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Clos du Mesnil komplett

So eine richtige „Once in a lifetime“-Probe war das, was der Düsseldorfer Champagnerkenner und –Sammler Alper Alpaslan da auf die Beine gestellt hatte. Clos du Mesnil, dieses Blanc de Blanc Luxuscuvée aus dem Hause Krug, ist nicht nur sehr teuer, sondern auch extrem selten. Diesen Clos du Mesnil jetzt in allen Jahrgängen als komplette Vertikale trinken zu dürfen, für dieses Highlight hatte sich eine auserlesene Schar von Wein- bzw. Champagnerfreaks aus ganz Europa im Berens am Kai versammelt. Launig und sehr kenntnisreich wurde die Probe moderiert von der schwedischen Champagner-Koryphäe Richard Juhlin.

Und da hatten wir in den Gläsern, arrangiert in Viererflights von Jung nach Alt:

2003 Clos du Mesnil aus diesem schwierigen, weil sehr heißen Jahr trank sich bereits verdammt gut. Was bereits ab 23.8.13 mit der frühesten Ernte jemals gelesen worden war, kam blutjung ins Glas mit hoher Zitrussäure, kalkiger Mineralität und wirkte erst etwas stahlig. Das das gab sich schnell. Dieser Clos du Mesnil wurde rasch weicher und zugänglicher – WT93.

Generöser, reifer, weicher in der Nase wirkte der 2000 Clos du Mesnil. Am Gaumen Eleganz pur, aber auch eine straffe Säure, viel Tiefgang und eine gute Mineralität – WT94.

Etwas plump im Vergleich zu den anderen dieses Flights wirkte der 1998 Clos du Mesnil, von dem es bessere, frischere Flaschen geben soll. Viel Brioche in der Nase, Teer, Lakritz und Toffee, am Gaumen gute Säure, aber wenig Spannung, aber es fehlte einfach der Kick – WT92.

Endlich ein Clos du Mesnil, der mit einem spricht und nicht nur flüstert, notierte ich beim 1996 Clos du Mesnil, der mit unglaublicher Kraft und entsprechender Statur dieses große Champagnerjahr verkörperte. Nussig die ansonsten von Zitrusfrüchten geprägte Nase, die allererste Reife zeigt, irre Säure und Mineralität am Gaumen, wobei die Säure bei aller Stärke erstaunlich reif wirkt. Da ist Potential ohne Ende – WT96+. Jetzt muss ich nur noch jemanden mit einer 12er Kiste dieses Elixiers suchen, der mit mir in den nächsten 12 Jahren jedes Jahr davon eine Flasche trinkt. Sicher eine spannende Entwicklung, die in der Perfektion enden könnte.

So richtig anfreunden konnte ich mich mit dem 1995 Clos du Mesnil nicht. Der kam spannend und vibrierend ins Glas und zeigte bei aller Säure eine deutliche Fülle. Aber das war wohl nur ein Strohfeuer. Im Glas baute er rasch etwas ab und wirkte reifer und simpler, auch etwas rustikal – WT93. Krug hatte den 99er nicht auf den Markt gebracht, weil er dem Qualitätsanspruch nicht genügte. Das hätte hier wohl auch passieren müssen.

Sehr mineralisch und auch floral (Lindenblüten) die Nase des 1992 Clos du Mesnil, am Gaumen hohe, zupackende Säure, wirkt schlank und im jetzigen Stadium etwas ungenerös. Wo bleibt die Substanz? Da hilft nur hoffen und warten – WT91+.

Generös die Nase des 1990 Clos du Mesnil, nussig, Brioche, weiches, helles Toffee, am Gaumen schlank, präzise Struktur und viel Rasse und Klasse, ein Clos du Mesnil für Rotweintrinker – WT95.

Sehr reif wirkte schon die Nase des 1989 Clos du Mesnil mit Ananas, Toffee, Marzipan, Honig und Bienenwachs. Auch am Gaumen wirkte er weich, reif, rund und voll trinkbar – WT94.

Schlichtweg sprachlos machte der atemberaubende 1988 Clos du Mesnil, der bei aller Klasse sein gewaltiges Potential noch nicht voll ausschöpft, aber auch dem klaren Weg zur Perfektion ist. Wirkt erst sehr jung und schlank mit viel Säure und legt dann unglaublich im Glas zu. Nach 10 Minuten ist da ein völlig anderer Champagner drin, alle Sinne fordernd, sehr druckvoll mit Tiefgang, aber auch faszinierender, sublimer Eleganz – WT98+.

War der 1986 Clos du Mesnil fehlerhaft? Die Experten belehrten mich eines besseren, der muss so sein. Sehr reif die Farbe, erste oxidative Noten, Säure ist noch reichlich da, auch Substanz am Gaumen, aber dieser Clos du Mesnil singt einfach nicht – WT90.

Groß und komplett dagegen der 1985 Clos du Mesnil, der einfach einen genialen Trinkfluss zeigte. Reif, aber doch mit genügend Säure und Substanz für lange Jahre – WT97.

Verdammt schwierig dieser grenzwertige 1983 Clos du Mesnil, in der Nase fauliger gährender Apfel, was sich am Gaumen fortsetzte. Einfach ein sehr schwieriger, eher fehlerhaft wirkender Champagner – WT84.

Und dann kam als letztes der Flight der Flights, der alle vorherige Kritik vergessen ließ. Vier große Champagner und endlich Trinkfreude pur. Fast unmerklich schlich sich der 1982 Clos du Mesnil an. Ganz nett in der Nase mit etwas Brioche, schlank, elegant und reif am Gaumen, so what? Doch dann ging es los. Einfach irre, wie dieses Zeugs ausbaute. Toffee ohne Ende in allen Schattierungen und dazu bretonische Salzkaramellen in der immer expansiveren Nase, wurde auch am Gaumen immer jünger und druckvoller mit endlosem Abgang. WT97 und Potential für noch lange Jahre.

Und dann kam mit dem 1981 Clos du Mesnil die Überraschung des Abends und (nicht nur für mich) der beste Champagner der Probe. So eine ausdrucksstarke, mineralische Nase, tolle Frucht, viel Orange, nussig, rauchig, ledrig, am Gaumen geradezu kernig mit enormer Kraft und deutlicher Säure, dabei so komplex, so druckvoll und so lang. So liebe ich Champagner, das war hier so eine Art Chateau Lafleur du Mesnil, groß! – WT99.

Reif die etwas verhaltene Nase des 1980 Clos du Mesnil mit weißen Früchten und Weißer Schokolade, am Gaumen reif, schmelzig mit feiner Süße, dabei sehr balanciert und ausgewogen – WT95.

Was für eine Nase dann bei der Legende 1979 Clos du Mesnil, was für eine Frische! Der wirkt noch so jung mit wunderbarer Frucht mit unglaublichem Tiefgang und gewaltiger Substanz für eine noch deutliche Entwicklung. Ja, da besteht nicht nur keine Eile. Wer den hat, lässt ihn noch einige Jahre liegen. Da kommt noch deutlich mehr – WT97+.

Und was ist jetzt mit der Frage „ist Clos du Mesnil sein Geld wert“? Krug gehört wie Cheval Blanc und Yquem, wie Bulgari und Louis Vuitton zur LVMH Gruppe, dem „World Leader of Luxury. Und in der Luxusgüter-Branche gelten andere Gesetze. Wer da nach dem Preis fragen muss, gehört ohnehin nicht zur Zielgruppe.

Schön, dass ich trotzdem dabei sein durfte.