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Januar 2016

Was für ein perfekter Abend im Spielzeugladen für große Jungs (und Mädels!). Klar, dieser Schwarze Adler gilt nicht zu Unrecht als das Dorado für Weinfans schlechthin. Aber das alleine ist es nicht. Klassisch und doch so relaxed das Ambiente mit dem perfekten Service der Crew unter Maitre Pfingsttag. Großartig und mit hohem Suchtfaktor die behutsam modernisierte Küche eines der ältesten Sternerestaurants Deutschland.

Verrückt und doch so großartig unser Start in den Abend. Mit Familioe Keller durften wir den Apero in der Bar nehmen. Beste Fine Clair Austern und dazu der neue interpretierte Klassiker unserer Eltern, die Kalte Ente, auf Basis eines leichten 2014 Silvaners aus dem Weingut des Hauses und Champagner.

Zum Menü legten wir dann gleich mit Rotwein los. Unser erster Roter eine perfekte Empfehlung der überaus kenntnisreichen und charmanten Sommelière Melanie Wagner, ein 1974 Gevrey Chambertin Clos St. Jacques von Armand Rousseau. 1974, und der sollte gut sein? Nein, der war sehr gut. So vital mit feiner Frucht, einfach perfekt balanciert mit generöser Süße, dabei mit dieser unnachahmlichen Eleganz großer, gereifter Burgunder – WT96. Danach tat sich der noch so junge, kräftige 2002 Chambertin Clos de Bèze von Armand Rousseau zu Anfang fast etwas schwer. Aber der brauchte einfach Luft, Luft und noch mal Luft. Und was dann im Glas abging, war schon irre. Superbe, dunkle Frucht, feine Würze, sehr pikant, mit burgundischer Pracht und Fülle und großem Kräutergarten – WT96. Sicher ein Wein mit Zukunft. Im letzten Jahr hatte ich mich hier an Ort und Stelle an 1992 Richebourg und 1992 La Tâche von DRC rangetraut. Dieses Jahr versuchten wir es eine Nummer kleiner mit 1992 Echezeaux von DRC. Doch der war alles andere alimmer noch so jugendlich, so druckvoll mit enormem Tiefgang – WT96. Nicht das erste Mal, dass ein Echezeaux von DRC sich fast ebenbürtig mit den großen Brüdern zeigte.

Weiter gin es dann wieder in die Bar, wo wir quasi als Training für Alper Alpaslans große 96er Champagner Verkostung noch zwei schöne Champagner genossen. 1996 Dom Ruinart Blanc de Blancs ging gegen 1996 Legras Cuvée St. Vincent Blanc de Blancs ins Rennen. Eigentlich ein Duell auf Augenhöhe. Ich habe dem feineren, balancierteren Ruinart einen leichten Vorzug gegeben. Der Legras war erst 2010 degorgiert worden, präsentierte sich sehr jugendlich und ritt mit kräftigem Mousseux am Gaumen eine Attacke nach der anderen. Längerfristig vielleicht der größere Champagner.

Weinfeuerwerk im Antici Sapori

Ziemlich spontan trafen wir uns an diesem Abend im Antici Sapori, einer gemütlichen Trattoria in Düsseldorf am Wehrhan.

Ohne thematische Absprache machten wir hier zu wunderbarer Küche eine kleine Best Bottle mit großen Weinen, bei der einfach alles zusammen passte.

Mit zwei großen Weißen Burgundern starteten wir in den Abend. Der 2009 Meursault Perrières von Lucien Le Moine hatte zwar eine reife Farbe, wirkte aber insgesamt noch jung in der Anmutung. Ein sehr kräftiger, würziger Wein, der viel Luft brauchte und enorm im Glas ausbaute, sehr komplex, mineralisch mit toller Länge – WT94. Noch einen Hauch drüber der rassige, schlanke, am Gaumen sehr animierende 2009 Corton Blanc von Lucien Le Moine mit präziser Zitrusfrucht, Raffinesse und hoher Säure. Immer noch sehr jung wirkend, ging auch als großer Chablis durch – WT94+.

