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Der Start ins Probenjahr 2014

Schon fast traditionell eröffnete Rainer auch den diesjährigen Probenreigen. Mit einem großartigen Menü von Yves Deval-Block im Dado, mit mundgeblasenen Gabriel-Gläsern, einer fröhlichen 12er Runde und last not least großartigen Weinen setzte Rainer die Meßlatte für alle, die in diesem Jahr wieder dran sind.

Als Apero bekamen wir einen 2009 Morstein GG von Wittmann ins Glas. Schon erstaunlich, wie sich diese Wittmänner nach ein paar Jahren verändern. Der jugendliche Babyspeck verschwindet, und solch ein Morstein wird „Tout Finesse“, ein großartiger, sehr eleganter, mineralischer und sehr feiner Wein – WT93. Vielleicht konnte man das ja vor langen Zeiten vom 1949 Puligny Montrachet von Ph. Meunier auch mal sagen. Immer noch recht brilliant die güldene Farbe, karamellig die Nase, aber auch mit deutlich oxidativen Noten, am Gaumen viel Bitterstoffe, immer noch Mineralität, aber eher trockener Sherry als Weißwein. Während der Gaumen immer mehr schwächelte und gezehrter wirkte, legte die die Nase zu und wurde gefälliger und nussiger – WT86.

Und schon waren wir bei den Roten, und wie! Mit einem Knallerflight aus drei prächtigen Moutons schickte uns der liebe Rainer gleich ins Reich der Träume. Eigentlich galten diese drei Weine nie als groß. Der 88er war immer der zugenagelte, 89 und 90 die frühreifen, für Mouton enttäuschenden, schlanken Blender. Wie man sich täuschen kann, und wie sich die Zeiten ändern. 1988 Mouton Rothschild startete mit einer geilen Nase, Cappucino mit viel Kakaopulver und drei Stücken Zucker. Am Gaumen erst verhalten mit puristischer Frucht und immer noch massiven Tanninen. Man spürt das enorme Potential dieses Weines, der mal auf Augenhöhe neben dem 86er stehen wird – WT96+. Wer den 88er heute wirklich genießen möchte, sollte ihn 5 Stunden vorher dekantieren. 1989 Mouton Rothschild hatte zu Anfang eine schwierige Nase, Erst alter Pappkarton, dann immer speckiger, doch das gab sich mit genügend Zeit und Luft. Dann wurde die Nase röstiger mit feiner Minze und Cassis pur. Auch am Gaumen Cassis pur – WT94. Leicht irritierend zu Anfang auch die animalisch-junge Nase des 1990 Mouton Rothschild, die mit Luft deutlich gefälliger wurde. Auch der baute im Glas enorm aus und wurde immer röstiger mit generöser Süße – WT95. Alle drei Moutons veränderten sich fast minütlich im Glas, legten immer mehr zu und wurden dabei immer offener und hedonistischer. Da waren die Gläser viel zu schnell leer, um mehr als eine Momentaufnahme zu beschreiben. Alle drei sind nach wie vor eine Suche wert.

Will den dieser 1979 Haut Brion überhaupt nicht altern? Ein großer Haut Brion mit deutlicher Minzfrische, mit Cigarbox, Teer, Trüffel, einfach zeitlos schön ohne Alterstöne und Schwächen – WT94. Klar, der 1978 Heitz Martha´s Vineyard war blind schnell zu erkennen. Wer keinen Alkohol trinkt und diese geile Mischung trotzdem mal spüren möchte, tut Wick MediNaite und Coca Cola in einen Mixer. Erstaunlich reif und ausladend inzwischen mit Minze, Eukalyptus und generöser Süße, aber auch mit guter Struktur und Säure – WT97. Sehr minzig auch meine bisher neste Flasche des anscheinend unsterblichen 1978 Ridge Monte Bello, noch so jung und rassig mit enormem Druck am Gaumen – WT97.

