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April 2016

Da war der Wineterminator platt!

Ein Taxifahrer tauchte während unser Cellar Devils Probe mit Jeff Leve auf und fragte, ob hier ein Dr. Becker säße. Und eh ich mich versah, hielt ich ein Päckchen in den Händen. „Edle Tropfen“ stand drauf, darunter klebte ein Mon Cherie Etikett, und ganz unten stand hanschriftlich „Danke für 4 Jahre Facebook-Freundschaft.

Natürlich hat das alles eine Vorgeschichte. Facebook blendet jetzt häufiger Meldungen ein, dass man X Jahre mit wem auch immer befreundet sei. Und solch eine Meldung, ich sei jetzt 4 Jahre mit Uwe Bende auf Facebook befreundet, bekam ich neulich. Und da ich den guten Uwe gerade am Telefon hatte, habe ich ihn natürlich frozzelnd gefragt, wo denn die zu diesem ergeignis jetzt fällige Packung Mon Cherie bliebe. Uwe wäre nicht Uwe, wenn er diese Steilvorlage nicht genutzt hätte.

So bekam ich jetzt dieses Päckchen, in dem sich sechs kleine Probierfläschchen befanden. In denen befanden sich die Highlights einer großen Raritätenprobe, die Uwe ausgerechnet an diesem Abend an einem anderen Ort in Düsseldorf durchführte. Blöde Überschneidung, ich wäre gern auch bei Uwes Probe dabei gewesen. So aber kam ich durch diese geniale Aktion wenigstens zu dem Genuss von ein paar der Higlights.

Und das war in meinem Paket: 1934 Vosne Romanée Tête de Cuvée von Domaine Romanée Conti in einer belgischen Abfüllung von Georges Thienpoint. Uwe ist sich sicher, dass es sich hierbei um einen Romanée Conti handelte. Von der schier unglaublichen Qualität her kann ich das gut nachvollziehen. So eine irre Dichte und Komplexität, kleidete den Gaumen komplett aus. Da war immer noch Frucht, aber auch viel Kaffee, gute Säure, eine beeindruckende Struktur und ein ewiger Abgang. Ein geradezu zeitloses Monument, für das es nur eine Note geben kann, WT100. Bitte beim nächsten Mal nicht in 0,05, sondern in 0,5 l Flaschen abfüllen, lieber Uwe.

Deutlich mehr Runzeln hatte der 1935 Richebourg von DRC, der aber für das schwierige Burgunderjahr noch eine geradezu erstaunlich Kraft und Würze zeigte, dazu einen enorm langen Abgang – WT96.

Deutlich jünger natürlich der 1959 Clos Vougeot der Domaine Gros-Renaudot mit immer noch sehr schöner Frucht, mit reichlich Kraft, Fülle, aromatischem Druck und toller Struktur – WT96. Der 1959 Richebourg, ebenfalls von Gros-Renaudot, setzte da noch leicht eins drauf. Wirkte frischer, präsenter mit mehr Frucht. Auch hier eine tolle Struktur, schöne Würze und ein endloser Abgang – WT97.

In prächtiger Form zeigte sich auch das Chamäleon 1979 Chateau Musar. Chamäleon deshalb, weil dieser Wein in seiner Entwicklung mehrfach die Identität wechselt. Hier zeigte er sich jetzt sehr burgundisch, würzig, samtig-elegant, ein feiner Pinot mit der reifen Erdbeere aus Chateauneuf, dabei noch so jung mit gewaltigem Potential – WT96+. Jede Suche wert.

Als gut gereifter Bilderbuch-Latour zeigte sich aus einem oft übersehenen Jahrgang der 1952 Latour. Der hatte keinerlei Schwächen oder Alter, dafür aber die Stärken eines großen, klassischen Latours mit erstaunlich frischer, pikanter Frucht, mit der Latour-typischen Walnuss-Aromatik, mit guter Struktur und Länge. Da besteht in dieser Form keine Eile – WT96.

Pinot Monday

Netter Besuch hatte sich angesagt. Also wurde der Beginn der alkoholfreien Woche kurzerhand um einen Tag verschoben. Mit ein paar feinen Pinots ging es auf ins Berens am Kai. Dort starteten wir als Apero mit einer famosen Hölle Auslese trocken Goldkapsel von Künstler, die wieder mit dem Dreiklang aus hohem, fruchtigem Extrakt, brillianter Mineralität und knackiger, aber reifer Säure überzeugte. Eine riesengroße Hölle, die noch viel Zukunft hat – WT95+. Und ein Musterbeispiel für den großen Deutschland-Jahrgang 2008, der immer mehr in die Fußstapfen von 2004 tritt.

