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2015

Ist 2015 der vielbeschworene Jahrhundertjahrgang? Das wird erst die langfristige Entwicklung der Weine zeigen. In jedem Fall ist aber 2015 ein sehr gutes Jahr mit Weinen, die nicht nur schon früh, sondern auch längerfristig großen Trinkspaß bereiten werden.

Ein sehr gutes Jahr ist 2015 in Bordeaux, allerdings mit größeren Unterschieden zwischen den einzelnen Regionen und dort auch zwischen den Chateaus. In Medoc gilt die Appelation als beste. Sehr gute Weine in Pessac. Und zum Teil sogar richtig große Weine in St. Emilion und Pomerol. Nur subskribiert habe ich selbst praktisch nichts. Warum? Früher konnte man mit der Subskription richtige Schnäppchen machen. Heute nehmen die Chateaus, die auch bei den 2015ern wieder richtig zulangten, mögliche Preissteigerungen bereits in den teils doch ziemlich heftigen Primeur-Preisen schon vorweg. Da lohnt es dann nicht, das Risiko einzugehen, dass die Weine sich im Fass nicht so entwickeln wie die Primeur-Proben vorgauckeln. Ausgenommen sind natürlich Sonderformate, die später schwieriger zu bekommen sind.

Zum Ende der Primeurproben hin hatte ich die Chance, auf dem rechten Ufer ein paar Weine zu probieren. Groß ist der Ausone, von dem es 21.000 Flaschen gibt. Den konnte ich mehrfach und ausgiebig probieren. Kraft, Substanz, wunderbare Frucht, Extraktsüße, Minze, sehr lang am Gaumen (solche Granaten spucke ich nicht), legte von Glas zu Glas enorm zu – WT96-98+. Ausnehmend gut hat mir der Canon-la-Gaffelière gefallen, ein Wein mit enormer Substanz, wohl der beste in der jüngeren Geschichte des Gutes – WT95+. Auf Cheval Blanc gab es in diesem Jahr keinen Petit Cheval. Alle Trauben wanderten in den Grand Vin. Das war der Musigny aus St. Emilion, Traumnase, sehr vielschichtig, viel Veilchen, etwas Lakritz, so komplett, komplex und stimmig mit sehr langem Abgang, viel Spaanung und Frische – WT96-98+. Der Croix de Labrie war so frisch, so elegant, so animierend mit pikanter Frucht – WT92-93. Sehr generös mit reichhaltiger Frucht der samtig elegante Faugères, das volle Verwöhnprogramm aus St. Emilion - WT95-96. Sehr konzentriert und wuchtig und trotzdem so raffiniert und finessig der in 100% neuen Barriques vergorene Péby Faugères mit mächtigen, zupackenden Tanninen. Ein 100% Merlot, der etwas an Masseto aus den allerbesten Jahren erinnert - WT97-99. Der Gracia wirkte offen mit sehr lakritziger Nase, am Gaumen bei aller Kraft burgundische Finesse mit dem schönen Spiel roter und blauer Beeren, feine, reife Tannine – WT93-95+. Der Quinault l´Enclos war ein sehr kräftiger, nachhaltiger Wein mit viel Charakter, massive, aber reife Tannine, Frische und gute Säure – WT93-95. Mit Frische, hoher Säure, kalkiger Mineralität, Lakritz, Schwarzer Johannisbeere und Hollunder überzeugte der auch preislich hoch interessante Pressac – WT92-94.

Der Duo de Conseillante (Zweitwein) war sehr offen, sehr süß, schokoladig, auch etwas parfümiert mit wenig Struktur, aber viel Sex-Appeal – WT91-92. Conseillante selbst zeigte deutlich mehr Struktur, Finesse und Eleganz – WT94-96. Der Lafleur war ein massiver, großer, robuster Charakterstoff, der sich nicht auf Anhieb erschloss, aber da ist soviel Substanz, soviel Kraft und Potential – WT96-98+. Schlichtweg genial der auf dem Chateau verkostete Petrus, bei dem das perfekte Zusammenspiel aller Komponenten beeindruckte. Das wird zweifelsohne mal eine Petrus-Legende – WT99-100.

Der Nectar des Bertrands war 2016 nicht so opulent und sexy wie der 2009er, dafür aber mit präziserer Frucht, reifer Herzkirsche, gewaltiger Struktur und Substanz, voll auf der Finesse- und Eleganzschiene. Das wird mal ein großer Nectar mit Potential für längere Alterung. Heute WT93+. Hat durchaus Potential für WT94-95.

Der Chateauneuf du Pape Blanc von Beaurenard war 2016 ein feiner Schmeichler mit deutlicher Kräuter- und Anisnote, der sicher in den nächsten Jahren getrunken gehört – WT90. Die Chateauneuf-du-Pape Blanc Cuvée à Tempo von der Domaine Pegau war für einen weißen Chateauneuf erstaunlich elegant und stimmig mit guter Frucht, leicht salziger Mineralität und cremiger Textur – WT93.

