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1996

Zweigeteilt ist Bordeaux in 1996. In Medoc ist das ein großartiger Jahrgang, Weine mit fantastischer Struktur und massiven Tanninen, etwas weniger hedonistisch als 95, dafür deutlich langlebiger. Den größten Teil meiner eigenen 96er OHKs habe ich noch nicht aufgemacht. Hier ist keinerlei Eile geboten. Der Jahrgang erinnert an eine moderne Version von 1986. Die besseren Weine können noch Jahrzehnte altern. Und wie in 1986 sieht es auf dem rechten Ufer in St. Emilion und Pomerol deutlich schlechter aus. Hier gibt es einige gute Weine, aber auch viel Durchschnitt.

Sicher immer noch gut trinkbar ist der nur einmal, 1998 an Bord eines Lufthansa-Jumbos nach San Francisco genossene, mineralisch-kräftige, etwas rustikale Beau Site – 86/100. Cos d´Estournel hat mich schon 1997 als Fassprobe voll überzeugt. In den letzten Jahren ein gutes Dutzend mal mit zunehmender Begeisterung getrunken, 2008 eine geniale Imperiale bei René Gabriels großer Cos-Probe(96/100), mehrfach 2009 und 2010, zuletzt 2011 dichte Farbe ohne jedes Alter, fast puristische, geradlinige Frucht, Schwarze Johannisbeere, Brombeere, dazu Schwarze Oliven und eine intensive Mineralität, am Gaumen zupackend mit immer noch mächtigen, aber reifen Tanninen und einer tollen Struktur, ein großartiger Cos, der jetzt anfängt, Spaß zu machen und das sicher für die nächsten 20-30 Jahre auf hohem Niveau tun wird - 96/100. 2012 aus der Magnum ein großer Klassiker, immer noch dichte, junge Farbe, herrliche, puristische Frucht, intensive Mineralität, immer noch strammes Tanningerüst, ein großer Cos für Jahrzehnte – 95/100. 2013 Immer noch so jung mit tiefer Farbe, mächtigem Tanningerüst, puristischer Frucht und hoher Mineralität, ein Wein für 2-3 weitere Jahrzehnte – WT95. 2015 kräftig, kernig, mineralisch mit wunderbarer, ebenfalls puristisch schlanker Frucht, mächtigen Tanninen und guter Säure, jetzt in erster Trinkreife, aber mit großer Zukunft – WT95. 2016 wieder kräftig mit dunkler Frucht, aber etwas verschlossener – WT94+. Der Zweitwein Les Pagodes de Cos hatte aber 2009 mit dem Grand Vin nur die Postadresse gemeinsam. Paprika in der Nase, Paprika am Gaumen, ein harmloses Wässerchen ohne Trinkspaß, das überall hingehört, nur nicht in mein Glas - 84/100. Montrose war 2010 bereits erstaunlich zugänglicher, fleischiger Montrose in der moderneren Variante dieses Chateaus, erdig, trüffelig, Lakritz, getrocknete Früchte, Leder, sehr aromatisch mit reifen, aber doch deutlich spürbaren Tanninen, die ein längeres Leben garantieren - 93+/100. Phélan Ségur war 2006 aus der Imperiale ein feiner Tafelwein mit guter, pflaumiger Frucht, immer noch präsentes, reifes Tannin, aber wenig Tiefgang, baute im Glas gut aus, ein Wein zum Kauen - 88/100.

Reif und auf dem Punkt zeigte sich 2017 der D´Armailhc – WT88. Carruades de Lafite war 2004 dicht, eckig und ungenerös mit wenig Frucht, dürfte sich inzwischen zu einem annehmbaren, hoffnungslos überteuerten chinesischen Tischwein auf 88/100 Niveau entwickelt haben. Sicher immer noch eine Suche wert ist der kräftige, langlebige Clerc Milon, 1999 in der Arrivage 90/100. 2017 zeigte er sich immer noch frisch mit präziser Struktur, einfach „very Pauillac“ mit guter Zukunft- WT91. Der mehrfach getrunkene Grand Puy Lacoste war 2009 bei Jörg Müller mit feine Johannisbeere in edler Bitter-Trüffelschokolade sehr elegant, aber auch immer noch mit kräftigem Tanningerüst. Wird mal ein genialer Nachfolger von 82/85/89 und 90, aber nur für diejenigen, die es schaffen, noch 5 Jahre von der Kiste fern zu bleiben - 92+/100 mit Potential für 3-4 mehr. Von denen bekamen wir 2010 bei Jörg Müller schon einen mehr ins Glas – 93+/100. Also mache ich mich jetzt erst mal an meine Halben, und die waren mehrfach in 2011 und 2012 GPL in Perfektion mit konstant 95/100. 2015 war diese moderne Wiedergeburt der großen GPL´s der 80er Jahre mit traumhafter Frucht, reifer Johannisbeere, und getrüffelter Bitterschokolade mehrfach endlich auch aus der 1tel voll da, ein GPL wie aus dem Bilderbuch – WT95. Gut möglich, dass Lafite Rothschild mal ein legendärer Wein wird. Aber bis dahin vergehen noch 10 Jahre, und dann gibt es diesen Wein in Europa nicht mehr. 2006 hatte der Lafite eine satte, dichte, junge Farbe mit viel Purpur, in der Nase leichte Strenge, etwas unsauber wirkend, Zedernholz, Kirsche, am Gaumen sehr weich, fast schlabberig, Zugänglichkeit vortäuschend, wurde im Glas mit der Zeit etwas besser, wirkte insgesamt aber unharmonisch. Klar, wir haben diesen Wein im denkbar ungünstigsten Zeitpunkt getrunken. Die Fruchtphase lange vorbei, Trinkreife noch nicht in Sicht, praktisch aus dem Schlaf gerissen. Ähnlich 2011 auf René Gabriels großer Lafite-Probe, ein gewaltiges Konzentrat, das an eine modernere Version des 86ers erinnert. Meine beste Flasche 2014, superbe Frucht, irre Dichte und Länge – WT98. Der paralell verkostete Latour hatte Kraft, Struktur, Rasse und Klasse, all das, was man beim Lafite so schmerzlich vermisster. Klar, auch der war sehr verschlossen mit bissigen Tanninen und ließ wenig raus. Aber hier konnte man den großen Wein deutlich spüren - 92+/100. Bleibt hinzuzufügen, dass ich den Latour 2004 zum Ende seiner Fruchtphase schon mit 97/100 bewertet habe. 2011 zeigte er sich in einem erstaunlichen Zwischenhoch, superreife, konzentrierte Frucht, mächtige, aber aus dieser Flasche erstaunlich reif und fast zahm wirkende Tannine, jede Menge Struktur, Kraft, Rasse und Klasse, ein 99/100 Kandidat in 10 Jahren, der dann perfekt in die Linie 61-70-82 passt – 96+/100. 2012 ein gewaltiges, immer noch blutjunges Teil, ein unglaubliches Konzentrat und Kraftpaket in allererster, hauchdünner Trinkbarkeit. Sehr komplexe, aber verhaltene Nase, am Gaumen mächtige Tannine und großartige Länge, ein Latour gemacht für die Ewigkeit – 95+/100. Auf gleichem Niveau 2014 in der Balm. Meine bisher beste Flasche 2016, ein großer Latour, bei dem einfach alles stimmte, auf bestem Weg zur Legende – WT99. Les Forts de Latour war 2008 Latour vom Feinsten mit der klassischen Walnußnote, grandiose Nase im Stil des Grand Vin, nur am Gaumen fehlt dann doch etwas dessen Konzentration - 91/100. 2014 im Schwarzen Adler in Oberbergen und mehrfach danach zuhause immer noch blutjung, dürfte mit seiner präzisen, aber auch animierenden Frucht und seiner tollen Struktur nicht nur ein noch langes Leben haben dürfte, sondern in dieser Form ein echter Latour für Schlaue sein – WT94+. 2015 erstaunlich offen – WT94. Lynch Bages war 2008 in der großen Lynch-Probe erstaunlich offen und fast üppig wirkend, klar waren da massive Tannine, aber die wirkten ziemlich reif. Dazu kam eine herrliche Frucht mit schöner Fruchtsüße, da geht nicht nur in der Nase, sondern auch im Gaumen richtig was ab - 93/100. 2017 kräftig, ausdrucksstark mit viel Druck und guter Cassisfrucht – WT94. Ein kleiner, aber sehr feiner, früh reifender Wein war 1999 in der Arrivage Lynch Moussas – 87/100. Eine Weile gebraucht hat Mouton Rothschild, der beste Wein dieses Gutes seit 1986. Häufig getrunken, mehrfach in 2010 und 2011 wunderbare Nase, geprägt von jugendlicher Röstaromatik, dazu viel Cassis, Leder, und die klassische Mouton Bleistiftnote, einfach junger Mouton pur, am Gaumen elegant, fast etwas leichtfüßig, aber mit sehr guter Struktur und Länge, erst ganz am Anfang. Im direkten Vergleich zu 1995 war das, auch wenn er noch längst nicht alles zeigte, der größere, besser definierte Wein - 96/100. 2012 auf der Mouton Vertikale im Balm aus der Magnum ein großer, kompletter, dichter und immer noch blutjunger Mouton mit Kraft ohne Ende und gewaltigem Langstreckenpotential – WT96. Auch 2014 mehrfach auf diesem Niveau. Kann noch zulegen und hat eine lange Zukunft. 2015 mehrfach so eine Art modernerer 86er mit reiferen Tanninen – WT96. Pichon Baron war zuletzt 2009 bei Grasshoff ein kräftiger, männlicher, schon recht zugänglicher Wein, der aber gut etwas vom Charme der Comtesse gebrauchen könnte – 93/100. Die inzwischen gut 20mal, zuletzt mehrfach in 2010 und 2011 auf konstant hohem Niveau getrunkene Pichon Comtesse präsentiert sich inzwischen recht zugänglich, sehr fein, sehr samtig und elegant, vielschichtig und komplex, mit viel Kräutern, Fruchtsüße und Schokolade, pure Seide am Gaumen, dabei sehr nachhaltig und lang - 95/100. 2014 war das eine große, klassische Comtesse, kraft- und druckvoller Auftritt, aber mit betörender Eleganz und feinem Schmelz. Erst ganz am Anfang und an die 86er Comtesse erinnernd – WT96. 2015 sehr fein, sehr elegant, aber auch kraft- und druckvoll mit der betörenden, typischen Comtesse-Aromatik – WT96. Auch die gelungene Reserve de la Comtesse, die ich seit 2001 (90/100) nicht mehr im Glas hatte, sollte immer noch ein sicherer Wert sein.

