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1992

Keinen Deut besser als das Vorgängerjahr war 1992 in Bordeaux. Nur die inzwischen deutlich verbesserte Kellertechnik verhinderte eine Katastrophe. Leider war damit aber auch auf etlichen Gütern schon die Umkehrosmose eingezogen, mit der man für Wein ja leider immer noch Trauben braucht, aber keine Sonne oder sonstiges gutes Wetter mehr. So zumindest die Theorie. Doch leider verstärken sich bei der Konzentration des Weines eben auch die Fehltöne, was bei vielen 92ern sehr deutlich wurde. Ich habe deutlich mehr Weine getrunken, als in den nachfolgenden Notizen auftauchen. Doch das war zumeist in der Mitte der Neunziger. Da wurde schnell klar, dass dieser Jahrgang angesichts der damals immer noch zu guten Preisen erhältlichen Weine aus den 80ern eigentlich keine Berechtigung hatte. So landeten dann ab Ende der 90er die meisten meiner verbliebenen 92er auch nicht mehr im Glas, sondern auf der Auktion.

Cos d´Estournel war 2006 in der großen Cos-Probe ein weicher, reifer, wenig ausdrucksstarker Wein, der sich bereits auf dem Abstieg befindet - 84/100. 2016 einfach nur schwierig und „unlecker“ – WT76.

Lafite Rothschild startete 2009 ganz hoffnungsvoll mit feiner Frucht, baute dann aber schnell im Glas ab. Übrig blieb trotz immer noch guter Farbe nur ein dürres Gesöff mit viel Zedernholz und wenig Charme, das immer fruchtloser wurde – 84/100. Ähnlich 2011. Da gibt es nur eines, auf die nächste Auktion und ab nach China! Lynch Bages hatte seinen Höhepunkt um die Jahrtausendwende. So hatte ich ihn 2000 und 2001 mehrfach bei Hardy auf Sylt mit 88/100 im Glas. Zuletzt 2008 in der großen Lynch-Probe zeigte er zuviel Holz für zu wenig Frucht, wirkte dadurch ziemlich bitter - 82/100. Mouton Rothschild war einer der schönsten Bordeaux des Jahrgangs. Mit großem Vergnügen habe ich von diesem wunderbaren Schmeichler in seiner Hochzeit zwischen 1998 und 2002 eine ganze Kiste mit konstant 91-92/100 getrunken. Sehr schön 2011 die gefällige Nase mit etwas Brett und immer noch letzten Röstaromen, der etwas hohle Gaumen kam da nicht mit – 91/100. Riesenüberraschung 2013 bei der Mouton-Vertikale im Balm mit sogar noch jugendlicher Röstaromatik, mit reichlich Kraft, Fülle und Mouton-typischem Trinkspaß. Gut, da sind noch etwas ruppige Tannine, aber wenn die noch einigermaßen geordnet abschmelzen, könnte der 92er sogar noch zulegen. In dieser Form WT93+. Ein netter, unkomplizierter Trinkwein im Stile des 87ers auf 87/100 Niveau war in den 90ern mehrfach Pichon Comtesse. Würde ich inzwischen einen großen Bogen drum machen.

Leoville Barton war 2013 schlichtweg platt. Leoville las Cases hatte 2002 eine tolle Farbe, wirkte aber am Gaumen etwas grün und ungenerös – 84/100.

Während Margaux 2000 zwar ganz schön dünn war, kam er wenigstens noch mit 85/100 ins Glas. 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe war das nur noch grünes, sperriges Zeugs auf dem deutlichen Abstieg – 75/100. 2017 durchaus noch ein feiner, aber kleiner, gut trinkbarer Wein, der die besten Jahre längst gesehen hat – WT85.

Auf René Gabriels großer Haut Brion-Probe notierte ich 2006 zum 92er nur: für einen Trollinger verdammt viel Tabak, für einen Haut Brion absolut belanglos - 81/100. Hat sich aber auf niedrigem Niveau erstaunlich gut gehalten. 2012 etwas bissig, kräftig, wenig Charme – WT89. Gut gehalten hat sich einer der wenigen Lichtblicke des Jahrgangs, La Mission. Mehrfach mit konstanten Bewertungen getrunken, zuletzt 2006 auf Sylt, immer noch eine intakte, dichte Farbe ohne Reifetöne, für das grausame Jahr erstaunlich kräftig und ausgewogen mit feiner Frucht und kräuterigen Noten - 89/100.

Clinet war schon 1997 ein reifer, netter Schmeichler – 88/100. Latour-à-Pomerol war 2011 längst zu alt. Dem Le Pin merkte man 2010 deutlich an, dass es seinerzeit nicht nur im Sommer sondern auch während der Ernte viel regnete, helle, reife Farbe mit deutlichen Brauntönen, etwas diffuse Nase mit deutlichem Stinker, am Gaumen unreif, grün und auch schon ziemlich gezehrt wirkend – 83/100. Petrus war 2005 auf René Gabriels großer Petrus-Probe aus der Imperiale völlig daneben und roch nicht nur nach nassem Hund, er war auch am Gaumen ein verdammt mageres, enttäuschendes Gesöff - 79/100. Aber das war wohl nur eine schlechte Flasche. 2011 und 2012 war der Petrus mehrfach so fein, so unendlich elegant, so schmelzig und süß, dabei noch so jung und sehr nachhaltig, sehr vielschichtig mit großartiger Länge. Nein, ich habe mich nicht vom Etikett oder dem berühmten Namen blenden lassen. Dazu hatte ich schon zu viele Petrus im Glas. Aber das hier war ein echter Petrus-Traum, der erst ganz am Anfang steht, für den Jahrgang schlichtweg sensationell – 94+/100. Und meine letzte Flasche 2013 ein druckvoller, junger Überflieger - 96/100. Schon leicht über den Höhepunkt, aber nicht ohne Charme 2011 in der Alten Bürgermeisterei in Walbeck der Trotanoy, mit Bitterschokolade, Kakao und alter Ledertasche – 89/100. Valandraud war 2009 aus der Doppelmagnum füllig, buttrig, schokoladig, da war eine ganze Pralinen-Manufaktur drin – 94/100.

