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Magnum Best Bottle

Zu einem echten Klassiker hat sie sich entwickelt, unsere jährlich Magnum Best Bottle kurz vor Weihnachten. Aus zahllosen Bewerbern hatte sich diesmal ein Kern von 20 Glücklichen herausgeschält, die ihre mitgebrachten Preziosen mit denen der anderen Teilnehmer teilen durften. Das Berens am Kai hatte extra für uns seinen Ruhetag geopfert und verwöhnte uns mit einem vielgängigen Menü vom Allerfeinsten.

Spektakulär schon der Start unserer Probe. Aus dem nur in Magnum abgefüllten Erstlingsjahrgang gab es 1975 Pol Roger Cuvée Winston Churchill. Knapp 100 soll es davon weltweit maximal noch geben. Jetzt gibt es eine weniger. Das war schon ganz großes Champagner-Kino. Reif die Farbe, verhalten das Mousseux, aber genial schon die sehr feine, nussig-mineralische Nase, am Gaumen noch unerhörte Frische, Brioche, sehr cremig mit feinem Schmelz und seidiger Eleganz, einfach ein sehr stimmiger, großer, perfekt gereifter Champagner – WT97.

Natürlich wurden aus den zwanzig angestellten Magnums noch ein paar mehr. Es gab nicht nur noch zwei Doppelmagnums als Tischwein. Auch Ersatz- oder Überraschungsmagnums waren noch vorhanden. Zu letzterer Kategorie gehörte eine spannende, weiße Bordeaux-Cuvée aus Kalifornien. Der 2013 La Proportion Dorée von Morlet aus Sonoma war geprägt von viel Holz, rauchigen Barrique-Noten und kühler Frucht, auch am Gaumen viel Holz, Kraft und Länge. Dürfte noch zulegen – WT93+.

Von Alt nach Jung haben wir die Roten Magnums getrunken. Aber was heißt hier alt? Eine Traumnase hatte der 1940 La Tâche von DRC aus diesem schwierigen Kriegsjahr, mit kandierten Kräutern, Kaffee, Leder, Tabak und feiner Süße. Klar war die Farbe reif, aber der La Tâche präsentierte sich am Gaumen noch so unglaublich vital mit guter Säure und generöser Süße, dazu mit erstaunlicher Länge – WT95. Aber Punkte werden diesem einmaligen Erlebnis kaum gerecht.

Leider war danach das eigentlich hoch spannende 55er Duell eine sehr einseitige Sache. Der 1955 Cheval Blanc, den ich schon häufiger mit Perfektion im Glas hatte, brachte hier nur einen perfekten Kork ins Glas. Wie man eine solche Blamage zuverlässig verhindert? Da gibt es drei mögliche Varianten. Entweder den Wein vorher zuhause dekantieren, was die sicherste Lösung ist. Oder aber mit dem Coravin zuhause vorher einen winzigen Schluck abzapfen. Und als dritte Möglichkeit bietet sich natürlich noch die Möglichkeit einer qualifizierten Reservemagnum an.

Dafür überzeugte der 1955 Lynch Bages umso mehr. Ein echter Bordeaux-Klassiker mit fast altersfreier, dichter Farbe, immer noch mit schöner Frucht, sehr minzig, feine Kräuter, am Gaumen neben feinem, süßem Schmelz und cremiger Textur viel Kraft und Länge – WT96.

Absolut betörend der 1966 Cheval Blanc mit diesem gelungenen Spagat aus rustikaler Kraft und spielerischer Eleganz, in der Nase dunkle Beeren im Lederbeutel mit einem Hauch Trüffel, am Gaumen seidige Eleganz, aber auch eine leicht metallische Note, ohne die das ein Riese gewesen wäre – WT95. Schlichtweg ein Traum der eher feminine, stimmige 1953 Gruaud Larose, burgundisch mit geradezu tänzerischer Eleganz, feiner, rotbeeriger Frucht, schöner Süße und einer für das Alter erstaunlichen Frische – WT97.