Gut geraten und auf einem Level mit 86 und 90 ist der in 96 langlebige Clos du Marquis, zuletzt 2000 – 89/100. Ducru Beaucaillou hat mich schon 1997 als Fassmuster begeistert. Nicht ganz so hedonistisch offen wie 95, dafür mit mehr Struktur. Gut 15mal mit konstant 95-96/100 getrunken, z.B. 2009 aus einer perfekten DM. 2010 in Geisels Vinothek in München, herrliche, generöse Frucht, hohe Mineralität, mächtige, aber reife Tannine, präsentierte sich offener als noch im November davor auf der großen Ducru-Probe in Linz. War komplex und tiefgründig und machte doch so hemmungslos viel Spaß - 95/100. 2015 Ein großer, sehr kräftiger Wein mit dunkler Frucht und stabilem Tanningerüst. Trinkbar und halbwegs zugänglich, aber da sollte noch mehr kommen – WT95+. Warten heißt es wohl noch bei Gruaud Larose. 2009 zeigte er wenig Charme, wirkte medizinal und bitter im Abgang – 86/100. Auch 2014 war bei diesem dichten, konzentrierten Wein noch Warten angesagt – WT92+. Sehr überzeugend 1999 in der Arrivage Lagrange – 91+/100. Leoville Barton war 2008 ein charakterstarker Wein mit feiner Süße und erster Reife - 92/100. In absoluter Traumform 2014 mit präziser Frucht, gewaltiger Struktur und Länge – WT95. Noch eine Ecke drüber mehrfach 2015, etwas offener mit perfekter Struktur und perfekter Frucht, Potential für Jahrzenhte – WT96. Sehr angetan war ich von Leoville las Cases in der jugendlichen Fruchtphase. Danach kamen etliche „Grübel-„Flaschen, doch 2010 zeigte sich der las Cases wieder offener, eine moderne Version des 86ers mit großer Zukunft – 96+/100. 2015 kernig, kräftig mit immenser Power, so eine Art moderne Version des eigenen 86ers, kann und wird noch deutlich zulegen – WT97+. 2016 weich, elegant, fast schmusig. Klar sind da unter der feinen, offenen Frucht immer noch deutliche Tannine, aber auch die wirkten erstaunlich reif – WT97. Leoville Poyferré hatte 2009 eine dichte, junge Farbe, die große Zedernholzoper mit Cassis und reifer, dunkler Frucht, mineralisch, immer noch kräftige, aber reife und feine Tannine, ein Klasse St.Julien aus einem Guss - 93/100. 2011 sehr jung mit dichter Farbe und großartiger Struktur, ein Wein mit großer Zukunft, der aber mit seiner süßen, dunklen Frucht auch heute schon viel Spaß macht – 94+/100. 2015 ein genialer Fruchtmix aus Cassis und reifer Brombeere, ledrig, Zedernholz, erdige Mineralität und reife, aber präsente Tannine, gewaltige Struktur, jetzt voll da, aber sicher mit großer Zukunft – WT96. Talbot war zuletzt 2008 auf der großen Talbot-Probe ein fantastischer Wein wie aus einem Guss, bei dem einfach alles stimmte. Wirkt einfach puristisch schön mit toller Länge am Gaumen und ist ein Musterbeispiel für das, was die besseren Weine vom linken Ufer in ihrer Reife erwarten lassen. Beim recht zugänglichen Talbot ist es bereits soweit. Sicher ein spannender Wein für jetzt und die nächsten 10-12 Jahre - 93/100.

Belgrave war 1999 bereits ein weicher, sehr zugänglicher Wein mit sehr reifen Tanninen und schöner Frucht – 87/100. Auf gleichem Niveau der 2004 mehrfach an Bord von Lufthansa-Langstreckenflügen getrunkene Camensac. Überraschend gut 2014 der Chasse Spleen, der beste seit 89/90 und jetzt in wunderbarer Trinkreife – WT92. Vielversprechend 2009 erst die Nase des Lanessan mit Paprika, Schokolade und etwas Johannisbeere, am Gaumen viel Tannin und gähnende Langeweile, wirkte einfach flach - 83/100. Potensac war 1999 in der Arrivage ein solider, gut gemachter Wein, der sich noch länger trinkbar ist – 88/100. 2014 und 2015 mehrfach keine Tannine mehr, süße Frucht, die statt Cassis schon eher in Richtung eingelegte Rumpflaume geht, dazu deutliche, balsamische Noten. Da hilft nur forciertes Austrinken – WT86. Sociando Mallet wirkte 2008 in Warendorf noch völlig zugenagelt und nach weiterer Lagerung schreiend - 84+/100.

Malescot St. Excupéry war 2002 aus der Magnum staubig, etwas muffig, da sollte man mal den Keller entrümpeln, neue Fäser kaufen und vielleicht auch einen neuen Winemaker, denn so schlecht kann die Natur doch dort nicht arbeiten - 85/100. In der Fruchtphase um die Jahrtausendwende habe ich Margaux mehrfach mit 96/100 und mehr bewertet. 2007 auf René Gabriels großer Margaux-Probe in St. Moritz war er unglaublich konzentriert, dicht, tanninig, wie eine hypothetische Mischung aus 83 und 86. Fleischig und dicht am Gaumen mit immer noch bissigen Tanninen – 94+/100. Sehr schwierig verkostete er sich 2013, immer noch von massiven Tanninen geprägt, da sind einfach noch etliche Jahre Warten angesagt – WT92+. 2015 kräftig, dicht, sehr lang mit irrer Präzision. Momentan spürt man da vor allem die Eisenfaust, der Samthandschuh wir in ein paar Jahren nachgeliefert – WT96+. Auch 2016 war der Margaux noch nicht weiter – WT96+. Und auch 2017 war das trotz präziser Frucht und erster Eleganz immer noch ein von mächtigen Tanninen geprägtes Potentialmonster – WT96+. Palmer hatte 2009 deutlich mehr Struktur und Tiefgang als 95, potentiell der größere Wein, aber durch die immer noch recht massiven Tannine noch nach etlichen Jahren Lagerung verlangend - 93+/100. 2010 zeigte er sich deutlich offener – WT94. Pavillon Rouge war 2006 noch jung und kräftig, aber auch unglaublich charmant mit schöner Frucht und dabei sehr zugänglich und offen - 90/100. Auf René Gabriels Margaux –Probe 2007 eine weniger schöne Flasche mit viel Tannin und zuwenig Frucht – 86/100.

Sicher immer noch eine Suche wert ist der preiswerte Brown, den ich häufig mit 87-88/100 im Glas hatte. Carmes Haut Brion zeigte 2007 in der Braui eine feine Würze, war aber schlank und etwas belanglos, am Gaumen kurz und säuerlich - 84/100. Über 10mal habe ich seit 2001, zuletzt 2010, aus seinerzeit sehr preiswert erworbenen Magnums den pflaumigen, teerigen de Cruzeau mit konstant 88/100 getrunken. Haut Bailly war 2007 erstaunlich trinkreif, reife, pflaumige Frucht, rauchig, viel Tabak, am Gaumen saftige Fülle und ein schöner Abgang. Sicher kein Wein für die Ewigkeit, aber bezahlbarer Trinkspaß auf 92/100 Niveau für die nächsten 10-15 Jahre. Haut Brion war 2006 in der großen Haut Brion Probe noch sehr jung. Ein sehr dichter, kräftiger Wein, der derzeit deutlich mehr Muskeln als Finesse zeigt, eine modernere Version des 86ers mit Potential für 96/100. Deutlich offener 2011, ein noch sehr junger, puristisch schöner Haut Brion mit enormer Kraft, wunderschöner Frucht und viel Druck am Gaumen, ein sehniger, muskulöser Wein mit mehr Kraft als Finesse – 96/100. War 2012 eine reifere, dichtere, saftigere, aber ebenfalls sehr muskulöse Version des 86ers – 93+/100. 2015 sehnig, muskulös, aber auch mit wunderschöner Frucht – WT95+. Ein zugänglicher, fruchtiger Schmeichler 1999 in der Arrivage der Larrivet Haut Brion – 88/100. La Mission Haut Brion war zuletzt 2010 bei Jörg Müller sehr fein, elegant, eher schlank und trotz deutlicher Tannine vermeintlich zugänglich mit völlig neuer Aromatik. Wo sonst Teer und Cigarbox vorherrschen waren jetzt massig schwarze Oliven. Ein eher kleiner, untypischer La Mission? Eher ein typischer 96er, ein Wein, der noch länger braucht und derzeit einfach unterschätzt wird. Erinnert mich etwas an 85 und 90, bei denen es ähnlich war. Auch hier kommt noch mehr, und in 5-10 Jahren können aus den heutigen 90/100 ohne weiteres 94 und mehr werden. Und die waren es plötzlich 2016, der La Mission öffnete sich, zeigte die klassische Pessac-Aromatik und war einfach großartig – WT95. Pape Clement zeigte sich 2009 in Emmen im Kreuz erstaunlich offen mit fruchtigem Schmelz – 94/100. 2014 ein Charmeur mit wunderbarer Frucht, feiner Graphit-Mineralität und gutem Rückrat – WT94. Zeigte sich 2017 enorm druckvoll und kräftig mit gewaltigem Potential, da dürfte noch mehr kommen – WT94+. Smith Haut Lafitte konnte 1999 in der Arrivage nicht voll überzeugen – 88/100.