Angelus hat mir seinerzeit 1997 beim Weinwisser-Jubiläum und zwei weiteren Gelegenheiten sehr gut gefallen – 91/100. Könnte in Großflaschen noch interessant sein. Kaum Notizen habe ich von meinen 12 Flaschen Belair, die ich zwangsweise mit Petrus abnehmen musste. Wahrscheinlich haben wir mit diesem Wein gekocht, denn für viel mehr war er kaum zu gebrauchen. Cheval Blanc hatte 2008 eine leicht animalische Nase, recht kompakte, harsche Tannine, Frucht, Charme und Finesse weitgehend Fehlanzeige. Macht einfach keinen Spaß, dieser kleine Wein, der im Glas etwas gefälliger wird, aber über 84/100 nicht hinaus kommt. Hell die Farbe des Figeac mit deutlichem Wasserrand 2011, oxidiert und muffig die Nase, am Gaumen gezehrt und einfach hin – 78/100.Tertre Roteboeuf hatte 1998 eine dichte, kräftige Farbe, in der Nase reichlich Bitterschokolade, beinahe verschwenderisch lecker am Gaumen, nur eine leichte grüne Note am Schluss zeigt, dass hier ein potentiell großer Wein nicht voll ausreifen konnte, damals 91/100, inzwischen sicher deutlich auf dem Abstieg. Auch Troplong Mondot trank sich mehrfach um die Jahrtausendwende sehr schön und war trotz zu Anfang leicht grüner und floraler Töne recht gefällig – 90/100. Zuletzt hatte ich ihn noch mal im Sommer 2008, erstaunlich schön und kräftig, Dörrpflaumen aus der Ledertasche, kam recht elegant rüber und scheint noch lange nicht am Ende zu sein - 90/100.

Erstaunlich gut gelungen die trockenen Weißweine.

So war der Aile d´Argent von Mouton Rothschild um Klassen besser als das Vorgängerjahr und bis 1999 gut 12mal mit 90-92/100 in meinen Gläsern. Absolut grandios war zuletzt 2007 wieder der bisher gut 20mal getrunkene Fieuzal Blanc, noch so taufrisch mit feinen Röstaromen in der Nase, nussig, Stachelbeere, Limonen und auch Cassis, am Gaumen rassig frisch aber zugleich auch mit burgundischer Fülle. Absoluter Traumstoff, Sicher noch 10 weitere Jahre ein Gedicht, erinnerte mich an die großen Fieuzals aus 85 und 87 und ist immer noch eine Suche wert - 95/100. Haut Brion Blanc hatte ich 1996 mehrfach im Hummerstübchen mit 92-94/100 im Glas. Wenig anfangen konnte ich dagegen mehrfach in den 90ern mit Laville Haut Brion, der für mich Fieuzal&Co immer deutlich unterlegen war. Lynch Bages Blanc hatte zuletzt 2008 viel Säure, wenig Frucht, dazu überreichlich Holz. Die etwas anstrengende Nase mit Pappkarton und animalischem Stinker wurde mit der Zeit etwas besser - 83/100. Meine letzte von 7 Flaschen Pape Clement Blanc war 2000 auch die schönste, ein komplexer Wein, der keinerlei Alter zeigte – 92/100.

Kein gutes Jahr für Sauternes. Von den wenigen Weinen, die überhaupt produziert wurden – d´Yquem wurde deklassiert – ist mir noch keiner ins Glas gekommen.

Deutlich besser sah es in Burgund aus, wo etliche sehr respektable Rotweine geerntet werden konnten. Doch haben die besten dieser Weine enorme Zeit gebraucht. Jetzt erst fangen sie an, sich richtig zu entfalten. Der Jahrgang 1992 geht bei Burgundern auf die Überholspur.

Kräftig und etwas rustikal 2015 der Charmes Chambertin von Arlaud – WT90. Ein perfekt gereifter, sehr charmanter, feiner, eleganter Burgunder auf dem Punkt war 2015 der Charmes Chambertin von Alain Benadi – WT95. Schon sehr reif und leicht auf dem Abstieg 2016 der Griotte-Chambertin von des Chezeaux – WT89. Der Musigny Vieilles Vignes von Comte de Vogüe war 2013 so filigran, von solch luftiger Eleganz, aber so extrem aromatisch mit betörender, pikanter Frucht, Walderdbeeren und Himbeeren, sehr schöne Länge, Meißener Porzellan als Wein - WT97. Der Chapelle Chambertin von Pierre Damoy war 2014 ein kompletter, riesengroßer Burgunder mit Kraft, Druck, Länge und finesse – WT98. 2015 störte auf sehr hohem Niveau nur die etwas Brett-ähnliche Nase – WT97. Dem guten Yves Beck (gab 100) kamen bei diesem Wein die Tränen. Immer noch jugendlich mit gewaltigem Potential 2016 der Echezeaux von DRC – WT96. Der DRC Richebourg war 2015 im Schwarzen Adler in Oberbergen fast noch zu jung mit ungeheurer Brillianz gewaltigem Tiefgang, reife, dunkle Früchte, sehr würzig, ein charmantes Kraftbündel, das im großen Riedel-Burgunderpokal mächtig aufdrehte und nach 2 Stunden eine erste, verführerische Süße zeigte – WT96. Hat noch reichlich Zukunft. Noch eine Ecke drüber der 1992 DRC La Tâche mit irrer Fülle und Dichte, noch so jung, auch in der Farbe. Dreht unglaublich im Glas auf, wird immer druckvoller und länger, so würzig, so vielschichtig, entwickelte sich den ganzen Abend im Goldfisch-Aquarium, dem großen Riedel-Pokal, weiter – WT97. Eine Traumnase hatte 2015 der Chambertin Clos de Bèze von Duroché. Am Gaumen war er erst etwas verhalten, legte aber enorm zu und war dann so fein, so aromatisch und so lang – WT94. Zwei unterschiedliche Flaschen des Richebourg von Michele Gros 1998 bei Schorn, die erste etwas eindimensional wirkend, wohl noch etwas jung – 88/100. Die Zweite ein paar Monate später deutlich reifer, zugänglicher mit der Süße eines reifen Burgunders – 92/100. Ein Musigny von Jadot hatte 2016 generöse, pflaumige Frucht, reife Kirsche, samtig, elegant und bei aller Fülle nicht üppig, sondern mit der Eleganz und Finesse eines großen Musigny, feiner Schmelz, sehr gute Struktur, baut enorm im Glas aus und hat noch gute Zukunft – WT95. Enorm kraftvoll und geradezu jugendlich mit hervorragenden Anlagen 2015 der Pommard Epenots von Louis Latour – WT93+. Der Nuits-St.-Georges les Boudots von Leroy war 2015 ein perfekt gereifter Burgunder mit unglaublichem Tiefgang und Komplexität - WT95. Knackig, kirschig, frisch präsentierte sich 2016 der Corton Clos Rognet von Meo Camuzet – WT92. Ein Nuits St. Georges 1er Cru La Richemone von Pernin-Rossin hatte 1998 eine Burgund sensationelle Farbe, fast parfümiert wirkende, intensive Johannisbeere, Cassis pur wie bei einem jungen Australier – 90/100. Der Clos de la Roche von Jean Raphet brauchte 2015 viel Zeit und Luft, als ob er erst mal Staub und Kellermuff abschütteln müsste. Legte dann richtig los, wurde immer generöser, süßer, schmelziger und verwöhnte uns mit burgundischer Pracht und Fülle - WT94. Von der Farbe her schon recht reif 2015 der Gevrey Chambertin Clos St. Jacques von Armand Rousseau, reif auch erst die Nase mit etwas Herbstlaub, aber das gab sich im Glas. Unglaublich, wie sich dieser mineralische, sehr elegante Wein entwickelte und ausbaute – WT93. Kräftig und gut gelungen 2015 der Echezeaux von Vigot-Battault – WT94.

