deutlich älter wirkenden Wein die Frucht geklaut, sonst wären sicher mehr als 94/100 ins Glas gekommen. Immer noch jung und frisch mit delikater Frucht, aber am Gaumen auch etwas dünn und langweilig war 2002 ein Clos des Mouches von Drouhin – 88/100. Enttäuschend 2012 ein Savigny les Beaune 1er Cru Les Vergelesses von Dubreuil-Fontaine Père et Fils, frisch gedüngtes Feld in der Nase, am Gaumen ein ordinäres, gewöhnliches Gesöff – 78/100. Der Clos de la Roche von Dujac hatte 2015 soviel Kraft, Fülle, Länge und so eine fantastische Frucht, war so dicht, so komplex, so unglaublich druckvoll mit ewigem Abgang – WT98+. Möchte ich gerne in 10 Jahren noch mal trinken. Der Wein hat das Zeug zur Perfektion. Unglaublich, was für ein gewaltiger, druckvoller Riese da 2014 mit diesem Echezeaux von Dujac im Glas war, sehr balanciert mit guter Frucht und immer noch intaktem Tanningerüst – WT97. Erst nach 5 Stunden in der Karaffe war der Chambertin Clos de Bèze von Faiveley 2015 halbwegs offen mit irrem Druck und erster, feiner Süße, sehr lang – WT95. Ein dichter, kräftiger, tanninbeladener Spitzenburgunder der jetzt schon viel Spaß macht, aber erst in 10-15 Jahren seine echte Klasse zeigen dürfte, notierte ich 2000 bei Jörg Müller zu Corton Clos des Cortons von Faiveley aus der Magnum. Die Zeit war 2008 mit gleichem Wein an gleicher Stelle noch nicht um. Ein immer noch viel zu junges Monument, fruchtig, sehr dicht, kraftvoll und lang am Gaumen. Ein durch und durch großer Burgunder, der an alte Zeiten in Burgund erinnert mit den damaligen, großen Weinen und der eine sehr hohe Lebenserwartung haben dürfte - 95/100. Brauchte zuletzt 2016 bei JM aus der Halben enorm viel Luft in der Karaffe und wurde mit der Zeit mit dichter, dunkler Frucht immer druckvoller mit viel Substanz. Aber der zeigt erst in 5-10 Jahren alles, was er drauf hat – WT94+. Ein Charmes Chambertin von Geantet-Pansiot war ein generöser, sehr guter Burgunder mit guter Frucht, dezenter Süße und viel Struktur, hat aber seine besten Zeiten wohl schon hinter sich – 93/100.Bei einem Beaunes Teurons von Jacques Germain war 2010 die Nase ok, während der Gaumen eher säuerlich und kurz mit wenig Struktur war – 80/100. Der Beaune Clos des Ursules war 2015 sehr reif mit süßer Frucht, auch am Gaumen sehr reif – WT92. Der Chambolle Musigny Les Amoureuses von Jadot war 2013 fruchtig, fröhlich mit Süße, feiner Opulenz und guter Länge, enorm viel Charme, entwickelte im Glas immer mehr Klasse, Struktur und Kraft – WT94. Noch so jung und druckvoll mit gewaltigem Potential zweimal 2015 bei Jörg Müller ein finessiger Beaune Clos des Ursules von Jadot – WT95. Knüppelhartes, junges Zeugs ohne Charme, aber sich mit grandioser Zukunft war 2014 ein Vosne Romanée aux Réas von Leroy – WT87++. Der Vosne Romanée les Genaivrières von Leroy hatte 2016 eine schöne, rotbeerige Frucht, wirkte insgesamt sehr kräftig und dicht, am Gaumen etwas stielig mit immer noch deutlichen Tanninen – WT92. Mit Druck, Kraft, Fülle und Länge überzeugte 2016 ein großartiger Clos Vougeot von Louis Latour – WT95. Enttäuschend 1997 ein ziemlich steril wirkender Nuits St. Georges Aux Boudots von Méo Camuzet – 85/100. Der Nuits St. Georges Les Murgers von Meo Camuzet brauchte 2014 immer noch Luft ohne Ende, wunderbare Frucht mit feinem Spiel roter und blauer Beeren, immer noch deutliches Tanningerüst, wird über die nächsten 10-20 Jahre zulegen – WT92+. Ebenso enttäuschend 2003 ein Echézeaux von Moillard, der zwar eine junge Farbe hatte, aber eine deutlich älter wirkende Nase und am Gaumen langweilig wirkte – 87/100. Noch deutlich zu jung war 2008 Clos de la Roche von Ponsot. Dichte Farbe, etwas aufgesetzt wirkende Süße, exotisch wirkend, üppig. Doch die Süße dieses Riesenbabys ist noch pubertär, der Ponsot kann vor Kraft kaum laufen und gehört wie so viele der wirklich großen 90er Burgunder noch etliche Jahre weggelegt – 91+/100. Noch sehr jugendlich mit herrlicher Frucht 2012 der Monthelie 1er Cru Les Duresses von Prunier-Damy – WT90. Wenigstens gut trinkbar ohne Alterstöne war 2012 der solide Chambolle Musigny 1er Cru Derrière La Grange von Louis Remy – 87/100. Ein Romanée St. Vivant von Marc Rouget-Dupin hatte 2013 eine reife Farbe, in der Nase Minze und Schoko, malzige Süße, unendliche Eleganz und Länge, baute enorm aus – WT96. Der Chambertin von Armand Rousseau war 2012 ein absolut stimmiger, immer noch so junger, riesengroßer Burgunder, an dem ich stundenlang nur riechen könnte. Aber diese Aromenexplosion setzte sich am Gaumen fort, zum Niederknien und in einer Liga mit den zahlreichen, älteren Burgunder-Legenden, die ich schon trinken durfte – 100/100. Ende 2013 aus der Magnum ein stimmiger, fast schwereloser, großer Burgunder in totaler Harmonie. Sehr fein, fastzerbrechlich die filigrane rotbeerige Frucht, in die sich auch frische Rosenblätter mischten, ätherische Noten, Unterholz, am Gaumen Seide pur mit wunderbarer Länge, einfach ein großartiges Weinerlebnis, ein Wein, der zum Träumen verführt – WT98. Trotz heller Farbe 1997 sehr zugeknöpft und tanninreich ein Mazis Chambertin von Rousseau. Ein Corton Bressandes von Senard hatte 2010 auf der 90*90 keinen Fehler, kein Alter, aber auch keine Höhepunkte, eindimensional von der Nase bis zum Abgang – 86/100.

Ein guter Jahrgang für Weiße Burgunder, allerdings mit frühreifen Wein ohne allzu viel Potential. Gehören eigentlich bis auf Ausnahmen ausgetrunken.Aber gerade diese Ausnahmen haben es in sich.

Schnelllebig schien der Le Montrachet von Baron Thénard zu sein. 1993 noch recht verschlossen, Potential andeutend, 1994 perfekt balanciert und schön, aber nicht groß – 91/100 und bereits 1995 auf einer weiteren Probe deutliche Reife zeigend und auf dem Abstieg wirkend. Würde ich mich heute nicht mehr ran trauen. Den Corton Charlemagne von Bonneau du Martray fand ich trotz brillanter Farbe, trotz aller Kraft und allen Feuersteins schon ziemlich müde und schlapp mit leicht oxidativen Noten – WT87. Besser und mit deutlich mehr Zukunft schien 1993 am Arlberg ein Bienvenue Batard Montrachet von Carillon Louis & Fils – 93/100. Unglaublich, wie 2012 ein Musigny Blanc von Comte de Vogüe im Glas ausbaute und dabei immer jünger zu werden schien. Ein Pfauenrad von Aromen entwickelte sich in der vielschichtigen Nase dieses mächtigen Weines, ätherisch, extrem mineralisch, die burgundischen Kalkböden pur, am druckvollen Gaumen erhabene Struktur, messerscharfe Präzision und eine gewaltige Länge. Da waren locker 98/100 fällig. Und die bekam er auch 2013 aus einer perfekten Magnum wieder. Noch sehr jung mit viel Potential 1997 ein Corton Charlemagne von Chapuis – 90+/100. Sehr kräftig 1999 ein Meursault Rougeot von Coche Dury mit faszinierender Nase, aber etwas kompakt und austrocknend am Gaumen – 90/100. Sehr aromatisch und zugänglich mit Kaffee- und Mokkaaromen 1995 ein Batard Montrachet von Coffinet – 94/100. Ein Le Montrachet von Marc Colin, 1995 in der Krone Assmannshausen noch sehr jung, wirkte 2007 etwas plump und fett, Orangennoten, wenig Finesse. Der hatte seinen Höhepunkt bereits deutlich überschritten und wies von der weltbekannten Lage nur den Namen, nicht aber die Klasse auf - 89/100. Meursault Clos de la Barre von Comte Lafon zeigte 2005 ein kräftiges Goldgelb, kam mit deutlicher Firne und oxidativen Noten ins Glas, wirkte bei aller Fülle schon verdammt reif und wirkte deutlich älter, baute dann allerdings gut im Glas aus und entwickelte in der Nase feine Süße - 88/100. Auch die größeren Meursault Lagen von Comte Lafon reiften sehr schnell. So war der Meursault Charmes in 1998 bei zwei Gelegenheiten sehr reif und eigentlich schon etwas über den Punkt – 90/100. Der Meursault Perrières hatte 1999 eine deutliche Honignase aber auch leichten Sherryton, auch am Gaumen leichte Restsüße, kräftig, würzig, Burgunder-untypisch, wirkte deutlich älter – 89/100. Schlechte Flasche, oder einfach nur zu jung? 2016 hatte der so eine Kraft, so eine Dichte, so eine intensive Mineralität. Das war absolute Montrachet-Qualität. Sehr lang am Gaumen und immer noch großes Potential für viele Jahre – WT97. Ein Riese hingegen 1999 von Comte Lafon der Le Montrachet, noch ganz am Anfang und mit gewaltigem Potential – 95+/100. Musigny Blanc von Comte de Vogüe brauchte 2013 reichlich Zeit und Luft, um sich zu entfalten. Ein Pfauenrad von Aromen entwickelte sich in der vielschichtigen Nase dieses mächtigen Weines, ätherisch, extrem mineralisch, die burgundischen Kalkböden pur, am druckvollen Gaumen erhabene Struktur, messerscharfe Präzision und eine gewaltige Länge. Da waren locker WT98 fällig. Und noch mal WT98 für diesen Wein 2013 aus einer grandiosen Magnum. Sehr weit entwickelt schon 1995 ein Meursault von Doudet-Naudin, wurde im Glas schnell breit und langweilig, damals 84/100, dürfte inzwischen längst hin sein. Etwas besser damals vom gleichen Erzeuger ein Puligny Montrachet – 86/100, dafür sehr enttäuschend ein Savigny les Beaunes 1er Cru Redrescul – 82/100. Als eine Art Chardonnay-Urknall empfand ich 1994 den Le Montrachet von DRC, ein Riese mit irrem Potential und mit Sicherheit noch in bester Form – 95+/100. Noch sehr verschlossen 1994 der konzentrierte Le Montrachet Marquis de Laguiche von Drouhin. 2010 erinnerte er eher an einen sehr reifen Grünen Veltliner und war sicher schon ein Stück über den Zenit hinaus. Immer noch sehr mineralisch mit Kraft und Fülle, aber passend zum reifen Goldgelb in der Nase auch deutliche Reifetöne, Gummiboot – 93/100. Noch viel zu jung, aber kräftig und sehr aromatisch mit viel Potential 1993 ein Corton Charlemagne von Faiveley – 92+/100. 2014 war es dann schon vorbei. Tiefe Farbe, gärender, mostiger Apfel, sehr oxidativ, passte deutlich eher in den Blauen Bock als in mein Glas – WT80. Ein Pouilly Fuissé des Chateau Fuissé war 1997 bereits deutlich gezehrt – 85/100. Solide, frisch, aber nicht aufregend 1997 auf Sylt ein Chablis Grand Cru Les Grenouilles des Chateau Grenouilles – 87/100. Traumhaft schön 1996 in einer Koppe-Gala ein Batard-Montrachet von Jadot – 96/100. Da kam der elegante Puligny Montrachet Les Folatières des gleichen Erzeugers natürlich nicht mit – 92/100. Der Meursault-Perrières von Jadot war 2016 perfekt gereift mit tiefem, brilliantem Goldgelb und baute schön im Glas aus - WT92. Noch sehr jung und verschlossen mit viel Potential 1995 ein Corton Charlemagne von Louis Latour. Eher enttäuschend im selben Jahr von diesem Erzeuger ein Meursault Poruzot. Viel Kraft und Fülle zeigte 2016 der allerdings schon sehr reife Le Montrachet von Louis Latour, der sich schon auf dem Abstieg befindet – WT93. Noch ganz am Anfang 1998 ein Corton Charlemagne von Olivier Leflaive mit viel Potential. Nicht sonderlich begeisternd konnte ich mich trotz des großen Namens 1995 und 98 für den Bienvenue Batard Montrachet von Ramonet, bei dem es für mehr als 89/100 einfach an Konzentration fehlte. Sehr gut gelungen, kräftig, würzig 1997 bei Jörg Müller ein Meursault Charmes von Guy Roulot (93/100), an den ich mich heute aber nicht mehr ran trauen würde.

Große Weine sowohl an der nördlichen, als auch an der südlichen Rhone. Ein Jahrgang, der an 59, 61 oder 78 denken lässt.