Burgund pur gleich der erste Wein, ein 1992 Musigny von Jadot. Generöse, pflaumige Frucht, reife Kirsche, samtig, elegant und bei aller Fülle nicht üppig, sondern mit der Eleganz und Finesse eines großen Musigny, feiner Schmelz, sehr gute Struktur, baut enorm im Glas aus und hat noch gute Zukunft – WT95. Da musste sich eigentlich der noch so junge 2002 Charmes Chambertin von Lucien Le Moine sehr schwer nach tun. Doch der zeigte soviel Präzision, Finesse, Klasse und Länge, dass er gut mit kam. Schon jetzt ein großer Burgunder, aber mit enormem Potential, der legt noch zu – WT94+.

Schlichtweg sprachlos machte uns der nächste Wein. Kann Burgunder besser sein? Höchstens anders. Unglaublich und schlichtweg perfekt dieser 1990 Echezeaux von Jacques Cacheux & Fils. Außerweltliche Nase, reife, dekadente, würzige Fülle, Kaffee, Schokolade, cremige Textur, Harmonie pur, so ein irrer Druck, ewiger Abgang - WT99. Wie war das möglich? Da sind einfach drei Dinge zusammen gekommen. Ein ohnehin sehr guter, großer Wein, eine perfekte Lagerung/Herkunft und das große Glück, genau den Zeitpunkt zu erwischen, wo der Wein einfach alles zeigt und über sich hinaus wächst.

Deutlich reifer war natürlich der 1964 Romanée St. Vivant von Jaboulet-Vercherre, dem aber die gute Säure noch eine gewisse Frische verlieh. Ein sehr feiner, eleganter Wein, der die große Lage deutlich spüren ließ – WT94. Klar, dass der gute Holger, aus dessen Geburtsjahr dieser Romanée St. Vivant war, da strahlte.

Pech hatten wir leider mit einem 1971 Corton der Confrérie des Chevaliers du Tastevin. Bei dem stimmten zwar der perfekte Füllstand und die superbe Farbe, aber er zeigte einen übleren Kork. Schade, dass ich die nicht so perfekt gefüllte Zwillingsflasche nicht greifbar hatte. Die darf dann demnächst zeigen, dass Füllstand nicht alles ist.

Noch voll da und ganz großes Burgunderkino der 1947 Richebourg von Dominique Laurent. Generös mit portiger Fülle, aber auch guter Struktur und Säure, feine Süße und wunderbare Länge – WT97. Und auf diesem hohen Niveau schlossen wir unser kleines Pinot Tasting mit einem jungen Wein ab. Mein Schweizer Gast hatte viel vom legendären 2013 Gantenbein Pinot Noir gehört, den aber noch nie ins Glas bekommen. Das holten wir jetzt nach. Da ging dann richtig die Post ab. Ein irres, verrücktes Konzentrat mit unglaublicher Brillianz und Strahlkraft, dabei mit sehr präzisen Konturen. Sicher mit 20+ Jahren Zukunft und enormem Potential für weitere Entwicklung – WT97+.

Gar kein so schlechter Tag, der Montag.

Feine Sonntagsrunde

Perfekter Start in den hedonistischen Sonntag mit Spaniens gelungener, ultrararer Antwort auf französische Jahrgangschampagner. Gerade mal 2973 Flaschen gab es von diesem 1999 Turo d'en Mota Brut Nature, einem Terroir Cava aus einem speziellen Weinberg mit 60 Jahre alten Xarel-lo Reben. Ein spannender Wein mit perfektem Spagat aus Eleganz, Komplexität und Tiefgang. Cremige Textur, machte Lust auf mehr – WT94.

Eine tiefe, goldgelbe Farbe hatte der 1998 Chardonnay Nuits Blanches von Au Bon Climat. Sehr reif in der Nase und am Gaumen, karamellig, immer noch kräftig im langen Abgang, aber es wird Zeit – WT92. Deutlich frischer der 2006 Kistler Chardonnay Durell Vineyard, sehr nussig, mineralisch mit feinem Schmelz und gutem Rückgrat und Säure, hat sicher noch längere Zukunft – WT94. Aber der schönste, stimmigste dieser drei gereiften Chardonnays war der 2006 Gantenbein Chardonnay, so cremig, so elegangt, so druckvoll und lang am Gaumen – WT95.

Spannend auch das folgende Duell. Ein Weltklasse-Chardonnay in bester Burgunderart der 2013 Chardonnay Unique von Donatsch. Schlank mit präziser Struktur, das Holz gut eingebunden und kaum spürbar, superbe, wohldefinierte Frucht, intensive Mineralität, gute, subtile Säure, so hoch elegant, so finessig. Klar war da auch enorme Kraft und gewaltiger Druck am Gaumen, aber diese Kraft wirkte quasi „schwerelos“ – WT97. Absolut irre im anderen Glas der 2010 Hermitage Blanc Ex Voto von Guigal, der mit seinem Pfauenrad an Aromen, seiner Komplexität, seiner Kraft und Dichte, seiner Mineralität natürlich ein unglaublich großer, weißer Hermitage ist, aber auch gerne den Titel eines „Weißen Ehren LaLa“ tragen darf – WT99. Wer eine dieser raren Flaschen besitzt – das hier war leider meine einzige – sollte sie bald öffnen, oder aber für zwei Jahrzehnte vergessen. Mittendrin liegt leider ein tiefes Loch.

