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Februar 2015

Bella California

Eine feine Samstagseinladung war das. Wenn der liebe Bernd kocht, kommen immer Highlights auf den Teller. Als Weinmotto hatten wir Bella California ausgegeben. Da passte jetzt zwar der Apero, mit dem uns unser Gastgeber empfing, nicht so ganz zu. Aber so eine 2010 Abtserde von Keller geht eigentlich immer. Sehr elegant, spielerisch, filigran, in erster Trinkreife mit guter Struktur und Säure sehr nachhaltig und lang, immer mehr ausbauend. Aber da kommt mit den Jahren noch deutlich mehr – WT94+.

Wie alt können gute, kalifornische Chardonnays werden? Die Vorbilder aus Burgund nippeln inzwischen oft schon nach einigen Jahren ab, oder werden von der Premox-Seuche dahingerafft. Kalifornische Chardonnays, früher mal für den raschen Verzehr gedacht, zeigen inzwischen ein sehr beachtliches Standvermögen. Alterstöne waren für den beeindruckenden 1997 Au Bon Climat „Why“ ein Fremdwort. Tiefes Goldgelb, exotische Früchte, reife Banane, geröstete Nüsse, enorme Kraft und Tiefgang, erdige Mineralität, legt im Glas immer mehr zu und hat durchaus Montrachet-Qualität – WT96. Feiner, zivilisierter, erstaunlich elegant mit guter Säure, cremiger Textur und reifen, gelben Früchten der 1999 Kongsgaard Chardonnay – WT94. Dritter im Bunde der 2002 Belle Côte von Peter Michael. 95-98 hat der in seiner Jugend von Robert Parker himself bekommen, schlappe 88-90 von Neil Martin. Und was bekamen wir ins Glas? Einen absolut stimmigen Riesen, Kokos und Passionsfrucht in der Nase, cremige Textur, das Holz perfekt integriert, traumhafte Länge, da ist jedes Glas zu klein – WT97. Ja, es lohnt, diese Weine reifen zu lassen. Nicht, dass sie nicht auch in der Jugend immensen Spaß machten, aber die Hälfte der Kiste oder des Kartons kann getrost für einige Jahre weggelegt werden.

Sehr fein, sehr elegant der 1994 Shafer Hillside Select mit betörender Beerenfrucht und herrlicher Minzfrische, mineralisch, etwa Lakritz, nicht mehr der jugendliche Knaller, einfach perfekt gereifter Kalifornier mit Bordeaux-Anklängen, so unglaublich harmonisch und stimmig, dürfte auf diesem Niveau noch lange bleiben – WT97. Noch nie auch nur annähernd so gut im Glas hatte ich den 1999 Newton Grand Vin, der immer noch so jung, so enorm druckvoll daher kam. Will der überhaupt nicht altern? Das kann nicht nur an meinem Keller liegen. Jugendliche, dunkle Frucht, Minze, ein Hauch Eukalyptus, großartige Struktur – WT96. Als Heitz Martha´s hatte sich der 1974 Simi Alexander Valley Reserve verkleidet, Minze ohne Ende, Eukalyptus, altes Sattelleder, Kraft und Länge, dezente, erste Süße, da ist das Ende der Fahnenstange noch lange nicht erreicht – WT96. Die jüngere Variante des 74ers dann der 1985 Simi Alexander Valley Reserve mit wunderbarer Frucht und wiederum viel Minze – WT94. Schade, dass Simi heute nicht mehr Weine in dieser Klasse macht. In bestechender Form zeigte sich der sehr gut gereifte, absolut stimmige 2001 Peter Michael Les Pavots, inzwischen mehr Eleganz als Kraft, einfach Finesse pur, sehr mineralisch, Cassis, weiche, reife Tannine, sehr lang am Gaumen – WT97. Und dann polterte mit dem 2002 Shafer Hillside Select noch ein Kraftbolzen ins Glas, der jetzt in den Flegeljahren ist, üppig, süß, leicht portig, im Übergangsstadium von der jugendlichen Fruchtbombe zum gereiften Charakterdarsteller, da war mal mehr, und das kommt auch wieder, aber mit WT96+ war das jetzt Jammern auf hohem Niveau.