Eigentlich hätte jetzt ein Legendenflight kommen müsse, aber leider nur eigentlich. Völlig oxidiert war der 1925 Castillo Ygay Marques de Murrieta, den ich schon so oft als perfekten WT100 Wein im Glas hatte. Wie kommt das? In den letzten Monaten sind Unmassen von 25er Ygays auf den Markt gekommen. Entweder brauchte Marques de Murrieta dringend Geld, oder – was hier keine Unterstellung sein soll – sie mussten dringend ein Problem loswerden. Von außen sieht man den in den 60ern abgefüllten 25ern nicht an, ob sie gut oder oxidiert sind. Ich vermute mal, dass die vielen Flaschen, die da auf diversen Auktionen verkauft wurden (meist in England und Belgien), jetzt ihren Weg durch diverse Vertriebskanäle machen werden. Weitgehend oxidiert auch der 1947 Chambertin Vandermeulen, ein Wein, der in gutem Zustand 5 Stunden Luft braucht und dann explodiert. Würde ich mich auch nicht mehr rantrauen. Wenigstens verwöhnte uns der 1955 Cheval Blanc aus seiner belgischen Händlerabfüllung. Ein sehr feiner, eleganter, aber auch sehr nachhaltiger Cheval Blanc, der erst etwas verhalten begann. Baute aber enorm im Glas aus und wurde immer besser. Bei WT91 ging es bei mir los, bei WT96 war leider das Glas leer. Schade, denn das war sicher noch nicht das Ende der Fahnenstange.

Großes Kino dann 1982 Gruaud Larose, der sich seidig, elegant, fast etwas feminin präsentierte. Doch unter all dieser Schmusewolle lauern noch mächtige Tannine, die eine lange Zukunft garantieren – WT97. Im Vergleich dazu wirkte der 1982 l´Evangile eher maskulin, leicht herb und wirkte stückweit verschlossen – WT95+. Beides Weine, bei denen nur Eile geboten ist, wenn man sie noch irgendwo zu vernünftigen Kursen kaufen kann.

Einfach sinnlich dieser 1990 La Conseillante, so offen, so süß, geradezu schmusig am Gaumen mit viel getrüffelter Schokolade. Da ist jedes Glas zu klein – WT97. Süße und Fülle hat auch der 1990 Clinet, dazu aber auch eine gewaltige Struktur. Der legt noch zu – WT97+.

Schade, dass die 1986 Pichon Comtesse de Lalande zu Anfang rumzickte. Da war irgendwas in der Nase, das uns erst an Kork denken ließ. Doch das ging weg, die Comtesse entwickelte sich prächtig im Glas, ein großer, dichter Wein mit genug Substanz für lange Jahre. Wer nicht gewartet hat, verpasste das große Finale dieses Weines – WT95. Wie oft musste ich das schon erleben. Da sitzen Leute in einer Probe, hängen kurz den Rüssel ins Glas, murmeln etwas von „Bäh“ und ab geht es mit dem Wein in den Bottich. Dabei gehen vermeintliche Fehler oft mit Luft weg. Und gerade solchen Granaten wie einer 86er Comtesse sollte man immer eine zweite Chance geben, sonst straft man sich nur selbst. Noch eine Ecke drüber 1986 Gruaud Larose, böser, zupackender, druckvoller Stoff mit kräftigen Tanninen, wird in 10 Jahren dem 82er seine Rolle als Nachfolder des legendären 61ers streitig machen – WT96+.

Der 1991 Caymus Special Selection flirtete mal wieder mit der Perfektion. Einfach sexy, diese betörende Cassisfrucht und dazu diese Frische und Leichtigkeit – WT99. Immer noch so jung der 1991 Heitz Martha´s Vineyard, natürlich mit allen klassischen Heitz-Zutaten, sehr minzig, Eukalyptus, Tabak, altes Sattelleder, enorm druckvoll, Kraft ohne Ende und immer noch präsente Tannine – WT96+.

Eigentlich hätte das jetzt als Abschluss ein perfekter Südrhone Flight werden können. Burgundisch, weich, hoch aromatisch und mit viel Erdbeere zeigte sich 1979 Chateau Musar – WT94. Da hätte der 1979 Clos des Papes prima gegen gepasst, aber der war leider hin.

Als Betthupferl spendierte uns Rainer noch eine 2004 Wehlener Sonnenuhr Spätlese von JJ Prüm. Das war wieder die Leichtigkeit des Seins. Hoher Extrakt, betörende Frucht, feines Süße-/Säurespiel, wenig Alkohol, langer Abgang, kein Alter – WT92.