Auf hohem Niveau und nicht ohne einen guten Schuss Hedonismus ging es mit drei großen Roten weiter. Der 2007 Chambertin Clos de Bèze von Armand Rousseau brachte burgundische Pracht und Fülle ins Glas, dieses wunderbare Spiel reifer roter und blauer Beeren, eine intensive Mineralität und eine gewaltige Länge. Macht jetzt schon unglaublichen Spaß, aber dürfte wohl noch zulegen – WT96.

So komisch das bei diesem ja eher weniger prickelnden Jahrgang klingt, auch der 1993 Petrus dürfte durchaus noch zulegen. Aus meiner bisher besten Flasche immer noch so jung mit dichtem Kirschrot, superbe Struktur, konzentrierte, rotbeerige Frucht, immer noch spürbare Tannine, sehr mineralisch, aber auch viel Bitterschokolade mit zunehmend süßem Schmelz, sehr lang am Gaumen – WT96+. Vielleicht sollte ich erwähnen, dass diese und die Flaschen davor keine Auktions-Wanderpokale waren, sondern aus einer 6er OHK stammten, die seit der Subskription für heute schier unglaubliche €125.- pro Flasche unberührt perfekt gelagert wurde.

Dicht, kräftig und sehr würzig zeigte sich mit erster Reife der gewaltige 1990 La Mouline von Guigal – WT98.

Schlichtweg ein Traum die perfekt balancierte, so unglaublich stimmige, hoch elegante 1959 Maximin Grünhäuser Herrenberg hochfeinste Auslese mit tiefem, schon leicht ins Güldene gehendem Goldgelb, mit verschwenderischer Aromatik, feinem Süße-/Säurspiel und famoser Länge – WT98.

Sehr tief, schon fast schwarz die Farbe des mächtigen 2005 Bond Melbury, der kalifornische Dekadenz und Üppigkeit an die Spitze treibt. Satte Frucht, Blaubeere, Brombeere, dazu Schwarze Oliven, gute Mineralität und ein doppelter Espresso. So dicht, so füllig, so üppig und süß, das ist fast schon etwas zu viel, aber Faszination hat so ein geiles Teil schon – WT96. Sicher ein Wein der polarisiert. Ich kann sowohl die hemmungslosen Fans dieser Stilrichtung verstehen, als auch diejenigen, die sich voll Grausen abwenden.

Danach waren wir dann natürlich mit dem 1976 Grands Echezeaux von DRC in einer völlig anderen Welt. Das war reifer Burgunder vom Feinsten, eher mit leisen Tönen, mit unendlicher Grazie, feinem, generösem Schmelz und erstaunlicher Länge – WT96.

Und dann kam als Abschluss noch einer meiner Lieblings Bordeaux ins Glas, der unsterbliche 1982 Grand Puy Lacoste. Ein absolut stimmiger, großer, harmonischer, Pauillac, der einfach nicht altern will, mit immer noch tiefdunkler Farbe und viel Kraft, und mit herrlicher Frucht, trüffeligen Noten, Zedernholz, Bitterschokolade, mit Eleganz und großartiger Länge - WT96. 

Bernie´s Geburtstag

In kleiner, feiner Runde feierten wir den Geburtstag unseres Lieblings-Hobbykochs. Der liebe Bernd legte gleich zu Anfang mit einem 2008 Felseneck GG von Schäfer-Fröhlich aus der Magnum einen furiosen Start hin. Die zeigt mit ihrer rassigen Mineralität und der perfekten Struktur die Wertigkeit der Lage, das Können des Winzers und die Klasse des Jahrgangs, der immer mehr in die Fußstapfen von 2004 tritt – WT97. Da kam diesmal die 2008 Hermannshöhle GG von Dönnhoff nicht mit, die zwar gewaltiges Potential andeutete, aber auf höchstem Niveau weicher, cremiger und etwas harmlos wirkte.

Aus Bernds Geburtsjahr kam dann erst ein 1949 Gruaud Larose in einer französischen Manoux-Abfüllung ins Glas, der aber leicht korkig wirkte und auch eine zu hohe Säure hatte. Kein Genuss mehr. Deutlich besser der 1949 Pontet Canet in einer Cruse-Abfüllung, erstaunlich fein, elegant, immer noch mit etwas pikanter, rotbeeriger Frucht, cremig am Gaumen mit schönem Abgang – WT93.

