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1991

Ein schwieriges, verrücktes Weinjahr in Bordeaux. Fürchterlicher Frost am 21. April, ein heißer Sommer, mit dem die Natur Aufholjagd spielte, aber dann Unwetter zur Erntezeit. Erstaunlich schöne, delikate, eher leichte Weine wurden in Bordeaux erzeugt. Die machten zur Jahrtausendwende richtig Spaß. Nur waren sie eben nicht sehr langlebig. Trinkbare Wene sollten bei guter Lagerung mit etwas Glück immer noch zu finden sein. Wer aber heute noch 91er mit Potential sucht, findet in Bordeaux kaum etwas.

Cos d´Estournel hatte 2006 hatte soviel Zedernholz in der Nase und am Gaumen, wirkte aber auch schlank und es fehlte am Abgang - 90/100. 2016 reif zwar, aber so fein und gefällig, sehr elegant, auf dem Punkt mit feinem Schmelz – WT92.Montrose ist kein großer, aber ein sicher langlebiger Wein. Die 88-89/100, mit denen ich ihn bis Ende der 90er mehrfach im Glas hatte, müsste er noch ein paar Jahre bringen.

An Latour hatte in in früheren Jahren mit konstant 90-91/100 im Glas. Aber aus meiner vorerst letzten Flasche 2007 machte er schon einen verdammt gezehrten Eindruck, zwischendurch blühte er noch mal kurz auf, fiel dann aber wieder rasch in sich zusammen - 86/100. Und dann fiel mir 2014 noch eine Flasche in die Hände. Erstaunlich junge, altersfreie Farbe, gute Frucht, Cassis, sehr mineralisch mit viel Graphit, sehnige Struktur und immer noch intaktes Tanningerüst. Ein modernes Remake des 81ers. Natürlich kein großer Latour, aber einer, der noch locker zwei Jahrzehnte schafft. WT91 sind für einen Latour wenig, für einen 91er viel. Lynch Bages hatte 2008 nicht nur eine erstaunlich schöne Nase, auch Fülle am Gaumen, jetzt auf dem Punkt - 92/100. Sehr viel Freude habe ich in den 90ern mit meinen Mouton Rothschilds gehabt, doch spätestens 2004 auf einer großen Mouton-Probe, als dich diesen austrocknenden Wein ins Glas bekam, wusste ich, warum ich meine so früh getrunken hatte. Da ging es steil abwärts. 2015 auf dem Rheingau-Gourmetfetstival gab er mit einer leicht animalischen, süßlichen Nase und durchaus noch guter Frucht noch mal eine vielleicht allerletzte, gelungene Abschiedsvorstellung – WT91.

Ducru Beaucaillou war 2009 ein süffiger, simpler Trinkwein, aber auch etwas leicht, dünn und flach am Gaumen – 84/100. Leoville las Cases gehörte 2002 aus der Magnum zu den besseren Weinen des Jahrgangs, gehört aber sicher auch getrunken – 92/100. 2010 war das keine Freude mehr.

Margaux war 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe immer noch auf dem Niveau, mit dem ich ihn über 20mal vorher im Glas hatte, elegant, mit feiner beeriger Frucht und insgesamt recht ausgewogen ohne Alter. Ein kleiner, feiner Margaux, der noch ein paar Jahre Freude machen könnte - 90/100. Palmer war 2000 ein offener, fruchtiger, unkomplizierter Schmeichler – 87/100. 2009 auf der Palmer-Vertikale Palmer deutliche Reifetöne in der nicht allzu dichten Farbe, pflaumige Frucht, würzig, pfeffrig und mit schöner Süße, weich am Gaumen, ein feiner und gar nicht so kleiner Palmer – 91/100. 2013 immer noch gut zu trinken war mit feiner Frucht und Eleganz, ziemlich filigran – WT89.

Haut Brion war 2003 aus der Imperiale aus der Impi war er ein sehr leckerer, reifer, delikater Haut Brion, eine Art kleiner 79er - 91/100. Natürlich war La Mission 2012 immer noch gut trinkbar. Aber er hatte auch grüne Noten, wirkte gemüsig, hatte eine markante Bitternote und viel Säure. Wer ihn noch hat, sollte ihn bevorzugt als Essensbegleiter nutzen, und das bald – 84/100.

Sechsmal hatte ich bis Ende der 90er Le Pin mit konstant etwa 92/100 im Glas. Zuletzt 2010 war er deutlich über den Höhepunkt. Die Nase war noch ganz ok, aber am Gaumen spielte sich nicht mehr viel ab – 82/100. Auf Petrus entschied man sich seinerzeit, in 1991 keinen Grand Vin zu machen.

Recht schön aber sehr kurzlebig waren die trockenen Weißweine aus Bordeaux, von denen ich einige, wie z.B. Aile d´Argent von Mouton Rothschild und Lynch Bages Blanc Mitte der Neunziger häufiger getrunken habe. Da dürfte heute aber nichts trinkbares mehr bei sein.

Ziemlich übel sah es in Sauternes aus. Habe ich bisher noch nicht im Glas gehabt.

Auch in Burgund war das Wetter kaum besser als in Bordeaux. Schneefälle im Frühjahr, Regen im Herbst, dazwischen ein heißer Sommer. Also eher ein kleineres Jahr für die Roten Burgunder und ein ziemlich mäßiges für die Weißen.

