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Elkes Burgunderträume 2015

Elke Drescher ist eigentlich Bordeaux-Händlerin und ausgewiesene Expertin für reife, seltene Bordeaux. Nicht umsonst firmiert sie unter www.rare-bordeaux-weine.de . Aber vor ein paar Jahren hat sie aus Spaß an der Freud mitten im Hochsommer eine Probe mit reifen Burgundern gemacht. Die war so gut, dass sie jetzt als Elkes Burgunderträume jedes Jahr stattfindet. Scherzhaft haben wir diese Probe auch Burgundergrillen getauft, denn die Temperaturen lagen meist deutlich über 30 Grad.

In diesem Jahr hatten wir Glück, das Wetter war prächtig, doch die die Temperaturen waren angenehm. Elke hatte in ihrem Garten für uns eine große Tafel aufgebaut, an der wir in angeregter Runde zu feinem Essen einen traumhaften Abend verbrachten.

Spektakulär gleich der Start, ein 1950 Puligny Montrachet eines unbekannten Händlers, der noch so erstaunlich lebendig war, feine Kräuternase, Tabak, sehr würzig, blieb lang am Gaumen – WT93. Im anderen Glas ein 1955 Meursault Charmes Cuvée Genevrières in einer Vandermeulen-Abfüllung, der ebenfalls noch erstaunlich frisch wirkte mit am Gaumen fast aggressiver Säure – WT92.

Konnte ein 1947 Mercurey von Bouchard wirklich so gut und auch noch so vital sein? Denn das war dieser Wein mit generösem, feinem, süßem Schmelz am Gaumen, mit viel Leder in der Nase und mit einer deutlichen Erdbeernote, die mich etwas irritierte und eher an die südliche Rhone erinnerte. Es war wohl früher gerade bei einfacheren Weinen wie diesem Mercurey nicht unüblich, die ein oder andere Anleihe an der Rhone zu machen. Bei einem solch außergewöhnlichen Ergebnis will und kann ich da nicht meckern – WT95. Der sehr schlanke 1949 Gevrey Chambertin von Daniel Roland (Neg.) mit feiner Frucht und viel Säure kam da nicht mit – WT88. Völlig daneben der dritte Wein, ein 1949 Gevrey Chambertin von Eugène Fangeron (Neg.), der eher an diverse Putzmittel erinnerte.

Erstaunlich kräftig und jugendlich wirkte der 1937 Savigny-les-Beaune von Pierre André aus einer rekonditionierten, als aufgefüllten und neu geschwefelten Flasche – WT90. Eine wunderbare Kaffee- und Mokkanase hatte der 1947 Pommard Rugiens von Ganoux & Fils, kräftig und druckvoll am Gaumen, aber auch leicht säuerlich – WT92. Und dann war da im dritten Glas die „Mutter aller Weine“, dieser unglaubliche, unsterbliche 1947 Chambertin Vandermeulen, der fünf(!) Stunden vorher dekantiert worden war. So dicht, so kräftig, so komplex und druckvoll mit ewiger Länge am Gaumen – WT100.

Viel Säure, pikante Frucht und eine gute Struktur hatte der 1952 Clos Vougeot von Madesclaire, der auf hohem Niveau startete, aber mit der Zeit doch abbaute – WT90. Sehr stimmig, ausgeglichen und druckvoll hingegen mit schöner Frucht und Frische der 1952 Volnay von Patriarche – WT93. Sehr kräftig ohne Alter mit klassischer Corton-Stilistik der 1955 Corton von Bichot – WT92.

1959 gehört zu den besten, sehr langlebigen Jahrgängen des letzten Jahrhunderts. Aber eigentlich kann man für das Burgund zumindest bei den älteren Weinen Jahrgangstabellen weitgehend vergessen. Es gibt genügend große Weine aus schwächeren Jahren und leider eben auch schwächere Weine aus großen Jahren. Zwei Kandidaten der letzteren Kategorie hatten wir jetzt vor uns. Schlank, noch recht frisch, aber auch mit (zu)viel Säure der recht uncharmante 1959 Pommard von Maire & Fils – WT88. Auch der zwar kräftige, füllige 1959 Vosne-Romanée von Pierre Ponnelle wollte nicht richtig singen und wirkte recht eindimensional – WT88.