Der Oberemmeler Hütte Kabinett von Hövel war 2016 sehr trinkig mit reifer Fülle, wirkte aber auch etwas korpulent – WT87. Das Josephshöfer GG von Kesselstatt zeigte 2016 viel Substanz und Kraft, im Mund fehlte etwas die Spannung – WT93+. Das Nieschen GG von Kesselstatt hatte 2016 die kühle Ruwer-Frucht, Cassis und war hoch elegant – WT94+. Das elegante, druckvolle Piesporter Goldtröpfchen GG war für mich 2016 das zweitbeste GG von Kesselstatt – WT95. Das sehr animierende Scharzhofberger GG von Kesselstatt überzeugte 2016 mit Druck, Eleganz, Finesse und Grip, und hatte einfach einen genialen Trinkfluss – WT95+. Mit toller Frucht und Struktur überzeugte 2017 das Lieser Niederberg Helden GG – WT95. Großartig 2017 aus der Magnum Scharzhofberger ‚P’ von Van Volxem, druckvoll, mineralisch, reife Zitrusfrucht. Da kommt noch mehr – WT94+. Der Volz, meine Lieblingslage von Van Volxem ist mit diesem Jahrgang ein endlich ein voll verdientes GG. 2016 mehrfach ein ausdrucksstarker, spannungsgeladener, mineralischer Wein, der trotz erster Zugänglichkeit erst in ein paar Jahren alles zeigen wird – WT93+.

Die Hermannshöhle GG von Dönnhoff war im Spätherbst 2016 und auch 2017 wieder mehrfach einfach Hermannshöhle pur, so brilliant, so mineralisch, als ob ein Felsen reingerieben wäre, rassige, aber reife Säure, puristische Zitrusfrucht, so eine präzise Struktur mit toller Länge am Gaumen, enormer Zug und Trinkfluss. Seit 2011 hat mir keine junge Hermannshöhle mehr so gut gefallen. Dies hier könnte die bisher beste sein - WT95+. Großartig 2017 auf Sylt mehrfach Halenberg GG von Emrich Schönleber mit traumhafter, saftiger Frucht und toller Struktur – WT95

Kraft, Eleganz und Fülle zeigte 2017 der Rüdesheimer Berg Rottland GG von Künstler – WT94. Rassig, stoffig, lang und zupackend präsentierte sich 2016 die Domdechaney 1G von Künstler – WT93. Ein KG mit GG Qualität war 2016 der Hölle Kabinett trocken von Künstler – WT93. Das Kiedricher Gräfenberg GG von Weil hatte 2017 tolle Frucht, sehr gute Säure und war antrinkbar mit viel Zukunft – WT94+.

Der Grüne Silvaner von Keller war 2016 frisch, fröhlich, erdig, ehrlich und furztrocken, wir mit den Jahren sicher noch deutlich zulegen – WT85+. Die Abtserde von Keller aus kleinen, dickschaligen Beeren auf purem Kalkstein war 2016 so unglaublich elegant, so komplex und lang, die hat das Potential zu einem WT97+ Wein. War 2017 brilliant, sehr elegant mit intensiver Mineralität. Macht jetzt in dieser unwiderstehlichen Fruchtphase enormen Spaß. Dürfte sich aber bald wieder etwas verschließen. Also jetzt auf WT97+ Niveau hemmungslos genießen, die anderen Flaschen dann für 5-10 Jahre wegpacken. Kann der GMax von Keller in der Reife die Perfektion erreichen? Die Fülle des Hubacker, die mineralische Eleganz der Abtserde und dann noch der Turbolader dahinter, das war 2016 schon erstaunlich antrinkbares, eifach geiles Zeugs mit hohem Suchtfaktor – WT97+. Das leicht Barocke des Hubacker GG von Keller zusammen mit der reifen, aber irren 15er Säure ergab 2016 eine irre Kombination – WT95. Der Morstein GG von Wittmann war 2016 mehrfach ein Wein mit sehr präziser Struktur, mit geradezu rassiger, erstaunlicher Säure, sehr komplex und mit Tiefgang, intensive Mineralität, einfach Spannung am Gaumen. Dürfte noch überm grandiosen 14er liegen und hat Potential für WT96. Sehr überzeugend und erstaunlich offen auch 2017 wieder – WT95+.

Das Kastanienbusch GG von Rebholz zeigte sich 2015 schon erstaunlich zugänglich mit Ktaft und Würze – WT93+.

Großartig mit Frische und präziser Frucht 2016 mehrfach der Sauvignon Blanc St. Valentin von St. Michael – WT92. Noch sehr jung mit etwas offensiver Frucht 2017 der Sauvignon Blanc Quartz von Terlan – WT90+.

Großartiges Potential zeigte 2017 die Fassprobe des Montepeloso Gabbro, schöne Frucht, sehr cremig und druckvoll mit feinem Schmelz, darunter gute Struktur und Säure – WT95+. Der Monteverro überzeugte 2015 als Fassprobe mit genialer Kirschfrucht, reifen Tanninen, wunderbarem Schmelz und großartiger Länge – WT95+.

