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November 2013

Immer wieder Bonny´s

Ins Dado waren wir zu dieser feinen Probe geladen. Unser Gastgeber begrüßte uns mit einer 2005 Hermannshöhle Spätlese von Dönnhoff. Sehr mineralisch mit feinem Süße-/Säurespiel und mit faszinierender Leichtigkeit, kann sicher gut mit den Besten von der Mosel mit – WT94.

Mit tiefem Gold kam der üppige 2000 Riesling Singerriedel Smaragd von Hirtzberger ins Glas, die Nase wurde mit Luft immer süßer, kräuteriger und würziger, auch am säurearmen Gaumen kam immer mehr Extraktsüße und spürbare Boytritis – WT92. Um Klassen darüber mit geradezu explosiver Aromatik der 1999 Grüner Veltliner Honifogl Smaragd von Hirtzberger, der mit seiner Brillianz und seiner Tiefgründigkeit auch als großer Montrachet durchgeht – WT98.

Faszinierend der 1997 Araujo Eisele mit feiner, rotbeeriger Frucht, schmeichelnd mit viel süßem Schmelz, dabei sehr elegant und ohne die üppige Schwere vieler 97er – WT97. Da kam der etwas ungelenk wirkende, sehr kräftige 1997 Dominus mit dunkler Frucht, Leder, etwas Fruchtsüße, aber auch noch zupackenden Tanninen nicht mit, aber da kommt demnächst sicher wieder mehr – WT94.

Den nachfolgenden Flight würde ich gerne in 10 oder 20 Jahren noch mal trinken. Zwei noch recht verschlossene Giganten aus dem großen Pomerol Jahr 1998 traten gegeneinander an. Der sehr kräftige 1998 Vieux Certan ließ mit reifer Kirschfrucht und erstem, schokoladigen Schmelz ahnen, was da später mal ins Glas kommt – WT94+. Maskulin, sehr kräftig mit der typischen Lakritz und Kräuternote, aber geprägt von massiven Tanninen und derzeit recht verschlossen zeigte sich 1998 Lafleur, der in der Reife sicher das Zeug zum perfekten Wein hat, dafür aber locker noch 10 Jahre braucht – WT95+.

Und dann als Solitär dieser 1990 Silver Oak Bonny´s Vineyard, noch dazu aus der Magnum, mit seiner süßen, minzigen Frucht und seiner verschwenderischen aromatik war das für mich ganz klar der Wein des Abends – WT97. Während Alexander und Napa von Silver Oak schon in der Jugend viel Spaß machen, braucht Bonny einfach Zeit. Schade, dass diese kleine Parzelle, benannt nach Justin Meyers Frau Bonny, der Reblaus zum Opfer fiel.

Immer noch so jung war 1990 Ridge Monte Bello mit superber Kirschfrucht, viel Minze und sehr guter Struktur – WT95. Kaputt war leider 1990 Heitz Martha´s Vineyard mit deutlicher Überreife und flüchtiger Säure ohne Ende.

Auch im nächsten Flight gab es leider einen Ausfall. 2001 Clos Mogador war eine miese Flasche, weit von der Normalform dieses sonst so großartigen Weines weg. Dafür bekam ich im anderen Glas meinen bisher nit Abstand besten 2001 Sassicaia. Der musste aus zu warmer Lagerung stammen, denn so offen und süß habe ich diesen Langstreckenläufer noch nie erlebt – WT96. Aus kühler Lagerung ist dieser Wein immer noch ziemlich verschlossen und braucht länger in der Karaffe, um wenigstens stückweit zu zeigen, was er drauf hat.

Daneben leider dann der 1988 Mouton Rothschild mit amaronigen, überreifen Noten, wirkte irgendwie verkocht. Sehr elegant, finessig und mineralisch mit viel Zedernholz der 1988 Leoville las Cases – WT93.