Angelus kenne ich nur als tanniniges Fassmuster aus 1997. Sollte sich inzwischen geöffnet haben und dürfte recht langlebig sein. Ein schwieriger, strenger Wein war 2012 der 1996 Ausone, sehr dicht und kompakt, die Nase deutlich schöner als der Gaumen, gut möglich, das da in denn nächsten Jahren noch mehr kommt - 88/100. Auch der Carillon de l´Angelus war 1999 auf der Arrivageprobe ziemlich bissig und tanningeprägt – 85/100. Beauséjour Bécot war 1999 auf der Arrivage-Probe schönes Kirschkonzentrat mit viel Biß und Länge – 90/100. Belair war zuletzt 2009 wieder ein eher enttäuschender Wein von der Sorte will, aber kann nicht, zuwenig Frucht, zu harsche, trockene Tannine - 84/100. 2012 weicher, eleganter, aber bnicht sonderlich komplex, gehört bald getrunken – WT88. Canon-la-Gaffelière gefiel mir 1999 in den Arrivage-Proben mit viel Schmelz ausnehmend gut. Zuletzt 2009 auf Sylt sehr tanninbetont, kräftig und sehr lang, Cabernet-betont mit viel Paprika, eher Medoc als St. Emilion, da sind noch mal ein paar Jahre Lagerung fällig - 90+/100. Enttäuscht war ich zunächst häufig von Cheval Blanc, einem Langstreckenläufer, der sich inzwischen zusehens öffnet, zuletzt 2009 sehr überzeugend – 94/100. Gut gefiel mir 1999 in der Arrivage der kräftig gestrickte Clos de l´Oratoire – 90/100. La Gomerie war 2014 noch so frisch, so animierend und sexy. Sehr würzig, mineralisch, Bitterschokolade, Espresso und reife, dunkle Früchte - WT93. Hatte 2016 enorm aufgedreht und lösdte Glücksgefühle aus – WT95. Erstaunlich weit und weich mit sehr schöner Frucht war 2001 in der Sansibar bereits der Monbousquet – 90/100. La Mondotte war 2006 mehrfach Ein konzentriertes Powerteil mit irrer Frucht, bleibt ewig lang am Gaumen und ist dabei so klar, so pur. Da war sie wieder, die Harmonie eines ganz großen Weines - 98/100. Ein Traum auch 2014 auf Sylt – WT97. Wirkte 2016 etwas verschlossener, ein etwas monolithischer Block mit massiven Tanninen und irrer Dichte – WT95+. Pavie Macquin war 1999 in der Arrivage ein dichtes, bissiges Fruchtkonzentrat – 90/100. La Serre war 1999 in der Arrivage solide, elegant – 87/100. Ganz am Anfang einer sicher langen Trinkreife war 2003 der konzentrierte, von massiven Tanninen geprägte Troplong Mondot – 91/100. Zuletzt 2011 sehr schön und auch offen die Bounty-Nase mit viel Kokos und Milchschokolade. Nur am Gaumen wirkte dieser Wein, der eine noch sehr dichte, junge Farbe hatte, streng, bitter und bissig - 86/100.Da hilft nur hoffen und warten. Valandraud war 2009 aus der Doppelmagnum ein geiler Spaßwein auf sehr hohem Niveau – 95/100.

Certan de May wirkte 1999 in der Arrivage-Probe hell, dünn und enttäuschend – 85/100. Ziemlich herb und nicht auf dem gewohnten Niveau 2015 der Clinet – WT90. L´Evangile wirkte 2011 noch recht verschlossen, da kommt mit den Jahren noch mehr - 90+/100. Fleur de Gay hatte 1999 in der Arrivage eine wunderbare Nase, enttäuschte aber am Gaumen – 86/100. Fleur Petrus war 2008 in Warendorf sehr schön zu trinken, weich, sehr gefällig, aromatisch - 91/100. Lafleur zeigte sich 2012 erstaunlich offen mit viel Schmelz und Finesse – 96/100. Bei Latour-à-Pomerol sehe ich wenig Zukunft. In der Nase 2011 dampfender Misthaufen, alter Ledersattel und getrocknete Kräuter, wenig Frucht, höchstens ein paar alte, ausgelutschte Beeren, am Gaumen rustikale, staubige Tannine, wirkte insgesamt recht dünn und freudlos – 85/100. Ein paar Jahre dürfte der stets recht verschlossen wirkende Petrus noch brauchen. 2008 auf der großen Petrus-Probe der Ungers war das mal wieder ein kräftiger, etwas monolithischer Langstreckenläufer – 91+/100. Zeigte 2011 deutlich mehr, blieb aber trotz aller Klasse sehnig mit etwas verhaltener, pflaumiger Frucht, Bitterschokolade und viel Zedernholz, enorm viel Kraft und viel Tannin – 93+/100. Wer ihn hat, legt ihn besser noch 5, eher sogar 10 Jahre weg. Le Pin fand ich 2010 enttäuschend, eher ein kleiner Medoc als ein großer Pomerol mit viel Paprika - 87/100. Solide, monolithisch und langweilig 2000 in einem Gabriel-Tasting der Plince, den man sicher nicht mehr suchen muss – 84/100. Reif wirkte Vieux Certan 2007 im Parkhotel Vitznau mit ersten Reifetönen in der Farbe, sehr minzig, Zedernholz, von der Stilistik her eher Medoc als Pomerol, weich, zugänglich und erschreckend weit - 91/100.

Dünn und harmlos Arnauton aus Fronsac 2000 auf einem Weinland-Tasting – 78/100. Ähnlich auf diesem Tasting ein schon zu alter, dünner Les Jonqueyres. Roc de Cambes war 1999 in der Arrivage ganz ok, aber nicht auf dem Niveau von 89 und 90 – 87/100.

Viel trockene Weiße aus Bordeaux habe ich bisher nicht getrunken, und die Weine, die ich ins Glas beeekam, machten nicht gerade Lust auf mehr.

Harmlos und mit wenig Kraft 1998 ein Chasse Spleen Blanc – 83/100. Enttäuscht war ich 2004 von einem Laville Haut Brion, der schon etwas alt wirkte – 85/100. Auch Smith Haut Lafitte Blanc wirkte 2001 schon recht alt und etwas oxidativ – 84/100.

Guter Sauternes-Jahrgang.

Erstaunlich viel schon zeigte Yquem 2007, Blütenhonig, Vanille, bittere Orangenmarmelade, Crême Brulée, wunderbar harmonisch und balanciert mit guter Säure, sehr gute Länge - 94+/100.

Guter Jahrgang für Rote Burgunder, Weine mit guter Tannin- und Säurestruktur, die gut altern können.

Der Nuits St. Georges 1er Cru Clos de la Foreste von der Domaine d´Arlot war 2011 in Lichtenstein nicht nur ein Preis-/Leistungssieger, sondern auch ein großer Wein. Sehr dicht die kräftige, junge Farbe, die unbändige Kraft an die Bordeaux aus 96 erinnernd, puristisch schöne Frucht, gutes Tannin- und Säuregerüst. Kein weicher Schmuseburgunder, eher ein sehr eigenständiger Bordeaux aus Burgund mit gewaltigem Potential für Jahrzehnte – 94/100. Ein Chambolle Musigny von Barthod hatte 2008 in der Nase After Eight pur, am Gaumen schlank, sehr fein und burgundisch-elegant - 88/100. Der Chambolle Musigny Le Clos de l'Orme von Silvain Cathiard war 2013 ein großer Burgunder mit superber Frucht, sehr nachhaltig und finessig - WT94. Gewaltiges Potential deutete 2010 der Chambolle Musigny 1er Cru von Comte de Vogüe an. Feine Frucht, Schattenmorelle, Himbeere, gute, im jetzigen Stadium recht prägnante Säure, ein frischer, junger, eleganter Wein, der noch 10 Jahre weggelegt und dann 20+ Jahre lang genossen gehört – 92+/100. Der Grands Echezeaux von DRC hatte 2013 bei Jörg Müller tlle Frucht, gewaltigen Druck und aromatische Fülle – WT96. Ein Echezeaux von Jayer-Gilles war 1999 sehr kräftig, dicht mit massiver Säure und viel Tannin – 88+/100. Ein Echezeaux von Henri Lamarche startete 2009 im Wiin Kööv mit unangenehm viel Brett in der Nase, wirkte etwas animalisch und durch die immer noch massiven Tannine und die hohe Säure auch etwas stumpf - 85/100. Kräftig, ernst, lakritzig mit gewaltiger Struktur 2012 der Pommard der Domaine Leroy, baut sehr gut im Glas aus, hat noch kräftige Tannine und eine enorme Zukunft 92/100. Der Chambolle Musigny Les Amoureuses von Roumier mit seiner verschwenderischen Traumnase erinnerte mich 2013 und 2014 in seiner reifen, fülligen Art, seiner verschwenderischen Süße, den Rumtopffrüchten, der unglaublichen Dichte, Kraft und Länge an große Burgunder aus den 20ern – 95/100. Und auch 2015 zeigte er wie den Jahren davor bei Jörg Müller wieder diese bestechende Form – WT95. 2016, wieder bei JM, meine bisher beste Flasche – WT96. Selbst ein einfacher Bourgogne von Roumier war 2013 ein reifer, sehr charmanter und erstaunlich nachhaltiger Burgunder, wahrscheinlich irgendein deklassiertes, größeres Zeugs. Machte eine Menge Spaß - WT89. Deutliche Flaschenvariationen soll es beim Chambertin von Rossignol-Trapet geben, den wir 2010 als extrem positive Ausnahme ins Glas bekamen mit offener, von Röstaromatik geprägter Nase, mit schöner Süße und guter Länge – 94/100. Der Chambertin von Rousseau war 2017 einfach perfekt schon in der Nase, riechen und träumen, perfekt auch am Gaumen mit traumhafter Frucht, bei aller Kraft und Länge so unglaublich elegant, Potential für Jahrzehnte - WT99. Ein großer Chambertin mit Pracht und Fülle und einer Traumnase war 2017 der Chambertin von Trapet Père & Fils – WT95.

Eigentlich ein sehr gutes Jahr für Weiße Burgunder. Gute Struktur, gute Säure, gemacht für lange Lagerung. Aber leider gibt es da auch das Oxidationsproblem, das auch vor großen Namen nicht halt macht. So ist der Jahrgang variabel und bleibt stückweit leider ein Lotteriespiel.