Mehrfach, zuletzt 2008 bei Jörg Müller, habe ich den Côte Rotie La Mordorée von Chapoutier getrunken, einen inzwischen reifen, würzigen Côte Rotie mit kräftiger Säurestruktur – 93/100. Nur einmal, 1995 in Las Vegas, habe ich von Chapoutier den Hermitage La Sizeranne getrunken, damals mitteldichte Farbe, weich, burgundisch, langer Abgang, entwickelte mit der Zeit wunderschöne, mit kräftiger Säure gepaarte Fruchtsüße – 92/100. Im Zeitlupentempo entwickelt sich der große Hermitage von Chave. War das 2001 noch ein sehr schwierig zu verkostender Wein mit deutlichem Gummiton(92/100), so kam zuletzt 2007 schon deutlich mehr rüber, ein spektakulärer Wein, der mit seiner dichten, kräftigen Aromatik schnell vom kompletten Gaumen Besitz ergreift. Irre Mischung von Cassis und schwarzem Pfeffer, sehr animalisch, immer noch fordernd und sehr lang. Da entwickelt sich eine Legende - 97+/100. 2017 so erstaunlich reif, so betörend, schon fast burgundisch wirkend, bei aller hedonistischen Süße einer großen Pralinenpackung auch noch mit einer sehr guten Struktur - WT99. Etwas spröde 2010 der Hermitage La Sizeranne von Chapoutier, klar ist der auch kräftig, animalisch und zeigt auch etwas Süße, aber die burgundische Fülle fehlt, er bleibt auf hohem Niveau herb und charmefrei – 92/100. Satte 100 Parker-Punkte hat der Ermitage le Pavillon von Chapoutier, das ist ja schon mal eine Ansage. Aber wann kommen die bitte ins Glas? Man spürt die unbändige Kraft, das gewaltige Potential dieses Weines. Doch momentan wirkt er auf hohem Niveau einfach nur dick, ungelenk und irgendwie overdone. Weitere 10 Jahre mögen es richten – 94(+?)/100. Auf dem Punkt war 2002 zweimal der würzige Côte Rotie von Clusel-Roche – 92/100. Animalisch, kräftig, zupackend 2010 der noch recht jung und auch etwas aggressiv wirkende Fonsalette Côtes du Rhone Cuvée Syrah, erinnerte etwas an zu junge La Landonnes und gehört eigentlich deutlich länger dekantiert – 90+/100. Nichts falsch machen kann man in 1990 mit den Weinen von Guigal. Lediglich beim Côte Brune et Blonde wäre ich vorsichtig, der präsentierte sich 1995 schon sehr reif mit wenig Tannin – 88/100. Erstaunlich schön trank sich 2010 der Hermitage von. In der offenen Nase reife Schwarzkirschen, Rauch, Leder, Gewürze, Lakritz, Teer, am Gaumen sehr würzig mit schöner Süße, immer noch recht jung wirkend – 95/100. Der lange Zeit so zugenagelte, unnahbare La Landonne war zuletzt 2010 der wohl beste La Landonne, den ich je im Glas hatte, der schiere Wahnsinn, dabei immer noch so unglaublich jung – 100/100. La Turque war 1997 auf dem Weinforum in Arosa war er schön, aber etwas unnahbar und durchlief die klassische Schlafphase großer Guigal. 2001 war der La Turque wieder voll da. Auf einer großen 90er Verkostung war er der absolute Superstar, supergeile Nase, die mit Abstand beste des Abends, irrer Stoff, alle Würze des Orients, unglaublicher Abgang - 100/100. 2002 habe ich dann La Mouline und La Turque im Vergleich trinken dürfen. Beide riesengroß, La Mouline der finessigere, La Turque der kräftigere, beide sicher 99/100. Zuletzt war La Turque 2011 in seiner offenen, exotische Art ein perfekter Zwilling des 89ers – 99/100. La Mouline war 2011 ein gewaltiges, immer noch sehr jugendliches Konzentrat – 99+/100. 2016 dicht, kräftig, würzig und mit erster Reife – WT98. Zu den modernen Weinlegenden gehört Hermitage la Chapelle von Jaboulet-Ainé. Wahrscheinlich ist der längst größtenteils ausgetrunken, bevor er seinen Höhepunkt erreicht. Ich habe deshalb meine eigenen Flaschen noch nicht angerührt und gedenke das erst im nächsten Jahrzehnt zu tun. Meine erste Begegnung mit diesem Wein hatte ich 1995 auf einer großen Hermitage la Chapelle Probe, unglaublich dichte Farbe, fällt aus der Rolle, üppige, süßliche Nase, am Gaumen astringierend, massive Tannine, wird mit der Zeit etwas weicher – 95/100. Bis 2000 folgten etliche Flaschen, auch Halbe, die sich immer zwischen 93 und 95/100 bewegten. 2001 auf der 90er Probe im Eden Parc ließ ich mich zu 97+/100 hinreißen. Nach weiteren, wieder recht verschlossenen Flaschen, notierte ich Anfang 2007 auf einer Probe: so langsam öffnet er sich. Lakritz ohne Ende, Komplexität, Dichte, hoher aromatischer Druck am Gaumen, unglaubliche Länge, für dieses endlich überzeugende Geschoss sind in dieser Form durchaus schon 99/100 drin. Zur absoluten Topform dürfte er aber noch 10 Jahre brauchen. Das zeigte sich dann im Sommer 2007 auch wieder in Boston im Troquet, das gewohnte, superdichte, lakritzige Kraftbündel, noch sehr jung und gut 10 Jahre von der besten Zeit entfernt - 96+/100. 2008 war er so reif, dass mir um meine eigenen Bestände Angst und Bange wurde. Nur die sehr dichte, schwarzrote Farbe schien noch kein Alter anzudeuten. Offen, explosiv, alles zeigend die lakritzige, sehr süße Nase mit pflaumiger Frucht, Hollunder und Schokolade. Am Gaumen sehr druckvoll und aromatisch, dabei schon erstaunlich rund und voll da – 99/100. Eine seltsame, dick und reif wirkende Flasche 2010 auf der 90*90 – 95/100. Präsentierte sich 2011 auf der Braui meets Schorn II in Farbe und Aromatik als extrem junger, extrem konzentrierter und extrem dichter Wein, ein irres Teil, das mit fantastischer Frucht richtiggehend am Gaumen knallte und ewig haften blieb, und bei dem man das kaum vorstellbare Gefühl hat, dass da noch mehr kommt, deshalb hier vorsichtige 99+/100. Als kompletter, großer, aber immer noch sehr junger Wein der Star von Uwe Bendes Hermitage-Probe 2013 in Bochum – 100/100. 2013 aus der 1tel und aus der Magnum jeweils ein irres, junges konzentriertes Mörderteil, schlichtweg atemberaubend – WT100. 2015 mehrfach aus der 1tel perfekt (konstant WT100), aus der Magnum ein so extrem junger, extrem konzentrierter und extrem dichter Wein – WT99+. Perfektion mit explosiver Aromatik auch 2016 wieder sowohl aus der 1tel als auch aus der Magnum – WT100. Ein Hermitage von Ozier war 2006 ein großer, reifer Wein mit überzeugender Komplexität, mit feiner Süße und fantastischer Länge am Gaumen - 96/100.

Ähnlich dem roten scheint auch der Hermitage Blanc von Chave noch viel Zeit zu benötigen, ein sehr eigenständiger Wein mit viel Potential, zuletzt 2008 91+/100. Der Hermitage Blanc von Guigal war 1992 bei aller Kraft schon extrem zugänglich mit einer wunderbaren Nase voller Sommerblumen – 91/100.

Ein Langstreckenläufer ist Beaucastel. In seiner Fruchtphase bis Mitte der Neunziger habe ich diesen Wein mehrfach mit 94/100 bewertet. Danach verschloss er sich rasch. Nur einmal, 2007 in der Braui, war er seitdem offen und weit mit burgundischer Pracht und Fülle an diesem Abend, ein großer Wein mit viel Kraft und Struktur, sehr lang am Gaumen, der jetzt die volle Trinkreife erreicht zu haben schien - 94/100. Eigene Flaschen schienen im letzten Jahr noch einige Jahre zu brauchen. In jedem Fall ein großer Wein mit Langstreckenpotential. 2010 auf der 90*90 deutlich offener, sehr würzig, kräuterig mit burgundischer Pracht und Fülle, kleidete den kompletten Gaumen aus. Ein Traum-Beaucastel, der jetzt sein optimales Trink-Plateau erreicht, auf dem er sicher 10+ Jahre bleiben wird – 96/100. Kurz danach bei Jörg Müller noch eine ebenfalls offene Magnum – 94/100. 2012 im direkten Vergleich zu 89 opulenter, süßer, fruchtiger, aber auch hier dürften die tolle Struktur und die gute Säure noch für ein längeres Leben sorgen – 95/100. Mehrfach 2013 und 2014 auf diesem Niveau. Eine fantastische Magnum 2013 bei Jörg Müller und eine 1tel im Wine Live – WT96. Und noch eine würzige, schmelzige, immer noch junge Magnum 2015 bei Jörg Müller – WT95. Völlig zugenagelt war 2005 auch noch die Edel-Cuvée Beaucastel Hommage à Jacques Perrin. Immerhin kenne ich diesen Wein noch aus der Fruchtphase als großen Stoff, so z.B. 1997 in Paris bei Alain Ducasse mit 97/100 bewertet. Zeigte 2012 endlich, was er drauf hat. Ein gewaltiges Pfauenrad an Aromen, (ge)würzig, Lakritz, pfeffrig, kaum fassbare Geschmacksdichte und Länge, dabei so absolut stimmig und harmonisch – 100/100. Auch 2013 bei Jörg Müller wieder mit Traumnase, sehr würzig, komplex, unendlich lang und mit burgundischer Fülle – WT100. Brauchte 2016 viel Luft und wirkte noch blutjung – WT99+. Zu den Legenden aus Chateauneuf-du-Pape gehört auch die Reserve des Célestins von Bonneau. 2001 war das Chateauneuf in Perfektion mit erstem Schmelz und unglaublicher Würze, noch ganz am Anfang – 98+/100. Und ein weiterer Traumwein, von Brunel der Les Cailloux Chateauneuf-du-Pape Cuvée Centenaire, zuletzt 2007 würzig wie ein La Mouline, schokoladig wie ein Top-Pomerol und er hatte die Struktur und Länge eines großen Medoc. Ein unglaublicher, absolut perfekter Stoff, der immer neue Facetten zeigte - 100/100. Ein gewaltiges Teil mit viel Kraft und intensiver Fruchtsüße auch der sich langsam öffnende Barbe Rac von Chapoutier, 2003 zweimal getrunken und mit 97/100 bewertet. Der Ermitage le Pavillon von Chapoutier hatte 2013 bei Jörg Müller eine lakritzig-würzige Nase, massig Eukalyptus, eine unglaubliche Kraft und Länge, legte kontinuierlich im Glas zu und landete bei deutlichen WT100. Legendär! Ein sehr überzeugendes, kräftiges Muskelpaket mit kräuteriger Würze war 2001 Clos du Mont Olivet – 95/100. 2012 eine perfekte, noch so junge 1tel (WT98), 2013 eine absolut perfekte Magnum Clos des Papes, mit der ich nicht nur einen Nachschlag süße Erdbeere ins Glas bekam, sondern auch einen großen Wein mit enormer Kraft und Fülle, sehr würzig, mineralisch und rassig, dabei immer noch sehr jung – WT99. Auch 2016 aus der Magnum wieder auf diesem Niveau – WT99. Traumhaft balanciert mit endlosem Abgang 2003 Domaine Pegau Reserve – 95/100. 2012 brauchte der trotz aller Reife viel Luft, baute enorm aus und explodierte dann förmlich im Glas, süße, likörige, dunkle Früchte, Rumtopf, intensive pfeffrige Würze, ein blutiges Steak, jede Menge Kräuter, erdige Mineralität, einfach spannend, komplex und sehr lang am Gaumen dieser Chateauneuf, der auf diesem Niveau sicher noch ein Jahrzehnt bleiben wird – 96/100. 2013 war der Domaine du Pégau Cuvée Laurence, in einem perfekten Trinkstadium, nicht nuttig oder aufdringlich, auch nicht übermäßig süß, einfach absolut stimmig und perfekt balanciert, aber mit enormer Kraft und Länge – 96/100. Auch 2015 aus der Magnum noch so jung mit geradezu puristischer Frucht, Schwarzkirsche, Kirschkerne, Schwarze Johannisbeere, viel Lavendel, erdige Mineralität, gutes Tannin- und Säuregerüst. Trotz der Chateauneuf-typischen Kraft und des Alkohols erstaunliche Finesse. Was für ein Wein! Da ist noch Potential ohne Ende - WT96+. Chateau Rayas war 2001 reif, weit, wunderbare Süße - 98/100. 2002 im Adler in Rosenberg wirkte er deutlich jünger, alkoholischer, dichter, ließ aber weniger raus - 95/100. In einer Probe 2005 hatte er eine helle Farbe, reife Erdbeere, sehr elegant und unendlich lang, ein intellektueller Wein mit präziser Struktur, der immer neue Facetten zeigte - 97/100. 2007 bei Schorn war das ein Bilderbuch-Rayas, wie ich ihn in dieser Qualität selten hatte. Konzentrierte Erdbeernase, am Gaumen unglaublich dicht, jugendlich-explosiv und mit lakritziger Länge, ein multidimensionaler Hammerwein, der sich ständig im Glas wandelte. Richtiggehend kauen konnte man auf diesem Superstoff, der seinen hohen Alkohol durch die faszinierende Aromatik geschickt zu verbergen wusste - 98/100. Unglaublich, was sich da 2010 aus einer perfekten Magnum in der Nase und vor allem am Gaumen abspielte. Jede bloße Aufzählung von Aromen würden diesem explosiven, konzentrierten, druckvollen Wein nicht gerecht werden. Das war mit das beste, was ich in den letzten Jahren am Gaumen hatte. Die 100/100 standen für diese Flasche außer Zweifel. Und auf der 90*90 2010 verschwenderische, süße Nase mit reifer Erdbeere und viel Kräutern, Trüffel, auch etwas rosinig, am Gaumen ausladend, einfach sexy, sehr süß, aber auch ungemein komplex und vielschichtig, dabei sehr lang – 98/100. 2013 aus der der 1tel und aus der Magnum war so süß, so sexy, als wollte er sich in Pomerol bewerben. Manchem am Tisch war das schon zu viel des Guten an wiederum dekadenter Fülle, ich fand es mit dieser explosiven, vielschichtigen Aromatik schlichtweg atemberaubend, und diese geile Erdbeernase erinnerte an die allersüßesten Früchte des letzten Sommers – WT100. Vieux Telegraph war 2012 sicher nicht der komplexesten aller Weine, aber einen einfach geiler, hedonistischer Sauf-Chateauneuf zum beidhändig trinken – 96/100.