Und dann gab es als Abschluss noch ein Lehrstück für zu frühen Weingenuss. Die 2012 Hermannshöhle GG von Dönnhoff hielten einige am Tisch für eine Fälschung, denn der Wein roch und schmeckte wie ein kleiner, feiner Sauvignon Blanc. Des Rätsels Lösung war simpel. Die Hermannshöhle war einfach noch zu jung. In den folgenden Wochen habe ich diesen Wein mehrfach nachverkostet. Er veränderte sich fortlaufend und zeigte sich erst 6 Wochen später so, wie man das von ihm erwartete.

Best Bottle im Wine Live

Den Vorabend von Uwe Bendes großer Raritätenprobe hatten wir für eine knackige Best Bottle im Wine Live ausgeguckt. Hier ging es richtig zur Sache, denn alle hatten tief in ihre Keller gegriffen. Sehr frisch und immer noch jung wirkend mit deutlicher Säure, hoher Mineralität und cremiger Frucht die 2001 Hermannshöhle Spätlese trocken von Dönnhoff - WT93. Viel Fülle, aber wenig Rasse zeigte 2005 Rothenberg Wurzelecht von Kühling-Guillot - WT89.

Sehr vielversprechend bei der 1990 Billecart Salmon Grande Cuvée die herrlich generöse, nussige Brioche Nase, doch am Gaumen wirkte dieser Champagner eher schlank mit kurzem Abgang, dazu schon sehr reif und in dieser Form mit wenig Zukunft - WT90. Da war 1999 Bollinger Grande Année schon ein anderes Kaliber, fruchtig, füllig, sehr komplex und immer noch jung und vibrierend - WT94.

Spannend, wenn vielleicht auch etwas unfair, der nächste Vergleich. Perfekt gereift der 1976 Grands Echézeaux von DRC, der mal wieder deutlich zeigte, wie gut der lange abgeschriebene Jahrgang 1976 aus Burgund sich heute präsentiert. Reife Farbe ohne deutliche Alterstöne, feines Spiel roter und blauer Beeren, sehr elegant und finessig mit feiner Süße und generösem Schmelz, bleibt lang am Gaumen - WT95. Deutlich kräftiger, fülliger und jünger der 2004 Gantenbein Pinot Noir, der aber mit dem Charme des DRC einfach nicht mit kam - WT92.

WIRD FORTGESETZT

Einen Versuch war er wert, dieser 1948 Mouton Baron Philippe. Doch da liegen Welten zum großen Schwestergut Mouton Rothschild. Der hier war trüb mit hoher Säure, auch etwas flüchtiger Säure und markanten Sauerkrautnoten. Nicht unbedingt das, was ich im Glas brauche. Auch im Glas wurde der Mouton Baron nur marginal besser. Der hat es wohl schon länger hinter sich - WT78. Noch etwas zum Namen dieses Gutes. Seit der Klassifikation 1855 hieß es d´Armailhac, von 1933 bis 1956 hieß es eigentlich Mouton d´Armailhac, wobei ich aus dieser Zeit auch schon einige Flaschen mit dem Label Mouton Baron Philippe gesehen habe. Unter diesem Namen lief er dann bis 1974 ausschließlich, bevor 1975 aus "Baron" Baronne wurde. Erst mit dem Jahrgang 1989 bekam das Chateau seinen alten Namen wieder und firmiert seitdem wieder unter Chateau d´Armailhac. Im anderen Glas ein 1959 Chapelle Chambertin von Moroni, der sich in bester, reifer Burgunderart präsentierte. Herrlich generöse Kaffeenase und immer noch gute Frucht, auch am Gaumen viel Kaffee mit hedonistischer Süße, enormer, aromatischer Druck, gute, tragende Säure - WT96.