Ein Pommard von Comte Armand war 2009 ein anstrengender, kleinerer Wein mit viel bissigem, etwas unreifem Tannin, viel Säure und wenig Frucht – 82/100. Die gesamte Palette von DRC inkl. Romanée Conti hatte ich zweimal 1994 und 1996 getrunken. Das waren damals charmante, frühreife, schmeichlerische Weine, denen ich seinerzeit keine allzu große Zukunft gab, wobei mir seinerzeit der La Tâche mit Abstand am besten gefiel. Und just dieser La Tâche entpuppte sich 2015 aus der Magnum als immer noch so jung, unglaublich druckvoll mit traumhaft süßer Frucht, feinster Himbeere mit schöner Fruchtsüße, ein nicht unangenehmer Schuss Bauernhof und Kräuter in der Nase, hohe Mineralität, schlichtweg perfekte Struktur, gute Zukunft – WT97. Der Volnay Les Mitones von Hubert le Montille hatte 2009 eine recht schöne, süße, leicht animalische Nase, aber am Gaumen überwogen die grünen Noten unreifer Tannine, da wird wohl auch nichts mehr draus – 87/100. Gut in Erinnerung geblieben ist mir aus 1997 der erstaunlich opulente Chambertin von Rousseau – 94/100, während ich mich im gleichen Jahr mit seinem ganz netten, aber zu dünnen Ruchottes Chambertin nicht anfreunden konnte – 85/100.

Von den in den 90ern getrunkenen Weißen Burgundern hat mich nur wenige so richtig begeistern. Selbst ein Meursault Clos de la Barre von Comte Lafon, den ich immerhin mehrfach mit bis zu 93/100 im Glas hatte, wirkte 2007 schon verdammt reif und oxidiert – 85/100. Der Meursault Charmes von Comte Lafon war 2006 in jeder Beziehung noch jung und frisch wirkend, das war Burgund vom Allerfeinsten, mit wunderbarer Nase, spielerischer Eleganz am Gaumen, feiner Mineralität und toller Länge, sicher noch mit Potential für etliche Jahre - 96/100. Tief und reif 2012 die Farbe des Le Montrachet von Comte Lafon, in der Nase frischer Pflaumenkuchen, aber auch Tabak, enorme Dichte, Kraft und Komplexität am Gaumen, irrer Abgang, baute nicht ab, sondern entwickelte sich enorm im Glas, explodierte förmlich. Holger und ich waren hin und weg. Ein riesengroßer Wein, der jede Jahrgangstabelle Lügen straft – 97/100 .Den Le Montrachet von DRC fand ich 1994 und 1996 recht schön, aber doch eher leichtgewichtig. Le Montrachet von Ramonet war zuletzt 2006 kein schlechter Wein, aber es fehlte im schlicht und einfach an Fett. Er schien seinen Trinkhöhepunkt auch bereits überschritten zu haben. Am Leben hielt ihn nur noch die kräftige Säure - 90/100. Zahlreiche, weitere Verkostungsnotizen aus den 90ern, die jedoch nur noch historischen Wert haben. Sollte ich noch eigene 91er Burgunder im Keller finden, werde ich sie sicher sehr bald trinken, neue dazu kaufen aber in keinem Fall.

An der Rhone zum Teil erstaunlich große Weine im Norden, vor allem in Côte Rotie und kleine Weine in Chateauneuf..

Der Côte Rotie Mordorée von Chapoutier war 2007 ein unglaublich dichter, komplexer, aber immer noch zu junger Wein mit gewaltigem Potential. Sehr mineralisch, würzig, rohes Fleisch, sehr lang am Gaumen - 96+/100. 2016 deutlich offener, erinnerte in seiner opulenten Würze an große La Moulines – WT99. Der Hermitage Le Pavillon von Chapoutier hatte 2005 eine superdichte, immer noch jugendlich wirkende Farbe, in der Nase Gewürze ohne Ende, am Gaumen eine intensive, jugendliche Fruchtsüße, dazu Lakritz und eine unbändige Kraft. Ein Wein mit Irrsinnspotential und Langlebigkeit - 96+/100. Zuletzt 2014 voll da und einfach Weltklasse – WT100. Der Hermitage von Chave war 2009 im Rössli in Bad Ragaz ein gewaltiger, fordender, maskuliner Wein, immer noch mt deutlichem Tanningerüst und sicher jede Suche wert – 95+/100. Wunderbar gereift 2002 in Boston ein Brune etBlonde von Guigal mit gebratenem Schinken und Veiclchen – 92/100. Immer noch sehr jung wirkten zuletzt Weihnachten 2008 die drei Lagenweine von Guigal, wobei uns der kraftvolle La Landonne mit 97/100 am Besten gefiel, gefolgt vom würzigen, seidig-eleganten La Mouline mit 95+/100 und dem lakritzigen La Turque mit 94+/100. Bei allen drei Weinen ist keinerlei Eile geboten. La Landonne zeigte sich 2016 sehr kraftvoll, trüffelig und edel-rustikal – WT98. Gut gereift, aber immer noch so frisch war 2016 der Côte-Rotie von Ogier, burgundisch und animalisch zugleich mit faszinierender, Côte-Rtie typischer Aromatik, so irre druckvoll bei schlappen 12% Alkohol - WT95. Auch der La Landonne von Rostaing wirkte 2008 trotz aller Zugänglichkeit immer noch recht jung, rauchig, Holzkohle, Lakritz und Veilchen, die typischen Fleischnoten, ein großer, klassischer Côte Rotie mit guter Struktur - 94/100. Zuletzt 2012 immer noch noch so jung, so frisch, würzige Frucht, großer Kräutergarten, Garrigue, gebratener Speck, auch etwas Minze, Leder, Holzkohle, sehr mineralisch, präzise und lang, jede Suche wert – 95/100.