Nicht anfreunden konnte ich mich 2005 mit einem sehr gewöhnungsbedürftigen, rustikalen Beaucastel Blanc. Auch eine Beaucastel Blanc Cuvée Jacques Perrin Vielles Vignes hatte 2002 eine kräftiges, schön fast ins Güldene gehende Goldgelb, diffuse Nase mit Anklängen von Möbelpolitur, am Gaumen Dörrobst, habe meine Zweifel, dass der größer wird - 87/100.

Sehr guter Jahrgang auch an der Loire, sowohl für trockene, als auch für edelsüße Weine.

Nur einmal, 1994 auf einer Romanée Conti Präsentation, habe ich den Clos de la Bergerie Roche-aux-Moines getrunken, die kleinere Ausgabe des Coulée de Serrant, war ganz ok, aber mehr nicht – 84/100. Deutlich nachhaltiger, aber auch geschmeidiger auf dieser Veranstaltung Coulée de Serrant – 90/100. Zeigte sich 2010 mit spannender Supernase, mineralisch, aber auch mit reichlich Zitrusfrüchten, viel Ecken und Kanten, am Gaumen erstaunlich weich, füllig und geschmeidig – 90/100. Zweimal habe ich 1997 den Silex von Dageneau getrunken, elegante, feine Frucht, am Gaumen kräftig, finessig, sehr lang – 92/100. Ausgewogen und sicher sehr langlebig 1997 ein Quarts de Chaume, der Chateau de l´Echarderie – 87/100.

Und dann ist da noch der Südwesten Frankreichs mit dem Madiran. Mit Montus Cuvée Prestige hatte ich in den 90ern so meine Probleme. Bei der FUB Gala 1995 war das ein gewaltiger Powerwein mit reichlich Potential, von dem ich spontan eine Kiste gekauft habe. Doch war da wohl mehr Geduld erforderlich, als ich dachte. Meine letzte Flasche datiert aus 99, als dieser rustikale, eckige Stoff mit seinen immer noch bissigen Tanninen keinerlei Trinkspaß brachte. Rustikal, wild, animalisch, bissig und kräftig 2010 auf der 90*90 ein Bouscassé Vieilles Vignes aus Madiran, wirkt leicht austrocknend und irgendwie noch unfertig am Gaumen, weglegen und auf ein Wunder hoffen – 89/100.

Recht angetan war ich 1997 und 2000 bei Hardy auf Sylt von einem zwar etwas rustikalen, kräftigen, aber sehr aromatischen Chateau Gléon Montanié Cuvée Gaston Bonnes aus Corbières – 89/100. Mas de Daumas war 1998 für mich der bis dato beste dieses Gutes, dichte Farbe, intensive, schwarze Früchte, aber auch Trüffel, kräftig, sehr lang – 92/100. Habe ich auf Domaine de Trevallon zu lange gewartet? Mehrfach in den ersten Jahren dieses Jahrtausend getrunken. Ein sich nur sehr zögerlich öffnender Kirschturbo, jedes Jahr ein Punkt mehr und schließlich 94/100 in 2005. 2005 dann sehr komplexer, faszinierender Wein, intensive Kirschfrucht, Leder, schwarze Oliven, Kräuter, sehr lang am Gaumen und noch mit viel Zukunft -94/100. Dachte ich zumindest, doch 2008 deutlich weiter und reifer, mehr Olive als Kirsche, auch leicht irritierende Reifetöne – 91/100. 2010 auf der 90*90 Süße, reife Kirschfrucht, schwarze Oliven, Kräuter, Leder, Schwarzer Pfeffer, am Gaumen balanciert und immer noch durch die gute Säure recht frisch wirkend – 93/100. 2012 wieder taufrisch mit sehr präziser Frucht, groß 94/100. Noch so unglaublich frisch 2016, so elegant und filigran, mit pfeffriger Würze, lakritzig, sehr nachhaltig. Eine hypothetische Mischung aus Grange und einem großen Pinot mit Zukunft ohne Ende – WT95+.

Großer Jahrgang im Elsaß.

Der Riesling Cuvée St. Martin von Josmeyer war 1999 ein reif und ziemlich fett mit deutlicher Petrolnote, aber ansprechend – 90/100. Sehr ansprechend mehrfach in den 80ern bei Hardy auf Sylt der Schloßberg Riesling Grand Cru von der Cave Vinicole, konstant bei 87-88/100. Wunderbar 1997 im Hummerstübchen bei einem Trimbach-Dinner ein Gewürztaminer Cuvée Seigneurs de Ribeaupierre, deutliche Restsüße, aber auch viel Finesse, paßte perfekt zum Käsegang – 90/100. Der gleiche Wein als Vendange Tardive gefiel mir mit seiner höheren Restsüße, aber weniger Extrakt gleich anschließend getrunken nicht so gut – 88/100. Sehr angetan war ich in den ersten Jahren dieses Jahrtausend häufig vom Clos St. Hune, den ich meist im Schiffchen bei Jean Claude Bourgueil auf 92-93/100 Niveau getrunken habe. 2005 in einer großen Probe dann eine merkwürdig ältere Flasche mit reifer, goldener Farbe und Petrol ohne Ende – 88/100. Aber das muss bei Clos St. Hune nichts heißen. Der geht wie ein großer Roter Bordeaux schon mal durch verschlossenere Phasen und altert eigentlich sehr gut. Das gilt auch für die Weine von Zind Humbrecht, die man deshalb nicht zu jung trinken sollte. So war der Riesling Brand im Frühjahr 1995 auf einer Probe ziemlich diffus, breit und nichtssagend. Im Herbst desselben Jahres blitzte er auf und präsentierte sich als Ausnahme-Riesling mit explosivem, fruchtigen Bouquet, viel Extrakt und beachtlicher Länge – 93/100. 2016 war der immer noch spürbar restsüß mit reifer Aprikose, aber so balanciert, elegant und stimmig mit gewaltigerLänge – WT95.

Unter den trockenen, deutschen Weißweinen, von denen ich insbesondere in der ersten Hälfte der Neunziger zahllose getrunken habe, dürfte, von wenigen Ausnahmen abgesehen jetzt nicht mehr viel trinkbares dabei sein. Deutlich besser sieht es auch in der Breite bei den edelsüßen deutschen Weinen aus, wenig Boytritis zwar, aber reife Frucht, hoher Zuckergehalt und viel Säure.

Überraschend 2009 bei Fehrenbach ein noch erstaunlich frischer Gewürztraminer von Johner mit exotischer Frucht und immer noch knackiger Säure– 91/100. Der Weissburgunder A vom Weingut Franz Keller, Fritz Kellers Erstlingswerk war 2014 immer noch voll da mit reifem Schmelz und schöner Edelfirne in der Nase, am Gaumen mit sehr guter Säurestruktur und burgundischer Fülle. Wir haben diesen Wein über Stunden immer wieder probiert, er baute nicht ab – WT94.

Eine Marienburg Auslese trocken von Clemens Busch war 2013 bei Hottie im Coast auf Sylt ein Riese, an dem wir nicht vorbei kamen. Und dieser Riese aus der 0,5 l Flasche braucht Zeit, Luft, eine Karaffe und große Gläser. Tiefes Goldgelb, ölig wirkende Konsistenz, baut unglaublich aus und wird immer fruchtiger mit reifen Zitrusfrüchten, immer heller(!), kräuteriger mit Anis und explosiver in der Aromatik. Unglaublich, was für ein gewaltiger Extrakt und was für ein aromatischer Druck da mit geradezu schmächtigen 11,5% Alkohol ins Glas kommen – 95/100. Erstaunlich 2013 die immer noch so jung wirkende, schlanke, rassige Eitelsbacher Karthäuserhofberg Riesling Auslese trocken. Die frische Stachelbeernase eines Sauvignon Blanc, intensive Schiefermineralität, absolut stimmig und finessig, ein großer Wein, der immer noch gut als Pirat in eine Probe moderner, Großer Gewächse passen würde – WT94. Eine Eitelsbacher Karthäuserhof Auslese von Tyrell hatte 2010 auf Sylt eine feine Petrol-Schiefernase, am Gaumen kräftig, eher halbtrocken mit unglaublicher Strahlkraft und Länge, jetzt in einem wunderbaren Trinkstadium – 92/100. Gut gelungen die Brauneberger Juffer Sonnenuhr von Fritz Haag, von denen ich insbesondere die Auslesen #6 und #7 häufig in der zweiten Hälfte der 90iger mit großem Vergnügen geleert habe. Zuletzt 2006 bei Steinheuer die #11 ein traumhaft balancierter Wein, immer noch frisch mit perfektem Süße-Säurespiel und einer Eleganz, wie sie nur Wilhelm Haag, der Altmeister der Leichtigkeit des Weines hinbekommt, dazu mit unmerklicher Kraft und hohem Extrakt, die spielend auch mit frecher gewürzten Vorspeisen mithalten - 94/100. Ähnlich 2007 bei Winkler in Aschau die #10. Die #6 war zuletzt 2009 traumhaft balanciert mit feinem Süße/Säurespiel, immer noch frisch wirkend - 90/100. Die Versteigerungs-Auslese Goldkapsel #16 wirkte 2015 in der ersten Anmutung und mit dem ersten Schluck reif und von deutlicher Boytritis geprägt, unterzog sich aber mit der Zeit einer derartigen Verjüngungskur, dass man nur noch staunen konnte. Das war sie wieder, die Leichtigkeit des Seins von Altmeister Wilhelm Haag, sehr spannend mit enormem Tiefgang - WT96. Große Auslesen müssen reifen. Das zeigte auch eine Trittenheimer Apotheke Auslese*** von Grans-Fassian. Schmeckte die noch 1994 ziemlich erbärmlich nach Spargel(83/100), so war das 2000 ein grandioser, sehr mineralischer Wein mit herrlicher Frucht und Fülle – 95/100. 2010 feine Schiefer-Honig-Kräuternase, sehr süß, wenig Säure, fast etwas dick, jetzt nicht in der besten Phase – 91/100. Hat mir vor 10 Jahren mit jugendlicher Frische deutlich besser gefallen und wird es wahrscheinlich auch in 10 Jahren wieder tun. Eine Ayeler Kupp Auslese halbtrocken von Hausen-Mobillon war 2010 im Villino ein wunderbarer Hollunder-Cocktail, zeitlos schön ohne Alter mit guter Säure, die Restsüße nicht mehr wahrnehmbar – 89/100. Immer noch sehr frisch war 2006 die Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese Magnum Kollektion Kerpen mit der wunderbaren, typischen Eleganz der Wehlener Sonnenuhr, feine Frucht, kaum Süße, nur ganz dezente, erste Reife und schöne Länge am Gaumen - 91/100. Nicht mehr allzu süß war 2011 die Bernkasteler Doctor Auslese von Kesselstatt mehr, aber so wundervoll harmonisch und ausgewogen mit einer feinen Campari-Bitternote – 93/100. Eine Scharzhofberger Auslese von Kesselstatt entwickelte sich 2009 sehr gut im Glas mit immer noch frischer Frucht, dezenter Süße und guter Säure – 92/100. Eine Zeltinger Sonnenuhr Auslese*** von Molitor, damals mit 130° geerntet und mit 10,5% entsprechend der seinerzeit bei etlichen Winzern modischen Stilrichtung für einen deutschen Süßwein erstaunlich alkoholreich ausgebaut, war 2006 eine sehr stoffige, kräftige Auslese, eher weniger Süße, dafür Kraft ohne Ende, kein Solo- sondern ein Essenswein - 93/100. Als Beerenauslese war dieser Wein 2006 ein forderndes Hammerteil, unglaublich jung, Säure ohne Ende, zeigte nur ansatzweise ihr großes Potential, leichte Bitternote, so dicht und konzentriert, brannte Löcher in die Zunge, 20-30 Jahre weglegen - 97+/100. Immer noch sehr jung 2010 mit deutlichem Hefeton in der Nase die Zeltinger Sonnenuhr Auslese*, sehr extraktreich, trotz hoher Säure durch die deutliche Boytritis mit cremiger Textur, ein Weinbaby mit besten Anlagen, das sich im Glas zwar gut entwickelte, aber noch ewig braucht – 90+/100. Eine Scharzhofberger Spätlese von Egon Müller zeigte 1997 mehrfach eine feine Frucht, war geschliffen, schöne Säure, ein perfekter Essensbegleiter - 90/100. Zu früh getrunken habe ich 1998 und 99 meine drei Flaschen Graacher Himmelreich Auslese von JJ Prüm, die hatten damals eindeutig noch zu viel Babyspeck und wirkten etwas dick – 87/100. Besser 1999 die Wehlener Sonnenuhr vom gleichen Erzeuger, die aber auch noch ganz am Anfang stand – 92/100. 2009 eine extraktreiche, große Auslese mit frischer Frucht, knackiger Säure, hoher Mineralität und immer noch jugendlicher Finesse. Ganz im Gegensatz zu uns, die wir inzwischen reichlich bettschwer waren, stand die erst ganz am Anfang einer langen Entwicklung. – 91+/100. Nur das brilliante, tiefe Goldgelb zeigte 2010, dass dieser Wein schon ein paar Jahre auf dem Buckel hatte. In der Nase und am Gaumen war er noch so jung. Etwas Bienenwachs und Honig, aber auch frische Frucht in der Nase, am Gaumen jugendlich spritzige Säure, hohe Mineralität und die spielerische Leichtigkeit eines großen Prüm, jetzt schon unwiderstehlich gut, aber da kommt mit den Jahrzehnten(!) noch mehr – 93+/100. Auch 2015 noch so jung mit schöner Süße und eher verhalener Säure – WT93+. Die Wehlener Sonnenuhr Riesling Auslese Goldkapsel Versteigerungswein war 2006 in der großen JJ Prüm Probe eine klassische, große Auslese ohne Boytritis, füllig und kräftig, aber durch das großartige Süße-/Säurespiel sehr fein, elegant und finessig wirkend. Noch sehr jung und etwas ungestüm - 93/100 mit Potential für 2 mehr. Die Zeltinger Sonnenuhr Spätlese trocken von JJ Prüm war 2016 schon reichlich gezehrt, mehr Bohnerwachs als Bienenwachs – WT80. Die Scharzhofberger Auslese von Hubert Schmitz wirkte 2016 spielerisch, elegant mit feinem Schmelz und schöner Schiefer-Mineralität - WT94.

