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April 2014

Volles Programm

Die Ansage eines guten Freundes klang verlockend. Lasst uns doch im Nagaya Mittagessen und dann anschließend noch bei uns einen schönen Weißwein trinken. Und wie es dann an solch einem gelungen Samstag so geht. Aus dem „uns“ wurden „wir viele“ und aus dem anschließenden „einen“ wurden „reichlich“. Aber der Reihe nach.

Was wir hier im Nagaya im Rahmen des fair kalkulierten Mittagsmenüs serviert bekamen, war schlichtweg überwältigend. Schön, dass man im Nagaya dazu auch die entsprechende Weinbegleitung findet. Mit der sehr engagierten, talentierten Sommelière Nina Mann hat jetzt auch das Thema Wein im Nagaya die Aufmerksamkeit, die es verdient. Uns fiel auf der deutlich gewachsenen Karte insbesondere ein spannender Bürklin-Wolf Drilling auf, den wir uns natürlich zu Gemüte führten.

Wir starteten wir mit einem 2006 Langenmorgen PC, sehr würzig, mineralisch mit cremiger Textur, noch voll da und kräftig, trank sich einfach wunderbar – WT92. Etwas reifer, aber sehr fein und elegant mit leicht petroliger Mineralität und reifem Apfel der 2001 Wachenheimer Gerümpel PC – WT91. Sehr präsent, stimmig, mineralisch mit feinem, süßem Schmelz und mit für 2007 erstaunlich schlanker, präziser Struktur der 2007 Gaisböhl GC – WT93.

Gereifte, trockene Rieslinge sind inzwischen eine feine Sache und nicht mehr auf eine Handvoll Ausnahmewinzer begrenzt. Wir machten in größerer Runde in privatem Kreise weiter. Dreimal der Jahrgang 2005 war zunächst angesagt.

Noch sehr frisch mit gewaltiger Strahlkraft wirkte die 2005 Hermannshöhle GG von Dönnhoff, noch so taufrisch mit hoher Mineralität und perfekter Struktur. Da kommt das Beste erst noch in ein paar Jahren – WT94+. Deutlich fülliger danach im direkten Vergleich das 2005 Kirchspiel GG von Keller. Auch das aber ein sehr feiner Wein mit exotischer Frucht, wunderbarer Fruchtsüße und schönem Spiel am Gaumen, ebenfalls sehr frisch wirkend mit guter Säure – WT94. Sehr frisch ging es weiter. Eine straffe Mineralität zeigte die 2005 Hochheimer Hölle trocken Goldkapsel von Künstler, aber auch Fülle und in der generösen Nase feine Honigsüße eine schöne Kräuternote. Noch so jung wirkte diese Hölle, mit soviel Zukunft, enormer Druck am Gaumen, brauchte viel Zeit und Luft und scheint gerade erst Anlauf für den nächsten Höhepunkt in ein paar Jahren zu nehmen - WT96.

Sehr positiv überrascht hat mich die Frische und das immer noch enorme Potential dieser 2005er. In den besseren Weinen des Jahrgangs scheint noch Musik für lange Jahre zu sein.

Natürlich gilt das auch für den seinerzeit nicht sonderlich beachteten Jahrgang 2004. Das zeigte sehr eindrucksvoll der 2004 Idig GG von Christmann. Ein kraftvoller Eldel-Pfälzer mit Druck und Fülle, mit feiner Süße, toller Struktur und guter Säure, sicher noch mit längerer Zukunft – WT94.

Mit dreimal Keller aus 2007 ging es weiter. Der stets leicht barock füllige 2007 Hubacker GG zeigte zu Anfang eine leichte Spontinase, dazu reife, gelbe Früchte. Am Gaumen füllig, viel Druck mit feiner Fruchsüße, für 2007 sehr gute Struktur, erst ganz am Anfang, WT96+ mit Potential für 2-3 mehr. Schlichtweg ein Traum die noch viel zu junge 2007 Abtserde GG von. Ein absolut stimmiger, perfekt balancierter Riesling, bei dem von der feinfruchtigen Nase über den Gaumen bis zum endlosen Abgang einfach alles stimmte. Blutjung, aber sehr nachhaltig, Eleganz pur, dabei komplex mit enormem Tiefgang – WT96+ mit noch reichlich Luft nach oben. Und dann der extrem gesuchte, auf dem freien Markt nur zu utopischen Preisen erhältliche 2007 G-Max. Ein blutjunger Wein aus einem Guß, der sehr verhalten begann mit dezenter Nase, in der sich ein feiner Karamellduft entwickelte, und der enorm im Glas ausbaute, überzeugte eher mit leisen Tönen und scheint noch sehr weit von der Reife weg – WT95+.

Womit deutlich gezeigt wurde, das selbst in so üppigen Jahren wie 2003 und 2007 von guten Winzern große, langlebige Weine erzeugt werden konnten.

Wir gut, dass uns der Rainer danach nicht seine neuen Turnschuhe vorstellte. Der Nike-Karton, den er schon zum Essen mit sich schleppte, enthielt stattdessen drei feine Rote, mit denen wir jetzt die beginnende Abendstimmung genossen.

Sehr minzig, ledrig, kräftig, enorm druckvoll am Gaumen der 1984 Chateau Montelena, nur die leichten Reifetöne, vor allem in der Nase, irritierten etwas – WT93. Einfach sexy wirkte der 1990 Simi Alexander Valley Reserve mit seiner minzigen, üppigen, saftigen Frucht und der Fülle am Gaumen – WT93. Eine längere Zukunft dürfte noch der 1988 Solaia mit seinen immer noch strammen Tanninen haben, Minze, Zedernholz, etwas dunkle Frucht und Pferdestall in der Nase, enorme, fast etwas rohe Kraft am Gaumen – WT93+.

Flüssige Ostereier auf Sylt

Schlichtweg perfektes Wetter mit Sylter Sonne pur hatten wir zu den Ostertagen auf Sylt. Perfekte Gelegenheit, sich mal wieder mit einheimischen Freunden und anderen, lieben Menschen auf das ein oder andere Glas Wein zu treffen. Natürlich haben wir kräftig "Gemüllert", mit einer kleinen Pavie-Vertikale die traditionelle Wiin Kööv Probe gemacht und uns ansonsten mit den "üblichen Verdächtigen" an den "üblichen Tatorten" getroffen. Der ausführliche Bericht dazu ist in Arbeit und kommt in den nächsten Tagen. Die passenden Vorschusshäppchen gibt es über den Facebook-Reader.