Dreimal habe ich den Ermitage Blanc Cuvée de l´Orée von Chapoutier getrunken. 1999 hatte er eine klassische Burgundernase mit Stinker, am Gaumen furztrocken, würzig, lang, mineralisch, erdig, leichter Bitterton, wird mit viel Zeit und Temperatur auch am Gaumen burgundischer und Montrachet-ähnlicher – 95/100. 2001 aus zu kleinen Gläsern mit zuwenig Luft und Zeit kamen da nur 90/100 ins Glas. 2012 hatte dieser Wein seinen großen Auftritt. Ein enorm dichtes Kraftbündel, sehr mineralisch, extrem lang und nachhaltig, einem großen Burgunder nicht unähnlich, aber mit Turbolader – 96/100. Der goldgelbe Hermitage Blanc von Chave war 2009 ein kräftiger, etwas rustikaler Charakterstoff mit deutlichem Burgunder-Stinker in der Nase, erst etwas gemüsig, dann immer rauchiger, sehr dicht, kraftvoll, komplex und lang am Gaumen – 94/100.

Ein ziemlich schwaches Jahr im Elsass. Trotzdem ist bei den sehr spät gelesenen edelsüßen Weinen immer noch die ein oder andere Überraschung drin.

Clos St. Hune hatte 1997 auf dem Trimbach-Dinner im Hummerstübchen in der Nase einen dicken Apfel, aber auch massiven Stallgeruch. Am Gaumen bissige Säure und Bitterton im Abgang - 87/100. Kräftig, eckig und rustikal 2012, könnte in einigen Jahren durchaus noch mal für eine Überraschung gut sein – 89/100.

An der Loire galt der Jahrgang vor allem durch die sehr späten Fröste als schwierig. Ich habe nur einmal, 1994, einen sehr schroffen, kurzen Coulée de Serrant im Glas gehabt, der keinerlei Lust auf weitere Loire-Experimente in diesem Jahrgang machte.

Auch Deutschland sah späte Fröste, einen warmen Sommer und Regen im September. Ein maximal mittelprächtiges Weinjahr mit früh trinkreifen Weinen, insbesondere im trockenen Bereich, und nur ein paar wenigen Überlebenden. Besser sieht es im edelsüßen Bereich aus und hier vor allem von bei den vielerorts produzierten Eisweinen.

Sehr reif 2003 ein Winninger Röttgen von Heymann-Löwenstein – 85/100. Sehr delikat und frisch meine 12 Wehlener Sonnenuhr Spätlesen von JJ Prüm, die ich mit 90/100 viel zu früh bis 1999 ausgeleert habe. Könnte immer noch eine Suche wert sein und war 2009 aus der Magnum feinfruchtig, elegant, mit dezenter Restsüße und spielerischer Leichtigkeit - 92/100. Eine Immich-Batterieberg Auslese bestes Fass hatte 2013 eine schon leicht ins güldene gehende, tiefe aber brillante Farbe, Orangenzesten, Trockenfrüchte, unglaubliche Frische, feine Schiefermineralität, die Süße praktisch nicht spürbar. Harmonisch trocken wirkte dieser große Wein mit atemberaubender Aromatik und Fülle, gewaltiger Komplexität und so unglaublich balanciert und stimmig, das waren locker WT94. Leiwener Klostergarten Eiswein von Werner hatte 2004 im Ifen einen wunderbaren Nougat-Ton, noch sehr frisch wirkend, auch in der Nase, sehr schöne Säure - 94/100.

Riesling Blaulack Eiswein von Schloss Johannisberg hatte 2001 auf dem Weingipfel eine etwas aufdringliche, bonbonhaft süße Nase, war aber am Gaumen sehr würzig mit prägnanter Säure und wunderbarer Länge – 92/100. Ein Winkler Hasensprung Eiswein von Wegeler-Deinhard hatte 2007 immer noch eine tolle Frucht, feine Honigtöne und eine knackige Säure - 92/100.

Ein Haardter Herzog Riesling Eiswein von Müller-Catoir war zuletzt 2003 üppig mit exotischer Frucht, ein fettes Teil mit schöner Süße und Säure, gut balanciert - 95/100.

Viele trockene Weine aus Österreich habe ich in den 90ern getrunken. Trinkbare Weine wird es da sicher immer noch einige geben, nur kommt halt der große Spaß nicht mehr auf. Nicht mehr viel los 2016 mit einem schon ziemlich oxidativ wirkenden Singerriedel Smaragd von Hirtzberger – WT83. So war Ein Riesling Privat von Nigl 2007 im Pfefferschiff sehr reif mit Petrol ohne Ende, aber auch mit wenig Frucht und deutlichem Kellermuff, wirkte insgesamt etwas gezehrt - 84/100. Der Riesling Bodenstein von Prager war 2017 noch so taufrisch, so filigran mit herrlicher Frucht – WT95.

Gewöhnungsbedürftig war 1998 bei Schorn ein Müller-Thurgau Ausbruch von Feiler-Artinger, der eher Richtung Sherry/Madeira ging – 82/100. Wunderschön 2008 immer noch und mit Potential für etliche Jahre 2008 ein feiner Zweigelt von Fischer aus der Magnum – 90/100. Ein Ruster Ausbruch von Markus Fischl war 2013 sehr fein und balanciert mit nicht übermäßiger Süße – WT93. Faszinierend mehrfach 1994, 95 und 98 ein Grüner Veltliner Eiswein Riede Muckenthal vom Weinbau Hubert Schäfer

mit leicht exotischer Anmutung und schönem Süße-/Säurespiel – 92/100. Der konnte nicht nur altern, sondern wurde immer besser, so die letzte, faszinierende Flasche 2012 - 94/100.

Ein kleines, vernachlässigbares Italienjahr.