Gent Montrose nur eckig? Nein, dieser 1961 Montrose wirkte erstaunlich zugänglich, geradezu weich und generös sowohl in der Nase als auch am Gaumen, die durchaus präsenten Tannine und die kräftige Säure wie in Watte gepackt – WT95. Das kann bei der nächsten Flasche schon wieder völlig anders sein. So gut hatte ich den häufig getrunkenen 61er noch nie im Glas. Aber vielleicht wird der Montrose jetzt auch nur ganz einfach altersmilde und zeigt endlich die Klasse des Jahrgangs. Ein kerniger, sehr straight wirkender Pessac mit reichlich Cigarbox und intensiver Mineralität war der 1959 Pape Clement in einer Barrière-Abfüllung, der ähnlich Montrose noch eine längere Zukunft haben dürfte – WT95.

Und dann kam zweimal Perfektion ins Glas. Ein Flight, bei dem man einfach nur staunen und zufrieden Grinsen konnte. Dass 1971 Petrus ein süchtig machender, sinnlicher Riese ist, durfte ich Glücklicher schon mehrfach erleben. Das dem dann aber auf diesem WT100 Niveau ein „best ever“ 1961 Gruaud Larose aus einer perfekten Magnum die Stirn bieten konnte, das war ein unglaubliches, wohl unwiederbringbares Erlebnis.

Es schien ein richtiges Gruaud-Festival zu werden, denn nach 53 und 61 zeigte sich auch der immer noch so jugendliche 1982 Gruaud Larose von seiner derzeit, aber immer noch von deutlichen Tanninen geprägten Seite. Ein Wein mit immer noch gewaltigem Potential, der allerdings aus sehr guter Lagerung wie diese Magnum sicher noch einige Jahre braucht und dann durchaus die Klasse des 61ers und des legendären 28ers erreichen dürfte – WT97. Und dann dieser atemberaubende 1982 Cheval Blanc. Einstmals war das in seiner Jugend mit 100 Parker Punkten Everybodys Darling. Und dann hatte es dieser Wein doch tatsächlich gewagt, sich für längere Zeit zu verschließen. Klar wurde er dafür abgestraft. Kluge Cheval-Afficionados aber machten es wie an der Börse. Sie kauften in der Cheval-Baisse zu. Dafür dürfen sie sich (und wir in dieser Probe) am Revival dieses großartigen Weines erfreuen. Da ist sie wieder, diese Traumnase mit dem unvergleichlichen Cheval-Parfüm, da ist dieser irre, aromatische Druck am Gaumen, aber auch diese Eleganz, dieser Charme – WT98+ und die WT100 wieder in Sicht.

Und dann im nächsten Flight wieder so ein Potentialmonster. 1983 war in der Appelation Margaux größer als 1982, und dieser 1983 Margaux hat das Zeug zur Legende. Aus dieser Magnum hier war er riesengroß, aber auch noch sehr jung und geradezu bissig – WT97+. Reifer und zugänglicher dagegen der 1983 Latour, aber ohne jedes Alter oder Schwächen. Ein klassischer, druckvoller Latour mit der typischen, leicht bitteren Walnussaromatik, so eine Art moderne Wiedergeburt des 71ers – WT96.

Der edle Spender dieses Weines hatte ihn übrigens zuhause aufgemacht. Und da er seinen hohen Ansprüchen nicht genügte, brachte er für die Probe einen anderen Wein mit. Den einmal geöffneten Latour schenkte er trotzdem aus. Das war kein Fehler!

Und schon war der nächste Potentialweltmeister an der Reihe, 1988 Lafleur. Auch das ein Riese im Werden, kernig, dicht, kräuterig mit massiven Tanninen und großer Zukunft. Öffnete sich zögerlich im Glas und wurde süßer und schmelziger am Gaumen – WT97+. Sehr gut gefiel mir der etwas fülligere, erste Reife zeigende 1990 Lafite Rothschild. Das war Lafite pur mit großartiger Struktur, sehr mineralisch, elegant und erstaunlicherweise schon mit erster Süße. Ist auf dem besten Wege zu etwas ganz großem – WT98+.