Voll intakt 2013 noch der Dorsheimer Goldloch Riesling QbA trocken vom Schlossgut Diel, geschmacklich aber eher ein harmloser Säuerling – WT81. Edelfirne hatte 2012 die Hermannshöhle Spätlese trocken von Dönnhoff in der Nase, Petrol und reife Zitrusfrucht, sehr kräftige Säure am Gaumen, ging schon fast Richtung Zitronensaft, hatte Struktur und Charakter – 90/100. Großartig war 1997 der Oberhäuser Brücke Eiswein von Dönnhoff, hoher Extrakt, kräftige Säure, wenig Boytritis, sehr elegant – 95/100. Noch frisch, sehr balanciert und gut trinkbar, aber ohne wirkliche Höhepunkte 2013 die Niedertraiser Steinberg Riesling Spätlese trocken vom Staatsweingut Niederhausen Schloßböckelheim – WT87. Vom gleichen Erzeuger 2013 die Traiser Bastei Riesling Spätlese trocken war nicht nur trocken, sondern furztrocken und dazu sehr säurelastig, nur was für Gaumen-Masochisten – WT80.

Schon sehr reif wirkte 1994 eine Hochheimer Kirchenstück Auslese von Aschrottsche Erben – 90/100. Sensationell 2011 in der Braui eine Wallufer Walkenberg Spätlese trocken von J.B. Becker, tiefe, schon ins güldene gehende Farbe, kam erst etwas ältlich und sherryartig ins Glas, um nach dem Dekantieren(!) förmlich zu explodieren. Extrem mineralisch, reife Zitrusaromen, Orangenzesten, geröstete Nüsse, kräftig, zupackend und lang am Gaumen, aber auch mit cremiger Textur, baute immer mehr aus und lebt sicher noch länger – 94/100. Die Wallufer Walkenberg Riesling Auslese trocken von J.B. Becker hatte 2013 eine tiefe, schon leicht güldene, aber immer noch brilliante und klare Farbe. In der sehr vielschichtigen Nase Trockenfrüchte und eine generöse, karamellige Süße, am Gaumen eine geradezu monumentale Struktur mit guter Säure und gewaltiger Länge, aber auch feiner Schmelz, dabei immer noch so frisch, ein absolut stimmiger Wein, der mit Luft und Zeit enorm zulegt – WT95. Eine Wallufer Walkenberg Spätburgunder Weißherbst Auslese trocken von J.B. Becker erinnerte 2014 nur noch entfernt an alte Zeiten – WT80. Ähnlich ein Jahr später bei Uwe Bende. Eine Hochheimer Hölle Riesling Spätlese trocken von Künstler war 2005 bei Schorn aus der Magnum ein unglaublich frischer, stoffiger Wein mit einer kräftigen, aber reifen Zitronensäure, die lange am Gaumen bleibt. In der nasse leicht nussig, Zitrustöne, intensive Mineralik, konnte mit dieser frischen und knackigen Frucht und Säure auch aus 2002 stammen, wirkt durch den hohen Extrakt leicht restsüß und war eigentlich noch zu jung.- 92/100. 2009 war das ein hocheleganter, mineralischer Traum, ein Wein, bei dem einfach alles stimmt, reife, unendliche Fülle, immense Länge, kraftvoll und elegant zugleich, totale Harmonie und bei aller Reife immer noch jung wirkend – 96/100. Die reife Erbacher Marcobrunn Riesling Auslese trocken von Langwerth von Simmern überzeugte 2013 mit guter Frucht, Mineralität, Fülle und Kraft – WT92. Eine Erbacher Schlossberg Auslese von Schloss Reinhartshausen startete 2009 mit wunderbarer, jugendlicher , süßer Fülle und immer noch guter Säure, aber es fehlte die Finesse. Mit der Zeit wurde dieser Wein immer breiter und langweiliger – 89/100. Was 2013 bei der Rauenthaler Baiken Riesling Spätlese trocken vom Staatsweingut Eltville die fruchtige Nase verspricht, kann der langweilige, trockene, sehr säurebetonte Gaumen nicht halten – WT 80.

Mit der Nackenheimer Rothenberg Riesling Spätlese trocken von Gunderloch kam 2013 ein richtig guter, immer noch sehr vitaler Stoff ins Glas mit brillianter, junger Farbe, mit wunderbarer, von frischer Ananas geprägter Frucht, mit hoher Mineralität, Länge und überzeugender Struktur – WT91. Ein großer, kompletter, immer noch so junger Wein war 2013 die Niersteiner Brudersberg Riesling Spätlese trocken von Heyl zu Herrnsheim. Kraft, Fülle, Frucht, feine Süße, Mineralität und schöne Länge, da passte alles zusammen – WT93. Schon sehr weit 2013 dagegen die Niersteiner Ölberg Riesling Spätlese trocken von Heyl zu Herrnsheim mit schöner Nase, aber einem doch etwas gezehrten Gaumen – WT88. Ein kräftiges Bonbonrosa hatte 1995 die Spätburgunder und Rotling TBA von Klaus Keller, wie Himbeersirup mit Wasser, auch am Gaumen bonbonhaft ohne allzu viel Süße – 87/100. Deutlich besser der vom gleichen Erzeuger cleverer Weise am Tag der Wiedervereinigung gelesene Dalsheimer Steig Huxelrebe TBA Vereinigungswein. 2012 kupfergolden die Farbe, Orangenzesten, perfektes Süße-/Säurespiel, perfekte Riesling-Anmutung, so fein, so stimmig, fast tänzelnd, bleibt sehr lang am Gaumen, ohne klebrig zu wirken. Das war großes Süßweinkino - 97/100. Die Niersteiner Hipping Riesling Spätlese trocken von Georg Albrecht Schneider war 2013 gut trinkbar mit Frucht, Fülle, guter Mineralität und feiner Süße – WT86. Sehr reif, nicht nur in der Farbe, 2013 die Westhofener Morstein Riesling Spätlese trocken von Wittmann, die zwar eine schöne Fülle zeigte, aber auch schon deutlich oxidative Noten – WT84.

Eine herbe Schönheit war 2015 die Jesuitengarten Spätlese von Bassermann-Jordan mit reifer Aprikose, eher halbtrocken mit Bitternote im Abgang – WT90. Ein Forster Stift Riesling Kabinett trocken vom Kath. Pfarrweingut Lucashof zeigte 2013 frische Frucht mit einem Hauch Petrol in der Nase und am Gaumen, ein voll intakter, vitaler und immer noch jugendlicher Wein mit hohem Genussfaktor – WT88. In guter Erinnerung geblieben ist mir auch eine Haardter Herrenletten Riesling Spätlese von Müller-Catoir, ein kräftiger, üppiger Wein mit satter Frucht, unaufdringlicher Süße und guter Säure, von dem ich mit ziemlich konstant 92/100 zwischen 1994 und 2001 sechs Flaschen vernichtet habe. Könnte durchaus noch interessant sein. Ein Haardter Herzog Riesling Eiswein. Ein gewaltiges, superdichtes Konzentrat mit irrer Säure und intensiver, würziger Süße, gemacht für die Ewigkeit – 97/100. Eine Kallstädter Saumagen Auslese trocken "R" von Bernd Philippi ging 2005 eher als 3-4 Jahre alter Wein durch. Trotz der seinerzeit 6.5g Restzucker wirkte er am Gaumen furztrocken mit einem Wahnsinns-Extrakt und irrer Säure. Lediglich in der Nase zeigte sich eine dezente Extraktsüße. Wie alle Philippi-Weine gemacht für ein sehr langes Leben - 93/100. Furztrocken und kräftig 2012, ein sehr mineralischer Wein mit Kalk ohne Ende und gewaltiger Länge – 93/100. Wirkte 2013 burgundisch im besten Sinne mit enorm kalkiger Mineralität, in der sinnlichen Nase florale Noten, am Gaumen trotz enormen aromatischen Drucks erstaunlich fein und elegant mit gewaltiger Länge – WT96. 2016 trotz aller Reife war die noch so frisch, so harmonisch ohne jedes Petrol und baute mit Temperatur einfach irre im Glas aus – WT99.

Nicht nur der größte Rotwein des Gutes, sondern sicher einer der besten, jemals in Deutschland erzeugten Rotweine ist der Spätburgunder Rotwein Tafelwein von Friedrich Becker. 1993 wurde mir dieser Wein bei Dieter Müller in Lehrbach von der talentierten Sommeliere blind als Glas untergeschoben, ich hätte ihn sonst sicher nicht bestellt. So machte ich mich anschließend nicht nur mit größter Begeisterung über den Rest der Flasche her, sondern orderte kurze Zeit danach den Restbestand des Gutes. Seitdem gut 40, stets euphorische Notizen und viele, erfolgreiche Einsätze dieses Weines als Pirat in hochkarätigen Burgunderproben. Konstant hohe Bewertung, 2007 wieder ein sensationeller Rotwein mit leicht ins exotische gehender Üppigkeit, irrer Komplexität und Länge, ohne jedes Alter. Hält mit großen Burgundern spielend Schritt. Da sind in einem Ausnahmejahrgang Glück und Können zusammengekommen und haben einen Wein ergeben, denn man blind nie nach Deutschland stecken würde - 96/100. 2008 wieder mal ein großes, junges, exotisches Teil, irrer Komplexität und Länge, ohne jedes Alter. Hält mit großen Burgundern spielend Schritt - 95/100. 2009 Ein Ausnahmewein, der sicher noch 10+ Jahre Spaß machen wird – 94/100. 2012 brilliante, tiefrote Farbe, so ein unglaubliches, tieffruchtiges Konzentrat an der Grenze zwischen Genie und Wahnsinn, so dicht, so komplex, so lang mit wunderbarer Extraktsüße, aber auch mit fantastischer Präzision, einfach irre – 98/100. Ganz ok 2010, aber mehr nicht ein wenig inspirierender Cabernet Sauvignon von Igler, viel Paprika, grüne Noten, schlank am Gaumen – 85/100. Gut gefiel mir Mitte der 90er der Spätburgunder SJ von Johner – 90/100. 2002 auf einer großen Probe schwächelte er aber bereits – 88/100 - und 2007 auf Sylt war er dann deutlich über Höhepunkt hinaus – 85/100. Das Zeitliche wohl weitgehend gesegnet hatte 2010 auf der 90*90 der Lammersberger Mandelgarten Spätburgunder Auslese trocken von Knipser. Nur die generöse, süße Nase konnte überzeugen, der Gaumen wurde von wenig freundlicher Säure dominiert – 78/100. Erstaunlich schön 2009 auf Sylt ein Ihringer Winklerberg Spätburgunder Auslese trocken von Stigler, der durchaus burgundische Konturen zeigte – 90/100.

Auch in Italien ein großer Jahrgang.