Sassicaia gefiel mir 1996 auf der Vertikale der Ungers nicht, zuwenig Frucht, zuviel Säure – 82/100. Um so erstaunter war ich 2017 auf der Alpina Auslese, als da aus der Magnum ein zwar reifer, aber sehr feiner, eleganter, mineralischer Wein ins Glas kam – WT90. Der Brunello di Montalcino Riserva von Vasco Sassetti war 2000 schon weit entwickelt – 88/100.

Erstaunlich präsent noch 2012 der Regaleali Chardonnay aus Sizilien, der mächtig im Glas zulegte, nussig und mit feiner Kräuternote – 89/100.

In einem spannenden Vergleich bekamen wir 2009 auf der großen Gantenbein-Probe zwei Versionen des Blauburgunders ins Glas. Die im Stahltank ausgebaute Variante wirkte stahlig, kompakt, sehr schlank mit viel Säure – 88/100. Völlig anders die im Barrique ausgebaute Version. Die kam meinen Vorstellungen von einem großen Burgunder schon sehr nahe. Ein wunderbar fülliger, reicher, süßer Wein, der einfach deutlich mehr her machte, mit gut eingebundener Säure und langem Finale. Das Holz hatte dieser wunderbare Wein sehr gut verdaut – 94/100. Eher etwas harmlos fand ich 2009 den reifen Merlot Montagna Magica von Daniel Huber aus dem Tessin – 89/100.

Alion war 2007 auf René Gabriels großer Spanien-Probe ein unglaublich dichter, konzentrierter Wein, dem aber irgendwo die Harmonie und das Gleichgewicht abhanden gekommen waren. Schmeckte bei aller Fülle etwas gewollt und nicht gekonnt - 90/100. Clos Mogador war 2006 ein sehr dichter, konzentrierter Brocken mit reifen, dunklen Früchten, Veilchen, der schon erste Reife zeigte – 92/100. Zuletzt 2009 ein sehr rustikaler, mineralischer Wein, etwas Liebstöckel, bittere Medizin. Ein staubiger Feldweg, Frucht schon weg, Tannin noch da, erinnert an „übriggebliebene“ 91er Bordeaux, trinkbar ja, trinken mit Genuss eher nein – 87/100. Der einfache Tondonia von Lopez de Heredia wirkte 2011 immer noch sehr jung mit deutlicher Astringenz. Durch die diffuse, süßliche Frucht wirkte er künstlich und wie ein Wein von Haribo, nicht mein Fall – 85/100. Der Tondonia Gran Reserva wirkte 2014 durch die spürbare, amerikanische Eiche recht süß, zeigte aber auch großartige Struktur und Fülle – WT93.

Pesquera Janus war zuletzt 2003 voll auf dem Punkt mit süßer, würziger Frucht, aber auch schon deutlichen Reifetönen in der Farbe – 94/100. Noch einen Tick drüber habe ich seinerzeit den grandiosen, sehr häufig auf diesem Niveau getrunkenen Pesquera Reserva eingeordnet – 95/100. Hatte 2012 nicht mehr das unbekümmerte, unbeschwerte aus der Jugend, wirkte gut gereift mit schöner Frucht, Tabak, Leder, Würze, aber den Wein kenne ich aus seiner Jugend deutlich besser, vielleicht geht ja dieser Wein, der nach Aussagen von Alexandro Fernandez Nachfolger des legendären 75ers sein soll, derzeit auch nur durch eine etwas verschlossene Phase – 92/100. In keinem Fall, das zeigte die voll intakte Farbe, besteht Eile, diesen Wein auszutrinken.

Sehr gutes Tokayer-Jahr.

Ein Tokay Aszu 5 Puttonyos Nyulaszo der Royal Tokay Wine Company war 2007 im Genfer Chat Botté Marillenlikör pur mit intensiver Süße und unglaublicher Säure, dabei noch unglaublich frisch und sehr jung – 94+/100.

Ein Chateau Musar war 2001 in Halifax, wo mich „9/11“ stranden ließ, wild, exotisch, etwas animalisch, aber sehr schön – 90/100. Wirkte 2016 noch sehr jung und ließ wenig raus. Man spürte aber das enorme Potential dieses Weines – WT92+.

Grandioser Kalifornien-Jahrgang. Weine mit herrlicher Frucht und trotzdem großem Standvermögen.