1986 Gruaud Larose war aus der Magnum wieder ein gewaltiger Brocken mit mächtigen Tanninen, der aber erste Zeichen beginnender Trinkreife zeigte – WT96+.

Mit seiner enormen Kraft, dem Druck, der Fülle und der Länge war der 1993 Corton Clos des Cortons von Faiveley so ein richtiger Burgunder für Bordeaux-Trinker. Baute enorm im Glas aus und zeigte erste Süße, aber da kommt noch mehr – WT95+. Ein großer Chambertin mit Pracht und Fülle und einer Traumnase war der 1996 Chambertin von Trapet Père & Fils – WT95.

Etwas offener zeigte sich aus dier Flasche der 1988 Mouton Rothschild mit der klassischen Mouton-Mischung aus Cassis, Minze, Eukalyptus, Sattelleder und Bleistift, aber da kommt noch mehr – WT97+. Und dann kam als Abschluss noch ein prachtvoller 1996 Pingus ins Glas. Der war noch so frisch, so dicht und animierend – WT96.

Thank God it´s Friday (again)

Das volle Verwöhnaroma gab es an diesem Freitagnachmittag/-abend wieder. Zur Holger Berens grandioser Küche gönnten wir uns Weine vom Feinsten.

Den Anfang machte der hochklassige, immer noch so junge 2001 Clos St. Hune von Trimbach, rassig, mineralisch, mit schöner Zitrusfrucht und präziser Struktur – WT96. Mit der Klasse dieses Weines hatten wir gerechnet. Nicht aber mit dem, was danach ins Glas kam. 1992 war zwar ein gutes Jahr in der Wachau, galt aber allgemein nicht als das langlebigste. Was dieser fantastische 1992 Hochrain Riesling Smaragd von Hirtzberger jetzt perfekt widerlegte. Mit glockenklarer, Boytritis-freier Frucht, so frisch, so stimmig, so reintönig und lang, zeigte er deutlich, dass man weiter nach gut gelagerten 92ern suchen darf, und das Hirtzberger nicht nur aus Honifogl und Singerriedel besteht - WT95.

Auch unser erster Roter war eine große Überraschung. Noch so unglaublich frisch war dieser 1990 Trevallon, so elegant und filigran, mit pfeffriger Würze, lakritzig, sehr nachhaltig. Eine hypothetische Mischung aus Grange und einem großen Pinot mit Zukunft ohne Ende – WT95+.

Auf nach Bordeaux. Reif wirkte der 1989 l´Eglise Clinet, aber auch sehr dicht mit enormem Tiefgang und gewaltiger Länge – WT95. Kraft, Kraft und noch mal Kraft hieß es danach bei 1986 Haut Brion. Ein großer Haut Brion mit der klassischen Pessac Aromatik und ein typisches 86er Kraftbündel. Fasziniert schon heute, aber das volle Programm gibt es erst in 10 oder 20 Jahren – WT96+. Ein typischer 86er halt. Ich hab den Keller voll davon und hoffe inständig, dass ich diese Weine noch in der Reife erlebe. Nicht, dass es mir (und Euch!) so geht wie denen, die damals den 28er Latour gekauft haben. Der wurde erst Anfand der 80er trinkreif.

Weiter ging es mit Bella Italia. So elegant und stimmig mit feiner Frucht und etwas minzig dieser großartige, unsterbliche 1985 Solaia – WT97. Stilistisch völlig anders der ebenfalls sehr beeindruckende 1990 Solaia, so dicht, kräftig, so füllig, so üppig mit süßer Frucht, reichlich Minze und sogar einem Hauch Eukalyptus. Ich hatte den blind im Glas und war spontan bei einem großen Kalifornier gleichen Jahrgangs – WT96.

Reif und sicher auf dem Punkt oder inzwischen leicht drüber der 1985 Mondavi Cabernet Sauvignon Reserve, der mit feiner, rotbeeriger Frucht, mit Eleganz, guter Struktur und Säure mehr wie ein Medoc wirkte – WT93. Der zweite Kalifornier, ein 1996 Spottswoode Cabernet Sauvignon, zeigte zwar eine formidable Substanz, aber leider auch einen üblen Kork.

Wie gut, dass wir noch einen hochwertigen Ersatzspieler hatten, der jetzt zu seinem Einsatz kam. Der erinnerte mich an Robben in einem der großen Bayern Spiele, der kurz vor Schluss eingewechselt wurde, los lief und gleich ein Tor schoss. Dieser noch so junge 2013 „H“ Pinot Noir von Hermann aus der Bündner Herrschaft lieferte das volle Verwöhnaroma, das die Weinseele als Abschluss dieses wunderbaren Abends brauchte. Steht „H“ eigentlich für „Herrlich“? – WT94+.