Vigna Larigi von Elio Altare war 2010 ein rustikaler Wein, der trotz Reife durch die hohe Säure immer noch vermeintliche Frische andeutet – 88/100. 2014 deutlich besser, ein eigenständiger, kerniger, immer noch frischer Wein mit guter Säure – WT91. Reif, sehr würzig und zugänglich 2015 der Barbaresco Bricco Asili von Ceretto – WT93. Der Barolo Bricco Rocche von Ceretto wirkte 2015 direkt nach dem Öffnen leicht oxidativ. Nach 2 Stunden in der Karaffe kam da erst frische Johannisbeere ins Glas, und dann ging die Post ab. Eukalyptus, Minze und teerige Mineralität mit feiner Süße in bester Heitz Martha's Vineyard Art - WT96. Kaputt war leider 2010 auf der 90*90 der Barolo Cerequio von Michele Chiarlo. Was da mit heller, rostbrauner Farbe im Glas schwamm, stank wie die Hölle und erinnerte allenfalls noch an Bratensoße. Nicht anfreunden konnte ich mich 1997 auf dem Weinforum in Arosa mit dem hochgelobten Barbaresco von Bruno Rocca – 84/100. Darmagi war 1996 trotz hellerer Farbe ein Riesenwein, Teer, Lakritz, dunkle Früchte, langer Abgang – 95/100. Der Barolo Sperss von Angelo Gaja aus der Doppelmagnum war 2010 auf der 90*90 eine kernige, immer noch junge Barolo-Persönlichkeit mit wunderbarer Frucht, Trüffeln, Lakritz und Teer in der faszinierenden Nase, perfekte Struktur am Gaumen mit feiner Süße, wahrscheinlich das erste Mal, dass ich einen Barolo als Charmeur bezeichnet habe – 96/100. Wirkte zuletzt 2011 aus der 1tel erstaunlich weichgespült und generös – 94/100. Der Barolo von Giacomo Conterno war 1997 ein sehr komplexer, kräftiger Wein mit dichter Farbe und immer noch massivem Tanningerüst. Dazu Lakritz ohne Ende, Veilchen und kräuterige Noten. Sicher ein Langstreckenläufer - 94/100. Völlig anders 2006 ein Barolo Falletto di Serralunga von Bruno Giacosa. Mit seiner hellen Farbe hätte er auch als Rioja aus den 30ern durchgehen können. Ein klassischer, großer Barolo alter Machart - 93/100. Der Barolo Monprivato von Mascarello war 2010 eine gewaltige Aromenbombe, die am Gaumen knallte, aber gleichzeitig soviel Harmonie, Eleganz und Finesse verströmte, so kraftvoll und trotzdem subtil mit sehr präziser, süßer, generöser Frucht. Was macht einen großen Wein aus? Harmonie, und dafür war das hier ein immer noch jugendliches Musterbeispiel – 98/100. Auch 2016 auf diesem Niveau ohne Alter. Absoluter Traumstoff war 2001 auf der großen 90er Verkostung der Barolo Cannubi-Boschis von Sandrone – 97/100. Der Pin von La Spinetta startete 2010 bissig mit hartem Resttannin, sehr kräftig und nachhaltig am Gaumen, baute aber enorm im Glas aus und entwickelte eine betörende Himbeerfrucht, gefiel mir ausnehmend gut, gehört aber sicher auch in den nächsten Jahren getrunken – 92/100.

Zweimal habe ich 2001 Guado al Tasso getrunken. Auf einer großen Probe im Eden Parc eher etwas verhalten – 92/100 – und kurz darauf auf dem Weltweingipfel in Arosa grandios und sogar dem Solaia überlegen – 95/100. 2010 sicher etwas über den Zenit, aber immer noch mit schöner Fülle am Gaumen, legt enorm im Glas zu und wird süßer – 92/100. Sehr kräftig mit guter Tanninstruktur 1996 im Meerkabarett auf Sylt ein Brunello von Argiano – 90/100. Nichts mehr los 2010 auf der 90*90 mit dem Cortona Desiderio von Avignonesi, pilzig, sehr medizinal, mehr Penicillin als Wein – 70/100. Anstrengend, gezehrt, sehr bitter im kurzen Abgang 2010 der Canetto d´Angelo von Basilicata – 78/100. Mehrfach habe ich in den Neunzigern den sehr variablen Ca del Bosco getrunken, grottenschlechte, oxidative Flaschen ebenso wie 91/100 Perlen. Dürfte inzwischen ohnehin zu alt sein. Nur einmal, 1997, habe ich bisher Capannelle getrunken. Damals fand ich ihn ganz nett, fruchtig, aber nicht aufregend – 88/100. Schlichtweg atemberaubend und perfekt 2016 der Case Basse Brunello di Montalcino Riserva von Soldera, so ein unglaublich druckvoller, stimmiger Wein, sehr komplex mit ewiger Länge und einem Pfauenrad an Aromen, ätherisch mit Minze und Eukalyptus(!), Kirschfrucht, Lakritz, Veilchen. Ein unglaublicher, noch geradezu jugendlicher Wein – WT100. Als Überflieger und Sensation galt in den 90ern Castel Schwanburg. Von sechs damals euphorisch erworbenen Flaschen habe ich nur eine, 2001 mit 92/100 wirklich groß erlebt. Die davor wirkten durch die Tannine recht bissig, die danach schon auf dem Abstieg. Auch 2010 gab mir eine Magnum Rätsel auf. Zuletzt 2015 aus der Magnum ein perfekt gereifter, sehr feiner Cabernet ohne Alterstöne vom Typ Bordeaux mit burgundischer Eleganz - WT91. Die massiven Tannine irritierten mich auch immer bei l´Apparita. 2001 in einer großen 90er Probe dichte Farbe, Eukalyptus, massives, zugenageltes Teil mit kräftiger Säure, das noch lange braucht - 91/100. 2010 auf der 90*90 war ganz großes Kino und in der Klasse der besten Massetos, endlich Reife zeigend, Traumnase mit Minze, Eukalyptus, Schokolade und pflaumiger Frucht, am Gaumen explosiv und sehr lang, in guten Flaschen sicher noch mit 10+ Jahren Zukunft – 97/100. Eher Ratlosigkeit 2011, der war dicht, kräftig, muskulös, aber wo ist die exotisch-explosive Aromatik geblieben, wo die Freude? – 92/100. War wohl nur eine schlechte Flasche, denn Ende 2011 war das wieder jugendliches Mörderteil mit Wahnsinnsfarbe, irrer, leicht exotisch wirkender Nase mit Minze, Eukalyptus, Schokolade und süßer Frucht, knallte richtig am Gaumen – 97/100. Gegen diesen großen Wein waren alle anderen Castello di Amas eigentlich nur Weinchen. Sehr reif mit deutlichen oxidativen Noten der Vigneto San Lorenzo – 81/100. Sehr hell die Farbe des Vigneto Il Chiuso, lakritzig die Nase, sehr dünn der Gaumen – 79/100. Recht gut trank sich der 1990 Vigneto Bellavista, der aber auch etwas hart und monolithisch wirkte – 84/100. Der Vignato Bertigna war korkig. Der Vigneto Cassucia immer noch gut trinkbar, aber auch metallisch, hart und eindimensional – 83/100. Sicher alles Weine, mit denen man sich vor Jahren gut die Wartezeit auf die Reife des l´Apparita hätte verkürzen können. Reif war 2010 die Farbe des Torgiano Rosso Vigna Monticchio Rieserva von Lungarotti, in der Nase Unterholz, Waldpilze, am Gaumen rustikal, erdig mit viel Säure. Ein Wein, der viel Luft brauchte, dabei dann weicher und gefälliger wurde – 85/100. Weich, schmelzig, schokoladig war Masseto 2010, aber nicht mit der Dichte und Dramatik jüngerer Massetos, für den Namen und das viele Geld eher enttäuschend – 93/100. Bis 2006 habe ich Ornellaia ein gutes Dutzend Mal mit 95/100 im Glas gehabt, doch die letzte, obwohl perfekt gelagerte Flasche 2007 führte dann zu Sorgenfalten. Das war unnötig, denn 2010 war der immer noch kraftvoll, fruchtig und noch voll da. Der macht es mit seiner dekadent leckeren Frucht, der guten, balancierenden Säure und der eigentlich für jüngere Ornellaias typischen Opulenz sicher noch lange Jahre – 94/100. 2012 Immer noch so jung, schmezig-schokoladig, elegant – 94/100. Eine recht überzeugende Vorstellung lieferte 2001 ein Brunello di Montalcino von Sirio Pacenti ab, der durch die massive Säurestruktur aber noch etwas verschlossen wirkte – 93/100. Den hochgelobten Percarlo fand ich 1999 nur dick, konzentriert und alkoholisch, aber ohne Charme – 87/100. Pergole Torte von Montevertine war 2010 aus der Doppelmagnum sehr kräftig, komplex, immer noch mit guter Frucht, sehr kräuterig, etwas Schoko, aber eben auch mit deutlicher, etwas harscher Säure, ein edel-rustikaler Wein für Fans dieser Stilrichtung – 92/100. Seit 1995 war mir der damals bereits sehr zugängliche, weiche, samtige Sammarco(92/100) nicht mehr untergekommen. Mit den deutlichen Brauntönen in der Farbe und den Reifetönen in der Nase und am Gaumen passte er 2010 erst nicht so recht in einen schönen Toskana-Flight. Doch der Sammarco baute enorm im Glas aus, entwickelte eine malzige, korinthige Süße und eine erstaunliche Kraft am Gaumen – 91/100. Eher enttäuscht war ich eigentlich bei zahllosen Gelegenheiten von Sassicaia. Das fing schon 1993 auf Willi Krählings großer Sassicaia-Probe an – 90/100, war nicht viel anders bei der Sassicaia-Probe der Ungers 1996, wo 90 der mit Abstand schwächste des 85/88/90 Flights war, sowohl in der Farbe als auch am Gaumen – 88/100, und wird mit Sicherheit nicht mehr besser. 2008 wieder nicht sehr spannend - 88/100. Aber Warten lohnt bei Sassicaia. 2010 auf der 90*90 aus der Magnum war noch so jung noch die Farbe, so würzig und pikant die kirschige Frucht, dazu Minze, Leder und Cassis, am Gaumen die Struktur eines großen Pauillac und eine feine Süße im Abgang – 95/100. Kam 2014 recht blass ins Glas kam, und das aus bester, über 20jähriger, eigener Lagerung. Ein kleiner, feiner, eleganter, mineralischer Wein, der einfach schüchtern wirkte - WT90. Herausragend ist Solaia, der in diesem Sonnenjahr eine üppige, etwas kalifornisch anmutende Frucht mit großartiger Struktur und Länge verbindet. Seit 1995 stets recht euphorische Noten zwischen 93 und 97/100, zuletzt 2004 im Saittavini mit Montepeloso Winzer Fabio Chiarelotto – 94/100. Ein Wein, der noch etliche Jahre vor sich hat. 2016 dann so dicht, kräftig, so füllig, so üppig mit süßer Frucht, reichlich Minze und sogar einem Hauch Eukalyptus - WT96. Reif, aber sicher noch einige Jahre gut trinkbar ist inzwischen Terrabianca Campaccio Riserva. Von meinen einst 12 Flaschen und denen einiger Restaurants und Freunde haben mir die in der zweiten Hälfte der 90er mit einem, an beste Sassicaias erinnernden, fruchtigen Kern getrunkenen mit bis zu 96/100 am meisten Freude gemacht. Inzwischen zivilisierter mit immer stärkerer Bordeaux-Stilistik, zuletzt 2005 - 93/100. Auch aus der DM war das 2017 der große Finessenmeister, so elegant und stimmig mit feiner Mineralität - WT93. Tignanello ist mir zum ersten Mal mit meinem Freund Arnie Lee in New York beim Italiener aufgefallen. Der war trotz aller jugendlicher Power so gut, dass wir gleich zwei Flaschen davon tranken – 94/100. Und so begab ich mich auf die Suche und trank den Tignanello in den folgenden Jahren häufig auf ähnlichem Niveau. Mit den Jahren verlor er seinen fruchtigen Banbyspeck und wurde portiger, schokoladiger mit deutlichem Trüffelton, anders halt, nicht mehr ganz so animierend. Zuletzt 2007 reif, aber immer noch mit Kraft und Fülle – 92/100. Sehr gut gefiel mir 2002 in der Sansibar der Brunello di Montalcino Riserva von Vasco Sassetti – 92/100. Schon dessen einfacher Brunello war 2000 sehr schön – 91/100. Bei einem Maurizio Zanella aus der Doppelmagnum 2007 zu Jörg Müllers 60. Geburtstag konnte man fast wehmütig werden, wenn man sah, wie gut italienische Weine früher mal altern konnten. Aus der DM immer noch so jung ohne jeden Alterston, Bordeaux-Stilistik mit reichlich feinem Zedernholz, dazu eine markante Trüffelnote, blühte zum Essen förmlich auf - 93/100.

Ein Tasca d´Almerita Chardonnay aus Sizilien hatte 2011eine sehr reife, ins Güldene gehende Farbe, in der Nase Trockenfrüchte, am Gaumen äterer, trockener Sherry, blühte zwischendurch noch mal im Glas auf und wurde weicher und cremiger, ist aber lange über Höhepunkt weg - 83/100.

Großes Weinjahr auch in Österreich.