Der Abreu Cabernet Sauvignon Madrona Ranch hatte 2011 nicht die aromatische Dramatik der jüngeren Abreus, eher ein feiner, fruchtiger, gut gereifter Wein, der stilistisch noch mit einem Bein in den 80ern stand – 92/100.Der mehrfach getrunkene Beringer Private Reserve zeigte 2008 eine wunderbare Kombination aus Kraft und Eleganz mit minziger Frucht und genug Rückrat für 10 weitere Jahre - 94/100. 2009 auf unserer ersten Best Bottle des Jahres ein Traum-Cabernet, tiefdunkle Farbe, sehr kräftig mit guter Struktur und immer noch reichlich Tannin für ein längeres Leben, herrliche, beerige Frucht, die mit Luft und Zeit generöser und süßer wird, dazu ein Schuss Minze. Ein absolut stimmiger Wein, der reife, kalifornische Frucht mit bordelaiser Struktur zu einem harmonischen Ganzen verbindet – 95/100. Ähnlich noch mal gegen Ende des Jahres. 2011 in der Schweiz weit von der Bestform entfernt – 91/100. Doch meine beiden letzten Flaschen zeigten 2015, dass hier aus guter Lagerung noch länger was geht. So frisch, so stimmig und minzig mit seidiger Eleganz, feinem Schmelz und langem Abgang – WT94. Immer sehr hoch bewertet habe ich den grandiosen, jugendlichen, seit 1996 (damals verwies er den 86 Grange auf die Plätze) über 20mal getrunkenen Caymus SpecialSelect. 2001 hatte ich ihn zweimal mit 99/100 im Glas. 2004 besaß er aus der Magnum immer noch eine junge Farbe, süße Cassis-Frucht unterlegt mit deutlicher Minze, war sehr lang am Gaumen, machte in dieser Magnum deutlich zugänglicheren, reiferen, seidigeren Eindruck - 97/100. Mehrfach 2010 und 2011 als Traum-Kalifornier mit wunderbarer, präziser Frucht und konstant 99/100. 2012 auf der American Beauty V habe ich dann erstmals die 100/100 gezückt. Mehrfach danach, konstant bei WT99, flirtete 2014 3mal wieder mit der Perfektion. Einfach sexy, diese betörende Cassisfrucht und dazu diese Frische und Leichtigkeit – WT99. Auch 2016 wieder – WT99. Bedenken hatte ich beim gut ein Dutzend Mal getrunkenen Dalla Valle Cabernet Sauvignon. Diese frühere Junior-Ausgabe des Maya( 1995 - 95/100) ging etliche Jahre durch ein tiefes Tal, entwickelte aber zuletzt 2008 eine kräuterige, minzige Süße und wird wieder zunehmend attraktiver - 93/100. 2016 war das dann so eine richtig geile, kalifornische Wuchtbrumme mit satter, dunkelbeeriger, kalifornischer Frucht, mit Minze, Graphit und einem Hauch Eukalyptus, blieb sehr lang am Gaumen – WT96. Eine ähnliche Entwicklung dürfte auch Maya durchlaufen. An drei Tagen hintereinander hatte ich den 1995 in Las Vegas im Spago als perfekten Zwilling des jungen 1986 Mouton mit 100/100 im Glas. Danach noch einmal 1997 bei Caduff und 2000 in der Sansibar mit 98/100. Leider zuletzt auf der American Beauty IV eine üble, oxidative Flasche. Ein spannender, fordernder Wein mit sicher noch 20+ Jahren Zukunft war 2006 bei Jörg Müller der schon häufig getrunkene Diamond Creek Gravelly Meadow, Sehr mineralisch, schlank, mit kräftiger Säure, aber auch Frucht und kräuteriger Würze, dabei harmonisch und elegant mit kräftigem Rückrat – 93/100. Zeigte sich 10 Jahre später, auch wieder bei Jörg Müller, unverändert. Ob der jemals altert?Zum Diamond Creek Volcanic Hill notierte ich zuletzt 2001 in einer Probe Cassis, massig Blaubeeren, massive Tannine, klassische Struktur eines jugendlichen Bordeaux, steht wie eine "1" im Glas, falls die Tannine jemals weggehen, bleibt/wird das ein Riese - 95/100. Zur Verzweifelung hat mich schon häufig Dominus getrieben. Um die Jahrtausendwende hatte ich ihn endlich mehrfach mit bis zu 96/100 im Glas, doch alle Flaschen danach waren freudlos tanninig, 2008 auf der American Beauty kräuterig und dabei sehr bitter, dominiert von massiven Tanninen, wohl eine schlechte Flasche - 85/100. 2010 auf der großen Dominus-Vertikale offen, sehr minzig, Leder, süße Frucht, enormer, aromatischer Druck am Gaumen und gewaltige Länge, dabei erstaunlich ausgewogen und harmonisch – 97/100. Mehrfach ähnlich in 2011, aber immer noch mit massiven Tanninen. 2012 auf der American Beauty V betörende, beerige Nase, auch am Gaumen feine, elegante Frucht, Minze, Leder, Pepperoni, deutlich spürbares Potential – 96/100. Zeigte sich 2013 plötzlich als schnurrende Schmusekatze, sehr elegant, zugänglich, finessig, vielschichtig mit reife, roten Früchten – 94/100. Zeigte sich 2016 zweimal wieder von seiner besten Seite. Kam erst geradezu süß, offen und sehr zugänglich ins Glas, ein Tiger als Schmusekätzchen. Doch das gab sich mit Zeit und Luft. Die erst so süße Frucht wurde in der Nase immer mehr von Mentholfrische überdeckt, am Gaumen gewann der Dominus immer mehr an Struktur, wurde kräftiger und länger im Abgang, ohne diesen generösen, süßen Schmelz zu verlieren. Tannine sind immer noch reichlich vorhanden, aber reif und weich. Manikürte Krallen also. Selten hatte ich soviel Spaß an einem Ritt auf einem Tiger, zumal hier noch reichlich Zukunft ist - WT96. Ende 2016 noch einen Tick drüber – WT97. Ein beeindruckender, jugendlicher Kraftprotz war 2013 zweimal der Dunn Howell Mountain, so eine Art Montrose aus Kalifornien mit noch Jahrzehnten Zukunft – WT95 und WT94+. 2016 deutlich offener mit traumhaft balancierter Frucht – WT94+. 1998 ein sehr gelungener, seidiger, nachhaltiger Eisele Cabernet Sauvignon Family Estate – 93/100. Mehrfach 2000+2001 ein sehr feiner, eleganter Etude – 92/100. Immer noch recht jung wirkte 2013 der Forman Cabernet Sauvignon, ein klassischer, geradliniger Kali-Cabernet mit einem deutlichen Schuss Pauillac, viel altes Sattelleder und Minze – 93/100. Sehr fein und elegant 2014 aus der Magnum der Grace Family Vineyard mit dunklen Früchten, Minze, Sattelleder, schöner Fülle und guter Struktur – WT94. Harlan zeigte 2002 schon erste Reife, ein sehr feiner, eleganter, langer Wein im Stile einer gossen Comtesse – 97/100. Auch 2014 auf der großen Harlan-Vertikale mit sehr reifer, fast etwas überreif wirkender Frucht, Kaffee, Pflaumenmarmelade, weich und generös am Gaumen, aber auch noch mit guten Tanninen für eine längere Lebensdauer – WT92. Heitz Martha´s Vineyard, schon sehr häufig getrunken, war 2007 wieder kraftvoll, perfekt strukturiert, mit etwas Eukalyptus und hohem Potential, ein Wein für die nächsten 20 Jahre - 94/100. 2009 ein sehr langlebiger Kalifornier alter Machart mit einem guten Schuss Bordeaux-Stilistik, sehr minzig, Eukalyptus, altes Sattelleder und etwas Tabak, ein gewaltiger, kräftiger, druckvoller Wein, der schon sehr viel, aber noch längst nicht alles zeigt – 95+/100. 2011 auf der großen Heitzprobe der Ungers ein Riese im Werden, der sehr viel, aber längst noch nicht alles zeigt, ein noch jugendlich wirkender, enorm kräftiger, intensiver, hoch aromatisch wirkender Wein – 96/100. 2012 auf der American Beauty V Sehr minzig, altes Sattelleder, Eukalyptus und Tabak in der Nase, am Gaumen perfekte Struktur, noch etwas schlank wirkend, dabei rassig und enorm druckvoll mit großartiger Länge – 96+/100. Zuletzt auf gleichem Niveau mehrfach in 2013, 2014 und 2015. Ähnlich eigentlich auch Heitz Trailside Vineyard, der um die Jahrtausendwende mehrfach im Glas förmlich explodierte und sich jetzt auf zivilisierterem Niveau für die nächsten 15-20 Jahre eingerichtet hat. 2007 bei den Ungers ein großer Heitz mit bester Struktur, sehr minzig und mit einem guten Schuss Eukalyptus - 94/100. 2008 in der American Beauty eine schlechte Flasche, die aber wohl ein Ausreißer war. 2009 im Adler in Hurden ein perfekter Winter-Kaminwein, der sehr warm-würzig rüberkommt und Seele und Gaumen gleichermaßen wärmt. Alter, mit Minzöl eingeriebener Ledersattel, Eukalyptus, viel Zedernholz, schöne Länge – 94/100. Zuletzt 2011 sehr medizinal wirkend und die Wick Medinait-Nase schon sehr ins Jodige gehend, am Gaumen viel Säure und wenig Freude, dafür viel Soyasauce und Maggi, wurde mit zunehmender Luft immer schlimmer, eine schlechte Flasche? – 86/100. Schon fast auf Martha´s Niveau lag 2011 der Heitz Cabernet Sauvignon, mit viel Minze und Eukalyptus, immer noch recht jung wirkend mit sehr guter Struktur, jede Suche wert – 94/100. 2012 2mal noch sehr jung wirkend, aber mit viel Potential - 92+/100. 