Für Weiße Burgunder galt der Jahrgang sogar stets als sehr gut. Die Besten sind immer noch sehr gut trinkbar.

Mehrfach bis 1999 ein Chassagne Montrachet Les Caillerets von Amiot-Bonfils mit 91-92/100. Der schon häufig getrunkene Meursault Charmes von Comte Lafon überzeugte zuletzt 2007 immer noch mit Finesse und Eleganz, ein traumhaft balancierter Burgunder mit guter Säure, cremiger Textur, feiner Würze und unendlicher Länge am Gaumen - 94/100. Meursault Genevrières wirkte 2007 im Vergleich dazu feiner und harmonischer als der Charmes, hatte aber nicht dessen aromatischen Druck - 93/100. Enttäuschend, dünn und mager 2001 ein Le Montrachet Marquis de Laguiche von Drouhin – 83/100. Sehr mineralisch mit präziser Struktur und guter Säure war 2017 der Chablis Grand Cru Les Clos von William Fèvre, einfach ein immer noch so frischer Bilderbuch-Chablis mit ganz dezentem, nussigem Schmelz, baute enorm im Glas aus – WT96. Ein Batard Montrachet von der Domaine Leflaive hatte 2009 reifes Goldgelb, in der mineralischen Nase in Honig geröstete Mandeln, am Gaumen Kraft und Eleganz ideal gepaart mit schmelziger Fülle, ein gewaltiges Monument ohne jedes Zeichen von Schwäche – 97/100. Immer noch sehr jung wirkend 2010 der Puligny Montrachet Les Combettes der Domaine Leflaive, der die große Klasse von Lage und Domaine perfekt illustrierte. Ein sehr kraftvoller Wein mit immer noch jugendlich wirkender Röstaromatik, nussig, gebrannte Mandeln, hohe Mineralität, gute Säure und perfekte Struktur, immer noch ganz am Anfang und mit dem Potential, vielleicht mal ein zweiter 73er zu werden – 93+/100. Der mehrfach getrunkene Bienvenue Batard Montrachet von Ramonet war 2007 ein riesengroßer, facettenreicher Wein mit viel Schmelz, Komplexität und Länge. Mit viel frischer Frucht und guter Säurestruktur, immer noch mit weiterem Alterungspotential - 96/100. Auf selbem Niveau wieder 2009. Der Chassagne Montrachet 1er Cru Morgeot von Ramonet war 2001 ein klassischer, großer weißer Burgunder mit wunderbarer Nase, schöner Frucht, rauchigem Holz, Würzaromen eines großen Meursaults, wirkt noch frisch, lang am Gaumen – 95/100. Der Le Montrachet von Ramonet war für mich zuletzt 2006 in einer großen Ramonet-Probe der Wein des Abends, noch so frisch mit rassiger Struktur, kräftiger Säure, sehr ausdrucksstark mit klarer Frucht und unerhörter Mineralität, baute im Glas sehr schön aus und entwickelte eine schmelzige Fülle - 97/100. Hat sicherlich noch Potential für etliche Jahre. Schlichtweg sensationell 2014 der Batard Montrachet von Sauzet, immer noch taufrisch mit guter Säure, wunderbare Nase, die berühmten „wet stones“, wurde im Glas immer größer und länger, ein Musterbeispiel eines großen Weißen Burgunders – WT97. Sehr gut haben mir auf meine 6 bis 2003 ausgetrunkenen Puligny Montrachet Les Folatières von Sauzet gefallen, konstant 92/100.

Schwieriges Jahr an der Loire.

Kein gutes Rhone-Jahr mit nur wenigen positiven Ausnahmen, wobei die südliche Rhone eindeutig im Vorteil war.

Ermitage Le Meal von Chapoutier aus der Magnum war 2011 immer noch beinahe ein Weinbaby, so jung, kein Rhone-Hammer, eher sehr fein, mineralisch, viel Kräuter, Garrigue, weißer Pfeffer, kräftige, aber harmonisch eingebundene Säure, sehr komplex und lang am Gaumen, wird sich noch über lange Zeit weiterentwickeln – 96/100.Früh reifend und sehr gefällig die LaLas von Guigal. La Landonne war zuletzt 2006 faszinierender, reifer La Landonne aus kleinem Jahr, absolut reif und auf dem Punkt, verbindet in sehr harmonischer Weise die rustikale, kräftige Art des Landonne mit burgundischem Charme, ein toller Wein mit viel Tiefgang - 93/100. La Mouline war 2008 zuhause währende der EM absolut reif und auf dem Punkt mit feiner Würze und dezenter Süße, etwas kurz am Gaumen, gehört getrunken - 92/100.

La Turque wäre im Sommer 2008 ohne den immer stärker werdenden Kork ein kleiner, guter La Turque gewesen auf 90/100 Niveau, gehört aber ebenfalls getrunken.

Am Ende seiner Entwicklung dürfte inzwischen Beaucastel sein, der mich schon 1995 in der Ankunftsprobe nicht sonderlich beeindruckt hat.

Sehr gut gefiel mir 1999 ein Clos des Papes Blanc, dem man den hohen Alkohol(14%) nicht anmerkte – 93/100.

Schlecht sah es im Elsass vor allem im edelsüßen Bereich aus. Regen von Oktober bis Dezember machte die Hoffnungen der Winzer zunichte.

Trotzdem hatte ein Riesling Rangen Clos St. Urbain von Zind Humbrecht zuletzt 2007 eine goldgelbe Farbe, reichlich Petrol, aber auch Honignoten, vollreifer Apfel und eine dezente Süße, am Gaumen trocken, unglaublich komplex und sehr lang. Reif zwar, aber noch lange nicht am Ende - 95/100.

Auch Mas de Daumas erinnerte 1998 mit harschen, grünen Tanninen eher an die Bordeaux des Jahrgangs – 87/100.

Viele, recht gute trockene Deutsche Weißweine habe ich in den Neunzigern getrunken. Davon dürfte sich der allergrößte Teil inzwischen verabschiedet haben. Aber einige, auch heute noch spannende Ausnahmeweine deuteten bereits die Renaissance des trockenen, deutschen Rieslings an.