Gut zehnmal habe ich zwischen 1997 und 2000 den extrem gut gelungenen Ried Achleiten Smaragd von Bodenstein mit 95/100 bewertet. Mit nur 12% Alkohol brachte dieser Wein trotz betörender Leichtigkeit und Finesse eine unglaubliche Geschmacksdichte und eine sensationelle Nase. Warum müssen das jetzt heute ohne besseren Wein immer 15% und mehr sein? Konstant gut und mit 90-91/100 bewertet der Bründlmayer Chardonnay, von dem 2000 die letzte meiner 12 Flaschen getrunken wurde. 2016 bekam ich den dann noch mal ins Glas, immer noch so frisch und feingliedrig mit floraler Nase – WT91. Der Gelbe Muskateller von FX Pichler war 2017 mit sehr junger Farbe noch voll da und frisch – WT87. Häufig habe ich Ende der Neunziger den sehr nachhaltigen Terrassen Grüner Veltliner Smaragd von F.X. Pichler getrunken, konstant 88/100. Erstaunlich gut gehalten hat sich dieser Wein gehalten, 2010 immer noch recht frisch und fast altersfrei mit würziger Frucht und guter Säure – 92/100. Gut gefiel mir 2001 der Terrassen Riesling Smaragd, sehr mineralisch und mit kräftiger Säure – 91/100. Auch der langlebige und damals prächtige Grüne Veltliner Honivogl von Hirtzberger war mir leider seit 1995 nicht mehr begegnet. Und dann stand er 2008 bei Jörg Müller aus dieser perfekt gelagerten Flasche vor uns, als hätte es die letzten 13 Jahre nicht gegeben. Immer noch mit dieser pfeffrigen, würzigen Frucht, mit durch gute Säure gestützter, unglaublicher Frische und sehr viel Tiefgang – 94/100. Zuletzt 2010 bei Jörg Müller ein Monument, das immer noch Frische zeigt und locker als großer Montrachet durchgeht – 97/100. Würde ich heute ohne zu zögern immer noch in Auktionen drauf bieten. Das Riesling-Gegenstück dazu, den Singerriedel Smaragd, hatte ich 2001 mit 93/100 im Glas. Schier unglaublich zuletzt 2014 mit explosiver Nase, sehr würzig, leicht exotisch mit enormer Kraft und Länge, gute Säure, kein Alter – WT99. Stahlig, kräftig und mit viel Gummi kam 2008 ein Grüner Veltliner Rotes Tor von Hirtzberger ins Glas – 90/100. Nicht in der Top-Liga spielte der Riesling Smaragd von Jamek, den ich in der 2. Hälfte der 90er stets mit 87-88/100 im Glas hatte. Auf ähnlichem Niveau zur gleichen Zeit von Jamek der Weißburgunder Smaragd, der allerdings ziemlich wuchtig und alkoholisch wirkte. Wunderbar 1998 ein Dürsteiner Schütt Grüner Veltliner Smaragd von Knoll – 92/100. Überragend 2010 aus der Magnum der Grüne Veltliner Smaragd in der Vinothekfüllung von Knoll. Sehr vielschichtige, mineralische, nussige Nase, am Gaumen sehr elegant und ungemein druckvoll zugleich mit pfeffriger Würze, immer noch so frisch, in Richtung eines großen Montrachets gehend, ein legendärer Wein – 97/100. 2016 eine etwas seltsame Flasche mit sehr heller, atypischer Farbe, würzig, wie ein Chartogne ohne Bubbles – WT92. Blumig-parfümiert, frisch, floral und etwas an Sauvignon Blanc erinnernd 2010 die Nase beim Riesling Schütt Smaragd von Knoll aus der Magnum, am Gaumen noch so frisch, fruchtig und lebendig mit guter, stützender Säure, sehr elegant, wirkt 15 Jahre jünger – 95/100. Sehr gut gefiel mir 2009 der Nikolaihof Riesling Vinothek. Der war zwar reif mit deutlicher Petroltnote, zeigte aber auch noch frische Frucht, nussige Töne und war sehr nachhaltig und lang am Gaumen – 92/100. Mineralisch mit leichter Restsüße 2010 der Riesling vom Stein Smaragd vom Nicolaihof, in der Anmutung eher Rheingau als Wachau, erste oxidative Noten – 88/100. Völlig daneben, mehr nasser Hund als Wein 2010 der Riesling vom Weingebirge Smaragd vom Nicolaihof. Keine € 10 kostete übrigens der Pichl Point Grüner Veltliner Smaragd von Schmelz, an dem wir bis 1999 ein Dutzend Mal große Freude auf 90/100 Niveau hatten.

Guter Jahrgang in der Schweiz.

Ziemlich alt wirkte 2010 auf der 90*90 der Pinot Noir Spiger von Donatsch, oxidative Noten, wenig Frucht, viel Säure, kurz am Gaumen – 83/100. Mottenpulver hatte der Cabernet von Donatsch auf dieser Probe in der Nase, am Gaumen war er kurz und bitter – 80/100. Der Blauburgunder von Gantenbein hatte 2009 auf der großen Gantenbeinprobe in der Nase viel Erdbeere und eine feine Süße, die kräftige Säure am Gaumen besser integriert, ein kerniger Wein – 90/100. Sehr viel Luft brauchte 2010 der Schweizer Amarone, der Gantenbein Strohwein. Sehr dicht und jung die Farbe, aber zu Anfang trotz süßer Nase auch spritig und beißend am trockenen Gaumen. Baut mit der Zeit enorm im Glas aus, wird komplexer, spannender und auch weicher – 94/100. Erstaunlich schön 2010 ein Fusto 4 Merlot e Pinot von Daniel Huber, sehr feine, rauchige, schokoladige Nase, am Gaumen schokoladige Fülle – 90/100. Sehr gefällig und noch voll intakt 2010 der Montagna Magica von Huber, schokoladig und generös die Nase, die auch einem guten Pomerol zur Ehre gereichen würde, der Gaumen kam da nicht ganz mit – 92/100. Nicht klar kam ich 2001 auf einer großen 90er Probe mit dem Merlot del Ticino von Klausner, parfümierte Nase, am Gaumen etwas grasig und unreif wirkend – 86/100. Der Merlot Gran Riserva von Klausener war zwar 2010 auch noch gut trinkbar und hatte eine erstaunlich dichte Farbe, doch mischten sich da unter die korinthige Süße auch störende, grüne Noten – 89/100.

Uneinheitlicher Jahrgang in Spanien.

Laktisch 2010 die Yoghurtnase des Contino Reserva, am Gaumen gemüsig, wie so viele, ältere Riojas, und schlank – 86/100. Clos l´Obac hatte 2001 schon eine reife Farbe, auch in Gaumen und Nase leicht oxidativ, schien erst auf dem Wege ins Jenseits, entwickelt sich dann aber noch ganz erstaunlich im Glas - 90/100. Der Cabernet Sauvignon Reserva von Jean Leon war 2004 voll da mit viel Schmelz und Länge – 89/100. Exotisch, würzig, aber auch sehr elegant und burgundisch wirkend 2001 ein Perez Pascuas – 93/100. Zuletzt 2002 habe ich den gefälligen 1990 Pesquera Crianza getrunken – 88/100. altersfrei, fruchtig, süß, würzie und sehr gefällig 2010 die

Pesquera Reserva, die noch genügend Struktur und innere Dichte für viele Jahre hat – 92/100.Sehr schwankend meine Bewertungen des Pesquera Gran Reserva. Nur 86/100 1996 bei den Ungers, deutlich besser 1997, voll trinkbar, kräftige, dunkle Farbe, gekochte schwarze Früchte, dem 91er deutlich unterlegen - 92/100, 1998 bei Dieter Müller nach der 91er Reserva erst völlig chancenlos, weil eher der stillere Vertreter mit sehr verhaltener Nase, am Gaumen intensiv Lakritz und schöne Länge, aber mehr als 90/100 sind nicht drin! Zuletzt 2003 mit Alexandro Fernandez bei Schorn, wirkte diesmal etwas kräftiger als die 91er Reserva aber mit deutlich weniger Finesse, Fernandez bezeichnet ihn abwertend als "Damenwein" - 92/100. Komplexer, dichter und würziger 2002 ein Raimat Reserva – 93/100. Enttäuscht war ich 1999 von Torres Gran Coronas Black Label, der trank sich zwar recht gefällig, war aber nur ein Schatten dessen, was dieser Wein in früheren Jahrgängen ins Glas brachte – 87/100. Viele Notizen zum schon häufig getrunkenen Vega Sicilia Unico. 2000 bei Schorn und 2001 im Eden Parc spanische Super-Klassik mit Stallnase und viel Minze, noch jung mit viel Potential – 96/100. Aber schon kurz danach 2001 auf der großen Vega Sicilia-Probe ein fast untrinkbares, säurelastiges Monster. 2007 auf René Gabriels großer Spanien-Probe ein gewaltig konzentriertes Säuremonster, geht derzeit durch eine verschlossene Phase, also lange dekantieren, oder besser noch 5+ Jahre warten. Zwei Wochen später auf einer Probe meines Freundes Bernd Wirtz voll trinkreif. Mit seiner leckeren, offenen, süßen Frucht macht er spontan an, ein faszinierendes Aromenspiel. Am Gaumen ist er recht komplex mit sehr guter Länge. Er erreicht zwar nicht ganz die Klasse der Unicos von 94 und 95, macht aber einfach auf hohem Niveau Spaß, so ein richtiger Millionärsschoppen für jeden Tag - 95/100. Im Sommer 2007 auf Sylt im Wiinkööv wieder in Topform mit feiner, süßer, rotbeeriger Frucht, am Gaumen dicht, komplex und lang mit dem Besten aus Frankreich und Spanien - 95/100. Zuletzt an gleicher Stelle 2008 wieder, weich, elegant, generös, sehr weit und sehr spanisch wirkend, auch mit feiner, süßer Frucht, aber für die war am Gaumen kaum Platz, denn da hauste noch dieser irre Kali-Hammer – 94/100. Von diesem Wein scheint es einfach zwei unterschiedliche Abfüllungen zu geben. Auch den 1990 abgefüllten Unico Reserva Especial habe ich einmal grandios erlebt, 1999 mit 95/100, und einmal eher nett, fruchtig und belanglos, 2001 in der Vega-Probe – 88/100.

Ziemlich daneben 2016 der säuerliche Chateau Musar aus dem Libanon, der wie die Hölle stank – WT82. Aber das war wohl ein Flaschenproblem. Vom 90er soll es solche, aber auch bessere Chargen geben.

Großer Kalifornien-Jahrgang aus einem eher trockenen, warmen Jahr mit entsprechend kleiner Ernte. Sehr fruchtige, ansprechende und früh trinkbare Weine, die aber in vielen Fällen ein beachtliches Lagerungspotential aufweisen.