2013 war ich bei diesem blutjungen Wein, der wieder richtig durchstartet mit Cassis pur und viel Minze mehrfach bei WT95+. Sehr gut gefiel mir 1996 ein Hess Collection, der aber inzwischen auf dem Abstieg sein dürfte. Seinen Höhepunkt deutlich überschritten hat wohl La Jota 10th Anniversary Release. Zuletzt 2009 zwar mit etwas Eukalyptus und Minze, aber auch mit deutlichen Reifetönen – 92/100 mit weiter fallender Tendenz. Mehr erhofft hatte ich mir 2012 von einem Laurel Glen, reifer Cali-Cab mit rauchiger Nase, Minze und Kräuter, wenig Frucht, am Gaumen weich nicht nicht sehr komplex - 89/100. Auch der 1998 getrunkene, sehr feine, elegante aber nicht sehr nachhaltige Kendall-Jackson Cardinale Reserve – 88/100 – dürfte inzwischen deutlich auf dem Abstieg sein. Laurel Glen war 2012 reif, mit rauchiger Nase, Minze und Kräuter, wenig Frucht, am Gaumen weich nicht nicht sehr komplex - 89/100. 1996 in Las Vegas hat uns der Leonetti Columbia Valley Cabernet Sauvignon mächtig beeindruckt (94/100), könnte immer noch interessant sein. Nie vom Hocker gerissen hat mich der mehrfach getrunkene Merryvale Profile, zuletzt 2006 an Kampens Buhne 16 sehr reif mit zwar noch dichter Farbe, aber ersten Brauntönen - 90/100. Eine Suche wert ist Mondavi Reserve, den ich 2008 mit 95/100 im Glas hatte, und der locker noch ein Jahrzehnt vor sich hat. 2009 eine traumhafte, sehr elegante und trotzdem nachhaltige Melange aus einem Kalifornier klassischer Machart und einem großen, reifen Bordeaux mit wunderbarer Minzfrische – 96/100. Auf der American Beauty III 2010 mit seiner animalischen Nase, der alten Ledertasche, der Minze und den vielen Kräutern wirkte er in seiner kernigen, leicht rustikalen Art wie ein US-Lafleur, am Gaumen kräftig, etwas Bitterschokolade, ein Wein zum Kauen – 95/100. 2015 ein kerniger Charakterstoff, Minze, alte Ledertasche, Kräuter, ein Hauch Eukalyptus, lang am Gaumen mit erster, feiner Süße, ein großer Kalifornier alter Schule mit noch viel Zukunft – WT96. Auch 2016 aus der Impi auf diesem Niveau – WT96. Ähnliches gilt für den sehr konzentrierten Chateau Montelena, der 2000 noch einen zu jungen Eindruck machte, aber sicher Potential für 95/100 besaß. Das war 2012 großer Montelena, wie ich ihn kenne und liebe, einer der langlebigsten Kalifornier überhaupt, zupackend mit irrer Dichte und puristisch schöner, süßer Frucht – 97/100. Auch 2017 mehrfach mit dichter, altersfreier Farbe, mit reifer, saftiger, aber auch präziser Frucht, dezente Fruchtsüße, viel Minze, gute Mineralität, immer noch präsente, aber reife Tannine – WT97. Bei Moraga aus der Doppelmagnum war 2011 recht reif die Farbe, sehr fein die Aromen, Kräuter, altes Leder, Minze, Zedernholz, am Gaumen seidige Eleganz mit reifen, weichen Tanninen, baute enorm im Glas aus. In der Nase machte sich immer mehr die reife Johannisbeere bemerkbar. In so einem Wein könnte ich baden, ein großer, reifer St. Julien aus Kalifornien – 94/100. Ein paar Stunden später haben wir den Moraga noch mal nachverkostet, wiederum blind wohlgemerkt. Und siehe da, die Bewertungen unseres kleinen Kreises, auch meine, stiegen auf 96/100. Da spielte natürlich ganz eindeutig der Großflaschenbonus eine Rolle. 2013 eine 1tel sehr reif schon in der Farbe, Bratensoße statt Frucht, Liebstöckel, Soyasoße, oxidativ, nur am Gaumen etwas gefälliger mit malziger Süße – 88/100. Opus One war 2009 süß, weich, generös und einfach unglaublich lecker, allerdings auch nicht so komplex wie die großen Opus aus den 80ern – 94/100. 2011 auf der American Beauty IV ein sehr feiner, stimmiger, eleganter Wein, mehr Bordeaux als Kalifornien – 94/100. 2015 wunderbar gereift in einer Magnum aus perfekter Lagerung, sehr minzig, Sattelleder, Cassis, mineralisch, mehr Mouton als Mondavi mit cremiger Textur und hohem Suchtfaktor - WT94. Einen völlig anderen Stil als die modernen Pahlmeyers hatte 2011 der Pahlmeyer Cabernet Sauvignon Caldwell Vineyard. Erinnerte in seiner kräftigen, rustikalen, fast etwas rohen Art eher an Dunn und wirkte insgesamt noch recht jung – 93/100. Auch Phelps Eisele war 2008 aus der Magnum verkostet immer noch ein Gedicht – 94/100. 2014 immer noch sehr junge Farbe, schwarze Johannisbeere, Maulbeeren, rauchig, mentholige Frische, Minze,der Bleistift von Mouton, am Gaumen Finesse pur, ein sehr eleganter, absolut stimmiger Wein, mehr Bordeaux als Kalifornien - WT94. Das gilt ebenso für Phelps Insignia, der sich mehrfach in 2006 und 2007 sehr kraftvoll, immer noch jugendlich und mit wunderbarer Frucht auf konstant 95/100 Niveau präsentierte. 2014 einfach eine obergeile Mischung aus Schoko, Kaffee Minze, After Eight in Vollendung, feine Fruchtsüße, gewaltige Länge und viel Tiefgang. Hier spielt die Musik noch sehr lange – WT97. Immer noch recht jugendlich mit toller Struktur präsentiert sich auch Ridge Monte Bello, von dem ich im Sommer 2007 die zwölfte Flasche im Glas hatte – 95/100. 2013 Sehr tief die Farbe, kraftvoll mit pflaumiger Frucht und ebenfalls viel Trüffeln, dazu schokoladig, süß und durch die geringe Säure recht füllig – 95/100. Eine weitere Flasche 2013 herrliche Frucht, Fülle und tolle Struktur, noch so irre jung und rassig – 96/100. Auch 2014 wieder auf diesem Niveau. Wirkte 2016 etwas reifer und weicher, dabei dekadent lecker mit süchtig machendem Schmelz – WT96. Sehr schön 2009 Shafer Hillside Select mit der eher klassischen, an große Medocs erinnernden Stilrichtung der älteren Hillsides aus der Zeit vor 1992. Leicht stallige, animalische, ledrige Nase, mehr Bordeaux als Kalifornien, Eleganz statt Power, etwas kurz am Gaumen, aber sicher noch lange lagerfähig – 93/100. Bei aller Zugänglichkeit war das 2010 ein Wein mit toller Struktur und enormem Potential, immer noch so jung wirkend mit feiner, süßer, fruchtiger Nase, sehr kraftvoll und lang am Gaumen – 96/100. 2014 voll da, klassische Bordeaux-Stilistik mit geiler, kalifornischer Frucht, einfach dekadent lecker, ohne üppig oder breit zu wirken – WT97. Gut 20mal hatte ich in den letzten 12 Jahren den genial-leckeren Alexander Valley von Silver Oak mit seiner klassischen Dillnote im Glas, ein Spaßwein par Excellence, der sich auch in meiner vorletzten Flasche 2008 unverändert auf 93/100 Niveau präsentierte. Mit geiler, süßer Frucht und der klassischen Dillnote punktete er 2014, immer noch sehr jung und praktisch altersfrei wirkend – WT95. Groß auch der ähnlich oft getrunkene Napa Valley von Silver Oak noch mal eins drauf, zuletzt 2007 in einer Best Bottle leicht zu erkennen an der typischen, kräuterigen Dill-Nase, blumige, ausrucksstarke Frucht, Johannisbeere, aber auch dunkle Früchte, Veilchen, Lakritz, sehr dicht, kräftig, wird im Glas immer üppiger, offener mit feiner Süße - 95/100. Füllig. Opulent, jung mit exotischer Frucht 2010 der Bonny´s Vineyard. Mehrfach habe ich in 2002 den Silverado Cabernet Sauvignon Limited Reserve getrunken, einen sehr reifen Wein mit ledriger, animalischer Nase, weich am Gaumen – 90/100. Spottswoode hatte 2000 in Las Vegas eine sehr dichte Farbe, portige Anklänge, Kräuter, auch etwas Überreife - 94/100. 2010 auf der Farnsburg immer noch jung und frisch mit viel Eukalyptus und Minze, ein sehr feiner, eleganter Wein – 94/100. Zum ersten Mal im Glas hatte ich den damals auf 94/100 Niveau sehr überzeugenden Stag´s Leap Cask 23 1996. Sehr stimmige, elegante und ausgewogen zuletzt 2012 auf der American Beauty V, Schwarztee, feine Beerenfrucht, seidige Eleganz am Gaumen – 96/100. Togni hatte 2007 eine herrliche Nase, floral, großer Heuschober, Tabak, reife Pflaume, Blaubeeren, aber auch getrocknete Tomaten, am Gaumen mit unglaublich druckvoller Aromatik und Länge, sehr komplex und vielschichtig, entwickelte sich sehr gut im Glas und ist erst ganz am Anfang - 97/100. Wirkte zuletzt 2011 auf der American Beauty noch so blutjung, frisch und floral die Nase, reife Blaubeeren, ungeheurer aromatischer Druck am Gaumen, der gibt dermaßen Gas, dabei aber mit sehr präzisen Konturen, wird über die nächsten 5-10 Jahre weiter zulegen – 95+/100. Saintsbury Pinot Noir Carneros Reserve war 2010 ein immer noch recht kräftiger, fruchtig-schmelziger, sehr spannender und animierender Pinot, dem vielleicht etwas die Finesse eines großen Burgunders abging, der aber trotzdem ungemeinen Trinkspaß bereitete – 91/100.