Anschließend gab es ein Feuerwerk reiferer, italienischer Roter. Den Anfang machte ein 1982 Solaia. In klassischer Bordeaux-Stilistik ledrig, erdig-mineralisch, würzig, mit feiner Minznote, sehr elegant und stimmig, in der Farbe sehr viel jünger als am reiferen Gaumen wirkend – WT93. Immer noch voll da und geradezu jung wirkend der 1988 Ornellaia. Kraftvoll wirkend mit enormem Tiefgang und Länge, minzig, etwas Bitterschokolade, intakte Tannine für noch längere Zukunft – WT95. Schlichtweg atemberaubend und perfekt der 1990 Case Basse Brunello di Montalcino Riserva von Soldera, so ein unglaublich druckvoller, stimmiger Wein, sehr komplex mit ewiger Länge und einem Pfauenrad an Aromen, ätherisch mit Minze und Eukalyptus(!), Kirschfrucht, Lakritz, Veilchen. Ein unglaublicher, noch geradezu jugendlicher Wein – WT100. Schade dass der so selten und so sauteuer ist. Von seiner besten Seite zeigte sich auch der gut gereifte, aber immer noch sehr vitale 1998 Gabbro von Montepeloso mit feiner Kirschfrucht – WT94. Sehr dicht und jung noch die Farbe des 1998 Redigaffi von Tua Rita, irre Nase, jodig, ätherisch mit viel Minze und auch etwas Eukalyptus, am Gaumen so druckvoll mit enormem Tiefgang und gewaltiger Länge. Voll intakte, präsente Tannine zeigen, dass die Musik hier noch lange spielt – WT97.

Und dann kam der vielleicht rarste, beste Wein Südtirols, ein 1999 Lamarein von Josephus Mayr aus der Magnum in unsere Gläser. Der nach dem Amarone-Verfahren aus getrockneten Trauben hergestellte, sehr rare Lamarein ist ein im besten Sinne verrückter Wein, ein aromatischer Parforceritt für Nase und Gaumen. Dabei ist dieser 99er erstaunlich schlank und elegant geraten. Florale Nase, Heidelbeeren, Blaubeeren, Veilchen, am Gaumen sehr intensiv, aber trotz des hohen Alkohols überhaupt nicht brandig oder überreif – WT95.

Die „französische Fraktion“ meldete sich dann zum Abschluss noch mal mit zwei Weinen. Der 1997 Hermitage La Chapelle von Jaboulet Ainé war ein eher kleiner, reifer La Chapelle, dem die Dichte der Chapelles aus der Zeit von 1990 und davor fehlte. Aber ein feiner, immer noch frischer Wein mit viel dunklen Früchten, würzig mit erster Süße – WT91. Quasi im Stehen (das Taxi wartete schon draußen) nahm ich dann noch einen großen Schluck des 2013 Condrieu Vieilles Vignes "Jacques Vernay" von Ogier. Ein spannender, natürlich sehr frischer, mineralischer Wein mit floraler Nase und viel Tiefgang. Nur die 96/100, die ihm Jeb Dunnuck bei Parker gegeben hat, die fand ich nicht im Glas. Vielleicht hätte ich mich dafür setzen müssen – WT93.

Wir waren uns einig. Dieser Abend schreit nach baldiger Wiederholung hier an dieser sehr gastlichen Stätte.

Im Wine Live

Manchmal gilt "je oller je doller" wirklich. Einen 1996 Chassagne Montrachet Les Caillerets von Ramonet hatten wir aus der umfassenden Raritätenkarte des Wine Live ausgesucht. Doch der hatte die Premox-Seuche, bei Ramonet in den 90ern leider nicht so selten, und war komplett oxidiert. Stattdessen nahmen wir einen 1990 Meursault-Perrières von Jadot. Der war perfekt gereift mit tiefem, brilliantem Goldgelb und baute schön im Glas aus - WT92. Der absolute Hammer war aber der gut gereifte, aber immer noch so frische 1991 Côte-Rotie von Ogier. Burgundisch und animalisch zugleich mit faszinierender, Côte-Rtie typischer Aromatik, so irre druckvoll bei schlappen 12% Alkohol, tolles Zeugs - WT95. Weiter ging es mit einem 2011 Trilogia von Christos Kokkalis aus Griechenland. Der war für Trilogia erstaunlich schlank und auch etwas verschlossen. Da kommt hoffentlich noch mehr – WT90+. Vorzüglich danach als geiliges, flüssiges Dessert ein 2007 Graham Vintage Port, das war einfach Hedonismus pur – WT97.

Trüffel à go go

Zu unserer jährlichen Trüffelsause hatten wir uns zusammengefunden. Perfekte Perigord-Trüffel in reichlicher Menge, ein begnadeter Hobbykoch und feine Weine ergaben eine geniale Mischung für einen wunderbaren Abend.