Harmonisch trocken wirkte 2014 die Wallufer Walkenberg Auslese von J.B. Becker. Tiefe Farbe, enorme Mineralität, am Gaumen komplex, dicht und sehr lang im Abgang – WT92. Der Nonnenberg Chartawein von Breuer war 2014 immer noch so präsent und frisch mit leicht petroliger, mineralischer Fülle. Enorm druckvoll mit perfekter Struktur und sehr guter Säure, ein Riese für noch lange Jahre - WT96. Wirkte 2016 in der Anmutung sehr burgundisch, sowohl in der Nase als auch am Gaumen. Schiefermineralität, aber auch Feuerstein, nussig, sehr würzig, ging zunächst am Tisch als perfekt gereifter, großer Meursault durch. Explodierte förmlich im Glas mit wunderbarer, frischer, gelber Frucht und sehr guter Säure, ewig lang im Abgang. Der baute so enorm aus, da gingen meine ohnehin schon sehr hohen Bewertungen immer höher bis sie dort landeten, wo sie bei diesem Ausnahmewein hingehörten: klare WT100. Ein Hochheimer Reichestal Auslese trocken von Künstler war 2009 noch taufrisch, komplex, kräftig und groß mit langem Abgang, zeigte eindrucksvoll, wie gut die besseren trockenen Weine aus Deutschland altern können – 93/100. Auch eine Herrenberg Riesling Spätlese trocken von Künstler zeigte 2009 noch eine erstaunliche Frische, viel Zitrusfrüchte, wirkte sehr harmonisch und dürfte immer noch Potential für 5-10 Jahre haben – 88/100. Die Hochheimer Hölle Auslese trocken war 2011 ein Wein mit immenser Strahlkraft, sehr mineralisch, Limone, top gereift und doch so frisch mit knackiger Säure – 94/100. 2012 mineralisch, finessig, dicht, rassig, enorm vielschichtig und immer noch so jung – 94/100. 2014 tiefe, schon fast ins Güldene gehende Farbe, wirkt erst sehr reif, entwickeltsich baut extrem aus – WT96. Eine Hattenheimer Nussbrunnen Auslese von Balthasar Ress war 2014 ein sehr stimmiger, balancierter, eleganter Wein mit cremiger Textur, eher halbtrocken wirkend mit nur noch verhaltener Süße – WT92.

Eine schiefrig ölige Nase hatte 2012 die Orbel Spätlese trocken von St. Antony, nussig, Fülle, Kraft, Freude, das Öl in der Nase wird mit der Zeit ranzig, schwierig, hat mit Riesling nichts zu tun – 80/100. Eine etwas seltsame Sanitärnase hatte 2012 der Niersteiner Pettenthal SL von St. Antony, der Gaumen war auch nicht viel besser, ein grenzwertiger Wein - 76/100. Sehr fein und floral 2012 die Nase des Niersteiner Pettenthal SL von Heyl zu Herrnsheim, am Gaumen Süße, Fülle, Frucht, sehr balanciert, Trinkfreude – 92/100. Hell noch die junge Farbe des Niersteiner Bruderberg SL von Heyl zu Herrnsheim aus zwei halben Flaschen, so ein feiner, eleganter, mineralischer, rassiger Wein mit dezenter Honigsüße, Kräutern und feinem Spiel – 94/100.

Überraschend gut 2011 im Tantris eine Walluffer Walkenberg Spätlese trocken von JB Becker, das prägnante Säuregerüst hat diesen Wein erstaunlich frisch gehalten, trotz deutlicher Petrolnote und etwas stahliger Frucht, steht wie eine Eins im Glas und ist ein guter Essensbegleiter – 90/100.

Auch im edelsüßen Bereich und vor allem bei den Eisweinen wurden etliche, gute Weine produziert.

Sehr gewöhnungsbedürftig 1999 in der Sansibar ein Gelber Muskateller Eiswein von Robert Bauermit wenig Säure, aber 14,5% Alkohol – 85/100.

2002 in Boston ein schon sehr reifer Ockfener BocksteinRiesling Eiswein von Dr. Fischer – 87/100. Sehr gut gefielen mir bis zum Jahrtausendwechsel die in reichlichen Mengen vom Gutsriesling bis zur trockenen Auslese verputzten, trockenen Weine von Fritz Haag. Würde ich mich heute nicht mehr dran trauen, dafür aber an die restsüßen Varianten. So z.B. die Spätlese #5 und die Auslese #6, beide schon sehr häufig mit 90-92/100 getrunken und immer noch mit Beständen im Keller, bei denen ich keine Eile sehe. Zuletzt 2010 die #6 aus der ½ in einer Art Übergangsstadium – 89/100. Die Spätlese #5 2016 immer noch sehr schön – WT90. Noch so frisch 2015 die Graacher Himmelreich Auslese von Kerpen, verhaltene Süße, sehr mineralisch mit feiner, leicht bitterer Schiefernote, gute Säure, sehr balanciert und stimmig - WT93. Noch sehr jung 1997 mehrfach die Wehlener Sonnenuhr Spätlese von JJ Prüm – 91/100.

Ein Geisenheimer Rothenberg Riesling Eiswein von Wegeler-Deinhard, mehrfach sehr schön bei Jörg Müller auf Sylt erlebt, hatte dort zuletzt 2006 eine güldene Farbe, rosinige Süße, viel Boytritis, einfach rund, süß und lecker im Stile einer guten BA - 92/100.

Die Wallufer Oberberg Auslese von JB Becker hatte 2016 eine rauchige Nase, Kraft und Fülle, hätte aber mit ihrer scheinbaren Schiefer-Mineralität auch an die Mosel gepasst – WT94. Der Kiedricher Gräfenberg Eiswein von Robert Weil zeigte 2013 eine glockenklare, brilliante Frucht und eine sehr knackige Säure, immer noch blutjung und mit enormer Präzision – WT97.

Aus Franken 1998 auf Sylt eine recht schöne, gefällige aber nicht große Randersacker Pfülben Rieslaner TBA von Martin Göbel – 90/100.

Der vielleicht beste Wein des Jahrgangs in Deutschland, wenn nicht überhaupt, ist die Mußbacher Eselshaut Rieslaner TBA von Müller-Catoir. Die ging nicht nur in der Mitte der Neunziger runter wie Öl, als sie gerade von Parker mit 99/100 geadelt worden war. Zuletzt war das 2009 wieder ein unglaublich konzentriertes Exilier mit der Viskosität von Motoröl, Aprikosenlikör höchster Güte, trotz güldener Farbe keinerlei Alter und durch die hohe Säure immer noch frisch wirkend – 98/100.

Aus der Magnum hatte 2007 der Blaue Spätburgunder SJ von und mit Karl Heinz Johner eine wunderbare, schwarzkirschige Frucht, stand wie eine Eins im Glas und dürfte noch viel Zukunft haben - 92/100.

Ein sehr gutes Weinjahr in der Wachau, aus dem es bei entsprechender Lagerung noch viele, gut trinkbare Weine geben dürfte.