Auch die Weißen Kalifornier waren durch die Bank sehr gut gelungen. Die besseren unter ihnen wiederlegten eindrucksvoll das Ammenmärchen, kalifornische Chardonnays gehörten in den ersten Jahren nach der Ernte getrunken.

Sehr angetan war ich ein gutes Dutzend Mal zwischen 95 und 99 von Au Bon Climat Chardonnay Bien Nacido Reserve, wie ein großer weißer Burgunder in der klassischen Comte Lafon Stilistik, sehr fein, nachhaltig und elegant, Riesenstoff mit Alterungspotential, konstant 93-95/100. Und schrieb mir 99 bei meiner letzten, noch immer taufrischen Flasche auf, dass der eigentlich noch 10 Jahre liegen könnte. Und so konnte er auch 2009 noch voll überzeugen und ging locker als großer, jüngerer Meursault durch – 93/100. Auch der häufig getrunkene Sanford & Benedict Vineyard Chardonnay Reserve dieses Weinguts war 2000 zwar gut gereift mit cremiger Textur, aber ohne Alterstöne – 92/100. Sehr gut altern auch die Grgich Hills Chardonnays. Meine letzte Flasche 2000 war noch taufrisch mit guter Säure – 90/100. Sehr frisch und pikant, vom Stil her burgundisch 1999 ein Kalin Chardonnay Cuvée DD – 90/100. Im selben Jahr im Stile eines ganz großen Weißen Burgunders Kalin Chardonnay Cuvée LR Fin de Siècle – 95/100. Der Kistler Vine Hill Vineyard war 2008 sehr rauchig und immer noch stark von Holz diminiert, goldgelbe Farbe, Zitrusaromen, aber insgesamt auch etwas plump und ungelenk wirkend - 86/100. Ein Pinot Noir Blanc Eye of the Swan von Sebastiani war 2008 auf der American Beauty mit einer altrosa Farbe oxidiert, Mottenkugeln und jede Menge Klebstoff, untrinkbar.