Ein Puligny Montrachet 1er Cru Perrières von Belicard wirkte 2000 schon sehr reif, etwas rustikal und simpel – 85/100. Corton Charlemagne von Bonneau du Matray wirkte 2008 trotz seiner gewaltigen Säure schon recht harmonisch und spannend, kann sich mit seiner tollen Struktur sicher noch lange weiterentwickeln - 91+/100. Mit viel Battonage hat man aus dem Puligny Montrachet Clos des Caillerets von Clos des Lambrays einen auch in der Farbe erstaunlich reifen, geradezu saftigen Burgunder erzeugt, der 2012 zumindest zu Anfang viel Trinkspaß machte. Kein schlechter Wein, aber mir war er zu sehr gemacht und wurde dadurch rasch langweilig – eigentlich noch zu großzügige 90/100. Ein Meursault von Coche-Dury war 2000 würzig, frisch, nachhaltig – 91/100. Ein Meursault Charmes von Comte Lafon war 2006 ein noch sehr junger, komplexer, mineralischer Wein mit feiner Frucht und sehr kräftiger Säure – 92+/100. Früher reif wirkte mehrfach 2000 und 2001 der recht kräftige Meursault Clos de la Barre dieses Erzeugers – 93/100, während dessen Meursault Perrières 2001 2 Stunden Luft brauchte, um seine Klasse zu zeigen – 94/100. Der 1999 bei Jörg Müller so grandiose Clos des Mouches von Drouhin war 2003 an gleicher Stelle schon sehr reif und etwas gezehrt – 87/100. Ein Puligny Montrachet 1er Champ de Gain von Olivier Leflaive zeigte 2001 im Landhaus Köpp schön die Rasse der 96er Burgunder – 90/100. Ein St. Aubin 1er Cru von Olivier Leflaive war 2010 noch sehr jung, kräftig, mineralisch, rustikal, mehr Kraft als Finesse - 89/100. Einen Meursault Charmes von Guy Matrot fand ich 2004 etwas ausdruckslos und zu teuer – 87/100. Beide(!) Flaschen des Le Montrachet von Ramonet wiesen 2006 deutliche, oxidative Töne auf. Trinkbar waren sie zwar, aber Vergnügen buchstabiert man anders, leider sehr, sehr grenzwertig - 86/100. Premox leider 2015 und 2016 auch bei einem Chassagne Montrachet Les Caillerets von Ramonet.

Geduld war bei den besseren Weinen des Elsass angesagt und das gilt teilweise auch heute noch. Sehr hoch die Säure, dafür aber auch die Lagerfähigkeit.

Clos St. Hune war 2010 immer noch ein vor Mineralität nur so strotzendes jugendliches Säuremonster. Nur die goldgelbe Farbe dieses würzigen, sehr komplexen Weines deutete Reife an. Da sind wohl bei gut gelagerten Flaschen wie dieser noch mal fünf weitere Jahre Warten und ein langes Leben angesagt - 92+/100. Auch die Zwillingsflasche zeigte 2012 nur unwesentlich mehr - 93+/100. Noch deutlich zu jung 2012, rassig, sehr mineralisch, Petrolnase, würzig, enorme Säurestruktur – 93+/100.

Sehr guter Jahrgang an der Loire mit hoher Säure und gutem Alterungspotential.

Nur als Jungwein kenne ich den 1998 bei Jörg Müller getrunkenen Pouilly-Fumé Silex von Didier Dageneau, feiner und geradliniger als frühere Jahrgänge – 90/100. Sollte noch gut trinkbar sein. Ein Sancerre Clos La Néore von Vatan war 2006 ein sehr eigenständiger Wein, erdig-mineralisch, sehr terroirbetont, gewöhnungsbedürftige, von einem deutlichen Brett-Stinker geprägte Nase, am Gaumen nachhaltig und kräftig - 88/100.

Für einen guten Jahrgang hat es an der Rhone zuviel geregnet. Dabei schnitt der Norden noch besser ab als der Süden.

Erstaunlich zugänglich zeigte sich 2017 der La Landonne von Guigal, der im Glas immer offener, speckiger, aber auch süßer wurde – WT97. La Mouline von Guigal wirkte 2001 offen, weich und sehr würzig – 95/100. La Turque war zuletzt 2009 sehr würzig, schwarzer Pfeffer, süße, dunkle Früchte, unerhörte Mineralität,, etwas Teer, gebratener Speck und großartige Länge - 96/100. Immer noch sehr jung 2013 der sehr komplexe, sehr finessige Hermitage la Chapelle von Jaboulet-Ainé. Aber das ist nördliche Rhone pur, präzise Frucht, ein blutiges Steak vom Holzkohlengrill, Lakritz, erdige Mineralität, dazu gute Säure und ein stabiles Säuregerüst, wird noch über lange Jahre zulegen – 93+/100.

Rayas war 2009 nicht der übliche Hammer und jahrgangsbedingt ein eher leichterer, filigranerer Stil, aber vielleicht war es gerade das, was diesen eleganten, finessigen Charmeur so attraktiv machte, der Burgunder unter den Chateauneufs mit burgundischer Pracht und Fülle und der feinen Erdbeerfrucht des Grenache - 93/100.

Schwierig 2015 ein Beaucastel Blanc Roussanne Vieilles Vignes. Der hatte konzentrierte Frucht, Kraft und Länge, aber die Spannung fehlte. Im Abgang wirkte er oxidativ, bitter und kräuterig – WT88. St. Joseph Les Granits von Chapoutier zeigte 2009 tiefes Goldgelb, Anisnase, Dörrobst, bitter und etwas kurz am Gaumen - 84/100. Groß 1999 der sehr kräftige Vin de Paille von Chapoutier, nicht zu süß und mit einer faszinierenden Nase voller weißer Trüffel – 97/100. Von Clos des Papes Blanc war 2008 bei der großen Mövenpick-Probe die erste Flasche daneben mit massivem Schwefelböckser und fauligen Noten. Die zweite Flasche deutlich besser, aber auch nicht groß, mineralisch, schlank, elegant mit einem kalten Cordier-Stinker - 85/100. Ein St. Joseph Blanc Le Paradis St. Pierre von Pierre Cursodon war 2006 sehr reif wirkend, wenig Säure, weich, mineralisch, oxidative Note, wirkte schon etwas über Höhepunkt hinweg - 86/100.

Zu kühl war der Sommer in Deutschland. Die Folge waren hohe Säurewerte und schlanke, mineralische Weine. Dort, wo entsprechend spät gelesen wurde, entstanden trotzdem sehr gute Weine, vor allem im restsüßen Bereich mit knackiger Säure.

Eine Ihringer Winklerberg Riesling Spätlese trocken von Heger hatte 2006 eine erstaunliche, traubige Frische, dazu die hohe Mineralität der Vulkangesteinsböden und eine immer noch knackige Säure - 90/100.

Von rassiger Säure geprägt waren die Weine von Fritz Haag. Schon die normale Brauneberger Juffer Sonnenuhr Spätlese war jung geradezu ein Säuremonster, das sich aber mit längerer Lagerung sehr gut entwickelte und noch etliche Jahre vor sich hat. Die Auslese #10 war 2015 rassig, immer noch blutjung wirkend mit hoher Säure, da kommt noch mehr – WT91+. Die Auslese Goldkapsel # 9 zeigte zuletzt 2006 aus der Magnum die einmalige, Haag´sche Handschrift mit klarer, präziser Frucht, feinem Spiel und der unendlichen Eleganz und Leichtigkeit. Doch da war auch die Problematik dieses eher schwierigen Jahres, die sich in einer massiven Säure zeigte, für die der Wein nicht genug Substanz besaß, in Boytritis und in einem deutlichen Petrolton. Möglich, das dieser Wein, den ich schon mehrfach, zuletzt 2002, getrunken und deutlich höher bewertet habe, derzeit durch eine schwierige Phase läuft - 92/100. So zeigte auch die Auslese lange Goldkapsel #12 2009 bei Jörg Müller Fülle, Süße, geradezu irrwitzige Säure, Länge - ein potentiell großer Wein, der immer noch nicht richtig zu sich gefunden hat und in 20 Jahren oder später für Überraschungen sorgen könnte - 91+/100. Erste Reife zeigte 2010 eine Saarburger Rausch Spätlese von Geltz-Zilliken aus der Magnum nur in der Nase mit reifer, cremiger Zitrusfrucht, am Gaumen präsentierte er sich sehr harmonisch in perfektem Trinkstadium und immer noch frisch durch die knackige, präsente 96er Säure – 92/100. Nicht klar kam ich 2002 mit einer Piesporter Goldtröpfchen Auslese Goldkapsel von Grans-Fassian, der einfach die Finesse fehlte – 88/100. Die Wiltinger Braune Kupp Spätlese von Le Gallais war 2016 reif mit weicher Säure und feinem Schiefer-/Petrolton – WT92. Reif mit der intensiven Schiefer-Petrolnote, aber andererseits durch die knackige 96er Säure noch frisch wirkend Graacher Himmelreich Auslese von JJ Prüm 2013 bei King in Keitum. Baute unglaublich im Glas aus, wurde immer frischer mit gewaltiger Länge am Gaumen – WT94. Hochkarätig 2010 eine Lieser Niederberg Helden Auslese*** von Schloss Lieser, deren süße Fülle perfekt durch die typische, immer noch knackige 96er Säure balanciert wurde – 93/100. Frische und Leichtigkeit zeigte 2013 eine durch die stramme 96er Säure immer noch so jugendlich wirkende Lieser Niederberg Helden Spätlese von Schloss Lieser – WT92.

1997 auf dem Gut konnte ich die gesamte Palette der sehr gut geratenen Diel-Weine probieren. Dabei stach der Dorsheimer Goldloch Eiswein heraus, ein fantastischer Nektar mit 300g Restzucker, 15%0 Säure und Legendenpotential. Der Oberhäuser Brücke Eiswein von Dönnhoff war 1997 mit exotischer, explosiver Nase, Wahnsinns-Säure und irrer Länge perfekt - 100/100. Zuletzt 2009 ein Tier von Wein war das mit explosiver Aromatik, ein gewaltiges Konzentrat mit einer Wahnsinnssäure, sehr mineralisch, kandierte, süße Früchte, gewaltiger Extrakt, schlichtweg atemberaubend und trotz der dunklen Farbe immer noch so jung - 97/100. Die Oberhäuser Brücke Auslese Goldkapsel von Dönnhoff war 2012 bei Steinheuer mmer noch so jung mit Rasse und Klasse, dekadent leckere Frucht, die Süße perfekt durch eine intensive Säure balanciert, sehr hoher Extrakt, gewaltige Struktur und Länge – 95/100. Schon ins Altgoldene ging 2013 die Farbe der Hermannshöhle Spätlese von Dönnhoff. Die Nase wirkte reif und leicht süßlich, zeigte aber auch viele Anklänge an einen gut gereiften, weißen Burgunder. Am Gaumen war da ein völlig anderer Wein, sehr mineralisch, jung mit massiver Säure und gut eingebundener Restsüße – 92/100.