Saftige, tolle Frucht und Fülle, aber auch präzise Struktur zeigte 2017 der Grüne Veltliner Käferberg von Loimer – WT93. Pfeffrig mit runder, würziger Fülle und guter Länge 2017 der Grüne Veltliner Spiegel von Loimer – WT93. Saftige Frucht und viel Substanz zeigte 2017 die Faßprobe des Sauvignon Blanc Kranachberg vom Sattlerhof – WT93+. Erstaunliche Fülle zeigte 2017 der Frauenweingarten Grüne Veltliner vom Tegernseerhof – WT88. Würzig, pfeffrig, kräuterig, aber auch saftig, zugänglich und mit gutem Trinkfluss 2017 der Grüne Veltliner Axpoint Smaragd von der WG Wachau – WT93.

Absolut betörend, samtig, burgundisch, aber mit enormem Druck und wunderbarer, rotbeeriger Frucht 2017 das Fassmuster des Charme von Niepoort. Da wächst etwas großes heran – WT95+.

Sommerfrische kam 2017 ins Glas mit dem Nossa Calcario Branco von Filipa Pato und William Wouters aus dem Barraida in Portugal. Gute Säure, herbe Frische, kühle Frucht, feine Aromatik, angenehme 12%, dürfte mit den Jahren noch zulegen – WT91+.

Frisch, fruchtig und pikant 2016 der Sauvignon Blanc von Adank – WT88. Sehr gut gefiel mir 2016 im Engadin mehrfach der frische, fruchtige, harmonisch trockene, florale Riesling-Sylvaner von Obrecht mit seinen bescheidenen 11% Alkohol – WT88.

Der Gantenbein Pinot Noir reiht sich perfekt in die größten, bisher produzierten Gantis ein und hat eine großartige Zukunft. 2017 machte er mehrfach in dieser jugendlichen Fruchtphase mit seiner betörenden Frucht und seiner nachhaltigen Eleganz schon unglaublichen Spaß – WT96.

Schöne Frucht hatte 2017 der Potter Valley Riesling von Chateau Montelena, reifer Pfirsich, Zitrusfrüchte, gute Mineralität, rassige Säure und großartige Struktur – WT93.

Großartiger Jahrgang in Südafrika

Mindestens auf dem Niveau des großen 2014ers dürfte der 2016 mehrfach getrunkene, sehr elegante Carthology von Alheit sein. Sehr komplex, kräuterig, mit toller Struktur und viel Substanz, aber ohne jede Schwere, dürfte sehr gut altern – WT94+. Letzteres dürfte auch für die sehr raren, 2016 verkosteten Single Vineyard Weine von Alheit gelten. Sehr druckvoll und lang der Radio Lazarus mit salziger Mineralität – WT95. Rassig mit unglaublicher Präzision der Magnetic North, der Chenin Blanc to the Limit brachte – WT96. Mit burgundischer Pracht und Fülle überzeugte der La Colline – WT94. Komplex und mit viel Spannung 2016 der Hemelrand Vine Garden von Alheit, eine nicht alltägliche Cuvée aus Roussanne, Chenin Blanc, Chardonnay und Verdelho - WT93.

Der Fryer's Cove Bamboes Bay Sauvignon Blanc von der Westküste Südafrikas hatte 2016 auf Sylt häufig frische Meeresbrise mit Seetang in der Nase, Grüne Paprika, Hollunder, Stachelbeere, salzige Mineralität, knackige, rassige Säure. Ein eigenständiger, kerniger Charakterstoff, der richtig Lust auf mehr&Meer machte – WT90.

Auf dem Gut im November 2016 war das für mich Eben Sadies bester Wein, dieser spannungsgeladene Skurfberg Chenin Blanc von 90 Jahre alten Reben aus einem 800m hohen Mountain Vineyard - WT96. Der Life from Stone Sauvignon Blanc von den Springfield Estates war 2016 in dieser puristischen Form mit Grapefruit und leicht unreifer Stachelbeere, mit intensiver Mineralität, Feuerstein und rassiger Säure sehr gelungen – WT92.

Sexy und tiefgründig zugleich 2016 in Südafrika und kurz darauf zuhause der komplexe, am Gaumen sehr lange Malabel Pinot Noir von Crystallum mit sehr guter Struktur - WT95. Noch ein Weinbaby, aber mit fantastischen Anlagen, war 2017 der Treinspoor von Sadie, ein Tinta Barocca mit deutlichem Tanningerüst – WT94+.

Sehr spannend 2017 auf der Alpina Auslese mit reifer Kirschfrucht und enormem Tiefgang der Pinot Noir Cincuenta y Cinco von Chacra aus Patagonien in Argentinien – WT95. Voller, kräftiger, aber für mich mit weniger Spannung 2017 der Pinot Noir Treinta y Dos von Chacra – WT93.