Der Riesling Hochrain Smaragd von Hirtzberger war 2016 mit glockenklarer, Boytritis-freier Frucht noch so frisch, so stimmig, so reintönig und lang - WT95. Den Honivogl Grüner Veltliner Smaragd von Hirtzberger hatte ich 2000 und 2001 dreimal hochklassig und jung bei Jörg Müller aus der Magnum mit konstant 96/100 im Glas. Ist sicher immer noch eine Suche wert. Der in den Neunzigern sehr häufig mit großer Begeisterung getrunkene Singerriedel Riesling Smaragd von Hirtzberger schien 2000 schon leicht abzubauen – 89/100. Zeigte sich dann aber 2016 immer noch so frisch und druckvoll – WT94. Der Grünen Veltliner Rotes Tor Smaragd, ebenfalls von Hirtzberger hatte 2009 eine sehr verhaltene Nase, alkoholisch, brandig und furztrocken wirkend, im Abgang bitter und metallisch, hat die beste Zeit schön länger hinter sich – 84/100. Nicht klar kam ich Ende der 90er mehrfach mit dem Ried Schütt Riesling Smaragd von Knoll, den ich nie mit mehr als 87/100 im Glas hatte. Die Grünen Veltliner Vinothekfüllung von Knoll war 2014 verhalten und wirkte geradezu schüchtern in der Nase, am Gaumen pfeffrig, würzig, mineralisch und immer noch recht frisch. Aber da war auch ein leichter Stinker, der ihn etwas unharmonisch und bitter im Abgang wirken ließ – WT92. Noch sehr jung und verhalten war 1997 bei Jörg Müller ein Dürnsteiner Kellerberg Riesling Smaragd halbtrocken von F.X. Pichler. Müsste jetzt ein aromatisch trocken wirkender, gewaltiger Wein sein. Ein Grüner Veltliner Loibner Mühlpoint Smaragd von F.X. Pichler roch 2008 dermaßen intensiv nach Gummi, dass die ebenfalls vorhandene, zarte Minze fast unterging. Furztrocken am Gaumen und auch etwas austrocknend, hat sicher schon bessere Zeiten gesehen – 86/100. Völlig altersfrei, jugendlich frisch und zeitlos wirkte dagegen 2008 ein Grüner Veltliner Loibenberg Smaragd von F.X. Pichler mit feiner Würze und guter Struktur – 92/100. Da müsste eigentlich der zuletzt 1999 auf hohem Niveau getrunkene Riesling Kellerberg Smaragd von F.X. Pichler auch noch voll da sein. Der mehrfach getrunkene Riesling Smaragd halbtrocken M von F.X Pichler war zuletzt 2003 ein Weltklasseriesling mit unerhörter Dichte und toller Frucht, dabei sehr frisch und finessig und lang am Gaumen – 95/100.

Kracher Blend II, eine Cuvée aus Blaufränkisch und Zweigelt war 2010 dicht kräftig, zupackend, ohne jedes Alter ging als jüngerer, würziger, ledriger, animalischer Chateauneuf durch – 92/100.

In Italien war der Jahrgang sowohl in der Toskana als auch in Piemont ziemlich schwach.

Schon über 10 Jahre nicht mehr begegnet ist mir Sassicaia. 1996 auf der großen Sassi-Probe der Ungers war der abweisend, schroff, ziemlich grausam - 75/100. Besser, aber auch eher ein harmloser Wicht für den raschen Verzehr 1997 – 85/100. Erstaunlich schöne Frucht hatte Ornellaia 2010, die intensive Säure ließ diesen schlanken Wein immer noch pikant und jung wirken – 91/100.Der Alzero di Monte Ca Paletta von Guiseppe Quintarelli war zwar 2009 ein alkoholisches Monster, aber mit unglaublichem Sex Appeal, eine Art Mischung aus Amarone und Port, eindeutig in der Lamarein-Liga, dicht und konzentriert, trüffelig mit schwarzen Früchten und Lakritz, und dabei doch cremig und einfach geil zu trinken. Dieses mächtige Zeugs aus getrockneten Cabernet Franc Trauben möchte ich weder jeden Abend noch als ganze Flasche trinken. Aber so ein Glas (na gut, ich hatte zwei) ist schon eine gewaltige 97/100 Geschmacksexplosion am Gaumen.

Eher an einen älteren Rhonewein fühlte ich mich 2009 beim Blauburgunder von Gantenbein erinnert. Reifere Farbe mit deutlichem Orangenrand, wirkte stallig, animalisch, würzig mit Lakritz und viel Schwarztee, etwas austrocknend am Gaumen – 88/100.

Wenig Notizen habe ich aus Spanien, wo der Jahrgang 1992 keine besonders guten Weine hervorbrachte.

Alion hatte 2007 hatte eine korkig wirkende Nase, roch und schmeckte dazu nach altem Fass, da hat es in diesem Jahrgang wohl ein Kellerproblem gegeben - 81/100. Clos Mogador hatte 2009 deutlich mehr Frucht als 91, generöser, reicher, süßer und balancierter mit burgundischer Fülle. Baut im Glas mit der Zeit leicht ab und zeigt, dass er nicht mehr ewig lebt, entwickelt dazu mit der Zeit etwas Brett – 92/100. Immer noch kräftig 2013 der Pesquera Reserva - 89/100.

Und wieder ein großartiges Kalifornienjahr. Weine mit großartiger Frucht und Struktur, die besten gemacht für ein langes Leben und in jedem Fall noch eine Suche wert.