Nach wie vor glaube ich an die Zukunft des 1982 Leoville las Cases, den ich mehrfach 1987 und 1988 in seiner genialen WT100-Fruchtphase erleben durfte. Aber da sind wohl bei gut gelagerten Flaschen immer noch ein paar Jahre Geduld gefragt. Sehr druckvoller Klassewein mit puristisch wirkender Frucht und nach wie vor mächtigen Tanninen – WT96+. Im anderen Glas ein großer Kalifornien-Klassiker, 1986 Silver Oak Bonny´s Vineyard, als solcher unschwer an der typischen Dill-Note der Silver Oak Weine zu erkennen. Der war voll auf dem Punkt. Der war voll auf dem Punkt und brachte einfach Hedonismus pur ins Glas. Außer Dill war da viel Minze und Eukalyptus in der ausdrucksstarken, süßen Nase, dazu reife, dunkle Frucht. Am Gaumen göttlicher, kalifornischer Schmelz. Ich habe dreimal meine Bewertung nach oben gesetzt und bin schließlich bei WT97 gelandet. Schade, dass diese Mini-Parzelle direkt am Haus des damaligen Silver Oak Besitzers Anfang der 90er der Reblaus zum Opfer fiel.

Nicht in bester Form war leider der 1990 Lynch Bages, der sich wie mit angezogener Handbremse trank. Sehr jung noch der 1998 Lafite Rothschild, den ich ein paar Wochen vorher mit dem edlen Spender noch aus einer traumhaften 1tel getrunken hatte. Da war das eine sehr moderne Lafite-Variante, mit den klassischen Zutaten zwar, aber alles etwas größer, fülliger und üppiger – WT97. Hier aus dieser Magnum präsentierte er sich ähnlich, aber noch etwas zugeknöpfter – WT95+.

Zwei große, noch sehr junge Burgunder waren jetzt angesagt, die aber beide in dieser jugendlichen Fruchtphase immensen Spaß machten. Burgunder-Puristen mag der 2009 Ponsot Clos de la Roche Vieilles Vignes zu üppig, zu modern und mit zuviel Holz gemacht sein. Aber Spaß macht er einfach mit seiner saftigen Frucht und der hohen Fruchtsüße verdammt viel. Und genügend Substanz für eine längere Zukunft hat er auch. Da könnte mal was richtig Großes draus werden – WT95+. Superb auch die Frucht des 2009 Bonnes Mares von Comte de Vogüe, der insgesamt etwas klassischer mit mehr Struktur als der Ponsot wirkt – WT95+. Würde ich gerne mal in 20 Jahren gegeneinander trinken.

Und wessen Gaumen jetzt nach diesem anstrengenden Programm einzuschlafen drohte, der bekam jetzt einen Weckruf par Excellence. Ein gewaltiges, immer noch sehr junges, dichtes und würziges Aromenmonster war dieser 2001 Chateauneuf-du-Pape Cuvée de la Reine des Bois von der Domaine de la Mordorée mit superber Kirschfrucht, rauchigen Noten, intensiver Mineralität und immer noch mächtigen Tanninen – WT95+.

Und dann waren da noch die beiden Doppelmagnums. An 1999 Virginie de Valandraud schien jede Form der Alterung vorbeigegangen zu sein. Das war immer noch immer noch recht jugendlich wirkender Traumstoff mit schokoladigem Schmelz, Kaffee- und Mokkatönen, guter Frucht und Röstaromen, Einfach Hedonismus pur. Kein Wunder, dass sich die Dreiliterflasche im Rekordtempo leerte – WT94. Sehr gut trinkbar war auch der maskulinere 1999 Trotanoy, kräftig, würzig, mit guter Frucht und leicht bitterer Kräuternote, auch die Schokolade mit sehr hohem Kakao-Anteil – WT93.

Ein Mega-Event war das, da waren wir uns alle einig. Und klar war deshalb auch, dass diese Probe 2016 in der Vorweihnachtszeit wiederholt wird. Ich werde die Probe rechtzeitig ausschreiben. Ganz vorsichtig habe ich mal Dienstag den 13.12. angepeilt. Wer dabei sein möchte, legt schon mal seine beste Magnum auf die Seite, oder aber nutzt die nächsten 11 Monate für die erfolgreiche Jagd auf eine flüssige Eintrittskarte zur Magnum Best Bottle 2016.