Da waren wir mit den nächsten beiden Weinen aus einem zwar guten, aber im Vergleich etwas schwächeren Jahr schon in einer anderen Liga. Der 1962 Vosne-Romanée in einer deutschen Reidemeister & Ulrichs Abfüllung überzeugte mit Kraft, Finesse, guter Frucht und toller Struktur – WT92. Aus der größeren Lage stammt der 1962 Charmes Chambertin von Patriarche. Man spürte die Klasse und die Substanz dieses Weines, der aber durch die hohe, etwas aggressive Säure auch bissig wirkte – WT91. Deutlich mehr hätte der 1964 Musigny Vieilles Vignes von Comte de Vogüe zeigen müssen. Aber diese Flasche hatte entweder zu viele Vorbesitzer, oder der Wein hatte längere Zeit als Schmuckstück auf dem Kaminsims eines zu warmen Wohnzimmers verbracht. Der war nur noch ein Schatten seiner einstigen Klasse und wirkte deutlich gezehrt – WT83.

Fehlerhaft leider der für die Confrerie des Chevaliers du Tastevin abgefüllte 1969 Vosne Romanée von Mommessin. Eigentlich schade, denn Mommessin ist eine sehr zuverlässige Quelle für hochwertige Burgunder. Dafür brillierte im anderen Glas der 1969 Vosne Romanée Les Suchots von Nicolas. Ein großer, kompletter Burgunder, so kräftig und druckvoll mit gewaltiger Länge und einfach geiler Süße – WT95.

Auf hohem Niveau ging es dann in den Endspurt mit einem 1971 Echezeaux der Domaine du Clos Frantin mit der sprichwörtlich burgundischen Pracht und Fülle, finessig und hoch elegant mit genügend Kraft und Substanz für lange Jahre – WT95. Leider störte zumindest zu Anfang beim 1971 Charmes Chambertin in einer englischen Abfüllung von Berry Brothers & Rudd die laktische Nase. Völlig anders der Gaumen, ein sehr kraftvoller, nachhaltiger Auftritt und auch vier noch viel Substanz für eine längere Entwicklung – WT94. Seine Zuklunft bereits hinter sich hatte der 1985 Nuits-Saint-Georges von Paul Bouchard. Gut zwar die Frucht, der Wein wirkte aber austrocknend am Gaumen und war geprägt von massiver Säure – WT85.

Pinot wird heute überall auf der Welt angebaut. Das muss nicht immer von erfolg gekrönt sein. Einer aus unserer Runde stellte einen solchen Kandidaten vor, den mit 95 Parker Punkten versehenen 2009 Sonoma Coast Pinot Noir Reuling Vineyard von Aubert aus Kalifornien. Geschmäcker sind verschieden, das schicke ich gleich voraus. Gut möglich, dass dieser Wein in Amerika seine Fans findet. Mit dem klassischen, burgundischen Pinot-Stil hat er nicht viel zu tun. Zu marmeladig in der Frucht, zuviel süßes Holz, Röstaromen satt, Finesse eher Fehlanzeige, dafür mindestens 15% Alkohol – WT89. Wer´s denn mag…

Mit in unserer Runde die Gebrüder Kreuzberg vom gleichnamigen Ahr-Weingut. Die machen inzwischen ganz famose Pinots, wie überhaupt die gesamt Ahr mächtige Schritte voran gemacht hat. Unbedingt mal probieren. Pinot und Schiefer ist eine gute Kombination, nicht nur bei Markus Molitor an der Mosel.

Nur hatten die Kreuzbergs an diesem Abend ihre Jugendsünden mitgebracht. Jugendsünden sollte man aber genießen wenn man sie begeht. Und anschließend das Mäntelchen des Schweigens darüber breiten.

Ich freue mich schon auf Elkes Burgunderträume 2016.