Reif, minzig, elegant mit feiner Frucht 2010 der Beaulieu Georges de Latour Private Reserve, der aber bald getrunken gehört – 92/100. Als großer, reifer Bordeaux ging er 2011 durch, voll auf dem Punkt, generöse Nase mit Nougat, Schoko und Minze, reifer, süßer, endloser Schmelz am Gaumen, enormer Trinkspaß – 95/100. Der Beringer Cabernet Sauvignon Private Reserve war 2009 aus der Magnum eine hochelegante, sehr druckvolle und am Gaumen lange, großartige Minze-/Eukalyptusmischung, immer noch so jung wirkend mit Potential für noch mindestens ein Jahrzehnt – 96/100. Irritierend 2013 eine sehr reife Flasche mit Liebstöckel - WT86. Schon sehr reif von Beringer 2002 der Howell Mountain Merlot Bancroft Ranch – 90/100. Immer noch recht lebendig wirkte 2010 ein Calera Pinot Noir Mills Vineyard – 88/100. Deutlich länger dürfte da noch Caymus Special Selection Freude machen. Bisher hatte ich diesen würzigen Brombeersaft zweimal, 1996 und 2000 getrunken und stets mit 94/100 bewertet. 2008 und 2009 offene, schmelzige Frucht, wunderbar dekadente Süße, aber dabei sehr frisch mit präzisen Konturen, tänzelt bei aller Kraft geradezu auf der Zunge und ist auch im langen Abgang einfach ein geiler Stoff mit 20 Jahren Potential – 96/100. 2010 mehrfach herrliche Frucht, reife Brombeere, aber nicht überladen, mit so präzisen Konturen, minzig, mineralisch, enorm druckvoll, immer noch jugendlich, dekadente Süße, und trotzdem so elegant – 97/100. So auch zuletzt 2013 – 97/00. Pflaumige Frucht, Zedernholz, Minze, aber auch Blumenerde und harsches Resttannin zeigte 2010 der Corison Cabernet Sauvignon, insgesamt etwas dünn, war wohl nie besser und hat keine Zukunft – 88/100. Den größten Teil der Neunziger Bordeaux könnte Dominus locker überleben. Dieser gewaltige Wein mit seiner massiven Tanninstruktur hat lang zur Entfaltung gebraucht. Kontinuierlich wurden meine Bewertungen bei den seit 2001 getrunkenen 10 Flaschen besser. 2007 leicht animalische Nase, der klassische Cordier-Stinker, dunkle Früchte, ledrig, erdig, immer noch junge, sehr dichte Farbe, am Gaumen kraftvoll und sehr dicht, aber nicht kalifornisch sondern mit der Noblesse eines ganz großen Bordeaux, perfektes Tanningerüst und eine Super Spannung am Gaumen, gemacht für ein langes Leben - 97/100. 2009 im Docorhaus hatte der Dominus die dortige, wärmere Lagerung sehr gut weggesteckt und präsentierte sich jetzt auf dem Punkt. Wo sonst Tannin und Strenge herrschten, war da jetzt ein sehr verschwenderischer, wunderbarer Wein, zwar mit klassischer Bordeaux-Struktur, aber sehr generös, samtig weich am Gaumen mit schöner Süße, voll auf dem Punkt, absolutes 1er Cru Niveau – 97/100. Kurz danach auf der American Beauty II Sehr elegant, klare Bordeaux-Stilistik, ledrige Nase, am Gaumen reif und mit viel Finesse, leicht karamellige, malzige Süße – 95/100. 2011 war das ein großartiges, süßes Bordeaux-Cuvée mit satter, schwarzkirschiger Frucht, mit Minze und etwas Eukalyptus und immer noch guter Tannin- und Säurestruktur, dabei sehr elegant und schön zu trinken – 95/100. 2013 im Wiin Live in Bestform mit erster Süße – WT97. 2014 und 2015 ein großer, „unsüßer“ Kalifornier in bester Bordeaux Art mit toller Struktur – WT95. 2016 ein Wahnsinnswein mit großer Zukunft – WT97+. Weine für die Ewigkeit, die viel Geduld erfordern, macht auch Randy Dunn. Sein Cabernet Napa Valley war 2002 immer noch sehr animalisch, tanninbeladen, ungenerös – 84++/100. Der Howell Mountain 2009 immerhin schon einigermaßen zugänglich. Ein echter Charakterstoff, in der Nase ein Pferd samt Sattel, kräuterige Noten und ein, an Silver Oak erinnernder Hauch Dill, immer mehr kamen mit der Zeit Minze und Eukalyptus, am Gaumen blieb der Dunn mit deutlichen Tanninen etwas streng 92+/100. Kernig, rassig und deutlich mehr zeigend 2013 im Rüen-Thai – 95/100. Überreife und deutliche Alterstöne zeigte 2012 trotz immer noch dichter Farbe der Etude Cabernet Sauvignon, der langsam auf das Ende der Genussphase zusteuert – 89/100. Schwierig 1999 ein Freemark AbbeyBosché Vineyard mit guter, schwarzer Kirschfrucht, aber sehr harschen Tanninen – 87/100. Deutlich zugänglicher 2003, baute aber im Glas ab – 90/100. Harlan hatte 2014 eine altersfreie Farbe, feine, rotbeerige Frucht, sehr minzig mit schöner Süße, dabei immer noch Frische zeigend und mit sehr guter Struktur. Einfach sexy dieser sehr harmonische, stimmige Wein – WT94. Heitz Martha´s Vineyard war 2001 ein Wein-Chamäleon, startete mit schöner, sehr reifer süßer Frucht wie ein gereifter Silver Oaks Alexander, später kam dann erst ein Lakritz-Turbo dann die Straßenmaschine mit Teer, zwischendurch ging er zu, dann wurde er zum Amarone. Ein Jahr später wieder ein großes, dichtes Gewächs, das nach weiterer Lagerung schrie und 94/100 mit vielleicht Potential für noch etwas mehr andeutete. 2009 dann so offen und einfach sexy. Reichlich Minze und Eukalyptus und dazu eine wunderbare, süße Fülle, dabei so komplex und lang und einfach süchtig machend, der erste Heitz mit Schokonoten, traumhaft – 95/100. Wie gut er bei mehr Sorgfalt im Keller hätte werden können zeigte er 2010. Diesen Wein hatte ich schon in allen Schattierungen von grottenschlecht bis großartig im Glas. Dies hier war meine bisher beste Flasche. Einfach ein geiles, minziges Konzentrat mit reichlich Eukalyptus, immer noch so jung und so unglaublich druckvoll am Gaumen, schien geradezu seine Bewerbung als Nachfolger des legendären 74ers einreichen zu wollen – 96+/100. Zuletzt 2011 so offen, so sexy, eine wuchtige Coca-Cola Nummer mit einem dicken Schuss Minze und Eukalyptus, mit wunderbarer, süßer, fruchtiger Fülle, dabei immer noch so jung mit reichlich Reserven – 95+/100. Wirkte ebenfalls 2011 auf der großen Heitzprobe der Ungers weich, geradezu seidig und elegant, aber am Gaumen sehr viel druckvoll und hatte mit seiner süßen Fülle und viel Eukalyptus und Minze einen hohen Suchtfaktor – 95/100. Auch zuletzt 2013 auf diesem Niveau. Reif, süß, vollbusig, aber auch etwas simpel 2010 der Heitz Trailside – 89/100. Schwierig 2010 ein Heitz Bella Oaks, war der korkig? Er hatte zumindest zu Anfang diesen üblen, unsauberen Ton, der auch den 85 Martha´s so verhunzt. Mit der Zeit verschwand das alte Fass stückweit aus dem Glas. Vermehrt machten Kischfrucht, Minze, Leder und Teer diesen Klassiker deutlich besser trinkbar – 90/100. Viel Luft brauchte 2011 der Heitz Pinot Noir, der dann eine wunderbare, klassische Burgundernase entwickelte und auch am Gaumen burgundische Pracht und Fülle zeigte mit Süße und Länge – 93/100. Gut zu trinken 2010 immer noch der La Jota Howell Mountain Cabernet Sauvignon mit dunklen Früchten, Minze, Leder und Zedernholz – 91/100. Laurel Glen war 2006 gut gereift, jetzt auf dem Punkt, beileibe kein schlechter Wein und ohne Fehler, aber leider auch ohne Höhepunkte, vinophile Langeweile auf hohem Niveau 88/100. 2012 besser, ledrig, Minze und immer noch vital - 90/100. Der Cabernet Sauvignon Unfiltered von Mondavi präsentierte sich 2003 als wunderbar gereifter, kraftvoller, klassischer Cabernet - 92/100. Selbst aus der Halben zeigte er 2008 noch keinerlei Schwächen – 89/100. Als Reserve brauchte er lange, um reif zu werden. So enttäuschte er noch 1997, konnte aber 1999 schon begeistern und war 2003 traumhaft schön, ein großer Wein mit intensiver, aber nicht marmeladiger Frucht und guter Struktur - 95/100. 2012 eleganter Wein mit delikater Frucht, Minze, Leder, Zedernholz und erster Süße stilistisch eher mit Bordeaux verwandt als mit den heutigen, kalifornischen Fruchtbomben – 94/100. Auch 2014 noch so jung wirkend, sehr kräftig, minzig-ledrig – WT93. Groß und für dieses Gut erstaunlich üppig geraten Chateau Montelena. 2001 auf der 90er Probe Rhonig - würzig - süß, aber auch Eukalyptus, Traumstoff - 97/100. 2010 sehr dichte Farbe, Kraft ohne Ende, reife, dunkle Frucht, etwas Eukalyptus und Minze, wirkte aber auch für Montelena etwas zu dick und überreif. Ich habe das bei Montelena schon häufiger bei anderen Jahrgängen gehabt. In dieser Art Zwischenstadium bleibt man einfach für ein paar Jahre von diesem Wein weg, dann läuft er wieder zur alter Form auf – 90+/100. 2011 wieder in Topform, ein jugendlicher Bordeaux mit sehr guter Struktur, hoher Mineralität und präziser, aber saftiger kalifornischer Frucht, einfach das Beste aus zwei Welten – 95/100. 2012 sehr dichte Farbe, üppig und leicht alkoholisch und überreif, ein großes Weingemälde von Rubens, viel Weihnachtsgewürze, am Gaumen burgundische Pracht und Fülle, ein Chambertin aus Kalifornien – 96/100. Moraga war 2009 ein generöser, süßer, samtiger Traum aus feiner, leicht exotischer Frucht und etwas Kokos, sehr harmonisch und ausgewogen im Stile eines Grand Puy Lacoste – 96/100. In Rekordzeit tranken wir 2002 eine Newton Cabernet Sauvignon Unfiltered Doppelmagnum zum Käsefondue. Kalifornische Frucht und bordelaiser Konturen in einem einmalig schönen Wein mit noch reichlich Zukunft – 95/100. Nicht viel anders 2006 auf Sylt eine Newton Merlot Doppelmagnum. Ein perfekt gereifter Pomerol mit einem Schuss Kalifornien. Seidige Eleganz, sehr lang mit wunderbarer Aromatik und Länge, aus der Großflasche ein Erlebnis - 95/100. Bis auf eine halbe Flasche 2005 im Züricher Wine Loft, bei der ein grasig-grüner Ton störte(90/100), war ich immer sehr angetan von Opus One. 2007 wieder die etwas klassischere Handschrift der frühen Opus-Jahre, mit der er auch als großer Bordeaux durchging. Da war einfach trotz immer noch guter Tanninstruktur pralle Freude im Glas, für mich so eine Art 82er Gruaud aus Kalifornien - 96/100. 2009 wunderbare Minze, ein sehr feiner, eleganter Wein, den man fast als zart bezeichnen konnte, die noch vor zwei Jahren deutlichen Tannine zumindest aus dieser Flasche praktisch nicht mehr spürbar – 94/100. 2011 ein Spaßwein auf hohem Niveau mit seiner reifen, dunklen Frucht, ein dichter, kräftiger, kerniger, aber auch generös süßer Opus mit langem Abgang – 95/100. Zuletzt 2013 ein sehr feiner, eleganter Wein mit reifer, dunkler Frucht, viel Minze, dezentem, süßem Schmelz, guter Struktur und langem Abgang – 94/100. Immer noch jugendliches Purpur und intensive Frucht hatte 1999 ein Pahlmeyer Caldwell Vineyard, der gleichzeitig aber durch die kompakten Tannine auch etwas roh und stahlig wirkte – 90/100. Ein Langstreckenläufer ist Phelps Insignia. 2001 Powerfarbe, dichter Stoff, kräftige Tannine und Säure, noch ganz am Anfang - 94/100. 2006 herrliche Eukalyptus und Minzfrische, gute Struktur, inzwischen etwas offener, aber noch Potential für lange Jahre - 94/100. 2011 sehr weich und geschmeidig mit herrlicher Frucht und schöner Süße, besaß aber auch noch eine erstaunliche Säure und eine gute Statur – 95/100. 2014 aus der Magnum noch so jung, so frisch, minzig mit einem Hauch Eukalyptus, Cassis, schokoladige Süße, gute Struktur – WT96. Das gilt auch für Ridge Monte Bello, der sich in den 90ern mit seinem massiven Tanningerüst häufig sehr verschlossen zeigte. 2001 kam dann schließlich deutlich mehr reife Frucht, Kirsche, Brombeere, auch etwas Minze, die offene Nase gab mehr her als der noch etwas astringierende Gaumen – 93+/100. Als Kalifornier in bester, bordelaiser Art zeigte er sich 2011, feine Minze, Kirschfrucht, Süße, tolle Struktur, sehr druckvolle Aromatik, der letzte Tropen explodierte am Gaumen wie ein flüssig gefülltes Pfefferminzbonbon – 95/100. Auch 2012 noch so jung und vibrierend mit frischer, kirschiger Frucht – 93/100. 2013 noch so jung mit superber Kirschfrucht, viel Minze und sehr guter Struktur – WT95. 2014 sehr junge, dichte Farbe, tolle Frucht, sehr minzig, enorme Power bei sehr guter Struktur – WT96. So eine präzise Frucht 2016, Kirsche und Cassis pur, viel Minze, so eine tolle Struktur, immer noch Zukunft ohne Ende – WT97. Sehr gut mehrfach Ende der 90er bereits der einfache Cabernet von Shafer, konstant 90/100. Ein Riesenteil 2001 auf der 90er Probe im Eden Parc der Hillside Select, der mit großartiger Struktur und totaler Harmonie überzeugte, in der die süße konzentrierte Frucht einfach stimmig eingebunden war – 98/100. 2010 Schon etwas überreif, dazu rustikal und dumpf wirkend. Doch das gab sich mit der Zeit, baute enorm im Glas aus. Ein sehr harmonischer, stimmiger Wein mit guter Frucht und schöner Länge am Gaumen – 92/100. 2015 war dieser geile, minzig, mineralisch, füllige Hillside Select wieder in Topform - WT96. Einer meiner Lieblingsweine ist der Silver Oak Alexander Valley. Trotz seiner frühen Zugänglichkeit altert er erstaunlich gut. Zuletzt 2007 spontan an der für das Gut und den Wein typischen Dill-Note erkennbar. Mit feiner Johannisbeer- und Kirschfrucht und mit molliger Wärme ist dieser hemmungslose Spaßwein jetzt voll auf dem Punkt - 92/100. Noch eine Ecke drüber 2002 und 2003 Silver Oak Napa Valley, etwas strukturierter als der Alexander, aber auch mit herrlicher Frucht, der typischen Dillnote und dem Teer eines La Mission – 94/100. 2010 auf der 90*90 Hedonismus pur, diese kalifornische Johannisbeer und Cassis Weinorgie, einfach dekadent lecker, aber nicht überzogen oder aufgesetzt, sondern mit sehr präzisen Konturen – 95/100. Eine weitere, reifere Flasche 2011 zeigte, dass auch dieser Wein nicht ewig lebt – 91/100. Silver Oak Bonny´s Vineyard war 1997 bei Beat Caduff in Arosa tiefdunkel, wunderschöne Würz- und Gewürzaromen für einen Kalifornier erstaunlich elegant und finessig, fast burgundisch, entwickelt mit der Zeit viel Kraft und große Länge – 95/100. 2011 auf einer Best Bottle reif und voll auf dem Punkt mit schon recht heller Farbe, Minze, Dill, Finesse, einfach betörend, so zart die rote Frucht, reife Waldhimbeere gepaart mit Walderdbeeren, der Burgunder unter den Kaliforniern, sehr elegant, ätherisch, bleibt ewig am Gaumen – 98/100. 2013 aus der Magnum mit seiner süßen, minzigen Frucht und seiner verschwenderischen Aromatik der Wein des Abends – WT97. Wenn ich irgendwo ältere Bonnys entdecke, schlage ich sofort zu. Simi Reserve hatte 2009 zu Anfang eine anstrengende, fast oxidative Nase, doch gab sich das mit der Zeit. Entwickelte sich enorm im Glas und baute deutlich aus, viel Kaffee, sehr kräuterig mit feiner Süße, ein kerniger, großer Charakterdarsteller – 96/100. Wirkte 2014 einfach sexy mit seiner minzigen, üppigen, saftigen Frucht und der Fülle am Gaumen – WT93. Deutliche Flaschenvariationen gab es 2010 auf der Farnsburg bei Spottswoode. In der besseren Variante war er sehr reif, schon etwas über den Punkt, Soyasoße, alte Ledertasche und etwas Minze, baute im Glas rasch ab und gehört ausgetrunken – 88/100. Stag´s Leap Cask 23 war 2010 chon recht reif, aber sehr gut im Glas ausbauend, Finesse pur mit burgundischen Konturen, ein ganz großes kalifornisches Weinerlebnis – 96/100. Kaum Frucht, harsche Tannine und eine seltsame Essignote zeigte 1998 in Zürich ein Sullivan Merlot Coeur de Vigne – 78/100. Muss man sich nicht merken. Sehr jung und konzentriert 2009 der PhilipTogniCabernet Sauvignon. Wunderbar die perfekte, sehr klare Frucht, massig Hollunder und dazu Brombeere, reife Blaubeere und eine schöne Fruchtsüße, am Gaumen sehr druckvoll, vielschichtig und lang, aber mit sehr präzisen Konturen. Ein echter Kalifornien-Klassiker, der die reife kalifornische Frucht mit der Struktur eines großen Pauillac verbindet – 95/100. Auch 2010 und 2013 immer noch blutjung, puristisch schöne Frucht, viel Holunder, Brombeere und Blaubeere mit schöner Fruchtsüße, am Gaumen druckvoll, konzentriert mit präzisen Konturen – 96/100.