Eine Geheimrat Aschrottsche Riesling Spätlese trocken war 2009 auf Künstlers Terroirprobe ein zwar reifer Wein mit Petrolnoten, der mit immer noch guter Säure aber noch lange nicht am Ende ist und eine salzige, würzige Mineralität zeigt - 92/100. Der Rauenthaler Nonnenberg von Breuer präsentierte sich 2011 gerade richtig. Brilliantes Goldgelb, in der Nase Zitrusfrüchte, reife Ananas, rauchig, viel Feuerstein und eine dezente, reife Petrolnote, am Gaumen sehr mineralisch, strahlende Eleganz und eine fast explosive Aromatik mit immer noch prägnanter, aber reifer Säure und wunderbarer Länge, ein ganz großer, perfekt (an)gereifter Weißwein, einfach puristisch schön und immer noch mit gewaltigem Potential – 96/100. Wie ein aus Stein gemeißelter Monolith 2012 ein Rüdesheimer Berg Schlossberg von Breuer mit perfekter Struktur, sehr stoffig, reife Zitrusfrüchte, gaukelt in der intensiven Mineralität Muschelkalkböden vor, entwickelt sich enorm, wird immer komplexer und kräuteriger – 94/100. Die Rottland Spätlese trocken vom Staatsweingut Kloster Eberbach zeigte 2012 eine feine Kräuterwürze, war erdig, mineralisch, hoch spannend und vielschichtig, im Abgang weich – 92/100. Oxidativ und schlichtweg hin 2012 die Kirchenstück Spätlese trocken Versteigerung. Langeilig und strukturlos 1999 eine Hattenheimer Nussbrunnen Auslese von Langwerth von Simmern – 84/100. Eine Rosalack BA von Schloss Johannisberg war 2001 ein Riese im Werden. Dicker, öliger, rosinig-reifer wirkte 1999 der Eiswein Blaulack – 91/100. Faszinierend 2013 Rüdesheimer Berg Schlossberg Chartawein von Geheimrat J. Wegeler Erben mit puristischer Zitrusfrucht, toller Statur, Kraft und Länge, erster Petrolnote und immer noch massiver, aber reifer Säure – 93/100. Wirkte geradezu zeitlos und dürfte sich auf diesem Niveau noch länger halten. 2014 in der Nase erstaunlich viel Kakao und reifer Boskop. Trotz der hohen Säure erstaunliche Süße am Gaumen und hohe Mineralität – WT93.

Von und mit Klaus Keller habe ich 1997 bei Schorn die ganze Palette verkostet. Dabei beeindruckten vor allem die sicher langlebigen Süßweine, so z.B. der Dahlsheimer Hubacker Riesling Eiswein (94+/100), die Dalsheimer Hubacker TBA (95/100), die Dalsheimer Sauloch Silvaner TBA (95/100) und der danach noch mehrfach getrunkene Monsheimer Silberberg Rieslaner Eiswein, ein dickes, fast etwas öliges Teil, das aber durch 22%0 Säure gut balanciert wurde(95-96/100). Holundernase 2012 beim säurebetonten, etwas rustikal und eckig wirkenden Bruderberg Spätlese trocken von Heyl zu Herrnsheim – 86/100.

Kein schlechter Wein 2012 die Forster Kirchenstück Spätlese trocken von Bürklin-Wolf, tolle Struktur, aber auch Säure ohne Ende, fehlerhaft? – 88/100. Eine zweite Flasche davon 2012 völlig anders. In der frischen Nase gedeckter Apfelkuchen mit etwas Zimt, Marzipan, Schokonoten, die Frucht immer noch primär wirkend, am Gaumen ein richtiger Charmebolzen mit Extraktsüße und guter 96er Säure, enorm vielschichtig, ausbauend und burgundischer werdend, ein großer Riesling für 10-15 weitere Jahre - 95/100. 2015 noch soviel Kraft, soviel Substanz, da kommt in den nächsten 10 Jahren aus guten Flaschen noch mehr – WT93+. Pechstein GC von Bürklin-Wolf war 2014 ein zupackender, fordernder, sehr mineralischer Wein, dem die 96er Säure eine irre Frische verlieh - WT94. Gut gereift, aber nicht in der Liga der heutigen ersten Gewächse 2003 ein Reiterpfad Spätlese trocken von Christmann – 88/100. Eine Suche wert ist sicher der nur einmal 1999 noch viel zu jung getrunkene Kallstadter Saumagen Riesling Auslese trocken R von Koehler-Ruprecht. Was für ein großartiger Wein, der erst wieder wach, und dann sofort sprachlos machte. Immer noch blutjung wirkend mit ungeheurer Mineralität, mit klarer Frucht und einer irren Präzision, kräuterig, unglaublich vielschichtig und komplex, das war kein Absacker, das selbst war für mich als bekennenden Rot- und Altweintrinker der Höhepunkt des Abends und ein großartiges Riesling-Monument - 96/100. 2006 hatte ich ihn noch mal auf einer Probe, da fand ich diesen Wein eher etwas schwierig, Petrol ohne Ende, viel Kraft zwar, aber wenig Schmelz und Finesse, wohl eine schlecht gelagerte Flasche - 87/100. Punktete 2016 mit Rasse, Klasse, Druck und Länge, wobei zur intensiven Mineralität noch die knackige 96er Säure kam – WT97. Immer noch so taufrisch 2016 die Haardter Bürgergarten Spätlese trocken von Müller-Catoir, die sich aus der Magnum in voller Blüte zeigte. Brilliantes Goldgelb, gelbe Früchte, reife Ananas, cremige Textur, intensive Mineralität, Tiefgang und Komplexität, dazu eine immer noch knackige Säure - WT96. 

Mehrfach habe ich seit 2001 den hervorragend gelungenen Blauburgunder Reserve von Friedrich Becker getrunken. 2009 im Wiin Kööv auf Sylt ging der wieder als großer, junger Pinot durch – 93/100. 2013 im Wine Live junge Farbe, der große Waldbeerencocktail, gute Säure, Frische, schöne Mineralität, Holunderbeeren, ein deutscher Chambertin mit Kraft und Fülle - WT94. Reif wirkte 2014 der Pinot Noir von Friedrich Becker mit Herbstlaub und feuchtem Waldboden, baute aber im Glas aus – WT92.

Kleines Jahr in Österreich mit nicht sonderlich langlebigen Weinen.

Möglicherweise noch eine Suche wert ist der recht langlebige Bründlmayer Chardonnay, den ich als Jungwein häufig im Glas hatte. Sehr schön 2003 ein Loibner Steinertal Riesling Smaragd von F.X. Pichler – 92/100. Nur als jungen Wein kenne ich den Honivogl Smaragd von Hirtzberger, 1999 sehr kräftig, aber nicht mit der Klasse besserer Jahre – 89/100. Langweilig, eindimensional und ziemlich platt war 2013 ein Loibenberg Grüner Veltliner Smaragd von Knoll - 81/100.

Der Pinot Cuvée Ausbruch von Feiler-Artinger war 2008 aus der Magnum mit Bitterorange, viel Quitte und sehr kräftiger Säuure noch etwas jung – 92+/100.

Spannend 2011 im D´Vine ein Nemea aus Griechenland von Estate Papaioannou. Ein sehr komplexer, eigenständiger Wein mit unglaublicher Länge, der sich ständig wandelte, von Kakao bis Lakritz war da alles drin – 91/100.

Ein durchweg guter Jahrgang in Italien.

Der San Leonardo hatte 2015 in der rustikalen Nase altes Leder, am Gaumen war er erstaunlich frisch und balanciert mit guter, tragender Säure – WT90.

Sehr gefällig 2015 der Barolo Cannubi Chiara Boschis, kernig mit toller Frucht und Struktur – WT92. Der Barbaresco von Gaja war 2010 ein Kraftprotz mit viel reifer Brombeere in der Nase, immer noch strammes Tanningerüst und kräftige Säurestruktur - 92/100. Völlig unterschätzt habe ich 2004 den Barbaresco Asili Riserva von Bruno Giacosa, der mit seinen mundbeschlagenden Tanninen schwierig zu verkosten war. 2016 war der voll da, perfekter Spagat aus Kraft und Eleganz, das berühmte Rosenbeet auf der frisch geteerten Autobahn – WT97.

Mehrfach habe ich in 2003 den Brunello di Montalcino von Banfi mit konstant 91/100 getrunken. Mehrfach habe ich 2001 den damals sehr schönen Guado al Tasso mit konstant 92/100 getrunken. Vigna l´Apparita hat mir 2003 mit viel Kraft, aber auch Finesse und Bitterschokolade zweimal sehr gut gefallen – 95/100. Der 2000 noch so begeisternde Montiano schien 2001 schon etwas abzubauen. Noch recht jung und etwas ungelenk war 2000 der Paleo Rosso von Le Macchiole, der jetzt aber auf dem Punkt bei etwa 90/100 sein müsste. Masseto war 2004 ganz nett, aber für Preis und Namen doch arg enttäuschend – 92/100. Der Nardo von Montepeloso hatte 2009 eine recht animalische, ledrige Nase, aber auch noch eine feine Frucht, am Gaumen getragen von deutlicher Säure - 89/100. Inzwischen reif und auf dem Punkt ist Montevetrano, zuletzt 2010 wie schon 6mal vorher seit 1999 konstant 93/100. Sassicaia war 2000 ein recht schöner, aber auch harmloser, runder, weicher wein mit guter Frucht – 90/100. Rauf und runter gehen meine Notizen bei Solengo. Langsamer Start, ein paar großartige Flaschen auf 95/100 Niveau Anfang des Jahrtausends und 2004 schon der Lack ab? Zuletzt 2013 Tannin, Säure, aber wo ist die Frucht geblieben - 88/100.

Der Planeta Alastro aus Sizilien litt 2014 schon deutlich an oxidativer Schwindsucht – WT80.

