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November 2014

Trüffel satt

Klar mag ich Trüffel, aber wenn im Restaurant der Mann mit dem weißen Handschuh und der Briefwaage kommt, dann gehen mir die Nackenhaare hoch. Anders bei diesem wunderbaren Viergang Trüffelmenü eines guten Freundes. Es gab Alba-Trüffel satt, und das in allerbester Qualität. Dazu erlesene Flüssigkeiten. Selbst die Magnum war noch zu klein für Lucien Le Moins spektakulären 2009 Meursault Charmes Cuvée Bahezre de Lanlay vom Hospice de Beaune. endlich mal wieder ein richtig großer, weißer Burgunder, sehr würzig, mineralisch mit feinem, nussigem Schmelz, komplex und lang, hat Struktur und Rasse, aber eben auch dieses Quentchen wohldosierter Opulenz, das ihm eine einfach traumhafte Trinkigkeit verleiht - WT95. Eleganz pur danach der 1982 Barbaresco Sori Tildin von Gaja, Rosenblätter, Veilchen, ein Hauch Lakritz, gute Mineralität, entwickelte sich wunderbar im Glas, immer noch so frisch und finessig, mit sehr präziser Struktur und guter Länge – WT95. Schwierig zumindest zu Anfang der 2004 Flaccianello mit seiner animalisch-stinkigen Nase, wurde im Glas zögerlich besser mit reifer Beerenfrucht, Zedernholz und erdiger Mineralität, da könnte mit den Jahren noch deutlich mehr kommen – WT93+. Großes Kino natürlich der gewaltige, konzentrierte 2006 Masseto, der mit seinem guten Tannin- und Säuregerüst und der reifen Frucht dunkler Beeren noch so jung und frisch wirkte, dabei so unglaublich elegant und stimmig mit ewigem Abgang – WT97+. Würzig und einfach wunderschön zu trinken der reife, aber immer noch frische und kräftige 1997 Barbaresco Gallina von La Spinetta mit verführerischer, süßer Frucht. Sicher nicht der komplexeste aller Weine, aber mit hohem Spaßfaktor – WT94.

Immer wieder Saittavini

Und wieder einer dieser genialen Saittavini-Nachmittage, die irgendwann zum Abend wurden. Wir hatten lieben Besuch aus der Schweiz, und als wir im Saittavini eintrudelten, hatte der es sich schon mit einem 2008 Riesling Achleiten Smaragd von Rudi Pichler gemütlich gemacht. Der war reif, kräftig, sehr würzig mit guter Fülle – WT92.

Jetzt, wo unsere Runde komplett war, kamen zwei große rote Merlots auf den Tisch bzw. ins Glas. Einfach ein geiles Gesöff der 2001 Mossone von der Azienda Santa Barbara aus Marken mit satter, süßer Kirsch- und Brombeerfrucht, altem Balsamico, reichlich vanilliger Röstmaromatik, Kaffee und heftigen 15% Alkohol. Aber es war vor allem die schokoladige Fülle, die diesen Wein wie eine Sachertorte unter einem großen Berg Schlagsahne wirken ließ. Nein, den könnte ich nicht jeden Tag trinken und auch keine ganze Flasche. Aber meine beiden Gläser, die waren schlicht und einfach irre, ein hedonistischer Overkill – WT97. Der danach getrunkene 2011 Petrolo Galatrona besaß deutlich mehr Struktur, aber erheblich weniger Sex-Appeal, dürfte aber mit den Jahren noch zulegen – WT94+.

Und was macht man nach zwei so irren Geschossen? Wir wurden leichtsinnig. Da war in einer Ecker ein ganzer Stapel(!) von 2011 Masseto Kisten. Eigentlich nicht mein Ding, weil zwar gut, aber viel zu teuer. Leichtsinn, Übermut und Neugier ließen uns aber in eine intensive Verhandlung mit Michelangelo Saitta einsteigen. Und irgendwann hatten wir ihn soweit oder er uns, ganz wie man es nimmt. Die vornehme OHK öffnete sich, der Korken kam aus der Flasche, der Masseto in die Karaffe und dann in unsere Gläser. Dieser dritte Merlot aus Italien und 2011 war nicht nur der mit Abstand teuerste, er war auch der verschlossenste mit gewaltiger Struktur und Substanz. Klar waren da auch reife, dunkle Früchte, eine feine Kräuternote und schokoladiger Sex-Appeal. Aber alles eleganter, viel stimmiger und nobler. Nein, dieser Masseto ist bei aller Klasse eigentlich sein Geld nicht wert, aber eine Sünde wert ist er schon – WT96+.

Wie sollten wir danach jetzt weitermachen? Da half nur ein Gebietswechsel ins Piemont. Michelangelo half uns mit einem großen Schluck 2004 Barbaresco Asili Riserva Red Label von Giacosa aus einer am Vortag geöffneten Magnum auf die Sprünge. Was für ein genialer wein, erstaunlich offen, sehr elegant und fast grazil trotz des enormen, aromatischen Drucks, feine, süße Frucht, sehr minzig, ewige Länge – WT97. Den probierten wir dann gleich noch als 2007er. Dieser 2007 Barbaresco Asili Riserva Red Label wirkte, obwohl frisch geöffnet, noch etwas offener mit süßerer Frucht, ebenfalls sehr elegant mit reifen, weichen Tanninen – WT95. Auf gleichem Niveau aber in anderer Stilistik und noch nicht so offen zum Schluss dann noch der deutlich kräftigere 2006 Sori San Lorenzo von Gaja mit dunklen Früchten, Rosenblättern, Lakritz, Menthol, teeriger Mineralität und enormer Substanz, da kommt mit den Jahren noch mehr – WT95+.