Mit etwas Glück lassen sich auch immer noch trinkbare Weißweine aus Kalifornien finden.

Sehr gut altern die Weine von Jim Glenenden, mit dem ich 1997 in der Krone Assmannshausen einen hervorragenden Au Bon Climat Chardonnay Bien Nacido getrunken habe – 92/100 – der jetzt immer noch interessant sein könnte.

2010 zwar noch trinkbar, aber schon verdammt alt ein Grand Vin von Buitenverwachting aus Südafrika – 81/100. 2016 immer noch erstaunlich frisch und gut zu trinken Cindy´s Collection – WT99.

Gilt als außergewöhnlich guter Jahrgang in Australien, in dem die Trauben perfekt ausreifen konnten.

Ein Vollblut-Shiraz 2010 immer noch der The Armagh von Jim Barry, pfeffrig-würzig die Nase, zimtig, fruchtig, Erdbeerkonfitüre, auch am Gaumen süß, fruchtig und einfach dekadent lecker – 94/100. Sehr reif und wohl bereits auf dem Abstieg war 2002 ein Brown Brothers Cabernet Shiraz mit deutlich medizinalen Tönen, Jod und etwas Eukalyptus – 87/100. Sehr gut die Palette der Penfolds-Weine. Gut gelungen 99 auf der Grange-Probe Cabernet/Shiraz Bin 90A mit satter Frucht, nur am Gaumen fehlte die Konzentration und der Unterschied zu einem Grange wurde sehr deutlich – 91/100. Bin 920 Coonawarra Cabernet Shiraz war 1995 ein unglaublich dicker, dichter Stoff mit Kirchenfenstern eins neben dem anderen, intensive Süße, aber durch den Cabernet auch Geradlinigkeit und Länge – 96/100. Vier Jahre später auf der Grange Probe war er sehr verschlossen und ließ wenig raus. Anfang 2014 schon deutlich weiter und eher leichtgewichtig – WT92. Ende 2014 dann wieder traumhafte Frucht, Cassis und Herzkirsche, dazu reichlich Eukalyptus, etwas Minze, die Mineralität großer Pauillac, dazu Frische, Struktur, gute Säure und Länge - WT95. Immer noch recht jugendlich wirkte 2012 der Bin 389 Cabernet Shiraz, die 50. Ausgabe dieses Klassikers. Zu Anfang dominierte der reife Shiraz mit Minze, dunklen Früchten, etwas Eukalyptus und Schwarzem Pfeffer, dann kam immer mehr Cabernet und damit Schokolade, Kaffee, Tabak. Rund und ausgeglichen am Gaumen, aber mit guter Struktur und Säure – 92+/100. Kann sicher gut altern und dürfte noch zulegen. Penfolds Shiraz St. Henri war 2010weich, süße Frucht, burgundische Fülle – 93/100.Flaschenvariationen soll es beim PenfoldsGrange geben. Ich habe bisher nur überzeugende Flaschen getrunken. Sehr überzeugend die Erste 1996 bei Drawert – 96/100, sehr dichter, alkoholreicher, portiger Stoff, voll trinkbar 99 auf der Grange-Probe – 97/100 und 2001 auf der 90er Probe im Eden Parc außerweltlich konzentrierter Stoff mit irrem Schmelz - 100/100. Eigentlich auch 2010 auf diesem Niveau. Nur ein Kork verhinderte die volle Punktzahl. Zuletzt 2012 erstaunlich schlank und präzise mit Cassis, reifer Himbeere und irrer Mineralität, am Gaumen schleicht sich ein gewaltiges Raubtier auf Samtpfoten an, enorm druckvoll, dicht und lang, aber auch mit messerscharfen Konturen, ein Wein, bei dem in totaler Balance einfach alles stimmt – 100/100. Erstaunlich reif und zugänglich wirkte der Grange 2012 undekantiert beim Lunch mit Peter Gago, zumindest zu Anfang fast etwas harmlos, baute dann enorm aus im Glas, wurde immer dichter und komplexer mit gewaltiger Länge – 95(?)/100. 2013 auf der Grange-Vertikale ein großer, balancierter Grange mit süßer, dunkler Frucht, viel Druck am Gaumen und gewaltiger Länge. Noch sehr jung mit großem Potential, wird über lange Jahre deutlich zulegen - WT95+. 2016 einfach geiles Zeugs, Cassis ohne Ende in dicker Schokokruste mit einem kräftigen Schuss Eukalyptus, aber nicht überladen, sondern mit durchaus präzisen Konturen und viel Potential – WT97+. Gut gefiel mir 1997 auf einer Paulson-Probe auch ein üppig-würziger, exotischer Rosemount Show Reserve – 94/100. Ein dickes Teil mit viel Tannin, würzig-pfeffriger Frucht, aber auch massig Teer und Lakritze war 2000 ein Wynns John Riddoch Limited Reserve Cabernet Sauvignon – 92/100. 2010 auf der 90*90 war der Wynns Cabernet Sauvignon von JohnRiddoch, grün, grasig, viel Paprika, hohe Säure und harsches Resttannin – 84/100.

In der Champagne gab es eine gewaltige Ernte noch gewaltigerer Weine. Ein Traumjahrgang, dessen beste Weine noch lange reifen können.

Sehr angetan war ich 1998 von der Billecart Salmon Cuvée Nicolas Francois Salmon, ein zwar noch junger Champagner mit gutem Standvermögen und deutlicher Vanillenote, aber sehr weinig und schon mit großem Genuß zu trinken – 95/100. 2015 bei Jörg Müller aus der Magnum weicher, reifer, cremiger aber mit wunderbarer Aromatik – WT95. Erstaunlich reif, auch in der Farbe, 2009 bei Jörg Müller Billecart Salmon Cuvée Nicolas Feuillatte aus der halben Flasche mit der Aromatik einer dicken Brotkuste, locker als 10-20 Jahre älter durchgehend, aber auch recht komplex und mineralisch – 90/100. Sehr vielversprechend 2013 bei der Billecart Salmon Grande Cuvée die herrlich generöse, nussige Brioche Nase, doch am Gaumen wirkte dieser Champagner eher schlank mit kurzem Abgang, dazu schon sehr reif und in dieser Form mit wenig Zukunft - WT90. Sehr frisch und elegant 2006 ein Cuvée William Deutz Rosé aus der Magnum – 94/100. Generös 2015 die Nase des Clos du Mesnil, nussig, Brioche, weiches, helles Toffee, am Gaumen schlank, präzise Struktur und viel Rasse und Klasse, ein Clos du Mesnil für Rotweintrinker – WT95. Gut ein Dutzend mal habe ich den großartigen Dom Perignon getrunken. Z.B. 2004 Traumchampagner mit perfekter Verbindung von erster Reife (geröstetes Brot, Haselnüsse) und Frische -97/100. Aber auch zu warm gelagerte Flaschen, wie 2006, eingeschenkt aus zwei identischen 1teln. Der wirkte schon so weit und reif, da musste ich an die Flaschenvariationen bei diesem sonst hochgelobten Champagner denken. Zwar sehr fein und elegant, um nicht zu sagen harmlos, aber eben nicht mit der Kraft und Ausdrucksstärke des 90ers. Da waren nicht mehr als 90/100 im Glas. Und da ich das alles nicht sehr spannend fand, ließ ich einen größeren Schluck im Glas und vergaß ihn dort. Und das war gut so. Nach einer Stunde hatte sich der Dom Perignon mit Luft und Temperatur im Glas sensationell entwickelt. Da war plötzlich Komplexität und Struktur, ein völlig anderer, deutlich besserer Wein. Ende 2006 deutlich frischer und nachhaltiger – 95/100. 2017 auf dem Punkt und perfekt gereift mit immer noch gutem Mousseux – WT95. Der Dom Perignon Oenotheque war 2015 ein sehr guter Champagner, bei dem die frische Nase mit Zitrusfrucht Nase deutlich mehr Jugend vorgauckelt als der komplexe Gaumen – WT94. Dom Ruinart Blanc de Blancs Grand Cru wirkte 2011 auf dem Unger Weihnachtstasting noch recht jugendlich mit heller Farbe und deutlichem Mousseux, eher auf der eleganten Seite, mineralisch mit etwas verhaltener, stahliger Frucht und leicht harzig im Abgang – 88/100. Dom Ruinart Rosé hatte 2008 fruchtige Fülle, cremige Textur und kräftiges Mousseux – 92/100. Krug wirkte 2014 zum Essen zwar sehr reif und weich, ist aber ein großer, komplexer, sehr reichhaltiger und tiefgründiger Champagner auf dem noch langen Weg zu einem „weinigen“ Champagner Denkmal – WT97. Der Paillard war 2013 immer noch erstaunlich kräftig mit feinem Schmelz – WT92. Sehr gut hat mir auch immer Pol Roger gefallen. Zuletzt 2008 bei Jörg Müller war das ein herrlich weicher, sehr reichhaltiger, reifer Champagnertraum, frischer Biskuitteig, nussig, sehr cremige Textur, sicher nicht für die Ewigkeit gemacht, aber warum auch - 94/100. Der Pol Roger Cuvée Winston Churchill war Weihnachten 2013 im Waldhaus in St. Moritz mineralisch, finessig, bretonische Salzkaramellen, die Fülle des Jahrgangs balanciert durch gute Säure - WT95. Roederer Cristal war 2012 auf Sylt weinig, füllig, komplex und baute einfach irre im Glas aus – WT98. Auch 2015 wieder hochklassig, sehr druckvoll und weinig – WT98. Absolut großartig der schon häufig(aber nicht oft genug!!) getrunkene Taittinger Comtes de Champagne. Wenn ein Champagner zusätzlich zu großartiger Struktur und hohem Alterungspotential einfach sexy ist, dann dieser. Konstant mit 95+/100 getrunken. Damit habe ich nicht nur etliche meiner Geburtstage gefeiert, auch 2007 Jörg Müllers 60. aus der Magnum, noch taufrisch, dabei sehr elegant und rassig mit der faszinierenden Nase einer frischen Biskuitrolle, wie sie meine Mutter früher immer gebacken hat. Ein Weltklassechampagner, der sicher bei guter Lagerung auch zu Jörg Müllers 90. noch Spaß macht - 96/100. 2008 mehrfach noch offener und schlichtweg ein Champagnertraum – 97/100. 2009 im Munkmarscher Fährhaus ein großer, komplexer, gut (an)gereifter Champagner – 96/100. 2012 mehrfach groß, perfekt angereift, aber immer noch frisch, sehr mineralisch und komplex – WT97. Auch 2016 bei Jörg Müller trotz tiefem Goldgelb noch so frisch mit tollem Mousseux, mit Kraft, Fülle, Tiefgang, Länge und jede Menge Charme – WT97. Sehr gut auch 2002 während der Prowein bei Schorn ein Veuve Clicquot La Grande Dame – 92/100. Ätzend dagegen 2007 bei den Ungers ein Veuve Clicquot Rosé, erste Anmutung war leicht alkoholisierter Himbeersaft mit Sprudel. Damit hätte ich ja noch leben können. Aber dann wurde dieses fürchterliche Gesöff immer fischiger, aus Frucht wurde zu kaltes Fisch-Carpaccio, Räucherlachs. Auch im kurzen Abgang keine Suchtgefahr, denn da blieb nichts, aber auch rein gar nichts - 82/100.

Sehr überzeugend 2008 aus Italien eine Champagner-Alternative in Form des Ca´del Bosco Spumante Cuvée Annamaria Clement aus der 3l Flasche. Reif mit dezentem Mousseux, faszinierende, klassische, reife Champagnernase mit viel Brioche und dicker Brotkruste, am Gaumen frisch und pikant, machte einfach viel Spaß – 92/100. Das galt auch 2009 und 201 für die Zwillingsflaschen.

Bliebe last not least noch ein zwar nicht großes, aber doch gutes Portweinjahr, in dem aber die wenigsten Häuser einen Jahrgangsport machten.

Hedonistisch schön mit Marzipan und Bitterschokolade 2001 auf Sylt ein Gilbert – 93/100. Ähnlich schön 1997 auf einem Lufthansa-Flug über den großen Teich Graham LBV, der mich an Lind´s Amarena-Kirschen erinnerte – 92/100.