Süßwein aus Kalifornien? Das tiefe Goldgelb des Freemark Abbey Johannisberg Edelwein Gold erinnerte 2010 an einen reifen Sauternes, die Aromatik auch. Ein Traum die Nase, eine prächtige Patisserie-Mischung und ein hocharomatischer Ausflug durch die schönsten Süßigkeiten dieser Welt, dazu die grandiose Fülle eines Sauternes, süß, karamellig, aber auch mit einer tollen Säure, die eher den Riesling zeigte, dabei überhaupt nicht klebrig, sondern eher luftig und elegant – 96/100.

Ein Domaine "A" Cabernet Sauvignon aus Tasmanien wirkte 1997 auf dem Weinforum Arosa grün, unreif mit hoher Säure – 78/100. Penfolds Grange war 2002 ein konzentrierter, dichter Klassiker mit massiven Tanninen, aber auch sehr präsenter Frucht - 95/100. 2014 auf der großen Grange Vertikale ein perfekter, großer, süchtig machender Grange mit verschwenderischer, süßer, rotbeeriger Frucht, wirkt auch am offenen Gaumen voll da, aber unter der Frucht verbergen sich noch deutliche Tannine - WT96.

Der Groot Constantia Cabernet Sauvignon war 2016 der Silver Oak aus Südafrika mit Schwarzer Johannisbeere, Minzfrische, guter Säure und sogar dem Schuss Dill, dabei noch so präsent dieser Wein mit junger Farbe – WT93.

Aus diesem eher kleinen Champagnerjahr habe ich noch nichts getrunken.

Sehr guter Portwein-Jahrgang. Riesengroß ist 91 Taylor, aber der Einzellagen-Port TaylorQuinta de Vargellas war 2009 bei Jörg Müller nur ein Schatten dessen – 93/100. Deutlich besser an gleicher Stelle 2009 der Taylor Quinta de Terra Feita Vintage Port, süß, konzentriert, irre komplex, Marzipan pur - 95/100. Der drehte weiter auf, 2013 tiefdunkel, großartige Frucht, Amarenakirsche, wunderbar balanciert und nachhaltig – WT97.