Süß, exotisch, etwas ausladend mit Schoko, Kokos und viel reifer Himbeere und auch Kaffeenoten war 2009 der Blauburgunder von Gantenbein, ein großartiger Wein, der erst ganz am Anfang steht – 95/100. Der Merlot Gran Riserva von Klausener war 2006 ein erstaunlich kräftiger Merlot mit tiefer, dichter Farbe. Sehr maskulin und fleischig mit guter Würze, rauchigen Tönen, Bitterschokolade mit Lakritz und guter Säure, durchaus gemacht für ein längeres Leben - 90/100.

Sehr gut gefiel mir 2000 in Madrid der l´Ermita von Alvaro Palacios, tiefdunkle Farbe mit noch etwas Purpur, intensive Bitterschokolade mit eingelegten Kirschen, toller Powerstoff – 95/100. Nicht viel schlechter im gleichen Jahr in Paris der enorm kräftige, dichte, aber ebenfalls bereits gut antrinkbare Finca Dofi – 93/100. Condado de Haza wirkte 1999 wie ein polierter, gefälliger Modewein – 86/100. Mauro war um die Jahrtausendwende mehrfach saftig-würzig und sehr gelungen. Dürfte auch heute noch die damaligen 92/100 ins Glas bringen. Ebenso der großartige Terreus, der 2000 in der Sansibar viel Zeit und Luft zur Entfaltung brauchte – 96/100. Sehr schön 2003 auf der Pingus-Probe in Lehrbach der Hacienda Monasterio Reserva – 90/100. Gewaltig 2011 die Pesquera Millenium Reserva aus der Magnum, das beste vom besten aus diesem Pesquera Jahrgang, die Trauben von den ältesten Rebstöcken, ausgebaut in französischer Eiche. Tiefe, tintige Farbe, deutlich spürbar das wohl getoastete Holz, würzige, kräftige Fülle, modern in der Anmutung, hoher Hedonismus-Faktor – 94/100. Der Pesquera Gran Reserva wirkte 2016 etwas rustikal und kernig, sehr reif und gut 10-20 Jahre älter wirkend mit leicht staubiger Eleganz – WT90. Bei Pingus wird immer jeder Jahrgang als der beste, bisher erzeugte angekündigt. So war es auch mit 1996, der mit 95 nie mitkam. Ein sehr guter, konzentrierte, fruchtiger, erstaunlich frühreifer Wein, mehrfach seit 1999 mit 95-96/100 getrunken, aber zwischendurch auch, wie 2006 auf der Kult-Probe im Saitta Flaschen, die nicht mal das Niveau des Flor erreichten. 2015 war das ein unglaublich druckvoller Hammerwein mit konzentrierter, dunkler Frucht, sehr mineralisch, komplex und lang mit einem dicken Schuss Hedonismus - WT96. Auch 2016 war der noch so frisch, so dicht und animierend – WT96. Den Flor de Pingus hatte ich seit 2003 nicht mehr getrunken. In seiner besten Phase um die Jahrtausendwende war das Traumstoff. 2015 war er noch voll da und sehr gut zu trinken, hatte aber nicht die damalige Klasse -WT91. Der Abadia Retuerta Cuvée El Campanario wirkte 2000 und 2001 saftig, lecker, aber auch irgendwo gemacht, glatt, international - 91/100. Deutlich besser gefiel mir 2001 in der Sansibar der klassisch strukturierte Pago Valdbellon – 95/100, während ich mich für den Cuvée El Palomar überhaupt nicht erwärmen konnte – 88/100. Roda I war 2007 aus der Doppelmagnum ein sehr moderner, etwas gemacht wirkender Wein, der mit Rioja wenig zu tun hat, aber wenigstens mit Biß und Struktur - 89/100. Bei einem Scala Die Cartoixa war 2012 immer noch dicht und jugendlich die Farbe, frisch die süße, elegante Schwarzkirsche, würzig, feine Kräuternote, ein Hauch Minze, das gut eingebundene Holz kaum noch spürbar, am Gaumen bei aller Kraft sehr balanciert mit viel Tiefgang und schöner Länge, jetzt in bestechender Trinkform, aber sicher mit genügend Rückrat für noch 10+ Jahre – 92/100. Aus dem früheren, ungestümen Cartoixa d`Scala Dei war mehrfach 2012, 2013 und 2014 ein ausgesprochen feiner, harmonischer Wein geworden. Immer noch dicht und jugendlich die Farbe, frisch die süße, elegante Schwarzkirsche, würzig, feine Kräuternote, ein Hauch Minze, das gut eingebundene Holz kaum noch spürbar, am Gaumen bei aller Kraft sehr balanciert mit viel Tiefgang und schöner Länge, jetzt in bestechender Trinkform, aber sicher mit genügend Rückrat für noch 10+ Jahre - 92/100. Sicher noch gut trinkbar ist der 2001 genossene Alion von Vega Sicilia, unter dessen süßer, würziger Frucht mächtige Tannine lauerten – 92/100. Der Vega Sicilia Valbuena 5° hatte 2005 eine superdichte, konzentrierte Farbe, reife, dunkle Beerenfrüchte, perfekte Tanninstruktur, tolle Länge am Gaumen. Voll trinkbar, aber sicher noch mit Potential für 15+ Jahre - 95/100. 2008 in einer Best Bottle leider eine fehlerhafte Flasche mit Essigstich.

Weich und trinkreif mit feiner Röstaromatik war 1999 der Milmanda Chardonnay von Torres

88/100.

Ist das die Renaissance der großen, alten Tokayer Essencias? Peter Windeck, der Onkel von Peter Sisseck, kredenzte 2003 auf der großen Pingus-Probe drei Tokaj Essencia Stanza. So dickfüssig waren diese fast alkoholfreien Edelsüßen, dass sie auf dem Löffel serviert wurden. Dabei war Stanza I noch der finessigste der drei. Stanza II war einfach nur dick und mächtig, ebenso Stanza III.

Nur einmal, 2000 in der Sansibar, habe ich den damals sehr überzeugenden Tikal Vineyard von Catena Zapata getrunken, der sich sicher immer noch gut hält – 92/100.

Almaviva habe ich nur einmal, 1999, getrunken. Sehr marmeladige, fast australische Nase, der Bittermandelton kräftiger, aber reifer Tannine, entwickelt mit der Zeit im Glas auch animalische Töne, internationaler Stil, könnte überall herkommen – 90/100. Sena war 1999 und 2000 mehrfach ein fruchtiger. Leckerer Cabernet in internationalem Stil – 90/100.

Sehr guter Jahrgang in Kalifornien. Kräftige weine mit sehr guter Struktur und hohem Alterungspotential.