Der Araujo Eisele war 1996 bei Charlie Trotter in Chicago ein hochkonzentriertes Weinbaby mit besten Anlagen, das sich wacker gegen den Maya desselben Jahres hielt. 2015 auf Sylt hatte ich ihn endlich wieder im Glas. Erste Reife in der Nase, aber am Gaumen kühle, minzige, wunderbare Frucht, baute enorm im Glas aus – WT95. Der schon häufig getrunkene Beringer Howell Mountain Bancroft Ranch Merlot war zuletzt 2007 aus der Magnum so ein wunderbarer, schokoladig-fülliger Wein, Schmelz ohne Ende, wie eine gelungene Kooperation von Beringer und Lindt. Dabei trotz aller hedonistischen Offenheit weder breit, noch aufdringlich oder klebrig. Würde in der Magnum sicher noch mal locker bis zu 10 Jahre hinlegen, in der 1tel wäre ich da vorsichtiger - 95/100. Trinken würde ich aus der 1tel in den nächsten Jahren auch den Beringer Private Reserve, den ich zuletzt 2007 noch mit 94/100 im Glas hatte, der seinen Höhepunkt aber scheinbar schon leicht überschritten hatte. Doch 2010 ein überragender Wein, der sich nach einigen enttäuschenden Flaschen der letzten Jahre jetzt hier wieder in Bestform zeigte, ein wunderbar würziger Beerencocktail mit viel Schwarzer Johannisbeere, Minze und altem Sattelleder, reif aber ohne Alter und mit der Struktur eines großen Bordeaux – 96/100. Zuletzt 2012 mehrfach immer noch so jung mit üppiger Frucht, aber auch wuchtig mit viel Alkohol, mir im jetzigen Stadium fast zu heftig, aber das wird sich mit den Jahren geben, keinerlei Eile - 92+/100. Das dachte ich auch Beringer Chabot Cabernet Sauvignon, einen 2002 mit 91/100 längst nicht mehr so überzeugenden, etwas vordergründigen Wein. Und zuletzt 2009 hatte der eine sehr seltsame, grasig grüne Aromatik, um dann am nächsten Tag(!) aus der stehen gelassenen Flasche sensationell aufzublühen. Also, noch ein paar Jahre liegenlassen, oder lange vorher dekantieren. Einer meiner Favoriten und immer noch eine Bank ist Caymus Special Selection. Ein gutes Dutzend mal hatte ich den mit 95+/100 im Glas. 2007 bei Jörg Müller hatte diese ehemalige Fruchtbombe inzwischen an Struktur und Statur zugelegt. Immer noch sehr jung mit reichlich Eukalyptus und toller Länge am Gaumen, kam dem außerweltlichen 91er immer näher - 97/100. 2009 auf der American Beauty II kalifornische Wein-Dekadenz in ihrer schönsten Form. Ein verschwenderisch süßer, weicher, gefälliger Wein mit sehr druckvoller Aromatik, immer noch mit guter Frucht und viel Eukalyptus und Minze, dabei mit sehr guter Struktur und Statur, am Gaumen mit so unendlichem Schmelz, das ist im jetzigem Stadium die 82er Comtesse Kaliforniens – 99/100. Meine mit Abstand bisher beste Flasche dieses Weines. 2010 noch mal in dieser Traumform bei Jörg Müller und 2011 im Wiin Kööv wieder fast auf Augenhöhe mit 91 – 98/100. 2012 auf der American Beauty V wieder die etwas kleinere Version des 91ers – 97/100. Auch 2014 ein verschwenderisch süßer, weicher, sehr gefälliger Wein mit sehr druckvoller Aromatik, mit betörender Frucht und viel Eukalyptus und Minze, dabei mit sehr guter Struktur und Statur, am Gaumen mit unendlichem Schmelz – 97/100. Und 2015 auf Sylt wieder auf diesem Niveau – WT97. Colgin Herb Lamb war 2010 auf dem Unger Weihnachtstasting zeitlos schön mit wunderbarer Struktur, sehr würzig die dunkle Frucht, sehr viel Minze, wunderbare Länge am Gaumen – 96/100. Etwas ratlos machte mich zuletzt 2006 der Dalla Valle Cabernet Sauvignon. Sechsmal hatte ich den seit 1997 mit 95/100 sehr überzeugend, nachhaltig und komplex im Glas gehabt, doch diesmal wirkte er trotz immer noch dichter, junger Farbe dumpf und schwermütig – 87?/100. Doch 2011 war er auf dem Wege der Besserung (WT90+) und 2014 zweimal wieder krtäftig, zupackend und voll da – WT92. Nicht mehr ran getraut hatte ich mich an den Dalla Valle Maya, einen superkonzentriertes, gewaltiges Geschoss, dass ich 1995 mehrfach mit 97+/100 im Glas hatte, um es dann 1996 total verschlossen zu erleben. Unglaublich, was für ein dichtes, sehr jung wirkendes, konzentriertes Powerteil das dann 2010 auf Sylt immer noch war mit tiefdunkler Farbe, perfekter, dunkler Frucht, Kraft ohne Ende, aber auch mit Frische und Eleganz. Da war nichts Offensichtliches, nichts Marmeladiges, einfach ein großes, wie aus einem Stück gemeißeltes Weindenkmal – 100/100. Etwas stahlig 2010 die Frucht des Red Rock Terrace von Diamond Creek. Immer noch deutliche, etwas ruppige Tannine, ob der jemals reif wird ? – 90+/100.Ein großer Pauillac aus Kalifornien ist Dominus, den ich seit 1997 nicht unter 95/100 im Glas hatte, im Sommer 2008 mehrfach bei Jörg Müller mit 96/100. 2009 in der Traube Trimbach meine bisher beste Flasche. Mit seiner traumhaft schönen, ledrigen Bordeaux-Nase und seinem druckvollen Gaumen war dieser gewaltige Pauillac aus Bordeaux eigentlich der ideale Pirat für eine große Bordeaux-Probe – 97/100. Auch 2010 würzig, kräftig, viel Zedernholz und Leder, süße Frucht, kräftig und lang mit sehr guter Struktur – 96/100. 2011 bei Jörg Müller der perfekte Bordeaux aus Kalifornien – 98/100. Üppig, süß, füllig mit guter Struktur, sehr minzig 2012 auf der Balm Best Bottle – WT97. Zwischen 2013 und 2015 mehrfach schwankend zwischen noch zugenagelt und deutlich offener, da ist zwischen 92++ über 94+ bis 98 alles drin, steht aber leider nicht vorher draußen drauf. Sensationell 2013 in der Schweiz eine Doppelmagnum, aus der sich der Dominus sehr jung und doch offen zugleich mit wunderbarer Süße zeigte – WT98. 2016 auf Sylt eine perfekte Orgie aus süßer, kalifornischer Frucht, aus Leder und Minze, einfach das Beste aus zwei Welten - WT97. 2017 etwas verhaltener – WT96. Dunn Howell Mountain war 2003 ein riesengroßer, immer noch junger Wein mit gewaltigem Potential – 96/100. Wirkte auf der American Beauty 2013 zu Anfang in der Nase üppig-alkoholisch, eher heiß als süß, insgesamt füllig, aber auch etwas breit, völlig atypisch für Dunn und kam nur ganz langsam im Glas in Fahrt. Aber den haben wir wohl in einem sehr ungünstigen Zwischenstadium erwischt, sozusagen aus dem Tiefschlaf gerissen. Zwischen 2020 und 2030 kommen da sicher mehr als die heutigen 93/100 ins Glas. Seit 1997 nicht mehr getrunken habe ich Etude, aber nach der Erfahrung mit anderen Jahrgängen müsste der noch voll da sein und locker 94/100 ins Glas bringen. Far Niente schwächelte zuletzt 2008 schon etwas, da war zwar noch feine Minze, aber auch einiges an Alterstöenen und eine deutliche laktische Note - 84/100. Ein Fetzer Barrel Select hatte 1998 eine irre Farbe, war aber am Gaumen eher langweilig und eindimensional, wenig Frucht, Kraft ohne Freude – 84/100. Immer noch viel Tannin hatte 2009 ein Ferrari Carano, dichte Farbe, dunkle Früchte, mehr Kraft als Charme – 89/100. Eine andere, wohl wärmer gelagerte Flasche später im Jahr war trotz massiver Tannine deutlich offener – 93/100. 