Spielerisch-elegant, sehr gefällig und mit der knackigen 10er Säure als Einstieg das 2010 Kirchspiel GG von Keller – WT93. Der 1991 La Landonne von Guigal zeigte sich sehr kraftvoll, trüffelig und edel-rustikal – WT98. Der lange Zeit verschlossene Côte Rotie Mordorée von Chapoutier zeigte sich an diesem Abend deutlich offener und erinnerte in seiner opulenten Würze an große La Moulines – WT99. Immer noch so jung mit massiven Tanninen der 1995 Latour, der mit präziser Frucht und großartiger Struktur schon mal einen guten Ausblick auf das gab, was da in 10+ Jahren mal entstehen dürfte – WT95+. Der 2007 Hermitage von Chave war ein gewaltiges Konzentrat, das aber erstaunlich offen, würzig und süß mit für Chave untypischer Opulenz wirkte – WT97. Und dann war da noch ein spannender Vergleich zwischen zwei sehr gelungenen 86ern. Der zupackende, ledrige 1986 Talbot mit guter Frucht und viel Zedernholz zeigte sich noch so frisch, so jung mit großartiger Struktur und immer noch viel Zukunft – WT96. Auch der 1986 Dominus wart immer noch so irre jung wirkend mit perfekter Struktur, Kraft und Länge, ein großer, klassischer Dominus mit noch langer Zukunft – WT95.

Im 485 Grad in Köln

Angesagt ist sie, diese Pizzeria 485 Grad in Köln mit ihrer geradezu spektakulären, gerade vom GaultMillau ausgezeichneten Weinkarte. Wir nutzten die VDP GG Tour in Köln zu einem Abstecher in die neue, etwas geräumigere Filiale in der Bonner Straße.

Natürlich haben wir auch zwei der phantasievollen Pizzen gegessen, aber deshalb waren wir nicht hier. Die Weinkarte hatte es uns angetan mit reichlich interessanten, wohlfeilen Gewächsen. Straight, mineralisch und präzise der 2010 Halenberg GG von Schäfer Fröhlich – WT94. Saftig, mineralisch und einfach nur groß der 2009 Volnay Santenots-du-Milieu von Comte Lafon – WT94. Animierend, noch so frisch mit wunderbarer Frucht das 2008 Frühlingsplätzchen GG von Emrich-Schönleber aus der Magnum – WT93. Vom Nachbartisch kam ein gut gefülltes Glas des 2009 Trilogia, dem vielleicht besten Wein, den Christos Kokkalis je gemacht hat. Hedonismus pur mit Rasse und Klasse. Très charmant wie die Winzerin selbst diese göttliche 2009 Cuvée Laurence von der Domaine Pegau mit dekadent beeriger Frucht, sehr würzig, leicht rauchig, Lakritz und mediterrane Kräuter, sehr offen und bei aller Fülle erstaunlich balanciert, dürfte noch zulegen – WT96+. Und dann saß irgendwann der komplette Nachbartisch bei uns. Die hatten wohl die Losung ausgegeben „Gantenbein gehört nicht auf eine Pizzeria-Karte“. Gleich drei Flaschen dieses wunderbaren Pinots, des 2012 Gantenbein Pinot Noir, der in erster Trinkreife mit burgundischer Pracht und Fülle überzeugte, machten nacheinander die Runde – WT95+.

Bin gespannt, was Christoph Suhre so alles auf die Karte bringt, wenn er im März den ersten Düsseldorfer Ableger dieser Kultpizzeria eröffnet.

Thank God it´s Friday

Wenn es dieses Berens am Kai nicht gäbe, dann gehörte es dringend erfunden. Dort am frühen Freitagnachmittag einlaufen zu können und dann bei göttlichen Speisen den lieben Herrgott einen guten Mann sein zu lassen, das hat was. Früher tagte dort immer jeden Freitag ab 15 Uhr die wiederbelebte „Gesellschaft zur Bekämpfung der Nüchternheit“. Aber die Damen und Herren sind etwas älter geworden und kommen jetzt erst etwas später. Da füllen wir doch gerne ab und an diese Lücke. So auch an diesem Tag.

