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Januar 2015

Im Schwarzen Adler

Ein Traum wieder unser Abend im "Spielzeugladen für große Jungs (und Mädels!!)" dem Schwarzen Adler in Oberbergen. Perfekter Service, große, klassische, sehr aromenstarke Küche und dann die Weine! Zu Recht legendär ist die große Weinkarte. Erstaunlich, was es hier noch immer zu wohlfeilen Preisen zu entdecken gibt. Und das obwohl außer mir noch ganze Heerscharen von Weinfreaks plündernd in den Schwarzen Adler einfallen. Aber die sehr kenntnisreiche Sommeliere Melanie Wagner scheint über einen schier unerschöpflichen Keller zu gebieten.

Unser Thema an diesem Abend war Burgund. Perfekter Start ein rassiger, sehr mineralischer 2007 Chassagne Montrachet La Romanée von Paul Pillot, Zitrusfrüchte, gute Säure, frische, tolle Struktur, aber auch cremige Textur, einfach „süffig“ im allerbesten Sinne – WT95. Danach kam ein würzig-fülliger 2007 Meursault Perrière Clos de la Perrière von Albert Grivault mit reifen Zitrusfrüchten, salziger Mineralität und einer erstaunlichen Opulenz – WT93.

Der Start in den Rotweinhimmel erfolgte mit zwei Superstars aus einem vergessenen Jahrgang, der jetzt auf die Überholspur geht. Es geht um den Jahrgang 1992, lange unterschätzt. Und just dieser Jahrgang war auf der Karte zwar nicht geschenkt, aber zu sehr akzeptablen Kursen für DRCs verfügbar. Was für ein Traum dieser 1992 DRC Richebourg, fast noch zu jung mit ungeheurer Brillianz gewaltigem Tiefgang, reife, dunkle Früchte, sehr würzig, ein charmantes Kraftbündel, das im großen Riedel-Burgunderpokal mächtig aufdrehte und nach 2 Stunden eine erste, verführerische Süße zeigte – WT96. Hat noch reichlich Zukunft. Noch eine Ecke drüber der 1992 DRC La Tâche mit irrer Fülle und Dichte, noch so jung, auch in der Farbe. Dreht unglaublich im Glas auf, wird immer druckvoller und länger, so würzig, so vielschichtig, entwickelte sich den ganzen Abend im Goldfisch-Aquarium, dem großen Riedel-Pokal, weiter – WT97. Was für eine Freude und Gnade, diese beiden Riesen nicht als Minischluck in einer Probe, sondern im wahrsten Sinne in großen Schlucken über längere Zeit aus vollem Glas genießen zu dürfen.

Klar ging auch noch ein Schluck an den Nachbartisch, der sich unter anderem mit einem erstaunlich schönen, von Tabak und Zedernholz geprägten 1970 Talbot revanchierte (WT88). Und dann war da noch als Abschluss eines großen Abends eine schlichtweg fantastische, immer noch blutjung wirkende Magnum 2003 Trilogia von Christos Kokkalis mit der von jugendlichen Röstaromen geprägten Opulenz eines jungen Mouton, einfach pure, in Flaschen gefüllte Lebensfreude – WT95.