Und was war das jetzt in der unten abgebildeten Flasche mit dem wunderbaren Jugendstil-Etikett? Ich habe diese Flasche vor längerer Zeit zu noch akzeptablem Kurs bei Ebay gekauft, wohl wissend, dass mit dieser Flasche etwas nicht stimmte. Die Flasche selbst stammte aus Ende der 40er, Anfang der 50er Jahre, das Etikett vom Ende des vorletzten Jahrhunderts, der uralte, schrumpelige, schwarze Korken war sicher nicht jünger. Und der Inhalt der Flasche? Erstaunlich dichte Farbe, zu Anfang Klebstoff ohne Ende und Massen flüchtiger Säure. Doch dieser anscheinend uralte Wein kämpfte sich stückweit aus den ewigen Jagdgründen zurück. Vorne war jetzt reifer, alter Madeira, durchaus mit gewissem Charme, hinten immer mehr Schoko und dunkles Toffee. War das jetzt ein uralter Lafite, irgendwann vor 60 Jahren umgefüllt in eine andere Flasche? Wir werden es nie erfahren. Aber die Flasche mit dem Jugendstiletikett ziert jetzt das Wine Live. Ausgerechnet der richtige, daneben gestellte 1975 Lafite Rothschild hatte einen Treffer, übler Kork, schade. Da musste dann die Reserveflasche an, ein prächtiger 1990 Mouton Rothschild, Mouton vom Feinsten mit der klassischen Röstaromatik - WT95.

Zweimal großes Bordeauxkino im nächsten Flight. In bestechender Form der 1990 Montrose, der erstaunlich viel, aber noch längst nicht alles zeigte - WT97+. Aber doch irgendwo beruhigend, dass dieser Superstar wieder auf dem Weg zu den 100 Punkten ist, die er damals in der kurzen, knackige Fruchtphase zeigte. Nicht weit davon weg der 1990 Angelus, ein jugendlicher, maskuliner, perfekter Brombeersaft, der leider einen immer stärker werdenden Fehlton entwickelte. Schade, aber diese zwei Giganten würde ich gerne noch öfter gegeneinander trinken.

Vier spannende Knaller-Zwillinge lagen noch vor uns an diesem Abend. Unglaublich jung mit tiefdunkler Farbe und viel Kraft zeigte sich der ewige Geheimtipp 1982 Grand Puy Lacoste mit herrlicher Frucht, trüffeligen Noten, Zedernholz, Bitterschokolade, mit Eleganz und großartiger Länge - WT96. Im anderen Glas ein ebenfalls noch erstaunlich vitaler Klassiker, 1947 Gazin in einer Hanapier-Abfüllung. In der Nase zeigte er neben schokoladiger Süße eine gewisse Strenge, am Gaumen war da nur süße Opulernz, eben Pomerol aus 1947 - WT94.

Wohl dem, der damals beim Bordeaux Jahrgang 1986 zugeschlagen hat. Absolute Schnäppchenpreise waren das damals im Vergleich zu heute. € 50 habe ich seinerzeit für 1986 Mouton Rothschild bezahlt, nicht der Subskription - die war noch günstiger - sondern in den Ankunftsofferten. Nicht nur ausgezeichnet sind die 86er Bordeaux, vor allem die vom linken Ufer, sondern auch sehr langlebig. In Bestform zeigte sich der 1986 Rauzan-Ségla. Süße, präsente, fast etwas kalifornisch anmutende Frucht, von der die immer noch präsenten Tannine überdeckt werden, Leder, sehr würzig, gute Struktur, dürfte sich auf diesem Niveau noch lange halten - WT95. Ein jugendlicher Brocken im anderen Glas der 1986 Gruaud Larose, bei dem das Beste erst noch kommt - WT96+.

Ähnlich der zweite 86er Bordeaux Zwilling. Sehr offen mit betörender Frucht die elegante 1986 Pichon Comtesse - WT95. Ein Kraftbündel mit Tanninen ohne Ende und irrem Potential der 1986 Leoville las Cases, ein Langstreckenläufer mit Legendenpotential - WT97+. In 10 Jahren werden die Vergleiche Gruaud 82/86 und Las Cases 82/86 auf großen Proben für Furore sorgen.

Kalifornisch der Abschluss unserer Probe. Ein Traum der 2001 Phelps Insignia mit immer noch junger, ins purpurne gehender Farbe, Cassis pur, hohe Mineralität, Zedernholz, herrliche Fruchtsüße, aber auch sehe elegante, seidige Textur, immense Länge - WT97. Blind war ich dann beim 2001 Ridge Monte Bello bei einem Hillside Select. So dicht, so üppig kenne ich Monte Bello eigentlich nicht. Dabei noch so jung mit Potential für Jahrzehnte - WT98.