Mit einem 2012 Hope Marguerite Chenin Blanc Barrel Reserve von Beaumont aus Südafrika starteten wir in den Nachmittag. Der war, das Holz ließ grüßen, eigentlich nicht Chenin Blanc typisch, sondern überzeugte eher mit burgundischer Fülle, rund, geröstete Mandeln, aber auch gute Säure und Frische – WT92. Extrem spannend der immer noch so junge 2008 Kallstadter Saumagen Auslese trocken R von Koehler Ruprecht mit irrer Mineralität und Präzision, eines der letzten Meisterstücke von Bernd Philippi mit Zukunft ohne Ende WT95+. Und dann gab es "Liquid Drug", den atemberaubenden 2014 Morstein GG von Keller, den "best Morstein ever". Mit diesem irren Spagat aus stoffiger Kraft und filiganer Eleganz so eine Art weißer Cheval Blanc - WT96+. Den in 5-10 Jahren, das wird der Hammer.

Damit landeten wir bei den Roten. Feine Waldbeerfrucht hatte der 2002 Chambertin Clos de Bèze von der Domaine Bart, sehr aromatisch und druckvoll, nur mit der Länge am Gaumen haperte es noch etwas, aber das bringt die Zukunft – WT93+. Eine reife, sehr portig-füllige Nase hatte der 1964 Ksara Vieux Millesime aus dem Libanon. Auch am Gaumen startete der portig mit oxidativen Noten, baute aber aus und wurde immer weicher und burgundischer – WT92. Spektakulär der immer noch so blutjunge 1994 Alban Edna Valley Syrah Reva mit geradezu explosiver Aromatik, Shiraz in Perfektion, schon mehrfach früher getrunken, aber noch nie in dieser Traumform – WT96. Immer noch voll da ohne Zeichen von Alter ein perfekt gereifter 1983 La Fleur Petrus – WT93. Mit Druck, Kraft, Fülle und Länge überzeugte ein großartiger 1990 Clos Vougeot von Louis Latour – WT95. Da kommt vielleicht der finessige 1993 Chambertin Clos de Bèze von Faiveley auch noch hin, der noch reichlich Zukunft hat – WT93+.

Recht jung wirkte als Abschluss vom Nachbartisch ein 2009 Clerc Milon mit viel Muskeln und röstiger Fülle, der aber mit der Finesser der Vorgänger nicht mit kam. Aber da kommt in 5-10 Jahren noch mehr – WT91+.

Käsefondue

Statt der Sonntagsmagnum zum Sonntagsmenü gab es an diesem Sonntag zuhause ein traumhaftes Käsefondue (Original Gletscherfondue aus der Latteria Pontresina) und dazu ein weiß/rotes Feuerwerk. Rassig, mineralisch mit knackiger Säure der 2014 Niersteiner von Wittmann - WT92+. Da steht nur „Niersteiner“ drauf, aber der Wein stammt aus einer großen Lage, hat Klasse und sicher eine dazugehörige Zukunft. Jede Suche wert. Würzig, vanillig und schmelzig, aber auch etwas süß der 2009 Meursault Janotsbos - WT92. Sehr elegant und finessig der enorm druckvolle 2013 Chardonnay von Studach aus der Bündner Herrschaft - WT94.

So weit, so gut. Doch dann übernahmen drei mächtige Rote das Regiment, denen völlig egal war, was auf dem Tisch an Essen stand. Und mit dem reifen, sehr würzigen 2000 Chateauneuf-du-Pape Cuvée Reservé der Domaine Pegau mit dieser dekadent süßen Kirschfrucht machten wir den Anfang – WT95. Da setzte der schlichtweg geniale 2003er des Gutes noch mal eins drauf. Der wirkte wie ein 2000er mit Turbolader – WT97. Heftig, kräftig, üppig und schokoladig zum Abschluss der 2012 Mossone von Stefano Antonucci aus Marken, ein 100% Merlot mit der Wucht des Jahrgangs, dem ich bis zur nächsten Flasche noch ein paar Jahre im Keller gönnen werde – WT93+.

Die Messlatte

Just am Tag bevor es in die Schweiz zur großen Screaming Eagle Probe ging, besuchten uns liebe Freunde. Das war eine gute Gelegenheit, die Messlatte für den nächsten Tag hoch zu legen. Also ab in den Keller, eine Tasche mit Trouvaillen gepackt und damit ins Berens am Kai.