Abreu Madrona Vineyard war 2016 ein noch teilweise schlafender Gigant mit sehr guter Struktur und Dichte, enormes Potential - WT95+. Gut 10mal hatte ich zwischen 2000 und 2010 den sehr eleganten, seidigen Araujo Eisele Vineyard mit konstant 95/100 im Glas. 2015 Jugend und immer noch großes Potential, Bordeaux-Stilistik, reife, dunkle, aber sehr präzise Frucht, Tabak, sogar Zedernholz, gute Mineralität, enorme Länge – WT96. Gut gefiel mir 2006 auch der Araujo Syrah mit pfeffrig-würziger Frucht, der aber den großen Vorbildern von der Rhone das Wasser nicht reichen kann – 91/100. 2013 im Wine Live noch so taufrisch mit schöner Kirschfrucht und wunderbarer Würze, absolut stimmig ohne kalifornische Opulenz, großartige Zukunft - WT96. Der häufig getrunkene John Arns wirkte zuletzt 2009 schon sehr reif – 92/100. Reif, weich und schmeichlerisch 2006 bei Mövenpick ein Bacio Divino – 93/100. Auch zuletzt 2010 auf Sylt eine erstaunlich reife Farbe, zeigte aber in der Nase und am Gaumen kein Alter. Satte Blaubeere, Leder, etwas Minze, immer noch kraftvoll, wurde mit der Zeit im Glas weicher und schokoladiger, jetzt voll auf dem Punkt – 93/100. Sicher immer noch gut trinkbar ist der recht langlebige Howell Mountain Bancroft Merlot von Beringer. Allerdings habe ich diesen wein, der um die Jahrtausendwende stets 92/100 ins Glas brachte, 2005 auch zweimal in einer Tiefphase erwischt – 88/100. Sehr offen zeigte sich 2000 bereits der Cabernet Sauvignon Private Reserve von Beringer – 93/100. Aber das ist ein Wein mit viel Standvermögen, der auch 2010 in Gstaad voll auf diesem Niveau überzeugte. 2014 sehr kraftvoll, minzig mit enormem Druck und guter Länge – WT93. Etwas weiter 2015 auf Sylt, schlank, mineralisch mit kräuteriger Herbe – WT92. Leider nur einmal, 1999 im Spago in Beverly Hills, hatte ich Bryant Family Vineyard im Glas, rabenschwarz, massives Fruchtkonzentrat mit Cassis und schwarzen Johannisbeeren, dazu orientalische Würze, ein irrer Stoff, der am Gaumen förmlich explodiert und kaum aufhört. Ich habe spontan 100/100 gegeben. Caymus war 2000 ein zugänglicher, fruchtiger Schmeichler – 90/100. Clark Claudon war 2008 mehrfach ein kerniger, kräftiger Charakter-Cabernet, der sich vom überfruchteten Kalifornien-Einerlei wohltuend abhebt und auch alkoholmäßig mit 13% noch im Rahmen bleibt - 93/100. Clos du Val Reserve war 2008 auf der American Beauty ein sehr weicher, feiner, eleganter und aromatischer Wein. Präsentierte sich sehr reif und gehört in dieser Form sicher in den nächsten Jahren getrunken - 92/100. Ein Corison war 2010 im Fährhaus Fährhaus minzig, ledrig mit reifer, süßer Frucht, sehr elegant und vielschichtig mit wunderbarer Länge am Gaumen, und das alles mit nur 12,8% Alkohol - 95/100. Der Anfang des Jahrtausends mehrfach als dichtes, sehr süßes, cremig-üppiges Teil mit gutem Rückrat getrunkene Dalla Valle (96/100) war 2010 in einer sehr dumpfen Phase angekommen – 87/100. Zeigte sich aber 2015 wieder in Topform mit dunkler Frucht, Kräutern, Minze und immer noch stabilem Tanningerüst – WT94. Nur als Jungwein kenne ich den 1999 in der French Laundry spektakulären, muskulösen Maya des Gutes – 96+/100. Sehr gut entwickelt hat sich der schon oft getrunkene Dominus, der in den letzten Jahren enorm zugelegt hat. Zeigt 2010 in der großen Dominus-Vertikale Rasse, Klasse, perfekte Struktur und eine hohe Bordeaux-Nähe – 97/100. Auch 2017 wieder eine Art großer Bordeaux mit kalifornischer Frucht – WT96. Dunn Howell Mountain war 2001 aus der Magnum ein mächtiges Tanninmonster, das nach mindestens zehn Jahren weiterer Lagerung schrie. Etude beindruckte mehrmals zwischen 2000 und 2006 bei aller konzentrierte Frucht mit Frische und Rasse auf 95/100 Niveau. 2009 fand ich ihn allerdings trotz dichter, junger Farbe und purer Frucht etwas minimalistisch und harmlos 92/100. Aber 2011 und 2012 war das wieder ein sehr eleganter, nachhaltiger, großer, rassiger Etude – 95/100. Auch 2015 auf Sylt zeigte er sich wieder auf diesem Niveau – WT95. Zweifelsohne ist Harlan ein großer Wein, in den ich mich bei der ersten Begegnung 2000 in Las Vegas hätte reinsetzen können. Das war die Essenz eines großen Bordeaux-Cabernet, rabenschwarz, dicht und ultralang, das Beste aus 86 Mouton und 82 Leo – 100/100. In den Jahren danach noch mehrere, ähnlich euphorische Notizen. 2008 erschien er mir plötzlich in einer Best Bottle zu mächtig, zu dick, zu alkoholisch. 2011 auf der Braui meets Schorn II dicht, kräftig mit perfekter Struktur – 99/100. Superdicht 2014 mit puristisch schöner, süßer, dunkelbeeriger Frucht, mit Präzision, Länge und Komplexität ein Riese mit großartiger Zukunft – WT99. Auch 2015 unglaublich kräftig und lang – WT100. Heitz Martha´s Vineyard, der erste aus dem neu bepflanzten Rebberg hatte 2002 eine dichte Farbe, kräftiges Konzentrat, aber irgendwo fehlte es da an der reifen Frucht, auf mich wirkte der Wein fast etwas vergewaltigt - 90/100. Auch zuletzt 2011 auf der großen Heitzprobe der Ungers nur ein kleiner, feiner wein, der die Erwartungen an einen Marthas nicht erfüllt – 89/100. Sehr fruchtig 2007 ein La Jota 15th Anniversary, von dem ich aber mehr erwartet hatte – 92/100. An einen jungen Leoville las Cases erinnerte 1999 in Las Vegas ein Karl Lawrence – 92/100. Noch sehr jugendlich 1999 in der French Laundry und kurz darauf in San Francisco der Arietta von Kongsgaard mit präziser Frucht und hoher Bordeaux-Affinität – 90+/100. Ein Petit Syrah Sierra Foothills von Lava Cap war 1999 im Fährhaus ein faszinierendes süßlich, marmeladig dichtes Superteil, paßt zu keinem Essen und braucht auch keins – 95/100. Leonetti war 2001 ein super-konzentriertes Powerteil mit hedonistischer Frucht – 96/100. Der einfache Mondavi war 2003 schon gut trinkbar – 87/100. Schwierig damals der Reserve, der aber immer Zeit braucht und jetzt langsam den Höhepunkt erreichen müsste. 2016 überzeugte der dann mehrfach mit geradezu explosiver Aromatik, mit reichlich Minze und Eukalyptus, mit Sattelleder und süßer, dunkelbeeriger Frucht, knallte richtig am Gaumen -WT96. Ein faszinierender Langstreckenläufer für zwei weitere Jahrzehnte ist Montelena, 2003 und 2004 mehrfach mit 95/100 getrunken. Zeigte 2013 eindrucksvoll, welches Potential die Montelenas haben. Junge Farbe, schöne Nase, noch so jung, so dicht mit rassiger, rotbeeriger Frucht, würzig, Minze, neues Leder, Kraft, Länge, geradlinige Struktur, intaktes Tanningerüst, wird immer minziger im Glas, lange Zukunft – 96/100. 2015 schien er sich sich ähnlich den 96er Bordeaux gerade erst zu öffnen, mit seiner geradlinigen Struktur, seiner Kraft und seiner eher puristischen, dunklen Frucht – WT95+. Moraga war 2002 stilistisch eher Bordeaux als Neue Welt und gut gelungen – 92/100. Opus One war zuletzt 2010 auf der einen Seite kernig, animalisch und mit viel Sattelleder, auf der anderen Seite zeigte er betörende, reife Frucht, Brombeere, Schwarze Johannisbeere und dazu etwas Graphit. Mit der Zeit öffnete er sich immer mehr, wurde süßer, weicher, kalifornischer, ein anderer, modernerer Stil als die früheren Opus - 94/100. Pahlmeyer ist ein gewaltiges Geschoß mit wunderbarer Frucht, viel Kraft und perfekter Struktur, das ich zwischen 1999 und 2009 mit konstant 95-96/100 im Glas hatte. Der Palmeyer Merlot, ähnlich oft getrunken, liegt für mich noch ein Tick drüber. 2008 so füllig, schokoladig und süß mit herrlich reifer Schwarzkirsche, ein großer, hedonistischer Wein, der aber bei aller Opulenz eine gewaltige Struktur besaß und der sich hervorragend als Probensprenger für jede Merlot-Probe eignet - 97/100. Mehrfach 2011 auf diesem Niveau. 2015 etwas verhaltener – WT93. Großartig der gut 10mal auf konstant hohem Niveau getrunkene Peter Michael Les Pavots. Zuletzt 2010 bei Jörg Müller schöne Frucht, Blaubeere, Brombeere, sehr mineralisch, intensive Minze, aber auch etwas Eukalyptus, wunderbare Struktur, nichts Überladenes - 96/100. Auch Phelps Insignia war mehrfach seit 1999, zuletzt 2014 auf Sylt, ein Insignia vom Allerfeinsten mit klarer, purer Frucht, toller Struktur und Mineralität – 96/100. Traumstoff 2003 der sehr rare Pride Mountain Reserve – 98/100. Nur knapp dahinter 2003 der Reserve Claret des Gutes – 96/100. Auch 2015 noch so dicht, kräftig und zupackend – WT96. Immer noch sehr gut trinkbar müssten auch die schon lange nicht mehr verkosteten normalen Cabernet und Merlot von Pride sein. Langstreckenpotential hat der schon häufig getrunkene Ridge Monte Bello. 2009 im Saittavini immer noch sehr jung mit sehr präzisen Konturen und schöner Frucht, Kirsche und Blaubeere - 93+/100. 2011 auf einer Best Bottle immer noch sehr jung, konzentriert, dabei so geradlinig, einfach puristisch schön mit ungeheurem Druck am Gaumen, ein Wein mit gewaltigem Druck am Gaumen, der wohl nicht zu Unrecht als bester Ridge aller Zeiten gilt – 97/100. Auch 2013 in Weggis auf diesem Niveau. 2015 aus eigenem Keller nach weiterer Lagerung schreiend – WT94+. Auch 2017 wieder ein druckvolles, begeisterndes Potentialmonster mit großer Zukunft – WT95+. Herrlich 2010 die beerige Nase des Screaming Eagle. Am Gaumen war da mehr Kraft als Freude, sehr gute Struktur zwar, aber auch ein etwas sehniger Eindruck und leicht metallische Noten – 93/100. Hatte 2016 eine schöne Kirsch und, am Gaumen wirkte er etwas leichtgewichtig, aber mit guter Struktur, Eleganz und Finesse – WT95. Ziemlich zugenagelt mit wenig Frucht und viel Tannin war 2001 ein Seavy. Der gewaltige Shafer Hillside Select war 2010 in der großen Vertikale vom Quartett 94,95,96 und 97 der ernsteste mit großartiger Statur, sehr hohem Extrakt und Minze pur. Wirkte wie ein großer Hillside mit einem dicken Schuss Heitz Martha´s Vineyard – 98/100. Von den seit 2000 getrunkenen 10 Flaschen war das die bisher beste. Konnte auch 2013 und 2014 mehrfach überzeugen, immer noch so jung mit dichter Farbe, perfekter Struktur, süßem fruchtigem Schmelz mit reifer Brombeere und Blaubeere - WT97. 2015 superbe, süße, dunkle Frucht, Lakritz, intensive Mineralität, sehr würzig. Erinnerte an 94 und 2001 in ihren Glanzzeiten und war gleichzeitig ein Lehrstück. Dieser Wein, der in seiner Jugend immer etwas im Schatten von 94 und 95 stand, hatte eine mehrjährige Auszeit genommen und feierte jetzt ein überragendes Comeback, Shafer Hillside wie er besser nicht geht – WT100. Ein echter „Crowd Pleaser“ 2014 in der Sansibar der immer noch so frische, animierende Silver Oak Alexander mit seiner einfach dekadent leckeren Frucht – WT93. Der Sine Qua Non Against the Wall war 2001 im Viridiana ein kräftiger Syrah mit explosiver Aromatik – 95/100. Rauf und runter meine Notizen des Chateau St. Jean Cinq Cepages. 2000 sehr lecker, gefällig, aber nicht in Kaliforniens Top-Liga - 91/100. 2004 Kraft, Frucht, aber auch etwas korpulent und schwerfällig - 89/100. 2006 verschwenderische Süße, dabei nicht plump, sondern kraftvoll und gut strukturiert. Dürfte jetzt auf dem Höhepunkt sein - 95/100. 2010 dichte, dunkle Farbe. Da war satte, reife Brombeere, etwas Menthol, viel Kraft, aber mit steigender Temperatur auch Überreife, Balsamico, Graphit und Teer, scheint schon leicht über den Höhepunkt zu sein - 92/100. Und dann 2011 plötzlich wieder ein großer Bordeaux aus Kalifornien – 95/100. Tom Eddy war 2001 ein dichter, dunkler Stoff mit hohem Alterungspotential – 91+/100. Ein verrückter, sich ständig wandelnder, komplexer, alkoholreicher aber immer noch recht jung wirkender Wein war 2009 der Contra Costa County Zinfandel Duarte Vineyard von Turley – 92/100. Ähnliche Erfahrungen hatte ich 1999 und 98 mit dem Petit Syrah Hayne´s Vineyard von Turley gemacht. Nicht in bester Form trotz junger Farbe 2015 ein Viader, der am Gaumen noch Tannine, in der Nase aber Alterstöne zeigte – WT87.