Im Antichi Sapori

Bei Franco Frau im Antichi Sapori trafen wir uns Ende November zu einer kleinen, feinen Verkostung, für die wir tief in unsere Keller gestiegen waren.

Den Anfang machte ein 1969 Grüner Veltliner Himmelsstiege Spätlese von der WG Wachau, der sich noch so erstaunlich frisch und jung präsentierte. Brilliantes Goldgelb die Farbe, nussig und mineralisch die Nase mit Sahnekaramellen, am Gaumen immer noch frische Säure und dezente Restsüße, feine Würze, keine Spur von Alter, trank sich einfach saugut. Und wenn am Tisch auf einen +- 10 Jahre alten Honivogl getippt wurde, dann sagt das eigentlich alles – WT95. Im anderen Glas ein 2005 Corton Charlemagne von Bonneau du Martray, in der kräuterigen, sehr frischen Nase feiner Thymian-Honig, am Gaumen sehr mineralisch, Feuerstein ohne Ende, noch so blutjung mit gewaltigem, aromatischem Druck, kann und wird noch zulegen – WT94+.

Ganz großes Burgunderkino der 1947 Vosne Romanée Vandermeulen mit sehr dichter, fast altersfreier, immer noch brillianter Farbe, viel reife Schwarzkirsche, enormer Druck am Gaumen mit gewaltiger, innerer Dichte, gute Säurestruktur, sehr langer Abgang, noch lange nicht am Ende – WT97.

Auf extreme hohem Niveau ging es weiter mit einem 1987 Chateau Montelena in Bestform. Tiefe, junge Farbe, knallte am Gaumen mit Power ohne Ende, wie eine Mischung aus Dunn und Harlan, gewaltiger Abgang, ging in dieser perfekten Form mit dieser Wahnsinnsfrucht locker als 2001er durch – WT97. In klassischer Bordeaux-Stilistik zeigte sich der immer noch von präsenten Tanninen geprägte 1987 Dominus mit viel Leder und Tabak. Ein Langstreckenläufer, bei dem noch mehr kommt – WT94+.

Anders kenne ich 1986 Cos d´Estournel, der hier massig Brett in der Nase und auch am Gaumen zeigte, Frucht Fehlanzeige. Flaschenfehler?

Burgund vom burgundischsten war dann der 1992 Musigny Vieilles Vignes Comte de Vogüe, so filigran, von solch luftiger Eleganz, aber so extrem aromatisch mit betörender, pikanter Frucht, Walderdbeeren und Himbeeren, sehr schöne Länge, Meißener Porzellan als Wein – WT97. Kräftiger und maskuliner mit sehr schöner, rotbeeriger Frucht der 1986 Richebourg von Jean Gros, immer noch mit reichlich Tannin, sehr langer Abgang – WT95+.

Ein großes Beet Roter Rosen auf Frisch geteerter Straße, das war die erste Anmutung des 1990 Barbaresco Sori San Lorenzo von Gaja, der bei aller Dichte und Jugend auch schon eine generöse Süße zeigte – WT96. Als einfach geiler, großer Bordeaux mit perfekter Struktur und Länge kam der immer noch so jung wirkende 1989 Solaia ins Glas. Von diesem Wein aus einem nicht überragenden Toskana-Jahrgang wird man sicher noch hören – WT94+.

Eigentlich waren wir bettreif, doch zwei Granaten rüttelten uns noch einmal wach. Der 2007 Heitz Martha´s Vineyard soll die moderne Variante des legendären 74ers sein. Wir warden sehen. Minze, Eukalyptus, Süße, Kraft und Länge hat dieses jugendliche Konzentrat jedenfalls reichlich – WT96+. Und dann war da im anderen Glas noch eine Aromenbombe, die wie ein etwas schlankerer, aber sehr nachdrücklicher Kalifornier mit Minze und Eukalyptus aus dem Piemont wirkte, großartig und perfekter Schlusspunkt, dieser 1989 Barolo Sperss von Gaja – WT96.