Weltklasse und in bestechender Form gleich zu Anfang die 2004 Kallstadter Saumagen Auslese trocken R von Koehler-Ruprecht, die gegenüber den Vorjahren kräftig zugelegt hat. Irre Nase, sehr komplex, burgundisch, straffe, kalkige Mineralität und einfach geniale Struktur mit grandioser Länge – WT97. Aus 1963 kann man nur Port saufen? Lachhaft. Man muss nur richtig suchen und das natürlich im richtigen Keller. Einen in 63 geborenen Freund durfte ich an diesem Abend glücklich machen mit dieser so genialen 1963 Wehlener Sonnenuhr feine Auslese von S.A. Prüm. Ein einmaliges, immer noch so vitales, überzeugendes und auch emotionales Erlebnis. Brilliantes, tiefes Goldgelb, in der Nase weiße Früchte, Bienenwachs und das torfige eines großen Whiskys, wirkt am Gaumen mit der immer noch guten Säure harmonisch trocken und sehr balanciert - WT94. Sensationell entwickelt hat sich auch der früher schon häufiger getrunkene 1968 Castillo YGAY von Marques de Murietta. Der wirkte so fein, so elegant mit Scharzer Johannisbeere in der Nase, am Gaumen sehr balanciert mit weichen, seidigen Tanninen und sehr guter Länge. Geht auch als 30 Jahre jünger durch – WT96. So offen, so elegant und geradezu tänzerisch, aber auch mit einem ersaunlichen Schuss Hedonismus der 1990 Margaux, dazu Minze und auch etwas Eukalyptus. Hier wirft die Eisenfaust im Samthandschuh mit Wattebäuschchen – WT98. in absolutem Bestzustand zeigte sich 1990 La Conseillante. Das war die große, hedonistische Schokoladenoper, dabei noch so jung mit perfekter Struktur, einfach genial – WT99. Auch der in seiner Jugend belächelte und erst vor wenigen Jahren aufgeblühte 1985 Latour zeigte sich als jugendlicher, kräftiger, mineralischer Latour mit der typischen Walnussaromatik von seiner besten Seite – WT96. Schade, dass das inzwischen kein Geheimtipp mehr ist. Einfach geiles Zeugs war dieser 1990 Penfolds Grange, Cassis ohne Ende in dicker Schokokruste mit einem kräftigen Schuss Eukalyptus, aber nicht überladen, sondern mit durchaus präzisen Konturen und viel Potential – WT97+. Der schiere, kalifornische Wahnsinn danach der 1999 Foley Claret, der trotz superber, reifer Frucht und irrem, aromatischem Druck so fein und elegant wirkte. So stimmig, komplex und mit viel Tiefgang und Länge. Ein echtes, kalifornisches Meisterwerk – WT99. Gerne hätte ich zum Schluss auch noch das Loblied auf den 2005 Gantenbein Pinot Noir gesungen, aber der hatte einen leichten Stich und zeigte nicht die gewohnte Klasse.

Wer die Worte „jung“ und „jugendlich“ hier nicht mehr hören kann, der sollte wissen, dass alle Weine – die 90er z.B. seit Subskription – unberührt in meinem selbst im Hochsommer nie über 11 Grad warmen Keller bei hoher Luftfeuchtigkeit liegen. Wie viel das ausmacht, merke ich immer wieder, wenn ich solche Weine in Restaurants oder auf Proben aus wärmerer Lagerung trinke. Wer große Weine länger lagern möchte und das großartige, spätere Erlebnis solch perfekt gelagerter Raritäten sucht, sollte unbedingt einen nicht unwesentlichen Teil seines Weinbudgets in entsprechende Lagerung investieren.

In Eders Eichmühle

Sie gehört zu meinen Schweizer Lieblingsrestaurants, diese malerisch oberhalb des Zürichsees gelegene Eichmühle. Die war auch Ende Januar unser Zeil für einen feinen Lunch:

Da kommt man in die Schweiz, möchte noch was Feines zu Mittag essen, und kommt dann in Eders Eichmühle oberhalb des Zürisees aus dem Staunen nicht mehr raus. Stand da doch der, rassige, mineralische 2013 Gantenbein Riesling trocken auf der Karte. Der musste natürlich sofort in unsere Gläser. Irre, diese "Hermannshöhle" à la Gantenbein. Perfekter Begleiter zu Eders großartigem Fischmenü. Rassig, mineralisch, furztrocken mit präziser, in der Nase (nur dort) leicht süßer, betörender Frucht, und mit unerhörter Brillianz – WT95.

Weiter ging es mit einem noch (zu) jungen 2010 Echezeaux von Faiveley. Der war blaubeerig, kräftig und erst stückweit verschlossen, entwickelte sich aber mit zunehmender Luft und wurde immer feiner – WT93. Den Abschluss machte eine 2010 Umathum TBA, ein ziemlich fülliger Marillenlikör, dem bei aller Süße einfach die Säure fehlte – WT89.