2012 irritierte mich zu Anfang die Nase mit reichlich grüner Paprika. Die wurde mit der Zeit besser und zeigte immer mehr süße Kirschfrucht. Am Gaumen war der Ferrari Carano eher schlank mit guter Struktur und Säure. Sicher ein Wein, der noch 10-15 Jahre vor sich hat. Vielleicht zeigt er dann ja irgendwann auch mal, warum Parker ihm 1995 96/100 gegeben hat. Zweimal habe ich 1998 Grace Family getrunken. Die erste Flasche in San Francisco war naheder Perfektion und erinnerte mich in Stilistik und Finesse an die 82er Comtesse – 98/100. Die zweite Flasche kurz darauf in Las Vegas mit Wolfgang Puck kam da nicht mit, was wohl auch am vorher getrunkenen Harlan lag – 95/100. In eben diesem Spago in as Vegas habe ich 1997 mit 92 meinen ersten Harlan getrunken, damals jung und konzentriert mit 95/100. Zweimal, 1999, habe ich mich zunächst auf Sylt in der Sansibar von einer perfekten Flasche dieses Weines zu 100/100 hinreißen lassen, und Ende 1999 im Ifen notierte ich nur: wenn es einen größten Pauillac gibt, dann diesen. Alle danach getrunkenen 6 Flaschen lagen dann konstant bei 96/100. 2007 beim Unger-Housewarming aus der Imperiale mit der Nr. 1, der Wein selbst war auch aus dem großen Format sehr weit und reif, auch in der Farbe, und wirkte von der Stilistik her eher wie ein großer, komplexer, gereifter Bordeaux - 96/100. Ende 2009 aus der 1tel wieder auf diesem Niveau. Etwas reifer, feiner, subtiler 2010 auf der American Beauty III – 94/100. Ähnlich 2010 auf dem Unger Weihnachtstasting. 2011 auf Sylt zeigte er sich als großer, gereifter, sehr eleganter Pauillac, der es auf diesem Niveau noch gut 1-2 Jahrzehnte machen könnte – 97/100. Zuletzt 2014 auf der großen Harlan-Vertikale ein perfekter, stimmiger, sehr präsenter, aber auch eleganter Wein, in der Stilistik mehr Bordeaux als Kalifornien – WT96. Heitz Trailside war 2011 etwas weich und breit mit wenig Struktur der – 90/100. Für den Heitz Martha´s Vineyard konnte ich mich noch nie so richtig begeistern. Böse habe ich einmal notiert „danach hätte ich auch die Reben rausgerissen“. Ganz so schlimm war er nun zuletzt 2011 auf dem großen Heitz Tasting der Ungers auch nicht, aber es fehlte ihm halt die aromatische Dichte eines großen Martha´s. Dazu hatte man im Abgang das Gefühl, dass dieser Wein langsam austrocknet – 90/100. Ein Matanzas Creek Merlot war 2009 immer noch großartig, ein saftiger Vollblut Merlot mit toller Kirschfrucht und Schoko ohne Ende – 94/100. Eine Suche wert ist sicher Mayacamas. 1998 war das ein verschlossener Wein, der außer viel Eukalyptus im besten Heitz-Stil viel Potential andeutete – 85++/100. 2013 und 2014 superbe Frucht, feine Minze, Mineralität, gewaltige Struktur, Finesse, aber auch gewaltige Säure und immer noch massive Tannine, kann und wird noch zulegen – 95+/100. Sehr schwierig 2010 der Mondavi Reserve, reife Magginase, grüne Töne, am Gaumen staubig-rustikale Tannine, Frucht fehlte völlig. Aus dieser Flasche wirkte der Wein ziemlich platt – 84/100. Der einfache Mondavi Cabernet Unfiltered war 2011 ein feiner, mineralischer Cabernet mit immer noch frischer Frucht und guter Struktur, dürfte sich auf diesem Niveau noch länger halten – 90/100. Chateau Montelena war 2009 gleich zweimal hintereinander ein echter Montelena-Klassiker, der jetzt die Genussreife erreicht hat, in der er sicher gut 10 Jahre bleiben wird, wunderbare, aber nicht überladene oder überreife Frucht, hohe, an Mouton mit der Bleistiftnote erinnernde Mineralität, sehr präzise Struktur - 95/100. Jede Suche wert. 2011 nicht in bester Form, wirkte zu Anfang blutjung, etwas verhalten, medizinal, jodig, baute aber enorm aus, da ist soviel Fülle, soviel Kraft und soviel Potential, gut gelagert macht es dieser Wein sicher noch 20 Jahre – 93+/100. 2012 Etwas verhalten auch die Nase, aber am Gaumen setzte der Turbo ein, sehr mineralisch, reife, süße Frucht, viel Minze und Eukalyptus, präzise Struktur und sicher noch langes Leben – 94+/100. Erstaunlich reif 2014 – WT93. 2016 auf Sylt minzig, jodig, leicht medizinal, Eukalyptus, sehr mineralisch, noch so jung mit großartiger Struktur, hat noch viel Zukunft - WT94+. Sehr schön mehrfach in 2001 Newton Cabernet Unfiltered mit viel reifer Beerenfrucht und Minze, sollte immer noch gut sein – 92/100. Aus der DM war das 2001 der absolute Knaller, ganz junge dichte Farbe, herrlicher Brombeersaft mit guter Struktur und Länge, hatte mit dem Käsefondue keine Probleme, die DM war zu sechst in nur 65 Minuten leer, nur die nachfolgenden Weine hatten es nach diesem Ausnahmestoff verdammt schwer - 96/100. Opus One war 2011 süßer, weicher, moderner, sehr gefällig zwar, aber es fehlte an Struktur – 91/100. Gut 20mal habe ich seit 1997 den sehr überzeugenden Ridge Monte Bello auf konstant hohem Niveau getrunken. Zeigte sich 2008 auf der American Beauty von seiner allerbesten Seite. Florale Nase, Veilchen, frischer Flieder, aber auch Cassis, Kirschfrucht und eine gehörige Portion Mineralität. Am Gaumen saftig und fleischig, immer noch mit mächtigen, aber reifen und weichen Tanninen, dabei sehr balanciert, harmonisch und einfach stimmig wirkend, ein großer Monte Bello für die nächsten 20 Jahre - 96/100. 2009 deutlich jünger, giftiger, zupackender, mit purer Kirschfrucht, immer noch mächtigen Tanninen, der Mineralität eines großen Mouton und fantastischer Struktur – 96/100. 2015 ein Traum mit Minze und Eukalyptus in der Nase, etwas reifer, aber Substanz für lange Jahre – WT96. Wirkte 2016 etwas offener – WT94. Seit 1998 in Atlanta ist mir der seinerzeit sehr konzentrierte, dichte Cherryblock Old Vines Cabernet Sauvignon von Sebastiani mit seiner intensiven Kirschfrucht nicht mehr begegnet, damals 92/100. Shafer Hillside Select war 2010 mehrfach in bestechender Form und immer noch recht jung wirkend - 96/100. Zeigte sich auch 2016 auf Sylt auf diesem Niveau – WT96. Erstaunlich schön präsentierte sich 2016 der Screaming Eagle, der Erstlingswein des Gutes. Ein sehr feiner, eleganter, balancierter Wein mit delikater Frucht, bis auf einen leicht metallischen Ton noch voll da und sicher noch lange nicht am Ende – WT97. Silver Oak Alexander Valley bringt heute nicht mehr die 95/100, die ich da in den Neunzigern bei diesem dekadenten Wein häufig im Glas hatte, aber es dürfte immer noch ein feiner, eleganter Wein mit 92-*3/100 sein, so wie ich ihn zuletzt 2003 im Glas hatte. Der Silver Oak Napa Valley hatte 2005 immer noch eine junge, dichte Farbe ohne Alter, die klassische Dill-Note, leicht karamellisiert, schwarze Johannisbeere und Cassis ohne Ende, immer noch deutliche Tannine, wirkte jünger und jugendlich frisch - 95/100. Etwas reifer 2017, aber immer noch mit wunderbarer, pikanter Frucht – WT94. Spottswoode war 2010 auf der Farnsburg mit Minze ohne Ende ein sehr feiner, eleganter Wein, reif und weich – 92/100. Brett ohne Ende 2010 auf dem Unger Weihnachtstasting in der Nase des