Sehr gut der Jahrgang auch für die Weißweine aus Kalifornien, von denen sich die Besten immer noch gut trinken lassen.

Sehr gut altern die Weißweine von Au Bon Climat. Selbst der "einfache" zeigte sich 2003 im Adler in Rosenberg als vollreifer ausdruckstarker, klassischer kalifornischer Chardonnay, leicht buttrig, nussig, kräftig und trotzdem mit sehr viel Finesse, ganz toller Stoff, wahrscheinlich auch genau deshalb so gut, weil wir ihn genau auf dem richtigen Punkt erwischten 94/100. Auch meine letzte Flasche des häufig getrunkenen Chardonnay Private Reserve von Beringer zeigte keinerlei Schwächen, nussig, buttrig ohne fett zu wirken, exotische Frucht, feine reife Säure, voll und lang am Gaumen - 94/100. Auch der Sbragia war 2006 nussig, buttrige Nase, am Gaumen Kraft ohne Ende und irrer Abgang, immer noch Frische und keinerlei Zeichen von Schwäche 95/100. Zuletzt 2007 oxidiert und kaputt, aber das war wohl ein Lagerproblem. Begeistert war ich ein Dutzend Mal vom Kongsgaard Chardonnay. Zuletzt 2005 kräftige goldgelbe Farbe, in der Nase wohl definierte, reife, exotische Früchte, dazu eine kräftige, aber gut eingebundene Holznote. Nicht mehr ganz so üppig wie in früheren Jahren. Am Gaumen erstaunlich elegant und schlank, sehr lang im Abgang mit ganz dezenter Süße - 95/100. Marcassin Chardonnay hatte 2005 in der Sansibar eine irre mineralische Burgund Stilistik mit Lakritz und vor allem Anis. Von der Art her ein ganz großer Corton Charlemagne. So perfekt strukturiert, so unglaublich lang am Gaumen, das ist schon absolute Weltklasse - 97/100. Die Chardonnay von Patz & Hall zeigten 2004 schon oxidative Noten. Da ist wohl nichts mehr mit los.

Sehr schön 2000 in der Sansibar ein Greenock Creek Cabernet Sauvignon – 93/100. Ein Henley Geoff Merrill Shiraz wirkte 2006 etwas breit und langweilig – 88/100. Der Jack Mann Cabernet Sauvignon Shiraz von Houghton war 2007 in der Sansibar wohl ziemlich auf dem Höhepunkt, auf dem er wohl noch einige Jahre bleiben dürfte, reife, aber nicht überbordende Frucht, Leder, schwarzer Pfeffer, erdig, ein nachhaltiger, sehr stimmig wirkender Wein, der nichts vom Marmeladigen seiner Kollegen von der anderen Seite des australischen Kontinents hat - 93/100. Gut trank sich 1999 im Fährhaus ein Jasper Hill Georgia´s Paddock Shiraz – 91/100. Sicher immer noch eine Suche wert ist der Penfolds Bin 707, den ich um die Jahrtausendwende mehrfach mit sehr minziger Frucht und guter Struktur im Glas hatte – 94/100. 2012 fantastische Nase mit herrlicher Frucht, Cassis, Eukalyptus, Minze und bestechender Frische, am Gaumen Kraft und Länge gepaart mit wunderbarer Finesse, Zukunft ohne Ende – 96/100. Penfolds Grange war 2013 ein Weinbaby mit gewaltigem Potential, das mich stilistisch an große 96er Bordeaux erinnerte, baute enorm im Glas aus, kann aber sicher noch etliche Jahre Kellerlagerung vertragen. Da wächst etwas ganz großes heran - WT95+.

Zuletzt 2000 hatte ich den Yatarna von Penfolds im Glas. Damals ein Top-Chardonnay, schöne Frucht, mineralische Dichte, gut eingebundenes Holz - 95/100.

Faszinierend aus Neuseeland Providence Matakana. Von der Nase und vom Gaumen her stammt dieser Wein aus St. Emilion. Auf nur 2 Hektar versucht hier ein in positivem Sinne Weinverrückter, den größten Bordeaux außerhalb Bordeaux zu erzeugen, wobei sein erklärtes Vorbild Cheval Blanc ist. Mit 70% Merlot, 20% Cabernet Franc und 10% Malbec hat er seine Rebberge bepflanzt. Das Ergebnis ist ein unerhört feinduftiger, eleganter Wein mit beerige Frucht, feiner Süße, guter Säurestruktur und seidiger Textur. 2009 aus der DM und 2010 aus der Magnum immer noch frisch wirkend, total harmonisch, sehr betörend und dem großen Vorbild Cheval Blanc doch verdammt nahe kommend - 94/100. 2011 dann noch aus einer etwas reiferen Imperiale, feiner, süßer, reifer, nicht enden wollender Schmelz – 95/100. Wirkte aus einer weiteren Impi 2012 zu Anfang sehr reif, auch in der Farbe, weich, weit mit verschwenderischer Nase, die dem hypothetischen, vom Winzer angestrebten Blend von Petrus und Cheval schon sehr nahe kam, am Gaumen feiner, reifer, süßer Schmelz - 95/100. Und auch die vierte meiner Impis war 2013 auf Sylt ein süchtig machender Traum – WT95. Nur einmal, 2002 im Adler in Rosenberg, habe ich diesen Wein als Reserve getrunken, wirkte erst erschreckend reif, auch in der Farbe, aber was dann mit der Zeit in Nase und Gaumen kam, das war schon Weltklasse, finessig, druckvoll, elegant mit irrer Länge, Cheval Blanc in Perfektion mit einem Schuss Petrus 100/100.

Ein Kanonkop Paul Sauer aus Südafrika gefiel 2013 im Stile eines gereiften, gefälligen Bordeaux - 91/100.

Großartiger Champagner-Jahrgang, Weine mit hoher Strahlkraft und hohem Alterungspotential.

Mineralisch, rassig, schlank 2016 der Billecart-Salmon Blanc de Blanc – WT93. Noch so frisch 2016 aus der Magnum ein Bollinger Grande Année mit Rasse, Klasse und Eleganz – WT96. Sehr harmonisch und fein 2008 ein Chartogne-Taillet Brut der deutlich zeigte, dass man insbesondere in großen Jahren wie 96 auch auf kleinere Namen setzten und dabei eine Menge Geld sparen kann - 91/100. Clos du Mesnil verkörperte mit unglaublicher Kraft und entsprechender Statur dieses große Champagnerjahr. Nussig die ansonsten von Zitrusfrüchten geprägte Nase, die allererste Reife zeigt, irre Säure und Mineralität am Gaumen, wobei die Säure bei aller Stärke erstaunlich reif wirkt. Da ist Potential ohne Ende – WT96+. Faszinierend zuletzt 2010 beim mehrfach getrunkenen Dom Perignon die rauchig-mineralische Nase, cremig die Textur am Gaumen und trotz der Jugend dieses Champagners aus dem großen Jahrgang 96 und der entsprechenden Struktur jetzt in einem perfekten Trinkstadium - 96/100. Dom Ruinart war 2009 eigentlich noch viel zu jung und hätte dringend dekantiert gehört. Ein sehr präzise strukturierter, puristischer, furztrockener Blanc de Blacs mit noch etwas stahlig wirkender, zitroniger Frucht und gewaltiger Mineralität, für Ruinart sehr kraftvoll - 91+/100. Überzeugte 2016 in erster Reife und war einfach perfekt balanciert – WT94. Dom Ruinart Rosé war 2012 auf Sylt noch so frisch mit betörender Frucht – WT96. Krug hatte 2014 eine traumhafte Nase mit frischer Frucht, Zitrus und reifer Apfel, sehr mineralisch, am Gaumen ein blutjunges Rasseteil mit enormer Kraft und langem Abgang, aber mit der hohen Säure auch noch etwas bissig wirkend. Da kommt mit den Jahren noch mehr – WT96+. Der erst 2010 degorgierte Legras Cuvée St. Vincent wirkte 2016 noch sehr frisch und kräftig – WT93. Zeigte 2017 aus einer früher degorgierten Flasche deutlich mehr Komplexität und Tiefgang – WT94. Nicolas Feuillatte Cuvée Palmes d´Or hatte 2011 eine reife, goldgelbe Farbe, kräftig, reif, füllig, cremig und lang am Gaumen, großer Champagner aus großem Jahr, jetzt in perfektem Trinkstadium – 93/100. Perriet Jouet Belle Epoque hatte ich mehrfach mit konstant 94/100 im Glas. Zuletzt 2009 im Engadin schiere Lebensfreude, ein beschwingter, junger Champagner, in der Nase ein großer Brotkorb verziert mit reichlich frischen Früchten, am Gaumen gute Säure, Frische und noch viel Potential - 94/100. Pol Roger hatte 2009 bei Grasshoff eine sehr präzise Frucht, mineralisch, perfekte Struktur, sehr straight, ein großer Champagner aus großem Jahr mit noch viel Zukunft - 96/100. Dom Ruinart war 2009 eigentlich noch viel zu jung und hätte dringend dekantiert gehört. Ein sehr präzise strukturierter, puristischer, furztrockener Blanc de Blacs mit noch etwas stahlig wirkender, zitroniger Frucht und gewaltiger Mineralität, für Ruinart sehr kraftvoll - 91+/100. Begeistert waren wir 2011 von einem Champagne Orpale der Winzergenossenschaft Saint Gall, ein großer, komplexer, kraftvoller Champagner, der es locker mit der namhafteren Konkurrenz aufnehmen kann – 95/100. Begeisterte auch 2017 mit intensivem Mousseux, frischem Brioche, cremiger Textur und intensiver Mineralität. Absolut trocken und immer noch so jugendlich – WT95. Der Salon Le Mesnil Blanc de Blancs Brut war 2016 schlank, eher etwas auf der kargen Seite mit kalkiger Mineralität, frisch geriebener Boskop-Apfel, Brioche, Zitrusfrüchte, immer noch so taufrisch mit intaktem, feinperligem Mousseux und guter Säure. Dürfte sich noch über längere Jahre entwickeln und durchaus noch zulegen – WT96+. Die Grande Dame von Veuve Clicquot war 2007 kräftig, jung, groß und noch etwas verschlossen – 91+/100.