Stag´s Leap Cask 23, dazu wiederum dunkle Früchte, viel Leder und Tabak, am Gaumen weich, reif und auch etwas marmeladig – 93/100. Der Togni Cabernet Sauvignon kam zuletzt 2008 mit dem 91er des Gutes nicht mit, hatte zwar die dichtere Farbe, ebenfalls florale Aromen in der Nase, am Gaumen weich, schokoladig und reif, dabei sehr elegant, fast filigran wirkend - 92/100.

Ein Weltklasse-Chardonnay ohne Alter und Schwächen zuletzt 2000 der Le Bouge d´à Coté Chardonnay von Au Bon Climat – 95/100. Da hätte ich gerne noch ein paar Flaschen von. Das gilt auch für den Sanford & Benedict Vineyard Chardonnay Reserve, den ich leider nur einmal, 1995 in Las Vegas, trinken durfte – 95/100. Die häufig getrunkenen KistlerChardonnays (McCrea, Russian River etc.)waren mir in den Neunzigern meist zu dick. Sie brauchten halt Zeit. Der Kistler Vineyard Chardonnay von Kistler hatte 2007 die Nase eines großen Burgunders, am Gaumen gut integriertes, massives Holz, gute Frucht und Säure, immer noch taufrisch wirkend, mehr Kraft als Finesse, perfekt strukturiert mit irrer Länge - 95/100. Auch der kräftige Newton Chardonnay zeigte zuletzt 2001 kein Alter – 91/100.

Nie sonderlich erwärmen konnte ich mich für amerikanische Süßweine. So war ein Dolce Far Niente 1995 und 96 sehr süß, säurearm, intensiv und etwas klebrig – 87/100.

Und wie kam die intensive Dillnote, das Markenzeichen von Silver Oak, 2010 auf dem Unger Weihnachtstasting in den Hill of Grace, den ich natürlich blind für einen Silver Oak hielt? Mit der Zeit wurde aus Dill immer mehr süßer Eukalyptus. Süß auch die Frucht, viel Schmelz am weichen Gaumen, reif, aber keineswegs alt und für einen australischen Wein sehr elegant und mit viel Finesse – 95/100. Mindestens 12mal habe ich seit 1996 mit konstanten Bewertungen Penfolds Cabernet Bin 707 im Glas gehabt. 2008 auf Sylt immer noch sehr junge, dichte Farbe, Cassis ohne Ende, kräftig und doch elegant mit guter Säure und erstaunlicher Frische - 94/100. 2014 immer noch ein schöner Wein mit einer geilen Cassis/Minze Mischung, aber er zeigt auch ganz verhalten erste Runzeln -WT92. Damit habe ich ihn stets dem mehrfach, zuletzt 2003, mit 92-93/100 getrunkenen Penfolds Grange vorgezogen. Der war zuletzt 2013 kräftig, viel dunkle Frucht, wenig süßer Schmelz und etwas bittre, grüne Tannine, könnte sich aber noch entwickeln - WT92.

Nicht mehr rantrauen würde ich mich an den mehrfach bis 1998 mit 92-93/100 getrunkenen, kräftigen, opulenten und zuletzt schon sehr reifen Roxburgh Chardonnay von Rosemount.

Guter Champagner-Jahrgang.

Sehr mineralisch und auch floral 2015 die Nase des Clos du Mesnil, am Gaumen hohe, zupackende Säure, wirkt schlank und im jetzigen Stadium etwas ungenerös. Wo bleibt die Substanz? Da hilft nur hoffen und warten – WT91+. 1999 im Kampener Pony, habe ich Dom Perignon zum ersten Mal getrunken. Eine Disko mag nicht der richtige Ort für einen Champagnertest sein, trotzdem fand ich ihn zu jung, etwas eckig, großperliges Mousseux, überschätzt und überteuert – 89/100. Ganz anders zuletzt 2009, sehr reif, weich, viel Brotaromen, feine, frisch gebackene Biskuitrolle, am Gaumen eher mittelgewichtig, schön zu trinken, baute im Glas aber mit der Zeit schon etwas ab – 91/100. Der Ruinart ‚R’ zeigte 2015 sich von seiner allerbesten Seite. Perfekt gereift und immer noch voll da mit gutem Mousseux, mineralisch mit guter Säure und cremiger Textur, in der Aromatik Toast statt Brioche – WT93. Eine ungewöhnliche Nougat- und Nutella-Nase zeigte 2007 der frische Jacques Selosse Blanc de Blancs Grand Cru, am Gaumen weinige Fülle, die eher auf einen höheren Pinot-Anteil hätte schließen lassen, und eine gute Säure - 93/100.

Guter Portwein-Jahrgang.

Fonseca war 1996 trotz seiner Jugend ein tiefschwarzer, dichter Port, der aber mit seiner traumhaften, in Marzipan gebetteten, süßen Frucht und seiner cremigen Textur schon enormen Spaß machte – 97/100. Sehr schön, gefällig, süß und zugänglich aber ohne die Konzentration eines Vintage Port 1998 ein Graham LBV auf einem Lufthansa-Flug nach Chicago – 90/100. Den großartigen Taylor habe ich reichlich im Keller, hatte ihn aber bisher nur einmal, 1995, als Weinbaby im Glas. Damals rabenscharze Farbe, Konsistenz wie Motoröl, unglaubliches Frucht- und Süßekonzentrat, machte schon wahnsinnigen Spaß und die 100/100, die er mit Reife erlangen könnte, waren zumindest gut erahnbar.